{"id":12776,"date":"2026-05-01T15:09:34","date_gmt":"2026-05-01T15:09:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12776\/"},"modified":"2026-05-01T15:09:34","modified_gmt":"2026-05-01T15:09:34","slug":"was-wird-aus-bayerns-vielen-kirchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12776\/","title":{"rendered":"Was wird aus Bayerns vielen Kirchen?"},"content":{"rendered":"<p>Zu viele Kirchen f\u00fcr zu wenige Christen: Vor dieser Situation stehen auch die bayerischen Katholiken und Protestanten. Eine Fachtagung sammelte Ideen, zeigte aber auch, wie komplex das Problem ist. Im Zentrum standen Denkmalschutz und Finanzen.<\/p>\n<p>Vorzeigekirchen zum Thema &#8222;Nachnutzung&#8220; sind es nicht gerade, die am Samstagvormittag den Schlusspunkt der dreit\u00e4gigen M\u00fcnchner Fachtagung &#8222;Gotteshaus, Denkmal, Kostenfaktor&#8220; bilden. Von der millionenschwer umgebauten &#8222;Diakoniekirche&#8220; im Hasenbergl \u00fcber den sanierungsbed\u00fcrftigen Betonbau von St. Mauritius in Moosach bis hin zur trutzigen Auferstehungskirche im Westend: Alle drei Exkursionsziele haben ihre eigenen Probleme, vom fehlenden Nutzungskonzept bis zum fehlenden Geld. Gemeinsam ist allen: Sie werden f\u00fcr liturgische Zwecke kaum noch ben\u00f6tigt, und sie stehen unter Denkmalschutz.<\/p>\n<p>Rund 10.600 Kirchen gibt es derzeit in Bayern, 1.784 auf evangelischer Seite, 8.810 auf katholischer, dazu kommen zahlreiche Kapellen. Von den protestantischen Gottesh\u00e4usern stehen 1.317 unter Denkmalschutz, bei den katholischen Sakralgeb\u00e4uden sind es \u00fcber 6.500, das entspricht einem Anteil von jeweils rund 74 Prozent.<\/p>\n<p>Weil Prognosen zufolge die Mitgliederzahl und die Steuereinnahmen bis sp\u00e4testens 2060 um knapp die H\u00e4lfte schrumpfen, fehlt den Kirchen aber k\u00fcnftig das Geld, um den Bauunterhalt f\u00fcr all diese Geb\u00e4ude zu leisten. So wird die bayerische Landeskirche ab 2027 nur noch etwa die H\u00e4lfte der Kirchen bei Bauma\u00dfnahmen mit 25 Prozent bezuschussen, und zwar jene, die im laufenden Planungsprozess die Kategorie &#8222;A&#8220; erhalten. \u00c4hnlich ist es beispielsweise im Erzbistum Bamberg, einem von sieben katholischen Bist\u00fcmern in Bayern: Ein Drittel der Kirchen und zwei Drittel der Pfarrheime seien hier nicht mehr zuschussf\u00e4hig, erkl\u00e4rte die zust\u00e4ndige Hauptabteilungsleiterin, Petra Postler.<\/p>\n<p>Also m\u00fcssen Ideen her, wie der Immobilienbestand reduziert oder &#8211; mit neuen Geldgebern &#8211; anders genutzt werden kann, denn laut Postler kostet selbst eine leerstehende, abgesperrte Kirche &#8222;etwa 10.000 Euro im Jahr&#8220;. Die Denkmalpflege ist bei \u00dcberlegungen zur Nachnutzung allerdings oft der rosa Elefant im Raum, das zeigte sich auch bei der Fachtagung, die die Katholische Akademie Bayern und die Evangelische Akademie Tutzing organisiert hatten. Der Denkmalschutz m\u00fcsse &#8222;akzeptieren, dass Kirche moderne, zeitgem\u00e4\u00dfe Formen braucht&#8220;, merkte etwa der evangelische Oberkirchenrat Florian Baier in seinem Vortrag an. Eine &#8222;praxisnahe, bewegliche Denkmalpflege, die nicht auf dogmatischen Grunds\u00e4tzen beharrt&#8220;, w\u00fcnschte sich Marinus Kohlhauf, Di\u00f6zesanbaumeister im Erzbistum M\u00fcnchen und Freising.<\/p>\n<p>Denkmalpflege hat Verfassungsrang<\/p>\n<p>In seinem Impuls betonte Mathias Pfeil, Generalkonservator am Bayerischen Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege, jedoch vor allem den &#8222;Verfassungs- und Gesetzesauftrag&#8220; der Denkmalpflege im Freistaat. &#8222;Wir m\u00fcssen Geb\u00e4ude auf die Denkmalliste nehmen, wenn sie die Kriterien erf\u00fcllen&#8220;, erkl\u00e4rte er. Dass die Akzeptanz daf\u00fcr gerade bei Betonbauten der 1960er Jahre gering ist, k\u00f6nne er nachvollziehen: &#8222;Als Architekturstudent habe ich selbst gedacht: Wow, wie h\u00e4sslich. Jetzt schreib ich&#8217;s auf die Liste.&#8220; Es brauche einfach eine gewisse Zeit, um die architektonische Qualit\u00e4t eines Geb\u00e4udes zu erkennen.<\/p>\n<p>Doch was erstmal gesch\u00fctzt ist, kann baulich nicht mehr so leicht ver\u00e4ndert werden. Der Denkmalpflege sei bewusst, so Pfeil, dass das k\u00fcnftige \u00dcberangebot an Kirchen und Kl\u00f6stern &#8222;inhaltlich und wirtschaftlich sinnvolle Nutzungskonzepte&#8220; brauche. Allerdings k\u00f6nne man den Schutzauftrag f\u00fcr Kirchengeb\u00e4ude und -ausstattung nicht au\u00dfer Acht lassen. Um bei diesen Fragen weiterzukommen, seien deshalb &#8222;gemeinsame Leitlinien f\u00fcr Kirchenumnutzung, rechtliche Anpassungen, die Mut belohnen, und die Denkmalpflege als Partner, nicht als Bremse&#8220; n\u00f6tig, sagte der Generalkonservator. F\u00fcr den n\u00f6tigen Austausch soll jetzt eine vom Kunstministerium installierte Arbeitsgruppe &#8222;Kirchen&#8220; sorgen, die k\u00fcnftig alle zwei Monate tagt.<\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.evangelisch.de\/inhalte\/253680\/15-03-2026\/marienkirche-gransee-bekommt-geld-vom-bund\" title=\"Marienkirche in Gransee bekommt Geld vom Bund\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static99.evangelisch.de\/get\/?daid=00010001WtObn-hjOLNGWJeO_ngn0tOTdTuu4P596tXaYJMk6krx000000422751&amp;dfid=i-202\"\/><br \/>\n                <\/a><\/p>\n<p>Klar ist, dass weder katholische noch evangelische Gemeinden in den n\u00e4chsten zehn Jahren am Immobilienthema vorbeikommen. F\u00fcr die n\u00f6tigen Beteiligungsprozesse braucht es einen langen Atem: &#8222;Geb\u00e4udeplanung ist ein Marathon, kein Sprint&#8220;, sagte Tagungsteilnehmer Stefan Neukamm, seit \u00fcber 20 Jahren Chef der kirchlichen Immobilien im Dekanat M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Doch gerade deshalb ist auch in scheinbar verfahrenen Situationen nichts verloren: Das Kulturzentrum im Hasenbergl, so ist beim Tagungs-Ortstermin zu h\u00f6ren, platzt aus allen N\u00e4hten &#8211; vielleicht ein m\u00f6glicher Nutzer f\u00fcr die Diakoniekirche? In St. Mauritius, wo das Wasser von der Decke tropft, ist die Verwaltungsleiterin zuversichtlich, dass sich in absehbarer Zeit Partner f\u00fcr das marode Gotteshaus finden. Und in der Auferstehungskirche stehen die Aktiven mit dem Kochformat &#8222;meet and eat&#8220; und der Jazz-Reihe &#8222;Westend Vibes&#8220; l\u00e4ngst in den Startl\u00f6chern f\u00fcr eine pulsierende Stadtteilkirche &#8211; wenn Denkmalpflege und Geldgeber mitspielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zu viele Kirchen f\u00fcr zu wenige Christen: Vor dieser Situation stehen auch die bayerischen Katholiken und Protestanten. 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