{"id":12937,"date":"2026-05-02T07:18:25","date_gmt":"2026-05-02T07:18:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12937\/"},"modified":"2026-05-02T07:18:25","modified_gmt":"2026-05-02T07:18:25","slug":"marathon-talente-aus-kenia-wie-schuhe-den-laufsport-spalten-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/12937\/","title":{"rendered":"Marathon-Talente aus Kenia: Wie Schuhe den Laufsport spalten"},"content":{"rendered":"<p>Die Laufbahn auf dem Campus der Moi-Universit\u00e4t in Eldoret sieht nicht so aus, als sei sie f\u00fcr Champions gebaut worden. Ihr Belag ist eine Mischung aus Lehm und Kies, und sie ist zehn Meter l\u00e4nger als die normale 400-Meter-Strecke. Die L\u00e4ufer:innen nutzen St\u00fchle aus dem Klassenzimmer, um Start und Ziel zu markieren. Doch Eldoret, eine Stadt mit mehreren Hunderttausend Einwohnern, gilt als Kenias inoffizielle Hauptstadt des Laufsports. Ein guter Ort also, um Athleten zu entdecken, die Kenia zu einer Weltmacht des Langstreckenlaufs machen.<\/p>\n<p>An einem Januarmorgen haben sich hier fast hundert Trainierende, darunter Olympiamedaillengewinner:innen und Sieger:innen gro\u00dfer Marathons, zum \u201eSpeedwork\u201c versammelt: hochintensive Intervalle, die die besten L\u00e4ufer:innen m\u00fchelos absolvieren. Die Strecke war so voll mit Talenten, dass man den Mann der Stunde, einen schlaksigen L\u00e4ufer in einem t\u00fcrkisfarbenen Hemd und dick besohlten Nike-Schuhen, leicht \u00fcbersehen konnte. In nur etwas mehr als einem Jahr hatte sich Kelvin Kiptum von einem fast Unbekannten zu einem weltweiten Ph\u00e4nomen entwickelt. Er lief drei der sieben schnellsten Marathons der Geschichte und stellte im Oktober 2023 in Chicago mit 2:00:35 Stunden den offiziellen Weltrekord der M\u00e4nner auf. Drei Monate sp\u00e4ter wollte er in Rotterdam etwas einst Undenkbares versuchen: die 42,195 Kilometer in weniger als zwei Stunden bew\u00e4ltigen. <a href=\"https:\/\/www.sportschau.de\/leichtathletik\/kenianer-sawe-bricht-zwei-stunden-schallmauer,marathon-weltrekord-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Doch genau das gelang dem Kenianer Sabastian Sawe am 26. April 2026 beim Marathon in London.<\/a> Mit einer Zeit von 1:59:30 Stunden lief er ins Ziel \u2013 und hielt sp\u00e4ter seinen Schuh in die Luft. Das zeigt, welche Schl\u00fcsselrolle die Schuhe bei dem Wettkampf haben.<\/p>\n<p>Dieser Text ist zuerst in der Ausgabe 7\/2024 von MIT Technology Review erschienen. Aufgrund der Weltrekord-Zeit von Sabastian Sawe im April 2026 ver\u00f6ffentlichen wir die gro\u00dfe Reportage an dieser Stelle erneut, aber mit dem Einschub zu Sawes Leistung. <a href=\"https:\/\/shop.t3n.de\/collections\/mit-technology-review\/products\/mit-technology-review-07-2024\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hier k\u00f6nnt ihr die TR 7\/2024 bestellen<\/a>.<\/p>\n<p>\n                Ein Paradigmenwechsel im Laufsport: durch diese Schuhe\n            <\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu Kiptums Entwicklung im Jahr 2023: Obwohl die Fans vor Kiptums Triumph in Chicago in Ehrfurcht erstarrten, feierten nicht alle die Schuhe, die ihn zum Sieg getrieben hatten: Die Vaporflys von Nike wurden 2016 auf den Markt gebracht und f\u00fchrten einen Paradigmenwechsel herbei. Sie halfen den Athletinnen und Athleten, effizienter und damit schneller zu laufen. Seitdem muss sich die Laufelite aber auch mit den Folgen der Hightech-Schuhe f\u00fcr ihren Sport auseinandersetzen. Manche sehen sie als Zeichen des Fortschritts: Neue Rekordzeiten sorgen f\u00fcr Aufmerksamkeit f\u00fcr einen Sport, der in vielen Teilen der Welt keine gro\u00dfe Anh\u00e4ngerschaft hat. Und wie Spitzensportlerinnen und -sportler sowie Coaches in Kenia immer wieder \u00e4u\u00dfern, haben die Schuhe nicht nur im Wettkampf Vorteile: Vor allem tragen sie dazu bei, den Verschlei\u00df des K\u00f6rpers zu minimieren und eine schnellere Erholung zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>\u201eIn den alten Schuhen war man nach zehn Marathons v\u00f6llig ersch\u00f6pft. Jetzt sind zehn Marathons wie nichts.\u201c<\/p>\n<p>Dennoch argumentieren einige, dass die Superschuhe den Sport zu schnell ver\u00e4ndert h\u00e4tten. Es sei nicht nur schwierig geworden, neue Rekorde fair mit alten zu vergleichen; der st\u00e4ndige Strom an Schuh-Innovationen hat auch zu endlosen Spekulationen dar\u00fcber gef\u00fchrt, welche Markenschuhe die besten sind. Kritiker sagen, dass die Ausr\u00fcstung zu stark gegen\u00fcber den F\u00e4higkeiten der L\u00e4ufer in den Vordergrund r\u00fcckt. Laboruntersuchungen legen zudem nahe, dass manche L\u00e4ufer \u2013 je nach ihrer Biomechanik \u2013 einen gr\u00f6\u00dferen Nutzen aus der Technologie ziehen als andere. Es sei praktisch unm\u00f6glich, \u201edie Leistungen verschiedener Athleten zu bewerten \u2013 unabh\u00e4ngig von Zweifeln, was die Schuhe am Ende bewirken\u201c, sagt etwa der s\u00fcdafrikanische Sportwissenschaftler Ross Tucker, ein ausgesprochener Kritiker der Superschuhe.<\/p>\n<p class=\"c-card__headline\">\n                Empfohlene redaktionelle Inhalte\n            <\/p>\n<p>            Hier findest du externe Inhalte von TargetVideo GmbH,<br \/>\n            die unser redaktionelles Angebot auf t3n.de erg\u00e4nzen.<br \/>\n            Mit dem Klick auf &#8222;Inhalte anzeigen&#8220; erkl\u00e4rst du dich einverstanden,<br \/>\n            dass wir dir jetzt und in Zukunft Inhalte von TargetVideo GmbH auf unseren Seiten anzeigen d\u00fcrfen.<br \/>\n            Dabei k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Plattformen von Drittanbietern \u00fcbermittelt werden.<br \/>\n            <br \/>\n            Inhalte anzeigen<\/p>\n<p class=\"u-text-small\">\n                <a href=\"https:\/\/t3n.de\/datenschutz\/\" target=\"_blank\" title=\"Die externe Seite im neuen Tab\/Fenster \u00f6ffnen\" rel=\"noopener nofollow\"><br \/>\n                    Hinweis zum Datenschutz<br \/>\n                <\/a>\n            <\/p>\n<p class=\"c-card__headline\">\n                Leider ist etwas schief gelaufen&#8230;\n            <\/p>\n<p>            An dieser Stelle findest du normalerweise externe Inhalte von TargetVideo GmbH,<br \/>\n            jedoch konnten wir deine Consent-Einstellungen nicht abrufen.<br \/>\n            Lade die Seite neu oder passe deine Consent-Einstellungen manuell an.<\/p>\n<p>                Datenschutzeinstellungen verwalten<\/p>\n<p>\u201eSuperschuhe\u201c von verschiedenen Marken<\/p>\n<p>Der Vaporfly von Nike war nur der Anfang. Heute bieten die meisten gro\u00dfen Marken mehrere Versionen solcher \u201eSuperschuhe\u201c an. Sie verbinden einen leichten, r\u00fcckfedernden Schaumstoff mit einer Karbonfaserplatte f\u00fcr mehr Steifigkeit. \u201eSuperspikes\u201c mit einem \u00e4hnlichen Konzept sind inzwischen auch auf Laufbahnen weit verbreitet. Die Leistungen haben sich entsprechend ver\u00e4ndert. Nach Angaben des Welt-Leichtathletik-Verbandes haben L\u00e4ufer mit \u201efortschrittlicher Schuhtechnologie\u201c seit 2020 alle Stra\u00dfen- und Freiluft-Weltrekorde von 5000 Metern bis zum Marathon gebrochen \u2013 eine einzigartige H\u00e4ufung in der modernen Geschichte des Sports.<\/p>\n<p>Einen inoffiziellen Marathon im Jahr 2019 schaffte der Kenianer Eliud Kipchoge in erstaunlichen 1:59:40 Stunden. Im September 2023 unterbot die \u00c4thiopierin Tigst Assefa in Berlin den Weltrekord der Frauen um mehr als zwei Minuten und lief 2:11:53 in dem ultraleichten Adidas Adizero Adios Pro Evo 1 (von dem es inzwischen Nachfolger-Modelle bis zum Adios Pro 4 gibt) \u2013 einem Schuh, der nur einmal getragen werden kann. Kelvin Kiptum stellte mit den Alphaflys 3 von Nike im Oktober 2023 in Chicago den offiziellen Marathon-M\u00e4nnerweltrekord auf (der Alphafly 4 soll 2026 auf den Markt kommen). Uneingeweihte k\u00f6nnten denken, dass die wei\u00dfen Plateauschuhe, die an Mondstiefel erinnern, eher in eine Science-Fiction-Kulisse geh\u00f6ren als auf die Stra\u00dfen von Chicago.<\/p>\n<p>Wie viel von Kiptums Erfolg ist auf sein Talent, sein Training, seinen Willen und seine mentale St\u00e4rke zur\u00fcckzuf\u00fchren \u2013 und wie viel auf die Technologie von Nike? Das ist schwer zu sagen \u2013 und tragischerweise kann er sich nicht mehr selbst dazu \u00e4u\u00dfern. Einige Wochen, nachdem er in Eldoret an dem \u201eSpeedwork\u201c teilgenommen hatte, kamen er und sein Trainer Gervais Hakizimana bei einem Autounfall auf dem Weg zum Training ums Leben.<\/p>\n<p>\n                Besonders in Kenia spielt der Zugang zu Laufschuhen eine entscheidende Rolle\n            <\/p>\n<p>Schuhe waren das Letzte, woran die kenianische Laufgemeinschaft nach Kiptums Tod dachte. Doch der spektakul\u00e4re Aufstieg des L\u00e4ufers zeigt ihre Bedeutung. Obwohl die Revolution der Schuhtechnologie den Sport auf der ganzen Welt beeinflusst, waren ihre Auswirkungen nur an wenigen Orten so drastisch wie in Kenia, wo Laufen nicht nur ein Sport, sondern auch ein Weg aus der Armut ist. In diesem Sinne sind die neuen Hightech-Schuhe nur zum Teil ein Segen: F\u00fcr etablierte L\u00e4uferinnen und L\u00e4ufer mit Firmensponsoring sind sie ein Anschub, f\u00fcr diejenigen, die noch auf ihren gro\u00dfen Durchbruch warten, ein Hindernis. Selbst die billigsten Modelle kosten weit \u00fcber 100 US-Dollar \u2013 keine geringe Summe f\u00fcr junge Menschen aus benachteiligten Verh\u00e4ltnissen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1661129\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/649938_-620x458.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"458\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Der Adidas Adizero Adios Pro Evo 1 ist nur f\u00fcr einen einmaligen Gebrauch ausgelegt. Der aktuelle Marathon-Sieger Sabastian Sawe, der den Wettlauf in London erstmals unter zwei Stunden zur\u00fccklegte, trug die Weiterentwicklung: Adizero Adios Pro Evo 3. (Foto: Adidas)<\/p>\n<p>Das wichtigste gemeinsame Merkmal sind die (oft von den Herstellern selbst entwickelten) Schaumstoffe f\u00fcr die Sohlen. Diese absorbieren den Aufprall des Fu\u00dfes und geben die Energie an den L\u00e4ufer zur\u00fcck. Einige nutzen dazu auch andere Methoden, wie etwa die orangefarbene Luftkammer im Nike Alphafly 3. Sprungkraft allein bringt allerdings keinen gro\u00dfen Vorteil. Die heutigen Schaumstoffe sind so weich und so dick (der Verband World Athletics erlaubt bei Wettk\u00e4mpfen bis zu 40 Millimeter), dass sie die F\u00fc\u00dfe ohne zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung sehr instabil machen w\u00fcrden. Deshalb f\u00fcgen die Hersteller starre Komponenten wie Kohlefaserplatten oder -st\u00e4be hinzu, die in der Regel zwischen Schaumstoffschichten eingebettet sind. Diese Teile werden mit hauchd\u00fcnnen Mesh-Obermaterialien kombiniert, um immer leichtere Schuhe zu schaffen: Der Einmalschuh Adidas Adizero Adios Pro Evo 1, der 2023 auf den Markt kam, wiegt beispielsweise nur 138 Gramm (in Gr\u00f6\u00dfe 42\u2009\u2154). Damit reduziert er die Energie f\u00fcr jeden Schritt. Die Weiterentwicklung Evo 3 unterschritt erstmals mit 97 Gramm sogar die 100-Gramm-Marke. Der Nike Vaporfly war der erste Schuh, der r\u00fcckfedernden Schaumstoff mit einer Karbonfaserplatte kombinierte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1661130\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/nike_vaporfly3_3_-620x349.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"349\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Der Nike Vaporfly 2017 kombinierte erstmals r\u00fcckfedernden Schaumstoff mit einer Karbonfaserplatte.<br \/>(Foto: Nike)<\/p>\n<p>Drei physiologische Faktoren bestimmen den Erfolg auf der Langstrecke: erstens die maximal aufnehmbare Sauerstoffmenge (VO2max). Sie ist vergleichbar mit der H\u00f6chstleistung eines Motors. Zweitens die Laktatschwelle. Das ist der Punkt, an dem sich Milchs\u00e4ure im Blut schneller ansammelt, als der K\u00f6rper sie abbauen kann. Davon h\u00e4ngt ab, wie nahe man an die VO2max heranlaufen kann, ohne zu ersch\u00f6pfen. Drittens die Lauf\u00f6konomie. Sie entspricht dem Spritverbrauch bei einem Auto. Hier kommt das Schuhwerk ins Spiel: Ein geringes Gewicht, r\u00fcckfedernder Schaumstoff und stabilisierende Platten k\u00f6nnen Energieverbrauch und die Muskelanstrengung verringern.<\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p>${content}<\/p>\n<p>\n                        ${custom_anzeige-badge}<br \/>\n                        ${custom_tr-badge}<br \/>\n                        ${section}\n                    <\/p>\n<p>                    <a class=\"c-crosslinks-title\" href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/marathon-kenia-schuhe-laufsport-1661119\/${url}\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">${title}<\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/marathon-kenia-schuhe-laufsport-1661119\/${url}\" class=\"c-crosslinks-image\" title=\"${title}\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                        <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/t3n.de\/news\/marathon-kenia-schuhe-laufsport-1661119\/${image}\" width=\"88\" height=\"88\"\/><\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/marathon-kenia-schuhe-laufsport-1661119\/${url}\" class=\"c-crosslinks-image\" title=\"${title}\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                        <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/t3n.de\/news\/marathon-kenia-schuhe-laufsport-1661119\/${image}\" width=\"88\" height=\"88\"\/><\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>\n                Laufschuhe in den 1970er-Jahren\n            <\/p>\n<p>Die Kunst f\u00fcr die Schuhhersteller besteht darin, diese Eigenschaften zu optimieren \u2013 und \u00fcber weite Strecken der Geschichte des Wettkampfsports waren sie darin nicht besonders gut. Noch bis in die 1970er-Jahre besa\u00dfen Rennschuhe klobige Gummisohlen und steife Oberteile aus Leder oder Segeltuch \u2013 nicht viel anders als 1908 beim ersten olympischen Marathonlauf. Als 1975 der erste Schuh mit einer Zwischensohle aus dem luftgef\u00fcllten Schaumstoff Ethylenvinylacetat (EVA) auf den Markt kam, l\u00e4utete dies eine neue Generation von besser federnden Schuhen ein. Bis auf wenige Ausnahmen konzentrierten sich die Innovationen der n\u00e4chsten vier Jahrzehnte darauf, EVA-Schuhe so leicht wie m\u00f6glich zu machen.<\/p>\n<p>Das \u00e4nderte sich mit dem Vaporfly. Nach seinem Marktauftritt konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf seine gebogene Kohlefaserplatte, von der viele vermuteten, dass sie wie eine Feder funktionierte. Die Forschung hat das widerlegt: Die Platte k\u00f6nne zwar eine gewisse energiesparende Steifigkeit hinzuf\u00fcgen, sagt Wouter Hoogkamer, Professor f\u00fcr Kinesiologie an der University of Massachusetts in Amherst. Aber ihr Hauptnutzen scheine darin zu liegen, dass sie die wichtigste Komponente der Technologie stabilisiere: das dicke Zwischensohlenmaterial aus gesch\u00e4umtem Polyetherblockamid (PEBA). Dieser Schaumstoff ist nicht nur leicht; Tests im Jahr 2017 in Hoogkamers Labor ergaben, dass ein Vaporfly-Prototyp deutlich mehr Energie zur\u00fcckgab als die damals f\u00fchrenden Marathonschuhe: der Nike Streak mit EVA-Sohle und der Adidas Boost mit thermoplastischem Polyurethan.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1661137\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/air_pod_rg119l_sp24_alphafly3_ta_swanson_proto_detail_3563-620x765.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"765\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Die beiden Zoom-Air-Zonen des Nike Vaporfly 3 sollen mit der Stra\u00dfe wechselwirken und den Laufenden einen Teil der eingebrachten Energie zur\u00fcckgeben \u2013 f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt.<br \/>(Foto: Nike)<\/p>\n<p>Hoogkamers Team rekrutierte au\u00dferdem 18 Hochleistungssportler:innen und verfolgte ihren Energieverbrauch, gemessen in Watt pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht, w\u00e4hrend sie in allen drei Schuhen f\u00fcnf Minuten lang auf einem Laufband mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten liefen. Es fand heraus, dass der Vaporfly die Lauf\u00f6konomie um durchschnittlich vier Prozent verbesserte \u2013 unter anderem dadurch, dass bei jedem Schritt eine gr\u00f6\u00dfere Strecke zur\u00fcckgelegt wurde. Neuere Studien zeigen einen etwas geringeren Vorsprung des Vaporfly. Vorl\u00e4ufige Daten einer Studie der Brigham Young University, bei der Testpersonen eine Stunde lang liefen, deuten jedoch darauf hin, dass der Vorteil von Superschuhen mit der Renndauer zunimmt, weil weichere Sch\u00e4ume die Muskelerm\u00fcdung verringern. \u201eEin L\u00e4ufer mit einer verbesserten Lauf\u00f6konomie von drei Prozent im Labor k\u00f6nnte am Ende eines Marathons bei vier oder f\u00fcnf Prozent liegen\u201c, sagt Iain Hunter, Professor f\u00fcr Biomechanik und Leiter der Studie.<\/p>\n<p>\n                Verschiedene Einflussfaktoren auf die Lauf\u00f6konomie\n            <\/p>\n<p>Die genaue Auswirkung der Lauf\u00f6konomie ist allerdings noch unklar. Statistische Modelle sagen voraus, dass eine um vier Prozent verbesserte Lauf\u00f6konomie die Marathonzeit um mehr als drei Minuten verbessern w\u00fcrde. Aber in Kenia glauben nur wenige Lauftalente, dass die Technologie so viel bringt. Viele verweisen darauf, dass sich nicht nur das Schuhwerk, sondern auch das Training weiterentwickelt hat. Und neue Sportgetr\u00e4nke erm\u00f6glichen es, w\u00e4hrend des Rennens mehr Kalorien aufzunehmen. Hinzu kommt die Gei\u00dfel des Dopings: Anfang Mai 2024 waren 81 kenianische Athlet:innen wegen Dopingverst\u00f6\u00dfen f\u00fcr internationale Wettbewerbe gesperrt. Weder Kipchoge noch Kiptum wurden allerdings jemals positiv getestet.<\/p>\n<p>Statistische Modelle sagen voraus, dass eine um vier Prozent verbesserte Lauf\u00f6konomie die Marathonzeit um mehr als drei Minuten verbessern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nach Kiptums Training im Januar sch\u00e4tzte sein Trainer Hakizimana, dass die Schuhe Kiptums Marathonzeit um eine Minute, vielleicht sogar etwas mehr, verbessert hatten. Die Technologie, so betonte er, sei nur ein Faktor unter vielen, die zu Kiptums schnellem Aufstieg beigetragen h\u00e4tten. Da war das harte Training, seine Art, in den Rennen mit so viel Selbstvertrauen \u201eanzugreifen\u201c, und der Stoizismus, mit dem er an den Laufsport heranging. Hinzu kam der Einfluss der Generationen vor ihm. Sie trugen dazu bei, ein Land mit unvergleichlichen Lauftalenten in die Heimat von Champions zu verwandeln.<\/p>\n<p>Zwar sind Kenias L\u00e4ufer:innen heute f\u00fcr ihre Dominanz im Marathon bekannt, doch zun\u00e4chst sorgte das Land in anderen Rennen f\u00fcr Aufsehen. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt gewann Kenia acht Medaillen \u2013 unter anderem Gold \u00fcber 1.500 und 10.000 Meter sowie 3.000 Meter Hindernislauf der M\u00e4nner. Auch in den folgenden zwei Jahrzehnten hielten sich die Lauftalente des Landes weitgehend vom Marathon fern: Laut Moses Tanui \u2013 einem Kenianer, der in den 1990er-Jahren zweimal den Boston-Marathon gewann \u2013 glaubten viele M\u00e4nner, das Rennen \u00fcber mehr als 40 Kilometer k\u00f6nne unfruchtbar machen. Steigende Preisgelder machten die l\u00e4ngere Distanz allerdings immer attraktiver. Heute kann der oder die Sieger:in eines gro\u00dfen Rennens wie in Boston mit mehreren Hunderttausend US-Dollar rechnen, die sich aus Startgeldern, Preisgeldern und Pr\u00e4mien von Schuhfirmen zusammensetzen. Im Mai 2024 waren laut World Athletics 28 der 50 schnellsten M\u00e4nner und 17 der 50 schnellsten Frauen der Veranstaltung aus Kenia.<\/p>\n<p>\n                Laufen oder faulenzen?\n            <\/p>\n<p>Der \u00fcberragende Erfolg Kenias ist auch eng mit dem Konzept der Lauf\u00f6konomie verbunden. Studien zur Stammesgemeinschaft der Kalenjin, die die meisten kenianischen Spitzensportler:innen hervorbringt, weisen auf dort h\u00e4ufige k\u00f6rperliche Eigenschaften hin, die einen energieeffizienten Gang beg\u00fcnstigen: d\u00fcnne Unterschenkel, lange Achillessehnen und ein gro\u00dfes Verh\u00e4ltnis von Beinl\u00e4nge zu Rumpf. Eine aktive Kindheit im Hochland ist wahrscheinlich auch eine Komponente ihres Erfolgs. Ihr Antrieb jedoch ist die Aussicht auf finanzielle Belohnungen. Denn es ist sehr schwierig, in Kenia einen gut bezahlten Job zu finden. \u201eWenn man nach der Highschool nicht weiter studiert, kann man entweder laufen oder faulenzen\u201c, sagt Brigid Kosgei, eine Kenianerin, die vor Assefa den Marathon-Weltrekord der Frauen hielt. \u201eAlso l\u00e4ufst du \u2013 du versuchst dein Bestes.\u201c<\/p>\n<p>Die Schuhtechnologie ist dabei enorm wichtig: Bei Spitzenwettbewerben geht es oft um Sekunden, um Pl\u00e4tze im Wert von Zehntausenden US-Dollar, um neue H\u00e4user f\u00fcr die Eltern und Schulgeb\u00fchren f\u00fcr die Kinder. Nachdem Nike den Vaporfly auf den Markt gebracht hatte, hatten L\u00e4ufer, die von anderen Unternehmen gesponsert wurden, zun\u00e4chst schlechte Karten. Sie durften aus Vertragsgr\u00fcnden keine Produkte der Konkurrenz verwenden. Das hatte auch eine psychologische Komponente: Cybrian Kotut, ein von Adidas gesponserter L\u00e4ufer, der Marathons in Paris und Hamburg gewonnen hat, erinnert sich, dass er sich in der Mitte des Rennens neben den von Nike gesponserten Konkurrenten desillusioniert f\u00fchlte. Einige versuchten, die Vertragsauflagen zu umgehen. Ein Schuster in \u00c4thiopien erlangte Ber\u00fchmtheit f\u00fcr seine F\u00e4higkeit, Vaporfly-Sohlen an Adidas-Schuhen zu befestigen. So half er manchen Adidas-L\u00e4ufern, die Nike-Technologie heimlich zu nutzen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1661141\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/25b-620x620.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"620\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Coach Claudio Berardelli sch\u00e4tzt, dass seine L\u00e4ufer:innen mindestens 60 Prozent ihrer Kilometer mit Superschuhen laufen. (Foto: Patrick Meinhardt)<\/p>\n<p>\n                Entlastung f\u00fcr die Beine\n            <\/p>\n<p>Heute ist das Schuhangebot f\u00fcr die Profi-L\u00e4ufer:innen ausgeglichener. Im 2 Running Club, einem von Adidas gesponserten Camp inmitten h\u00fcgeliger Teefelder s\u00fcdlich von Eldoret, geben mir Kotut und seine Teamkollegen einen Einblick in ihr Adizero-Karbonfaser-Angebot. Da gibt es den ultragepolsterten Prime X f\u00fcr lange Einheiten auf dem Asphalt, den kompakteren Takumi Sen f\u00fcr Schnelligkeitstraining und ein Paar federleichte schwarz-wei\u00dfe Evos, mit denen Kotut 2023 in Amsterdam eine pers\u00f6nliche Bestzeit von 2:04:34 gelaufen ist.<\/p>\n<p>Claudio Berardelli, der italienische Trainer der Gruppe, der auch Sabastian Sawe coacht, sch\u00e4tzt, dass sein Team mindestens 60 Prozent der Laufleistung in Superschuhen zur\u00fccklegt. F\u00fcr die meisten sind sie im Training genauso wichtig wie im Rennen. Dabei erm\u00f6glichten sie nicht nur ein schnelleres Training, sagt Benson Kipruto, ein Clubmitglied, das im M\u00e4rz 2024 den Tokio-Marathon gewann und im Herbst 2023 in Chicago Zweiter hinter Kiptum wurde. Die weicheren Schaumstoffe f\u00f6rderten auch eine schnellere Erholung, sodass selbst am Tag nach einem harten Training \u201edie Beine ein bisschen frisch sind\u201c.<\/p>\n<p>David Kirui, ein Physiotherapeut, der schon viele kenianische Marathontalente behandelt hat, sch\u00e4tzt, dass \u00fcberlastungsbedingte Verletzungen wie Stressfrakturen, Achillessehnenentz\u00fcndungen und das Iliotibialband-Syndrom um mindestens 25 Prozent zur\u00fcckgegangen sind. Mehrere L\u00e4ufer:innen berichten, dass die Schuhe dazu beigetragen haben, ihre Karriere zu verl\u00e4ngern. \u201eIn den alten Schuhen war man nach zehn Marathons v\u00f6llig ersch\u00f6pft\u201c, sagt Jonathan Maiyo, der seit 2007 in der Eliteklasse des Stra\u00dfenlaufs unterwegs ist. \u201eJetzt sind zehn Marathons wie nichts.\u201c<\/p>\n<p>L\u00e4ufer:innen wie die aus Berardellis Gruppe geh\u00f6ren zu den wenigen Auserw\u00e4hlten. Die meisten, die in Kenia trainieren, haben noch nie Geld mit dem Sport verdient. Nur wenige k\u00f6nnen sich eigene Superschuhe leisten. In Iten, einer kleinen Stadt n\u00f6rdlich von Eldoret, die sich an den Rand des Steilhangs des Rift Valley schmiegt, lebt Daisy Kandie. Die 23-J\u00e4hrige ist nach der Highschool hierhergezogen und z\u00e4hlt zu den Hunderten angehender Profis, die sich jeden Morgen auf den Lehmstra\u00dfen der Stadt abm\u00fchen.<\/p>\n<p>Ihr Ziel ist dasselbe wie das der meisten: von einem Agenten oder einer Agentin, meistens aus dem Ausland, entdeckt zu werden. Die besorgen ihr dann Ausr\u00fcstung, organisieren Rennen au\u00dferhalb des Landes und handeln vielleicht sogar einen Vertrag mit einer Schuhfirma aus. Kandie hat mehr Gl\u00fcck als die meisten anderen hier: Ihre Eltern unterst\u00fctzen sie und haben sogar ein St\u00fcck Ackerland verkauft, um ihr ein Paar neongr\u00fcn-rosa Nike Alphaflys kaufen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1661146\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/29b-620x620.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"620\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Daisy Kandie l\u00e4uft mit Alphaflys, die 180 Dollar kosteten \u2013 ungef\u00e4hr so viel, wie sie f\u00fcr die Miete eines kleinen Zimmers am Stadtrand von Iten bezahlt.<br \/>(Fotos: Patrick Meinhardt)<\/p>\n<p>Die Schuhe waren in Iten billiger \u2013 etwa 180 Dollar \u2013 als sie in den USA gewesen w\u00e4ren. Es ist ein offenes Geheimnis, dass einige L\u00e4ufer:innen mit Sponsorenvertr\u00e4gen die Schuhe, die sie umsonst bekommen, an \u00f6rtliche Gesch\u00e4fte verkaufen, die sie dann zu einem Preis unter dem Marktpreis weiterverkaufen. Gleichwohl muss Kandie ungef\u00e4hr den gleichen Betrag f\u00fcr die Jahresmiete ihres kleinen Zimmers am Stadtrand zahlen. Doch die teuren Schuhe, die sie in Anlehnung an die Idee eines Marathons unter zwei Stunden als ihre \u201eSub-2\u201c bezeichnet, motivierten sie, sagt die L\u00e4uferin. Die Sohlen der Schuhe sind schon stark abgenutzt; einen Plan f\u00fcr Ersatz hat sie nicht. \u201eBis dahin bin ich weg\u201c, sagte sie und hofft auf Geld aus einem Rennen au\u00dferhalb Kenias.<\/p>\n<p>\n                Unterschiedliche Effekte \u2013 auch bei den gleichen Schuhen\n            <\/p>\n<p>Die Superschuh-Technologie ist vor allem wegen der Verzerrung der Ergebnisse umstritten \u2013 und das nicht nur, weil ein teurer Schuh grunds\u00e4tzlich Vorteile verschaffen kann. Selbst wenn alle in einem Wettbewerb in den gleichen Schuhen liefen, k\u00f6nnen sich diese sehr unterschiedlich auswirken. Hoogkamers Studie zum Vaporfly ergab, dass die Schuhe die Lauf\u00f6konomie im Durchschnitt zwischen zwei und sechs Prozent verbesserten. Untersuchungen mit anderen Superschuhen lieferten eine \u00e4hnliche Bandbreite. Einer Studie von mit Adidas verbundenen Forschenden aus dem Jahr 2023 zufolge, bei der sieben kenianische Elitesportler in drei Karbonfaser-Prototypen und einem herk\u00f6mmlichen flachen Rennschuh getestet wurden, verbraucht ein L\u00e4ufer oder eine L\u00e4uferin in einem Schuh elf Prozent weniger, in einem anderen Schuh elf Prozent mehr Energie. Forschende sind sich einig, dass einzelne Athletinnen und Athleten auf bestimmte Schuhe besser \u201eansprechen\u201c als auf andere. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind nicht ganz klar: Hoogkamer sch\u00e4tzt, dass m\u00f6glicherweise 20 Variablen eine Rolle spielen, darunter Gewicht, Fu\u00dfl\u00e4nge, Wadenmuskelst\u00e4rke und die Frage, ob der Laufende den Boden mit dem Vorfu\u00df, dem Mittelfu\u00df oder der Ferse ber\u00fchrt. Auch die Geometrie des Schuhs spielt eine Rolle. Abdi Nageeye, ein niederl\u00e4ndischer Marathonl\u00e4ufer, sagt, dass er mit den ersten beiden Versionen des Alphafly von Nike Probleme hatte. Als 120 Pfund schwerer Fersenl\u00e4ufer zwang er ihn, auf eine Art und Weise zu springen, die sich unnat\u00fcrlich anf\u00fchlte. Das Alphafly-Modell 3, das eine gr\u00f6\u00dfere Abnahme der \u201eStack-H\u00f6he\u201c \u2013 der Schaumstoffdicke \u2013 von der Ferse bis zu den Zehen aufweist, habe eine viel bessere Passform, sagt er.<\/p>\n<p>Ein L\u00e4ufer verbraucht in einem Schuh elf Prozent weniger, in einem anderen Schuh elf Prozent mehr Energie.<\/p>\n<p>Was dies alles f\u00fcr die Integrit\u00e4t des Marathons bedeutet, ist ein hei\u00df diskutiertes Thema. Heutzutage unterziehen sich viele Profi-L\u00e4ufer:innen im Westen Stoffwechseltests auf dem Laufband, um festzustellen, welcher Schuh am besten funktioniert \u2013 und w\u00e4hlen danach das Unternehmen aus, bei dem sie unterschreiben. In Kenia l\u00e4sst der gr\u00f6\u00dfere Wettbewerb den Athletinnen und Athleten nur selten Verhandlungsspielraum. Zwar sagten die meisten Laufenden, mit denen ich gesprochen habe, dass ihnen das Modell ihres Sponsors gefalle. Aber es ist schwer zu sagen, ob es das absolut beste ist. Und selbst wenn das der Fall w\u00e4re: \u201eWenn jeder seinen idealen Schuh hat, gibt es dann immer noch Leute, die mehr davon profitieren als andere?\u201c, fragt Dustin Joubert, ein Experte f\u00fcr Superschuhe und Professor f\u00fcr Kinesiologie an der St. Edward\u2019s University in Austin, Texas. \u201eDie Antwort ist wahrscheinlich ja.\u201c<\/p>\n<p>Bei einem Marathon sei heute weniger denn je klar, ob der oder die Sieger:in am st\u00e4rksten laufe oder die kl\u00fcgste Renntaktik habe, sagt Berardelli. Und Stephen Cherono ist der Meinung, dass die Welt-Leichtathletik die Technologie h\u00e4tte st\u00e4rker einschr\u00e4nken sollen. Der Kenianer trat als Saif Saaeed Shaheen f\u00fcr Katar an und hielt seit 2004 den Weltrekord im 3000-Meter-Hindernislauf, bis dieser mithilfe von Superspikes im Jahr 2023 von dem \u00c4thiopier Lamecha Girma gebrochen wurde (und bis heute gilt). Er sei ein gro\u00dfer Fan der Formel 1, erz\u00e4hlt Cherono. Doch der Laufsport mit seinem Fokus auf Leistungstechniken \u00e4hnele diesem zu sehr. \u201eZu oft dreht sich das Gespr\u00e4ch nur noch um den Schuh und nicht mehr um den Menschen, der ihn tr\u00e4gt.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1661150\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ja24_supershoes_02_b-620x414.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"414\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Die Marathonl\u00e4ufer:innen in Eldoret trainieren am liebsten auf der lehmig-kieseligen Laufbahn der Moi-Universit\u00e4t. Nur wenn es regnet, wechseln sie in das Kipchoge-Keino-Stadion.<br \/>(Fotos: Patrick Meinhardt)<\/p>\n<p>\n                Unabh\u00e4ngig davon, was er an den F\u00fc\u00dfen hatte\n            <\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu Kiptum: Wenn sich Bef\u00fcrwortende und Kritisierende der Superschuhe auf eines einigen k\u00f6nnen, dann ist es, dass Kelvin Kiptum in einer ganz eigenen Liga agierte. Sein Vorsprung beim Sieg in Chicago 2023 \u2013 fast dreieinhalb Minuten \u2013 war so gro\u00df, dass einige scherzten, der zweitplatzierte Kipruto habe das Rennen f\u00fcr die Sterblichen gewonnen. Wie die meisten L\u00e4ufer:innen in Kenia wuchs auch Kiptum in einer Bauernfamilie auf, in der das Geld knapp war.<\/p>\n<p>Als er als Teenager mit dem Training begann, lief er oft barfu\u00df; gelegentlich gaben ihm Profis, mit denen er mitlief, Schuhe. Nach einer Ausbildung zum Elektriker begann Kiptum 2018, Vollzeit zu laufen; vier Jahre sp\u00e4ter lief er bei seinem Marathondeb\u00fct die drittschnellste Zeit der Geschichte. Untypischerweise lief er bei allen drei Marathons die zweite H\u00e4lfte schneller als die erste \u2013 vielleicht, weil der PEBA-Schaum von Nike seine Beine \u201egeschont\u201c hatte, vielleicht aber auch wegen seines \u00fcberdurchschnittlich harten Trainings.<\/p>\n<p>Auf den Tag genau einen Monat, nachdem ich Kiptum dabei beobachtet habe, wie er die Bahn in Eldoret umrundete, versammeln sich Hunderte auf einem Grundst\u00fcck, das er au\u00dferhalb der Stadt gekauft hatte, wo er nach Kalenjin-Tradition beerdigt wird. Unter den Zuschauenden befindet sich wieder das Who\u2019s who der Langstrecke. Diesmal tragen sie keine Laufkleidung, sondern Anz\u00fcge oder schwarze T-Shirts mit dem Konterfei des Rekordhalters.<\/p>\n<p>Sie trauern sowohl um einen Mann, der viel zu jung gestorben ist \u2013 Kiptums Alter wurde mit 24 Jahren angegeben, doch wahrscheinlich war er ein paar Jahre \u00e4lter \u2013, als auch um seine bemerkenswerte Leistung. Vor dem Lauf in Chicago hatte Kiptum mit einer Verletzung zu k\u00e4mpfen und war nach Angaben seines Trainingspartners Daniel Kemboi nicht einmal in Topform. Vor Rotterdam, sagt Kemboi, \u201ewar er so zuversichtlich\u201c. Nur wenige in Eldoret zweifelten daran, dass er die Zwei-Stunden-Marke knacken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Kiptum war ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Wettk\u00e4mpfer, unabh\u00e4ngig davon, was er an den F\u00fc\u00dfen hatte. Doch ohne die Superschuh-Technologie w\u00e4re die Aussicht auf einen Marathon unter zwei Stunden nie Teil seiner dramatischen Erfolgsgeschichte gewesen. In diesem Sinne haben die Schuhe seine Gr\u00f6\u00dfe nicht geschm\u00e4lert, wie Kritiker wie Cherono bef\u00fcrchteten. Vielmehr haben sie dazu beigetragen, seine Marke aufzubauen und sein Streben nach dem kenianischen Lauftraum zu beschleunigen, durch Sport ein besseres Leben zu erreichen. Tragischerweise endete Kiptums Weg schon, kurz nachdem er begonnen hatte. Aber jemand anderes wird in festen Schuhen mit federnden Sohlen kommen und seinen eigenen Weg einschlagen.<\/p>\n<p>Dieser Artikel stammt von Jonathan W. Rosen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Afrika-Berichterstattung.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"vgWortPixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/83b5c1b7917f4b2d98db61a56dd32cd6.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Top-Artikel<\/p>\n<p>        ${content}<\/p>\n<p>\n                    ${custom_anzeige-badge}<br \/>\n                    ${custom_tr-badge}<br \/>\n                    ${section}\n                <\/p>\n<p>                <a class=\"c-suggestNews-title\" href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/marathon-kenia-schuhe-laufsport-1661119\/${url}\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">${title}<\/a><\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/marathon-kenia-schuhe-laufsport-1661119\/${url}\" class=\"c-suggestNews-image\" title=\"${title}\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/t3n.de\/news\/marathon-kenia-schuhe-laufsport-1661119\/${image}\" width=\"88\" height=\"88\"\/><\/p>\n<p>            <\/a><\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/marathon-kenia-schuhe-laufsport-1661119\/${url}\" class=\"c-suggestNews-image\" title=\"${title}\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/t3n.de\/news\/marathon-kenia-schuhe-laufsport-1661119\/${image}\" width=\"88\" height=\"88\"\/><\/p>\n<p>            <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Laufbahn auf dem Campus der Moi-Universit\u00e4t in Eldoret sieht nicht so aus, als sei sie f\u00fcr Champions&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12450,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[118,119],"class_list":{"0":"post-12937","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kenia","8":"tag-kenia","9":"tag-kenya"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116503767155221403","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12937","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12937"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12937\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12450"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12937"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12937"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12937"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}