{"id":13027,"date":"2026-05-02T14:31:29","date_gmt":"2026-05-02T14:31:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13027\/"},"modified":"2026-05-02T14:31:29","modified_gmt":"2026-05-02T14:31:29","slug":"niger-abgeschoben-und-ausgesetzt-in-der-wueste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13027\/","title":{"rendered":"Niger: Abgeschoben und ausgesetzt in der W\u00fcste"},"content":{"rendered":"<p>      Zur\u00fcck in Assamka: Auf der Durchreise gen Norden<\/p>\n<p>Assamaka ist ein lebensfeindlicher Ort. Er ist von D\u00fcnen umgeben und bietet nahezu keinen Schutz gegen die Hitze. Um einen urspr\u00fcnglich kleinen Grenz\u00fcbergang haben sich im Laufe der Zeit etwa 2.000 Einwohner*innen angesiedelt und das Dorf Assamaka gebildet. Es gibt einige Familienh\u00e4user und ein paar vereinzelte B\u00e4ume. Obwohl es kein flie\u00dfendes Wasser gibt, haben in Assamaka einige G\u00e4steh\u00e4user und Pensionen f\u00fcr Menschen auf der Durchreise ge\u00f6ffnet. Zu jedem Zeitpunkt Und man sieht man in dem Dorf Hunderte, manchmal Tausende Gefl\u00fcchtete und Migrant*innen, die auf eine M\u00f6glichkeit zur Weiterreise warten.<\/p>\n<p>Sie befinden sich \u2013 bildlich gesprochen \u2013 in einem dunklen Tunnel. Sie kennen zwar nicht den Ausgang, aber sie wissen, woher sie kommen und welche Qualen sie durchlebt haben. Zur\u00fcck wollen nur die wenigsten.\u201c<br \/>&#8211; Dr. Doudou Sagna, medizinsicher Leiter und Gyn\u00e4kologe<\/p>\n<p>Image<\/p>\n<p>                          <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/niger-flucht-assamkapng.png\" width=\"1890\" height=\"1417\" alt=\"Menschen suchen Schutz im Schatten von Mauern\" title=\"Menschen suchen Schutz im Schatten von Mauern in Assamaka, Niger\"\/><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2023 strandeten Tausende Migrant*innen in Assamaka &#8211; aus Algerien abgeschoben und schutzlos in der W\u00fcste im Norden Nigers ausgesetzt.<\/p>\n<p>                  \u00a9 MSF<\/p>\n<p>Sie suchen Schutz im Schatten von H\u00e4userw\u00e4nden oder unter den B\u00e4umen. Sie sind aus dem Dorfbild nicht mehr wegzudenken und zu jeder Zeit sehr sichtbar. Einige Frauen, Kinder und M\u00e4nner sind gerade angekommen, andere wurden aus Algerien zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und warten auf die n\u00e4chste Mitfahrgelegenheit \u2013 versteckt auf der Ladefl\u00e4che eines Gel\u00e4ndewagens oder zwischen all den Waren im Inneren eines Lastwagens. Oder aber sie warten darauf, dass ihnen jemand Geld schickt. In Assamaka selbst gibt es kaum M\u00f6glichkeiten, eigenes Geld zu verdienen.<\/p>\n<p>Wieviel kostet eine Flucht?<\/p>\n<p>F\u00fcr jeden Abschnitt auf den Flucht- und Migrationsrouten braucht es Geld. Der n\u00e4chste Abschnitt beinhaltet den Grenz\u00fcbertritt sowie die Fahrt in die 30 Kilometer entfernte algerische Kleinstadt Inguizam. Allein dieser Abschnitt kostet rund 15.000 Westafrikanische Francs. Zum Vergleich: ein halber Liter Wasser kostet 25 Francs.<\/p>\n<p>Es gibt die M\u00f6glichkeit, in den 200 Kilometer entfernten inoffiziellen Gold-Minen von Arlit zu arbeiten \u2013 eine k\u00f6rperlich anstrengende Arbeit und vor allem M\u00e4nnern ohne Kinder vorbehalten. Sobald genug Geld verdient wurde, versuchen einige von ihnen direkt von Arlit aus \u00fcber einen der zahlreichen Schleichwege die W\u00fcste nach Algerien zu durchqueren. Der Preis: 60.000 Francs.<\/p>\n<p>Frauen sind zus\u00e4tzlichen Risiken ausgesetzt<\/p>\n<p>\u00dcber die Gold-Minen hinaus sind die Erwerbsm\u00f6glichkeiten sehr begrenzt. Es ist einer der Gr\u00fcnde, warum vor allem Frauen sehr gef\u00e4hrdet sind, sexuell ausgebeutet zu werden. Oft haben sie keine Papiere bei sich und k\u00f6nnen keinerlei Rechte f\u00fcr sich geltend machen. Nicht selten werden ihre schwierigen wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse ausgenutzt, andere Jobs versprochen oder gute Verdienstm\u00f6glichkeiten in Aussicht gestellt, die aber in der Realit\u00e4t nicht existieren.<\/p>\n<p>Image<\/p>\n<p>                          <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/people-move-assamaka-agadez.jpg\" width=\"1000\" height=\"667\" alt=\"Medizinische Sprechstunde in Assamaka, Niger\" title=\"Medizinische Sprechstunde in Assamaka, Niger\"\/><\/p>\n<p>Seit August 2018 leisten wir in Assamaka, Niger, medizinische und humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr Menschen auf der Flucht.<\/p>\n<p>                  \u00a9 Pape Cire Kane\/MSF<\/p>\n<p>Um diese Situation zu verbessern, stellen sich unsere Teams in Assamaka geschlechterspezifischen medizinischen Herausforderungen, mit denen sich Frauen zwangsweise konfrontiert sehen. \u201eDazu z\u00e4hlt vor allem die Fr\u00fcherkennung sowie die Behandlung von HIV und anderen sexuell \u00fcbertragbaren Krankheiten. Auch die Beratung sowie Bereitstellung verschiedener Verh\u00fctungsmethoden geh\u00f6rt zu unserem Arbeitsalltag, genauso wie die Vor- und Nachsorge von Schwangerschaften\u201c, berichtet der Arzt Doudou Sagna.<\/p>\n<p>Abschiebungen in die W\u00fcste<\/p>\n<p>Nicht nur in Assamaka selbst leisten wir medizinische Hilfe. Denn auf algerischer Seite werden Menschen auf der Durchreise regelm\u00e4\u00dfig aufgegriffen, inhaftiert und systematisch zur\u00fcck nach Niger abgeschoben. Viele unserer Patient*innen berichten, dass sie Gewalt bis hin zur Folter erlebt haben. Seit 2020 haben wir j\u00e4hrlich zwischen 23.000 und knapp 30.000 Abschiebungen beobachtet. Dabei werden die Menschen nicht an offizielle Stellen \u00fcbergeben, sondern oftmals v\u00f6llig orientierungslos in der W\u00fcste ausgesetzt. Unsere Teams erhalten dann einen Hinweis darauf, dass eine neue Gruppe ankommt: Oftmals sind es 800 bis 1.000 Menschen auf einmal.<\/p>\n<p>In dieser Situation fahren wir los und suchen nach besonders gef\u00e4hrdeten Patient*innen, um sie zu behandeln oder bei Bedarf in spezialisierte Krankenh\u00e4user zu verlegen. Dazu z\u00e4hlen vor allem Schwangere und Kinder sowie Menschen mit offenen Wunden oder Br\u00fcchen. Auch sie m\u00fcssen sonst zu Fu\u00df zur\u00fcck nach Assamaka gelangen, und das bei Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius, ohne Trinkwasser und Nahrung und ohne Schutz vor der erbarmungslosen Sonne.<\/p>\n<p>Die lebensbedrohliche Willk\u00fcr der Politik<\/p>\n<p>Diese Verhaftungen, Inhaftierungen und Ausweisungen durch die algerische Regierung versto\u00dfen gegen den Grundsatz der Nichtzur\u00fcckweisung und stehen im Widerspruch zu den internationalen Menschenrechtsnormen und dem internationalen Fl\u00fcchtlingsrecht.&#8220;<\/p>\n<p>&#8211; Jamal Mrrouch, unser Landeskoordinator im Niger<\/p>\n<p>Entlang der Fluchtroute reiht sich die aktuell geplante EU-Asylrechtsreform in die politische Willk\u00fcr ein: An den europ\u00e4ischen Au\u00dfengrenzen sollen gef\u00e4ngnisartige Camps entstehen, in denen schutzsuchende Frauen, Kinder und M\u00e4nner wochenlang isoliert und eingesperrt werden k\u00f6nnen. Schon jetzt sehen wir, dass sie an den EU-Au\u00dfengrenzen h\u00e4ufig keine angemessene medizinische Versorgung bekommen und mit ihren Traumata weitgehend allein gelassen werden.<\/p>\n<p>Das Leid wird sich weiter versch\u00e4rfen<\/p>\n<p>Es fehlt vor allem an Zugang zu fairen Verfahren, die rechtsstaatlichen Standards entsprechen. Unsere Teams behandeln seit Jahren Menschen, die aufgrund der fatalen europ\u00e4ischen Abschreckungs- und Abschottungspolitik dringend Hilfe ben\u00f6tigen.\u201d<\/p>\n<p>&#8211; Parnian Parvanta, stellvertretende Vorsitzende von \u00c4rzte ohne Grenzen Deutschland.<\/p>\n<p>Alle Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung hindern die Menschen nicht daran, weiterhin Sicherheit zu suchen. Stattdessen haben sie die Risiken f\u00fcr Migrant*innen erh\u00f6ht, indem ihre Handlungen kriminalisiert und ihre Menschenrechte verletzt werden. Die EU muss der Gewalt und den Verst\u00f6\u00dfen gegen das V\u00f6lkerrecht an den EU-Grenzen ein Ende setzen, den Export von gewaltsamem Grenzmanagement in Staaten wie Algerien, Niger und Libyen stoppen und sichere Fluchtwege f\u00fcr Schutzbed\u00fcrftige gew\u00e4hrleisten. Menschen, die in der EU ankommen, brauchen Zugang zu Hilfe, Aufnahme, Schutz und Gesundheitsversorgung.<\/p>\n<p>So helfen unsere Teams in der Region<\/p>\n<p>Unsere Teams arbeiten seit August 2018 in der Region Agadez und leisten medizinische und humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr Frauen, M\u00e4nner und Kinder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zur\u00fcck in Assamka: Auf der Durchreise gen Norden Assamaka ist ein lebensfeindlicher Ort. Er ist von D\u00fcnen umgeben&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13028,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[243],"tags":[366],"class_list":{"0":"post-13027","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-niger","8":"tag-niger"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116505469658852681","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13027"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13027\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13028"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}