{"id":13946,"date":"2026-05-05T11:59:23","date_gmt":"2026-05-05T11:59:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13946\/"},"modified":"2026-05-05T11:59:23","modified_gmt":"2026-05-05T11:59:23","slug":"jihadistischer-terror-in-niger-attacke-des-islamischen-staats-im-sahel-auf-den-flughafen-von-niamey","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13946\/","title":{"rendered":"Jihadistischer Terror in Niger: Attacke des \u00bbIslamischen Staats im Sahel\u00ab auf den Flughafen von Niamey"},"content":{"rendered":"<p>Das geht entschieden gegen die Terroristenehre: Da ver\u00fcbt man einen bewaffneten Angriff spektakul\u00e4rer Art, und dann werden andere beschuldigt. Eilig muss man Bekennerkommuniqu\u00e9s oder Videobeweise nachreichen, um die eigene blutr\u00fcnstige Organisation in den Vordergrund zu r\u00fccken.<\/p>\n<p>So erging es j\u00fcngst der Terrormiliz \u00bbIslamischer Staat im Sahel\u00ab. In der Nacht vom 28. zum 29.\u2009Januar gegen Mitternacht begann die jihadistische Gruppierung einen aufsehenerregenden Angriff auf den A\u00e9roport Diori Hamani, den Flughafen von Niamey, der Hauptstadt der Republik Niger. Die Feuergefechte dauerten rund eine Stunde, meterhohe Flammen waren zu sehen. Ankommende Flugzeuge aus Belgien sowie Algerien wurden auf die Flugh\u00e4fen von Ouagadougou in Burkina Faso sowie Lagos in Nigeria umgeleitet.<\/p>\n<p>Eine bedeutende Uranfracht lagert auf dem Flughafengel\u00e4nde, um nach Russland geliefert zu werden; dies machte die Kampfhandlungen dort besonders brisant.<\/p>\n<p>Der nigrische \u00dcbergangspr\u00e4sident General Abdourahamane Tchiani, der sich im Juli 2023 an die Macht geputscht hatte, beschuldigte alsbald Staaten, gegen die seine Au\u00dfenpolitik gerichtet ist: \u00bbEmmanuel Macron, (Patrice) Talon und Alassane Ouattara\u00ab seien \u00bbdie Sponsoren dieser S\u00f6ldner\u00ab, die das angerichtet h\u00e4tten, lautete sein Vorwurf an die Adresse der Staatspr\u00e4sidenten Frankreichs, des Nachbarlands Benin und der westafrikanischen Regionalmacht C\u00f4te d\u2019Ivoire\u00a0\u2013 die beiden Letzteren stellen in seinen Augen Lakaien des Erstgenannten und des franz\u00f6sischen Neokolonialismus in der Region dar. Verteidigungsminister Salifou Modi behauptete im staatlichen Sender T\u00e9l\u00e9 Sahel, 20 Angreifer seien get\u00f6tet und elf festgenommen worden. Unter den Get\u00f6teten befinde sich auch \u00bbein franz\u00f6sischer Staatsb\u00fcrger\u00ab. Best\u00e4tigt scheint lediglich eine Festnahme.<\/p>\n<p>Nichts deutet jedoch darauf hin, dass Tchiani mit seinem au\u00dfenpolitisch motivierten Vorwurf tats\u00e4chlich die Verantwortlichen f\u00fcr die Attacke, die f\u00fcr nigrische Verh\u00e4ltnisse eine neue Qualit\u00e4t hat, benannt hat. Das im Nachbarland Burkina Faso\u00a0\u2013 das mit der Republik Niger sowie Mali seit 2023 die Allianz der Staaten des Sahel (AES) bildet\u00a0\u2013 basierte Webmedium A quand l\u2019Afrique vom 29.\u2009Januar beschuldigt gleichfalls Talon und Ouattara, doch auch hier scheinen die Vorw\u00fcrfe aus der Luft gegriffen. Die Website behauptete wenige Stunden nach der Attacke, am Tag zuvor habe sich Benins Pr\u00e4sident Talon \u00bbvon 22\u2009Uhr bis drei Uhr fr\u00fch\u00ab bei seinem Amtskollegen Ouattara aufgehalten. Am Abend darauf sei der Angriff erfolgt, was den n\u00e4chtlichen Besuch besonders verd\u00e4chtig erscheinen lasse. Als Beleg wird ein Foto pr\u00e4sentiert, das die beiden Staatsoberh\u00e4upter zusammen gegen ein Uhr fr\u00fch zeigen soll. Eine Recherche der Nachrichten-Website Africa Check hat allerdings ergeben, dass die Aufnahme von einem offiziellen Staatsbesuch Talons bei Ouattara im Juni 2025 stammt.<\/p>\n<p>Die Regierungen Benins und der C\u00f4te d\u2019Ivoire dementierten \u00bbentschlossen\u00ab die Vorw\u00fcrfe und Ger\u00fcchte. In der C\u00f4te d\u2019Ivoire wurde am 30.\u2009Januar der nigrische Botschafter einbestellt, die Exekutive verlangte offiziell \u00bbBeweise\u00ab. Bereits am Vortag hatte die Regierung Benins von \u00bbwenig glaubhaften\u00ab Anschuldigungen gesprochen.<br \/>Eine andere \u00e4u\u00dfere Macht hingegen bedachte Juntachef Tchiani mit freundlichen Worten: Er bedankte sich ausdr\u00fccklich bei Russland f\u00fcr die Hilfe bei der Abwehr der Attacke auf den Flughafen und f\u00fcgte hinzu, auch das Afrikakorps\u00a0\u2013 der Nachfolger der S\u00f6ldnertruppe Wagner\u00a0\u2013 sei daran beteiligt gewesen.<\/p>\n<p>Die Milit\u00e4rjuntas der AES und die jihadistische Gewalt<\/p>\n<p>Die Episode verdeutlicht nicht nur das Ausma\u00df der russischen Pr\u00e4senz in Niamey, sondern auch, dass sie\u00a0\u2013 anders als die Milit\u00e4rjuntas der AES es ihren Bev\u00f6lkerungen versprachen\u00a0\u2013 die jihadistische Gewalt bisher nicht beenden oder bew\u00e4ltigen kann.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit den n\u00e4chtlichen K\u00e4mpfen am Flughafen wurde in der \u00d6ffentlichkeit deutlich, welche milit\u00e4rischen Kr\u00e4fte dort stationiert sind. Dabei geht es vor allem um die besonders gesicherte \u00bbMilit\u00e4rbasis 101\u00ab, eine fr\u00fcher von der franz\u00f6sischen Armee genutzte Luftwaffenbasis.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2023\/32\/frankreich-raus-russland-rein\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich musste jedoch nach dem Putsch 2023 aus der Republik Niger abziehen<\/a>. Zun\u00e4chst verblieben dort noch US-amerikanische Soldaten, doch die USA brachen 2024 ihre Milit\u00e4rmission in Niger wegen einer Verschlechterung der Beziehungen sowie der Ann\u00e4herung der Milit\u00e4rjunta an Russland ab.<\/p>\n<p>Munitionslager in Flammen<\/p>\n<p>Derzeit halten sich dort 300 italienische Soldaten auf\u00a0\u2013 der Verteidigungsminister des Landes, Guido Crosetto, betonte nach dem Angriff, Angeh\u00f6rige der Milit\u00e4rmission Italiens seien weder an Kampfhandlungen beteiligt gewesen noch verletzt worden \u2013, ebenso solche aus nigrischen Eliteeinheiten sowie Russen. Ferner wurde bekannt, eine bedeutende Uranfracht werde auf dem Flughafengel\u00e4nde gelagert, um nach Russland geliefert zu werden; dies macht die Kampfhandlungen dort besonders brisant.<\/p>\n<p>Am 2.\u2009Februar ver\u00f6ffentlichte indes der IS im Sahel ein Bekennervideo, das aus Sicht von Teilnehmern des Angriffs gefilmt worden war und das Logo des IS-Propagandakanals Amaq tr\u00e4gt. Es zeigt unter anderem, wie Flugzeuge der Luftfahrtgesellschaften Asky und Air C\u00f4te d\u2019Ivoire besch\u00e4digt werden sowie ein Munitionslager in Flammen aufgeht.<\/p>\n<p>An der Urheberschaft des IS d\u00fcrften kaum ernsthafte Zweifel bestehen. Im Unterschied zu den Nachbarl\u00e4ndern Mali und Burkina Faso, in denen der al-Qaida-Ableger \u00bbGruppe zur Verteidigung des Islam und der Muslime\u00ab (GSIM) unter den jihadistischen Organisationen dominiert, hat in der Republik Niger der IS im Sahel die Nase vorn, auch wenn die GSIM j\u00fcngst eine Autobombe in Niamey explodieren lie\u00df. Dem IS ist ein Propagandacoup gelungen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das geht entschieden gegen die Terroristenehre: Da ver\u00fcbt man einen bewaffneten Angriff spektakul\u00e4rer Art, und dann werden andere&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13947,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[243],"tags":[6475,834,2093,1683,366,381,723,345,1585],"class_list":{"0":"post-13946","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-niger","8":"tag-allianz-der-staaten-des-sahel-aes","9":"tag-islamischer-staat","10":"tag-italien","11":"tag-jihadismus","12":"tag-niger","13":"tag-russland","14":"tag-sahel","15":"tag-terrorismus","16":"tag-wagner-gruppe"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116521858670069140","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13946","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13946"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13946\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13947"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13946"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}