{"id":11512,"date":"2026-04-28T14:34:35","date_gmt":"2026-04-28T14:34:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11512\/"},"modified":"2026-04-28T14:34:35","modified_gmt":"2026-04-28T14:34:35","slug":"schwaebischer-turnerbund-turnen-schenkt-hoffnung-helft-nikola-giek-und-der-turnfamilie-in-namibia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11512\/","title":{"rendered":"Schw\u00e4bischer Turnerbund: Turnen schenkt Hoffnung \u2013 helft Nikola Giek und der Turnfamilie in Namibia"},"content":{"rendered":"<p>Im Sommer reist STB-Volunteer Nikola Giek aus Weinstadt erneut nach Namibia. Seit seinem ersten Aufenthalt vor einigen Jahren ist er mit dem afrikanischen Land und den Menschen eng verbunden. Besonders die Trainerinnen in dem Ort Swakopmund, mit denen er bis heute in Kontakt steht, sind zu Freunden geworden. Der 31-j\u00e4hrige unterst\u00fctzt als Pate im Programm der Dongina-Risser-Gymnastics-Foundation gezielt eine Nachwuchsturnerin und m\u00f6chte deren Entwicklung nun wieder pers\u00f6nlich begleiten. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Erfahrungen, Erlebnisse und W\u00fcnsche.<\/p>\n<p>Wollt ihr Nikola und seine Turnsport-Arbeit in Namibia unterst\u00fctzen? Dann spendet Vereinskleidung und -ausr\u00fcstung wie Turnanz\u00fcge, Schl\u00e4ppchen, Riemchen! Denn nur so k\u00f6nnen viele Kinder aus einkommensschwachen Familien dem Turnsport nachgehen. Anfragen an <a href=\"https:\/\/www.stb.de\/mailto:nikola@g-giek.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nikola@g-giek.de<\/a><\/p>\n<p>STB: Wie kam es dazu, dass du als Trainer in Namibia Kindern Turnen vermittelt hast?<\/p>\n<p>Nikola: Die Idee zu dem Projekt hatte die DTB-Vizepr\u00e4sidentin Annette Hofmann und die Ehrenpr\u00e4sidentin des Namibischen Turnverbandes Valereis Geldenhuys w\u00e4hrend der Turnweltmeisterschaft in Stuttgart 2019. Es wurden turnbegeisterte Studierende an der Uni Stuttgart und der PH Ludwigsburg gesucht, welche als Trainer und Trainerinnen nach Namibia gehen sollten und vor Ort mit den Kindern in der Halle arbeiten, die \u00f6rtlichen Trainer unterst\u00fctzen und einen Austausch zwischen Deutschland und Namibia f\u00f6rdern. Als ich von dem Projekt erfuhr, wusste ich sofort, dass ich ein Teil davon sein wollte. Zum einen war es schon immer mein Traum, nach Afrika zu gehen. Zum anderen genie\u00dfe ich jede Sekunde in der Turnhalle und Kindern den Spa\u00df am Turnen zu vermitteln.<\/p>\n<p>Welche Vorbereitungen musstest du treffen, um nach Namibia zu reisen?<\/p>\n<p>Dadurch, dass das Projekt zum ersten Mal stattgefunden hat, gab es keine Erfahrungswerte und nur wenig Informationen im Voraus. Es war mehr ein Flug ins Ungewisse. Ich habe mich f\u00fcr einen Zeitraum von 10 Wochen in Namibia entschieden. Den Rest der Organisation haben die Vereine und Personen vor Ort \u00fcbernommen. Bevor es dann tats\u00e4chlich in den Flieger ging, habe ich mich nat\u00fcrlich mit dem Land und der Kultur vertraut gemacht. Die deutsch-namibische Geschichte reicht schon lange zur\u00fcck und es war sicherlich eine gute Idee, sich zuvor mit den bis heute anhaltenden Themen der Kolonialzeit zu besch\u00e4ftigen. F\u00fcr Namibia gibt es keine vorgeschriebene Pflichtimpfungen, allerdings werden einige typische Reiseimpfungen empfohlen, deshalb lie\u00df ich mich zuvor von meinem Hausarzt beraten.<\/p>\n<p>Was hat dich vor Ort positiv \u00fcberrascht?<\/p>\n<p>Die Vereine, in denen ich als Trainer aktiv war, hatten beide eine feststehende Ger\u00e4tehalle. Obwohl es sich bei dem Verein in Otjiwarongo f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse um einen kleinen Verein mit wenigen Turnern und Turnerinnen handelt, war die Halle top ausgestattet. Der Verein in Swakopmund geh\u00f6rt zu einem der gr\u00f6\u00dften in Namibia und in der Halle stehen die meisten Ger\u00e4te in mehrfacher Ausf\u00fchrung, wobei die Ger\u00e4te oft Spenden aus Deutschland sind. Am meisten haben mich aber die Menschen in der Halle \u00fcberrascht. Sowohl die Kinder als auch die Trainer und Trainerinnen verbindet eine unglaubliche Liebe zum Turnsport. Die Leidenschaft war t\u00e4glich zu sp\u00fcren und die Freude auf das Training war ansteckend. Viele Kinder kommen aus sehr armen Verh\u00e4ltnissen, haben schon im jungen Alter viel durchlebt und h\u00e4ufig ist das Turnen die einzige Auszeit vom harten Alltag.<\/p>\n<p>Wieso habt ihr mehrmals den Ort in Namibia gewechselt?<\/p>\n<p>Ziel war es, m\u00f6glichst viele Eindr\u00fccke zu sammeln, viele Kinder zu trainieren, sich mit vielen Trainern und Trainerinnen vor Ort auszutauschen und auch unterschiedliche Teile des Landes zu sehen. Wie in Deutschland ist auch in Namibia jeder Verein anders strukturiert und organisiert, deshalb war es auch spannend, die Unterschiede zwischen den Vereinen kennenzulernen. In Otjiwarongo wird nur Kinderturnen im Breitensportbereich angeboten, w\u00e4hrend es in Swakopmund ein deutlich breiteres Angebot gibt.<\/p>\n<p>Auf welchem turnerischen Niveau waren die Kinder vor Ort?<\/p>\n<p>Das turnerische Niveau deckte die komplette Bandbreite ab. Es gibt Anf\u00e4ngergruppen im Vorschulalter, Breitensportgruppen von 6 bis 18 Jahre mit ein oder zweimal Training pro Wochen und Wettkampfgruppen mit t\u00e4glichem Training mit dem Ziel, sich f\u00fcr nationale und internationale Wettk\u00e4mpfe zu qualifizieren.<\/p>\n<p>Wie habt ihr euer Training strukturiert? Genauso wie in Deutschland oder anders?<\/p>\n<p>Das Training wurde je nach Trainingsgruppe und Leistungsniveau der Kinder angepasst. Die unterschiedlichen Niveaustufen hatten oft zeitgleich Training, w\u00e4rmten sich gemeinsam auf und beendeten das Training zusammen. In den Anf\u00e4nger- und Breitensportgruppen war das Training sehr \u00e4hnlich zu dem Training in Deutschland. Das Training in der Wettkampfgruppe war deutlich individueller auf die Kinder und ihr aktuelles Trainingsziel abgestimmt.<\/p>\n<p>Nach welchen Vorgaben habt ihr vor Ort das Training geleitet?<\/p>\n<p>In der jeweils ersten Woche in den Vereinen habe ich die Trainer und Trainerinnen vor Ort begleitet, danach habe ich selbstst\u00e4ndig Trainingsgruppen \u00fcbernommen. An vier Tagen in der Woche habe ich nachmittags mehrere Gruppen trainiert. Die Wochenenden waren trainingsfrei. Es gab keine direkte Vorgabe, wie viel Training ich geben musste, wenn aber eine Gruppe Kinder mit gro\u00dfen Augen fragt, ob sie auch mal mit mir trainieren d\u00fcrfen, dann ist es sehr schwer, nein zu sagen. Es war aber auch immer m\u00f6glich, in R\u00fccksprache mit den Verantwortlichen die Trainingszeiten anzupassen oder sich einzelne Tage freizuhalten.<\/p>\n<p>Wie sieht das Thema \u201eSicherheit im Training\u201c in Namibia aus?<\/p>\n<p>Sicherheit im Training ist auch in Namibia ein gro\u00dfes Thema. Die Trainer und Trainerinnen haben regelm\u00e4\u00dfig interne Schulungen zu dem Thema, wobei vor allem die physische und psychische Gesundheit der Kinder im Mittelpunkt stehen. Da viele Kinder aus zerr\u00fctteten Familienverh\u00e4ltnissen kommen, ist es den Verantwortlichen besonders wichtig, dass der Sport und das Training eine sichere Umgebung f\u00fcr die Kinder darstellen. Sie betonen immer wieder den Begriff der \u201eTurnfamilie\u201c, in der alle Kinder wie Familienmitglieder behandelt werden und jedes Kind sich frei entfalten kann. Die Matten in der Halle stellten allerdings ein gro\u00dfes Problem dar. Viele Matten waren sehr alt und erf\u00fcllten ihren Zweck nur ungen\u00fcgend. Teilweise wurden alte Matratzen als Landematten genutzt. Vor allem f\u00fcr die Wettkampfgruppe, die an k\u00f6rperlich sehr anspruchsvollen Elementen arbeiteten, f\u00fchrte das zu zus\u00e4tzlichen Herausforderungen. Au\u00dferdem gab es keine Schnitzelgrube und beim Lernen neuer Teile mussten wir kreative L\u00f6sungen finden.<\/p>\n<p>Gibt es dort Trainerlizenzen oder wird einfach nur Training gegeben?<\/p>\n<p>Trainerlizenzen, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es nicht. Die meisten Trainer und Trainerinnen, vor allem in kleineren Vereinen, haben davor selbst geturnt oder sind engagierte Elternteile, die ihr eigenes Wissen an die Kinder weitergeben. Die Qualit\u00e4t des Trainings variiert deshalb stark und darum war ein Ziel des Projekts der fachliche Austausch zwischen deutschen und namibischen Trainerinnen und Trainern. Eine Ausnahme stellen die hauptverantwortlichen Trainerinnen in Swakopmund dar. Diese haben sich \u00fcber internationale FIG-Kurse \u00fcber viele Jahre ein breites Fachwissen erarbeitet. Da es kein offizielles Fortbildungs- oder Ausbildungsprogramm des Turnverbands gibt, organisieren sie regelm\u00e4\u00dfig aus Eigeninitiative Fortbildungen an denen motivierte Trainerinnen und Trainer aus ganz Namibia teilnehmen.<\/p>\n<p>Was hast du von diesen Erfahrungen f\u00fcr dein Leben in Weinstadt mitgenommen?<\/p>\n<p>Turnerisch habe ich ganz viel lernen k\u00f6nnen, da ich hier noch nie mit einer Gruppe auf dem Leistungsniveau trainiert habe. Vor allem das zielgerichtete und sehr akribische Arbeiten in der Wettkampfgruppe hat mir sehr Spa\u00df gemacht. Au\u00dferdem habe ich gelernt, mit \u00e4u\u00dferen limitierenden Faktoren, wie alte Ger\u00e4te, schlechte Matten oder fehlendem Trainingsmaterial umzugehen und dass viele Herausforderungen kreativ gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich habe aber nicht nur turnerisch viel mitnehmen k\u00f6nnen, sondern vor allem die Einstellung und die Freude der Kinder haben mich tief inspiriert. Sie sind zu jedem Training mit einem L\u00e4cheln in die Halle gekommen und haben ihr Bestes gegeben, egal wie hart ihr Tag davor war oder welche Probleme zu Hause auf sie warteten. Gleichzeitig war es beeindruckend zu sehen, wie die Trainer R\u00fccksicht auf die jeweilige Situation der Kinder nehmen und wie viel Zuneigung, gegenseitigen Respekt und Hingabe das Training in der \u201eTurnfamilie\u201c pr\u00e4gen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Sommer reist STB-Volunteer Nikola Giek aus Weinstadt erneut nach Namibia. 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