{"id":11763,"date":"2026-04-29T00:35:10","date_gmt":"2026-04-29T00:35:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11763\/"},"modified":"2026-04-29T00:35:10","modified_gmt":"2026-04-29T00:35:10","slug":"wer-nach-madagaskar-reist-sollte-einen-plan-b-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11763\/","title":{"rendered":"\u00abWer nach Madagaskar reist, sollte einen Plan B haben\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>In Madagaskar, dem bei Touristinnen und Touristen beliebten Inselstaat vor der Ostk\u00fcste Afrikas, herrschte ab Ende September Ausnahmezustand. Aus zun\u00e4chst friedlichen Protesten junger Menschen f\u00fcr eine verl\u00e4ssliche Strom- und Wasserversorgung entwickelte sich nach dem harten Eingreifen von Polizei und Armee eine Welle der Gewalt. Schliesslich richtete sich der Unmut der Bev\u00f6lkerung gegen den Pr\u00e4sidenten selbst \u2013 und die Forderung nach seinem R\u00fccktritt wurde laut.<\/p>\n<p>Das Eidgen\u00f6ssische Departement f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten (EDA) versch\u00e4rfte daraufhin seine Reisehinweise f\u00fcr Madagaskar (<a href=\"https:\/\/www.travelnews.ch\/here-and-there\/30303-proteste-in-madagaskar-das-muessen-reisende-wissen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Travelnews berichtete<\/a>). Nach drei Wochen \u00fcbernahm das Milit\u00e4r die Macht. Der bisherige Pr\u00e4sident Andry Rajoelina wurde abgesetzt. <\/p>\n<p>Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert, und das EDA r\u00e4t nicht l\u00e4nger von touristischen Reisen nach Madagaskar ab. Im Gespr\u00e4ch mit Travelnews ordnet Franz Stadelmann, Gr\u00fcnder und Inhaber von Priori Reisen und seit fast vier Jahrzehnten eng mit Madagaskar verbunden, die aktuelle Situation im Land ein.<\/p>\n<p>    Madagaskartag<\/p>\n<p>Am Samstag, 8. November 2025, l\u00e4dt Priori Reisen gemeinsam mit dem Verein Tsarabe Madagaskar zum traditionellen Madagaskartag in die Heilp\u00e4dagogische Schule M\u00fcnchenstein ein. Besucherinnen und Besucher erwartet ein vielf\u00e4ltiges Programm mit spannenden Vortr\u00e4gen, einer Live-Schaltung nach Madagaskar, Einblicken in aktuelle Projekte und einer grossen Flugticket-Verlosung. In der Mittagspause wird ein madagassisch inspirierter Eintopf serviert, begleitet von Verkaufsst\u00e4nden mit Vanille, Handwerk und B\u00fcchern. Der Eintritt ist frei \u2013 eine Anmeldung ist nicht erforderlich.<\/p>\n<p>Herr Stadelmann, das Eidgen\u00f6ssische Departement f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten (EDA) hat seine Reisehinweise f\u00fcr Madagaskar entsch\u00e4rft. Wie pr\u00e4sentiert sich die Lage aktuell im Land?<\/p>\n<p>Franz Stadelmann: Oberfl\u00e4chlich betrachtet hat sich die Situation deutlich beruhigt. Der Anf\u00fchrer des Milit\u00e4rputsches, Oberst Michael Randrianirina, wurde inzwischen als neuer Staatschef vereidigt. Er hat Wahlen in eineinhalb bis zwei Jahren angek\u00fcndigt. Eine Forderung des Verfassungsgerichts, bereits innerhalb von 60 Tagen Wahlen abzuhalten, lehnte er mit dem Hinweis auf notwendige Reformen ab.<\/p>\n<p>Was ist mit dem bisherigen Pr\u00e4sidenten Andry Rajoelina geschehen, gegen den sich die massiven Proteste \u2013 vor allem getragen von der Generation Z \u2013 gerichtet hatten?<\/p>\n<p>Rajoelina hat sich noch w\u00e4hrend der Massenproteste aus dem Land geschlichen. Laut Medienberichten h\u00e4lt er sich wohl derzeit in Dubai auf, w\u00e4hrend seine Anh\u00e4nger darauf bestehen, dass er weiterhin im Amt sei. Rajoelina selbst war 2009 durch einen Putsch an die Macht gekommen. Sein enger Vertrauter, der Unternehmer Mamy Ravatomanga, hat sich ebenfalls abgesetzt und wurde inzwischen auf Mauritius festgenommen. Gegen ihn wird wegen Geldw\u00e4scherei und Korruption ermittelt. Zwar spricht er von einer politischen Verfolgung, doch unbestritten ist, dass er sich schamlos bereichert hat \u2013 stets mit R\u00fcckendeckung durch den Ex-Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>\u00ab Ich bin vorsichtig optimistisch\u00bb<\/p>\n<p>Hat sich die Situation damit nachhaltig verbessert?<\/p>\n<p>Es gibt vereinzelt noch Streiks, aber keine gr\u00f6sseren Demonstrationen mehr. Die Lage bleibt fragil, ist aber mit der Situation Ende September oder Anfang Oktober nicht mehr vergleichbar. Nat\u00fcrlich sind nicht alle Probleme gel\u00f6st. Jetzt beginnt der Verteilungskampf aufs Neue. Wer in die Politik gelangt, erh\u00e4lt Zugang zu den Geldt\u00f6pfen, w\u00e4hrend fast alle anderen leer ausgehen. Das birgt weiterhin Konfliktpotenzial. Es wird wohl noch einige politische Rochaden geben, bevor die gr\u00f6ssten Herausforderungen angegangen werden k\u00f6nnen, allen voran der Kampf gegen die Korruption. Dennoch gibt es berechtigte Hoffnung, dass sich die politische Lage langfristig stabilisiert. Mit Michael Randrianirina steht nun ein Mann an der Spitze, der Ordnung schaffen m\u00f6chte. Ich denke, dass dieser Milit\u00e4rputsch das Beste war, was in dieser Situation passieren konnte. Ich bin vorsichtig optimistisch.<\/p>\n<p>Sind Reisen nach Madagaskar jetzt wieder m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht schon. Priori Reisen hat bereits wieder erste G\u00e4ste im Land, und im Laufe des Novembers stehen weitere Abreisen an. Der internationale Flughafen von Antananarivo war zu keinem Zeitpunkt geschlossen. W\u00e4hrend Emirates seine Fl\u00fcge vor\u00fcbergehend ausgesetzt hat, flog Ethiopian Airlines die Hauptstadt durchgehend an. Reisen innerhalb des Landes sind wieder im gewohnten Stil m\u00f6glich, ausser vielleicht bei Binnenfl\u00fcgen. Zwar sind die Folgen der j\u00fcngsten Unruhen mancherorts noch sichtbar \u2013 einige Gesch\u00e4fte wurden niedergebrannt, es kam zu Pl\u00fcnderungen \u2013, doch das betraf vor allem die St\u00e4dte. Auf dem Land hat man davon kaum etwas gesp\u00fcrt, und Reisen durch die verschiedenen Regionen sind ohne gr\u00f6ssere Einschr\u00e4nkungen machbar.<\/p>\n<p>Das heisst: Sie empfehlen Reisen nach Madagaskar wieder mit guten Gewissen?<\/p>\n<p>Ja, durchaus. Aber ich sage klar: Wer nach Madagaskar reist, sollte einen Plan B haben \u2013 wie \u00fcbrigens in allen L\u00e4ndern mit politischer Instabilit\u00e4t. Man muss wissen, was zu tun ist, falls sich die Lage erneut zuspitzt.<\/p>\n<p>\u00abWir sind kein Anbieter, der Reisen um jeden Preis verkauft\u00bb<\/p>\n<p>Wie haben Sie die vergangenen Wochen seit Ausbruch der Unruhen erlebt?<\/p>\n<p>Es war eine sehr intensive Zeit. W\u00e4hrend jeder Krisensituation er\u00f6ffnen wir ein Nottelefon f\u00fcr alle, die mit Madagaskar zu tun haben. Ich stand t\u00e4glich in Kontakt mit unserem Team vor Ort im B\u00fcro von Priori Reisen, um die Lage laufend einzusch\u00e4tzen. Gleichzeitig erreichten mich viele Anfragen von besorgten Angeh\u00f6rigen, auch von Reiseveranstaltern und Reiseb\u00fcros, die sich ein Bild der Situation machen wollten.<\/p>\n<p>Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen gesch\u00e4ftlichen Interessen und der Verantwortung gegen\u00fcber den Reisenden?<\/p>\n<p>Wir sind kein Anbieter, der Reisen um jeden Preis verkauft. Wir organisieren keine Massenreisen, sondern versuchen, die W\u00fcnsche unserer Kundinnen und Kunden mit den tats\u00e4chlichen M\u00f6glichkeiten im Land in Einklang zu bringen. Das k\u00f6nnen wir, weil wir seit 1994 ein eigenes B\u00fcro in Antananarivo haben. Das braucht oft lange Gespr\u00e4che \u2013 aber es lohnt sich: Die Zufriedenheit unserer G\u00e4ste ist sehr hoch. Ich rate durchaus von bestimmten Regionen oder Aktivit\u00e4ten ab, wenn es n\u00f6tig ist. Doch wir finden fast immer eine gute L\u00f6sung \u2013 und behalten dabei stets den Plan B im Hinterkopf.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Madagaskar_Lemuren-59e19cd0.jpg\"  width=\"730\" height=\"481\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>            Lemuren sind Madagaskars bekannteste Bewohner. Bild: Adobe Stock<\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte aber nicht bei allen Konkurrenten so sein \u2026<\/p>\n<p>(Schmunzelt) Nein, ganz bestimmt nicht. Ich staune manchmal, wie leichtfertig manche Anbieter Reisende nach Madagaskar schicken \u2013 oft in Zusammenarbeit mit einem lokalen \u00abReiseb\u00fcro\u00bb, das im Grunde nur aus einem Handy und einer Website besteht. <\/p>\n<p>Haben viele Reisende eine falsche Vorstellung von Madagaskar?<\/p>\n<p>Absolut. Viele glauben, man k\u00f6nne an jeder Ecke Lemuren beobachten \u2013 das ist nat\u00fcrlich ein sch\u00f6ner Gedanke, aber weit entfernt von der Realit\u00e4t. Auch die Dimensionen des Landes werden h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt: Madagaskar ist doppelt so gross wie Italien! Dazu kommen herausfordernde klimatische Bedingungen, auf die man vorbereitet sein sollte. Genau deshalb nehmen wir uns Zeit f\u00fcr ausf\u00fchrliche Gespr\u00e4che, um unsere G\u00e4ste realistisch vorzubereiten. Auf unseren Reisen geht es nicht nur ums Entdecken, sondern auch ums Begegnen: Reisende und Einheimische sollen in Austausch treten \u2013 in einer Weise, die f\u00fcr beide Seiten bereichernd ist.<\/p>\n<p>Sie haben schon mehrere Krisen in Madagaskar miterlebt. Wie lange wirken solche Unruhen erfahrungsgem\u00e4ss nach? Und wann rechnen Sie damit, dass sich der Tourismus wieder erholt?<\/p>\n<p>Nach dem Putsch von 2009 hat es mehr als ein Jahr gedauert, bis wir wieder die Besucherzahlen von zuvor erreicht hatten. Auch nach der Corona-Pandemie brauchte es sehr viel Zeit, bis der Tourismus wieder Fahrt aufnahm. Das Jahr 2025 verl\u00e4uft insgesamt erfreulich \u2013 auch wenn die Monate Oktober und November nat\u00fcrlich schw\u00e4cher sind. Dieses Jahr z\u00e4hlte Madagaskar durchschnittlich rund 30\u2019000 Einreisen pro Monat, darunter sowohl Touristinnen und Touristen als auch im Ausland lebende Madagassen, die ihre Familien besuchen. F\u00fcr das kommende Jahr rechne ich mit leicht r\u00fcckl\u00e4ufigen Zahlen, aber nicht mit einem Einbruch. Viel h\u00e4ngt davon ab, inwiefern sich die politische Lage stabilisiert.<\/p>\n<p>Was w\u00fcnschen Sie Madagaskar f\u00fcr die Zukunft?<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche dem Land, dass die grundlegenden Bereiche wie Bildung, Gesundheitsversorgung und Armutsbek\u00e4mpfung ein Mindestniveau erreichen und langfristig gehalten werden k\u00f6nnen. Das Traurige ist: In meinen Augen hatte Madagaskar noch nie eine wirklich gute Regierung \u2013 eine, die frei von Korruption, Vetternwirtschaft und Machtgier regiert. Das Land h\u00e4tte so viel Potenzial, wenn die Verantwortlichen es endlich im Sinne der Bev\u00f6lkerung nutzen w\u00fcrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Madagaskar, dem bei Touristinnen und Touristen beliebten Inselstaat vor der Ostk\u00fcste Afrikas, herrschte ab Ende September Ausnahmezustand.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11764,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[245],"tags":[380,379],"class_list":{"0":"post-11763","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-madagaskar","8":"tag-madagascar","9":"tag-madagaskar"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116485195147217675","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11763","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11763"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11763\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11764"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}