{"id":12216,"date":"2026-04-29T23:57:06","date_gmt":"2026-04-29T23:57:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12216\/"},"modified":"2026-04-29T23:57:06","modified_gmt":"2026-04-29T23:57:06","slug":"ruanda-gedenkt-der-toten-des-voelkermords-vor-30-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12216\/","title":{"rendered":"Ruanda gedenkt der Toten des V\u00f6lkermords vor 30 Jahren"},"content":{"rendered":"<p>Wenn am 7. April in Ruanda mit Veranstaltungen an die Toten des V\u00f6lkermords an den Tutsi erinnert wird, will auch Arene ein Gebet halten. &#8222;Es ist wichtig, unserer get\u00f6teten Br\u00fcder und Schwestern zu gedenken&#8220;, sagt sie.<\/p>\n<p>Als am 6. April 1994 ein Flugzeug mit Ruandas Pr\u00e4sident Juv\u00e9nal Habyarimana, der zur Hutu-Volksgruppe geh\u00f6rte, und seinem burundischen Amtskollegen Cyprien Ntaryamira abgeschossen wird, beginnt nur kurze Zeit sp\u00e4ter ein furchtbares Morden. Radikalisierte Hutu gehen gegen Tutsi und jene Hutu vor, die die T\u00f6tungen nicht unterst\u00fctzen. Innerhalb von nur drei Monaten werden bis zu einer Million Menschen umgebracht.<\/p>\n<p>Ein Gewaltexzess, der bis heute die ruandische Gesellschaft tief pr\u00e4gt. Keine Familie blieb von dem V\u00f6lkermord verschont. Auch die von Arene nicht. Bis heute sei ein Resultat davon unter anderem, dass ihre Familie \u00fcber die ganze Welt verstreut sei, sagt die 29-j\u00e4hrige Buchhalterin, die nur mit Vornamen genannt werden will. Teile lebten in anderen afrikanischen L\u00e4ndern oder in Europa. Sie h\u00e4tten sich nach ihrer Flucht in den jeweiligen L\u00e4ndern niedergelassen und seien geblieben.<\/p>\n<p>Arene aber lebt in Ruandas Hauptstadt Kigali, denn das Land von heute hat nur noch wenig mit dem Ruanda von 1994 zu tun. Glatt geteerte Stra\u00dfen mit ordentlich angelegten Verkehrsinseln ziehen sich durch die Innenstadt von Kigali. E-Motorr\u00e4der, die auf dem R\u00fccksitz Passagiere durch die Stadt bef\u00f6rdern, sind keine Seltenheit. Es herrscht Helmpflicht, die konsequent durchgesetzt wird. Die Staatspolitik ist auf Wirtschaftswachstum ausgelegt. Die nationale Statistikbeh\u00f6rde beziffert das durchschnittliche Wirtschaftswachstum seit 1994 auf sieben Prozent.<\/p>\n<p>Ruanda sieht sich heute als Land der Einheit<\/p>\n<p>Eine weitere S\u00e4ule ist eine Politik der nationalen Vers\u00f6hnung und Einheit. Seit 30 Jahren werden Vers\u00f6hnungsinitiativen in gro\u00dfem Stil gef\u00f6rdert. Ruanda sieht sich als Land der Einheit. Ethnische Zugeh\u00f6rigkeiten wie Hutu und Tutsi sind im \u00f6ffentlichen Diskurs nicht mehr zu finden, stattdessen ist von &#8222;Br\u00fcdern und Schwestern&#8220; die Rede. Zusammenhalt ist das neue Mantra, allerdings unter straffer F\u00fchrung. Denn was die Menschenrechtsbilanz angeht, ist das autokratisch gef\u00fchrte Land nicht daf\u00fcr bekannt, zimperlich mit Regimekritikern umzugehen.<\/p>\n<p>Dennoch hat es Ruanda geschafft, seine B\u00fcrgerkriegsvergangenheit zumindest ein St\u00fcck weit hinter sich zu lassen. Die Feierlichkeiten rund um den 7. April seien auch eine Erinnerung daran, wie weit Ruanda gekommen sei, findet Arene. Unz\u00e4hlige Male hat sie bereits die &#8222;Wall of Names&#8220; am Kigali Genocide Memorial besucht. Eine Wand, in der in kleiner Schrift die Namen der get\u00f6teten Menschen eingraviert sind, die 1994 in den Stra\u00dfen von Kigali gefunden wurden.<\/p>\n<p>In Gedenkst\u00e4tten dieser Art wird im gesamten Land die Erinnerung an die Geschehnisse von damals wachgehalten &#8211; oft mit drastischen Zeugnissen der Gewalt. So geh\u00f6rt auch im Kigali Genocide Memorial ein Raum mit ausgestellten Totenk\u00f6pfen dazu. Gut sichtbar, mit klaffenden L\u00f6chern in den Sch\u00e4deldecken. Nur ein kleiner Ausschnitt, der Aufschluss gibt \u00fcber die stumpfe Gewalt, unter der so viele Menschen starben. Besuche in solchen Gedenkst\u00e4tten seien jedes Mal auch schmerzhaft, sagt Arene.<\/p>\n<p>100 Tage dauert die Staatstrauer in Ruanda<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die j\u00e4hrlichen Feierlichkeiten zum Gedenken an den Genozid nicht unumstritten. <a href=\"https:\/\/bmcpsychology.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s40359-023-01129-y\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Psychologische Studien <\/a>betonen zwar, wie heilsam das Erinnern grunds\u00e4tzlich sein kann. Sie deuten aber zugleich darauf hin, dass das Trauma der \u00dcberlebenden unter anderem durch die j\u00e4hrlichen Gedenkakte wachgehalten und auf die nachkommende Generation \u00fcbertragen werden k\u00f6nne. Arene h\u00e4lt das Erinnern trotz allem f\u00fcr notwendig, &#8222;um nicht zu vergessen, was geschah&#8220;.<\/p>\n<p>Valens Niragire befasst sich bereits seit L\u00e4ngerem mit den Vorbereitungen zum Gedenktag am 7. April. Er ist katholischer Priester und Leiter der &#8222;Commission Episcopale Justice et Paix&#8220; (CEJP), eine Organisation der katholischen Kirche, die sich der Vers\u00f6hnungsarbeit widmet. Vorgesehen ist unter anderem die Ausbildung von 120 Priestern, Ordensleuten und Nonnen im aktiven Zuh\u00f6ren und Weiterbildungen im Bereich Traumatherapie.<\/p>\n<p>100 Tage dauert die Staatstrauer in Ruanda &#8211; etwa so lange, wie die Massaker andauerten. &#8222;In der Zeit des Gedenkens&#8220;, wie Niragire diese Zeit bezeichnet, sei es wichtig, die Mitarbeiter zu st\u00e4rken, sodass den Menschen, die Trost und Halt suchten, dieser auch wirklich gespendet werden k\u00f6nne. &#8222;Es ist immer auch eine Zeit gro\u00dfer menschlicher Solidarit\u00e4t&#8220;, sagt er. &#8222;F\u00fcr mich sind die Gedenktage jedes Jahr eine Erinnerung daran, dass Br\u00fcderlichkeit und Vers\u00f6hnung m\u00f6glich sind.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn am 7. April in Ruanda mit Veranstaltungen an die Toten des V\u00f6lkermords an den Tutsi erinnert wird,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12217,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[29,5836,403,404,677],"class_list":{"0":"post-12216","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ruanda","8":"tag-afrika","9":"tag-jahrestag","10":"tag-ruanda","11":"tag-rwanda","12":"tag-voelkermord"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116490708019926679","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12216","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12216"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12216\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12217"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12216"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12216"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}