{"id":11064,"date":"2026-04-27T16:27:01","date_gmt":"2026-04-27T16:27:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11064\/"},"modified":"2026-04-27T16:27:01","modified_gmt":"2026-04-27T16:27:01","slug":"kamerun-die-jungen-wandern-aus-die-alten-regieren-weiter-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11064\/","title":{"rendered":"Kamerun: Die Jungen wandern aus, die Alten regieren weiter"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Denis Atangana nennt es: Senioren-Kriminalit\u00e4t. Der 37-j\u00e4hrige Oppositionelle grinst und senkt die Stimme. S\u00e4tze wie diese k\u00f6nnen in Kameruns Hauptstadt Jaunde gef\u00e4hrlich werden, gerade kurz vor der Wahl an diesem Sonntag. &#8222;Alterskriminalit\u00e4t ist doch ein viel gr\u00f6\u00dferes Problem als Jugendkriminalit\u00e4t in diesem Land.&#8220;\n<\/p>\n<p>Aktuelles<\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/arbeit\/2026-04\/erziehung-helikoptor-eltern-arbeitswelt-kinder\" data-ct-label=\"Erziehung: Haben wir Helikoptereltern die Arbeitswelt kaputt gemacht?\" data-uuid=\"fc672161-2040-4cc4-b60e-4ee18739165f\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Erziehung:<br \/>\n                        Haben wir Helikoptereltern die Arbeitswelt kaputt gemacht?<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2026\/18\/wolfgang-kubicki-fdp-parteivorsitz-afd-martin-hagen\" data-ct-label=\"Wolfgang Kubicki: Ist dieser Mann, 74, die Zukunft des Liberalismus?\" data-uuid=\"23dcd189-a0f6-4826-aed4-72fc99793c29\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Wolfgang Kubicki:<br \/>\n                        Ist dieser Mann, 74, die Zukunft des Liberalismus?<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-03\/ungarn-viktor-orban-wahl-peter-magyar-faq\" data-ct-label=\"Ungarn: Die Wahl, die Viktor Orb\u00e1n zu Fall bringen k\u00f6nnte\" data-uuid=\"f271b439-5247-4cd1-95fb-c4a6f8dfa9a0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                        Ungarn:<br \/>\n                        Die Wahl, die Viktor Orb\u00e1n zu Fall bringen k\u00f6nnte<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/kamerun\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kamerun<\/a> tritt der \u00e4lteste Pr\u00e4sident der Welt, Paul Biya, mit 92 wieder an \u2013 einer seiner Slogans: &#8222;Das Beste kommt erst noch.&#8220; Als Biya 1982 ins Amt kam, wurde Helmut Kohl gerade Bundeskanzler, Steve Jobs bastelte noch am ersten Mac-Computer. Das ist 43 Jahre her. L\u00e4nger ist weltweit nur der Diktator des zentralafrikanischen Nachbarlands \u00c4quatorialguinea an der Macht.\n<\/p>\n<p>                Die Alten haben die Macht \u2013 die Jungen wollen vor allem weg        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Biyas Generation hat Afrikas Pr\u00e4sidentenpal\u00e4ste immer noch fest im Griff. Mehr als ein Drittel der Staatschefs ist \u00fcber 70. In Malawi wurde zuletzt ein 85-J\u00e4hriger vereidigt, in Namibia letztes Jahr \u00fcbergangsweise ein 84-J\u00e4hriger. In Uganda feiert <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/yoweri-museveni\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Yoweri Museveni<\/a>, 81, bald drei\u00dfigj\u00e4hriges Amtsjubil\u00e4um, und in der Elfenbeink\u00fcste stellt sich Pr\u00e4sident Alassane Ouattara mit 83 zum vierten Mal zur Wahl. Man sei doch nicht in Kamerun, schimpfen seine Gegner dort.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Den alten Machthabern steht der j\u00fcngste Kontinent der Welt entgegen. Kinder und Jugendliche unter 19 machen die H\u00e4lfte aller Afrikanerinnen und Afrikaner aus. In Kamerun sind von etwa 30 Millionen Einwohnern ganze 25 Millionen unter 43 \u2013 eine Zeit vor Biya haben also f\u00fcnf von sechs Menschen nie erlebt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">60 Prozent der Kameruner unter 35 w\u00fcrden gerne auswandern, ergab vergangenes Jahr eine Umfrage. Ein Viertel der jungen Leute ist der Weltbank zufolge weder in Arbeit noch in Ausbildung. Offiziell herrscht fast Vollbesch\u00e4ftigung, aber \u00d6konomen sch\u00e4tzen, dass mehr als zwei Drittel der Besch\u00e4ftigten von ihrem Job allein nicht leben k\u00f6nnen.\n<\/p>\n<p>        Hat eine Generation das System gekapert?        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Viele junge Menschen f\u00fchlen sich im Exil im eigenen Land&#8220;, sagt Atangana. &#8222;Wir leben in einer Gerontokratie. Weil die Alten alles blockieren, w\u00e4hrend ihre Kinder keine Arbeit finden. Und weil wir Jungen nicht verstehen, dass wir die Mehrheit sind.&#8220; Atanganas Partei stellt mit dem 38-j\u00e4hrigen Hiram Iyodi den j\u00fcngsten der elf Gegenkandidaten Biyas. Chancen haben, wenn \u00fcberhaupt, die zwei \u00e4ltesten. Sie sind 76 und 77.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der Politologe Kinang Derick Fai sagt, &#8222;Es ist eine bestimmte Generation, die das System gekapert hat und die Chancen einfach untereinander verteilt&#8220;. Mit 37 leitet er in Kamerun eine zivilgesellschaftliche Organisation namens Civic Watch, die Jugendlichen Skills zur politischen Teilhabe zu vermitteln versucht.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Fai beobachtet, dass junge Menschen sich gro\u00dfteils von der Politik abgewandt h\u00e4tten. Sie hielten sie f\u00fcr ein dreckiges Spiel. &#8222;Sie haben das Gef\u00fchl, dass die jungen Leute es in der Vergangenheit versucht haben und viele von ihnen als Verlierer endeten, weil das System alle notwendigen Ma\u00dfnahmen ergreifen musste, um jeden m\u00f6glichen Aufstand der Jugend zu unterdr\u00fccken.&#8220;\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Viele erfolgreiche Vorbilder gibt es auf dem Kontinent nicht: In Senegal gelang mit der Wahl des heute 45-j\u00e4hrigen Bassirou Diomaye Faye der Generationenwechsel. J\u00fcnger sind nur die M\u00e4nner in Uniform, die sich in Mali, Tschad, Guinea und Burkina Faso an die Macht geputscht haben.\n<\/p>\n<p>        &#8222;Man kann einen Staatschef doch nicht einfach ausprobieren!&#8220;        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Biya ist ein Autokrat. Die NGO Freedom House bewertet die politische Freiheit in Kamerun mit 15 von 100 Punkten, die der Pr\u00e4sidentschaftswahlen mit 0 von 4. Seine Partei verteilt Posten und Gelder, kontrolliert, wer an den Wahlen teilnehmen kann und l\u00e4sst den Sicherheitsapparat derart einsch\u00fcchternde Exempel statuieren, dass sich kaum noch wer zu protestieren traut. 2008 erschossen Sicherheitskr\u00e4fte Dutzende Demonstranten. Andere sitzen nach friedlichen Demos vor f\u00fcnf Jahren noch immer im Gef\u00e4ngnis.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Dass Biya nun doch wieder antritt, l\u00f6ste diesen Sommer trotzdem Unruhe aus. Sein Kabinett trifft er nur noch alle paar Jahre mal, immer mehr Zeit verbringt er in einem Luxushotel in Genf. Siegt er, wie weithin angenommen, steigt das Risiko, dass er im Amt stirbt. Selbst im Regierungslager kam die Frage auf: Ist es nicht an der Zeit, \u00fcber einen Wechsel nachzudenken?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Descartes Akono Ze, PR-Mann in Biyas Pr\u00e4sidentenpartei, l\u00e4chelt, als sei das absurd. &#8222;Man kann einen Staatschef doch nicht einfach so mal ausprobieren&#8220;, sagt der 36-J\u00e4hrige. &#8222;Wir haben den Mann ausgesucht, der schon gezeigt hat, dass er f\u00e4hig ist. Wir haben doch kein zweites Land in Reserve, um zu sagen, wir testen mal jemand anders.&#8220;\n<\/p>\n<p>        Biyas Gegner spielen auf Zeit        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Gefahr droht Biya vor allem aus seiner eigenen Generation. Gleich zwei langj\u00e4hrige Minister kehrten ihm den R\u00fccken und treten selbst an. Ihre Rolle bestand jahrzehntelang darin, Biya die Stimmen im bev\u00f6lkerungsreichen Norden des Vielv\u00f6lkerstaats zu beschaffen. Deren drohender Verlust lockte sogar den Staatschef selbst in den Norden, sein einziger Wahlkampfauftritt \u00fcberhaupt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">H\u00f6rt man sich in der Hauptstadt Jaunde um, so hat Ex-Kommunikationsminister Issa Tchiroma Bakary trotz seiner 76 Jahre auch unter jungen Leuten viele Unterst\u00fctzer. Dass er das System von innen kennt und nun aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen plaudert, ger\u00e4t ihm zum Vorteil. An Biyas Sieg zweifelt trotzdem kaum einer. Er muss nur eine einfache Mehrheit bekommen &#8211; f\u00fcr die tief verwurzelten Gef\u00e4lligkeitsnetzwerke seiner Partei wird das nicht schwer. Offen ist, was danach passiert.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Nat\u00fcrlich wird Biya gewinnen&#8220;, sagt Atangana. &#8222;Man wird nicht Pr\u00e4sident, in dem man improvisiert. Die Macht ist gut vorbereitet und hat eine Strategie.&#8220; Er allerdings auch. Das Ziel seiner Partei sei nicht diese Wahl. Aber n\u00e4chstes Jahr sei man dann bei den Parlamentswahlen bekannter und k\u00f6nne so die eigenen Netzwerke ausbauen. &#8222;Um ein System zu bek\u00e4mpfen, muss man das System studieren&#8220;, sagt er. &#8222;Spielen Sie Schach?&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">\u00a9 dpa-infocom, dpa:251010-930-145550\/2<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Denis Atangana nennt es: Senioren-Kriminalit\u00e4t. Der 37-j\u00e4hrige Oppositionelle grinst und senkt die Stimme. 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