{"id":11017,"date":"2026-04-27T15:05:44","date_gmt":"2026-04-27T15:05:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11017\/"},"modified":"2026-04-27T15:05:44","modified_gmt":"2026-04-27T15:05:44","slug":"afd-provokation-in-namibia-bleibt-ohne-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11017\/","title":{"rendered":"AfD-Provokation in Namibia bleibt ohne Folgen"},"content":{"rendered":"<p>Seit 2015 verhandeln <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/deutschland\/t-17878299\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/namibia\/t-18105083\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Namibia<\/a> \u00fcber die Wiedergutmachung f\u00fcr das dunkelste Kapitel der gemeinsamen Geschichte: den &#8211; laut Historikern &#8211; ersten <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/v\u00f6lkermord\/t-18648893\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">V\u00f6lkermord<\/a> des 20. Jahrhunderts an Herero und Nama durch die deutsche Schutztruppe. Eine sogenannte &#8222;Gemeinsame Erkl\u00e4rung&#8220; beider Regierungen soll Vers\u00f6hnung bringen. Sie wird von einigen Herero- und Nama-Vertretern in Namibia jedoch scharf kritisiert.\u00a0<\/p>\n<p>Inmitten dieser schwierigen Ausgangslage reisten k\u00fcrzlich Abgeordnete des Landtags des westlichen deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen nach Namibia, um sich \u00fcber verschiedene Themen zu informieren.\u00a0Ganz oben auf der Agenda: die Aufarbeitung <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/chronologie-deutschland-namibia-kolonie-geschichte\/a-57763153\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">des deutschen Kolonialismus in der ehemaligen Kolonie Deutsch-S\u00fcdwestafrika<\/a>, dem heutigen Namibia.\u00a0<\/p>\n<p>Teil der Delegation: der Abgeordnete Sven Tritschler von der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/partei-alternative-f\u00fcr-deutschland-afd\/t-17922926\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">rechtspopulistischen Partei AfD<\/a>. Am Rande dieses Besuches legte Tritschler mit einem Mitarbeiter einen Kranz am Grab deutscher Kolonialsoldaten in der K\u00fcstenstadt Swakopmund nieder. Damit l\u00f6ste er zun\u00e4chst in Deutschland eine Welle der Entr\u00fcstung aus &#8211; die nun auch nach Namibia geschwappt ist.<\/p>\n<p>Mit Verz\u00f6gerung:\u00a0Eklat auch in Namibia<\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr mich war die Kranzniederlegung eine Huldigung f\u00fcr M\u00f6rder, f\u00fcr Menschen, die Namas und Hereros get\u00f6tet haben!&#8220;, sagt Ellison Tjirera, Dozent f\u00fcr Soziologie an der Universit\u00e4t von Namibia. Er sei geschockt, so Tjirera zur DW.<\/p>\n<p>Auch das namibische Au\u00dfenministerium wird deutlich: &#8222;Dieser Akt ist nichts weniger als verachtenswert und unehrenhaft&#8220;, erkl\u00e4rte Exekutivdirektor Penda Naanda. &#8222;Aber er beschw\u00f6rt auch Schmerz und Leid f\u00fcr die Opfer herauf und verh\u00f6hnt alle Versuche der laufenden Verhandlungen, die auf Vers\u00f6hnung abzielen.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"69840934\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/69840934_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Sven Tritschler von der AfD bei einer Sitzung im Landtag von Nordrhein-Westfalen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Der AfD-Abgeordnete Sven Tritschler &#8211; hier im Landtag &#8211; wurde in Deutschland und Namibia scharf f\u00fcr die Kranzniederlegung kritisiertBild: Malte Ossowski\/SVEN SIMON\/picture alliance<\/p>\n<p>So sieht es auch Tjirera. Es mache in gewisser Weise zunichte, was man bisher zwischen beiden Gesellschaften aufgebaut habe, um die Vergangenheit zu bew\u00e4ltigen. &#8222;Das ist ein echter R\u00fcckschritt.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Was bewegte Tritschler?<\/p>\n<p>Sven Tritschler beteuert derweil, dass es sich um eine rein private Aktion im Anschluss an das offizielle Programm gehandelt habe. Die Delegationsmitglieder hatten am 10. Juli auf dem Herero-Friedhof in Swakopmund Kr\u00e4nze niederlegt.<\/p>\n<p>Im DW-Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt Tritschler: Es habe ihn gest\u00f6rt, dass man nur Kr\u00e4nze f\u00fcr Herero-Opfer niedergelegt habe. Im Sinne der Vers\u00f6hnung sollte aber aller Toten gedacht werden, so Tritschler. &#8222;Deswegen haben wir gedacht, wir legen noch einen Kranz nieder am Grab der deutschen Soldaten in Swakopmund.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Er habe dabei nicht erwartet, dass sein Bild davon auf Instagram so hohe Wellen schlagen w\u00fcrde. Tritschler lehnt gegen\u00fcber der DW auch den Begriff Genozid in Bezug auf die Gr\u00e4ueltaten in Namibia zwischen 1904 und 1908 ab.<\/p>\n<p>Die deutsche Schutztruppe t\u00f6tete gesch\u00e4tzt mehr als 80.000 Angeh\u00f6rige der Volksgruppen Herero und Nama gezielt. Tritschler spricht stattdessen von Kriegsverbrechen.\u00a0<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"69840971\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/69840971_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Neben- und hintereinander liegende Gr\u00e4ber von Soldaten der deutschen Schutztruppe\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>In Namibia wie hier in der Stadt Okahandja, sind auch deutsche Soldaten der Schutztruppe begraben, die im Kampf gegen Herero und Nama gestorben sindBild: J\u00fcrgen B\u00e4tz\/dpa\/picture alliance<\/p>\n<p>Noch einen anderen Effekt hat der Vorfall: Viele in Namibia erfahren zum ersten Mal, dass es in Deutschland auch eine rechte Gruppierung gibt, die zum Thema Vers\u00f6hnung eine ganz andere Position hat als die Bundesregierung.<\/p>\n<p>So sieht es das Forum Deutschsprachiger Namibier (FDN). Der Vorsitzende der Interessensvertretung, Harald Hecht, bef\u00fcrchtet im DW-Gespr\u00e4ch:\u00a0&#8222;Herr Tritschler hat uns als deutschsprachigen Namibiern einen B\u00e4rendienst erwiesen mit seiner Aktion.&#8220;<\/p>\n<p>Auch Dozent Ellison Tjirera findet, der Vers\u00f6hnungsprozess wird mit dieser Aktion untergraben. Er fordert eine starke Reaktion von der Regierung in Berlin.<\/p>\n<p>Keine Auswirkung auf die anhaltenden Verhandlungen<\/p>\n<p>Auf DW-Anfrage verurteilt das deutsche Au\u00dfenministerium das Vorgehen Tritschlers. Man stehe fest hinter dem Prozess des Vers\u00f6hnungsdialogs mit Namibia: &#8222;In den letzten Wochen haben wir in konstruktiven und ergebnisorientierten Gespr\u00e4chen wichtige Fortschritte erzielt, darauf wollen wir weiter aufbauen&#8220;, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Die linke Fraktionsgruppe BSW im deutschen Bundestag forderte von der Bundesregierung mehr Details zum Stand der Verhandlungen. Die Antwort auf diese sogenannte &#8222;kleine Anfrage&#8220; liegt der DW exklusiv vor.<\/p>\n<p>Daraus geht hervor, dass sich namibische und deutsche Vertreter zwischen dem 19. September 2023 und dem 17. Juli 2024 mindestens neun Mal getroffen haben. Gesprochen wurde demnach &#8222;prim\u00e4r&#8220; \u00fcber den &#8222;deutsch-namibischen Vers\u00f6hnungsprozess&#8220;.<\/p>\n<p>Zu den Inhalten oder dem Fortschritt der Gespr\u00e4che will sich die Bundesregierung nicht \u00e4u\u00dfern. Man strebe eine Unterzeichnung der Gemeinsamen Erkl\u00e4rung zum n\u00e4chstm\u00f6glichen Zeitpunkt an, hei\u00dft es lediglich.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"59249589\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/59249589_${formatId}.jpeg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Demonstranten auf einer Stra\u00dfe mit Demoplakaten\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Nicht alle Vertreter der Herero und Nama sind mit den Verhandlungen zufrieden &#8211; 2021 gab es Proteste gegen das damals erzielte AbkommenBild: Sakeus Iikela\/DW<\/p>\n<p>Die namibische Seite zeigt sich offener. Im November stehen Wahlen an. Inmitten des Wahlkampfes k\u00fcndigte Vize-Pr\u00e4sidentin Netumbo Nandi-Ndaitwah Ende Juni an, dass es in einigen Streitpunkten einen Konsens gibt. Das betrifft etwa den festgelegten Geldbetrag &#8211; bisher hat sich die deutsche Regierung verpflichtet, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/meinung-deutschland-entschuldigung-v\u00f6lkermord-herero-nama-namibia\/a-57860483\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hilfen<\/a> im <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/deutschland-erkennt-kolonialverbrechen-in-namibia-als-v\u00f6lkermord-an\/a-57695319\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wert von 1,1 Milliarden Euro<\/a> zu leisten.\u00a0<\/p>\n<p>Und auch bei der viel kritisierten Formulierung des &#8222;V\u00f6lkermords nach heutigem Verst\u00e4ndnis&#8220; sollen sich beide Seiten geeinigt haben. Dieser Abschnitt ist einigen Opferverb\u00e4nden in Namibia und Oppositionspolitikern in Deutschland ein Dorn im Auge.<\/p>\n<p>Die BSW-Abgeordnete Sevim Da\u011fdelen spricht gegen\u00fcber der DW von &#8222;abenteuerlichen Pirouetten&#8220;, mit denen sich die Bundesregierung weigere, den V\u00f6lkermord juristisch anzuerkennen.\u00a0<\/p>\n<p>Gemeinsame Erkl\u00e4rung &#8222;lediglich ein Anfang&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Laut Vize-Pr\u00e4sidentin Nandi-Ndaitwah ist Deutschland jedoch bereit, den V\u00f6lkermord voll umfassend anzuerkennen und zus\u00e4tzliche Mittel f\u00fcr Vers\u00f6hnungsprogramme bereitzustellen, sollte der bisher festgelegt Betrag ausgesch\u00f6pft sein.<\/p>\n<p>Auch der j\u00fcngste Zwischenfall in Swakopmund d\u00fcrfte daran nichts \u00e4ndern. &#8222;Ich habe keinen Zweifel, dass das Abkommen kommen wird, weil es auch im gegenseitigen Interesse ist,&#8220; sagt AfD-Landtagsabgeordneter Tritschler zur DW.\u00a0<\/p>\n<p>Ob die Diskussionen damit beendet sind, darf allerdings bezweifelt werden. Die Gemeinsame Erkl\u00e4rung sei lediglich ein Anfang, unterstreicht Dozent Tjirera. &#8222;Aber es ist noch nicht der Abschluss, wir sind noch nicht am Ziel.&#8220;\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit 2015 verhandeln Deutschland und Namibia \u00fcber die Wiedergutmachung f\u00fcr das dunkelste Kapitel der gemeinsamen Geschichte: den &#8211;&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11018,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[414],"class_list":{"0":"post-11017","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-namibia","8":"tag-namibia"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116477291585819578","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11017","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11017"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11017\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11018"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11017"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}