{"id":10698,"date":"2026-04-27T04:25:10","date_gmt":"2026-04-27T04:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10698\/"},"modified":"2026-04-27T04:25:10","modified_gmt":"2026-04-27T04:25:10","slug":"warum-die-fragile-ruhe-in-libyen-fuer-oesterreich-wichtig-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10698\/","title":{"rendered":"Warum die fragile Ruhe in Libyen f\u00fcr \u00d6sterreich wichtig ist"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Es gibt derzeit eine gewisse Stabilit\u00e4t innerhalb der Instabilit\u00e4t&#8220;, konstatiert der ehemalige US-Sondergesandte f\u00fcr Libyen, Jonathan Winer. F\u00fcr das nordafrikanische Land ist das schon eine gute Nachricht. Seit 2011, als Diktator Muammar Gaddafi gest\u00fcrzt und gelyncht wurde, zerfiel Libyen in mehrere Machtbl\u00f6cke. Es herrschte jahrelang B\u00fcrgerkrieg, Tausende Menschen wurden get\u00f6tet, verschleppt oder verschwanden f\u00fcr immer. Das Land, das wegen seiner riesigen Gas- und \u00d6lvorkommen eigentlich das reichste Nordafrikas sein sollte, verarmte.\u00a0<\/p>\n<p>Selbst kleine Anzeichen von Beruhigung lassen da schon Hoffnung aufkommen: Ein soeben gestartetes Milit\u00e4rman\u00f6ver etwa, an dem erstmals Soldaten der zutiefst verfeindeten &#8222;Libyschen \u00a0Nationalen Armee&#8220; aus dem Osten des Landes und der &#8222;Libyschen Armee&#8220; aus dem Westen (mit der Hauptstadt Tripolis) gemeinsam teilnehmen.<\/p>\n<p>&#8222;Das ist ein symbolischer Akt, den man allerdings nicht untersch\u00e4tzen sollte&#8220;, sagt Politik- und Sicherheitsanalyst Wolfgang Pusztai. Als ehemaliger \u00f6sterreichischer Milit\u00e4rattach\u00e9 in Libyen kennt er das Land mit all seinen aktuellen Krisen und Kriegen. Wie kommt es, dass die beiden Armeen, die bisher einander erbittert bek\u00e4mpft haben, pl\u00f6tzlich zusammen \u00fcben?<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" class=\"lazyload \" title=\"Libya, Italy, U.S. host Flintlock 2026 opening ceremony\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/46-224260301.jpg\"  data- data-ratio=\"1620\/1080\" alt=\"Libya, Italy, U.S. host Flintlock 2026 opening ceremony\"\/><\/p>\n<p>                Copyright-Hinweis \u00f6ffnen\/schlie\u00dfen<\/p>\n<p>\n                \u00a9 Special Operations Command Afric\/Staff Sgt. Dylan Murakami\n            <\/p>\n<p>Milit\u00e4rman\u00f6ver Flintlock 2026<\/p>\n<p>&#8222;Das geht auf die USA und ihre Man\u00f6ver Flintlock in Afrika zur\u00fcck.&#8220; An die 1.500 Soldaten aus den USA, afrikanischen und europ\u00e4ischen Partnerorganisationen wollen in der j\u00e4hrlichen \u00dcbung ihre Einsatzbereitschaft st\u00e4rken. Flintlock sei aber nur ein Teil des Interesses der USA, Libyen zu stabilisieren, f\u00fchrt Pusztai weiter aus, und das bedeute vor allem, &#8222;Russlands Einfluss aus Libyen und Afrika generell zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.&#8220;<\/p>\n<p>\u00d6l aus Libyen f\u00fcr \u00d6sterreich<\/p>\n<p>Mehr Stabilit\u00e4t im unruhigen Libyen hat auch f\u00fcr \u00d6sterreich erhebliche Bedeutung: Die OMV importierte im Vorjahr knapp 13 Millionen Barrel \u00d6l \u2013 so viel wie noch nie \u2013 aus Libyen. Der afrikanische Staat ist nach Kasachstan der zweitwichtigste Lieferant \u2013 \u00a0und gerade jetzt umso wichtiger, als mit der Sperre der Seestra\u00dfe von Hormus wegen des Iran-Krieges die weltweiten \u00d6llieferungen knapper werden.\u00a0<\/p>\n<p>Generell stieg die \u00d6lproduktion in Libyen im Vorjahr auf 1,43 Millionen Barrel pro Tag \u2013 so viel wie schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnte der Output noch viel h\u00f6her sein, etwa 1,8 Mio. Barrel pro Tag, sch\u00e4tzt US-Gesandter Winer, wenn nicht immer wieder lokale K\u00e4mpfe dazwischen aufflammen w\u00fcrden. Gro\u00dfe US-\u00d6lkonzerne wie Chevron und Exxon beginnen schon, ihre F\u00fchler nach Libyen auszustrecken. Auch wegen seiner sonstigen gewaltigen Bodensch\u00e4tze r\u00fcckt der W\u00fcstenstaat immer st\u00e4rker in den Fokus amerikanischer Investoren.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" class=\"lazyload \" title=\"Machtverteilung, \u00d6lfelder und Pipelines in Libyen sowie Einflussgebiete der Akteure.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/libyen_online.png\"  data- data-ratio=\"1217\/1599\" alt=\"Karte zeigt Machtverteilung, \u00d6lfelder und Pipelines in Libyen sowie Einflussgebiete der Akteure.\"\/><\/p>\n<p>                Copyright-Hinweis \u00f6ffnen\/schlie\u00dfen<\/p>\n<p>\n                \u00a9 Kurier\n            <\/p>\n<p>Machtverteilung, \u00d6lfelder und Pipelines in Libyen sowie Einflussgebiete der Akteure.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr aber bedarf es relativer Ruhe, doch mit der kann es in Libyen immer schnell vorbei sein. Umso gr\u00f6\u00dfere Bem\u00fchungen setzen die USA deswegen darin, nun zu beiden Landesteilen Libyens Beziehungen, aber auch Druck aufzubauen. Mit Erfolg, denn &#8222;mit den Amerikanern wollen es sich beide Seiten nicht verscherzen&#8220;, sagt Pusztai.<\/p>\n<p>Da ist in der Hauptstadt Tripolis (im Westen) die Regierung des Landes, die mit ihrem Premier Abdul Hamid Dbeiba zwar von der UNO und den meisten Staaten der Welt als legitime F\u00fchrung Libyens anerkannt wird, aber kaum Macht hat. Im Osten des Landes sitzt der 82-j\u00e4hrige General Khalifa Haftar, der zwar offiziell \u00fcber kein politisches Amt verf\u00fcgt, tats\u00e4chlich aber den gr\u00f6\u00dften Teil Libyens kontrolliert \u2013 mitsamt den meisten \u00d6lfeldern und Exportterminals, dem dortigen Marionetten-Parlament, den Gerichten und der Libyschen Nationalen Armee.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" class=\"lazyload \" title=\"Russian President Putin meets with Libyan commander Haftar in Moscow\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/46-215144651.jpg\"  data- data-ratio=\"1620\/1080\" alt=\"Russian President Putin meets with Libyan commander Haftar in Moscow\"\/><\/p>\n<p>                Copyright-Hinweis \u00f6ffnen\/schlie\u00dfen<\/p>\n<p>\n                \u00a9 EPA\/GAVRIIL GRIGOROV\/SPUTNIK\/KREMLIN POOL\n            <\/p>\n<p>Der libysche General Haftar zu Besuch bei Russlands Pr\u00e4sidenten Putin<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Nachfolge hat er bereits gesorgt: Drei seiner S\u00f6hne sind bereits an der Spitze von Armee und beim Wiederaufbau installiert.<\/p>\n<p>Auseinanderbrechender Staat<\/p>\n<p>Dass Libyen unter diesen Voraussetzungen wieder zusammenwachsen k\u00f6nnte, sieht Sicherheitsexperte Pusztai nicht: &#8222;Ich gehe davon aus, dass Libyen bis zum Jahr 2030 entweder eine F\u00f6deration geworden oder auseinandergebrochen ist.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Besonders wenig Interesse an einem geeinten Staat, der seinen pers\u00f6nlichen Machtbereich schm\u00e4lern w\u00fcrde, hat der mit eiserner Hand agierende General Haftar. Kritik wird nicht selten mit dem Tod bestraft.\u00a0<\/p>\n<p>Auch die Erschie\u00dfung von Saif a-Islam Gaddafi, einem auch in \u00d6sterreich nicht unbekannten Sohn von Diktator Gaddafi, d\u00fcrfte, wie Menschenrechtsorganisationen vermuten, auf das Konto von Haftars Milizen gehen.\u00a0<\/p>\n<p>Wichtigster Unterst\u00fctzer Haftars: Moskau. &#8222;F\u00fcr Russland ist Libyen das strategisch wichtige Tor nach Afrika&#8220;, schildert Pusztai, &#8222;besonders seit Russland Syrien als St\u00fctzpunkt f\u00fcr die Stationierung seiner Ger\u00e4te verloren hat, das weiter in Afrika genutzt wird. General Haftar braucht wiederum die Russen als R\u00fcckversicherung gegen einen allf\u00e4lligen Angriff aus dem Westen. Die Russen stellen das R\u00fcckgrat der Luftabwehr und der Luftwaffe der Libyan National Army, sie stellen einen guten Teil der qualifizierten Ausbildung. Und so lange Haftar den Eindruck hat, dass er die Russen zur milit\u00e4rischen Absicherung seiner Position braucht, wird er sie auch nicht davonjagen.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Gleichzeitig festigt der alt gewordene General seine Verbindungen zu den USA: Die Kontakte sind nach wie vor gut, als jahrelanger Mitarbeiter der CIA wei\u00df Haftar nur zu gut \u00fcber die USA und deren strategische Interessen Bescheid.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Es gibt derzeit eine gewisse Stabilit\u00e4t innerhalb der Instabilit\u00e4t&#8220;, konstatiert der ehemalige US-Sondergesandte f\u00fcr Libyen, Jonathan Winer. 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