{"id":13184,"date":"2026-05-03T04:16:40","date_gmt":"2026-05-03T04:16:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13184\/"},"modified":"2026-05-03T04:16:40","modified_gmt":"2026-05-03T04:16:40","slug":"oesterreicherin-vor-einem-jahr-im-niger-entfuehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13184\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreicherin vor einem Jahr im Niger entf\u00fchrt"},"content":{"rendered":"<p>\n        Vor einem Jahr ist die \u00d6sterreicherin Eva G. im Niger entf\u00fchrt worden. Ihr Sohn, Christoph Gretzmacher, hofft auf eine baldige R\u00fcckkehr seiner Mutter. Er sorgt sich um die 74-J\u00e4hrige, die unter extremen Bedingungen in der W\u00fcste leben muss. &#8222;Temperaturen von bis zu 50 Grad stellen selbst f\u00fcr Menschen mit langj\u00e4hriger Erfahrung in der Region eine Lebensgefahr dar&#8220;, warnt er. Das Au\u00dfenministerium erkl\u00e4rt auf APA-Anfrage, &#8222;intensiv mit der L\u00f6sung des Falles besch\u00e4ftigt&#8220; zu sein.\n      <\/p>\n<p>\n        07. 01. 2026,  12:27\u00a0Uhr<br \/>\n        Lesedauer:        3 Minuten<\/p>\n<p>Bewaffnete M\u00e4nner waren laut Augenzeugen am Abend des 11. J\u00e4nners 2025 in das Haus von Eva G. in der nigrischen W\u00fcstenstadt Agadez eingedrungen. Sie verfrachteten die Frau in einen Gel\u00e4ndewagen. Lokale Medien berichteten, dass es sich bei den Kidnappern um Kriminelle handelte, die die \u00d6sterreicherin an eine terroristische Gruppe weitergereicht haben. Die islamistische Terrormiliz JNIM, ein regionaler Ableger der Al-Kaida, dementierte unmittelbar nach der Entf\u00fchrung eine Beteiligung an der Tat.<\/p>\n<p>Die \u00d6sterreicherin, die seit fast drei Jahrzehnten in Agadez am Rande der Sahara lebt, ist seit 1996 mit dem von ihr gegr\u00fcndeten privaten Kulturverein Amanay im Niger aktiv. Sie ist in Agadez sehr gut vernetzt, sagt ihr Sohn. Nach Angaben auf Facebook engagiert sie sich f\u00fcr die Bildung junger Menschen, etwa in Bereichen wie Musik, Gesundheit, \u00d6kologie oder Handwerklichem wie der Schneiderei. 2010 baute sie daf\u00fcr ein eigenes Kompetenzzentrum.<\/p>\n<p>Lebenszeichen von Eva G.<\/p>\n<p>Ein Lebenszeichen von der \u00d6sterreicherin gab es Ende April des Vorjahres, wie das nigrische Medium &#8222;A\u00efr Info&#8220; berichtete. Der Beweis in Form eines Fotos erreichte das lokale Infoportal am 74. Geburtstag von Eva G. Demnach sei sie trotz Geiselhaft in der Sahelregion bei guter Gesundheit.<\/p>\n<p>Am 13. April des Vorjahres wurde eine zweite Frau auf die gleiche Art und Weise wie die \u00d6sterreicherin entf\u00fchrt: n\u00e4mlich n\u00e4chtens aus ihrer Wohnung in Agadez. Vermutungen legen nahe, dass Eva G. und die Schweizerin Claudia A. nun zusammen sind. Gretzmacher geht au\u00dferdem davon aus, dass auch ein US-amerikanischer Staatsb\u00fcrger, der im Oktober in der Hauptstadt Niamey verschleppt wurde, gemeinsam mit ihnen festgehalten wird.<\/p>\n<p>&#8222;Kein isolierter Fall&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Diese Konstellation verdeutlicht, dass es sich nicht um einen isolierten Einzelfall handelt, sondern um eine Lage, die mehrere Staaten betrifft&#8220;, sagt Gretzmacher. &#8222;Sie er\u00f6ffnet zugleich die M\u00f6glichkeit, Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln und gemeinsam mehr politischen und diplomatischen Druck zu entfalten, als dies in der Anfangsphase der Entf\u00fchrung m\u00f6glich war, als meine Mutter die einzige betroffene Europ\u00e4erin war.&#8220;<\/p>\n<p>\u00dcber die Hintergr\u00fcnde der Entf\u00fchrung gibt es kaum gesicherte Informationen. Die nigrischen, \u00f6sterreichischen und auch Schweizer Beh\u00f6rden halten sich bedeckt. Auch der EU-Sonderbeauftragte f\u00fcr die Sahelzone, Jo\u00e3o Cravinho, mahnte bei einem Wien-Besuch dazu, nicht den &#8222;Scheinwerfer&#8220; auf den Fall zu richten. Die Bem\u00fchungen um Freilassung der Geisel liefen sehr diskret. &#8222;Die Sicherheit der Betroffenen hat f\u00fcr uns oberste Priorit\u00e4t&#8220;, erg\u00e4nzt das \u00f6sterreichische Au\u00dfenministerium. Das Au\u00dfenamt verfolge eine &#8222;zur\u00fcckhaltende und diskrete \u00f6ffentliche Kommunikation, vor allem auch um die laufenden Bem\u00fchungen nicht zu gef\u00e4hrden&#8220;.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich hat &#8222;unmittelbar nach Bekanntwerden der Entf\u00fchrung einen Krisenstab im Au\u00dfenministerium eingerichtet, der alle diesbez\u00fcglichen Bem\u00fchungen koordiniert. Ebenso wird regelm\u00e4\u00dfig ein Krisenteam in die Region entsandt, das allen Hinweisen mit Nachdruck nachgeht&#8220;, hei\u00dft es in einer Stellungnahme gegen\u00fcber der APA. Das Au\u00dfenministerium stehe auf allen Ebenen im engen Austausch mit den Beh\u00f6rden in der Region, ebenso mit der Familie der Entf\u00fchrten, aber auch der EU sowie zahlreichen weiteren Partnern. &#8222;Erfahrungen zeigen, dass derartige Entf\u00fchrungsf\u00e4lle sehr komplex sind und ihre L\u00f6sung Zeit in Anspruch nehmen kann.&#8220;<\/p>\n<p>Rekordzahl an Entf\u00fchrungen<\/p>\n<p>Die Sahelregion verzeichnete im Vorjahr eine Rekordzahl an Entf\u00fchrungen. Von Anfang bis Ende November 2025 wurden im Niger und in Mali 30 Ausl\u00e4nder entf\u00fchrt, ergaben Analysen der Konfliktdaten-Organisation ACLED. In den Jahren davor waren es demnach jeweils weniger als vier.<\/p>\n<p>Die Sicherheitslage in der Sahelzone ist nach Milit\u00e4rputschen in Mali, Burkina Faso und Niger \u00e4u\u00dferst prek\u00e4r. Im Niger hatte das Milit\u00e4r im Juli 2023 den demokratisch gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Mohamed Bazoum gest\u00fcrzt. Wie die anderen L\u00e4nder wandte es sich daraufhin verst\u00e4rkt Russland zu und forderte westliche Truppen auf, das Land zu verlassen. Die franz\u00f6sische Armee, die US-Armee und die deutsche Bundeswehr zogen sich daher aus dem Niger zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Der Niger ist seit rund zehn Jahren mit t\u00f6dlicher Gewalt durch Jihadistengruppen konfrontiert, die mit Al-Kaida und der Miliz Islamischer Jihad in Verbindung stehen. Auch andere Islamistenorganisationen wie etwa Boko Haram sind in der Region aktiv, hinzu kommen russische S\u00f6ldner. Bei politisch motivierter Gewalt in Burkina Faso, Mali und Niger starben laut ACLED allein im Jahr 2025 (Stand Ende November) mehr als 10.000 Menschen.<\/p>\n<p>Abgesehen von Entf\u00fchrungen westlicher Staatsangeh\u00f6riger und ausl\u00e4ndischer Arbeitnehmer f\u00fchren die Terroristen einen Wirtschaftskrieg. Das Ziel von Anschl\u00e4gen und Sabotageakten sind industrielle Produktionsst\u00e4tten, Bergbaustandorte und Transitrouten. Zuletzt gab es vermehrt Angriffe auf chinesische Infrastruktur und Unternehmen in Niger und Mali.<\/p>\n<p>Auch Russland ist stark involviert &#8211; durch Desinformationskampagnen gegen den Westen, durch Milit\u00e4rhilfe und Ausbildung von K\u00e4mpfern sowie das Lenken von Migrantenstr\u00f6men nach Europa, wie der nigerianische Investigativjournalist Philip Obaji unl\u00e4ngst betont hat. &#8222;Auch \u00d6sterreich ist verwundbar&#8220;, warnte er im Dezember bei einer Veranstaltung in Wien.<\/p>\n<p>(Quelle: APA)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor einem Jahr ist die \u00d6sterreicherin Eva G. im Niger entf\u00fchrt worden. 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