{"id":12405,"date":"2026-04-30T12:32:36","date_gmt":"2026-04-30T12:32:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12405\/"},"modified":"2026-04-30T12:32:36","modified_gmt":"2026-04-30T12:32:36","slug":"fruehe-homininen-aus-marokko-gehoeren-zu-einer-afrikanischen-abstammungslinie-nahe-dem-ursprung-von-homo-sapiens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12405\/","title":{"rendered":"Fr\u00fche Homininen aus Marokko geh\u00f6ren zu einer afrikanischen Abstammungslinie nahe dem Ursprung von Homo sapiens"},"content":{"rendered":"<p class=\"h3 subtitle serif\">773.000 Jahre alte Fossilien geben neue Einblicke in die gemeinsamen Vorfahren von Homo sapiens, Neandertalern und Denisova-Menschen<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" alt=\"773.000 Jahre alter Unterkiefer ThI-GH-1 aus Marokko\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/original-1772439553.jpg\" class=\"img-responsive\" title=\"773.000 Jahre alter Unterkiefer ThI-GH-1 aus dem Steinbruch &quot;Thomas Quarry&quot; in Marokko.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1777552351_993_original-1772439553.jpg\" class=\"visible-print-block mb-1 banner\" alt=\"773.000 Jahre alter Unterkiefer ThI-GH-1 aus Marokko\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>773.000 Jahre alter Unterkiefer ThI-GH-1 aus dem Steinbruch &#8222;Thomas Quarry&#8220; in Marokko.<\/p>\n<p class=\"copyright hidden-print\" id=\"copyright_25959968\">\n          \u00a9 Hamza Mehimdate, Programme Pr\u00e9histoire de Casablanca\n        <\/p>\n<p>\n          773.000 Jahre alter Unterkiefer ThI-GH-1 aus dem Steinbruch &#8222;Thomas Quarry&#8220; in Marokko.\n        <\/p>\n<p>\n          \u00a9 Hamza Mehimdate, Programme Pr\u00e9histoire de Casablanca\n        <\/p>\n<p>Auf den Punkt gebrachtPr\u00e4zise datierte Fossilien: Mithilfe hochaufl\u00f6sender magnetostratigraphischer Analysen im Steinbruch \u201eThomas Quarry I\u201d konnten die Forschenden die Matuyama-Brunhes-Polumkehrung vor rund 773.000 Jahren erfassen. Somit liegen nun f\u00fcr eine afrikanisch-pleistoz\u00e4ne Homininenfundst\u00e4tte \u00e4u\u00dferst genaue Datierungen vor.Nahe dem Ursprung unserer Abstammungslinie: Unterkiefer und andere \u00dcberreste zeigen ein Mosaik aus archaischen und abgeleiteten Merkmalen, die mit denen einer afrikanischen Schwesterpopulation des Homo antecessor \u00fcbereinstimmen \u2013 nahe der Aufspaltung der eurasischen und afrikanischen Homininenlinien im mittleren Pleistoz\u00e4n.Nordwestafrikas Schl\u00fcsselrolle: Jahrzehntelange Forschungen eines marokkanisch-franz\u00f6sischen Teams f\u00fchrten zur Entdeckung au\u00dfergew\u00f6hnlich gut erhaltener H\u00f6hlenablagerungen in den K\u00fcstenformationen von Casablanca; die H\u00f6hlen waren zeitweise von Raubtieren genutzt worden. Die\u00a0Fossilien-Funde unterstreichen die zentrale Bedeutung der Region f\u00fcr die Evolution der Gattung\u00a0Homo.<\/p>\n<p>Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Jean-Jacques Hublin (Coll\u00e8ge de France und Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie), David Lef\u00e8vre (Universit\u00e9 de Montpellier Paul Val\u00e9ry), Giovanni Muttoni (Universit\u00e0 degli Studi di Milano) und Abderrahim Mohib (marokkanisches Institut National des Sciences de l\u2019Arche\u0301ologie et du Patrimoine, INSAP) berichtet \u00fcber die Analyse neuer Homininenfossilien aus der Fundst\u00e4tte Thomas Quarry I (Casablanca, Marokko). Mithilfe einer hochaufl\u00f6senden magnetostratigraphischen Analyse, die die Brunhes-Matuyama-Grenze, die letzte gro\u00dfe Umkehrung der geomagnetischen Polarit\u00e4t, sowie pr\u00e4zise zeitliche Marker des Quart\u00e4rs detailliert erfasst, lassen sich diese Fossilien sehr genau auf ein Alter von 773.000 \u00b1 4.000 Jahre datieren. In der in Nature ver\u00f6ffentlichten Studie werden afrikanische Populationen nahe der Basis der Abstammungslinie beleuchtet, aus der schlie\u00dflich der Homo sapiens hervorging. Zudem liefert die Studie neue Erkenntnisse \u00fcber die gemeinsamen Vorfahren von Homo sapiens, Neandertalern und Denisova-Menschen.<\/p>\n<p>Jahrzehnte marokkanisch-franz\u00f6sischer Feldforschung ergeben bedeutende neue Entdeckungen<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" alt=\"Unterkiefer ThI-GH-10717 w\u00e4hrend der Ausgrabung\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/original-1767625861.jpg\" class=\"img-responsive\" title=\"Thomas Quarry I, Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s: Unterkiefer ThI-GH-10717 w\u00e4hrend der Ausgrabung.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1777552353_408_original-1767625861.jpg\" class=\"visible-print-block mb-1 banner\" alt=\"Unterkiefer ThI-GH-10717 w\u00e4hrend der Ausgrabung\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Thomas Quarry I, Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s: Unterkiefer ThI-GH-10717 w\u00e4hrend der Ausgrabung.<\/p>\n<p class=\"copyright hidden-print\" id=\"copyright_25960276\">\n          \u00a9 J.P. Raynal, Programme Pr\u00e9histoire de Casablanca\n        <\/p>\n<p>\n          Thomas Quarry I, Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s: Unterkiefer ThI-GH-10717 w\u00e4hrend der Ausgrabung.\n        <\/p>\n<p>\n          \u00a9 J.P. Raynal, Programme Pr\u00e9histoire de Casablanca\n        <\/p>\n<p>Die hier vorgestellten Ergebnisse stammen aus \u00fcber drei Jahrzehnten kontinuierlicher arch\u00e4ologischer und geologischer Forschung im Rahmen des marokkanisch-franz\u00f6sischen Programms Pr\u00e9histoire de Casablanca. Im Rahmen dieses Programms wurden umfangreiche Ausgrabungen durchgef\u00fchrt, systematische stratigraphische Untersuchungen vorgenommen und gro\u00df angelegte geoarch\u00e4ologische Analysen im S\u00fcdwesten der Stadt Casablanca durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die sorgf\u00e4ltigen Ausgrabungen brachten nach und nach die au\u00dfergew\u00f6hnlichen stratigraphischen, pal\u00e4o\u00f6kologischen und arch\u00e4ologischen Gegebenheiten des Steinbruchs Thomas Quarry I zutage und f\u00fchrten schlie\u00dflich zur Entdeckung der Homininen\u00fcberreste und geologischen Abfolgen, die der aktuellen Studie zugrunde liegen.<\/p>\n<p>Wie Abderrahim Mohib erkl\u00e4rt: \u201eDer Erfolg dieser Langzeitforschung spiegelt eine enge institutionelle Zusammenarbeit wider, an der das marokkanische Ministerium f\u00fcr Jugend, Kultur und Kommunikation (\u00fcber das INSAP) und das franz\u00f6sische Au\u00dfenministerium (\u00fcber die franz\u00f6sische arch\u00e4ologische Mission Casablanca) beteiligt sind.\u201c Unterst\u00fctzt wurde die aktuelle Studie au\u00dferdem von der Universit\u00e0 degli Studi di Milano (Italien), dem Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie in Leipzig, dem LabEx Archim\u00e8de der Universit\u00e9 de Montpellier Paul Val\u00e9ry, der Universit\u00e9 de Bordeaux und dem Mus\u00e9e National d\u2019Histoire Naturelle (Frankreich).<\/p>\n<p>Eine einzigartige geologische Kulisse: Die marokkanische Atlantikk\u00fcste als Schatzkammer des Pleistoz\u00e4ns<\/p>\n<p>Jean-Paul Raynal, Co-Direktor des Programms bei den Ausgrabungen, die zur Entdeckung der Fossilien f\u00fchrten, erl\u00e4utert: \u201eThomas Quarry I liegt innerhalb der erh\u00f6hten K\u00fcstenformationen des K\u00fcstenstreifens von Rabat\u2013Casablanca. Diese Region ist international f\u00fcr ihre au\u00dfergew\u00f6hnliche Abfolge von pal\u00e4o-K\u00fcstenlinien, K\u00fcstend\u00fcnen und H\u00f6hlensystemen aus dem Plioz\u00e4n und Pleistoz\u00e4n bekannt. Diese geologischen Formationen sind durch wiederholte Schwankungen des Meeresspiegels, \u00e4olische Phasen und eine schnelle fr\u00fche Zementierung der K\u00fcstensande entstanden und bieten ideale Bedingungen f\u00fcr die Erhaltung von Fossilien und arch\u00e4ologischen Funden.\u201c Infolgedessen hat sich die Region Casablanca zu einem der reichsten Fundorte Afrikas f\u00fcr pal\u00e4ontologische und arch\u00e4ologische Funde aus dem Pleistoz\u00e4n entwickelt. Sie dokumentieren das fr\u00fche Acheul\u00e9en und seine Entwicklungen, vielf\u00e4ltige Faunen als Ausdruck von Umweltver\u00e4nderungen sowie mehrere Phasen der Besiedlung durch Homininen.<\/p>\n<p>Der Thomas Quarry I, der in die Oulad-Hamida-Formation gehauen wurde, ist besonders bekannt f\u00fcr die \u00e4ltesten Acheul\u00e9en-Industrien Nordwestafrikas. Diese werden auf etwa 1,3 Millionen Jahre datiert und befinden sich in der N\u00e4he anderer ber\u00fchmter Fundst\u00e4tten wie Sidi Abderrahmane, das als klassische Referenz f\u00fcr die Fr\u00fchgeschichte des mittleren Pleistoz\u00e4ns in Nordwestafrika gilt. David Lef\u00e8vre erkl\u00e4rt: \u201eInnerhalb dieses gr\u00f6\u00dferen Komplexes bildet die \u201aGrotte \u00e0 Hominid\u00e9s\u2018 ein einzigartiges H\u00f6hlensystem. Es wurde durch einen Hochstand des Meeresspiegels in fr\u00fchere K\u00fcstenformationen geschlagen und sp\u00e4ter mit Sedimenten gef\u00fcllt, die die Fossilien der Homininen in einem sicheren, ungest\u00f6rten und unwiderlegbaren stratigraphischen Kontext konservierten.\u201c<\/p>\n<p>Eine einzigartig gut datierte Homininenfundst\u00e4tte in Afrika<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" alt=\"Probenahme f\u00fcr die Magnetostratigraphie\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/original-1767777256.jpg\" class=\"img-responsive\" title=\"Serena Perini und Giovanni Muttoni w\u00e4hrend der Probenahme f\u00fcr die Magnetostratigraphie von Ablagerungen in der Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s im Thomas Quarry I.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1777552355_165_original-1767777256.jpg\" class=\"visible-print-block mb-1 banner\" alt=\"Probenahme f\u00fcr die Magnetostratigraphie\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Serena Perini und Giovanni Muttoni w\u00e4hrend der Probenahme f\u00fcr die Magnetostratigraphie von Ablagerungen in der Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s im Thomas Quarry I.<\/p>\n<p class=\"copyright hidden-print\" id=\"copyright_25960600\">\n          \u00a9 D. Lef\u00e8vre, Programme Pr\u00e9histoire de Casablanca\n        <\/p>\n<p>\n          Serena Perini und Giovanni Muttoni w\u00e4hrend der Probenahme f\u00fcr die Magnetostratigraphie von Ablagerungen in der Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s im Thomas Quarry I.\n        <\/p>\n<p>\n          \u00a9 D. Lef\u00e8vre, Programme Pr\u00e9histoire de Casablanca\n        <\/p>\n<p>Die Datierung von Fossilien aus dem fr\u00fchen und mittleren Pleistoz\u00e4n ist aufgrund diskontinuierlicher Stratigraphien oder von erheblicher Unsicherheit gepr\u00e4gter Methoden bekannterma\u00dfen schwierig. Die Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s ist insofern au\u00dfergew\u00f6hnlich, als schnelle Sedimentation und kontinuierliche Ablagerung ein hochaufl\u00f6sendes magnetisches Signal erm\u00f6glichten, das mit bemerkenswerter Detailgenauigkeit in den Sedimenten aufgezeichnet wurde.<\/p>\n<p>Im Laufe der geologischen Zeit kehrt das Magnetfeld der Erde episodisch seine Polarit\u00e4t um. Diese pal\u00e4omagnetischen Umkehrungen treten weltweit auf und vollziehen sich auf geologischem Zeitma\u00dfstab nahezu augenblicklich. Sie hinterlassen in Sedimenten ein deutliches, global synchrones Signal. Der Matuyama-Brunhes-\u00dcbergang (MBT), der vor rund 773.000 Jahren stattfand, ist die j\u00fcngste dieser gro\u00dfen Umkehrungen und stellt einen der pr\u00e4zisesten Marker dar, die Geologen und Arch\u00e4ologen nutzen k\u00f6nnen. Serena Perini erkl\u00e4rt: \u201eDie hochaufl\u00f6sende Dokumentation des Matuyama-Brunhes-\u00dcbergangs in den H\u00f6hlenablagerungen erm\u00f6glicht eine f\u00fcr das afrikanische Pleistoz\u00e4n au\u00dfergew\u00f6hnlich pr\u00e4zise Datierung dieser Homininen.\u201c<\/p>\n<p>Die Grotte-\u00e0-Hominid\u00e9s-Sequenz umfasst das Ende der Matuyama-Chron (umgekehrte Polarit\u00e4t), die MBT selbst sowie den Beginn der Brunhes-Chron (normale Polarit\u00e4t). Mithilfe von 180 magnetostratigraphischen Proben \u2013 eine beispiellose Aufl\u00f6sung f\u00fcr eine pleistoz\u00e4ne Homininenfundst\u00e4tte \u2013 ermittelte das Team die genaue Position des Wechsels von umgekehrter zu normaler Polarit\u00e4t. Dieser wird derzeit auf 773.000 Jahre datiert. Sogar die kurze Dauer des \u00dcbergangs (8.000 bis 11.000 Jahre) konnte erfasst werden. Die Homininenfossilien wurden in Sedimenten gefunden, die genau w\u00e4hrend dieses \u00dcbergangs abgelagert wurden. Unabh\u00e4ngig davon best\u00e4tigen begleitende Tierfunde dieses Alter\u00a0und st\u00fctzen damit die chronologische Einordnung zus\u00e4tzlich zur Magnetostratigraphie.<\/p>\n<p>Homininen nahe der Wurzel der Abstammungslinie des Homo sapiens<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" alt=\"Diese Unterkiefer aus Nordafrika veranschaulichen die Unterschiede zwischen fossilen Homininen und modernen Menschen.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1777552356_120_original-1767777256.jpg\" class=\"img-responsive\" title=\"Diese Unterkiefer aus Nordafrika veranschaulichen die Unterschiede zwischen fossilen Homininen und modernen Menschen. Die abgebildeten Fossilien sind Tighennif 3 aus Algerien (oben links), ThI-GH-10717 aus dem Thomas Quarry in Marokko (oben rechts) und Jebel Irhoud 11 aus Marokko (unten links). Im Vergleich dazu ist der Unterkiefer eines rezenten modernen Menschen dargestellt (unten rechts). Alle Exemplare sind im gleichen Ma\u00dfstab dargestellt, sodass ihre Gr\u00f6\u00dfe und Form direkt verglichen werden k\u00f6nnen.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1777552356_156_original-1767777256.jpg\" class=\"visible-print-block mb-1 banner\" alt=\"Diese Unterkiefer aus Nordafrika veranschaulichen die Unterschiede zwischen fossilen Homininen und modernen Menschen.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Diese Unterkiefer aus Nordafrika veranschaulichen die Unterschiede zwischen fossilen Homininen und modernen Menschen. Die abgebildeten Fossilien sind Tighennif 3 aus Algerien (oben links), ThI-GH-10717 aus dem Thomas Quarry in Marokko (oben rechts) und Jebel Irhoud 11 aus Marokko (unten links). Im Vergleich dazu ist der Unterkiefer eines rezenten modernen Menschen dargestellt (unten rechts). Alle Exemplare sind im gleichen Ma\u00dfstab dargestellt, sodass ihre Gr\u00f6\u00dfe und Form direkt verglichen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"copyright hidden-print\" id=\"copyright_25960911\">\n          \u00a9 Philipp Gunz, MPI f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie\n        <\/p>\n<p>\n          Diese Unterkiefer aus Nordafrika veranschaulichen die Unterschiede zwischen fossilen Homininen und modernen Menschen. Die abgebildeten Fossilien sind Tighennif 3 aus Algerien (oben links), ThI-GH-10717 aus dem Thomas Quarry in Marokko (oben rechts) und Jebel Irhoud 11 aus Marokko (unten links). Im Vergleich dazu ist der Unterkiefer eines rezenten modernen Menschen dargestellt (unten rechts). Alle Exemplare sind im gleichen Ma\u00dfstab dargestellt, sodass ihre Gr\u00f6\u00dfe und Form direkt verglichen werden k\u00f6nnen.\n        <\/p>\n<p>\n          \u00a9 Philipp Gunz, MPI f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie\n        <\/p>\n<p>Die \u00dcberreste der Homininen stammen aus einer H\u00f6hle, die offenbar von Raubtieren bewohnt war. Ein Homininen-Oberschenkelknochen mit deutlichen Kau- und Fra\u00df-Spuren legt dies nahe. Zu den Funden z\u00e4hlen ein nahezu vollst\u00e4ndiger Unterkiefer eines Erwachsenen, ein weiterer halber Unterkiefer eines Erwachsenen, ein Unterkiefer eines Kindes, mehrere Wirbel und einzelne Z\u00e4hne.<\/p>\n<p>Hochaufl\u00f6sende Mikro-CT-Bildgebung, geometrische Morphometrie und vergleichende anatomische Analysen zeigen ein Mosaik aus archaischen und abgeleiteten Merkmalen. Mehrere Merkmale erinnern an Homininen aus Gran Dolina, Atapuerca, die vergleichbar alt sind \u2013 den sogenannten Homo antecessor. Dies deutet darauf hin, dass es in der Vergangenheit Kontakte zwischen Populationen im Nordwesten Afrikas und in S\u00fcdeuropa gegeben haben k\u00f6nnte. Zum Zeitpunkt des Matuyama-Brunhes-\u00dcbergangs waren diese Populationen jedoch bereits klar voneinander getrennt, was bedeutet, dass solche Kontakte fr\u00fcher stattgefunden haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Matthew Skinner, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie, merkt an: \u201eMithilfe der Mikro-CT-Bildgebung konnten wir die Dentinkrone untersuchen \u2013 eine unter dem Zahnschmelz verborgene innere Struktur der Z\u00e4hne. Sie ist bekannterma\u00dfen taxonomisch aufschlussreich und bleibt auch in Z\u00e4hnen erhalten, deren Schmelzoberfl\u00e4che stark abgenutzt ist. Die Analyse dieser Struktur zeigt durchweg, dass sich die Homininen aus der Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s sowohl vom Homo erectus als auch vom Homo antecessor unterscheiden und dass sie repr\u00e4sentativ f\u00fcr Populationen sind, die als Vorl\u00e4ufer des Homo sapiens und archaischer eurasischer Linien angesehen werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Shara Bailey f\u00fcgt erg\u00e4nzend hinzu: \u201eIn ihrer Form und ihren nicht-metrischen Merkmalen weisen die Z\u00e4hne aus der Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s viele primitive Merkmale auf. Die f\u00fcr Neandertaler charakteristischen Merkmale fehlen hingegen. In diesem Sinne unterscheiden sie sich vom Homo antecessor, der in einigen Merkmalen bereits \u00c4hnlichkeit mit den Neandertalern aufweist. Die zahnmorphologischen Analysen deuten darauf hin, dass regionale Unterschiede in den menschlichen Populationen m\u00f6glicherweise bereits am Ende des fr\u00fchen Pleistoz\u00e4ns vorhanden waren.\u201c<\/p>\n<p>Neue Erkenntnisse \u00fcber den letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Neandertalern<\/p>\n<p>Diese Entdeckung unterstreicht, dass Nordwestafrika in der menschlichen Evolutionsgeschichte eine wichtige Rolle spielte, als klimatische Schwankungen regelm\u00e4\u00dfig \u00f6kologische Korridore durch das heutige Sahara-Gebiet \u00f6ffneten.\u00a0Denis Geraads merkt dazu an: \u201eDie Vorstellung, dass die Sahara eine permanente biogeografische Barriere darstellte, trifft f\u00fcr diesen Zeitraum nicht zu. Pal\u00e4ontologische Funde belegen wiederholte Verbindungen zwischen Nordwestafrika und den Savannen im Osten und S\u00fcden.\u201c<\/p>\n<p>Die Homininen aus der Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s lebten fast zeitgleich mit den Homininen aus Gran Dolina. Sie sind \u00e4lter als die Fossilien aus dem mittleren Pleistoz\u00e4n, die als die Vorfahren der Neandertaler und Denisova-Menschen gelten, und fast 500.000 Jahre \u00e4lter als die fr\u00fchesten \u00dcberreste des Homo sapiens aus Jebel Irhoud (datiert auf etwa 300.000 Jahre). Durch ihre Kombination aus archaischen afrikanischen Merkmalen und solchen, die sich den sp\u00e4teren eurasischen und afrikanischen Morphologien des mittleren Pleistoz\u00e4ns ann\u00e4hern, liefern die Homininen aus der Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s wichtige Hinweise auf den letzten gemeinsamen Vorfahren von Homo sapiens, Neandertalern und Denisova-Menschen. Dieser soll nach genetischen Erkenntnissen vor 765.000 bis 550.000 Jahren gelebt haben. Die pal\u00e4ontologischen Funde aus der Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s stimmen am ehesten mit dem fr\u00fcheren Teil dieses Zeitraums \u00fcberein.<\/p>\n<p>Jean-Jacques Hublin unterstreicht: \u201eDie Fossilien aus der Grotte \u00e0 Hominid\u00e9s sind die derzeit wohl besten Belege f\u00fcr afrikanische Populationen, die nahe an der Wurzel dieser gemeinsamen Abstammung liegen, und st\u00fctzen damit die Sicht eines tiefen afrikanischen Ursprungs unserer Spezies.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"773.000 Jahre alte Fossilien geben neue Einblicke in die gemeinsamen Vorfahren von Homo sapiens, Neandertalern und Denisova-Menschen 773.000&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12406,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[5402,5915,5916,95,96],"class_list":{"0":"post-12405","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-marokko","8":"tag-fossilien","9":"tag-hominine","10":"tag-homo-sapiens","11":"tag-marokko","12":"tag-morocco"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116493676901216112","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12405","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12405"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12405\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12406"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}