{"id":13246,"date":"2026-05-03T10:35:58","date_gmt":"2026-05-03T10:35:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13246\/"},"modified":"2026-05-03T10:35:58","modified_gmt":"2026-05-03T10:35:58","slug":"suedafrika-ein-urteil-das-ein-ganzes-land-nervoes-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13246\/","title":{"rendered":"S\u00fcdafrika: Ein Urteil, das ein ganzes Land nerv\u00f6s macht"},"content":{"rendered":"<p>Er sang \u201eT\u00f6tet den Buren\u201c, Trump attackierte ihn. Jetzt muss der s\u00fcdafrikanische Linkspopulist Julius Malema ins Gef\u00e4ngnis \u2013 allerdings aus einem ganz anderen Grund. Das Urteil spaltet das Land. Aber es ist richtig.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Im vergangenen Jahr verschaffte US-Pr\u00e4sident Donald Trump S\u00fcdafrikas bekanntestem Linkspopulisten Julius Malema internationale Bekanntheit. Bei einem Treffen mit Pr\u00e4sident Cyril Ramaphosa im Wei\u00dfen Haus f\u00fchrte er dessen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/article256170600\/volksverhetzung-suedafrika-riskiert-den-eindruck-einer-zweiklassen-rechtsprechung.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/debatte\/article256170600\/volksverhetzung-suedafrika-riskiert-den-eindruck-einer-zweiklassen-rechtsprechung.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eKill the Boer\u201c-Ges\u00e4nge<\/a> (\u201eT\u00f6tet den Buren\u201c) als vermeintlichen Beleg f\u00fcr einen \u201eGenozid an wei\u00dfen S\u00fcdafrikanern\u201c an \u2013 eine unzutreffende Verzerrung der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Eben dieser Malema, 45, wurde nun am Donnerstag zu f\u00fcnf Jahren Gef\u00e4ngnisstrafe verurteilt. Allerdings nicht wegen seiner immer knapp unter strafbaren Gewaltaufrufen bleibenden Hetzereien gegen die wei\u00dfe Minderheit, wie dem umstrittenen alten Lied, das die Gerichte im Land als Teil der Anti-Apartheid-Tradition von der Meinungsfreiheit gedeckt sehen. Vielmehr hatte der Oppositionspolitiker vor acht Jahren bei einer Parteiveranstaltung <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article109392968\/Julius-Malema-Haftbefehl-gegen-Suedafrikas-brillanten-Populisten.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article109392968\/Julius-Malema-Haftbefehl-gegen-Suedafrikas-brillanten-Populisten.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mit einem Sturmgewehr in die Luft geschossen<\/a>. Verletzt wurde niemand. Doch f\u00fcr derartige Verst\u00f6\u00dfe gegen die Waffengesetze drohen in S\u00fcdafrika, das zu den L\u00e4ndern mit der h\u00f6chsten Schusswaffenkriminalit\u00e4t z\u00e4hlt, bis zu 15 Jahre Haft.<\/p>\n<p>Jetzt ist in S\u00fcdafrika die Sorge vor Gewalt gro\u00df, in den sozialen Medien wird das Urteil von vielen B\u00fcrgern sorgenvoll kommentiert. Parteikollegen von Malemas Partei, den \u201eEconomic Freedom Fighters\u201c (EFF), sprachen von \u201eder gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Provokation des Systems\u201c. Ein Parteikollege machte gar Trump verantwortlich: \u201eEr hat zu seiner Verhaftung aufgerufen.\u201c Sowohl am Prozessort KuGompo City (in das die Stadt East London gerade umbenannt wurde, wie so viele im Land wegen Kolonialreferenzen) als auch in Johannesburg demonstrierten Tausende EFF-Anh\u00e4nger, viele schwenkten Golfschl\u00e4ger und umgingen so das Waffenverbot bei Versammlungen.<\/p>\n<p>Die gewollte Drohkulisse entstand dennoch. Malema hatte den Prozess gegen ihn auf AfriForum zur\u00fcckgef\u00fchrt, eine Lobbyorganisation der Buren, die intensive Kontakte zum Trump-Camp pflegt. Dass die Richterin Twanet Olivier wei\u00df ist, gilt vielen EFF-Anh\u00e4ngern trotz nunmehr 32 Jahren ANC-Regierung als vermeintlicher Beleg daf\u00fcr, dass die wei\u00dfe Minderheit im Land weiter die Strippen zieht. \u201eSie wollen die Stimme der Schwarzen zum Verstummen bringen\u201c, behauptete Malema.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich Bl\u00f6dsinn. 42 Prozent der durch Schusswaffen verletzten Kinder in S\u00fcdafrika werden von Querschl\u00e4gern getroffen. Oft passiert das bei K\u00e4mpfen rivalisierender Gangs. Doch auch bei sogenannten Feiersch\u00fcssen in die Luft gab es Tote, darunter im Jahr 2011 ein Elfj\u00e4hriger bei einer Beerdigung und im Jahr 2003 ein Achtj\u00e4hriger an Neujahr. Malema hat zwar keine Verletzungen verursacht, sie aber billigend in Kauf genommen.<\/p>\n<p>Nun werden in S\u00fcdafrika viele weit schwerere Verbrechen nie bestraft. Die Gesetze sind da, doch Justiz und Polizei fehlt es an Ressourcen und bisweilen auch an Qualit\u00e4t. Im Fall von Malema war der Fall der Staatsanwaltschaft angesichts von Videomaterial und klarer Indizien gut belegt. Acht Jahre zog sich der Prozess hin, was teils an der \u00dcberlastung der Gerichte liegt. Aber auch, weil Malemas Anwalt \u2013 ein Wei\u00dfer \u00fcbrigens \u2013 mit immer neuen juristischen Winkelz\u00fcgen aufwartete.<\/p>\n<p>Am Ende war die Faktenlage gegen Malema schlicht erdr\u00fcckend, anders als bei vielen anderen Verbrechen in S\u00fcdafrika. Seine ambitionierte Partei entt\u00e4uschte mit ihrer linksradikalen Agenda bei den letzten Wahlen und landete nur noch bei rund neun Prozent der Stimmen. Analysten betonen nun, dass Malema die Verurteilung f\u00fcr eine Inszenierung als M\u00e4rtyrer nutzen und damit selbst aus dem Gef\u00e4ngnis neue W\u00e4hler generieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dieses Risiko muss S\u00fcdafrika aushalten, wie auch die Gewaltdrohungen seiner Anh\u00e4nger. Wenn die Justiz davor einknicken w\u00fcrde, w\u00e4re der Schaden weit gr\u00f6\u00dfer f\u00fcr den Rechtsstaat, der bereits wegen des laschen Umgangs mit dem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus251803034\/Wahlen-in-Suedafrika-Der-Bulldozer-der-Nation.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus251803034\/Wahlen-in-Suedafrika-Der-Bulldozer-der-Nation.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">korrupten Ex-Pr\u00e4sidenten Jacob Zuma<\/a> an Glaubw\u00fcrdigkeit verloren hat. Dessen vorzeitige Haftentlassung im Jahr 2021 nach nicht einmal zwei Monaten erfolgte offiziell aus medizinischen Gr\u00fcnden, der wichtigere Grund aber waren wohl die Gewaltexzesse seiner Anh\u00e4nger.<\/p>\n<p>Mit dieser Taktik scheint auch Malema zumindest zu lieb\u00e4ugeln. Er hat Berufung eingelegt und bleibt vorerst auf freiem Fu\u00df. Unmittelbar nach der Verk\u00fcndung des Strafma\u00dfes flog er nach Johannesburg, wo er vor EFF-W\u00e4hlern sprach: \u201eT\u00f6tet den Buren\u201c, sang er da einmal mehr ins Mikrofon, \u201eich wiederhole: T\u00f6tet den Buren.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er sang \u201eT\u00f6tet den Buren\u201c, Trump attackierte ihn. 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