{"id":10268,"date":"2026-04-26T09:29:53","date_gmt":"2026-04-26T09:29:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10268\/"},"modified":"2026-04-26T09:29:53","modified_gmt":"2026-04-26T09:29:53","slug":"reportage-namibia-bruchsal-und-ein-grabstein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10268\/","title":{"rendered":"Reportage | Namibia, Bruchsal und ein Grabstein"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10662 size-full alignleft\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Icon-WILLI-W.png\" alt=\"Icon-Stadtmagazin WILLI\" width=\"32\" height=\"32\"\/><\/p>\n<p>Ein besonderes Foto erreichte uns aus Namibia: WILLI-Leser Steffen Ott war im afrikanischen Windhoek, als sich ihm zuf\u00e4llig die T\u00fcren der sonst geschlossenen \u201eAlten Feste\u201c \u00f6ffneten \u2013 dem \u00e4ltesten Geb\u00e4ude der Stadt. Im Inneren stie\u00df er auf eine Tafel die auf einen Bruchsaler hinweist. Diese unerwartete Spur f\u00fchrt zur\u00fcck in ein dunkles Kapitel der Geschichte.<\/p>\n<p>Was war damals in Deutsch-S\u00fcdwest-afrika los? \u2013 Ein kurzer R\u00fcckblick<\/p>\n<p>Das, was heute Namibia ist, war von 1884 bis 1915 eine deutsche Kolonie mit dem Namen Deutsch-S\u00fcdwestafrika. Die deutsche Kolonialverwaltung errichtete Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte, sicherte sich Land \u2013 oft mit Gewalt \u2013 und behandelte die einheimische Bev\u00f6lkerung systematisch als Menschen zweiter Klasse. Besonders betroffen waren die Herero und Nama, zwei Volksgruppen, deren Lebensgrundlagen durch Landraub, Zwangsarbeit und Repression zerst\u00f6rt wurden.<\/p>\n<p>1904 erhoben sich die Herero gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Es war der Beginn eines blutigen Kolonialkriegs, der als einer der ersten V\u00f6lkermorde des 20. Jahrhunderts gilt. Unter dem Befehl von Generalleutnant Lothar von Trotha gingen die deutschen Truppen mit extremer H\u00e4rte vor: Tausende Herero wurden in die W\u00fcste Omaheke getrieben, wo sie verdursteten. Auch die Nama, die sich sp\u00e4ter ebenfalls gegen die Deutschen erhoben, wurden brutal bek\u00e4mpft. Konzentrationslager, systematische Ausrottung und Enteignung pr\u00e4gten die deutsche Kolonialpolitik bis zum Ende der Herrschaft 1915.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-145293 size-medium\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Alte-Feste-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/>Die \u201eAlte Feste\u201c in Windhoek mit dem Reiterdenkmal<\/p>\n<p>Die Alte Feste in Windhoek<\/p>\n<p>Die Alte Feste ist das \u00e4lteste Geb\u00e4ude Windhoeks und wurde 1890 als Hauptquartier der deutschen Schutztruppe errichtet. Sie steht symbolisch f\u00fcr die milit\u00e4rische Kontrolle w\u00e4hrend der Kolonialherrschaft in Deutsch-S\u00fcdwestafrika. Bis 1915 diente sie dem deutschen Milit\u00e4r, sp\u00e4ter den s\u00fcdafrikanischen Truppen. Bekannt wurde sie auch durch das Reiterdenkmal, das heute im Innenhof steht \u2013 als Zeichen kritischer Erinnerung. Sp\u00e4ter wurde das Geb\u00e4ude als Internat und Museum genutzt. Seit 2014 ist es geschlossen, wird aber aktuell saniert und soll k\u00fcnftig als Kultur- und Erinnerungsort neu er\u00f6ffnet werden. Deutschland unterst\u00fctzt die Sanierung finanziell, um die Erinnerung an das koloniale Unrecht wachzuhalten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-145296 size-medium\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Todesanzeige-1904-300x397.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"397\"  \/>Traueranzeige: Die Todesanzeige von 1904 erschien im Fernsprecher der Badischen Landeszeitung. Bereitgestellt vom Bruchsaler Stadtarchiv.<\/p>\n<p>Ein Bruchsaler im Schatten der Geschichte<\/p>\n<p>Wer Hauptmann Otto Klein genau war, l\u00e4sst sich bislang nur in Umrissen erkennen. Er wurde 1866 in Bruchsal geboren und diente als Hauptmann und Kompaniechef in der Kaiserlichen Schutztruppe f\u00fcr Deutsch-S\u00fcdwestafrika. In einer Zeit gro\u00dfer Spannungen und Gewalt war er Teil eines milit\u00e4rischen Apparats, dessen Handlungen heute kritisch betrachtet und vielfach als kolonialer Gewaltakt mit verheerenden Folgen eingeordnet werden.<br \/>Otto Klein starb am 29. November 1904 mit 38 Jahren im Lazarett der Milit\u00e4rstation Epukiro an Typhus \u2013 das belegt eine Todesanzeige, die dem Stadtarchiv Bruchsal vorliegt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Dass ein Bruchsaler Name bis heute auf einer Grabtafel in Windhoek zu lesen ist, macht die Geschichte greifbarer \u2013 und zeigt: Geschichte ist nie fern. Sie lebt weiter in Namen, Erinnerungen und<br \/>Fragen.<\/p>\n<p>\n\t\t\tWer wei\u00df was? Gibt es Spuren? Wer war Hauptmann Otto Klein aus Bruchsal, gestorben 1904 in Namibia? Gibt es noch Verwandte, Dokumente oder Erinnerungen an ihn oder an andere Bruchsaler mit Verbindung zur Kolonialzeit in S\u00fcdwestafrika? Hinweise gerne an: medien@egghead.de\n\t\t\t<\/p>\n<p>Aus RegioMagazin WILLI 07\/2025\u00a0\u00a0 |\u00a0\u00a0 Text: Iris Weindel \/ Bilder: Steffen Ott, Adobe Stock\/David Brown \/ Stadtarchiv Bruchsal<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kommentieren?<br \/>Ja bitte, denn eine offene Diskussion f\u00f6rdert das Miteinander.<br \/>Bitte achten Sie dabei auf unsere <a href=\"https:\/\/landfunker.de\/kommentarregeln\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Kommentarregeln<\/a> (Info)\n<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"#comments\" class=\"shortc-button medium green \"> Hier geht es zum Kommentarfeld &gt;&gt;&gt;<\/a>\n<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein besonderes Foto erreichte uns aus Namibia: WILLI-Leser Steffen Ott war im afrikanischen Windhoek, als sich ihm zuf\u00e4llig&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10269,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[5120,5119,414,5118,1103],"class_list":{"0":"post-10268","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-namibia","8":"tag-alte-feste","9":"tag-grabstein","10":"tag-namibia","11":"tag-regiomagazin-willi","12":"tag-windhoek"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116470311938966654","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10268"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10268\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10269"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}