{"id":13202,"date":"2026-05-03T06:25:57","date_gmt":"2026-05-03T06:25:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13202\/"},"modified":"2026-05-03T06:25:57","modified_gmt":"2026-05-03T06:25:57","slug":"sahelzone-im-toedlichsten-terrorgebiet-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13202\/","title":{"rendered":"Sahelzone: Im t\u00f6dlichsten Terrorgebiet der Welt"},"content":{"rendered":"<p>In einem Dorf im Niger haben Terroristen w\u00e4hrend einer Taufe 22 Menschen erschossen. Die Gewalt in der Sahelzone eskaliert. Und immer wieder trifft es Christen. In der Region deutet sich eine dramatische Entwicklung an, die gerade erst begonnen hat.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Aus einem Festtag wurde ein Blutbad: In Takoubatt, einem Dorf im Westen Nigers, feierten Familien am 15. September die Taufe eines Kindes, als pl\u00f6tzlich Motorr\u00e4der auftauchten. Sch\u00fcsse fielen. F\u00fcnfzehn Menschen starben noch am Ort der Zeremonie. Sieben weitere wurden beim Versuch zu fliehen get\u00f6tet. Insgesamt verloren 22 Dorfbewohner ihr Leben.<\/p>\n<p>Die Attacke ereignete sich in der Region Tillab\u00e9ri, einem Brennpunkt der Gewalt in der Sahelzone. Dort, wo die Grenzen von <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/niger-politik\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/niger-politik\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niger<\/a>, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/mali\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/mali\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mali<\/a> und <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/burkina-faso-politik\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/burkina-faso-politik\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Burkina Faso<\/a> aufeinandertreffen, agieren seit Jahren Ableger des <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/islamischer-staat\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/islamischer-staat\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eIslamischen Staats\u201c<\/a> (IS) und die mit al-Qaida verbundene JNIM-Koalition, ein Zusammenschluss mehrerer extremistischer Terrorgruppen. <\/p>\n<p>Das Muster ist fast immer gleich. Bewaffnete \u00fcberfallen D\u00f6rfer, schie\u00dfen wahllos auf Bewohner, rauben Vieh und Vorr\u00e4te, brennen H\u00e4user nieder \u2013 und verschwinden wieder in der Halbw\u00fcste.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst gilt die Sahelzone als globales Zentrum des Terrorismus. Laut dem Institute for Economics and Peace entfielen 2024 erstmals mehr als die H\u00e4lfte aller terrorbedingten Todesf\u00e4lle weltweit auf diese Region. <\/p>\n<p>Ein UN-Sondergesandter sprach j\u00fcngst von einem deutlichen Zuwachs an \u201eUmfang, Komplexit\u00e4t und Raffinesse\u201c der Angriffe. Zugleich breitet sich die Gewalt weiter nach S\u00fcden aus und bedroht K\u00fcstenstaaten wie Benin und die Elfenbeink\u00fcste.<\/p>\n<p>Das Massaker an der Taufe von Takoubatt war kein Einzelfall: Immer wieder ver\u00fcben Extremisten Anschl\u00e4ge auf christliche Gottesdienste, Priester oder Kirchen. Nicht nur in Niger, sondern auch in Burkina Faso, Mali und Nigeria. Doch verl\u00e4ssliche Statistiken zur religi\u00f6sen Verteilung der Opfer existieren kaum. In vielen Berichte ist schlicht von \u201eZivilisten\u201c die Rede \u2013 ohne dass die Religionszugeh\u00f6rigkeit dokumentiert wird.<\/p>\n<p class=\"c-inline-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>Weltplus ArtikelChristenverfolgung<\/p>\n<p>Oft stammen die Meldungen von Milit\u00e4rs oder lokalen Beh\u00f6rden, die auf solche Angaben verzichten, um keine weiteren Spannungen zu sch\u00fcren. Viele Regionen sind f\u00fcr unabh\u00e4ngige Beobachter kaum zug\u00e4nglich, was die Identifizierung der Opfer erschwert. Christliche Hilfswerke melden derartige Angriffe regelm\u00e4\u00dfig. Das macht zwar ihre besondere Gef\u00e4hrdung sichtbar, liefert aber keine vollst\u00e4ndige Opferstatistik.<\/p>\n<p>In absoluten Zahlen gibt es mehr Anschl\u00e4ge auf muslimische Gemeinden. Entweder werden sie der Zusammenarbeit mit der Armee verd\u00e4chtigt oder als Gegner in Landkonflikten wahrgenommen. Seit Monaten warnen Menschenrechtsorganisationen vor einer Eskalation auch in dieser Hinsicht. <\/p>\n<p>Human Rights Watch dokumentierte seit M\u00e4rz dieses Jahres \u00fcber 127 get\u00f6tete Zivilisten bei f\u00fcnf Gro\u00dfangriffen in der Region Tillab\u00e9ri. Die Opfer waren wohl muslimische Gl\u00e4ubige. In der vergangenen Woche starben laut Armeeangaben zudem 14 nigrische Soldaten in einem Hinterhalt. Sie waren einem gemeldeten Viehdiebstahl nachgegangen.<\/p>\n<p>Doch die Statistik legt trotzdem nahe, dass Christen \u00fcberproportional oft betroffen sind. Denn der Anteil der Christen in den Sahel-Staaten liegt deutlich unter zehn Prozent, mit Ausnahme von Burkina Faso und dem Tschad, wo es jeweils rund 25 Prozent sind. Besonders in Burkina Faso eskaliert die Gewalt gegen religi\u00f6se Minderheiten immer wieder besonders brutal.<\/p>\n<p>Wie etwa im Oktober 2024: Bei einer Angriffswelle im Osten des Landes wurden mindestens 200 Zivilisten get\u00f6tet. Nach einem Hinterhalt auf eine Milit\u00e4rpatrouille st\u00fcrmten islamistische K\u00e4mpfer den Markt im mehrheitlich katholischen Ort Manni und t\u00f6teten Dutzende Menschen.<\/p>\n<p>Klar ist, dass Religion von jihadistischen Gruppen instrumentalisiert wird, um gesellschaftliche Gr\u00e4ben zu vertiefen. Neben Landkonflikten und ethnischen Spannungen ist sie aber nur einer von mehreren Faktoren. <\/p>\n<p>So sind Christen in vielen Sahel-Staaten h\u00e4ufiger sesshafte Bauern, die Hirse oder Mais anbauen und in festen D\u00f6rfern leben. Muslime stellen dagegen \u00fcberproportional viele Viehhalter, vor allem Fulani oder Tuareg, die saisonal mit ihren Herden umherziehen.<\/p>\n<p>Der Gegensatz zwischen Bauern und Hirten versch\u00e4rft sich auch durch das Bev\u00f6lkerungswachstum in Niger, das schnellste der Welt. Bei einer Geburtenrate <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article251075572\/Weltbevoelkerungsbericht-Im-Niger-noch-fast-sieben-Kinder-im-Schnitt-pro-Frau.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article251075572\/Weltbevoelkerungsbericht-Im-Niger-noch-fast-sieben-Kinder-im-Schnitt-pro-Frau.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">von fast sieben Kindern pro Frau<\/a> hat sich die Einwohnerzahl seit den Neunzigerjahren verdoppelt. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist die Region schwer betroffen vom Klimawandel: Die Temperaturen steigen hier rund eineinhalbmal schneller als im globalen Schnitt. Zwei Drittel der Menschen in der Sahelzone sind j\u00fcnger als 25 Jahre, der Wettbewerb um Land und Wasser wird existenziell. Dutzende Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Extremisten nutzen diese Notlagen und rekrutieren gezielt in vernachl\u00e4ssigten Grenzregionen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Milit\u00e4rjunta in Niamey ist diese Gemengelage jedenfalls verheerend. Sie war vor gut zwei Jahren mit dem Versprechen angetreten, die Sicherheitslage zu stabilisieren. General Abdourahmane Tchiani, der 2023 den gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Mohamed Bazoum st\u00fcrzte, versprach, l\u00e4ndliche Regionen zur\u00fcck unter staatliche Kontrolle zu bringen. <\/p>\n<p>Wie schon in Mali und Burkina Faso <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article231735983\/Mali-Macron-zieht-grosse-Teile-des-Militaers-ab.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article231735983\/Mali-Macron-zieht-grosse-Teile-des-Militaers-ab.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wurden franz\u00f6sische und US-amerikanische Truppen hinausgeworfen<\/a>, die Machthaber setzen nun auf die milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung aus Russland und zunehmend auch der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Doch der Trend der Opferzahlen spricht bislang gegen den Erfolg dieser Strategie. Laut der Konfliktdatenbank ACLED starben in Niger seit Oktober 2024 rund 1800 Menschen durch Angriffe.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/christian-putsch\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/christian-putsch\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christian Putsch<\/a> ist Afrika-Korrespondent. Er hat im Auftrag von WELT seit dem Jahr 2009 aus \u00fcber 30 L\u00e4ndern dieses geopolitisch zunehmend bedeutenden Kontinents berichtet. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In einem Dorf im Niger haben Terroristen w\u00e4hrend einer Taufe 22 Menschen erschossen. 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