{"id":12231,"date":"2026-04-30T01:30:32","date_gmt":"2026-04-30T01:30:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12231\/"},"modified":"2026-04-30T01:30:32","modified_gmt":"2026-04-30T01:30:32","slug":"voelkermord-in-ruanda-vergangenheit-die-nicht-vergeht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12231\/","title":{"rendered":"V\u00f6lkermord in Ruanda: Vergangenheit, die nicht vergeht"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">D er s\u00fc\u00dfliche Geruch von Verwesung liegt in der Luft, als Theodat Siboyintore die Gemeindehalle von Ngoma aufschlie\u00dft. Das einst\u00f6ckige Backsteingeb\u00e4ude liegt oben auf einem H\u00fcgel in der Provinz Huye, im S\u00fcdwesten Ruandas. Sonst werden in dem schummrigen Raum Versammlungen abgehalten. Jetzt dient er der Aufbewahrung von frisch ausgegrabenen Gebeinen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Am Boden liegen auf Planen Abertausende Knochen, s\u00e4uberlich aneinandergereiht: Sch\u00e4del, Rippen, Kiefer und Z\u00e4hne. Auf W\u00e4scheleinen quer durch den Raum h\u00e4ngen erdverschmierte T-Shirts, Hosen, Kleider. Auf der Trib\u00fcne, wo sonst der Gemeinderat sitzt, liegen halb verrotte Schuhe, Armreife, Taschen. Dazwischen ein Puppenkopf und ein Pferdekuscheltier. Viele Sch\u00e4del, auch die der Kinder, weisen Verletzungen auf: von Spitzhacken, mit denen die Opfer erschlagen wurden \u2013 ein grausamer Anblick.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\"><a href=\"https:\/\/taz.de\/Voelkermord-Ruanda\/!5997547\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">30 Jahre ist der V\u00f6lkermord<\/a> an der Tutsi-Minderheit in Ruanda 1994 her. Doch noch immer werden in dem kleinen h\u00fcgeligen Land im Herzen Afrikas Massengr\u00e4ber entdeckt. Damit erh\u00f6ht sich die Zahl der Opfer stetig. Sch\u00e4tzungsweise \u00fcber eine Million Menschen wurden in nur hundert Tagen zwischen Anfang April und Ende Juli 1994 abgeschlachtet und in Massengr\u00e4bern verscharrt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Eines dieser Gr\u00e4ber wird derzeit in Ngoma ausgehoben, ein Vorort der Stadt Huye in der gleichnamigen Provinz, die zu Zeiten des V\u00f6lkermords noch Butare hie\u00df. Die Gemeinde erstreckt sich entlang einer geteerten \u00dcberlandstra\u00dfe auf einem H\u00fcgelkamm. Rechts und links der Stra\u00dfe reihen sich L\u00e4den, Werkst\u00e4tten, Apotheken und ein Gesundheitszentrum. Dahinter klammern sich Backsteinh\u00e4user an den Hang. Rundherum erstrecken sich Maisfelder und Bananenplantagen. Die meisten Leute hier sind Bauern und leben von dem, was auf ihren \u00c4ckern w\u00e4chst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/!p5062\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/tzrecherchefond-GrafikLupe-beta3-1.webp\" loading=\"lazy\" height=\"121\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Recherchefonds Ausland e.V.<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph\">Dieser Artikel wurde m\u00f6glich durch die finanzielle Unterst\u00fctzung des Recherchefonds Ausland e. V. Sie k\u00f6nnen den Recherchefonds durch eine Spende oder Mitgliedschaft f\u00f6rdern.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last\">\n<p>                <a href=\"https:\/\/taz.de\/!p5062\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">\u27a1 Erfahren Sie hier mehr dazu<\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"5\">Theodat Siboyintore, ein gro\u00dfer kr\u00e4ftiger Mann, ist der lokale Vertreter der <a href=\"https:\/\/www.ibuka.rw\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Organisation Ibuka<\/a>, ein Selbsthilfeverband f\u00fcr \u00dcberlebende des V\u00f6lkermordes. Als 14-J\u00e4hriger verlor er im April 1994 seine Eltern an einer der Stra\u00dfensperren, die \u00fcberall in dieser Gegend errichtet wurden. Er selbst konnte fliehen, versteckte sich damals in Maisfeldern. Bis heute wei\u00df er nicht genau, wo seine Eltern verscharrt wurden. \u00dcber 1994 zu sprechen, f\u00e4llt ihm deshalb schwer. Bei jedem Massengrab, das ausgehoben wird, hofft und f\u00fcrchtet er zugleich, \u00dcberreste seiner Verwandten zu finden.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/6916295\/1200\/34968210-3-4-5-6.webp\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"1200\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/34968210-3-4-5-6.webp\" alt=\"Ein Mann im karierten Hemd h\u00e4lt ein Mobiltelefon in der Hand\" title=\"Ein Mann im karierten Hemd h\u00e4lt ein Mobiltelefon in der Hand\" height=\"665\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Theodat Siboyintore, Vertreter des \u00dcberlebendenverbandes IBUKA im Bezirk Huye<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nRachid Bugirimfura<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"6\">\u201eNgoma-Rugero-Stra\u00dfe Nr. 95\u201c prangt auf einem Schild an der Hauswand. Das alte, unverputzte Haus steht absch\u00fcssig am Hang unterhalb der Gemeindehalle. Eine runzlige, d\u00fcrre Frau \u00f6ffnet das Hoftor einen Spaltbreit. Sobald sie die Journalisten sieht, schlie\u00dft sie es wieder. Von au\u00dfen h\u00f6rt man, wie sie hastig das Vorh\u00e4ngeschloss verriegelt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"7\">\u201eDiese Leute\u201c, sch\u00fcttelt Siboyintore den Kopf: \u201eSie haben viel zu verbergen\u201c, sagt er fassungslos und blickt auf die aufgew\u00fchlte Erde zu seinen F\u00fc\u00dfen. Dutzende junge M\u00e4nner graben rund um das Haus mit Spaten metertiefe L\u00f6cher. Schwei\u00df tropft ihnen von der Stirn. \u201eHier ist wieder etwas\u201c, ruft einer und hebt einen Klumpen in die H\u00f6he, der wie eine Porzellankugel aussieht, an der schwarze Erde klebt. Ein weiterer Mann, gro\u00df und hager, kommt mit einem Plastiksack an, in welchen er den Klumpen packt. Vorsichtig legt er diesen dann etwas abseits auf eine ausgebreitete Plane unter einem Zeltdach. Mit einem Pinsel entfernt er vorsichtig die Erde: Es ist ein kleiner Sch\u00e4del \u2013 von einem Kind.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"8\">\u00dcber eintausend Leichen, so die vorl\u00e4ufige Sch\u00e4tzung, wurden in den vergangenen Monaten rund um das alte Haus mit der Nummer 95 geborgen. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn gefunden werden meist nur Splitter \u2013 es ist schier unm\u00f6glich, sie zusammenzupuzzeln. Daneben kommen aber auch Macheten, Messer und Spitzhacken zum Vorschein: die Tatwaffen. Seit \u00fcber sechs Monaten buddeln die M\u00e4nner hier in der prallen Sonne. Mittlerweile wurde eine Fl\u00e4che von der Gr\u00f6\u00dfe eines halben Fu\u00dfballfeldes umgegraben. T\u00e4glich werden Gebeine geborgen. Der Hauseigent\u00fcmer, Jean Baptiste Hishamunda, mittlerweile 86 Jahre alt, sa\u00df nach 1994 lange Zeit im Gef\u00e4ngnis. Er hatte damals als Anf\u00fchrer der <a href=\"https:\/\/webarchive.archive.unhcr.org\/20230521112421\/https:\/\/www.refworld.org\/docid\/3decf4b24.html\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Hutu-Miliz Interahamwe<\/a> am Ortseingang \u2013 direkt vor seinem Haus \u2013 eine Stra\u00dfenblockade errichtet, um die Tutsi an der Flucht zu hindern.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"9\">Als im April 1994 nach dem Flugzeugabsturz des Hutu-Pr\u00e4sidenten Juv\u00e9nal Habyarimana landesweit das Massenschlachten begann, suchten Abertausende Tutsi aus den umliegenden Gemeinden in der Provinzhauptstadt Butare Schutz. An der Stra\u00dfensperre in Ngoma wurden sie von den Soldaten und Milizion\u00e4ren gestoppt und offenbar abgeschlachtet, ihre Leichen im Bananenhain neben Hishamundas Haus verscharrt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"10\">Der 86-j\u00e4hrige V\u00f6lkerm\u00f6rder war im vergangenen Jahr frei gekommen, aufgrund seines Alters und gesundheitlicher Probleme. Wieder in Ngoma zur\u00fcck, vererbte er einen Teil seines Grundst\u00fccks an seine Tochter und deren Ehemann. Sie begannen dort, wo einst der Bananenhain war, ein Haus zu bauen. \u201eAls sie die Erde aushoben, fanden sie Leichen\u201c, berichtet Siboyintore. \u201eSie haben das Loch rasch wieder zugesch\u00fcttet und an einer anderen Stelle gegraben\u201c, erz\u00e4hlt er und muss schlucken. \u201e\u00dcberall, wo sie gruben, fanden sie Knochen, die sie schnell wieder verscharrten\u201c, so Siboyintore. \u201eIrgendwann wurden die Nachbarn aufmerksam und riefen die Polizei.\u201c Der alte Vater, die Tochter und deren Mann wurden fest genommen \u2013 wegen Verschleierung von Informationen \u00fcber den V\u00f6lkermord, so der Straftatbestand.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"11\">Siboyintore zeigt auf vier H\u00e4user, die unterhalb der Grabungsstelle stehen. Diese wurden erst nach 1994 errichtet. Die Beh\u00f6rden beantragen gerade einen Gerichtsbeschluss, diese abrei\u00dfen zu lassen, so der Ibuka-Vertreter: \u201eWir vermuten, dass darunter weitere Leichen liegen.\u201c Dass viele der hastig zugesch\u00fctteten Massengr\u00e4ber sp\u00e4ter gefunden wurden, verdanken die \u00dcberlebenden meist den Gest\u00e4ndnissen der T\u00e4ter. In den sogenannten Gacaca-Laiengerichten \u2013 wo traditionell die Dorfgemeinschaften zusammen kamen, um Streitigkeiten zu diskutieren \u2013 wurden vom Jahr 2002 an die grausamen Verbrechen verhandelt, denn die Justiz war zusammengebrochen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"12\">Die landesweit 12.000 Dorfgerichte bew\u00e4ltigten die umfangreichste juristische Aufarbeitung, die die Welt je gesehen hat. Sie verhandelten in knapp zehn Jahren fast zwei Millionen F\u00e4lle und verurteilten \u00fcber eine Million T\u00e4ter. Diese mussten vor der versammelten Gemeinde ihre Taten gestehen, die Massengr\u00e4ber zeigen und die Angeh\u00f6rigen ihrer Opfer um Vergebung bitten. Nur so erhielten sie Strafnachlass, um Sozialarbeit zu leisten, anstatt in einem der \u00fcberf\u00fcllten Gef\u00e4ngnisse schmachten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"13\">\u201eBis heute gibt es jedoch Leute wie Hishamunda, die schweigen\u201c, sagt Siboyintore. In den Aussagen vor dem Haftrichter im Februar hatte die Familie erkl\u00e4rt, die Leichen in ihrem Garten seien aus der Zeit der gro\u00dfen D\u00fcrre in den 1940er Jahren, als ein Drittel der Bev\u00f6lkerung an Hunger verstarb. Dies best\u00e4tigen die Staatsanw\u00e4lte der V\u00f6lkermord-Sucheinheit gegen\u00fcber der taz. \u201eSie leugnen ihre Taten bis heute\u201c, so Siboyintore.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"14\">Manche T\u00e4ter sind auch 30 Jahre sp\u00e4ter noch auf der Flucht. Sie sind im Juli 1994, als die Tutsi-Guerilla unter dem heutigen Pr\u00e4sidenten Paul Kagame das Land nach jahrelangem B\u00fcrgerkrieg letztlich einnahm, in die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Gewalt-gegen-Tutsi-in-Kongo\/!5923405\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">benachbarte Demokratische Republik Kongo<\/a> gefl\u00fcchtet. In den Fl\u00fcchtlingslagern und dichten W\u00e4ldern des Kongos gr\u00fcndeten sie sp\u00e4ter die Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kr\u00e4fte zur Befreiung Ruandas) mit dem erkl\u00e4rten Ziel, Ruanda zur\u00fcckzuerobern und die Tutsi ein f\u00fcr alle Mal auszul\u00f6schen.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/6916295\/1200\/34968204-2-3.webp\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"800\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/34968204-2-3.webp\" alt=\"Bekleidung h\u00e4ngt auf Leinen, auf der Erde liegen Schuhe\" title=\"Bekleidung h\u00e4ngt auf Leinen, auf der Erde liegen Schuhe\" height=\"443\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Ausgegrabene, erdverschmierte T-Shirts, Hosen und Kleider erinnern an die Opfer des Genozids<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nRachid Bugirimfura<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"15\">Einer der Hauptverantwortlichen des V\u00f6lkermords in der damaligen Provinz Butare war Ildephonse Nzeyimana, sp\u00e4ter ein hochrangiges FDLR-Mitglied, 2009 wurde er in Uganda verhaftet. Er wurde an das internationale Sondertribunal f\u00fcr Ruanda (ICTR) der Vereinten Nationen in der tansanischen Stadt Arusha \u00fcberstellt, welches f\u00fcr <a href=\"https:\/\/taz.de\/UN-Ruanda-Tribunal-verschont-Angeklagten\/!5939308\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die strafrechtliche Verfolgung<\/a> der Hauptt\u00e4ter des systematischen Massenmordes verantwortlich war.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"16\">Nzeyimana war 1994 Offizier an der Milit\u00e4rakademie ESO in Butare, zust\u00e4ndig f\u00fcr Operationen und Aufkl\u00e4rung. Mitte April 1994, so die Aussagen von Zeugen und Mitt\u00e4tern vor Gericht, wies er seine Untergebenen an, rund um Butare Stra\u00dfensperren zu errichten. Verantwortlicher f\u00fcr diese Blockaden, so geht es aus den Akten hervor, war der damals 30-j\u00e4hrige Unterleutnant Ezi\u00e9chiel Gakwerere, heute der zweith\u00f6chste Kommandant der FDLR im Kongo. Dieser zog los und rekrutierte lokale Hutu-Jugendliche, bildete sie zu Todesschwadronen aus: die Interahamwe.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-23\" pos=\"17\">\u201eDie Jugendlichen wurden auf Pick-ups in die Milit\u00e4rakademie gebracht\u201c, erinnert sich Ibuka-Vertreter Siboyintore an den April 1994: \u201eNach dem Training wurden sie von den Soldaten an den Stra\u00dfensperren abgeladen \u2013 mit Macheten und Spitzhacken bewaffnet\u201c, berichtet er. \u201eWir bekamen Angst und Panik.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-24\" pos=\"18\">Gakwerere wurde sp\u00e4ter f\u00fcr den Mord an einem eher symbolischen Opfer ber\u00fchmt und ber\u00fcchtigt: Rosalie Gicanda, die hochbetagte Witwe des 1959 verstorbenen ruandischen K\u00f6nigs und die letzte noch in Ruanda lebende Repr\u00e4sentantin der jahrhundertealten Tutsi-Monarchie. Auf Nizeyimanas Befehl hin wurde die 80-J\u00e4hrige aus ihrem Haus geholt und in einem Wald nahe Butare erschossen. Gakwerere war einer der Beteiligten, m\u00f6glicherweise auch einer der direkten M\u00f6rder, so die Zeugenaussagen in Arusha.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-25\" pos=\"19\">Die Milit\u00e4rakademie ESO lag nur knapp drei Kilometer von Ngoma entfernt, am Stadtrand von Butare. Heute ist auf dem weitl\u00e4ufigen Gel\u00e4nde eine polytechnische Berufsschule untergebracht. Das Hauptgeb\u00e4ude, wo 1994 Oberst Nzeyimana sein B\u00fcro hatte, wurde abgerissen. Derzeit entsteht dort ein hochmodernes, sechsst\u00f6ckiges Verwaltungsgeb\u00e4ude aus Glas. Der Paradeplatz davor, wo Nzeyimana laut ICTR-Urteil am Morgen des 7. April Unteroffizieren wie Gakwerere den Befehl zur Massent\u00f6tung gab, ist heute ein Fu\u00dfballfeld. Nur die einst\u00f6ckigen Backsteinh\u00e4user mit den Klassenzimmern erinnern noch an die grausame Vergangenheit.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/6916295\/1200\/34968198-3-4.webp\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"600\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/34968198-3-4.webp\" alt=\"Verrostete Dinge liegen neben ERde\" title=\"Verrostete Dinge liegen neben ERde\" height=\"332\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Grausame Spuren der Vergangenheit: ausgegrabene Tatwaffen aus dem Massengrab in Ngoma<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nRachid Bugirimfura<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-27\" pos=\"20\">Eine von Gakwereres Stra\u00dfensperren wurde direkt unterhalb der ESO errichtet, kurz vor Ngoma. Entlang dieser Stra\u00dfe lagen auch die Kasernen, wo die ESO-Unteroffiziere schliefen. Direkt davor hatten die Soldaten eine weitere Blockade errichtet. Nach 1994 wurde die Kaserne plattgemacht. Heute ist dort eine Filiale des ruandischen T\u00dcVs untergebracht, um Fahrzuge zu inspizieren. Gegen\u00fcber, auf der anderen Stra\u00dfenseite ist eine Gedenkst\u00e4tte: Darunter liegt ein Massengrab mit rund 4.000 Opfern.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-28\" pos=\"21\">Nicht einmal 800 Meter weiter den Hang hinab liegt in Sichtweite das Haus mit der Nummer 95 und dem jetzt erst entdeckten Massengrab. In den Arusha-Zeugenaussagen wird die dortige Stra\u00dfensperre im Zusammenhang mit Gakwerere nicht erw\u00e4hnt. In den zahlreichen Verfahren vor den Gacaca-Laiengerichten in der Gemeinde Ngoma, denen Ibuka-Vertreter Siboyintore jahrelang beigewohnt hatte, um Informationen \u00fcber den Verbleib seiner Eltern zu erhalten, wurde zwar die Stra\u00dfensperre unter Kontrolle des \u00f6rtlichen Interahamwe-F\u00fchrers Hishamunda verhandelt, dass in der Bananenplantage hinter seinem Haus Leichen verbuddelt wurden, das haben die T\u00e4ter allerdings nicht gestanden. \u201eDass sie bis heute schweigen, ist f\u00fcr uns \u00dcberlebende unertr\u00e4glich\u201c, so Siboyintore. \u201eDass viele noch immer auf freiem Fu\u00df sind, macht Vergebung fast unm\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-29\" pos=\"22\">Die Grenze zum <a href=\"https:\/\/taz.de\/Hetze-gegen-Tutsi-in-der-DR-Kongo\/!5861669\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nachbarland Kongo<\/a>, wo sich die FDLR seit Jahrzehnten verschanzt, ist nicht weit von Ngoma. Dazwischen liegt der malerische Kivusee, der die beiden L\u00e4nder voneinander trennt. N\u00f6rdlich davon erhebt sich eine Kette erloschener Vulkane \u2013 wo auch die seltenen Berggorillas leben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-30\" pos=\"23\">In Ruanda herrscht heute Frieden. Doch jenseits der Vulkane im Kongo gibt es seit Jahrzehnten Krieg. Entlang der Grenze wird derzeit heftig gek\u00e4mpft. Grund daf\u00fcr ist vor allem die FDLR, die f\u00fcr Ruanda bis heute ein enormes Sicherheitsrisiko darstellt. Ruandas Armee hat die kongolesischen Tutsi-Rebellen der M23 (Bewegung des 23. M\u00e4rz) ausger\u00fcstet und eigene Truppen in den Dschungel geschickt, um dort die FDLR zu jagen. Ihr Ziel: die letzten mutma\u00dflichen V\u00f6lkerm\u00f6rder wie Gakwerere auszuschalten und die einfachen K\u00e4mpfer nach Hause zu bringen.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/6916295\/1200\/34968141-5.webp\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"800\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/34968141-5.webp\" alt=\"Ein junger Mann sitzt in einem Fensterrahmen\" title=\"Ein junger Mann sitzt in einem Fensterrahmen\" height=\"443\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Ein ehemaliger Hutu-K\u00e4mpfer im Demobilisierungslager in Mutobo<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nRachid Bugirimfura<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-32\" pos=\"24\">Am Fu\u00df der erloschenen Vulkane schmiegen sich in dem kleinen Ort Mutobo im Norden Ruandas zahlreiche Backsteingeb\u00e4ude an einen Hang. Schon von Weitem h\u00f6rt man das kreischende Ger\u00e4usch einer Schwei\u00dfmaschine. In den Klassenzimmern lernen \u00fcber hundert M\u00e4nner, wie sie Autos und Fahrr\u00e4der reparieren, M\u00f6bel und T\u00fcren zimmern. Auf den ersten Blick wirkt dieses Demobilisierungslager wie eine normale Berufsschule. Doch die jungen M\u00e4nner, die hier h\u00e4mmern und schwei\u00dfen, sind ehemalige FDLR-K\u00e4mpfer, die in ihre Heimat Ruanda zur\u00fcckgekehrt sind. Manche sind unter 18 Jahre alt, also Kindersoldaten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-33\" pos=\"25\">Einer von ihnen ist der 28-j\u00e4hrige Innocent Tuyibahe. In Jeans, T-Shirt und Turnschuhen lernt er jetzt, wie man Kupplungen repariert, macht mit gro\u00dfer Freude seinen F\u00fchrerschein. Autofahren sei immer ein Traum von ihm gewesen, sagt er. Er ist im kongolesischen Dschungel geboren, wo es keinen Asphalt gibt. Seine Eltern sind nach 1994 aus Ruanda geflohen und haben sich der FDLR angeschlossen. Von seinem 15. Lebensjahr an war er Leibw\u00e4chter der h\u00f6chsten FDLR-Milit\u00e4rf\u00fchrer: General Pacifique Ntawunguka alias Omega und dessen Stellvertreter, General Gakwerere, bekannt unter seinem Kriegsnamen Stany.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-34\" pos=\"26\">Nach dem Unterricht sitzt Tuyibahe im Gras auf dem Fu\u00dfballplatz in Mutobo. Er wirkt noch immer angespannt. Was er erz\u00e4hlt, ist haarstr\u00e4ubend: \u201eUnsere Kommandanten haben uns immer weisgemacht, dass die Tutsi uns unsere Heimat weggenommen haben und dass wir Ruanda zur\u00fcckerobern sollen, so sei es von Gott prophezeit.\u201c W\u00e4hrend er mit leiser Stimme erz\u00e4hlt, spielt er nerv\u00f6s mit einem Ring am Finger, auf welchem ein Kreuz eingraviert ist. In der FDLR spielen der katholische Glaube und g\u00f6ttliche Prophezeiungen eine wichtige Rolle. F\u00fcnf Mal am Tag trommeln die Milit\u00e4rf\u00fchrer ihre K\u00e4mpfer zum Gebet zusammen. Mit Prophezeiungen reden sie ihnen Mut zu: dass sie Ruanda einnehmen w\u00fcrden, dass sie im Kampf siegen werden. \u201eSie predigen auch, dass wir von den Tutsi in Ruanda get\u00f6tet oder eingesperrt werden, wenn wir kampflos nach Hause zur\u00fcckkehren\u201c, so Tuyibahe.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-35\" pos=\"27\">Doch dann sei bei Gefechten im Dezember vergangenen Jahres einer seiner Kameraden von den M23-Rebellen gefasst und nach Ruanda zur\u00fcckgebracht worden. Von Mutobo aus schickte er Tuyi\u00adbahe eine Nachricht. \u201eWas unsere Chefs uns predigen, ist alles nicht wahr\u201c, stand darin. Als Verantwortlicher f\u00fcr die Truppe habe General Gakwerere sein Telefon kontrolliert, die SMS gesehen. \u201eAls Strafe haben sie mich eine Nacht ans Kreuz gebunden und mir 150 Peitschenhiebe verpasst, wie Judas, dem Verr\u00e4ter\u201c, berichtet Tuyibahe stockend.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/6916295\/1200\/34968151-2.webp\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"599\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/34968151-2.webp\" alt=\"Junge M\u00e4nner sitzen und stehen an Schulb\u00e4nken , einige flechten Haare\" title=\"Junge M\u00e4nner sitzen und stehen an Schulb\u00e4nken , einige flechten Haare\" height=\"332\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Eine Friseurschule im Demobilisierungslager in Mutobo: Hier versuchen ehemalige Hutu-K\u00e4mpfer ein neues Leben zu beginnen<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nRachid Bugirimfura<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-37\" pos=\"28\">In der Nacht darauf sei er dann desertiert. Nur wenige Kilometer vom FDLR-Hauptquartier entfernt ist eine Basis der <a href=\"https:\/\/taz.de\/Proteste-gegen-UN-Blauhelme-im-Kongo\/!5867398\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">UN-Mission im Kongo (Monusco)<\/a>. Die Blauhelme brachten ihn zur\u00fcck in seine Heimat Ruanda. Dass die V\u00f6lkermord\u00adideologie von 1994 in den Reihen der Hutu-Miliz bis heute fortbesteht, best\u00e4tigt Tuyibahe ohne Z\u00f6gern: General Gakwerere sei in Hinsicht des V\u00f6lkermords \u201eabsolut reuelos\u201c und \u201eeine Ikone\u201c, so der Ex-Leibw\u00e4chter: \u201eJeder in der FDLR wei\u00df: Er hat 1994 die Tutsi-K\u00f6nigin umgebracht.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-38\" pos=\"29\">Dass diese Ideologie im Kreis der FDLR nach wie vor existiert, f\u00fchrt bis heute \u00fcberall in der Region zu Konflikten. Der Fund des Massengrabs im \u00adOktober 2023 hat auch in Ngoma die alten Streitigkeiten in der Gemeinde wieder aufkochen lassen. Die Stimmung in der Nachbarschaft ist angespannt. Junge verwahrloste M\u00e4nner hocken auf der Leitplanke am Stra\u00dfenrand und beobachten die Ausgrabungen genau. Auf der anderen Stra\u00dfenseite sitzt Marie Claire Uwimana auf einem Hocker vor ihrem Backsteinhaus, das sie von ihrem Vater geerbt hat. \u00dcber ihre Stirn ziehen sich tiefe Falten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-39\" pos=\"30\">Die Mutter zweier Kinder war zu Zeiten des Genozids elf Jahre alt. Sie berichtet stockend: Ihr Vater, ein Taxifahrer, war im April 1994 von ESO-Soldaten rekrutiert worden, um an dieser Stra\u00dfensperre zu \u201earbeiten\u201c, wie sie es ausdr\u00fcckt. Ein Gericht hatte ihn sp\u00e4ter verurteilt. Er sa\u00df knapp 20 Jahre im Gef\u00e4ngnis, ist erst vor zwei Jahren freigekommen. \u201eSie haben ihn im Februar wieder festgenommen \u2013 wegen des Massengrabs\u201c, gibt Uwimana mit leiser Stimme zu. Man merkt der 41-j\u00e4hrigen Frau im bunten Wickelkleid an, dass sie nur ungern Informationen preisgibt. Sie beharrt darauf: \u201eEr hat von den Leichen nichts gewusst \u2013 und auch wir Kinder haben damals nichts gesehen!\u201c<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Diese Leute leugnen alles, was hier geschah. Wie sollen wir ihnen so also je vergeben?<\/p>\n<p class=\"typo-fotocredit pt-xsmall\">\n<p>            Bewohner von Ngoma<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-41\" pos=\"31\">Vor der H\u00fctte nebenan sch\u00fcttelt ein alter gebrechlicher Mann seinen Kopf. Fast drohend hebt er seinen Kr\u00fcckstock in Richtung Uwimana. Der \u00fcber 90-J\u00e4hrige, der seinen Namen nicht nennen will, war 1959 aus Ruanda ins Nachbarland geflohen, als es bereits zu jener Zeit zu Massakern an der Tutsi-Minderheit gekommen war. \u201eAls ich nach 1994 zur\u00fcckkam, war keiner meiner Verwandten in Ngoma mehr am Leben\u201c, sagt er und deutet mit der Kr\u00fccke in Richtung Massengrab. \u201eDiese Leute leugnen alles, was hier geschah\u201c, sagt er sichtlich emp\u00f6rt. \u201eWie sollen wir ihnen so also je vergeben?\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-42\" pos=\"32\">Bei den aufgebrachten Worten werden die anderen Nachbarn hellh\u00f6rig. Hastig kommt ein Mann im blauen Jogginganzug angelaufen, stellt sich als Beauftragter der Reservearmee vor. Er ist offensichtlich ein demobilisierter Ex-FDLR-K\u00e4mpfer, der nun zur\u00fcck in seiner Heimatgemeinde f\u00fcr die Sicherheit zust\u00e4ndig ist. \u201eH\u00f6rt auf, meinen Leuten hier solche Fragen zu stellen!\u201c, mahnt er im drohendem Ton an.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-43\" pos=\"33\">Die in Ngoma gefundenen Leichenteile sollen am 20. April dieses Jahres bestattet werden, der Tag, an dem vor 30 Jahren das Massenschlachten in Ngoma begann. Beerdigt werden sie auf dem Gel\u00e4nde der Gedenkst\u00e4tte rund 800 Meter den H\u00fcgel hinauf, wo sich das andere Massengrab befindet. Dies wird die Konflikte beruhigen, hofft der Vertreter des \u00dcberlebendenverbandes, Siboyintore und seufzt: \u201eBis zur Vers\u00f6hnung ist es noch ein langer Weg.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"D er s\u00fc\u00dfliche Geruch von Verwesung liegt in der Luft, als Theodat Siboyintore die Gemeindehalle von Ngoma aufschlie\u00dft.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12232,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[403,404],"class_list":{"0":"post-12231","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ruanda","8":"tag-ruanda","9":"tag-rwanda"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116491073793621484","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12231"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12231\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12232"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}