{"id":11398,"date":"2026-04-28T10:28:51","date_gmt":"2026-04-28T10:28:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11398\/"},"modified":"2026-04-28T10:28:51","modified_gmt":"2026-04-28T10:28:51","slug":"namibia-feiert-seine-unabhaengigkeit-hintergrund-aktuell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11398\/","title":{"rendered":"Namibia feiert seine Unabh\u00e4ngigkeit | Hintergrund aktuell"},"content":{"rendered":"<p>    Erste deutsche Kolonie<\/p>\n<p> Die <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/146973\/expansion-und-herrschaft-geschichte-des-europaeischen-und-deutschen-kolonialismus\/\" class=\"styled-link styled-link--internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Interner Link: Kolonialisierung<\/a> eines gro\u00dfen Teils des heutigen namibischen Staatsterritoriums begann Ende des 19. Jahrhunderts, als ein deutscher Unternehmer, ausgestattet mit staatlichen Garantien, dort Land erwarb. Inmitten des &#8222;Scramble for Africa&#8220; (etwa: Dr\u00e4ngelei um Afrika) der europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte wollte auch das Deutsche Reich zur Kolonialmacht werden. Der Bremer Kaufmann Franz Adolf L\u00fcderitz kaufte 1883 unter zweifelhaften Umst\u00e4nden Land im S\u00fcdwesten des heutigen Namibia von den dort ans\u00e4ssigen Nama.<\/p>\n<p>Im August 1884 erkl\u00e4rte das Deutsche Kaiserreich dieses Gebiet zum &#8222;Schutzgebiet Deutsch-S\u00fcdwestafrika&#8220; und taufte es \u201eL\u00fcderitzland\u201c. Damit wurde es zur <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/migration-integration\/afrikanische-diaspora\/59376\/chronologie-zur-deutschen-kolonialgeschichte\/\" class=\"styled-link styled-link--internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Interner Link: ersten deutschen Kolonie<\/a>. Diese wurde in den Folgejahren erweitert und umfasste ab 1890 das gesamte Gebiet des heutigen Staates Namibia. Die Kolonialherren etablierten ein <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/146973\/expansion-und-herrschaft-geschichte-des-europaeischen-und-deutschen-kolonialismus\/\" class=\"styled-link styled-link--internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Interner Link: rassistisches System<\/a>, in dem Deutsche die Oberschicht bildeten und die teils enteigneten Afrikanerinnen und Afrikaner als abh\u00e4ngige Arbeiterinnen und Arbeiter unterdr\u00fcckt wurden. Bis zum Beginn des <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/146973\/expansion-und-herrschaft-geschichte-des-europaeischen-und-deutschen-kolonialismus\/\" class=\"styled-link styled-link--internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Interner Link: Ersten Weltkriegs<\/a> 1914 kamen 15.000 Siedler ins Land, darunter mehr als 12.000 Deutsche.<\/p>\n<p>    Widerstand gegen die Kolonialherren<\/p>\n<p> Wiederholt erhoben sich in den Folgejahren die auf dem kolonialisierten Gebiet ans\u00e4ssigen Volksgruppen, darunter die Herero (1896). Ihre Aufst\u00e4nde wurden gewaltsam niedergeschlagen. Im Januar 1904 nahmen bewaffnete Verb\u00e4nde der Herero erneut den milit\u00e4rischen <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/176142\/januar-1904-herero-aufstand-in-deutsch-suedwestafrika\/\" class=\"styled-link styled-link--internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Interner Link: Widerstand gegen die Kolonialmacht<\/a> auf. Die deutschen Truppen reagierten mit extremer H\u00e4rte und Brutalit\u00e4t. Nach der Schlacht am Waterberg flohen die Herero in die Omaheke-Halbw\u00fcste. Ihre deutschen Verfolger riegelten das Trockengebiet und die wenigen Wasserstellen ab. Auf den <a href=\"https:\/\/www.bundesarchiv.de\/DE\/Content\/Virtuelle-Ausstellungen\/Der-Krieg-Gegen-Die-Herero-1904\/der-krieg-gegen-die-herero-1904.html\" class=\"styled-link styled-link--external\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Externer Link: Befehl des Generalleutnants Lothar von Trotha<\/a> hin, wurde auf alle, die zu fliehen versuchten, geschossen.<\/p>\n<p>Auch dem zun\u00e4chst erfolgreichen Guerilla-Krieg der Nama, die sich dem Widerstand gegen die deutschen Kolonialtruppen angeschlossen hatten, setzte die Kolonialmacht eine Vernichtungsstrategie entgegen: Die Deutschen vergifteten Brunnen und zerst\u00f6rten Nahrungsmittel. Die wenigen \u00dcberlebenden der Herero und Nama kamen in  Internierungslager und wurden als Zwangsarbeiter eingesetzt. Sch\u00e4tzungen zufolge starben bis zu 80.000 Herero sowie mindestens 10.000 Nama. Historikerinnen und Historiker bewerten diesen Vernichtungskrieg heute mehrheitlich als ersten Genozid des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>    S\u00fcdafrika \u00fcbernimmt Kontrolle<\/p>\n<p> Das Ende des Ersten Weltkrieges bedeutete auch das formale <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/kolonialismus-imperialismus\/kaiserreich\/139653\/aussenpolitik-und-imperialismus\/\" class=\"styled-link styled-link--internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Interner Link: Ende des deutschen Kolonialreichs<\/a>. Alle Kolonien gingen gem\u00e4\u00df des <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/lexika\/politiklexikon\/18413\/versailler-vertrag\/\" class=\"styled-link styled-link--internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Interner Link: Versailler Vertrags<\/a> als Mandatsgebiete an den neu gegr\u00fcndeten V\u00f6lkerbund, so auch Deutsch-S\u00fcdwestafrika. <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/297591\/das-voelkerrechtliche-ende-des-deutschen-kolonialreichs\/\" class=\"styled-link styled-link--internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Interner Link: Der V\u00f6lkerbund \u00fcbertrug 1921 das Mandat \u00fcber Namibia an S\u00fcdafrika<\/a>, das Namibia wie eine f\u00fcnfte Provinz verwaltete \u2013 inklusive seiner Homeland-Politik, die jeder Bev\u00f6lkerungsgruppe ein festes Territorium zuteilte, und restriktiver Pass- und Arbeitsgesetze. In den 1950er Jahren etablierte S\u00fcdafrika in seinen Provinzen das Apartheidsystem. Zu dieser Zeit formierte sich in Namibia der anti-koloniale Widerstand gegen S\u00fcdafrika, der 1960 in die Gr\u00fcndung der Bewegung &#8222;South West African People&#8217;s Organisation&#8220; (SWAPO, dt. S\u00fcdwestafrikanische Volksorganisation) m\u00fcndete. 1966 erkannten die Vereinten Nationen, als Nachfolger des V\u00f6lkerbunds, S\u00fcdafrika das Mandat \u00fcber Namibia ab, was die s\u00fcdafrikanische Regierung jedoch ignorierte. Daraufhin nahm die SWAPO den milit\u00e4rischen Kampf auf.<\/p>\n<p>    Der Weg zur Selbstbestimmung<\/p>\n<p> Zehn Jahre sp\u00e4ter, 1976, erkannte die <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/internationale-organisationen\/vereinte-nationen\/48586\/generalversammlung-der-vereinten-nationen\/\" class=\"styled-link styled-link--internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Interner Link: UN-Vollversammlung<\/a> die SWAPO als einzige legitime Vertretung des namibischen Volkes an. Doch erst mit Ende des Kalten Krieges und der schleichenden Erosion des Apartheid-Regimes in S\u00fcdafrika wurde Namibias Selbstbestimmung Realit\u00e4t. Ende 1988 sagte S\u00fcdafrika freie Wahlen f\u00fcr Namibia und damit die Freigabe des von ihm annektierten Gebietes zu. In internationalen Vertr\u00e4gen unter Beteiligung der UN und der SWAPO waren schon zuvor Grunds\u00e4tze f\u00fcr Namibias zuk\u00fcnftige Verfassung festgeschrieben worden.<\/p>\n<p>    Namibia<\/p>\n<p>Namibia liegt im S\u00fcdwesten des afrikanischen Kontinents an der Atlantikk\u00fcste. Das Land ist mit einer Fl\u00e4che von rund 824.292 Quadratkilometern mehr als doppelt so gro\u00df wie Deutschland (357.340) und mit etwa 2,5 Millionen Einwohnern sehr d\u00fcnn besiedelt.<\/p>\n<p>Namibia ist eine Pr\u00e4sidialdemokratie mit einem Mehrparteiensystem. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, der Nationalversammlung und dem Nationalrat. Die 1989 verabschiedete Verfassung enth\u00e4lt einen umfassenden Katalog von Grund- und Menschenrechten. In dem Dokument ist die Gleichstellung von M\u00e4nnern und Frauen verankert und jegliche Diskriminierung bei der Besetzung \u00f6ffentlicher Stellen verboten.<\/p>\n<p>    Namibias erste freie Wahlen<\/p>\n<p> Ende 1989 hielt Namibia die ersten allgemeinen und freien Wahlen ab, knapp 96 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten sich. In der verfassungsgebenden Versammlung, die zum ersten Parlament wurde, errang die SWAPO 41 der insgesamt 72 Sitze, die konservative \u201eDemocratic Turnhall Alliance\u201c (DTA, dt.: Demokratische Turnhallenallianz) 21. Letztere hatte zuvor als von S\u00fcdafrika akzeptierte Interimsregierung fungiert.<\/p>\n<p>Am 21. M\u00e4rz 1990 wurde Namibia mit der Deklaration der ausgearbeiteten Verfassung schlie\u00dflich unabh\u00e4ngig. SWAPO-Chef Sam Nujoma wurde als erster namibischer Pr\u00e4sident vereidigt. Seitdem ist das Land eine parlamentarische Pr\u00e4sidialdemokratie mit dem Parlament als Legislative und einem mit weitreichenden exekutiven Befugnissen ausgestatteten Pr\u00e4sidenten als Staatsoberhaupt. In der zweiten Kammer des Parlaments sitzen je drei Abgeordnete aus den 14 Regionen des Landes. Namibias Demokratie gilt als stabil, doch es mangelt an einer starken Opposition. Auch Abspaltungen der SWAPO konnten selten mehr als 10 Prozent der Stimmen erreichen.<\/p>\n<p>Zuletzt w\u00e4hlten die Namibierinnen und Namibier im November 2019 Parlament und Pr\u00e4sident. Hatte die SWAPO noch f\u00fcnf Jahre zuvor mit 80 Prozent ihr bis dahin bestes Ergebnis erreicht, musste sie bei der letzten Wahl deutliche Verluste hinnehmen und verlor erstmals seit 1994 ihre Zweidrittelmehrheit. Als Grund galten insbesondere Korruptionsvorw\u00fcrfe und eine instabile Wirtschaftslage mit hoher Arbeitslosigkeit. Hage Geingob, seit 2015 Pr\u00e4sident, konnte nur mit knappem Wahlerfolg eine zweite Amtszeit antreten.<\/p>\n<p>    Postkoloniale Auss\u00f6hnung?<\/p>\n<p> Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr Namibia stellt nach wie vor die Umverteilung des seit der Kolonialzeit in wenigen H\u00e4nden konzentrierten Landbesitzes dar. 30 Jahre nach der Unabh\u00e4ngigkeit und mehr als 100 Jahre nach der deutschen Kolonialherrschaft besch\u00e4ftigen Fragen nach Entsch\u00e4digungen f\u00fcr vergangenes Unrecht viele Namibierinnen und Namibier. Auch die <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/297597\/schwierige-post-koloniale-aussoehnung\/\" class=\"styled-link styled-link--internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Interner Link: Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia \u00fcber den Genozid an den Herero und Nama sind weiterhin kompliziert<\/a>, insbesondere angesichts der Forderung nach Reparationszahlungen, die die Bundesregierung ablehnt.<\/p>\n<p>    Feierlichkeiten wegen Coronavirus abgesagt <\/p>\n<p> Die Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Unabh\u00e4ngigkeit wurden aufgrund der Coronavirus-Pandemie abgesagt. Das k\u00fcndigte Pr\u00e4sident Hage Geingob eine Woche vor dem Nationalfeiertag an, nachdem die ersten Infektionsf\u00e4lle in Namibia best\u00e4tigt worden waren. Am 17. M\u00e4rz verk\u00fcndete die Regierung den Ausnahmezustand. Seitdem sind gr\u00f6\u00dfere \u00f6ffentliche Versammlungen verboten und Reisen eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>    Mehr zum Thema:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erste deutsche Kolonie Die Interner Link: Kolonialisierung eines gro\u00dfen Teils des heutigen namibischen Staatsterritoriums begann Ende des 19.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11399,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[414],"class_list":{"0":"post-11398","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-namibia","8":"tag-namibia"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116481868608639042","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11398","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11398"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11398\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11399"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11398"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11398"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11398"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}