{"id":13530,"date":"2026-05-04T05:51:54","date_gmt":"2026-05-04T05:51:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13530\/"},"modified":"2026-05-04T05:51:54","modified_gmt":"2026-05-04T05:51:54","slug":"frankreich-verliert-uranquelle-in-niger-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13530\/","title":{"rendered":"Frankreich verliert Uranquelle in Niger &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Frankreichs R\u00fcckzug aus <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Afrika\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Afrika<\/a> schreitet in hohem Tempo voran: <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/frankreich-emmanuel-macron-niger-truppenabzug-militaer-1.6253825\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Aus Mali und Niger sind franz\u00f6sische Antiterroreinheiten l\u00e4ngst ausgeflogen<\/a>. In Tschad k\u00fcndigt die Regierung die milit\u00e4rische Kooperation mit Paris auf. Senegal signalisiert, dass es Frankreichs Soldaten ebenfalls loswerden m\u00f6chte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zum milit\u00e4rischen Exodus Tausender Truppen kommt jetzt ein wirtschaftlicher R\u00fcckschlag hinzu: Der franz\u00f6sische Konzern Orano hat in der vergangenen Woche erkl\u00e4rt, dass er die operative Kontrolle \u00fcber den Uranabbau in Niger verloren hat. Damit zeichnet sich das Ende eines Milliardengesch\u00e4fts ab, mit dem sich <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Frankreich\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich<\/a> jahrzehntelang eine sichere Zufuhr von <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Uran\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Uran<\/a> f\u00fcr seine Kraftwerke und seine Atomwirtschaft sicherte.<\/p>\n<p>Paris zufolge ist das Vorgehen der Putschisten in Niger illegal<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Frankreichs postkoloniale Verflechtungen mit dem afrikanischen Kontinent, sie verlieren zunehmend an Festigkeit oder gehen ganz zu Bruch. Fran\u00e7afrique, wie das System genannt wird, scheint auf dem besten Weg in die Geschichtsb\u00fccher zu sein. Und das nahende Ende des franz\u00f6sischen Urangesch\u00e4fts in Niger ist eine wichtige \u00f6konomische Facette dieser Entwicklung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Milit\u00e4rjunta in Niger wirkt jedenfalls fest entschlossen, die fr\u00fchere Kolonialmacht Frankreich aus dem Abbau von Uran ganz hinauszudr\u00e4ngen. Und es gilt vorerst als unwahrscheinlich, dass sich die feindselige Haltung der Putschisten gegen\u00fcber Paris schon bald wieder \u00e4ndert. Frankreich muss sich also, mehr noch als bisher, nach anderen Quellen f\u00fcr das fehlende Uran umsehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ist das nun das Ende f\u00fcr die Franzosen im afrikanischen Niger? Vier Jahrzehnte lang waren die Uranminen in der ehemaligen Kolonie ein zentraler Bestandteil der Fran\u00e7afrique, ein Nachlass, mit dem die Franzosen ihre zivile Nuklearindustrie in Schwung bringen konnten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Frankreich z\u00e4hlt heute 18 Atomkraftwerke mit 56 Reaktoren und ist stolz darauf. <a href=\"https:\/\/www.orano.group\/en\/nuclear-expertise\/orano-s-sites-around-the-world\/uranium-mines\/niger\/mining-sites\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Fr\u00fcher kam das notwendige Uran zu einem sch\u00f6nen Teil aus drei Minen in Niger<\/a>, von denen zuletzt nur noch eine in Betrieb war, die in\u00a0Imouraren, etwa achtzig Kilometer s\u00fcdlich von Arlit \u2013 eine der gr\u00f6\u00dften der Welt. Zwei Drittel der Firma, die das Uran dort gewinnt, geh\u00f6ren dem franz\u00f6sischen Staatskonzern Orano, der fr\u00fcher Areva hie\u00df. Paris beteuert darum, dass die Verdr\u00e4ngung von der Minenarbeit illegal sei, man werde sie anfechten.<\/p>\n<p>Macrons Gegner neigen dazu, die Lage zu dramatisieren<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch ob das etwas bringt? Die Junta in Niger arbeitet darauf hin, russische Firmen f\u00fcr die Uranf\u00f6rderung im eigenen Land zu gewinnen. Russisches Milit\u00e4r ist bereits vielerorts in die L\u00fccken gesto\u00dfen, die der franz\u00f6sische Abzug in der gesamten Sahelregion geschaffen hat.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Seit dem Putsch in Niger debattieren franz\u00f6sische Politiker und Experten dar\u00fcber, ob Frankreich vom Uran aus Niger abh\u00e4ngig sei. Die Meinungen gehen auseinander: Die Gegner von Pr\u00e4sident Emmanuel Macron neigen dazu, die Lage zu dramatisieren; das Regierungslager beschwichtigt. Offenbar besitzt Frankreich, das seit Anfang der Nullerjahre kein eigenes Uran mehr abbaut, eine stattliche Reserve: F\u00fcr zehn Jahre, berichtet\u00a0Le Figaro, sollte sie ausreichen f\u00fcr den Betrieb seiner Kraftwerke.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und Frankreich hat seine Importe in j\u00fcngerer Vergangenheit schon stark diversifiziert. 2022 betrug der Anteil des importierten Natururans aus Niger noch rund 20 Prozent des franz\u00f6sischen Gesamtbedarfs, der bei etwa 8000 Tonnen im Jahr liegt. Am meisten, n\u00e4mlich 37 Prozent, bezieht das franz\u00f6sische Energieunternehmen EDF, Betreiber des Netzes, aus Kasachstan. Wichtige Lieferanten sind auch Namibia, Australien und Usbekistan.<\/p>\n<p>Frankreich importiert Uran auch aus Russland<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><a href=\"https:\/\/www.mediapart.fr\/journal\/international\/210324\/nucleaire-cet-uranium-russe-que-la-france-continue-d-importer\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Die Investigativplattform Mediapart berichtete im Fr\u00fchjahr, dass die Franzosen auch Uran aus Russland einf\u00fchrten<\/a> \u2013 in angereicherter Form. Ungeachtet des russischen Angriffskrieges in der Ukraine gehen diese Importe weiter. 2022 kaufte Frankreich 312 Tonnen angereichertes Uran in Russland, f\u00fcr 358 Millionen Euro. Rechtlich geht das in Ordnung: Gegen den Uranhandel mit Russland hat der Westen keine Sanktionen verh\u00e4ngt. Doch politisch und moralisch ist die Praxis fragw\u00fcrdig: Macron geh\u00f6rt zu den wortgewaltigsten Verteidigern der Ukraine. Beim angereicherten Uran ist Russland gar die wichtigste Bezugsquelle der Franzosen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Uranf\u00f6rderung in Niger ist schon seit Langem umstritten. Kritiker erhoben immer wieder Vorw\u00fcrfe, Frankreich bekomme sein Uran dort besonders billig, der Deal galt vielen als Zeichen, wie stark und dominierend Frankreichs Einfluss \u00fcber seine fr\u00fcheren Kolonialgebiete noch immer war.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Au\u00dferdem gibt es Streit \u00fcber die gesundheitlichen Folgen des Uranabbaus f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung, die Abraumhalden sind radioaktiv, eine nigrische Dokumentation verwies schon 2016 auf eine H\u00e4ufung bei Erkrankungen von Neugeborenen, mutma\u00dflich eine Folge des Uranabbaus.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wenn Frankreich sein Urangesch\u00e4ft in Niger nun verliert, so wird dies auch geostrategische Folgen haben, weil andere Kr\u00e4fte in die L\u00fccke sto\u00dfen wollen. Am afrikanischen Uran ist auch Iran interessiert, Verhandlungen dar\u00fcber mit der Junta soll es bereits gegeben haben, mit westlichen Interessen sind solche neuen Gesch\u00e4ftsverbindungen nach Teheran kaum vereinbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Frankreichs R\u00fcckzug aus Afrika schreitet in hohem Tempo voran: Aus Mali und Niger sind franz\u00f6sische Antiterroreinheiten l\u00e4ngst ausgeflogen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13531,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[243],"tags":[29,4112,1995,331,6361,282,366,283,284,4801],"class_list":{"0":"post-13530","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-niger","8":"tag-afrika","9":"tag-atomkraft","10":"tag-ausland","11":"tag-frankreich","12":"tag-kernenergie","13":"tag-leserdiskussion","14":"tag-niger","15":"tag-politik","16":"tag-sueddeutsche-zeitung","17":"tag-uran"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116514753245613151","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13530","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13530"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13530\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13531"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13530"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13530"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13530"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}