{"id":11372,"date":"2026-04-28T09:41:04","date_gmt":"2026-04-28T09:41:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11372\/"},"modified":"2026-04-28T09:41:04","modified_gmt":"2026-04-28T09:41:04","slug":"namibia-erforschung-von-gas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11372\/","title":{"rendered":"Namibia &#8211; Erforschung von Gas"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"&quot;Danger no entry&quot; steht auf einer Barriere vor dem Bohrloch.\" alt=\"&quot;Danger no entry&quot; steht auf einer Barriere vor dem Bohrloch.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/oelsuche-in-einem-vo-68806705-jpg-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Die \u00d6lsuche in einem von Afrikas Naturparadiesen erz\u00fcrnt Tier- und Umweltsch\u00fctzer (ICUC Productions \/ Nicole Macheroux-Denault)<\/p>\n<p>Wenn Rinaani Musutua von ihrem B\u00fcro nach Hause f\u00e4hrt, ist sie wachsamer als fr\u00fcher. Sie schaut, ob ihr jemand folgt. Zuhause angekommen, schlie\u00dft sie zuerst die Vorh\u00e4nge. Der Grund f\u00fcr diese Vorsichtsma\u00dfnahmen: Es ist der schwelende Konflikt um die Exploration, die Erforschung der Gas- und \u00d6lvorkommen im Nordosten des Landes, rund siebenhundert Kilometer von der Hauptstadt Windhoek entfernt. Erst k\u00fcrzlich sei dort ein befreundeter Umwelt-Aktivist festgenommen, verh\u00f6rt und eingesch\u00fcchtert worden, sagt Musutua. Sie arbeitet in Windhoek f\u00fcr den \u201eEconomic and Social Justice Trust\u201c, eine zivilgesellschaftliche Organisation, die sich f\u00fcr wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit einsetzt.<\/p>\n<p> \u201eWir fragen uns alle, wann wir selbst an der Reihe sind. Ob uns jemand bespitzelt. Ob uns jemand verfolgt, uns schaden oder einsch\u00fcchtern will, damit wir unsere Kampagne gegen die \u00d6l- und Gas-Exploration in der Kavango-Region einstellen. Die Angst sitzt uns allen im Nacken. Es ist ersch\u00fctternd, dass so etwas hier in Namibia passiert. Wir kennen diese Art der Einsch\u00fcchterung aus der Zeit des Unabh\u00e4ngigkeitskampfes. Ich bin sehr entt\u00e4uscht, dass wir uns das nun gegenseitig antun. Die Einsch\u00fcchterungen \u00e4hneln denen des fr\u00fcheren Apartheid-Regimes gegen Schwarze Menschen.\u201c <\/p>\n<p>                Von einem Jackpot ist die Rede <\/p>\n<p>Aktivistinnen wie Musutua werfen ihrer Regierung vor, das umstrittene Projekt in Zeiten des Covid-Lockdowns vorangetrieben zu haben und nun gegen alle Widerst\u00e4nde durchzuboxen. Im Kavango-Becken finden seit rund einem Jahr Probebohrungen statt \u2013 dort, wo der Okavango ins Nachbarland Botswana flie\u00dft und flussabw\u00e4rts im Okavango Delta m\u00fcndet. Das Weltnaturerbe ist ein Touristen-Mekka, das f\u00fcr seinen Tierreichtum ber\u00fchmt ist. Auf beiden Seiten der Grenze hat sich der kanadische Konzern ReconAfrica Explorationsrechte gesichert und nach eigenen Angaben reiche \u00d6l- und Gas-Vorkommen entdeckt. W\u00e4hrend die Probebohrungen in Botswana noch nicht begonnen haben, wird die Exploration in Namibia bereits ausgeweitet. Au\u00dferdem haben die Konzerne Shell und Total zu Jahresbeginn \u00d6l- und Gasfelder vor der S\u00fcdk\u00fcste Namibias ausgemacht \u2013 sie sollen riesig sein. Von einem Jackpot ist die Rede. <\/p>\n<p>Auf solche Funde habe sein Land jahrzehntelang gewartet, sagt Kondjeni Ntinda. Der Jurist ist auf Energierecht spezialisiert und hat bis 2021 das \u00d6l- und Gas-Zentrum am Energie-Institut geleitet. Das geh\u00f6rt zur Universit\u00e4t f\u00fcr Wissenschaft und Technologie in Windhoek.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Die Innenstadt von Windhoek bei Nacht\" alt=\"Die Innenstadt von Windhoek bei Nacht\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/windhuk-bei-nacht-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Die Innenstadt von Windhoek bei Nacht (imago images \/ imagebroker \/ Markus Obl\u00e4nder)<\/p>\n<p>\u201eMir ist bewusst, dass es eine globale Agenda zum Ausstieg aus fossiler Energie gibt. Aber wenn man sich die derzeitigen \u00d6lpreise ansieht, wei\u00df man, dass die Ressource Erd\u00f6l noch l\u00e4ngere Zeit eine Rolle spielen wird. Das sind gute Nachrichten f\u00fcr ein kleines Land wie Namibia. Mit den Einnahmen aus der \u00d6l- und Gas-F\u00f6rderung und hoffentlich auch einer gewissen Wertsch\u00f6pfung k\u00f6nnen wir unsere Wirtschaft ankurbeln. Wir k\u00f6nnen Jobs und neue Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten schaffen und die soziale Entwicklung vorantreiben. Wir sind also alle ganz aus dem H\u00e4uschen. Jeder im Land ist begeistert!\u201d<\/p>\n<p>Das Beispiel der Aktivistin Musutua aber zeigt: Nicht jeder im Land ist davon begeistert, dass Namibia in die F\u00f6rderung fossiler Energien einsteigen will. Neben etablierten Umweltverb\u00e4nden und anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen sind es vor allem junge Menschen, die gegen die \u00d6l-F\u00f6rderpl\u00e4ne ihrer Regierung mobilmachen. Mit Kampagnen und Petitionen, Protestaktionen und Demonstrationen. Die Videos teilen sie \u00fcber Social-Media-Kan\u00e4le.<\/p>\n<p>                Lautstarke Kritik von junger Generation: ungewohnt<\/p>\n<p>Diese Art des Umwelt-Aktivismus ist relativ neu in Namibia. Motiviert ist sie durch die globale \u201eFridays-for-Future\u201c-Bewegung. Auch der 26-J\u00e4hrige Reinhold Mangundu hat sich ihr angeschlossen. Er hat im Nachbarland S\u00fcdafrika am \u201eInstitut f\u00fcr Nachhaltigkeit\u201c studiert und arbeitet f\u00fcr ein \u00d6kotourismus-Projekt in Namibia. F\u00fcr die Regierung sei es ungewohnt, von der jungen Generation lautstark kritisiert zu werden, sagt er. Ein Minister habe sie als \u201eHooligans\u201c bezeichnet. Seit der Unabh\u00e4ngigkeit im Jahr 1990 regiert die SWAPO mit absoluter Mehrheit. Allerdings leidet sie, wie viele ehemalige Befreiungsbewegungen im s\u00fcdlichen Afrika, unter Stimmenschwund. Mit der Vergangenheit kann sie junge Namibier wie Mangundu nicht beeindrucken.<\/p>\n<p> \u201eViele unserer Abgeordneten sind um die 70 Jahre alt. Sie sagen: Wir haben f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit gek\u00e4mpft und verdienen es deshalb, an der Macht zu sein. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die auch 30 Jahre nach der Unabh\u00e4ngigkeit unter Armut und sozialer Ungleichheit leiden. Wir brauchen einen Wandel. Wir m\u00fcssen uns auf eine Zukunft einstellen, in der uns die Klimakrise hier in Namibia noch st\u00e4rker treffen wird als heute. Und mit Zukunft meine ich nicht die Zeit in hundert, sondern in f\u00fcnf oder 15 Jahren. Aus meiner Sicht ist es geradezu unmenschlich, auf \u00d6l und Gas zu setzen. Wir sehen doch, was sie auf dem Planeten und in der Gesellschaft anrichten. Wir stehen vor dem Kollaps! Und verfolgen diese Pl\u00e4ne trotzdem weiter.\u201c<\/p>\n<p>Namibia im S\u00fcdwesten Afrikas gilt als besonders artenreich \u2013 obwohl es zu den trockensten L\u00e4ndern s\u00fcdlich der Sahara geh\u00f6rt und zu denen, die bereits heute am st\u00e4rksten unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden haben. D\u00fcrrezeiten werden ausgepr\u00e4gter, Extremwetter h\u00e4ufiger, die Temperaturen steigen. Mit durchschnittlich 300 Sonnentagen im Jahr z\u00e4hlt Namibia zu den sonnenreichsten L\u00e4ndern der Welt. Das Potenzial f\u00fcr Solarenergie ist enorm. Das wei\u00df auch die Regierung, die gro\u00dfe Solarfarmen plant, teils gemeinsam mit dem Nachbarn Botswana. Weiter im S\u00fcden werden au\u00dferdem Anlagen zur Herstellung von gr\u00fcnem Wasserstoff gebaut. Der soll auch in L\u00e4nder wie Deutschland exportiert werden. Von all diesen Chancen, die sich nun in Namibias Energiesektor auftun, ist der ehemalige Leiter des \u00d6l- und Gaszentrums Kondjeni Ntinda begeistert.<\/p>\n<p>                Namibia importiert etwa zwei Drittel seines Stroms<\/p>\n<p>\u201eWir haben gro\u00dfes Potenzial, zu einem Energie-Nettoexporteur aufzusteigen. Sowohl in Bezug auf erneuerbare Energien, als auch auf \u00d6l und Gas. Unser Land ist gro\u00df und nur d\u00fcnnbesiedelt. Wir k\u00f6nnten also mehr produzieren, als wir selbst brauchen. In Zukunft k\u00f6nnten wir also Energie exportieren, statt wie bisher Milliarden f\u00fcr Energie-Importe aus S\u00fcdafrika auszugeben.\u201c<\/p>\n<p>Noch ist das kaum vorstellbar. Namibia importiert etwa zwei Drittel seines Stroms, \u00fcberwiegend aus S\u00fcdafrika. Nur rund die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung hat Zugang zur Stromversorgung. Bis 2040, so der Plan der Regierung, sollen alle Haushalte angeschlossen sein. Die Regierung m\u00fcsse sich entscheiden, m\u00fcsse Priorit\u00e4ten setzen, fordert Politikwissenschaftler Ndumba Kamwanyah, der an der Universit\u00e4t von Namibia lehrt. Stattdessen gebe das Kabinett widerspr\u00fcchliche Signale.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Der sogenannte &quot;Tintenpalast&quot;: Sitz des Parlaments in Windhoek\" alt=\"Der sogenannte &quot;Tintenpalast&quot;: Sitz des Parlaments in Windhoek\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/tintenpalast-windhoek-namibia-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Der sogenannte &#8222;Tintenpalast&#8220;: Sitz des Parlaments in Windhoek (picture alliance \/ imageBROKER)<\/p>\n<p>\u201eAuf der einen Seite zeigen sie Interesse an gr\u00fcner Wirtschaft, auf der anderen Seite Begeisterung f\u00fcr die \u00d6l- und Gas-Funde. Sie vertreten also keine klare Position in Bezug auf nationale Priorit\u00e4ten, um das Land zu entwickeln. Aus diesem Spagat spricht Verzweiflung. Die Regierung verfolgt keinen klaren wirtschaftspolitischen Kurs. Stattdessen greift sie bei jeder M\u00f6glichkeit zu, die sich ergibt. Das bereitet mir Sorgen. Was fehlt, ist eine gut geplante Strategie zur nationalen Entwicklung.\u201c<\/p>\n<p>Die Wirtschaft Namibias ist infolge von Corona-Pandemie, Lockdowns und ausbleibenden Touristen weiter in eine Krise gerutscht. Das rohstoffreiche Land, das u.a. \u00fcber gro\u00dfe Vorkommnisse an Uran, Diamanten und Zink verf\u00fcgt, hat kaum verarbeitende Industrie. Die soziale Ungleichheit ist so ausgepr\u00e4gt wie kaum in einem anderen Land der Welt. Obwohl Namibia nur etwa zweieinhalb Millionen Einwohner hat, sind Arbeitslosigkeit und Armut gro\u00df. In dieser Situation sind Teile der Bev\u00f6lkerung ebenso wie ihre Regierung offen f\u00fcr die Versprechen der \u00d6l-Industrie: Die Erschlie\u00dfung von \u00d6l und Gas bringe Aufschwung und Arbeitspl\u00e4tze. Seit den Preissteigerungen durch den Ukrainekrieg wird au\u00dferdem in Aussicht gestellt, dass Benzin und Diesel wieder billiger werden k\u00f6nnten. Auch andere afrikanische Staaten wie Uganda, wo ebenfalls neue \u00d6lquellen entdeckt wurden, wollten sich diese Chance nicht entgehen lassen, sagt der fr\u00fchere Leiter des \u00d6l- und Gaszentrums Kondjeni Ntinda:<\/p>\n<p>\u201eDie \u00c4ra der fossilen Energien ist noch lange nicht vorbei, vor allem nicht in Afrika. Das Stromnetz ist mehr als l\u00fcckenhaft. Erd\u00f6l bleibt auch f\u00fcr die Mobilit\u00e4t und den Transport wichtig. Wenn Afrika seine Energie-Produktion ankurbelt, das Roh\u00f6l in eigenen Raffinerien auch weiterverarbeitet und vertreibt, dann w\u00e4re das ein echter Game-Changer. Afrika hat eine Bev\u00f6lkerung von 1,3 Milliarden haupts\u00e4chlich jungen Menschen. Der Anteil des Kontinents an den globalen Treibhausgas-Emissionen liegt bei nur zwei bis drei Prozent. Wir geh\u00f6ren nicht zu den gro\u00dfen \u00d6l-Konsumenten, aber wir brauchen die Ressource f\u00fcr unsere Entwicklung.\u201c<\/p>\n<p>                Regierung f\u00f6rdert Anstellung einheimischer Arbeitskr\u00e4fte<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich seien f\u00fcr die F\u00f6rderung fossiler Energien auch ausl\u00e4ndische Fachkr\u00e4fte notwendig, r\u00e4umt Ntinda ein. Das w\u00fcrde sich mit der neuen Industrie \u00e4ndern, die Regierung f\u00f6rdere die Anstellung einheimischer Arbeitskr\u00e4fte. Der Politikwissenschaftler Ndumba Kamwanyah widerspricht vehement.<\/p>\n<p>\u201eWenn Namibier eingestellt werden, dann wahrscheinlich als Reinigungskr\u00e4fte, Sicherheitsleute oder \u00e4hnliches. Denn wir haben keine Expertise in der \u00d6l- und Gas-Produktion. Wir kennen das bereits: Unsere Wirtschaft w\u00e4chst, aber die Arbeitslosigkeit bleibt. Und selbst wenn man jetzt Fachkr\u00e4fte ausbilden w\u00fcrde, w\u00e4ren sie doch bald wieder arbeitslos, weil weltweit ein Ende fossiler Energietr\u00e4ger angestrebt wird &#8230; &#8211; wir brauchen eine Vision f\u00fcr die Wirtschaft der Zukunft und die Arbeitspl\u00e4tze, die daf\u00fcr ben\u00f6tigt werden. Statt sich \u00fcber die \u00d6l- und Gas-Funde zu freuen, sollte unsere Regierung strategisch denken und sich fragen, wo sie unsere Wirtschaft in zehn bis zwanzig Jahren sieht.\u201c<\/p>\n<p>Ebenso umstritten wie die Frage der Arbeitspl\u00e4tze ist die Frage nach der H\u00f6he der Staatseinnahmen durch die \u00d6l- und Gas-F\u00f6rderung. Beispiel Angola, ein Nachbar Namibias: Angola f\u00f6rdert bereits seit Jahrzehnten \u00d6l und hat Nigeria als gr\u00f6\u00dften Produzenten abgel\u00f6st. Trotzdem lebt etwa die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung in Armut. Ntinda will dieses Argument nicht gelten lassen.<\/p>\n<p> \u201eDie Wertsch\u00f6pfungskette ist vielschichtig: Sie bringt Jobs, sichert Investitionen und schafft Wohlstand f\u00fcr den Kontinent. Afrikanische L\u00e4nder, die bereits \u00d6l f\u00f6rdern, haben dadurch riesige Summen eingenommen. Wie diese Einnahmen dann genutzt werden, ist in einigen L\u00e4ndern vielleicht etwas fragw\u00fcrdig, aber das hei\u00dft nicht, dass auch wir hier in Namibia zwangsl\u00e4ufig unter dem Ressourcen-Fluch leiden m\u00fcssen. Wir wollen diese Rohstoffe zum Vorteil unserer Nation, der Bev\u00f6lkerung und des gesamten Kontinents nutzen.\u201c<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Satellitenaufnahme des Fluss Okavango\" alt=\"Satellitenaufnahme des Fluss Okavango\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/okavango-area-fluss-100-768xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Der Fluss Okavango bildet die Grenze zwischen Namibia im S\u00fcden und Angola im Norden. (picture alliance \/ dpa \/ KARI \/ ESA)<\/p>\n<p>Namibia will zu einem Vorbild werden. Doch viele im Land hegen Zweifel, ob das gelingen wird, wenn sich nicht Grunds\u00e4tzliches \u00e4ndert. Namibia steht noch immer unter dem Eindruck des sogenannten \u201eFishrot-Skandals\u201c, dem gr\u00f6\u00dften Korruptionsfall seit der Unabh\u00e4ngigkeit 1990. Seitdem sind weitere Machenschaften bekannt geworden. Das Vertrauen der Bev\u00f6lkerung in ihre Demokratie und die Regierungspartei SWAPO hat gelitten. Auch das spiele mit Blick auf die geplante \u00d6l- und Gas-F\u00f6rderung eine Rolle, sagt Ndumba Kamwanyah:<\/p>\n<p>\u201eDie Regierung scheint das Projekt in der Region Kavango unbedingt vorantreiben zu wollen \u2013 trotz des Widerstands in den betroffenen Gemeinden. Ich vermute, dass das auch daran liegen k\u00f6nnte, dass hochrangige Leute als Partner an diesen Gesch\u00e4ften beteiligt sind. Generell haben solche Mega-Projekte nur wenig Wirkung auf ein Land wie unseres. Sie l\u00f6sen die dr\u00e4ngendsten Probleme nicht, wie Armut, Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit. Die Regierung weckt Hoffnungen, die sich schwer erf\u00fcllen lassen und lenkt damit von den eigentlichen Problemen ab. Ihr Ziel ist politisch: Die Macht der Regierungspartei zu sichern und zu zeigen, dass sie nach drei\u00dfig Jahren etwas vorzuweisen hat.\u201c<\/p>\n<p>                Wasserreichste Region Namibias<\/p>\n<p>Eine wirtschaftliche Entwicklung sei dann nachhaltig, wenn sie sich an der Lebensrealit\u00e4t und an den Bed\u00fcrfnissen der Bev\u00f6lkerung orientiere, so Kamwanyah. Er selbst stammt aus der Provinz Kavango, wo die \u00d6l-Exploration bereits begonnen hat.<\/p>\n<p>Die Region ist die wasserreichste Namibias, im Gegensatz zu anderen ariden Landstrichen wird hier Ackerbau betrieben. Kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft und Fischerei bilden die Lebensgrundlage der Bev\u00f6lkerung, die zu einem Teil aus indigenen San besteht und zu den \u00e4rmsten des Landes geh\u00f6rt. Rinaani Musutua vom \u201eEconomic and Social Justice Trust\u201c f\u00e4hrt regelm\u00e4\u00dfig in die Region und berichtet von dem, was sie dort gesehen und von den Menschen erfahren hat:<\/p>\n<p>\u201eDie Leute pflanzen dort auf gro\u00dfen Feldern Mahangu an, eine Art Perlhirse. So k\u00f6nnen sie \u00fcberleben. Einen Teil verzehren sie selbst, den anderen verkaufen sie. Au\u00dferdem sammeln sie Waldfr\u00fcchte. Die Zerst\u00f6rung, die jetzt dort stattfindet, ist furchtbar. Sie entzieht den Menschen ihre Lebensgrundlage. Um Probebohrungen nach \u00d6l und Gas zu machen, fahren Lastwagen durch bewirtschaftete Felder, ganze Waldst\u00fccke werden gerodet, um Zugangsstra\u00dfen anzulegen. Dann werden Bohranlagen aufgestellt und seismische Tests durchgef\u00fchrt. Es werden Entsch\u00e4digungen versprochen, aber nur, wenn ein Papier unterschrieben wird. Und wenn man sich das Schreiben dann genauer ansieht, stellt es sich als Einverst\u00e4ndniserkl\u00e4rung heraus. Die Angst ist gro\u00df, dass nun alle ihr Land verlieren werden.\u201c<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"\u00d6lsuche in einem von Afrikas Naturparadiesen\" alt=\"\u00d6lsuche in einem von Afrikas Naturparadiesen\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/reconafrica-bohrung-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Die kanadische Firma ReconAfrica sucht im Norden Namibias nach \u00d6l. (picture alliance \/ dpa \/ ICUC Productions)<\/p>\n<p>Der kanadische Konzern ReconAfrica, der sich Explorationsrechte in Namibia und Botswana gesichert hat, betont dagegen auf seiner Website und in \u00f6ffentlichen Stellungnahmen. Zitat:<\/p>\n<p>\u201eIn allen Aspekten seiner T\u00e4tigkeiten legt ReconAfrica entsprechend internationaler Standards Wert darauf, St\u00f6rungen des Lebensraums zu minimieren und Umwelt- und Sozialstandards nach anerkannter Branchenpraxis in all seinen Projektgebieten umzusetzen.\u201c Zitatende.<\/p>\n<p>Dennoch best\u00e4tigte der zust\u00e4ndige Minister Calle Schlettwein gegen\u00fcber der Zeitung \u201eThe Namibian\u201c Berichte, denen zufolge die Probebohrungen im Kavango Becken begonnen hatten, bevor die vorgeschriebenen Genehmigungen zur Nutzung von Wasser und Land vorlagen. Das Ganze wurde sp\u00e4ter \u201eMissverst\u00e4ndnis\u201c genannt und als solches ad acta gelegt. Konsequenzen gab es keine.<\/p>\n<p>                \u201eNicht genug \u00fcber die Gesetze und die Verfassung aufgekl\u00e4rt\u201c<\/p>\n<p>Rinaani Musutua vom \u201eEconomic and Social Justice Trust\u201c berichtet von weiteren Beobachtungen, die sie bei ihren Fahrten in die betroffenen Gebiete gemacht hat. Dort w\u00fcrden \u00f6ffentliche Konsultationen erst jetzt stattfinden, nach Projektbeginn.<\/p>\n<p>\u201eDie Leute sind eingesch\u00fcchtert, weil ihnen gesagt wird, dass ReconAfrica die Genehmigung der Regierung hat. Und dass jeder, der sich in den Weg stellt oder auch nur kritisch \u00e4u\u00dfert, auf eine Liste kommt. Sie bef\u00fcrchten, dass sie dann keine staatlichen Hilfen mehr bekommen, etwa in D\u00fcrrezeiten. Diese Menschen befinden sich also in einer sehr schwierigen Situation. Sie haben Angst, dass die Umwelt um sie herum zerst\u00f6rt und das Grundwasser kontaminiert wird. Sie wissen nicht, was sie tun sollen. Sie kennen ihre Rechte nicht. Daf\u00fcr mache ich die Regierung verantwortlich. Sie hat nicht genug \u00fcber die Gesetze und die Verfassung aufgekl\u00e4rt. Und das meiner Meinung nach mit Absicht. Damit sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann &#8211; f\u00fcr etwas, was nicht gut f\u00fcr die Menschen ist.\u201c<\/p>\n<p>Diese ersten Erfahrungen, die Namibia mit der \u00d6l- und Gas-Exploration macht, stimmen nicht gerade zuversichtlich, was die neuen Projekte an der K\u00fcste angeht &#8211; auch wenn sicher richtig ist, dass sich Off- und On-Shore-F\u00f6rderung grunds\u00e4tzlich unterscheiden.<\/p>\n<p>Noch gibt es keine gr\u00f6\u00dferen Proteste gegen die neuen Projekte. Der Widerstand der Aktivistinnen und Aktivisten konzentriert sich derzeit auf die \u00d6l-Exploration im Kavango Becken. Ihre Hoffnung: Dass dort gar keine Vorkommen in kommerzieller Gr\u00f6\u00dfenordnung gefunden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die \u00d6lsuche in einem von Afrikas Naturparadiesen erz\u00fcrnt Tier- und Umweltsch\u00fctzer (ICUC Productions \/ Nicole Macheroux-Denault) Wenn Rinaani&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11373,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[2212,2477,414,1101],"class_list":{"0":"post-11372","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-namibia","8":"tag-energie","9":"tag-gas","10":"tag-namibia","11":"tag-oel"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116481679885452671","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11372","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11372"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11372\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11373"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11372"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11372"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11372"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}