{"id":12523,"date":"2026-04-30T18:32:45","date_gmt":"2026-04-30T18:32:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12523\/"},"modified":"2026-04-30T18:32:45","modified_gmt":"2026-04-30T18:32:45","slug":"vielvoelkerstaat-senegal-zwischen-wueste-und-regenwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12523\/","title":{"rendered":"Vielv\u00f6lkerstaat Senegal zwischen W\u00fcste und Regenwald"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Grauer Himmel, Schneeregen und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Selbst der Hund bleibt lieber drinnen und der vom Winterblues geplagte Mensch bedauert, nicht wie die Zugv\u00f6gel in den S\u00fcden geflogen zu sein. Wer den St\u00f6rchen, Schwalben und Seggenrohrs\u00e4ngern tats\u00e4chlich folgt, der landet irgendwann im breiten \u00c4stuar des Senegal-Flusses. Hier am Ende der W\u00fcste treffen die Langstreckenflieger erstmals wieder auf reichlich Wasser. So ist das breite M\u00fcndungsdelta mit seinen Schilfgebieten und kleinen Inseln ihre zweite Heimat geworden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Djoudj-Nationalpark an der Grenze zu Mauretanien gilt als das drittgr\u00f6\u00dfte Vogelschutzgebiet der Welt und ist schon lange Teil des Weltnaturerbes. Man erreicht ihn auf einer holprigen Sandpiste, die schon bessere Tage gesehen hat. Die Lodge ist seit der Corona-Pandemie verwaist. Nur 35.000 Menschen im Jahr f\u00e4nden den Weg, sagt die Frau im improvisierten Kassenh\u00e4uschen. Wenige Kilometer weiter steigt man in schwankende Holzboote mit Au\u00dfenborder \u2013 und ist binnen Minuten umringt von Tausenden V\u00f6geln. Flamingos seien das Wasser nach kleinen Krebsen durch. Reiher und Ibisse stochern darin herum. Kormorane und Afrikanische L\u00f6ffler streiten in den blattlosen B\u00e4umen um die besten Sitzpl\u00e4tze. Oben in den Kronen halten Fischadler Ausschau nach Beute, etwas darunter sitzen Eisv\u00f6gel. Man kommt sich vor wie in einem Tierfilm. 400 Arten sind im Delta heimisch, viele Zugv\u00f6gel kommen im Winter dazu.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der mehr als 1000 Kilometer lange Senegal-Strom hat einer ganzen Nation den Namen gegeben. Aber er ist beileibe nicht die einzige Attraktion des Landes, in dem sich trotz Sonnengarantie erst zaghaft etwas Badetourismus etabliert. Man kann in einem W\u00fcstencamp bei Lompoul zwischen Sandd\u00fcnen \u00fcbernachten, im Bandia-Reservat die Grabst\u00e4tte verblichener Musikanten in einem knorrigen Baobab besuchen und \u2013 wenn man sich traut \u2013 im privat gef\u00fchrten Fathala-Park sogar mit ausgewachsenen L\u00f6wen spazierengehen. Die Gro\u00dfkatzen haben vorher gefr\u00fchst\u00fcckt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Saint-Louis auf einer Insel im Fluss ist eine quirlige Hafenstadt. An den Kais d\u00fcmpeln Holzboote in allen Farben. Bis zu 40 M\u00e4nner fahren damit raus auf den oft kabbeligen Atlantik, um die Netze voller schwerer Fingerfische von Hand einzuziehen. Am Kai werden sie auf Eis gelegt und nach Mali verfrachtet. Neben Phosphat und Erdn\u00fcssen exportiert Senegal Fisch. Auf den Stra\u00dfen leben Ziegen und Schafe von den Abf\u00e4llen. Esel ziehen ganze Hausst\u00e4nde durch die Stra\u00dfen. Die Stadtpal\u00e4ste aus der franz\u00f6sischen Kolonialzeit im Schnittpunkt der W\u00fcstenv\u00f6lker und Schwarzafrikas verfallen in der salzgetr\u00e4nkten Luft.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Herz Senegals schl\u00e4gt ganz im Westen des Kontinents in Dakar. Die Millionenstadt am Kap Vert h\u00e4lt mit dem Zuzug vom Land kaum Schritt. Dennoch leben die vielen Volksgruppen, die Wolof, Serer, Toucouleur, Diola oder Mandrinka mit ihren eigenen Sprachen, der Islam mit seinen sekten\u00e4hnlichen Bruderschaften und die etwa zehn Prozent Christen erstaunlich friedlich nebeneinander. Der Senegal ist die einzige stabile Demokratie Westafrikas. Insbesondere der Fu\u00dfball verbindet alle Menschen des Landes miteinander. Die Eindr\u00fccke in Dakar sind widerspr\u00fcchlich. Neben dem leeren Unabh\u00e4ngigkeitsplatz haben Handwerker ihre gro\u00dfen Handwebst\u00fchle auf den B\u00fcrgersteig gestellt. Gleich daneben gibt es eigene Fahrspuren f\u00fcr die neuen Schnellbusse.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das hohe Bev\u00f6lkerungswachstum, der Klimawandel mit Tendenzen zu Wasserknappheit und die Instabilit\u00e4t der meisten Nachbarl\u00e4nder behindern Senegals Entwicklung. Die Mehrheit der Senegalesen lebt bis heute auf dem Land. Dazu geh\u00f6rt auch Foday Bemba. Vom Trubel in der Stadt erf\u00e4hrt er nur aus dem Internet, wenn das winzige Solarpanel auf dem Dach seiner Lehmh\u00fctte gen\u00fcgend Energie f\u00fcrs Smartphone liefert. Mit seinen zwei Br\u00fcdern und deren Familien wohnt der Bauer im Dorf Toubakouta im Saloum-Delta an der Grenze zu Gambia. Private Helfer haben 2021 einen Brunnen finanziert, damit die Kinder das Waschwasser nicht aus der teuren Leitung zapfen m\u00fcssen. An einem Strick ziehen sie es in einem Plastikcontainer an die die Oberfl\u00e4che. Im gro\u00dfen Hof des Geh\u00f6fts stehen Mangob\u00e4ume, Papa\u00adyas und Cashews. H\u00fchner picken im Sand. Auf den \u00c4ckern wachsen Reis, Hirse und Mais. Die D\u00e4cher sind mit Holz der Mangrovenb\u00e4ume gedeckt, weil der Salzgehalt die Termiten fernh\u00e4lt. Einrichtung gibt es kaum. Gekocht wird auf dem Boden. Aber ein altes Motorrad steht im Hof, falls jemand mal in die Stadt muss.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">So kommen Bemba und seine Familie \u00fcber die Runden. Es wird viel gelacht. Niemand klagt und der mitgebrachte stabile Sack mit 50 Kilo Reis wird sorgsam ge\u00f6ffnet, der Inhalt aufgeteilt und die Verpackung sp\u00e4ter zu einer Matratze verarbeitet. Neugierig studieren die Kinder das Notizbuch des Gastes. Nicht alle gehen zur Schule. Was sie gerne h\u00e4tten? Frisches Baguette aus der B\u00e4ckerei von Abu Yallow um die Ecke. In einem Verschlag aus Wellblechresten schiebt Yallow die Rohlinge f\u00fcr f\u00fcnf bis zehn Minuten in den hei\u00dfen Steinofen. Im Vorbeigehen w\u00fcrde man die improvisierte Backstube zwingend \u00fcbersehen. Das Ergebnis schmeckt wie in Paris und hei\u00df vielleicht sogar noch besser. Ein Brot kostet 100 afrikanische Franc, umgerechnet 15 Cent. Das lassen sich Gastgeber und G\u00e4ste nat\u00fcrlich gemeinsam schmecken.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Recherche wurde von \u00adGebeco unterst\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Grauer Himmel, Schneeregen und Temperaturen um den Gefrierpunkt. 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