{"id":10700,"date":"2026-04-27T04:27:00","date_gmt":"2026-04-27T04:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10700\/"},"modified":"2026-04-27T04:27:00","modified_gmt":"2026-04-27T04:27:00","slug":"internationale-sudankonferenz-in-berlin-zeit-fuer-einen-perspektivwechsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10700\/","title":{"rendered":"Internationale Sudankonferenz in Berlin: Zeit f\u00fcr einen Perspektivwechsel"},"content":{"rendered":"<p>Seit fast drei Jahren bek\u00e4mpfen sich die sudanesische Armee (SAF) und die Rapid Support Forces (RSF) unnachgiebig. Dabei greifen beide Seiten auch die Zivilbev\u00f6lkerung an, zerst\u00f6ren die Infrastruktur und schw\u00e4chen das zivilgesellschaftliche Engagement \u2013 unterst\u00fctzt durch externe Akteure. Vor diesem Hintergrund kommt der internationalen Sudankonferenz in Berlin eine besondere Bedeutung zu.\u00a0<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Ziele und Erwartungen managen<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich des dritten Jahrestags des Konfliktbeginns am 15. April hat die Bundesregierung zusammen mit Frankreich, Gro\u00dfbritannien, den USA, der Europ\u00e4ischen Union (EU) und der Afrikanischen Union (AU) zu einer internationalen Sudankonferenz eingeladen. Au\u00dfenminister:innen relevanter L\u00e4nder sowie Vertreter:innen der Vereinten Nationen, humanit\u00e4ren Organisationen und der sudanesischen Zivilgesellschaft werden in Berlin erwartet.\u00a0<\/p>\n<p>Gleichzeitig gilt: Die Konferenz ist keine Friedenskonferenz. Niemand sollte seine Erwartungen zu hoch schrauben. Selbst eine humanit\u00e4re Waffenruhe, die die USA mit ihren Partnern \u00c4gypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten vermitteln wollen, ist derzeit nicht in Sicht. Es w\u00e4re bereits ein gewisser Fortschritt, wenn sich die sudanesischen Vertreter:innen auf eine Erkl\u00e4rung zur Deeskalation des Konflikts einigen k\u00f6nnten. Ein gemeinsames Communiqu\u00e9 der Minister:innen wird angesichts der Uneinigkeit beim letzten Mal in London wahrscheinlich nicht zustande kommen.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Zivile Akteure ins Zentrum r\u00fccken<\/p>\n<p>Trotz ihrer begrenzten M\u00f6glichkeiten bietet die internationale Sudankonferenz in Berlin die Chance f\u00fcr einen l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen Perspektivwechsel: weg von den Kriegsparteien, hin zu denen, die bereits heute an gesellschaftlichem und politischem Frieden arbeiten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00fcssen die SAF und die RSF selbst die Waffen zum Schweigen bringen. Die milit\u00e4rischen Akteure allein werden aber noch nicht einmal ein dauerhaftes Ende bewaffneter Gewalt garantieren k\u00f6nnen. Das Modell einer Machtteilung w\u00fcrde bestenfalls eine erneute fragile zivil-milit\u00e4rische \u00dcbergangsregierung hervorbringen. K\u00e4mpfe innerhalb der bewaffneten Koalitionen w\u00e4ren angesichts divergierender Interessen wahrscheinlich; ein erneutes Aufflammen der Gewalt w\u00e4re nur eine Frage der Zeit. S\u00fcdsudan ist bereits einen vergleichbaren Weg gegangen: Dort ist bewaffnete Gewalt <a href=\"https:\/\/magazin.zenith.me\/de\/politik\/eskalation-der-gewalt-im-suedsudan\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Teil des politischen Systems geworden<\/a>.<\/p>\n<p>Stattdessen braucht Sudan eine neue politische Ordnung, die von Zivilist:innen bestimmt wird. Diese zu entwickeln, wird Zeit ben\u00f6tigen, aber den notwendigen Diskussionsrahmen daf\u00fcr zu schaffen, ist auch w\u00e4hrend des laufenden Kriegs m\u00f6glich. Genau das ist das Ziel des Quintetts aus f\u00fcnf internationalen Organisationen &#8211; AU, EU, Intergovernmental Authority on Development, Vereinte Nationen und Arabische Liga -, das sich Anfang des Jahres zusammengeschlossen hat. Das Quintett f\u00fchrt Konsultationen mit zahlreichen zivilen und politischen Gruppen Sudans durch. Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Ans\u00e4tzen zeigt sich dabei derzeit eine gr\u00f6\u00dfere Geschlossenheit unter den beteiligten Organisationen sowie ein abgestimmtes Prozessdesign. Unterschiedliche politische Bl\u00f6cke mit N\u00e4he zu den Konfliktparteien und unabh\u00e4ngige zivile Akteure sollen sich auf ein sudanesisches Steuerungsgremium einigen, das Agenda und Kriterien eines politischen Prozesses festlegt.\u00a0<\/p>\n<p>Die Konferenz sollte sich hinter diesen Prozess stellen. Die Teilnehmenden sollten sich verpflichten, keine parallelen Initiativen zu organisieren und bestehende Projekte mit zivilen Akteuren &#8211; insbesondere aus Gro\u00dfbritannien, Norwegen, Kanada und der Schweiz &#8211; in den Dienst dieses Prozesses zu stellen.\u00a0<\/p>\n<p>Das zivile Element auf der Konferenz in Berlin, bei dem 40 sudanesische Vertreter:innen zusammenkommen sollen, kann ein wichtiger Schritt hin zu einer gemeinsamen Plattform sein und den internationalen Teilnehmenden eigene Botschaften mitgeben.<\/p>\n<p>Beim humanit\u00e4ren Element der Konferenz sollten einerseits dringend ben\u00f6tigte Finanzmittel eingesammelt werden. Zum anderen sollte die Eigenverantwortung, der Schutz und die Finanzierung von gegenseitigen Hilfsnetzwerken wie den Emergency Response Rooms (ERRs) gest\u00e4rkt werden. Sie erreichen auch Regionen, in denen internationale Hilfsorganisationen nicht arbeiten k\u00f6nnen, und st\u00e4rken mit ihrer Arbeit den sozialen Zusammenhalt.<\/p>\n<p>Diese zivilen Ans\u00e4tze k\u00f6nnten dazu beitragen, die Bedingungen f\u00fcr ein Ende des Krieges wahrscheinlicher zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit fast drei Jahren bek\u00e4mpfen sich die sudanesische Armee (SAF) und die Rapid Support Forces (RSF) unnachgiebig. 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