{"id":13662,"date":"2026-05-04T13:45:25","date_gmt":"2026-05-04T13:45:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13662\/"},"modified":"2026-05-04T13:45:25","modified_gmt":"2026-05-04T13:45:25","slug":"senegal-franzoesische-ausbeutung-in-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13662\/","title":{"rendered":"Senegal \u2013 Franz\u00f6sische Ausbeutung in Afrika"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img321260\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/321260.jpeg\" alt=\"In Abidjan in C\u00f4te d\u2019Ivoire werden 2011 neue Lokomotiven des Bahnbetreibers Sita\u00adrail vorgestellt, der bis zum Verkauf 2022 zur Bollor\u00e9-Gruppe geh\u00f6rte.\"\/><\/p>\n<p>In Abidjan in C\u00f4te d\u2019Ivoire werden 2011 neue Lokomotiven des Bahnbetreibers Sita\u00adrail vorgestellt, der bis zum Verkauf 2022 zur Bollor\u00e9-Gruppe geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Foto: AFP\/Issouf Sanogo<\/p>\n<p>In Frankreich kennt man Vincent Bollor\u00e9 vor allem als Medienmogul, der die extreme Rechte unterst\u00fctzt. \u00dcber seine Mehrheitsbeteiligung an Vivendi sicherte er sich die Kontrolle der Sender Canal+, C8 und CNews, deren Berichterstattung systematisch rechtsextreme Narrative verst\u00e4rkt. So erhielt \u00c9ric Zemmour auf CNews <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2024\/feb\/13\/french-regulator-to-look-into-cnews-channel-after-opinion-media-allegation\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">eine Sendung zur Hauptsendezeit<\/a>, mit der er seine Pr\u00e4sidentschaftskandidatur 2022 vorbereitete. Auf diese Weise r\u00fcckten Einwanderungs-, Identit\u00e4ts- und Anti-Islam-Narrative ins Zentrum der franz\u00f6sischen \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Journalist*innen, die sich der Redaktionslinie widersetzten, <a href=\"https:\/\/jacobin.com\/2025\/12\/canal-bollore-africa-media-right\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">berichteten von Druck<\/a> und Entlassung, Pressefreiheitsorganisationen dokumentierten die systematische Einflussnahme. Die Rundfunkaufsicht verh\u00e4ngte wiederholt Sanktionen gegen CNews; C8 verlor schlie\u00dflich gar <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/e934e590-29f3-453c-b0f5-e6ebccc243d4\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die Sendelizenz<\/a> \u2013 eine regulatorische Intervention, die erst nach jahrelang dokumentierter redaktioneller Einflussnahme Bollor\u00e9s erfolgte.<\/p>\n<p>Doch Bollor\u00e9 ist nicht nur ein Medienmogul. Er ist auch der Mann, der in jungen Jahren ein Papierunternehmen \u00fcbernahm und daraus einen der m\u00e4chtigsten Konzerne Frankreichs schmiedete, der sein Geld mit Logistik, Werbung und Medien verdiente. Vor allem aber hat Bollor\u00e9 als Konzernchef drei Jahrzehnte lang die physische Infrastruktur Westafrikas kontrolliert \u2013 H\u00e4fen, Eisenbahnen, Frachtkorridore. Obschon er sich schlie\u00dflich aus der Hafenlogistik zur\u00fcckzog, bleibt er weiterhin ein bedeutender Akteur auf dem Kontinent, wo er nunmehr ebenfalls als Medienmogul agiert.<\/p>\n<p>H\u00e4fen, Konzessionen, Kontrolle<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen H\u00e4fen Westafrikas bilden die Schnittstelle zwischen Weltwirtschaft und Kontinent. San Pedro in C\u00f4te d\u2019Ivoire, Dakar in Senegal und Lom\u00e9 in Togo geh\u00f6ren zu den bedeutendsten Seezug\u00e4ngen der Region; die Korridore von dort ins Landesinnere verbinden K\u00fcstenterminals mit den Binnenl\u00e4ndern der Sahelzone. Wer diese H\u00e4fen kontrolliert, bestimmt, wie Waren transportiert werden \u2013 und zu welchem Preis.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahrzehnten dominierte die Bollor\u00e9-Gruppe dieses Netzwerk. \u00dcber Bollor\u00e9 Africa Logistics (BAL) baute der Konzern <a href=\"https:\/\/maritime-executive.com\/article\/msc-group-reaches-agreement-to-acquire-bollore-africa-logistics\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">eine Pr\u00e4senz auf<\/a>, die Hafenterminals, Eisenbahnkonzessionen und Frachtkorridore umfasste \u2013 darunter Sitarail nach Burkina Faso, Camrail in Kamerun und B\u00e9nirail in Benin. Zum Zeitpunkt ihres Verkaufs im Jahr 2022 war die Gruppe in <a href=\"https:\/\/maritime-executive.com\/article\/msc-completes-acquisition-of-bollore-africa-logistics\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">46\u2005afrikanischen L\u00e4ndern pr\u00e4sent<\/a>.<\/p>\n<p>Westafrikanische H\u00e4fen sind Staatseigentum. Die Regierung vergibt Konzessionen, die den Betrieb f\u00fcr 20, 30 oder 35\u2005Jahre an ein Privatunternehmen \u00fcbertragen. Die Einnahmen aus dem Betrieb flie\u00dfen dann dem Unternehmen zu, das ans Hafenamt lediglich eine vertraglich vereinbarte <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/03088839.2012.644476\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Konzessionsgeb\u00fchr abf\u00fchrt<\/a>. Gerade die lange Dauer der Vertr\u00e4ge garantiert die starke Stellung und hohe Profite der Privatunternehmen.<\/p>\n<p>Erschwerend kommt hinzu, dass diese Vertr\u00e4ge in der Regel vorschreiben, dass Rechtsstreitigkeiten nicht vor nationalen Gerichten, sondern durch internationale Handelsschiedsgerichte beigelegt werden. So wurden etwa im Rechtsstreit zwischen dem Hafen Douala und Bollor\u00e9s ehemaliger Tochtergesellschaft Verfahren vor der Internationalen Handelskammer in Paris eingeleitet statt vor <a href=\"https:\/\/www.africanews.com\/2024\/06\/25\/cameroon-french-court-backs-douala-port-in-bollore-dispute\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">kamerunischen Gerichten<\/a>.<\/p>\n<p>Wie einige dieser Konzessionen erlangt wurden, ist Gegenstand laufender Strafverfahren in Frankreich, wo die Parquet National Financier, die f\u00fcr Wirtschaftskriminalit\u00e4t zust\u00e4ndige Staatsanwaltschaft, <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/fr\/afrique\/20260319-vincent-bollor\u00e9-proces-decembre-2026-paris-pour-corruption-au-togo-guinee\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">seit 2013 ermittelt<\/a>. Der Vorwurf: Die Bollor\u00e9-Gruppe habe die Beratungsaktivit\u00e4ten ihrer Tochtergesellschaft genutzt, um sich betr\u00fcgerisch die Hafenkonzessionen in Lom\u00e9 und Conakry zu sichern, indem sie dem Pr\u00e4sidenten Togos, Faure Gnassingb\u00e9, und dem guineischen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten Alpha Cond\u00e9 w\u00e4hrend ihrer Wahlk\u00e4mpfe 2010 Kampagnenberatung zu stark verg\u00fcnstigten Konditionen angeboten habe.<\/p>\n<p>Kooperation mit der RLS<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/321262.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>Rosa Luxemburg Stiftung<\/p>\n<p>Die Rosa-Luxemburg-Stiftung unterh\u00e4lt mehr als zwei Dutzend Auslandsb\u00fcros auf allen Kontinenten. Im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit \u00bbnd\u00ab gibt es an dieser Stelle regelm\u00e4\u00dfig Berichte \u00fcber Entwicklungen in den verschiedensten Regionen. Alle Texte auf: <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/thema\/rls\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dasnd.de\/rls<\/a><\/p>\n<p>Die Erteilung der Hafenkonzessionen erfolgte kurz nach ihren Wahlsiegen. Bollor\u00e9 wollte einem Prozess 2021 durch ein Schuldgest\u00e4ndnis entgehen, doch das Gericht sperrte sich und leitete das Strafverfahren neu ein. Er wird nun im Dezember 2026 in Paris <a href=\"https:\/\/www.franceinfo.fr\/faits-divers\/justice-proces\/vincent-bollore-sera-juge-en-decembre-a-paris-pour-corruption-d-agent-public-etranger-au-togo_7878026.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">vor Gericht stehen<\/a> \u2013 13\u2005Jahre nach Beginn der Ermittlungen. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.<\/p>\n<p>Von H\u00e4fen zu Bildschirmen<\/p>\n<p>Im Jahr 2022 ver\u00e4u\u00dferte Bollor\u00e9 die BAL f\u00fcr 5,7\u2005Milliarden Euro an die Mediterranean Shipping Company (MSC); anschlie\u00dfend wurde die Firma in Africa Global Logistics umbenannt. Der Verkauf wurde als strategischer R\u00fcckzug von einem Kontinent pr\u00e4sentiert, auf dem Bollor\u00e9 zur Persona non grata geworden war.<\/p>\n<p>Der Zeitplan erz\u00e4hlt jedoch eine andere Geschichte: Die Bollor\u00e9-Gruppe begann n\u00e4mlich bereits 2020 damit, die Zukunft des Logistikgesch\u00e4fts <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/fr\/afrique\/20260319-vincent-bollor\u00e9-proces-decembre-2026-paris-pour-corruption-au-togo-guinee\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zu sondieren<\/a> \u2013 im selben Jahr, als sich im langj\u00e4hrigen Bestechungsverfahren eine au\u00dfergerichtliche Einigung abzuzeichnen begann. Ein Jahr sp\u00e4ter einigte sich der Konzern mit der Staatsanwaltschaft auf einen Vergleich und zahlte 12\u2005Euro Geldstrafe \u2013 ohne dabei Schuld anzuerkennen. Diese 12\u2005Millionen Euro waren der Preis f\u00fcr die Konzernhaftung; eine geradezu l\u00e4cherlich geringe Summe angesichts des milliardenschweren Verkaufspreises, der auch die mutma\u00dflich durch Bestechung erlangten Konzessionen einschloss.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sischen Ermittlungen haben erstmals \u00f6ffentlich benannt, wie das Geflecht aus Bestechung, Konzessionsvergabe und Kapitalabfluss funktioniert, das sich 30\u2005Jahre lang im Verborgenen abspielte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Hafenkonzessionen auf MSC \u00fcbertragen wurden, bereitete Canal+ bereits den Kauf des gr\u00f6\u00dften Pay-TV-Anbieters in Afrika namens MultiChoice vor, der schlie\u00dflich im September 2025 f\u00fcr rund 2,5\u2005Milliarden Euro <a href=\"https:\/\/jacobin.com\/2025\/12\/canal-bollore-africa-media-right\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">abgeschlossen wurde<\/a>.<\/p>\n<p>Damit hatte die Bollor\u00e9-Gruppe ihre Umstrukturierung zum Medien- und Kommunikationskonzern vollzogen. Ende 2023 waren rund <a href=\"https:\/\/jacobin.com\/2025\/12\/canal-bollore-africa-media-right\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">95\u2005Prozent<\/a> der Konzernbesch\u00e4ftigten im Medienbereich t\u00e4tig. Dies best\u00e4tigt, dass Bollor\u00e9s R\u00fcckzug aus der Hafenlogistik keinen Abschied aus Afrika, sondern vielmehr eine Neupositionierung auf dem Kontinent bedeutete.<\/p>\n<p>Bollor\u00e9 agiert damit in einem Medienmarkt, in dem \u00f6ffentlich-rechtliche Sender <a href=\"https:\/\/rsf.org\/en\/region\/africa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">chronisch unterfinanziert<\/a> sind und unabh\u00e4ngige Medien ums wirtschaftliche \u00dcberleben k\u00e4mpfen. Regulatorische Gegengewichte \u2013 Medienkonzentrationsrecht, unabh\u00e4ngige Rundfunkaufsicht, starke \u00f6ffentlich-rechtliche Sender \u2013 sind in weiten Teilen Westafrikas kaum vorhanden; Aufsichtsbeh\u00f6rden stehen h\u00e4ufig unter politischem Einfluss, und die <a href=\"https:\/\/rsf.org\/en\/region\/africa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Medienkonzentration ist hoch<\/a>. Dass Canal+ bereits im Dezember 2023 auf Anfrage der guineischen Milit\u00e4rjunta drei regierungskritische Sender aus seinem Angebot <a href=\"https:\/\/northafricapost.com\/73584-guineas-media-regulator-orders-canal-to-remove-djoma-tv-radio-from-channel-packages-on-security-grounds.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">entfernte<\/a> \u2013 ausgerechnet in jenem Land, in dem Bollor\u00e9 seine Hafenkonzession durch Zahlungen an den Pr\u00e4sidenten erlangt haben soll \u2013, vermittelt einen Eindruck vom Charakter dieses Medienunternehmens.<\/p>\n<p>Neokoloniales Gesch\u00e4ftsmodell<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/eng\/business\/msc-the-secretive-geneva-shipping-family-with-the-global-empire\/49010732\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mediterranean Shipping Company<\/a> ist, wie die Bollor\u00e9-Gruppe, ein Familienkonzern. Sie befindet sich vollst\u00e4ndig im Besitz der Familie Aponte und ist \u00fcber private Trusts organisiert \u2013 ohne Transparenz- oder Rechenschaftspflicht. Der Schweizer Konzern ist ein m\u00e4chtiger Akteur, der rund ein F\u00fcnftel des weltweiten Containerfrachtverkehrs abwickelt.<\/p>\n<p>Als MSC vor vier Jahren BAL \u00fcbernahm, bekannte man sich ausdr\u00fccklich dazu, <a href=\"https:\/\/www.msc.com\/en\/newsroom\/press-releases\/2022\/december\/msc-group-completes-acquisition-of-bollore-africa-logistics\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">alle bestehenden Verpflichtungen zu erf\u00fcllen<\/a> \u2013 und belie\u00df nach dem Erwerb mit Philippe Labonne den CEO im Amt. Auch die Pointe-Noire-Konzession im Kongo, die BAL seit 2009 gehalten hatte, ging unver\u00e4ndert auf Africa Global Logistics \u00fcber und wurde im August 2023 im Rahmen eines <a href=\"https:\/\/www.ship-technology.com\/news\/congo-pointe-noire-container-terminal\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Terminalerweiterungsdeals<\/a> bis 2050 verl\u00e4ngert.<\/p>\n<p>Quer durch Westafrika werden die strukturellen Bedingungen, die solche Vertr\u00e4ge schaffen, zunehmend als politisches Problem erkannt. Die Milit\u00e4rputsche in Mali, Burkina Faso und Niger gingen einher mit expliziten Forderungen nach wirtschaftlicher Souver\u00e4nit\u00e4t, der Neuverhandlung von Ressourcen- und Infrastrukturvertr\u00e4gen sowie der grunds\u00e4tzlichen Ablehnung der neokolonialen Abh\u00e4ngigkeit vom franz\u00f6sischen Staat und Kapital. In Senegal brachte <a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/news\/id\/52631\/senegal-aufbruch-oder-stillstand\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die Wahl von Bassirou Diomaye Faye 2024<\/a> \u2013 mit einem Wahlprogramm, das explizit den franz\u00f6sischen W\u00e4hrungs- und Konzerneinfluss kritisierte \u2013 eine \u00dcberpr\u00fcfung von Infrastruktur- und Energievertr\u00e4gen aus fr\u00fcheren Regierungszeiten mit sich.<\/p>\n<p>Die Grenzen der Rechenschaftspflicht<\/p>\n<p>Parallel zum Strafverfahren hat die vom Banker und Whistleblower Jean-Jacques Lumumba gef\u00fchrte Organisation \u00bbRestitution pour l\u2019Afrique\u00ab im M\u00e4rz 2025 eine Zivilklage bei der <a href=\"https:\/\/amp.dw.com\/fr\/bollore-justice-france-corruption-ports-africains-guinee\/a-76459594\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Parquet National Financier<\/a> eingereicht. Bei dieser geht es um Geldw\u00e4sche und Hehlerei im Zusammenhang mit der Vergabe von Hafenkonzessionen in Lom\u00e9, Conakry, Douala, Kribi, Tema und Abidjan. Mit seiner Klage hat Lumumba also die Rechenschaftsforderung \u00fcber die zwei Konzessionen hinaus ausgedehnt, die im Mittelpunkt des Strafverfahrens gegen Bollor\u00e9 stehen.<\/p>\n<p>Die Strategie seiner Koalition besteht darin, dass er den Schmiergeldzahler selbst ins Visier nehmen und die Korruptionserl\u00f6se an den Ursprung verfolgen will, um sie den Menschen zur\u00fcckzugeben, denen sie entzogen wurden. Lumumba bringt es auf den Punkt: <a href=\"https:\/\/www.linternaute.com\/actualite\/faits-divers\/7545618-moins-d-hopitaux-moins-d-ecoles-bollore-accuse-d-avoir-blanchi-des-sommes-astronomiques-en-afrique\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Korruption kostet Menschenleben<\/a>. Denn f\u00fcr die betroffenen Menschen bedeutet sie weniger Stra\u00dfen, weniger Krankenh\u00e4user, weniger Investitionen \u2013 und damit eine strukturelle Benachteiligung, die sich \u00fcber Generationen auswirkt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ug.ambafrance.org\/La-France-se-dote-d-un-nouveau-mecanisme-de-restitution-des-biens-mal-acquis\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das franz\u00f6sische Entwicklungsgesetz von 2021<\/a> erm\u00f6glicht es, beschlagnahmte Verm\u00f6genswerte in Korruptionsf\u00e4llen, an denen ausl\u00e4ndische Staaten beteiligt sind, an die betroffene Bev\u00f6lkerung zur\u00fcckzugeben, statt sie beim franz\u00f6sischen Staat zu belassen. Wenn die Konzessionen in Lom\u00e9 und Conakry durch Korruption erworben wurden, dann sind die daraus erzielten Einnahmen \u2013 und letztlich der gesamte Verkaufserl\u00f6s in H\u00f6he von 5,7\u2005Milliarden Euro, der die Konzessionen einschloss \u2013 im rechtlichen Sinne Ertr\u00e4ge aus Straftaten. Dieser Fall liegt bei franz\u00f6sischen Gerichten. Aber sein Ausgang reicht weit \u00fcber Frankreich hinaus.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sischen Ermittlungen haben erstmals \u00f6ffentlich benannt, wie das Geflecht aus Bestechung, Konzessionsvergabe und Kapitalabfluss funktioniert, das sich 30\u2005Jahre lang im Verborgenen abspielte. Das System selbst \u2013 mit seiner langfristigen Vergabe der Konzessionen, der Rechtshoheit jenseits afrikanischer Gerichte und den nach au\u00dfen abflie\u00dfenden Erl\u00f6sen \u2013 steht im Dezember in Frankreich jedoch nicht vor Gericht.<\/p>\n<p>Damit aber steht unabh\u00e4ngig vom Ausgang des Verfahrens bereits fest: Die H\u00e4fen von Lom\u00e9 und Conakry werden unter den bestehenden Bedingungen weiter betrieben; die Pointe-Noire-Konzession l\u00e4uft bis 2050. Und Bollor\u00e9s Canal+ erreicht \u00fcber MultiChoice nunmehr 40\u2005Millionen Abonnent*innen auf dem afrikanischen Kontinent. Was Rechenschaft jenseits des Gerichtsverfahrens bedeutet, bleibt indes eine Frage, die dieser Prozess allein nicht beantworten kann.<\/p>\n<p>Jenny Ou\u00e9draogo ist Projektmanagerin im Westafrika-B\u00fcro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Dakar, Senegal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Abidjan in C\u00f4te d\u2019Ivoire werden 2011 neue Lokomotiven des Bahnbetreibers Sita\u00adrail vorgestellt, der bis zum Verkauf 2022&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13663,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[6387,300],"class_list":{"0":"post-13662","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-senegal","8":"tag-rls","9":"tag-senegal"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116516613135525771","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13662"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13662\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13663"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}