{"id":13068,"date":"2026-05-02T16:44:32","date_gmt":"2026-05-02T16:44:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13068\/"},"modified":"2026-05-02T16:44:32","modified_gmt":"2026-05-02T16:44:32","slug":"suedafrika-eine-mauer-zwischen-arm-und-reich-tageszeitung-junge-welt-07-04-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13068\/","title":{"rendered":"S\u00fcdafrika: Eine Mauer zwischen Arm und Reich, Tageszeitung junge Welt, 07.04.2026"},"content":{"rendered":"<p>Jemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten: Um \u00dcberf\u00e4lle auf Autofahrer entlang der Stadtautobahn zwischen Flughafen und Zentrum zu verhindern, will die Verwaltung der s\u00fcdafrikanischen Metropole Kapstadt eine neun Kilometer lange Barriere errichten. In etlichen F\u00e4llen war es dort in den vergangenen Jahren zu brutalen Attacken mit Ziegelsteinen und Waffen gekommen. W\u00e4hrend B\u00fcrgermeister Geordin Hill-Lewis von der wirtschaftsliberalen Democratic Alliance (DA) zugleich auf den Schutz von auf dem angrenzenden Gr\u00fcnstreifen spielenden Kindern verweist, kritisieren Anwohner, dass soziale Probleme durch die Mauer versteckt statt gel\u00f6st w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der Aufschrei war gro\u00df, als die Pl\u00e4ne Ende vergangenen Jahres publik wurden. Von einer \u00bbs\u00fcdafrikanischen Berliner Mauer\u00ab sprach Ndithini Tyhido, Fraktionsvorsitzender des African National Congress (ANC) im Stadtrat. Seine Partei, in Kapstadt nur Opposition, hatte S\u00fcdafrika bis 2024 allein regiert. Nach dem erstmaligen Verlust der absoluten Mehrheit ist der ANC nun st\u00e4rkste Kraft in einer \u00bbRegierung der Nationalen Einheit\u00ab, die neben Hill-Lewis\u2019 DA als zweitst\u00e4rkster Parlamentsfraktion noch acht weitere Parteien einschlie\u00dft. Vor den landesweiten Kommunalwahlen, die Ende dieses Jahres abgehalten werden sollen, nutzen beide Lager jede Gelegenheit, ihr Profil zu sch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Hill-Lewis, der sich gerade anschickt, den Parteivorsitz der DA zu \u00fcbernehmen, gilt das im Besonderen. So l\u00e4sst sich auch erkl\u00e4ren, dass das Stadtoberhaupt nach ersten Beschwichtigungsversuchen mit Verweisen auf vorgebliche Vorteile f\u00fcr die verarmten Gemeinden entlang der Autobahn kr\u00e4ftig an der Eskalationsschraube drehte. \u00bbWir geben nichts auf das Gehabe und die Selbstdarstellung von denen, die uns dazu dr\u00e4ngen wollen, mit Kriminellen H\u00e4ndchen zu halten\u00ab, polterte er in einer virtuellen Stadtratssitzung Ende M\u00e4rz und legte offensichtlich in Richtung des ANC nach: \u00bbWir k\u00f6nnen verstehen, warum genau diese Leute wollen, dass wir lasch gegen Kriminalit\u00e4t sind, weil sie selbst aus einer kriminellen Vereinigung kommen, die sich als politische Partei tarnt.\u00ab<\/p>\n<p>Aus dem, was er nicht sagt, wird klar, um wen es hier am allerwenigsten geht: die Bewohner der Armenviertel. In S\u00fcdafrika, dem Land mit der weltweit sch\u00e4rfsten Ungleichverteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen, bildet Kapstadt die Hochburg der sozialen Gegens\u00e4tze. W\u00e4hrend sich die DA-Stadtverwaltung damit br\u00fcstet, in den Villen- und Mittelstandsvierteln f\u00fcr eine funktionierende \u00f6ffentliche Infrastruktur zu sorgen, versinken die Townships der Armen in Gewaltkriminalit\u00e4t. Die Mordraten sind die h\u00f6chsten im ganzen Land.<\/p>\n<p>Mit den Problemen konfrontiert, verweist Hill-Lewis auf die Krise und L\u00e4hmung des von Korruptionsskandalen ersch\u00fctterten nationalen Polizeidiensts South African Police Service (SAPS), \u00fcber den seine Beh\u00f6rde keine Verf\u00fcgungsgewalt hat. Um die L\u00fccken zu f\u00fcllen, m\u00fcsse die Stadt mehr Geld f\u00fcr eigene Sicherheitsbeh\u00f6rden ausgeben. Wenn es einen kompetenten und gut ausgestatteten SAPS gebe, \u00bbw\u00e4ren wir vielleicht in der Lage gewesen, viel von diesem Geld f\u00fcr andere dringende Priorit\u00e4ten zu verwenden\u00ab, so der B\u00fcrgermeister. Das gelte auch f\u00fcr die f\u00fcr den Mauerbau veranschlagten 114 Millionen Rand (5,9 Millionen Euro), die im Gesamtbudget der F\u00fcnf-Millionen-Einwohner-Metropole 1,3 Prozent ausmachen. Der soziale Wohnungsbau l\u00e4uft dagegen weiter schleppend. Seit dem Ende der Apartheid 1994 sind in Kapstadt auch in all den Jahren ohne Mauerbau nahezu keine Sozialwohnungen in Innenstadtn\u00e4he entstanden, und Millionen Menschen leben seit Jahrzehnten in Wellblechh\u00fctten.<\/p>\n<p>Dieser Anblick soll nun bald den Touristen und Wohlhabenden auf dem Weg vom Flughafen in die Luxusviertel am Atlantikstrand erspart bleiben. Das geplante Bauwerk sei \u00bbeine Hommage an Trump und seinen Mexiko-Wall\u00ab, kritisierte der Gemeindeaktivist Tauriq Jenkins im Gespr\u00e4ch mit dem s\u00fcdafrikanischen Nachrichtenportal Daily Maverick. Er forderte, die veranschlagten Mittel statt dessen f\u00fcr die Linderung der Folgen der Stadtplanung w\u00e4hrend der Apartheid bereitzustellen, deren Erbe die Townships an der Autobahn sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten: Um \u00dcberf\u00e4lle auf Autofahrer entlang der Stadtautobahn zwischen Flughafen und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13069,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[29,6173,6174,44,43],"class_list":{"0":"post-13068","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-suedafrika","8":"tag-afrika","9":"tag-anc","10":"tag-slum","11":"tag-south-africa","12":"tag-suedafrika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116505992455134478","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13068","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13068"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13068\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13069"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13068"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}