{"id":12202,"date":"2026-04-29T22:22:48","date_gmt":"2026-04-29T22:22:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12202\/"},"modified":"2026-04-29T22:22:48","modified_gmt":"2026-04-29T22:22:48","slug":"ruanda-und-die-dr-kongo-verfeindete-nachbarn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12202\/","title":{"rendered":"Ruanda und die DR Kongo: Verfeindete Nachbarn"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">   Von den H\u00fcgeln der idyllischen ruandischen Kleinstadt Gisenyi am Kivu-See aus gesehen, liegt Kongos Kriegsgebiet zu F\u00fc\u00dfen. Die wuselige Millionenstadt <a href=\"https:\/\/taz.de\/Tretroller-im-Kongo\/!5214867\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Goma<\/a> tief unten ist zum Greifen nahe, daneben steigt Tag und Nacht Rauch aus dem spektakul\u00e4ren <a href=\"https:\/\/taz.de\/Drohender-Ausbruch-des-Nyiragongo\/!5117434\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nyiragongo-Vulkan<\/a> aus. Im Hintergrund erheben sich majest\u00e4tisch die kongolesischen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Die-letzte-weisse-Farmerin-im-Kongo\/!5149519\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Masisi-Berge<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Dass das kleine Ruanda ein unmittelbares Interesse daran hat, was jenseits der Grenze passiert, liegt vor Ort auf der Hand. Die Regierungen in Kigali und Kinshasa m\u00f6gen sich offiziell spinnefeind sein, aber am Brennpunkt ihres Konfliktes sind sie quasi vereint. Der Feldweg hinter dem Friedhof Gisenyi liegt schon auf kongolesischem Gebiet, die UN-Wachposten hinter dem Flughafen von Goma k\u00f6nnen ruandischen Beerdigungen zugucken. Einst bauten Kongolesen in Goma H\u00e4user, aus deren Hintert\u00fcr man Ruanda betrat. Auf beiden Seiten der Grenze wird ruandisch gesprochen, es gibt regen Waren- und Personenverkehr.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Es war die koloniale Grenzziehung von Belgien und Deutschland, die die von ethnischen Ruandern bewohnten Gebiete n\u00f6rdlich des Kivu-Sees zwischen Kongo und Ruanda teilte. Sp\u00e4ter, als das vom Adelsstand der Tutsi gef\u00fchrte K\u00f6nigreich Ruanda von Hutu-Revolution\u00e4ren gest\u00fcrzt wurde, flohen viele Tutsi aus der neuen Republik Ruanda nach Kongo. In Munigi am Nord\u00adrand von Goma residierte ein Tutsi-K\u00f6nig, weiter n\u00f6rdlich in Rutshuru ein Hutu-K\u00f6nig.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Der <a href=\"https:\/\/taz.de\/Schwerpunkt-Voelkermord-in-Ruanda\/!t5013600\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">V\u00f6lkermord an Ruandas Tutsi 1994<\/a> ver\u00e4nderte alles und wirkt bis heute nach. Damals schritt das Hutu-Regime in Ruanda zur organisierten Ausl\u00f6schung der Tutsi, damit die Tutsi-Rebellenarmee RPF (Ruandische Patriotische Front) nicht die Macht ergreife. Eine Million Menschen starben, bis die RPF Ruanda eroberte und die Hutu-T\u00e4ter sich nach Kongo retteten. Rund um Goma und Bukavu errichteten sie gigantische Fl\u00fcchtlingslager und reorganisierten sich, um Ruanda mit der Waffe zur\u00fcckzuerobern. Die meisten kongolesischen Tutsi wurden verjagt.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7494140\/1200\/grafik-ONLINE-taz-250128-Ostkongo-04-2.webp\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"1200\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grafik-ONLINE-taz-250128-Ostkongo-04-2.webp\" height=\"665\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"5\">Ruanda, nunmehr vom Tutsi-Rebellenf\u00fchrer Paul Kagame regiert, kam dem zuvor. Ruandas Armee, gest\u00e4rkt durch kongolesische Tutsi, marschierte 1996 in Kongo ein und zerschlug die Hutu-Fl\u00fcchtlingslager um Goma. Der harte milit\u00e4rische Kern mitsamt allen leitenden T\u00e4tern des V\u00f6lkermordes floh quer durch Kongos riesige Regenw\u00e4lder. Ruanda marschierte hinterher und installierte 1997 Rebellenf\u00fchrer Laurent-D\u00e9sir\u00e9 Kabila als Kongos Pr\u00e4sident in der Hauptstadt Kinshasa.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Kabila warf seinerseits Ruanda 1998 aus dem Land, woraufhin Ruanda den Osten Kongos besetzt hielt. Kabila suchte Hilfe bei der versprengten ruandischen Hutu-V\u00f6lkermordarmee aus Ruanda, die sich als <a href=\"https:\/\/taz.de\/Hutu-Miliz-FDLR\/!t5021821\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">FDLR (Demokratische Kr\u00e4fte zur Befreiung Ruandas)<\/a> neu gr\u00fcndete. Als 2003 der Kongokrieg nach f\u00fcnf Jahren endete und Ruanda sich zur\u00fcckzog, lie\u00df sich die FDLR im Ostkongo nieder. Zeitweise kontrollierte sie 60 Prozent der Kivu-Provinzen, in unmittelbarer N\u00e4he Ruandas.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Kabila hatte zuvor den Hutu-Gener\u00e4len zugesagt, ihnen im Gegenzug f\u00fcr seine Hilfe seinerseits bei der R\u00fcckeroberung Ruandas zu helfen. Auf diesen \u201eBlutsbund\u201c berufen sich die Beteiligten bis heute. In Kongos Armee ist immer wieder zu h\u00f6ren, man m\u00fcsse den Krieg nach Kigali tragen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">Daraus zieht Ruanda die \u00dcberzeugung, dass nach wie vor eine <a href=\"https:\/\/taz.de\/Ruandische-Hutu-Miliz-in-der-DR-Kongo\/!5999184\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Entschlossenheit auf kongolesischer Seite<\/a> besteht, den V\u00f6lkermord an Ruandas Tutsi zu vollenden. Und, dass Ruanda deswegen ein Recht hat, selbst f\u00fcr Sicherheit in Ostkongo zu sorgen, auch mit dem eigenen Milit\u00e4r.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Zumal die einst vertriebenen kongolesischen Tutsi bis heute nicht friedlich heimkehren konnten. Sie ziehen stattdessen immer wieder in neuen Rebellenarmeen in den Krieg gegen Kongos Armee, zuletzt unter der Bezeichnung <a href=\"https:\/\/taz.de\/M23-Rebellen\/!t5026412\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M23 (Bewegung des 23. M\u00e4rz)<\/a>, die jetzt mit tatkr\u00e4ftiger Hilfe aus Ruanda spektakul\u00e4re Erfolge feiert.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Es ist ein Teufelskreis. Alle sind \u00fcberzeugt, dass sie selbst vernichtet werden, wenn sie nicht selbst siegen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"10\">Die Tutsi-Rebellen sagen, sie kehren mit der Waffe in der Hand in ihre Heimat zur\u00fcck und setzen dem Chaos ein Ende, wenn man sie l\u00e4sst. Sie wollen die Sicherheitskontrolle \u00fcber Ostkongo, von \u201eF\u00f6deralismus\u201c ist die Rede. Die nichtruandischen Volksgruppen sehen in ihnen hingegen Besatzer, die den bev\u00f6lkerungsreichen, fruchtbaren und mineralienreichen Ostkongo Ruanda \u00fcbergeben wollen. Ein <a href=\"https:\/\/taz.de\/Milizen-in-der-DR-Kongo\/!5977887\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hassdiskurs gegen Tutsi und Ruander allgemein<\/a>, aus Ruandas einstiger V\u00f6lkermordideologie weiterentwickelt, geh\u00f6rt heute zum kongolesischen Mainstream.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"11\">Aus Sicht Kinshasas sind die Rebellen von Kigali gesteuert. Kongos Regierung erkennt als Gespr\u00e4chspartner nur die Regierung Ruandas an \u2013 wenn \u00fcberhaupt. Die M23 f\u00fchlt sich aber nicht an Vereinbarungen zwischen den Regierungen Kongos und Ruandas gebunden. Ruanda sagt, Kongo m\u00fcsse direkt mit der M23 sprechen. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Voelkermord-Ruanda\/!5997547\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Es ist ein Teufelskreis<\/a>, und alle beteuern, es gehe um Leben und Tod. Alle sind davon \u00fcberzeugt, dass sie selbst vernichtet werden, wenn sie nicht selbst siegen. Alle haben noch Rechnungen aus d\u00fcsteren Zeiten offen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"12\">Dieses Misstrauen l\u00e4sst sich nicht auf Regierungsebene l\u00f6sen. Zur kongolesischen Realit\u00e4t geh\u00f6rt, dass im Ostkongo l\u00e4ngst jede Volksgruppe ihre eigene Miliz zum Selbstschutz unterh\u00e4lt. Zwischen Kongos Hauptstadt Kinshasa und Goma liegen nicht nur 1.600 Kilometer, sondern auch der undurchdringliche Kongo-Regenwald, es gibt keine Stra\u00dfen quer durch das Land, es herrschen unterschiedliche Zeitzonen, es werden unterschiedliche Sprachen gesprochen. Ruandas Hauptstadt Kigali kann man hingegen aus Ostkongo in wenigen Stunden mit dem Auto erreichen \u2013 und umgekehrt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"13\">Am Wochenende entspannten sich Urlauber am Badestrand von Gisenyi, w\u00e4hrend im Hintergrund der Artilleriedonner von Goma zu h\u00f6ren war. In Goma gibt es keinen \u00f6ffentlichen Badestrand \u2013 die idyllische Seenk\u00fcste ist fast vollst\u00e4ndig in privater Hand, mit Villen zugebaut, die Pfr\u00fcnden kongolesischer Gener\u00e4le und Gesch\u00e4ftemacher. Goma ist im Krieg gro\u00df und reich geworden. Auch das geh\u00f6rt zu den Widerspr\u00fcchen dieser Region.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von den H\u00fcgeln der idyllischen ruandischen Kleinstadt Gisenyi am Kivu-See aus gesehen, liegt Kongos Kriegsgebiet zu F\u00fc\u00dfen. 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