{"id":10906,"date":"2026-04-27T11:44:55","date_gmt":"2026-04-27T11:44:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10906\/"},"modified":"2026-04-27T11:44:55","modified_gmt":"2026-04-27T11:44:55","slug":"namibia-swakopmund-ist-die-wohl-deutscheste-stadt-im-ausland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10906\/","title":{"rendered":"Namibia: Swakopmund ist die wohl deutscheste Stadt im Ausland"},"content":{"rendered":"<p>\u201eHotel Zum Kaiser&#8220;, ein Brauhaus, Fachwerk: In der Stadt am Atlantik sind allein die baulichen Spuren der Kolonialzeit nicht zu \u00fcbersehen. Deutschst\u00e4mmige indes sind in der Minderheit. Und dennoch f\u00fchlen sich viele schwarze Namibier ausgegrenzt. Ein Besuch vor Ort.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Fast ist es, als sei man in Deutschland: Bauten aus der Kaiserzeit reihen sich an Fachwerkh\u00e4user. Auch die Stra\u00dfennamen klingen vertraut: In der Bismarckstra\u00dfe steht das f\u00fcr einen Hamburger Spediteur 1894 erbaute Woermannhaus. Ein St\u00fcckchen weiter, Ecke Garnison- und Bahnhofstra\u00dfe, kommt man am Alten Amtsgericht vorbei, dem ehemaligen Kaiserlichen Bezirksgericht. Einige Stra\u00dfen wurden zwar inzwischen umbenannt, die letztgenannten in Tobias Hainyeko Street und Theo-Ben Gurirab Avenue, doch die Swakopmunder verwenden weiter beide Stra\u00dfennamen, an einigen Stra\u00dfen sind Schilder mit beiden Namen angebracht.\u00a0<\/p>\n<p>Das Hohenzollernhaus, einst die prunkhafte Residenz eines deutschen Kolonialherren, gilt als Wahrzeichen der Stadt. Ein Spaziergang durch den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/namibia-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/namibia-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">namibischen<\/a> K\u00fcstenort Swakopmund kommt einer Zeitreise in die Vergangenheit gleich.\u00a0<\/p>\n<p>Urlauber haben die Wahl zwischen dem traditionellen \u201eHansa Hotel\u201c, dem \u201eHotel Eberwein\u201c im Kolonialstil oder dem \u201eHotel Deutsches Haus\u201c (das \u201eHotel Zum Kaiser\u201c ist momentan wegen Renovierung geschlossen). Abends wird deutsches Bier vom Fass im \u201eSwakopmund Brauhaus\u201c ausgeschenkt, wo Eisbein, Schweinshaxen und Kn\u00f6del serviert werden.<\/p>\n<p>Im Wohnhaus Am Zoll l\u00e4uft im Fernsehen die \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/tagesschau\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/tagesschau\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tagesschau<\/a>\u201c. Die Adler-Apotheke ist nicht weit entfernt von der deutschen Buchhandlung, der evangelischen Kirche, dem deutschen Kindergarten, der Goldschmiede Engelhard sowie dem Hofmeyer-Sch\u00fclerheim.<\/p>\n<p>In der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia (1884\u20131915), die damals noch Deutsch-S\u00fcdwestafrika hie\u00df, betreut der dort ans\u00e4ssige Deutsche Kulturrat rund 25 deutsche Vereine, darunter die M\u00e4nnergesangs- und Karnevalsvereine in Swakopmund.<\/p>\n<p>Das \u201es\u00fcdlichste Nordseebad\u201c <\/p>\n<p>Es gibt wohl keine andere Stadt, in der das deutsche <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/kolonialismus\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/kolonialismus\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kolonialerbe<\/a> noch derart allgegenw\u00e4rtig ist. Die am Atlantik liegende Stadt mit ihrer prominenten Strandpromenade wird daher auch schmunzelnd das \u201es\u00fcdlichste Nordseebad\u201c genannt.<\/p>\n<p>Dabei ist Sch\u00e4tzungen zufolge heute nicht einmal ein Prozent der rund 2,6 Millionen Namibier deutschst\u00e4mmig. Von den etwa 67.000 Einwohnern Swakopmunds sollen rund 1.200 deutsche Vorfahren haben.<\/p>\n<p>Die Stadt ist f\u00fcr Touristen ein <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/safari\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/safari\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Safari<\/a>-Zwischenstopp. F\u00fcr die schwarze Mehrheit ist die immer noch sp\u00fcrbare kulturelle Dominanz der ehemaligen Kolonialherren, die hier vor 120 Jahren einen V\u00f6lkermord ver\u00fcbten, eher befremdlich.<\/p>\n<p>In dem von Namibia-Deutschen gef\u00fchrten \u201eCaf\u00e9 Anton\u201c, das im Erdgeschoss des \u201eHotels Schweizerhaus\u201c liegt \u2013 einst das Messehaus der deutschen Kolonialgesellschaft \u2013 erz\u00e4hlt der in Namibia geborene Enkel deutscher Auswanderer, Raimar von Hase, von einem Gespr\u00e4chskreis, der den Dialog zwischen wei\u00dfen und schwarzen Namibiern f\u00f6rdern will. Seit vier Jahren treffen sich die deutschst\u00e4mmigen Mitglieder mit Vertretern schwarzer Volksgruppen, besonders der Herero und Nama \u2013 den Nachfahren der Opfer des <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/voelkermord\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/voelkermord\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Genozids<\/a>.<\/p>\n<p>Das Deutsche Reich schlug seinerzeit Aufst\u00e4nde gegen seine Kolonialherrschaft brutal nieder. W\u00e4hrend des Herero-und-Nama-Kriegs (1904\u20131908) kam es zu einem Massenmord, der als erster Genozid im 20. Jahrhundert gilt. Historiker sch\u00e4tzen, dass etwa 75.000 Herero und Nama get\u00f6tet wurden.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung und die Regierung von Namibia verhandeln seit Langem \u00fcber ein vorgelegtes Auss\u00f6hnungsabkommen, das Finanzhilfen Deutschlands f\u00fcr Entwicklungsprojekte in Namibia in H\u00f6he von 1,1 Milliarden Euro vorsieht. Eine Verabschiedung der Erkl\u00e4rung steht jedoch noch aus.<\/p>\n<p>Von Hases Familiengeschichte ist eng mit der Kolonialzeit verkn\u00fcpft. Sein aus Ostwestfalen stammender Gro\u00dfvater wanderte 1910 in das damalige Deutsch-S\u00fcdwestafrika aus, erwarb Farmland und baute eine Viehzucht auf.<\/p>\n<p>Ann\u00e4herung durch Gespr\u00e4che<\/p>\n<p>Von Hase \u00fcbernahm sie sp\u00e4ter. Tausende Schafe, aber auch K\u00fche und Ziegen habe er gez\u00fcchtet. Schuldgef\u00fchle habe er nicht, sagt er. \u201eDaf\u00fcr liegt das Ganze zu lange zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber dem \u201eCaf\u00e9 Anton\u201c steht das Marinedenkmal, prominent vor dem Stadtmuseum und Leuchtturm platziert. Es erinnert an das Marine-Expeditions-Korps der deutschen Schutztruppe, die 1904 in der Niederschlagung des Nama-und-Herero-Aufstands mitwirkte.<\/p>\n<p>Auf einem massiven Felssockel steht breitbeinig ein deutscher Soldat, dessen Gewehr auf das Stadtzentrum von Swakopmund, etwas weiter per Luftlinie, auf ein Massengrab der Herero und Nama am Stadtrand gerichtet ist.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr viele Deutschst\u00e4mmige als wichtiger Teil der Geschichte betrachtet wird, ist f\u00fcr die Nachfahren der Nama und Herero ein Schlag ins Gesicht. Sie wollen das Denkmal abgerissen sehen, sagt Laidlaw Peringanda, ein Aktivist, der sich f\u00fcr die Schaffung von Genozid-Gedenkst\u00e4tten in Swakopmund einsetzt. Mehrere Proteste vor dem Denkmal von Vertretern der Nama und Herero seien von der Polizei gestoppt worden. Unbekannte begossen es mit roter Farbe.<\/p>\n<p>Lotto24Eurojackpot: Spielen Sie 1 Feld f\u00fcr 1 EuroForderung nach Gedenkst\u00e4tten<\/p>\n<p>Der 49-J\u00e4hrige lebt in einem kleinen Backsteinhaus in einem Armenviertel am Stadtrand, wo die W\u00fcste beginnt. Hier hat er ein Genozid-Museum er\u00f6ffnet, das erste des Landes. Allerdings ist die Bezeichnung \u201eMuseum\u201c eher Wunschdenken, denn Peringandas R\u00e4umlichkeiten messen gerade mal sechs Quadratmeter.<\/p>\n<p>Die Ausstellung besteht aus gerahmten Kopien historischer Fotos und einer Handvoll von Geschichtsb\u00fcchern. \u201eIch will Besuchern zeigen, was damals passiert ist, damit wir aus der Vergangenheit lernen\u201c, sagt Peringanda. Auch f\u00fcr interkulturellen Austausch will er werben.<\/p>\n<p>Zu Peringandas Vorfahren geh\u00f6ren Herero sowie Nama. Sein Urgro\u00dfvater k\u00e4mpfte gegen deutsche Truppen w\u00e4hrend des V\u00f6lkermords und starb sp\u00e4ter im Konzentrationslager von Swakopmund, zusammen mit anderen Mitgliedern seiner Familie.<\/p>\n<p>Peringanda vermutet, dass ihre \u00dcberreste in den unmarkierten Massengr\u00e4bern am Stadtrand von Swakopmund verscharrt sind \u2013 auf die sich die Gewehrspitze des deutschen Marine-Soldaten richtet.\u00a0<\/p>\n<p>Es handelt sich um ein karges Feld, das direkt an den gepflegten, st\u00e4dtischen Friedhof angrenzt, auf dem auch viele Deutsche begraben liegen. Dutzende flache Sandh\u00fcgel reihen sich aneinander. Statt marmornen Grabsteinen dienen faustgro\u00dfe Steine vom Stra\u00dfenrand als namenlose Markierer. Nur zu Beginn des Feldes verweist ein schlichter Gedenkstein auf die Tausenden Kinder, Frauen und M\u00e4nner, die aufgrund der von Deutschen ver\u00fcbten Gewalttaten starben.<\/p>\n<p>Der Wunsch nach mehr Respekt<\/p>\n<p>Die Stadtverwaltung pflege t\u00e4glich die Gr\u00e4ber auf dem offiziellen Friedhof, w\u00e4ssere Str\u00e4ucher, harke die Wege. Doch um die Instandhaltung der Massengr\u00e4ber k\u00fcmmere sich niemand, klagt Peringanda.<\/p>\n<p>Viermal im Jahr schaufelt er die Sandh\u00fcgel mit einer Gruppe freiwilliger Helfer in eigener Aktion wieder auf. Doch die Arbeit ist m\u00fc\u00dfig. In der K\u00fcstenstadt weht stets ein steifer Wind. Peringanda zeigt auf Hundespuren im Sand: \u201eDie Gr\u00e4ber sind seicht. Sie buddeln nach Knochen.\u201c<\/p>\n<p>Peringanda w\u00fcnscht sich mehr Respekt, W\u00fcrde und ein friedliches Miteinander. Wei\u00dfe und Schwarze gingen in Swakopmund haupts\u00e4chlich getrennte Wege. Die Angst vor Ver\u00e4nderung sitze aufseiten der Deutsch-Namibier tief, sagt er.<\/p>\n<p>\u201eWir sollten stattdessen zusammenkommen und eine freundschaftliche L\u00f6sung finden.\u201c Das ist auch in Raimar von Hases Sinne: Miteinander zu sprechen, sei der erste Schritt in Richtung Vers\u00f6hnung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eHotel Zum Kaiser&#8220;, ein Brauhaus, Fachwerk: In der Stadt am Atlantik sind allein die baulichen Spuren der Kolonialzeit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10907,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[29,5322,1329,414,5321],"class_list":{"0":"post-10906","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-namibia","8":"tag-afrika","9":"tag-kolonialismus-ks","10":"tag-laenderportraets","11":"tag-namibia","12":"tag-staedtereisen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116476505150227759","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10906","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10906"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10906\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10907"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10906"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10906"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10906"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}