{"id":11865,"date":"2026-04-29T07:42:49","date_gmt":"2026-04-29T07:42:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11865\/"},"modified":"2026-04-29T07:42:49","modified_gmt":"2026-04-29T07:42:49","slug":"afrika-benin-wird-seinem-ruf-als-wiege-des-voodoo-gerecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11865\/","title":{"rendered":"Afrika: Benin wird seinem Ruf als Wiege des Voodoo gerecht"},"content":{"rendered":"<p>Mystische Zeremonien, schaurige M\u00e4rkte und animistische Kultpl\u00e4tze \u2013 wer sich f\u00fcr Voodoo interessiert, ist in Benin richtig. Angst m\u00fcssen Touristen keine haben, es handelt sich nicht um schwarze Magie. Das Land bietet Urlaubern aber weit mehr Sehenswertes.<\/p>\n<p>Das Land Benin<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Vor 140 Jahren nahmen die Geschicke Afrikas eine entscheidende Wendung: Auf der Berliner Kongo-Konferenz legten alle an der damaligen gewaltsamen Kolonisierung beteiligten M\u00e4chte Europas, das Osmanische Reich und die USA die \u201eSpielregeln\u201c f\u00fcr die Aufteilung der tropischen Regionen am Kongo und Niger fest und steckten ihre \u201eInteressengebiete\u201c ab.\u00a0<\/p>\n<p>Dabei sicherten sich die Franzosen gro\u00dfe Teile Westafrikas \u2013 schon 1890 entsandte Paris seine Truppen in die westliche K\u00fcstenregion und brachte bis 1894 das sich erbittert zur Wehr setzende K\u00f6nigreich Dahomey unter Kontrolle. Die im 17. Jahrhundert gegr\u00fcndete Monarchie geh\u00f6rte fortan zu Franz\u00f6sisch-Westafrika. Aus dieser gewaltigen Kolonie gingen dann zwischen 1958 und 1960 acht Staaten hervor, darunter auch Dahomey. Erst 1975, unter kommunistischer F\u00fchrung, benannte sich das an der Bucht von Benin liegende Land in Benin um.\u00a0<\/p>\n<p>2001 beschloss Paris die R\u00fcckf\u00fchrung afrikanischer Kunstwerke, auch Dahomeys geraubte Sch\u00e4tze r\u00fcckten ins \u00f6ffentliche Interesse. Seither taucht der alte Landesname h\u00e4ufiger auf; zumal es in dem nun demokratisch organisierten Benin eine R\u00fcckbesinnung auf Afrikas spirituelles, k\u00fcnstlerisches und historisches Erbe gibt. So werden die alten K\u00f6nigspal\u00e4ste von Abomey (Welterbe) renoviert, Voodoo-Feste veranstaltet \u2013 und der Kult um die Dahomey-Amazonen wiederbelebt.\u00a0<\/p>\n<p>Das wiederum st\u00e4rkt den Kulturtourismus; im vergangenen Jahr kamen 330.000 Besucher ins Land. Gemessen an der Zahl der Einwohner liegt Benin damit auf Platz vier der beliebtesten Reiseziele in Westafrika, gleich hinter dem ebenfalls Voodoo-gl\u00e4ubigen Nachbarn Togo. Beide L\u00e4nder, in denen Franz\u00f6sisch noch immer Amtssprache ist, werden oft im Paket f\u00fcr Rundreisen angeboten.\u00a0<\/p>\n<p>Nimmt sich Benin auf der afrikanischen Landkarte auch winzig aus, entspricht es mit seinen 112.000 Quadratkilometern immerhin einem Drittel der Gr\u00f6\u00dfe Deutschlands. Wie ein Korridor zieht sich das schmale Land von der K\u00fcste \u00fcber 650 Kilometer lang nach Norden, wo die Landschaft d\u00fcnner besiedelt, wald- und tierreicher ist. Dort liegt auch der Pendjari-Nationalpark, das gr\u00f6\u00dfte verbliebene Wildnisgebiet Westafrikas, das 1996 von der Unesco zum Biosph\u00e4renreservat geadelt wurde.<\/p>\n<p>Voodoo-Festival am Strand von Ouidah<\/p>\n<p>Der beste Monat f\u00fcr eine Benin-Reise ist der erste des Jahres \u2013 sofern man sich f\u00fcr afrikanische Kulte interessiert und beim nationalen Voodoo-Feiertag am 10. Januar dabei sein will. 1996 hat Benins Regierung den animistischen Glauben als gleichberechtigte Religion auf eine Stufe mit Christentum und Islam gestellt. Und so wird allj\u00e4hrlich am Strand von Ouidah mit beh\u00f6rdlichem Segen ekstatisch getrommelt, getanzt, gebetet.\u00a0<\/p>\n<p>Mystische Zeremonien (das Festival in Ouidah ist das gr\u00f6\u00dfte Afrikas), schaurige Voodoo-M\u00e4rkte (in Cotonou gibt es ein riesiges Angebot an toten Tieren f\u00fcr magische Rituale) und animistische Kultpl\u00e4tze (Dankoly gilt als Wallfahrtsort f\u00fcr Rachs\u00fcchtige) \u2013 Benin wird seinem Ruf als Wiege des Voodoo auf vielfache Weise gerecht.\u00a0<\/p>\n<p>Angst m\u00fcssen Touristen nicht haben; die im Land zelebrierten Riten sind keine schwarze Magie. Voodoo bedeutet in der Sprache der Fon \u2013 sie sind Benins gr\u00f6\u00dfte Ethnie \u2013 Sch\u00f6pfergott. Er soll 400 Kinder haben, und ein jedes will anders verehrt werden. Zust\u00e4ndig daf\u00fcr sind die Voodoo-Priester, die bei schnellen Rhythmen und hochprozentigen Getr\u00e4nken in Trance fallen. Denn nur dann klappt die Kontaktaufnahme mit den G\u00f6ttern.<\/p>\n<p>Ganvi\u00e9 \u2013 das Venedig von Afrika<\/p>\n<p>Es z\u00e4hlt zu den seltsamsten Orten Westafrikas: das Wasserdorf Ganvi\u00e9, das komplett auf h\u00f6lzernen Pf\u00e4hlen im Nokwe-See thront, samt Amtsgeb\u00e4uden, Schulen und Kirchen. Im Ort selbst gibt es nur Kan\u00e4le, keine Stra\u00dfen. Das hat ihn zu einer Touristenattraktion gemacht, allein 2023 kamen rund 25.000 Besucher, und so kann es schon mal eng werden, wenn M\u00e4nner ihre Fischernetze, Frauen Reusen, Kinder Angelruten ins Wasser werfen \u2013 und sich dann noch Touristenboote durch die Wasserwege schieben.\u00a0<\/p>\n<p>Als Ganvi\u00e9 1996 auf die Vorschlagliste als Weltkulturerbe kam, mauserte sich das Dorf rasch vom Geheimtipp zum touristischen Hotspot. Besucher lockt der Unesco-Bonus, der Ruf Ganvi\u00e9s als Venedig Afrikas \u2013 und die malerische Szenerie aus vielen bunten neben einigen vermoderten H\u00e4usern. Denn selbst Importh\u00f6lzer aus Nigeria halten im Brackwasser des k\u00fcstennahen Sees nur wenige Jahre und m\u00fcssen kontinuierlich ersetzt werden.\u00a0<\/p>\n<p>Lotto24Eurojackpot: Spielen Sie 1 Feld f\u00fcr 1 Euro<\/p>\n<p>Dieses Problem hatten die ersten Siedler der Tofinou-Ethnie nicht. Als sie im 18. Jahrhundert vor verfeindeten St\u00e4mmen auf den See flohen, fanden alle noch Platz auf einer See-Insel. Das Eiland ist heute ein Friedhof, w\u00e4hrend die Menschen nach und nach auf das Wasser auswichen. Dass sie dort blieben, liegt am Fischreichtum des Nokwe-Sees; er ern\u00e4hrt bis heute die gut 20.000 Bewohner von Ganvi\u00e9.<\/p>\n<p>Afrikanische Amazonen<\/p>\n<p>\u00dcber Cotonou, Benins Regierungssitz, wacht eine gewaltige Kriegerin. Die 30 Meter hohe Bronzeskulptur wurde 2022 enth\u00fcllt. Ob Zufall oder nicht \u2013 zeitgleich mit der Einweihung des Denkmals erschien in den Kinos weltweit der Hollywood-Blockbuster \u201eThe Woman King\u201c, der die Geschichte dieser afrikanischen Amazonen nacherz\u00e4hlt.\u00a0<\/p>\n<p>Die Agojie, wie sie sich selbst nannten, gingen aus der Leibgarde einer Dahomey-K\u00f6nigin Anfang des 17. Jahrhunderts hervor. Bis zum 19. Jahrhundert wuchs die Truppe aus unverheirateten, kinderlosen Frauen zu einer rein weiblichen Eliteeinheit aus 5000 K\u00e4mpferinnen heran. Wie die m\u00e4nnlichen Krieger, denen die Agojie gleichgestellt waren, \u00fcberfielen sie benachbarte St\u00e4mme, verschleppten und versklavten Menschen.\u00a0<\/p>\n<p>Das Ende der Amazonen-Armee l\u00e4uteten die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Franzosen um 1894 ein. Dahomeys Truppen waren der modernen Waffentechnik nicht gewachsen. Die meisten Agojie starben im Kampf. 2019 beschloss Benins Regierung den Bau des Denkmals, \u201eum ein starkes Identit\u00e4tssymbol zu schaffen, das heutigen und zuk\u00fcnftigen Generationen als Orientierungshilfe dienen soll\u201c.<\/p>\n<p>Safari-Touren und Jagd-Tourismus<\/p>\n<p>Drei Jagdgebiete f\u00fcr Gro\u00dfwild gibt es im Nationalpark Pendjari. Das 4844 Quadratkilometer gro\u00dfe Reservat liegt an Benins Nordostgrenze zu Burkina Faso und wird von African Parks geleitet. Diese von einem niederl\u00e4ndischen Philanthropen gegr\u00fcndete Organisation betreibt Naturschutz wie ein Business. <\/p>\n<p>So k\u00f6nnen Pendjari-Besucher nicht nur klassische Safari-Touren machen, sondern auch Abschusskonzessionen f\u00fcr bestimmte Tierarten wie Warzenschweine, B\u00fcffel und Antilopen erwerben. Die hohen Jagdgeb\u00fchren machen mehr als zwei Drittel der Parkeinnahmen aus, diese wiederum kommen dem Naturschutz vor Ort zugute.\u00a0<\/p>\n<p>African Parks hat sich 2017 in einem langfristigen Pachtvertrag mit der Regierung von Benin verpflichtet, das Land zu renaturieren, die Fauna wiederzubeleben und ans\u00e4ssige Dorfgemeinschaften zu unterst\u00fctzen. Pendjari geh\u00f6rt zu Westafrikas letzten R\u00fcckzugsgebieten f\u00fcr Elefanten und L\u00f6wen und ist auch angestammter Lebensraum f\u00fcr Geparden, Leoparden, Hy\u00e4nen, Paviane, Flusspferde und Antilopen. Allerdings hat das Ausw\u00e4rtige Amt vor kurzem eine <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/service\/laender\/benin-node\/beninsicherheit\/208984\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/service\/laender\/benin-node\/beninsicherheit\/208984&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Teilreisewarnung f\u00fcr Pendjari<\/a> erlassen.<\/p>\n<p>Das Zitat<\/p>\n<p>\u201eDahomey ist ein Film gegen Ged\u00e4chtnisverlust und Geschichtsvergessenheit\u201c<\/p>\n<p>Mit diesen Worten nahm im Februar 2024 die Berlinale-Siegerin Mati Diop den \u201eGoldenden B\u00e4ren\u201c entgegen. Die franz\u00f6sisch-senegalesische Filmemacherin hatte in ihrer Dokumentation \u201eDahomey\u201c die R\u00fcckf\u00fchrung von 26 in Kolonialzeiten geraubten Kunstwerken aus dem Pariser Mus\u00e9e du quai Branly nach Benin begleitet, dem fr\u00fcheren K\u00f6nigreich Dahomey.\u00a0<\/p>\n<p>Neben dem Lob f\u00fcr Diops Arbeit gab es allerdings auch Kritik. Denn im Film lie\u00df die Regisseurin ausgerechnet eine Skulptur, die Dahomeys K\u00f6nig Gezo verk\u00f6rpert, mit einer fiktionalen Stimme Afrikas Leid beklagen. Dabei war der Stammesk\u00f6nig selbst einer der brutalsten Sklavenh\u00e4ndler seiner Zeit. Zwischen 1818 und 1858 verkaufte Gezo Zehntausende Afrikaner verfeindeter St\u00e4mme nach Amerika.<\/p>\n<p>Skurriles, Rekordverd\u00e4chtiges, Typisches: Weitere Teile unserer <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/laenderkunde\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/laenderkunde\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">L\u00e4nderkunde-Serie finden Sie hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mystische Zeremonien, schaurige M\u00e4rkte und animistische Kultpl\u00e4tze \u2013 wer sich f\u00fcr Voodoo interessiert, ist in Benin richtig. 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