{"id":10764,"date":"2026-04-27T06:49:06","date_gmt":"2026-04-27T06:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10764\/"},"modified":"2026-04-27T06:49:06","modified_gmt":"2026-04-27T06:49:06","slug":"madagaskar-armee-mit-dabei-proteste-gegen-den-praesidenten-koennten-wende-sein-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10764\/","title":{"rendered":"Madagaskar: Armee mit dabei &#8211; Proteste gegen den Pr\u00e4sidenten k\u00f6nnten Wende sein &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wo ist Andry Rajoelina, Madagaskars Pr\u00e4sident? Das war am Montag die wohl meistdiskutierte Frage in dem Inselstaat vor Afrikas s\u00fcd\u00f6stlicher K\u00fcste. Rajoelina, behaupteten die einen, verschanze sich in einem Bunker in der Hauptstadt Antananarivo. Der Pr\u00e4sident, wollten andere aus sicherer Quelle erfahren haben, sei geflohen. Aus dem Pr\u00e4sidialamt gab es statt einer offiziellen Antwort auf diese Ger\u00fcchte zun\u00e4chst nur eine Ank\u00fcndigung: Rajoelina werde am Abend eine Rede an die Nation halten. War er also doch noch im Land?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Am sp\u00e4ten Nachmittag dann endete das R\u00e4tselraten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass Rajoelina \u2013 der neben der madagassischen auch die franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrgerschaft besitzt \u2013 <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Madagaskar\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Madagaskar<\/a> tats\u00e4chlich verlassen habe. Und zwar schon am Sonntag, an Bord eines franz\u00f6sischen Milit\u00e4rflugzeugs. Rajoelina, hie\u00df es, habe einen Deal mit Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron geschlossen. Wo er sich zu diesem Zeitpunkt aufhielt, das wusste allerdings auch Reuters nicht zu berichten. Dubai wird immer wieder als m\u00f6gliches Ziel genannt, doch best\u00e4tigt ist das nicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/madagaskar-lexikon-li.3325100\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;madagaskar&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;madagaskar&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;li.3325100&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;metered&quot;,&quot;section&quot;:&quot;politik&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedepolitikmadagaskar-lexikon-li3325100\" class=\"css-14tg8sh\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/4e33d064-925e-4372-af72-cd98052f005c.jpg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Aktuelles Lexikon<\/p>\n<p>:Madagaskar<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Die viertgr\u00f6\u00dfte Insel der Welt schafft es eher selten in die Nachrichten. Au\u00dfer es wird wieder mal politisch unruhig, so wie jetzt gerade.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Nachricht von Rajoelinas Flucht ist das vorl\u00e4ufige Finale dreier turbulenter Wochen f\u00fcr Madagaskar. Begonnen hatte es Ende September mit landesweiten Protesten gegen die Regierung. Am Samstag dann hatten sich Teile der Armee diesen Protesten angeschlossen. Viele Beobachter werteten das als Putsch. Und auch das Pr\u00e4sidialamt sprach am Sonntag in einer Mitteilung vom \u201eVersuch einer illegalen und gewaltsamen Macht\u00fcbernahme\u201c.<\/p>\n<p>Drei Viertel der Bev\u00f6lkerung leben in Armut<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Proteste\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Proteste<\/a> gegen Rajoelina w\u00e4ren aus Sicht der Regierung wohl durchaus vermeidbar gewesen. Ausgel\u00f6st wurden sie durch die Verhaftung zweier Lokalpolitiker, die wegen wiederholter Stromausf\u00e4lle und schlechter Wasserversorgung in der Hauptstadt protestieren wollten. Das harte Vorgehen des Staates lie\u00df den Protest erst recht anschwellen und f\u00fchrte zu den gr\u00f6\u00dften Demonstrationen in Madagaskar seit Jahren. Vor allem junge Leute aus der sogenannten <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Generation_Z\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Generation Z<\/a> gingen zu Tausenden auf die Stra\u00dfe, um den R\u00fccktritt des Pr\u00e4sidenten zu fordern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In Madagaskar wiederholt sich damit ein Szenario, das aus vielen Entwicklungsl\u00e4ndern in S\u00fcdamerika, Asien und vor allem <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Afrika\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Afrika<\/a> bekannt ist: Die jungen, urbanen Menschen begehren auf gegen ihre Regierungen, die ihnen aus ihrer Sicht keine Perspektiven bieten k\u00f6nnen. So wie j\u00fcngst in Marokko oder Nepal, so wie zuletzt in Mosambik, Kenia, Nigeria oder Senegal. In Madagaskar leben laut Angaben der Weltbank drei Viertel der 32 Millionen Menschen in Armut, vor allem in den St\u00e4dten sei die Quote in den vergangenen Jahren \u201eauf alarmierende Weise\u201c gestiegen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u00dcber Jahrzehnte, sagt Ketakandriana Rafitoson, die f\u00fcr Transparency International\u00a0in Antananarivo arbeitet, habe sich in Madagaskar das gleiche Muster wiederholt: \u201eUnzufriedenheit w\u00e4chst, Proteste brechen aus, Versprechungen werden gemacht, und dann \u00e4ndert sich nichts Grundlegendes.\u201c Doch dieses Mal sei es anders, glaubt sie. \u201eDie aktuelle Welle der Unruhen, die von einer Generation ausgel\u00f6st wird, die nur mit Armut, Korruption und institutionellem Verfall aufgewachsen ist, k\u00f6nnte ein Zeichen daf\u00fcr sein, dass das Land einen Wendepunkt erreicht hat.\u201c<\/p>\n<p>Die Karriere von Rajoelina\u00a0\u2013 vom DJ zum Pr\u00e4sidenten<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Regierung reagierte zun\u00e4chst mit H\u00e4rte auf die Demonstrationen. Mindestens 22 Menschen wurden nach Angaben der Vereinten Nationen allein in den ersten Tagen der Proteste von den Sicherheitsbeh\u00f6rden get\u00f6tet. Sp\u00e4ter versuchte Rajoelina, der Protestbewegung entgegenzukommen und sich den in Madagaskar so wichtigen R\u00fcckhalt in der Armee zu sichern. Er l\u00f6ste die Regierung auf und ernannte am 6. Oktober einen General zum neuen Premierminister; wenige Tage sp\u00e4ter k\u00fcndigte er an zur\u00fcckzutreten, sollte es ihm nicht gelingen, innerhalb eines Jahres die Stromversorgung im Land zu sichern. Doch die Proteste konnte er so nicht beenden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Am Wochenende spitzte sich die Lage f\u00fcr Rajoelina dramatisch zu. Offiziere der Eliteeinheit Capsat erkl\u00e4rten am Samstag, nicht l\u00e4nger im Auftrag der Regierung gegen die Proteste vorgehen zu wollen; in den sozialen Medien machten Videos von Soldaten die Runde, die sich den Demonstranten anschlossen. Am Sonntag dann verk\u00fcndete Capsat, man habe die Kontrolle \u00fcber alle Streitkr\u00e4fte des Landes \u00fcbernommen und einen neuen Armeechef ernannt. Auch eine Einheit der Gendarmerie teilte mit, den Anweisungen der Regierung nicht l\u00e4nger Folge leisten zu wollen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wie bedrohlich die Meuterei vor allem von Capsat ist, wei\u00df niemand besser als Pr\u00e4sident Rajoelina. 2009, als Madagaskar ebenfalls von massiven Unruhen ersch\u00fcttert wurde und am Rande eines B\u00fcrgerkriegs stand, st\u00fcrzte die Eliteeinheit den damaligen Pr\u00e4sidenten des Landes \u2013\u00a0und \u00fcbertrug die Macht auf Andry Rajoelina. Der war damals 34 Jahre alt und hatte sich nach einer ersten Karriere als DJ zum politischen Hoffnungstr\u00e4ger vor allem der armen und jungen Menschen gegen die korrupte Elite in Madagaskar hochgearbeitet. Sein Spitzname, aufgrund seines Alters und seines Elans: TGV, wie der franz\u00f6sische Schnellzug.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dass der Hoffnungstr\u00e4ger von einst zum Feindbild von heute wird: <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/kenia-proteste-praesident-william-ruto-li.3282554\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Auch das ist ein in Afrika bekanntes Muster<\/a>, wie zuletzt Kenias Pr\u00e4sident erfahren musste.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr die Protestbewegung ist die Unterst\u00fctzung durch die Elitesoldaten ein gro\u00dfer Erfolg. Auch deshalb gelang es den Demonstranten am Wochenende erstmals, symbolisch wichtige Pl\u00e4tze in Antananarivo wie den Platz des 13. Mai zu besetzen. Doch zugleich liegt darin auch eine Gefahr, wie Ketakandriana Rafitoson von Transparency International warnt. Das \u00dcberlaufen von Capsat, sagt sie, \u201everschafft den Demonstranten physischen Raum und politischen Schutz, birgt aber auch die Gefahr einer Militarisierung des politischen \u00dcbergangs, sollten die Ambitionen des Kommandos gr\u00f6\u00dfer werden\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Anders gesagt: Die Frage ist nun, ob Capsat sich weiterhin als Geburtshelfer eines \u00dcbergangs versteht \u2013\u00a0oder ob die Einheit diesen \u00dcbergang selbst in die Hand nehmen will.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zun\u00e4chst aber gilt es, eine andere Frage zu kl\u00e4ren: Was macht Noch-Pr\u00e4sident Rajoelina? Tritt er zur\u00fcck? Wird er versuchen, seine Pr\u00e4sidentschaft doch noch zu retten? Die gr\u00f6\u00dfte Oppositionspartei TIM k\u00fcndigte am Montagabend gegen\u00fcber der britischen BBC an, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Rajoelina einzuleiten, wegen \u201eAufgabe seines Postens\u201c. An der Spitze von TIM steht Ex-Pr\u00e4sident\u00a0Marc Ravalomana \u2013 jener Mann also, den\u00a0Rajoelina 2009 von der Macht verdr\u00e4ngt hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wo ist Andry Rajoelina, Madagaskars Pr\u00e4sident? 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