{"id":11427,"date":"2026-04-28T11:22:13","date_gmt":"2026-04-28T11:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11427\/"},"modified":"2026-04-28T11:22:13","modified_gmt":"2026-04-28T11:22:13","slug":"zweiter-geburtstag-der-75-jaehrigen-wienerin-in-geiselhaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11427\/","title":{"rendered":"Zweiter Geburtstag der 75-j\u00e4hrigen Wienerin in Geiselhaft"},"content":{"rendered":"<p>\n        Die vor mehr als einem Jahr im Niger entf\u00fchrte \u00d6sterreicherin muss einen zweiten Geburtstag in Geiselhaft verbringen. Sie wird am Mittwoch 75 Jahre alt. &#8222;Unser einziger Wunsch ist ihre sichere Heimkehr&#8220;, betont ihr Sohn Christoph Gretzmacher. Das \u00f6sterreichische Au\u00dfenministerium erkl\u00e4rt gegen\u00fcber der APA, mit der Familie der Entf\u00fchrten &#8222;mit Nachdruck und in engem Austausch das gemeinsame Ziel einer sicheren Freilassung&#8220; der Frau zu verfolgen.\n      <\/p>\n<p>\n        28. 04. 2026,  11:45\u00a0Uhr<br \/>\n        Lesedauer:        4 Minuten<\/p>\n<p>        Am Abend des 11. J\u00e4nner 2025 entf\u00fchrt<\/p>\n<p>Die Wienerin lebte vor ihrer Entf\u00fchrung seit fast drei Jahrzehnten in Agadez am Rande der Sahara. Bewaffnete M\u00e4nner drangen laut Augenzeugen am Abend des 11. J\u00e4nners 2025 in ihr Haus in der nigrischen W\u00fcstenstadt ein. Sie verfrachteten die Frau in einen Gel\u00e4ndewagen. Lokale Medien berichteten, dass es sich bei den Kidnappern um Kriminelle handelte, die die \u00d6sterreicherin an eine terroristische Gruppe weiterreichten. Die islamistische Terrormiliz JNIM, ein regionaler Ableger der Al-Kaida, dementierte unmittelbar danach eine Beteiligung an der Tat. Allerdings sind auch andere Gruppierungen wie etwa ein Ableger des &#8222;Islamischen Staats&#8220; (IS) sowie Tuareg-Rebellen in der Region aktiv.<\/p>\n<p>Ein Lebenszeichen von der \u00d6sterreicherin gab es Ende April des Vorjahres, wie das nigrische Medium &#8222;A\u00efr Info&#8220; berichtete. Der Beweis in Form eines Fotos erreichte das lokale Infoportal am 74. Geburtstag des Entf\u00fchrungsopfers. Demnach sei sie trotz Geiselhaft in der Sahelregion bei guter Gesundheit.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche F\u00e4lle<\/p>\n<p>Am 13. April des Vorjahres wurde eine zweite Frau auf die gleiche Art und Weise entf\u00fchrt: n\u00e4mlich n\u00e4chtens aus ihrer Wohnung in Agadez. Vermutungen legen nahe, dass die \u00d6sterreicherin und die Schweizerin nun zusammen sind. Beobachter aus der Region gehen au\u00dferdem davon aus, dass auch ein US-amerikanischer Staatsb\u00fcrger mit ihnen zusammen oder von der gleichen Gruppe festgehalten wird. Der 49-J\u00e4hrige war im Oktober in der nigrischen Hauptstadt Niamey verschleppt worden. Er war damals als ziviler Pilot in einer evangelischen und humanit\u00e4ren Mission im Sahel t\u00e4tig, die den Namen Serving In Mission (SIM) tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>\u00dcber die Hintergr\u00fcnde der Entf\u00fchrung der \u00d6sterreicherin gibt es kaum gesicherte Informationen. Die nigrischen, \u00f6sterreichischen und auch Schweizer Beh\u00f6rden halten sich bedeckt. Auch der EU-Sonderbeauftragte f\u00fcr die Sahelzone, Jo\u00e3o Cravinho, mahnte bei einem Wien-Besuch dazu, nicht den &#8222;Scheinwerfer&#8220; auf den Fall zu richten. Die Bem\u00fchungen um Freilassung der Geisel liefen sehr diskret. &#8222;Die Sicherheit der Betroffenen hat f\u00fcr uns oberste Priorit\u00e4t&#8220;, erg\u00e4nzt das \u00f6sterreichische Au\u00dfenministerium. Das Au\u00dfenamt verfolge eine &#8222;zur\u00fcckhaltende und diskrete \u00f6ffentliche Kommunikation, vor allem auch um die laufenden Bem\u00fchungen nicht zu gef\u00e4hrden&#8220;.<\/p>\n<p>Spitzendiplomat Launsky-Tieffenthal eingebunden<\/p>\n<p>\u00d6sterreich hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Entf\u00fchrung im J\u00e4nner 2025 einen Krisenstab eingerichtet. Dem Gremium geh\u00f6ren Vertreter und Vertreterinnen des Au\u00dfen-, des Innen- und des Verteidigungsministeriums an. Ebenso werde regelm\u00e4\u00dfig ein Krisenteam in die Region entsandt, &#8222;das allen Hinweisen mit Nachdruck nachgeht&#8220; sowie &#8222;auf allen Ebenen eng mit den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden und Sicherheitsdiensten in der Region sowie mit EU- und weiteren Partnern&#8220; zusammenarbeite, hei\u00dft es in einer Stellungnahme gegen\u00fcber der APA. &#8222;Erfahrungen zeigen, dass derartige Entf\u00fchrungsf\u00e4lle sehr komplex sind und ihre L\u00f6sung Zeit in Anspruch nehmen kann.&#8220;<\/p>\n<p>Seit dem Sommer 2025 unterst\u00fctzt der Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers f\u00fcr globale Angelegenheiten, Peter Launsky-Tieffenthal, auf Ersuchen von Au\u00dfenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) die Bem\u00fchungen um Freilassung der Frau. Der Ex-Generalsekret\u00e4r im Au\u00dfenministerium und fr\u00fchere Untergeneralsekret\u00e4r bei der UNO in New York hat viel Erfahrung in dem Gebiet: Er war in die Befreiung des \u00f6sterreich-israelischen Doppelstaatsb\u00fcrgers Tal Shoham aus dem Gazastreifen sowie von weiteren \u00f6sterreichischen Kidnappingopfern aus Afghanistan, dem Jemen, dem Iran und den Fall der Salzburger Sahara-Geiseln eingebunden.<\/p>\n<p>Christoph Gretzmacher betont, es zu sch\u00e4tzen, dass auf diplomatischen Ebenen gearbeitet werde. Er verweist auch auf die Afrika-Strategie der Bundesregierung. &#8222;Gleichzeitig macht ein Tag wie dieser sehr deutlich, dass Zeit kein neutraler Faktor ist. Angesichts der sich massiv versch\u00e4rfenden Sicherheitslage in der Region und der Eskalation zwischen den verschiedenen Akteuren vor Ort ist ein schnelles, entschlossenes, koordiniertes Handeln jetzt dringender denn je.&#8220; Der Geburtstag seiner Mutter ist f\u00fcr Christoph Gretzmacher ein &#8222;sehr pers\u00f6nlicher Tag&#8220;. Weil er am selben Tag Geburtstag hat, w\u00fcrden sie diesen &#8222;normalerweise im Kreis der Familie gro\u00df feiern&#8220;.<\/p>\n<p>Rekordzahl an Entf\u00fchrungen<\/p>\n<p>Wie gef\u00e4hrlich die Sicherheitslage in der Sahelzone ist, hat sich erst am Wochenende erneut gezeigt. Jihadisten der Jama&#8217;at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM) starteten gemeinsam mit der Tuareg-Gruppe Azawad Befreiungsfront (FLA) einen Aufstand. Sie griffen in Malis Hauptstadt Bamako und weiteren St\u00e4dten des westafrikanischen Krisenstaates unter anderem Kasernen, Wohnh\u00e4user des malischen Junta-Chefs und des Verteidigungsministers sowie den Flughafen an. Auch in der Region aktive russische S\u00f6ldner d\u00fcrften Ziel der Angriffe gewesen sein. Bei heftigen Gefechten zwischen der Armee und bewaffneten Angreifern kamen nach Armeeangaben Hunderte K\u00e4mpfer ums Leben.<\/p>\n<p>Die Sahelregion verzeichnete im Vorjahr eine Rekordzahl an Entf\u00fchrungen. Etwa 70 Prozent der auf dem gesamten afrikanischen Kontinent erfassten F\u00e4lle ereigneten sich in den Sahelstaaten Mali und Niger. Von Anfang bis Ende November 2025 wurden in diesen beiden L\u00e4ndern 30 Ausl\u00e4nder entf\u00fchrt, ergaben Analysen der Konfliktdaten-Organisation ACLED. In den Jahren davor waren es demnach jeweils weniger als vier pro Jahr. Bei den meisten Entf\u00fchrungsopfern handelt es sich um chinesische Arbeiter.<\/p>\n<p>Einige Entf\u00fchrungsf\u00e4lle fanden in den internationalen Medien gro\u00dfe Beachtung. Zwei Staatsb\u00fcrger der Vereinigten Arabischen Emirate &#8211; von denen einer vermutlich ein Mitglied der K\u00f6nigsfamilie ist &#8211; wurden Ende September in Mali entf\u00fchrt. Die Emiratis wurden jedoch nicht lange festgehalten. Etwas mehr als einen Monat sp\u00e4ter lie\u00dfen die JNIM-Terroristen die M\u00e4nner gegen ein L\u00f6segeld in Millionenh\u00f6he frei, berichtete die BBC. Die Nachrichtenagentur Reuters schrieb Ende Oktober von 50 Millionen Dollar (37 Millionen Pfund).<\/p>\n<p>Der Hauptverantwortliche f\u00fcr den Anstieg bei den Entf\u00fchrungen im letzten Jahr war die mit Al-Kaida verb\u00fcndeten JNIM. Einigen Sch\u00e4tzungen zufolge k\u00f6nnten L\u00f6segeldzahlungen bis zu 40 Prozent der j\u00e4hrlichen Einnahmen von JNIM ausmachen, so der Thinktank Institute for Economics and Peace (IEP). Viele Taten gehen aber auch auf das Konto der rivalisierenden Terrororganisation Islamischer Staat in der Sahel-Provinz (ISSP). Dass es Entf\u00fchrern generell um L\u00f6segeld gehe, dementiert Launsky-Tieffenthal. Es w\u00fcrden auch politische oder rechtliche Ziele verfolgt oder wirtschaftliche Vorteile angestrebt, berichtete der Diplomat im Gespr\u00e4ch mit der APA im J\u00e4nner. \u00d6sterreich w\u00fcrde auch kein L\u00f6segeld zahlen, erg\u00e4nzt ein Insider.<\/p>\n<p>Erstes EU-Entf\u00fchrungsopfer seit Milit\u00e4rputsch<\/p>\n<p>Die \u00d6sterreicherin gilt als erste EU-B\u00fcrgerin, die seit dem Milit\u00e4rputsch in Niger entf\u00fchrt wurde. Dort hatte das Milit\u00e4r im Juli 2023 den demokratisch gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Mohamed Bazoum gest\u00fcrzt. Wie auch die benachbarten Milit\u00e4rregierungen Mali und Burkina Faso wandte sich der Niger nach der Macht\u00fcbernahme durch das Milit\u00e4r verst\u00e4rkt Russland zu und forderte im Kampf gegen den Jihadismus anwesende, westliche Truppen auf, das Land zu verlassen. Die franz\u00f6sische Armee, die US-Armee und die deutsche Bundeswehr zogen sich daher aus dem Niger zur\u00fcck. Auch die UNO-Mission in Mali MINUSMA, an der das \u00f6sterreichische Bundesheer ebenfalls beteiligt war, musste die Region verlassen.<\/p>\n<p>In j\u00fcngster Zeit streben die isolierten Sahel-Milit\u00e4rregierungen jedoch eine engere Beziehungen zum Westen an. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unl\u00e4ngst, dass Mali und die USA kurz vor einem Abkommen st\u00fcnden, das es Washington erm\u00f6glichen w\u00fcrde, wieder Flugzeuge und Drohnen \u00fcber den Luftraum des westafrikanischen Landes fliegen zu lassen. Damit wollen sie Informationen \u00fcber jihadistische Gruppen sammeln. Die Aufkl\u00e4rungsfl\u00fcge sollen auch bei der Suche nach dem entf\u00fchrten US-Amerikaner helfen.<\/p>\n<p>(Quelle: APA)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die vor mehr als einem Jahr im Niger entf\u00fchrte \u00d6sterreicherin muss einen zweiten Geburtstag in Geiselhaft verbringen. 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