{"id":10659,"date":"2026-04-27T02:18:29","date_gmt":"2026-04-27T02:18:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10659\/"},"modified":"2026-04-27T02:18:29","modified_gmt":"2026-04-27T02:18:29","slug":"meinl-reisinger-in-aethiopien-auf-den-spuren-der-fat-lady-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10659\/","title":{"rendered":"Meinl-Reisinger in \u00c4thiopien auf den Spuren der &#8222;Fat Lady&#8220;"},"content":{"rendered":"<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Au\u00dfenministerin Beate Meinl-Reisinger weilt am Montag in Addis Abeba. Bereits am Sonntag wurde von der \u00f6sterreichischen Botschaft im kleinen &#8222;Yimtubezina Museum&#8220; eine Ausstellung er\u00f6ffnet, die daran erinnert, dass bis vor gar nicht allzu langer Zeit eine fr\u00fchere \u00f6sterreichische &#8222;Herrscherin&#8220; in \u00c4thiopien sehr pr\u00e4sent war, ohne freilich selbst leibhaftig jemals dort gewesen zu sein. Bis in die 1950er war in der Region n\u00e4mlich der &#8222;Maria-Theresien-Taler&#8220; eine g\u00e4ngige W\u00e4hrung.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Der Maria-Theresien-Taler wurde erstmals 1741 gepr\u00e4gt und trug \u00fcber die Jahre neben Doppeladler, Kaiserkrone und Wappen und dem Wahlspruch &#8222;Justitia et Clementia&#8220; (&#8222;Gerechtigkeit und Milde&#8220;) auch verschiedene Bildnisse der namensgebenden Habsburger-Monarchin Maria Theresia (1717-1780). Sie wird gemeinhin als Kaiserin tituliert, formell war sie damals aber Erzherzogin von \u00d6sterreich sowie K\u00f6nigin von Ungarn, Kroatien und B\u00f6hmen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">In \u00c4thiopien mutierte der Maria-Theresien-Taler ab dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert zur faktischen Landesw\u00e4hrung. Er war dort angeblich so beliebt, dass die Menschen anderen W\u00e4hrungen lange Zeit misstrauten. Da die Menschen in der Region nur M\u00fcnzen mit dem vertrauten Abbild akzeptierten, wurden die Taler \u00fcber Jahrhunderte hinweg fast unver\u00e4ndert mit der Jahreszahl 1780 (ihrem Sterbejahr) nachgepr\u00e4gt. Sogar Kolonialm\u00e4chte wie Italien oder Gro\u00dfbritannien produzierten die M\u00fcnze, um in \u00c4thiopien Handel treiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Ab 1780 zeigte die Zwei-Gulden-Silberm\u00fcnze ein Altersbildnis der gewichtigen Herrscherin mit Witwenhaube und leichtem Doppelkinn. Wegen dieser \u00fcppigen barocken Formen bekam die M\u00fcnze von den Briten auch einen nicht gerade schmeichelhaften Spitznamen verpasst: &#8222;Fat Lady&#8220;.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Doch waren die \u00f6sterreichischen Silbertaler bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die Hauptw\u00e4hrung in \u00c4thiopien. Als die Truppen von Diktator Benito Mussolini in den 1930er Jahren in \u00c4thiopien einmarschierten, um das afrikanische Land f\u00fcr das faschistische Italien zu unterjochen, hatten sie laut Berichten im Marschgep\u00e4ck kofferweise solche Taler eingepackt, mit deren Hilfe die Unterwerfung der \u00c4thiopier und die Konsolidierung der Macht gelingen sollte.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Nach dem Zweiten Weltkrieg verbot der \u00e4thiopische Kaiser Haile Selassie, der von 1930 bis 1974 regierte, den Handel mit dem &#8222;Maria-Theresien-Taler&#8220;. Zeitzeugen zufolge wurde damit aber bis in die 1950er Jahre gezahlt. Dann setzte sich die an sich schon 1894 eingef\u00fchrte \u00e4thiopische W\u00e4hrung Birr durch. Wobei &#8222;Birr&#8220; wohl nicht zuf\u00e4llig &#8222;Silber&#8220; bedeutet &#8230;<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Viele Taler wurden aber schon ab Juli 1945 eingeschmolzen. Als Schmuckst\u00fcck h\u00e4ngt der &#8222;Maria-Theresien-Taler&#8220; in \u00c4thiopien aber auch heute noch an so mancher Halskette. Er gilt auch als Gl\u00fccksbringer, vermutlich weil der Name &#8222;Maria&#8220; gemeinhin eher mit der christlichen Gottesmutter assoziiert wird.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Das war am Sonntagnachmittag auch im kleinen &#8222;Yimtubezina Museum and Cultural Center&#8220; offensichtlich, das dem Taler aktuell eine Ausstellung widmet. Die M\u00fcnze sei nach wie vor popul\u00e4r erz\u00e4hlte einer der Kuratoren, aktuell werden sie um rund 30.000 Birr oder 180 Euro gehandelt.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Allerdings sei nur noch wenigen Menschen, der Bezug zu \u00d6sterreich und der Habsburger-Monarchie gel\u00e4ufig. Insgesamt seien aber im Lauf der Geschichte rund 400 Millionen St\u00fcck im Umlauf gewesen. Mitunter wurden sie auch zweckentfremdet. In einem Schaukasten blickt Maria Theresia aus einem Aschenbecher hervor. Die \u00f6sterreichische Botschaft schrieb auch einen Literaturwettbewerb aus. Die besten vier Texte \u00fcber pers\u00f6nliche Assoziationen zum Taler wurden am Samstag gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Das bei Sammlerinnen und Sammlern immer noch beliebte Geldst\u00fcck gilt jedenfalls als der vielleicht langlebigste Vertreter seiner Spezies \u00fcberhaupt. Von der &#8222;M\u00fcnze \u00d6sterreich&#8220; wird der &#8222;Maria-Theresien-Taler&#8220; bis heute gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Meinl-Reisinger h\u00e4tte an sich bereits am Sonntag nach \u00c4thiopien reisen sollen. Sie flog aber aus der T\u00fcrkei, wo sie am Freitag und Samstag im Rahmen des &#8222;Antalya Diplomacy Forum&#8220; mit mehreren Au\u00dfenministern aus Asien, Nahost und Afrika konferiert und auch UNO-Fl\u00fcchtlingskommissar Barham Salih getroffen hatte, kurz nach Wien zur\u00fcck. Grund waren die laufenden Budgetverhandlungen, wie es aus der bereits nach \u00c4thiopien angereisten Delegation hie\u00df.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Meinl-Reisinger wird in Folge in der Nacht auf Montag nach Addis Abeba nachkommen. In der \u00e4thiopischen Hauptstadt nimmt sie am &#8222;EU-Ethiopia Business Forum&#8220; teil, wo sie auch den EU-Kommissar f\u00fcr internationale Partnerschaften, Jozef Sikela, treffen wird. Zudem ist unter anderem ein Gespr\u00e4ch mit ihrem Amtskollegen Gedion Timothewos geplant. Im Mittelpunkt stehen die bilaterale Kooperation in den Bereichen Wirtschaft, Sicherheit, Migration und Entwicklungszusammenarbeit, aber auch regionale und globale Themen wie die Auswirkungen aktueller Krisen auf die Ern\u00e4hrungssicherheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Au\u00dfenministerin Beate Meinl-Reisinger weilt am Montag in Addis Abeba. Bereits am Sonntag wurde von der \u00f6sterreichischen Botschaft im&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10660,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[29,105,147,106,91,1907,2566,57],"class_list":{"0":"post-10659","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-aethiopien","8":"tag-afrika","9":"tag-aethiopien","10":"tag-diplomatie","11":"tag-ethiopia","12":"tag-europa","13":"tag-geschichte","14":"tag-newsticker","15":"tag-wien"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116474275577182371","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10659","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10659"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10659\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10659"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10659"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}