{"id":12711,"date":"2026-05-01T11:51:28","date_gmt":"2026-05-01T11:51:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12711\/"},"modified":"2026-05-01T11:51:28","modified_gmt":"2026-05-01T11:51:28","slug":"aethiopien-kein-friedensprozess-zu-lasten-dritter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12711\/","title":{"rendered":"\u00c4thiopien: Kein Friedensprozess zu Lasten Dritter"},"content":{"rendered":"<p>In dem seit November 2020 andauernden Konflikt zwischen der \u00e4thiopischen Regierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) sind Friedensverhandlungen in Reichweite. Nachdem die Regierung in Addis Abeba Ende Juni ein siebenk\u00f6pfiges Verhandlungsteam unter der F\u00fchrung des stellvertretenden Ministerpr\u00e4sidenten Demeke Mekonnen <a href=\"https:\/\/addisstandard.com\/newsalert-ethiopia-announces-names-of-seven-member-peace-negotiation-team-appointed-by-federal-govt\/\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">ernannte<\/a>, meldet die TPLF nun, dass auch sie ein Verhandlungsteam <a href=\"https:\/\/sudantribune.com\/article261568\/\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">ernennen werde<\/a>. Seit M\u00e4rz besteht eine <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/africa\/ethiopias-tigray-region-say-committed-observing-humanitarian-ceasefire-2022-03-25\/\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">humanit\u00e4re Feuerpause<\/a> im Norden \u00c4thiopiens. So konnten UN-Hilfsorganisationen \u2013 nach monatelanger Blockade \u2013 wieder Hilfsg\u00fcter nach Tigray und die angrenzenden Regionen <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/report\/ethiopia\/ethiopia-situation-report-7-jul-2022\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">bringen<\/a>. <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/report\/ethiopia\/ethiopia-situation-report-7-jul-2022\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">13 Millionen Menschen<\/a> bleiben jedoch allein im Norden des Landes auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Chancen und Risiken von Friedensverhandlungen<\/p>\n<p>Sowohl die TPLF als auch die \u00e4thiopische Regierung <a href=\"https:\/\/responsiblestatecraft.org\/2022\/06\/22\/a-peace-process-is-possible-in-ethiopia-but-obstacles-remain\/\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">haben nach mehreren Offensiven erkannt<\/a>, dass sie ohne gr\u00f6\u00dfere Verluste keine milit\u00e4rischen Gewinne erwarten k\u00f6nnen. F\u00fcr die Regierung <a href=\"https:\/\/www.theeastafrican.co.ke\/tea\/rest-of-africa\/cost-of-ethiopia-war-in-tigray-fuels-search-for-a-lasting-peace-3716668\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">sind die Kosten des Kriegs enorm<\/a> und gef\u00e4hrden Ministerpr\u00e4sident Abiy Ahmeds wirtschaftliche Reformagenda. Die TPLF steht unter Druck vonseiten der Bev\u00f6lkerung in Tigray, die humanit\u00e4re Situation in dem Bundesstaat zu verbessern. Der Zugang zu Banken sowie dem Strom- und Telekommunikationsnetz bleibt <a href=\"https:\/\/reports.unocha.org\/en\/country\/ethiopia\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">ausgesetzt<\/a> \u2013 und es fehlt an Treibstoff. <a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/africa\/horn-africa\/ethiopia\/building-ethiopias-fragile-truce\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Laut International Crisis Group<\/a> sind dem Konflikt mindestens Zehntausende Menschen zum Opfer gefallen, manche <a href=\"https:\/\/www.theglobeandmail.com\/world\/article-tigray-war-has-seen-up-to-half-a-million-dead-from-violence-and\/\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Sch\u00e4tzungen<\/a> gehen sogar von Hundertausenden Opfern durch Hunger und Krankheiten aus. Menschenrechtsorganisationen <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/africa\/ethiopia\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">werfen beiden Seiten<\/a> und ihren Verb\u00fcndeten Kriegsverbrechen in Form von Massakern, sexueller Gewalt und Pl\u00fcnderungen vor.<\/p>\n<p>Ein schlechtes Friedensabkommen k\u00f6nnte f\u00fcr weitere Instabilit\u00e4t sorgen \u2013 \u00e4hnlich wie der Friedensschluss zwischen \u00c4thiopien und Eritrea 2018, der sich zwei Jahre sp\u00e4ter als Kriegspakt gegen die TPLF herausstellte. Die damalige TPLF-dominierte Regierung hatte 1998-2000 Krieg gegen Eritrea gef\u00fchrt. Eritreische Truppen unterst\u00fctzten das \u00e4thiopische Milit\u00e4r im Kampf gegen die TPLF und ver\u00fcbten einige der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen des Kriegs. Abiy <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/13523260.2022.2091580\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">nutzte das gewaltige internationale Kapital<\/a>, das der Friedensnobelpreistr\u00e4ger aus dem Friedensschluss und seinen innenpolitischen Reformen schlug, f\u00fcr einen kompromisslosen Kurs gegen\u00fcber der fr\u00fcheren Regierungspartei TPLF. Die Unterst\u00fctzung insbesondere der USA f\u00fcr Abiys Kurs ging\u00a0 so weit, dass sie die \u00e4thiopische Offensive gegen die TPLF in der Erwartung eines kurzen Entscheidungskriegs <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/13523260.2022.2091580\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">anfangs bef\u00fcrwortete<\/a>.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnten sich auch die m\u00f6glichen Friedensgespr\u00e4che zwischen der TPLF und \u00e4thiopischen Regierung negativ auf die jeweiligen Verb\u00fcndeten der beiden Konfliktparteien auswirken. Ein Knackpunkt ist der zuk\u00fcnftige Status <a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/africa\/horn-africa\/ethiopia\/long-last-ethiopia-prepares-peace-talks\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">West-Tigrays<\/a><a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/africa\/horn-africa\/ethiopia\/long-last-ethiopia-prepares-peace-talks\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">,<\/a> ein Gebiet, das amharische Milizen am Anfang des Kriegs besetzten und aus dem sie <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2022\/04\/ethiopia-crimes-against-humanity-in-western-tigray-zone\/\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Menschen tigrayischer Abstammung vertrieben haben<\/a>. F\u00fcr die TPLF ist die R\u00fcckkehr des Gebiets unter ihre Kontrolle ein wichtiges Ziel. Abiy k\u00f6nnte gezwungen sein, Kompromisse zu Lasten der Interessen seiner amharischen Verb\u00fcndeten zu machen. Schlie\u00dflich k\u00f6nnte ein bilaterales Abkommen zwischen TPLF und \u00e4thiopischer Regierung die Interessen weiterer ethnischer Gruppen ber\u00fchren. In den vergangenen Monaten gab es die <a href=\"https:\/\/addisstandard.com\/news-days-after-officials-vow-renewed-offensives-on-armed-group-in-oromia-fighting-reported-in-ethiopias-moyale-environs\/\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">meisten K\u00e4mpfe im Bundesstaat Oromia<\/a>, in dem die Rebellengruppe Oromo-Befreiungsarmee (OLA) f\u00fcr mehr Mitbestimmung der Oromo k\u00e4mpft, der gr\u00f6\u00dften Bev\u00f6lkerungsgruppe des Landes, aus der auch Abiy stammt. Die OLA ist mit der TPLF verb\u00fcndet. Eine Stabilisierung im Norden k\u00f6nnte den \u00e4thiopischen Streitkr\u00e4ften erlauben, ihre Kr\u00e4fte weiter auf den Kampf gegen die OLA zu konzentrieren. Verhandlungsgewinne der TPLF k\u00f6nnte die OLA gleichzeitig in ihrem bewaffneten Kampf ermutigen. Auch in anderen Teilen \u00c4thiopiens gibt es immer wieder Massaker und <a href=\"https:\/\/epo.acleddata.com\/\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">gewaltsame Zusammenst\u00f6\u00dfe<\/a>, in denen Gewaltunternehmer die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit von lokalen Bev\u00f6lkerungsgruppen instrumentalisieren.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Inklusivit\u00e4t f\u00f6rdern, Gefahren eind\u00e4mmen<\/p>\n<p>Internationale und regionale Akteure sollten die Konfliktparteien darin unterst\u00fctzen, einen nachhaltigen und inklusiven Verhandlungsprozess aufzusetzen. Noch konnten sich TPLF und Addis Abeba nicht auf einen Mediator oder einen Verhandlungsort einigen. W\u00e4hrend die Regierung die Afrikanische Union favorisiert, zieht die TPLF Kenia vor.<\/p>\n<p>Ein Schl\u00fcssel zum Erfolg der Friedensverhandlungen w\u00e4re ein schrittweises Vorgehen. Sicherheits- und Versorgungsfragen sollten ganz oben auf der Agenda stehen. Verfassungsfragen wie der zuk\u00fcnftige Status von Tigray, wo die TPLF ein Unabh\u00e4ngigkeitsreferendum abhalten m\u00f6chte, sollten in einem gr\u00f6\u00dferen Kontext wie dem bereits von der Regierung ausgerufenen nationalen Dialog gekl\u00e4rt werden. Hier k\u00f6nnte sie auch die OLA sowie <a href=\"https:\/\/www.ethiopia-insight.com\/2022\/03\/06\/for-lasting-peace-tplfs-monopolization-of-power-in-tigray-must-end\/\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">oppositionelle Parteien aus Tigray <\/a>involvieren, um so auch die Akzeptanz zu erh\u00f6hen. Die Friedensverhandlungen und den nationalen Dialog zu verbinden, k\u00f6nnte den Frieden auf eine breitere Grundlage stellen und helfen, insbesondere Frauen und junge Menschen besser einzubinden.<\/p>\n<p>Eritreas Pr\u00e4sident Isaias Afwerki, Abyis regionaler Verb\u00fcndeter,<a href=\"https:\/\/eritreahub.org\/eritreas-attack-on-ethiopian-prime-minister-abiy\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\"> lehnt einen Friedensschluss mit der TPLF jedoch ab<\/a>. Er betrachtet sie als existenzielle Gefahr f\u00fcr sein Regime. Isaias wird sich daher wahrscheinlich nicht in Friedensgespr\u00e4che einbinden lassen. Mehr noch: Er hat die Mittel, den Friedensprozess durch K\u00e4mpfe eritreischer Truppen mit der TPLF auf \u00e4thiopischem Gebiet zu st\u00f6ren. Angesichts seiner destruktiven Rolle in \u00c4thiopien und der ungebrochenen <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/documents\/country-reports\/ahrc5020-situation-human-rights-eritrea-report-special-rapporteur\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Unterdr\u00fcckung seiner Bev\u00f6lkerung<\/a> sollte sich die EU f\u00fcr eine Eind\u00e4mmungsstrategie entscheiden und ihre gezielten Sanktionen gegen das eritreische Regime ausbauen.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung sollte sich im Kreise ihrer transatlantischen Partner um eine einheitliche Position gegen\u00fcber \u00e4thiopischen Friedensgespr\u00e4chen bem\u00fchen. Das Land ben\u00f6tigt Unterst\u00fctzung beim Wiederaufbau und der Restrukturierung seiner Schulden. Ein stabiles \u00c4thiopien k\u00f6nnte wieder ein konstruktiver Partner Europas auf dem gesamten Kontinent werden. Ein ganzheitlicher, inklusiver Ansatz f\u00fcr Frieden w\u00e4re daf\u00fcr eine entscheidende Voraussetzung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In dem seit November 2020 andauernden Konflikt zwischen der \u00e4thiopischen Regierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) sind&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12712,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[105,112,110,106,113,109,108,114,111],"class_list":{"0":"post-12711","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-aethiopien","8":"tag-aethiopien","9":"tag-aussenpolitik","10":"tag-deutsches-institut-fuer-internationale-politik-und-sicherheit","11":"tag-ethiopia","12":"tag-sicherheitspolitik","13":"tag-stiftung-wissenschaft-und-politik","14":"tag-swp","15":"tag-unabhaengiges-forschungsinstitut","16":"tag-wissenschaftliche-politikberatung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116499177927137541","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12711","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12711"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12711\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12712"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12711"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12711"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12711"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}