{"id":11188,"date":"2026-04-27T20:35:25","date_gmt":"2026-04-27T20:35:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11188\/"},"modified":"2026-04-27T20:35:25","modified_gmt":"2026-04-27T20:35:25","slug":"rebellenfuehrer-ueber-ziele-fuer-tschad-wir-sind-keine-soeldner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11188\/","title":{"rendered":"Rebellenf\u00fchrer \u00fcber Ziele f\u00fcr Tschad: \u201eWir sind keine S\u00f6ldner\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">\n        Herr Mahdi, Ihre Rebellenarmee ist im April mit 3.000 K\u00e4mpfern <a href=\"https:\/\/taz.de\/Rebelleneinmarsch-aus-Libyen\/!5761973\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aus Libyen tief nach Tschad vorgedrungen<\/a> und der dortige Pr\u00e4sident Idriss D\u00e9by kam an der Kriegsfront zu Tode. Welche Ziele hat Ihre Organisation?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Mohamed Ali Mahdi: Die FACT (Bewegung f\u00fcr Wandel und Eintracht im Tschad) wurde 2016 in S\u00fcdlibyen gegr\u00fcndet. Sie will eine Alternative zu der seit 30 Jahren andauernden autokratischen Herrschaft im Tschad bieten. Es gibt mittlerweile eine ganze Generation im Tschad, die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Tod-von-Tschads-Praesidenten\/!5768044\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nur diesen Herren (Idriss D\u00e9by)<\/a> an der Spitze ihres Landes kennt. Wir wollen aber auch niemanden aus dem derzeitigen Machtzirkel ausschlie\u00dfen, die FACT richtet sich an alle. Wir fordern einen inklusiven runden Tisch mit allen Parteien, um Tschads Probleme zu l\u00f6sen. Nach den Wahlf\u00e4lschungen der letzten Jahre haben wir uns entschlossen, nach Tschad zur\u00fcckzugehen. Wir haben bewusst um die kleinen Armeegarnisonen an der libysch-tschadischen Grenze einen Bogen gemacht, erst nach franz\u00f6sischer Luftaufkl\u00e4rung kam es zu K\u00e4mpfen mit der Armee.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">\n        Aber Sie drohten, in die Hauptstadt N`Djamena einzumarschieren. Das ist doch das Gegenteil von Dialog.\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Seit f\u00fcnf Jahren sagen wir, dass der Konflikt nur mit politischen und friedlichen Mitteln gel\u00f6st werden kann. Aber das Regime hat unsere Vorschl\u00e4ge und Verhandlungen mit Oppositionsgruppen systematisch abgelehnt. Pr\u00e4sident Idriss D\u00e9by erkl\u00e4rt immer wieder, niemand k\u00f6nne ihn ersetzen \u2013 das Gef\u00fchl, eine Art Supermann zu sein, ist der Wesenskern vieler Diktatoren. Er warf uns vor, S\u00f6ldner zu sein, dann waren wir angeblich mit Islamisten verb\u00fcndet, dann mit dem <a href=\"https:\/\/taz.de\/Aktivistin-in-Libyen\/!5723775\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">libyschen General Khalifa Haftar<\/a> und nun angeblich mit der russischen Wagner-Gruppe.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">\n        Wurden FACT-Einheiten in Libyen von Experten der russischen S\u00f6ldnerfirma Wagner ausgebildet?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Unsere Mission in Libyen war es, gegen den IS zu k\u00e4mpfen. Nicht f\u00fcr Geld, denn wir sind keine S\u00f6ldner. Unser Ziel war immer der Sturz des Regimes in unserer Heimat. Wir wurden nach Brak Shati und zu dem Milit\u00e4rflughafen Temenhint verlegt. In Brak Shati trafen wir auf Russen, in Temenhint auf franz\u00f6sische Soldaten. Einige meiner M\u00e4nner befanden sich also Seite an Seite mit Wagner, andere mit der franz\u00f6sischen Armee. Wir hatten keine Informationen \u00fcber deren Anzahl oder Mission. Wir haben sie bewacht. Es war eine bizarre Situation. Denn da meine Familie und ich lange in Frankreich gelebt haben, hielten mich die Wagner-Leute f\u00fcr einen Agenten Frankreichs. Zudem verd\u00e4chtigten sie mich, mit den Tschadern befreundet zu sein, die in der Zentralafrikanischen Republik gegen Wagner-Leute k\u00e4mpfen. Es war also kein einfaches Verh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/4854955\/1200\/Mohamed-mahdi-ali-tschad-libyen-fact-1.webp\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"1200\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Mohamed-mahdi-ali-tschad-libyen-fact-1.webp\" alt=\"Ein Mann mit Turban\" loading=\"lazy\" title=\"Ein Mann mit Turban\" height=\"242\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Bild:<br \/>\nTaha Jawashi<\/p>\n<p>Im Interview:\u00a0Mohamed Mahdi Ali\n<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph\">wurde im Juni 1969 im Tschad geboren und ging 1989 als Student nach Frankreich. Bei der Machtergreifung von Idriss D\u00e9by im Tschad 1990 flohen seine wohlhabenden Eltern ins Exil nach Nigeria; drei Jahre sp\u00e4ter wurden sie nach \u00f6ffentlicher Kritik an D\u00e9by unter unklaren Umst\u00e4nden in den Tschad ausgeliefert und exekutiert. Mahdi selbst kehrte 2005 aus Frankreich in den Tschad zur\u00fcck und arbeitete in der Verwaltung, bevor er sich Rebellen im Norden des Landes anschloss. F\u00fcr die ging er 2015 nach Libyen und gr\u00fcndete seine eigene Rebellenbewegung FACT (Front f\u00fcr Wandel und Eintracht im Tschad).<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last\">Am 11. April 2021, dem Tag der Pr\u00e4sidentschaftswahlen im Tschad, \u00fcberquerte die FACT aus Libyen die Grenze nach Tschad und stie\u00df bis 200 Kilometer vor die Hauptstadt N\u2019Djamena vor. Am 20. April vermeldete Tschads Generalstab den Tod von Pr\u00e4sident D\u00e9by an der Kriegsfront und \u00fcbertrug die Macht an seinen Sohn, Mahamat Idriss D\u00e9by, an der Spitze eines Milit\u00e4rrats.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">\n        Franz\u00f6sische Medien vermuten, dass Sie nur deshalb mit mehr als 400 Fahrzeugen 2.000 Kilometer quer durch die Saharaw\u00fcste fahren konnten, weil Sie im Dienst von russischen Milit\u00e4rberatern stehen.\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Das ist Teil einer Kampagne, um uns zu diskreditieren. Tats\u00e4chlich habe ich gerade mal 400 Euro auf meinem Konto und bin zusammen mit meinen Leuten auf einer Mission, um mein Land zu retten. Wir als FACT haben stets klar gemacht, dass wir uns in Libyens Konflikt auf keine Seite schlagen wollen. Als laizistische Bewegung, die an freie Meinungs\u00e4u\u00dferung glaubt, sind wir von den Islamisten weit entfernt. Aber auch die Kooperation mit Haftar erwies sich als extrem kompliziert. Viermal haben uns K\u00e4mpfer des \u201eIslamischen Staates\u201c (IS) 2017 und 2018 in Jufra angegriffen und erst danach haben wir uns entschlossen, gemeinsam mit Haftars Armee die Radikalen zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">\n        Sie best\u00e4tigen also eine Kooperation zwischen FACT und der LNA Khalifa Haftars in Libyen?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"10\">Ja, aber f\u00fcr den Kampf gegen den IS. F\u00fcr eine noble Sache, nicht f\u00fcr die Interessen Haftars. Immerhin gab es bei vielen LNA-Offizieren eine \u00e4hnliche Einstellung wie bei uns zu Laizit\u00e4t, der Trennung von Politik und Religion. Wir haben viele Kameraden bei den K\u00e4mpfen gegen den IS in Fugha verloren, aber auch den Islamisten empfindliche Niederlagen zugef\u00fcgt. Die westlichen Geheimdienste wissen ganz genau, dass wir es waren, die den IS aus einer der strategisch wichtigsten Positionen Libyens ferngehalten haben. Wir wurden damals ebenso wie die Bev\u00f6lkerung in Jufra fast jeden Abend von den IS-Kommandos angegriffen. Wir mussten uns mit Haftars Einheiten verb\u00fcnden, um die Radikalen zu besiegen. Das ist die \u201eHypothek\u201c, die auf uns lastet.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">\n        Zuvor waren Sie mit Einheiten aus der Hafenstadt Misrata liiert, Haftars Gegner, die ebenfalls gegen den IS k\u00e4mpften, in Gaddafis ehemaliger Heimatstadt Sirte\u2026\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"12\">Wir hatten damals keine Wahl! Den libyschen Kriegsparteien haben wir immer wieder unsere Neutralit\u00e4t betont. Ich bin gl\u00fccklicherweise Muslim. Aber auch Anh\u00e4nger der republikanischen Idee und des Laizismus. Ich habe in Europa die Kultur des politischen Diskurses kennengelernt. Daher ist es f\u00fcr mich so absurd, dass uns Tschadern, ja uns Afrikanern, ein politischer Diskurs verweigert wird. Wir sind Teil der politischen Opposition Tschads und waren nur in Libyen, weil in unserer Heimat ein Diktator an der Macht war. Rechtsstaat, Demokratie, Freiheit ist scheinbar nur f\u00fcr die Franzosen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"13\">\n        Was ist denn aus Ihrer Sicht die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Nach-Tod-von-Idriss-Deby\/!5762496\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">franz\u00f6sische Strategie f\u00fcr Tschad<\/a> und die Region?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"14\">Frankreich verh\u00e4lt sich, als w\u00e4ren wir noch in den 1940ern, 50ern oder 6oern. Aber heutzutage gibt es selbst in jedem kleinen Ort in der Sahara \u2013 ich bin gerade in einem \u2013 Internet und Informationen \u00fcber die ganze Welt. Junge Leute im Sahel haben nicht mehr, wie noch ihre Gro\u00dfeltern, nur einen Stock um sich zu wehren. Aber ihnen wird ein Diktator aufgezwungen und ein Leben ohne Meinungsfreiheit. Das treibt sie schlie\u00dflich quer durch die Sahara <a href=\"https:\/\/taz.de\/Katastrophe-im-Mittelmeer\/!5763327\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in die Boote \u00fcber das Mittelmeer nach Europa<\/a>. Idriss D\u00e9by hat eine effektive Armee aufgebaut, die die Interessen Frankreichs verteidigt, seit 1996 in der Demokratischen Republik Kongo, danach in der Zentralafrikanischen Republik und rund um den Tschad-See.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"15\">\n        In Tschads Hauptstadt N`djamena hat die franz\u00f6sische Sahel-Antiterroroperation Barkhane ihr Hauptquartier. K\u00e4mpfen Barkhane-Einheiten derzeit gegen die FACT?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"16\">Sie greifen nicht wie in den letzten Jahren direkt in die K\u00e4mpfe gegen Oppositionsgruppen ein, aber sie setzen rund um die Uhr Aufkl\u00e4rungsflugzeuge gegen uns ein, denen tschadische Bombardierungen folgen. Dieser indirekte Krieg ist aber nicht weniger gef\u00e4hrlich. Letztlich haben franz\u00f6sische Berater D\u00e9by radikalisiert, zuletzt wollte er jeden umbringen, der ihm gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnte. Der Mord an der Mutter des Oppositionsf\u00fchrers Yaha Dillo im Dezember ist Beweis genug daf\u00fcr. Frankreich tr\u00e4gt f\u00fcr solche Verbrechen des Regimes letztlich die Verantwortung.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"17\">\n        Die EU hat die illegale Macht\u00fcbernahme der Milit\u00e4rs nach D\u00e9bys Tod nicht verurteilt. Sind Sie \u00fcberrascht?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"18\">Es ist bizarr, dass in Afrika andere Ma\u00dfst\u00e4be angewandt werden und Freiheit hier weniger wichtig sein soll. Europa sollte wissen, dass <a href=\"https:\/\/taz.de\/Politologe-ueber-Islamismus-in-Sahelzone\/!5666568\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich im Sahel<\/a> ausschlie\u00dflich seine eigenen Interessen vertritt und sonst nichts. Aber ich bin \u00fcberzeugt davon, dass diese koloniale Selbstherrlichkeit ein Ende hat.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/4854345\/1200\/grafik-taz-210421-Tschad-2-1.webp\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"1773\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grafik-taz-210421-Tschad-2-1.webp\" alt=\"Eine Karte von Tschad\" title=\"Eine Karte von Tschad\" height=\"982\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Infografik:<br \/>\ninfotext-berlin.de<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-23\" pos=\"19\">\n        Akzeptieren Sie den Milit\u00e4rrat, der nach dem Tod des Pr\u00e4sidenten Tschad regiert?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-24\" pos=\"20\">Pers\u00f6nlich habe ich kein Problem mit seinen Mitgliedern. Wir werden mit ihnen letztlich irgendwann sprechen m\u00fcssen. Aber ist der Rat legitim an der Macht? Nein. Laut Verfassung \u00fcbernimmt der Parlamentspr\u00e4sident nach dem Tod des amtierenden Pr\u00e4sidenten bis zur Abhaltung von Neuwahlen. W\u00e4hrend der Beerdigung von D\u00e9by sagte der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron, er w\u00fcrde die Destabilisierung des Tschad nicht zulassen. Indem er den Putsch der Gener\u00e4le billigt, spricht er den Tschadiern die Grundwerte der Demokratie ab. Die Werte der franz\u00f6sischen Revolution scheinen in Afrika f\u00fcr Macron nicht zu gelten. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht mehr, was hier vor sich geht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-25\" pos=\"21\">\n        Sind Sie antifranz\u00f6sisch?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-26\" pos=\"22\">\u00dcberhaupt nicht! Ich habe im franz\u00f6sischen Exil gelebt, meine Frau und meine vier Kinder sind noch immer in Frankreich. Aber ich kritisiere die noch immer nach kolonialen Methoden funktionierende Politik und das Schweigen Europas.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-27\" pos=\"23\">\n        Sie sind in Tschad bis zur Stadt Mao vorgesto\u00dfen. Wie ist die milit\u00e4rische Lage rund um Mao zur Zeit?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-28\" pos=\"24\">Mit Unterst\u00fctzung der franz\u00f6sischen Flugzeuge hat Mahamat D\u00e9by die Schlacht um Mao gewonnen. Aber nicht den Krieg. Von Mao aus h\u00e4tten wir den Vormarsch auf die Hauptstadt fortsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-29\" pos=\"25\">\n        K\u00f6nnen Sie sich erkl\u00e4ren, warum <a href=\"https:\/\/taz.de\/Krieg-in-Tschad\/!5768050\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Idriss D\u00e9by pers\u00f6nlich an die Front fuhr<\/a>? Wie kam es zu seiner Verletzung, an der er sp\u00e4ter starb?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-30\" pos=\"26\">Als Marschall muss er nat\u00fcrlich an der Front sein, gerade in einer von schlecht ausgebildeten Offizieren gepr\u00e4gten Truppe, in der Stammeszugeh\u00f6rigkeit eine so gro\u00dfe Rolle spielt. Er hat seit 2016 als \u201eMarschall\u201c einen Rang in der Armee \u2013 eigentlich h\u00e4tte D\u00e9by zur\u00fccktreten m\u00fcssen, da der Staatschef laut Verfassung ein Zivilist sein muss. Dies ist ein Beispiel f\u00fcr die systematische Verletzung der verbliebenen demokratischen Institutionen des Staates. D\u00e9by reiste nach unseren Informationen an die Front 200 Kilometer n\u00f6rdlich von N\u00b4djamena, weil ein General ihn warnte, dass die Soldaten nicht bereit waren zu k\u00e4mpfen. Am Sonntagabend, nach dem Ende der K\u00e4mpfe, berichtete General Ibrahim Abdelwahed an Idriss D\u00e9by per Telefon, dass seine Leute nicht k\u00e4mpfen w\u00fcrden. Am Montagmittag sahen wir dann einen Helikopter in der N\u00e4he der Frontlinie landen. Wir dachten, ein hochrangiger Offizier w\u00e4re verwundet worden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-32\" pos=\"27\">\n        Ein gro\u00dfer Teil des Zaghawa-Stammes und der Familie von Idris D\u00e9by stammt aus der Darfur-Region im Sudan. Stimmt es, dass bewaffnete Gruppen aus Darfur in N`djamena eingetroffen sind und auch gegen die FACT k\u00e4mpfen?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-33\" pos=\"28\">Ja, wir k\u00e4mpfen auch gegen Darfuris und die sind f\u00fcr viele Kriegsverbrechen verantwortlich. Es gibt Videos von diesen Gruppen auf sozialen Medien, auf denen die Erschie\u00dfung von gefangen genommenen Fact K\u00e4mpfern zu sehen sind. In Frankreich sind diese Kriegsverbrechen bekannt. In N\u00b4Djamena werden Demonstranten gefoltert und FACT-Anh\u00e4nger exekutiert.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-34\" pos=\"29\">\n        Sie werfen Frankreich die Mitt\u00e4terschaft bei Kriegsverbrechen vor?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-35\" pos=\"30\">Die Schutzherren des Regimes haben keine Verantwortung? Ich denke schon. Ohne die Hilfe aus Paris w\u00e4re das System D\u00e9by schon lange verschwunden. Die franz\u00f6sische Armee hilft bei Logistik, Transport und Aufkl\u00e4rung gegen uns und die Opposition.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-36\" pos=\"31\">\n        Was fordern Sie von Regierungen in Europa in der aktuellen Krise?\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-37\" pos=\"32\">Die franz\u00f6sische Politik manipuliert die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber uns und die Lage im Tschad. Europa sollte sich nicht von den kolonialen Interessen Frankreichs blenden lassen. Das Resultat der Aufrechterhaltung von autorit\u00e4ren Regierungen wie der von D\u00e9by und dem jetzigen Milit\u00e4rrat ist doch dass die jungen Afrikaner ihre Zukunft in Europa suchen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-38\" pos=\"33\">\n        Das Interview wurde am 12. Mai per Whatsapp gef\u00fchrt. Mahdi befindet sich an einem unbekannten Ort im libysch-tschadischen Grenzgebiet.\n      <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Mahdi, Ihre Rebellenarmee ist im April mit 3.000 K\u00e4mpfern aus Libyen tief nach Tschad vorgedrungen und der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11189,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[242],"tags":[365,364],"class_list":{"0":"post-11188","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-tschad","8":"tag-chad","9":"tag-tschad"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116478589141042302","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11188"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11188\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}