{"id":11169,"date":"2026-04-27T19:48:07","date_gmt":"2026-04-27T19:48:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11169\/"},"modified":"2026-04-27T19:48:07","modified_gmt":"2026-04-27T19:48:07","slug":"wir-haben-alles-verloren-sudanesische-fluechtlinge-sehen-im-tschad-schwierigen-zeiten-entgegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11169\/","title":{"rendered":"\u201cWir haben alles verloren\u201d &#8211; Sudanesische Fl\u00fcchtlinge sehen im Tschad schwierigen Zeiten entgegen"},"content":{"rendered":"<p>Aicha Madar floh mit ihrer Tochter Fatima in den Tschad, nachdem bewaffnete M\u00e4nner ihr Dorf im Sudan in Brand gesetzt hatten. Foto: WFP\/Jacques David<\/p>\n<p>Als die K\u00e4mpfer in ihr sudanesisches Dorf kamen, floh die 50-j\u00e4hrige Aicha Madar mit ihrer Tochter Fatima und schloss sich Tausenden an, die sich auf den Weg \u00fcber die Grenze in den Osten des Tschads machten.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Die bewaffneten Gruppen haben alles niedergebrannt&#8220;, sagt Aicha, die mit einer Gruppe anderer Fl\u00fcchtlinge zusammensitzt und ihre einj\u00e4hrige Tochter auf dem Scho\u00df h\u00e4lt.<\/p>\n<p>&#8222;Hier haben wir nichts, denn wir haben dort alles verloren&#8220;, sagt sie. &#8222;Wir gehen nur in den Busch, um Holzb\u00fcndel zu sammeln und zu verkaufen.<\/p>\n<p>Aicha geh\u00f6rt zu den Zehntausenden von sudanesischen Fl\u00fcchtlingen, die vor dem j\u00fcngsten Aufflammen der Gewalt in ihrer Heimat geflohen sind &#8211; eine Zahl, die nach Angaben der Vereinten Nationen auf 270.000 oder mehr anschwellen k\u00f6nnte. \u2028<\/p>\n<p>Die meisten von ihnen sind auf dem Weg in den S\u00fcdsudan und in den Tschad, L\u00e4nder, die bereits mit einigen der schlimmsten Ern\u00e4hrungskrisen der Welt zu k\u00e4mpfen haben. Diese Hungerzahlen k\u00f6nnten jetzt noch weiter ansteigen, da die Unruhen im Sudan den lebenswichtigen grenz\u00fcberschreitenden Handel zum Erliegen bringen und die Lebensmittelpreise in die H\u00f6he schnellen lassen.\u00a0<\/p>\n<p>Das sind nicht die einzigen Alarmglocken, die l\u00e4uten. Tausende Fl\u00fcchtlinge erreichen den Tschad Wochen vor Beginn der mageren Jahreszeit &#8211; der Zeit zwischen den Ernten, in denen Nahrungsmittel knapp werden. Sch\u00e4tzungsweise 1,9 Millionen Menschen sind in dieser Zeit von akutem Hunger bedroht.\u00a0<\/p>\n<p>Heftige Regenf\u00e4lle, die etwa zur gleichen Zeit einsetzen, drohen weite Teile der W\u00fcste in Fl\u00fcsse zu verwandeln, was die Lieferung wichtiger Ern\u00e4hrungshilfe an die Fl\u00fcchtlinge und andere notleidende Gruppen gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>&#8222;Es ist ein perfekter Sturm&#8220;, sagt Pierre Honnorat, WFP-Landesdirektor im Tschad. \u00a0&#8222;Die magere Jahreszeit kommt im Juni. Und die Regenzeit, die all diese Regionen abschneiden wird.&#8220;<\/p>\n<p>WFP-Mitarbeiter*innen und andere humanit\u00e4re Helfer*innen sprechen mit Neuank\u00f6mmlingen aus dem Sudan im Tschad. Das WFP verteilt Nahrungsmittel, aber eine Finanzierungsengp\u00e4sse bedroht die k\u00fcnftige Hilfe. Foto: WFP\/Jacques David<\/p>\n<p>Aufgrund von Finanzierungsengp\u00e4ssen k\u00f6nnte WFP gezwungen sein, die Hilfe f\u00fcr alle Fl\u00fcchtlinge im Tschad bereits im n\u00e4chsten Monat einzustellen, f\u00fcgt Pierre\u00a0Honnorat hinzu. Dazu geh\u00f6ren mehr als 450.000 Langzeitfl\u00fcchtlinge im Land &#8211; die meisten von ihnen Sudanes*innen. Bereits in diesem Monat war WFP gezwungen, die Zahl der Fl\u00fcchtlinge und Binnenvertriebenen, die es im Land unterst\u00fctzen wollte, zu halbieren.<\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr sie ist absolut kein Geld da&#8220;, sagt Honnorat.<\/p>\n<p>Explodierende Preise &#8211; sinkende Finanzierung<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Zahl Schutzsuchender aus dem Sudan &#8211; viele von ihnen Kinder und Frauen wie Aicha &#8211; kommen aus den Grenzgebieten. Jetzt k\u00f6nnten sich die Menschen in Not bald von weiter her auf den Weg machen. Viele haben einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln mitgebracht, der schnell verschwunden ist.<\/p>\n<p>Der Tschad hat zwar seine Grenze zum Sudan geschlossen, nachdem dort Anfang des Monats K\u00e4mpfe ausgebrochen waren, aber Fl\u00fcchtlinge wie Aicha k\u00f6nnen immer noch \u00fcber mehrere Grenz\u00fcberg\u00e4nge einreisen. Sie bleiben in der N\u00e4he der tschadischen Grenze zum Sudan und sitzen und schlafen unter B\u00e4umen, die sie kaum vor der sengenden Hitze und Sonne sch\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8222;Wir ziehen es vor, hier zu bleiben und abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt&#8220;, sagt Ali Adam Ibrahim, der seine sudanesische Heimat verlassen hat, nachdem er von den Zusammenst\u00f6\u00dfen in der Hauptstadt Khartum geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p>Das Weltern\u00e4hrungsprogramm der Vereinten Nationen\u00a0 (WFP) versorgt die Neuank\u00f6mmlinge mit Nahrungsmitteln &#8211; genug Sorghum, H\u00fclsenfr\u00fcchte, \u00d6l und Salz, um etwa 20.000 Menschen einen Monat lang zu ern\u00e4hren. Da jedoch keine neuen Mittel in Sicht sind und die Wahrscheinlichkeit besteht, dass weitere Zehntausende sudanesische Fl\u00fcchtlinge eintreffen, droht sich die Lage zu verschlimmern.<\/p>\n<p>Ali Adam Ibrahim (Mitte) verlie\u00df sein Heimatland, nachdem er von den K\u00e4mpfen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum erfahren hatte. Foto: WFP\/Jacques David<\/p>\n<p>Das UN-Fl\u00fcchtlingshilfswerk (UNHCR) sch\u00e4tzt, dass in den kommenden Wochen bis zu 100 000 sudanesische Fl\u00fcchtlinge im Tschad und weitere 170 000 im S\u00fcdsudan ankommen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit sind durch die Grenzschlie\u00dfungen wichtige Lebensmittelexporte aus dem Sudan in seine Nachbarl\u00e4nder zum Erliegen gekommen.\u00a0<\/p>\n<p>Dies und der Zustrom von Fl\u00fcchtlingen haben die lokalen Lebensmittelpreise in die H\u00f6he getrieben. In der N\u00e4he der Grenze zwischen dem Tschad und dem Sudan zum Beispiel ist der Preis f\u00fcr ein Kilo Sorghum innerhalb einer Woche um 50 Prozent gestiegen, berichtet Honnorat vom WFP.<\/p>\n<p>&#8222;Das wird sich nicht nur auf die Grenze auswirken&#8220;, f\u00fcgt er hinzu. &#8222;Es wird den gesamten Osten des Tschad betreffen. Viele G\u00fcter wie Getreide und Zucker wurden aus dem Sudan eingef\u00fchrt&#8220;.<\/p>\n<p>Honnorat bef\u00fcrchtet, dass in den kommenden Wochen, wenn noch mehr Fl\u00fcchtlinge kommen und die Regenf\u00e4lle einsetzen, die ohnehin schon knappen Lebensmittel auf den lokalen M\u00e4rkten &#8211; sowie die Finanzierung f\u00fcr die Ern\u00e4hrungshilfe des WFP &#8211; v\u00f6llig versiegen werden.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Heute ist es ein echtes Rennen&#8220;, sagt er. &#8222;Wir m\u00fcssen sofort Nahrungsmitteln vorpositionieren, denn wir wissen, dass es schrecklich werden wird. Aber wir wissen nicht, wie viele Menschen kommen werden&#8220;. \u2028<\/p>\n<p>Das WFP ben\u00f6tigt dringend mindestens 145,6 Millionen US-Dollar, um die neu angekommenen und die bereits im Tschad lebenden Fl\u00fcchtlinge sowie die aufnehmenden Gemeinschaften weiter zu unterst\u00fctzen. Andernfalls wird sich ihre Ern\u00e4hrungssicherheit &#8211; und ihre Sicherheit &#8211; sofort verschlechtern.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Mehr Infos zur Arebit des WFP im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wfp.org\/countries\/chad\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tchad<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aicha Madar floh mit ihrer Tochter Fatima in den Tschad, nachdem bewaffnete M\u00e4nner ihr Dorf im Sudan in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11170,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[242],"tags":[365,364],"class_list":{"0":"post-11169","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-tschad","8":"tag-chad","9":"tag-tschad"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116478404345232933","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11169","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11169"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11169\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11170"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}