{"id":13169,"date":"2026-05-03T01:38:22","date_gmt":"2026-05-03T01:38:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13169\/"},"modified":"2026-05-03T01:38:22","modified_gmt":"2026-05-03T01:38:22","slug":"mali-afrika-schock-fuer-putin-wuesten-dschihadisten-bereiten-moskau-eine-grosse-niederlage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13169\/","title":{"rendered":"Mali: Afrika-Schock f\u00fcr Putin \u2013 W\u00fcsten-Dschihadisten bereiten Moskau eine gro\u00dfe Niederlage"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem europ\u00e4ische und deutsche Soldaten sich zur\u00fcckgezogen hatten, schickte Russland S\u00f6ldner nach Mali. Doch nun wurden Moskaus Truppen dort von Dschihadisten und Rebellen v\u00f6llig \u00fcberrascht. Ein Experte spricht von einer \u201eKatastrophe f\u00fcr Putin\u201c.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Vor knapp einem Jahr sa\u00df Malis Junta-Chef Assimi Go\u00efta im Kreml neben Wladimir Putin. Zwei Stunden lang diskutierten beide \u00fcber die Zukunft ihrer Partnerschaft. Die Handelsbeziehungen seien zwar noch \u201ebescheiden\u201c, erkl\u00e4rte Putin damals, zeigten aber einen klaren Aufw\u00e4rtstrend. Selbst \u00fcber ein von Russland konstruiertes Klein-Kernkraftwerk f\u00fcr Mali wurde gesprochen.<\/p>\n<p>Go\u00efta erkl\u00e4rte, sein Besuch werde dazu beitragen, die Beziehungen \u201eim Geist gegenseitigen Vertrauens und des Respekts vor der Souver\u00e4nit\u00e4t\u201c weiter zu vertiefen. Vor allem galt das f\u00fcr den milit\u00e4rischen Bereich, zur malischen Delegation geh\u00f6rte der einflussreiche Verteidigungsminister Sadio Camara. <\/p>\n<p>Unter seiner Verantwortung hatte Mali <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus240608557\/Bundeswehr-Mission-Deutschlands-Schweigen-zu-Putins-langem-Arm-in-Mali.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus240608557\/Bundeswehr-Mission-Deutschlands-Schweigen-zu-Putins-langem-Arm-in-Mali.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wagner-S\u00f6ldner <\/a>ins Land geholt, sp\u00e4ter \u00fcbernahm das direkt dem russischen Verteidigungsministerium unterstellte Africa Corps zentrale Aufgaben. Es war die Inszenierung einer neuen Allianz: Russland als Schutzmacht eines Staates, der sich demonstrativ vom Westen abgewandt hatte.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit dem vergangenen Wochenende ist von Aufbruch nur noch wenig zu sehen. Camara wurde bei einem Anschlag in Kati nahe Bamako durch ein Selbstmordkommando get\u00f6tet. Statt Investitionsfantasien und Atompl\u00e4nen ersch\u00fctterten koordinierte Angriffe das Machtzentrum der Junta. Gleichzeitig meldeten Rebellen Gel\u00e4ndegewinne rund um die strategisch wichtige Stadt Kidal sowie in weiteren Teilen des Nordens. Eine gro\u00dfe Blamage f\u00fcr den Kreml.<\/p>\n<p>Verantwortlich f\u00fcr die Anschlagsserie war eine Allianz zweier Lager mit unterschiedlichen Zielen: die mit al-Qaida verbundene Dschihadistenmiliz Jama\u2019at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM) sowie die separatistische Azawad Liberation Front (FLA), die vor allem von Tuareg-Gruppen getragen wird. JNIM bekannte sich \u00f6ffentlich zu Angriffen auf Kati und weitere Orte.<\/p>\n<p>Die FLA vermeldete wiederum, man habe Kidal \u201ebefreit\u201c und den Russen dort \u201esicheren R\u00fcckzug aus den K\u00e4mpfen\u201c zugesichert. Ein Gnadenakt von einigen Tausend W\u00fcstenk\u00e4mpfern gegen\u00fcber Russland, das im Sahel auch seine Weltmachtambitionen demonstrieren wollte. Von den einst 1500 S\u00f6ldnern im Land wurden zuletzt viele abgezogen, wohl auch, weil Ressourcen f\u00fcr den Ukraine-Krieg ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr Putin sind die letzten Tage in Mali eine Katastrophe\u201c, sagt der Sahel-Experte Ulf Laessing, Repr\u00e4sentant der Konrad-Adenauer-Stiftung in Mali. Er habe schon Syriens Machthaber Baschar al-Assad nicht retten k\u00f6nnen und nun auch in Mali versagt. <\/p>\n<p>Symbolisch sei die Lage in Kidal \u2013 die Stadt war erst Ende 2023 von der malischen Armee mit russischer Hilfe zur\u00fcckerobert worden, was als historischer Triumph gefeiert wurde. Moskau habe mehr Sicherheit versprochen, sagt Laessing, \u201edoch seitdem ist es deutlich schlechter geworden\u201c.<\/p>\n<p>Von dem koordinierten Angriff sei man offenbar \u00fcberrascht worden. \u201eDie waren erst mal wie im Schockmodus\u201c, sagt Laessing. Das sei nicht verwunderlich: Russland habe von Beginn an deutlich weniger Mittel f\u00fcr Luftaufkl\u00e4rung eingesetzt als zuvor Frankreich bei seinen Eins\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Lange galt Mali als Musterfall russischer Einflussnahme in Afrika. Nach dem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68a2cce7f3b3300719844f17\/mali-der-fall-des-angeblichen-franzoesischen-spions-der-paris-in-erklaerungsnot-bringt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68a2cce7f3b3300719844f17\/mali-der-fall-des-angeblichen-franzoesischen-spions-der-paris-in-erklaerungsnot-bringt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bruch mit Frankreich <\/a>pr\u00e4sentierte sich Moskau als pragmatische Alternative ohne koloniale Altlasten, ohne Menschenrechtsbelehrungen, daf\u00fcr mit Waffen und dem Versprechen schneller Resultate. <\/p>\n<p>In Bamako lie\u00df sich damit innenpolitisch punkten. Viele Malier waren entt\u00e4uscht vom Westen und offen f\u00fcr neue Partner. Die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article252392146\/Russland-nahe-Staaten-Militaerjuntas-von-Mali-Burkina-Faso-und-Niger-gruenden-Staatenbund.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article252392146\/Russland-nahe-Staaten-Militaerjuntas-von-Mali-Burkina-Faso-und-Niger-gruenden-Staatenbund.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nachbarl\u00e4nder Niger und Burkina Faso<\/a> schlugen sp\u00e4ter einen \u00e4hnlichen Kurs ein. Heute sei die Lage anders, so Laessing: \u201eIch glaube nicht, dass es k\u00fcnftig derartige Anfragen aus Afrika an den Kreml geben wird.\u201c <\/p>\n<p>Der senegalesische Analyst Alioune Tine spricht von einer \u201esystemischen Sicherheitskrise\u201c f\u00fcr die gesamte Region. Der Angriff zeige nicht nur das Scheitern der malischen Milit\u00e4rf\u00fchrung, sondern auch die Fragilit\u00e4t des neuen B\u00fcndnisses von Mali mit Niger und Burkina Faso. Alle drei L\u00e4nder hatten sich von der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Die einzige M\u00f6glichkeit sei nun eine Wiederann\u00e4herung an die Ecowas-Staaten, sagt Tine. Sonst drohe eine Kettenreaktion. Eine weitere Destabilisierung k\u00f6nne rasch auf Nachbarl\u00e4nder an der K\u00fcste wie Elfenbeink\u00fcste oder Senegal \u00fcbergreifen. Tine warnt vor einer \u201eechten Schockwelle\u201c in Westafrika.<\/p>\n<p>Damit stellt sich aus europ\u00e4ischer Perspektive auch eine alte Frage neu: Migration. Denn die Sicherheitslage im Sahel hat direkte Auswirkungen auf die westafrikanische Atlantikroute zu den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256183912\/kanaren-sieben-tote-und-die-hilflosigkeit-europas.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256183912\/kanaren-sieben-tote-und-die-hilflosigkeit-europas.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kanarischen Inseln<\/a>. Nach fast 47.000 registrierten irregul\u00e4ren Ank\u00fcnften dort im Jahr 2024, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf rund 17.800.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.frontex.europa.eu\/what-we-do\/monitoring-and-risk-analysis\/migratory-routes\/migratory-routes\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.frontex.europa.eu\/what-we-do\/monitoring-and-risk-analysis\/migratory-routes\/migratory-routes\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Die Zahlen<\/a> t\u00e4uschen jedoch \u00fcber die tats\u00e4chliche Entwicklung hinweg. Mali rangierte im Gesamtjahr 2025 mit rund 5000 Ankommenden auf den Kanaren auf Rang zwei der Herkunftsl\u00e4nder, nur knapp hinter Senegal. Und viele Menschen haben Mali l\u00e4ngst verlassen. Im Nachbarland Mauretanien leben mehr als 150.000 malische Fl\u00fcchtlinge, viele von ihnen im riesigen Mbera-Lager nahe der Grenze.<\/p>\n<p>Mauretanien hat mit Spanien umfangreiche Grenzschutzabkommen geschlossen und hindert viele an der Weiterreise. Zudem fehlen den meisten die n\u00f6tigen finanziellen Mittel. Aber Laessing rechnet damit, dass der Druck auf Mauretanien weiter zunehmen wird. \u201eDer Staat in Mali wird sich immer mehr auf den S\u00fcden konzentrieren m\u00fcssen\u201c, sagt er. \u201eF\u00fcr Schlepper sind das gute Bedingungen.\u201c<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/christian-putsch\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/christian-putsch\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christian Putsch <\/a>ist Afrika-Korrespondent. Er hat im Auftrag von WELT seit dem Jahr 2009 aus \u00fcber 30 L\u00e4ndern dieses geopolitisch zunehmend bedeutenden Kontinents berichtet.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nachdem europ\u00e4ische und deutsche Soldaten sich zur\u00fcckgezogen hatten, schickte Russland S\u00f6ldner nach Mali. 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