{"id":11984,"date":"2026-04-29T12:25:08","date_gmt":"2026-04-29T12:25:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11984\/"},"modified":"2026-04-29T12:25:08","modified_gmt":"2026-04-29T12:25:08","slug":"repression-im-mittelmeer-drei-deutsche-rettungsschiffe-im-april-in-italien-blockiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/11984\/","title":{"rendered":"Repression im Mittelmeer \u2013 Drei deutsche Rettungsschiffe im April in Italien blockiert"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img321161\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/321161.jpeg\" alt=\"Im September schossen libysche Milizen auf die \u00bbSea-Watch 5\u00ab, im April lag das Schiff blockiert in einem italienischen Hafen, weil die Crew nicht mit den T\u00e4tern von damals kooperieren wollte.\"\/><\/p>\n<p>Im September schossen libysche Milizen auf die \u00bbSea-Watch 5\u00ab, im April lag das Schiff blockiert in einem italienischen Hafen, weil die Crew nicht mit den T\u00e4tern von damals kooperieren wollte.<\/p>\n<p>Foto: Laszlo Randelzhofer\/ Sea-Watch<\/p>\n<p>Italienische Hafenbeh\u00f6rden haben vergangene Woche das Rettungsschiff \u00bbTrotamar III\u00ab auf Lampedusa festgesetzt. Damit waren im April drei deutsch beflaggte Schiffe der zivilen Rettungsflotte jeweils mehrere Wochen blockiert: Am 30. M\u00e4rz war die \u00bbSea-Watch 5\u00ab f\u00fcr 20 Tage festgesetzt worden, kurz darauf die \u00bbAurora\u00ab von Sea-Watch. Bereits im Februar traf die Strafe die \u00bbHumanity 1\u00ab, die f\u00fcr 60 Tage im Hafen blockiert war.<\/p>\n<p>Die \u00bbTrotamar III\u00ab wird vom Verein Compass Collective aus dem Wendland betrieben. Zwei Tage vor der Festsetzung hatte die Crew 18 Menschen aus einem seeunt\u00fcchtigen Schlauchboot zwischen Tunesien und Malta gerettet. \u00bbIch habe die Seenotrettungsleitstellen in Malta und Italien informiert, die einen sicheren Ort garantieren k\u00f6nnen, wie es das internationale Seerecht vorschreibt\u00ab, sagte Kapit\u00e4nin Ina Friebe <a href=\"https:\/\/thecivilfleet.wordpress.com\/2026\/04\/24\/italian-authorities-prevent-another-rescue-ship-from-saving-lives-as-17-people-drown-in-the-mediterranean\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dem Blog \u00bbCivil Fleet\u00ab<\/a>. Als Begr\u00fcndung f\u00fcr die Festsetzung nennen Italiens Hafenbeh\u00f6rden, dass die Crew nicht auch mit der tunesischen K\u00fcstenwache kommuniziert habe.<\/p>\n<p>Tunesien kein sicherer Hafen<\/p>\n<p>Kapit\u00e4n*innen sind nach internationalen Konventionen verpflichtet, bei einem Seenotfall die nahegelegenen Rettungsleitstellen zu informieren. \u00bbTunesien kann aus vielen Gr\u00fcnden nicht als sicher f\u00fcr Menschen auf der Flucht bezeichnet werden. Mit der tunesischen K\u00fcstenwache oder Marine zu kooperieren, w\u00fcrde bedeuten, einen Pullback zu organisieren und gegen das Non-Refoulement-Gebot zu versto\u00dfen\u00ab, erkl\u00e4rt dazu das Compass Collective.<\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung teilt auch Amnesty International: \u00bbDie tunesischen Beh\u00f6rden haben in den vergangenen drei Jahren den Schutz von Fl\u00fcchtlingen, Asylsuchenden und Migrant*innen zunehmend abgebaut, insbesondere f\u00fcr schwarze Menschen.\u00ab Rassistische Polizeiarbeit sei neben anderen Menschenrechtsverletzungen in Tunesien weit verbreitet.<\/p>\n<p>Fast alle zivilgesellschaftlichen Rettungsschiffe im Mittelmeer wollen deshalb m\u00f6glichst wenig mit tunesischen Beh\u00f6rden kooperieren. Hinsichtlich Libyen haben die beteiligten Organisationen, die sich als \u00bbJustice Fleet\u00ab bezeichnen, sogar einen entsprechenden Beschluss gefasst <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195237.pullbacks-nach-libyen-zivile-flotte-zieht-grenze.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">und \u00f6ffentlich kommuniziert<\/a>. Als Gr\u00fcnde nennt die \u00bbJustice Fleet\u00ab unter anderem wiederholte Vorf\u00e4lle, bei denen Milizen auf Rettungsschiffe sowie Boote mit Gefl\u00fcchteten <a href=\"https:\/\/justice-fleet.org\/en\/incidents\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">geschossen oder damit gedroht<\/a> h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Waffengewalt gegen Sea-Watch, \u00bbLouise Michel\u00ab, SOS Humanity<\/p>\n<p>Auch deutsch beflaggte Schiffe waren davon betroffen. So hat die libysche K\u00fcstenwache bei einer Rettung des Schiffes \u00bbHumanity 1\u00ab im Jahr 2024 <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/afrika\/sos-humanity-libyen-bedrohungsvorwurf-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sch\u00fcsse ins Wasser<\/a> abgegeben. Im vergangenen Dezember wurde auch <a href=\"https:\/\/bsky.app\/profile\/louisemichelcrew.bsky.social\/post\/3m6yrsitoa225\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">auf die \u00bbLouise Michel\u00ab geschossen<\/a>. Zuletzt hat Sea-Watch vorletzte Woche wegen eines <a href=\"https:\/\/sea-watch.org\/libysche-miliz-beschiesst-rettungsschiff-sea-watch-5\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vorfalls vom September 2025<\/a> Anzeige in Rom und Hamburg erstattet.<\/p>\n<p>F\u00fcr Ermittlungen gegen die libyschen Stellen ist in Deutschland die Bundespolizei See mit Sitz im holsteinischen Neustadt zust\u00e4ndig. In den vergangenen f\u00fcnf Jahren will die Beh\u00f6rde drei Ermittlungen wegen Sch\u00fcssen auf in Deutschland registrierte Rettungsschiffe eingeleitet haben \u2013 das best\u00e4tigte sie auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsabgeordneten Clara B\u00fcnger. Weitere Ausk\u00fcnfte zu den betroffenen Schiffen will das Bundesinnenministerium nicht geben.<\/p>\n<p>\u00bbOffenbar betreibt die Bundespolizei diese Ermittlungen nicht gerade mit Nachdruck\u00ab, erkl\u00e4rt B\u00fcnger zu der schmallippigen Antwort des Ministeriums und zeigt sich davon nicht \u00fcberrascht: \u00bbDie EU-Staaten haben ein starkes Interesse daran, die Milizen der \u203alibyschen K\u00fcstenwache\u2039 weiterhin als T\u00fcrsteher Europas zu nutzen.\u00ab Deutschland und die EU seien dazu bereit, \u00bb\u00fcber Leichen zu gehen\u00ab.<\/p>\n<p>Auch Sea-Watch kritisiert das Schweigen der Bundesregierung zu allen F\u00e4llen, bei denen deutsch beflaggte Seenotrettungsschiffe angegriffen wurden \u2013 w\u00e4hrend sie zugleich f\u00fcr das milit\u00e4rische Training der libyschen K\u00fcstenwache im Rahmen einer EU-Mission gestimmt hat. \u00bbSie macht sich mitverantwortlich f\u00fcr die Gewalt\u00ab, folgert Sea-Watch.<\/p>\n<p>1115 Menschen dieses Jahr ertrunken oder vermisst<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen werden die von Italien blockierten Schiffe auf See dringend gebraucht. Vergangenen Donnerstag starben zw\u00f6lf M\u00e4nner und f\u00fcnf Frauen aus Somalia, als ihr Boot beim Versuch kenterte, von Algerien aus Spanien zu erreichen. In der Nacht zuvor hatte die Crew des deutschen Rettungsschiffs \u00bbNadir\u00ab in drei getrennten Eins\u00e4tzen 90 Menschen gerettet \u2013 darunter 47 Personen von einer verlassenen \u00d6lplattform.<\/p>\n<p>Nach dem derzeitigen Stand der Internationalen Organisation f\u00fcr Migration sind in diesem Jahr bereits mindestens 1115 Menschen bei dem Versuch gestorben oder spurlos verschwunden, das Mittelmeer zu \u00fcberqueren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im September schossen libysche Milizen auf die \u00bbSea-Watch 5\u00ab, im April lag das Schiff blockiert in einem italienischen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11985,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[2093,286,285,764,211],"class_list":{"0":"post-11984","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-libyen","8":"tag-italien","9":"tag-libya","10":"tag-libyen","11":"tag-mittelmeer","12":"tag-tunesien"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116487987024695687","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11984"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11984\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11985"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}