{"id":10436,"date":"2026-04-26T17:15:06","date_gmt":"2026-04-26T17:15:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10436\/"},"modified":"2026-04-26T17:15:06","modified_gmt":"2026-04-26T17:15:06","slug":"wer-kann-in-libyen-frieden-schaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10436\/","title":{"rendered":"Wer kann in Libyen Frieden schaffen?"},"content":{"rendered":"<p>Bald k\u00f6nnte auch die T\u00fcrkei im B\u00fcrgerkriegsland Libyen mitmischen. Geht es nach dem Willen von Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan stimmt das t\u00fcrkische Parlament seinem Vorhaben bereits in wenigen Tagen zu: Erdogan will die von den Vereinten Nationen (UN) anerkannte Regierung in Tripolis in deren Kampf gegen den Milizenf\u00fchrer Chalifa Haftar milit\u00e4risch unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 sind die Verh\u00e4ltnisse chaotisch. Mittlerweile haben sich zwei Machtpole herauskristallisiert: die von vielen Staaten und den UN anerkannte Regierung von Fajis al-Sarradsch in Tripolis\u00a0und die Miliz von General Haftar. Der kontrolliert den Osten des Landes und wird unter anderem von \u00c4gypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Russland unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Offensive auf Tripolis<\/p>\n<p>Im April haben Haftars Truppen begonnen, Tripolis anzugreifen. Seine K\u00e4mpfer scheinen immer weiter\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/baldige-einnahme-von-tripolis-bef\u00fcrchtet\/a-51578209\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">auf die Hauptstadt vorzur\u00fccken<\/a>. Haftars Miliz, die selbsternannte Libysche Nationalarmee (LNA), teilte mit, ihre K\u00e4mpfer seien nur noch zehn Kilometer vom Zentrum\u00a0entfernt. Die sogenannte Einheitsregierung von Sarradsch kontrolliert bisher nicht einmal ganz Tripolis\u00a0und ist ihrerseits von der milit\u00e4rischen Unterst\u00fctzung gewisser Milizen abh\u00e4ngig, die wiederum eigene Interessen verfolgen.<\/p>\n<p><img data-format=\"FREE_IMAGE\" data-id=\"48227737\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/48227737_${formatId}.png\" data-aspect-ratio=\"1920\/1920\" alt=\"Infografik Der Konflikt in Libyen DE\" style=\"padding-bottom: 100.00%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Libyen wird von verschiedenen politischen Kr\u00e4ften kontrolliert<\/p>\n<p>Seit dem Beginn der Offensive vor acht Monaten wurden nach UN-Angaben\u00a0mehr als 280 Zivilisten get\u00f6tet und mehr als 140.000 Menschen vertrieben.\u00a0Bereits im November unterzeichnete Sarradsch ein Abkommen mit der T\u00fcrkei, das Ankara die Entsendung von Luft-, Boden- und Marineeinheiten sowie die Lieferung von Waffen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>&#8222;Damit Sarradsch seine Macht erhalten kann, nimmt er die Hilfe der T\u00fcrkei an&#8220;, sagt Claudia Gazzini von der International Crisis Group. &#8222;Das hei\u00dft aber, dass der Kampf um die Hauptstadt eskalieren wird.&#8220;<\/p>\n<p>Kampf um Vormachtstellung<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union ist bem\u00fcht, einen Waffenstillstand in Libyen zu vermitteln. Eine in Berlin vorgesehene Konferenz im Januar 2020 hat aber laut Libyen-Expertin Gazzini kaum Chancen auf Erfolg: &#8222;Im derzeitigen Klima ist fraglich, ob ein Friedensgipfel das Ende der Feindseligkeiten in Libyen herbeif\u00fchren kann&#8220;, so Gazzinni, die als Beraterin f\u00fcr den UN-Sonderbeauftragten in Libyen, Ghassan Salame, t\u00e4tig war. Au\u00dferdem sei General Haftar nicht bereit zu verhandeln und wolle um jeden Preis die Macht ergreifen. Der Warlord wolle den Krieg fortsetzen und werde dies auch tun, solange er die milit\u00e4rische Hilfe von seinen Verb\u00fcndeten erhalte.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass sich die Europ\u00e4er im Libyen-Konflikt nicht einig sind. So steht Italien, wie die meisten EU-L\u00e4nder, hinter der Sarradsch-Regierung, Frankreich jedoch unterst\u00fctzt Haftar. Der libysche Politik-Analyst Mohamed Fouad rechnet nicht mit einer aktiven europ\u00e4ischen Rolle: &#8222;Die EU kann Haftar nicht unter Druck setzen. Die europ\u00e4ischen Staaten k\u00f6nnen der Einheitsregierung trotz politischer Unterst\u00fctzung eigentlich nichts anbieten.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"51814354\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/51814354_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Bildkombo Haftar und as-Sarradsch\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Al-Sarradsch (rechts) und General Haftar k\u00e4mpfen erbittert um die Hauptstadt Tripolis<\/p>\n<p>Tripolis &#8222;ohne Alternative&#8220;<\/p>\n<p>Politikberaterin Gazzini sieht es \u00e4hnlich: &#8222;Tripolis soll den Krieg beenden, erh\u00e4lt aber keine wirkliche Hilfe von der EU&#8220;, erkl\u00e4rt die Expertin.<\/p>\n<p>Und ungef\u00e4hr so begr\u00fcndet auch der Chef der UN-gest\u00fctzten Einheitsregierung das Abkommen mit der T\u00fcrkei. In einem Interview mit der italienischen Zeitung &#8222;Corriere della Sera&#8220; erkl\u00e4rte al-Sarradsch, seine Regierung habe auch Italien um Waffen gebeten, aber keine Antwort erhalten. &#8222;Jeder, der uns kritisiert, sollte sich zuerst fragen, was er an unserer Stelle getan h\u00e4tte, und er wird sehen, dass wir keine Alternative hatten.&#8220;<\/p>\n<p>Umstrittenes Vorhaben<\/p>\n<p>International ist die milit\u00e4rische Zusammenarbeit zwischen der Sarradsch-Regierung und der T\u00fcrkei h\u00f6chst umstritten. &#8222;Die T\u00fcrkei hat auch einen Pakt \u00fcber die Kontrolle der mediterranen Gew\u00e4sser mit der Regierung von Tripolis unterzeichnet&#8220;, erkl\u00e4rt Gazzini. &#8222;Das sehen die Europ\u00e4er als Versto\u00df gegen griechisches Recht. Die EU steht diesem B\u00fcndnis sehr skeptisch gegen\u00fcber.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr Erdogan indes scheint Libyen vor allem ein weiterer Schauplatz zu sein, auf dem er sein Ringen gegen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und \u00c4gypten &#8211; allesamt Verb\u00fcndete Haftars &#8211; um die Vormachtstellung in der Region austragen kann.<\/p>\n<p>Eine direkte t\u00fcrkische Intervention in Libyen stelle ein reales Risiko der Eskalation des Krieges in Tripolis dar, sagt Claudia Gazzini. Die EU k\u00f6nne diese verlangsamen, doch sie k\u00f6nne Haftar nicht aufhalten. Der einzige Weg, den Krieg zu stoppen und Frieden zu schaffen, sei, einen Waffenlieferungsstopp der internationalen Verb\u00fcndeten beider Kontrahenten zu erwirken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bald k\u00f6nnte auch die T\u00fcrkei im B\u00fcrgerkriegsland Libyen mitmischen. 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