{"id":13996,"date":"2026-05-05T14:28:06","date_gmt":"2026-05-05T14:28:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13996\/"},"modified":"2026-05-05T14:28:06","modified_gmt":"2026-05-05T14:28:06","slug":"table-special-militaerputsch-in-niger-table-briefings","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/13996\/","title":{"rendered":"Table.Special: Milit\u00e4rputsch in Niger \u2022 Table.Briefings"},"content":{"rendered":"<p>    Liebe Leserin, lieber Leser,<\/p>\n<p>die Spannung w\u00e4chst rund um den Putsch in Niger. Am Sonntag l\u00e4uft ein Ultimatum der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas aus. Was danach geschehen wird, ist v\u00f6llig ungewiss.<\/p>\n<p>Doch eines zeichnet sich ab: Es geht bei diesem Staatsstreich nicht allein um ein bitterarmes Land in der Sahelzone, das zwar mehr als drei Mal so gro\u00df wie Deutschland ist, aber nur ein Drittel so viele Einwohner z\u00e4hlt. Es geht auch darum, dass die Region der Schauplatz einer neuen Stellvertreter-Auseinandersetzung fremder Interessen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die alten M\u00e4chte \u2013 Frankreich, aber auch Deutschland \u2013 auf dem R\u00fcckzug sind, versucht besonders Russland Kapital aus der neuen Situation zu schlagen. Aber auch andere, afrikanische L\u00e4nder bringen sich in Position.<\/p>\n<p>Grund genug f\u00fcr uns bei Table.Media, Sie ausf\u00fchrlich und in die Tiefe gehend \u00fcber die Geschehnisse in Niger und der Region zu informieren. F\u00fcr dieses Table.Media Spezial haben wir f\u00fcr Sie Analysen, Interviews, Nachrichten und Erfahrungsberichte zusammengetragen und dabei das Expertenwissen in der gesamten Redaktion von Table.Media genutzt.<\/p>\n<p>Wenn Ihnen diese Ausgabe gef\u00e4llt, leiten Sie uns bitte weiter. Und falls Ihnen diese Mail selbst weitergeleitet wurde:\u00a0<a href=\"https:\/\/deu01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fr.table.media%2FCL0%2Fhttps%3A%252F%252Fdeu01.safelinks.protection.outlook.com%252F%253Furl%3Dhttps%25253A%25252F%25252Fr.table.media%25252FCL0%25252Fhttps%25253A%2525252F%2525252Fdeu01.safelinks.protection.outlook.com%2525252F%2525253Furl%25253Dhttps%252525253A%252525252F%252525252Fr.table.media%252525252FCL0%252525252Fhttps%252525253A%25252525252F%25252525252Fr.table.media%25252525252FCL0%25252525252Fhttps%252525253A%2525252525252F%2525252525252Fr.table.media%2525252525252FCL0%2525252525252Fhttps%252525253A%252525252525252F%252525252525252Fr.table.media%252525252525252FCL0%252525252525252Fhttps%252525253A%25252525252525252F%25252525252525252Ftable.media%25252525252525252F%25252525252525253Futm_source%252525253Demail%252525252525252526utm_medium%252525253Dnewsletter%252525252525252526utm_campaign%252525253Dshare_edi_a22%252525252525252F1%252525252525252F010701867258fe77-5b8f5eae-5658-41e3-ba96-2d7b5b8fa367-000000%252525252525252FOeEVmrKwSHvYDdV-36qim4I_B3mYXr6p27Sy4VQnIEo%252525253D90%2525252525252F1%2525252525252F010701869e7a4075-4af3f92e-8a42-44e2-b887-4bd53656dc19-000000%2525252525252FwrZ7MxIDU5ZQ2UbJTf83c7EHMIcF9871aJFXAAqnD_s%252525253D92%25252525252F1%25252525252F01070186ba746476-cb90caf1-9734-40e8-89b4-47e43215619b-000000%25252525252Fd0TybzvjU_VVa4C4_cWNRCH1E0BOA9KYzLfC1NeCaEk%252525253D92%252525252F1%252525252F01070187b6929bf9-e33509ed-ad48-43bb-aa77-34f1e90d1987-000000%252525252FMumjJz_KOscvW04G-G9Df1bXiCHIV_428_Eem8Gsvxw%252525253D99%25252526data%25253D05%252525257C01%252525257Cchristian.hiller%2525252540extern.table.media%252525257C76375aafa3da45df66b708db4541b72a%252525257C934010eadf0947b799a15200352bf1c2%252525257C0%252525257C0%252525257C638179920773095706%252525257CUnknown%252525257CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%252525253D%252525257C3000%252525257C%252525257C%252525257C%25252526sdata%25253DSHIoi8PihvotMg%252525252BaduO5X5HKVUsUDwWSp%252525252F%252525252FEf0TD6DA%252525253D%25252526reserved%25253D0%25252F1%25252F01070187feab8264-5ca9db04-fcba-428e-9af4-bda0c3b3e848-000000%25252FO0h6vzh0rzItRXAYQgcdf-0USp0Ya0C_qQs2nYaq6LQ%25253D101%2526data%3D05%25257C01%25257Cchristian.hiller%252540extern.table.media%25257C58b3c1c6d4e248dff3d908db50785169%25257C934010eadf0947b799a15200352bf1c2%25257C0%25257C0%25257C638192249974985667%25257CUnknown%25257CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%25253D%25257C3000%25257C%25257C%25257C%2526sdata%3DNlgQtH8AyIEmmLhvFDTI%25252FAac%25252Fj%25252BS9aqpAGAOwaIiTW4%25253D%2526reserved%3D0%2F1%2F01070189af44cc41-1c579aea-5ec4-4606-b267-6a89d343d3cb-000000%2FdfiLrLc83qtGuUHKOv-8SM7icOTxxsWLROmjvjpT3Tw%3D113&amp;data=05%7C01%7Cchristian.hiller%40extern.table.media%7Cdc8b324b0d8d4ceab6f508db924467c2%7C934010eadf0947b799a15200352bf1c2%7C0%7C0%7C638264594716831229%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C3000%7C%7C%7C&amp;sdata=CWeptwW%2FDlU%2BLzdXsaNVh6LgG%2FnIphQ%2BwFLEU6QNKsE%3D&amp;reserved=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Hier<\/a>\u00a0k\u00f6nnen Sie sich f\u00fcr den Africa.Table, Security.Table, Berlin.Table und weitere Themen anmelden.<\/p>\n<p>    Analyse\tGespannte Lage in Niger vor dem Ablauf des Ultimatums<\/p>\n<p>Es kommt offenbar zum Showdown in Niger. Die westafrikanische Staatengemeinschaft <a href=\"https:\/\/ecowas.int\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ecowas<\/a> hatte Anfang der Woche den Putschisten ein Ultimatum gestellt, bis zum Sonntag, 6. August die legitim gew\u00e4hlte Regierung wiedereinzusetzen. Bisher haben die Milit\u00e4rs rund um General Tchiani nicht zu erkennen gegeben, diesem Ultimatum zu folgen. Gleichzeitig hatte die Ecowas, deren Pr\u00e4sident aktuell Nigerias Pr\u00e4sident Tinubu ist, Niger mit bisher beispiellosen Wirtschaftssanktionen belegt. Unter anderem wurden s\u00e4mtliche Finanztransaktionen gestoppt und nationale Verm\u00f6genswerte eingefroren.<\/p>\n<p>Seit Tagen fragt sich die Welt, was nach Ablauf der Frist geschehen kann. Die Ecowas mit Sitz in Abuja ist eine Gemeinschaft von 15 westafrikanischen Staaten, die in j\u00fcngster Vergangenheit eine Nebenrolle in der Sahelzone gespielt hat. Die Ecowas kann das Ultimatum nicht folgenlos auslaufen lassen. Damit steht eine Milit\u00e4rintervention im Raum.<\/p>\n<p>Allein Nigeria ist in der Lage, eine Milit\u00e4roperation gegen die Putschisten zu f\u00fchren. Nigeria unterh\u00e4lt mit 230.000 Soldaten eine der gr\u00f6\u00dften Armeen in der Region. Doch eine Intervention in Niger birgt unw\u00e4gbare Risiken. Die Milit\u00e4rregierungen von Burkina Faso und Mali haben schon vor einem Eingreifen der Ecowas mit einer Ausdehnung des Konflikts auf die gesamte Region gedroht.<\/p>\n<p>Zahlreiche ausl\u00e4ndische St\u00fctzpunkte in Niger<\/p>\n<p>Am Mittwochvormittag war Salifou Mody zu Beratungen nach Bamako und Ouagadougou geflogen. Mody war Milit\u00e4rattach\u00e9 in Berlin und galt bis zum Putsch als Gew\u00e4hrsmann der Bundesregierung in der nigrischen Armee. Heute ist er hinter Abdourahamane Tchiani die Nummer zwei in der Milit\u00e4rjunta.<\/p>\n<p>In Niger haben verschiedenste L\u00e4nder Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte:<\/p>\n<p>Frankreich ist mit rund 1500 Soldaten aktiv, davon etwa 1000 am Flughafen Niamey. Die Milit\u00e4rjunta hat jedoch am Freitag die Milit\u00e4rkooperation mit Frankreich aufgek\u00fcndigt.Die USA haben rund 1100 Soldaten, die auf zwei Camps verteilt sind.Italien hat etwa 300 Soldaten in Niger stationiert.Die Bundeswehr hat am Flughafen Niamey etwa 100 Soldaten, die den R\u00fcckzug der Truppen aus Mali unterst\u00fctzen.Die Europ\u00e4ische Union betreibt eine Ausbildungsmission f\u00fcr die nigrische Armee, an der sich die Bundeswehr mit etwa 60 Soldaten beteiligt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"590\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/TM_Africa_Ecowas-und_Sahel02-1024x590.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2114003\"  \/>Komplexe Lage in der Region<\/p>\n<p>Das Vorgehen der Ecowas gegen die Putschisten geschieht vor einer komplexen Interessenslage:<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r in Niger stellt seit der Unabh\u00e4ngigkeit 1960 die Einheit des Staates sicher und ver\u00fcbte wiederholt Staatsstreiche.Der gest\u00fcrzte Pr\u00e4sident Mohamed Bazoum ist zwar in seiner Residenz festgesetzt, steht aber in Kontakt mit afrikanischen und nicht-afrikanischen Regierungen.Die Bev\u00f6lkerung hat zwischen Bazoum und den Putschisten keine klare Pr\u00e4ferenz erkennen lassen. Es fanden sowohl Demonstrationen f\u00fcr die legitime Regierung statt wie auch f\u00fcr die Milit\u00e4rjunta.Die Bewegung M62 unterst\u00fctzt den Putsch. Sie kritisiert seit 2022 die franz\u00f6sische Milit\u00e4rpr\u00e4senz im Land. M62 organisierte verschiedene Demonstrationen, auf denen auch russische Fahnen geschwenkt worden sind.Die Milit\u00e4rregierungen in Mali und Burkina Faso unterst\u00fctzen den Staatsstreich. Auch die Milit\u00e4rjunta in Guinea zeigte Sympathie f\u00fcr den Umsturz.F\u00fcr Frankreich und Deutschland bedeutet der Putsch einen schweren R\u00fcckschlag. Die Bundesregierung hatte Niger zu einem demokratischen Vorzeigestaat erkl\u00e4rt, was durch die tats\u00e4chliche Lage, besonders bei der Einhaltung von Menschenrechten, nicht gerechtfertigt war.Russland spielt eine unklare Rolle. Ob der Kreml den Putsch unterst\u00fctzt, l\u00e4sst sich nicht verl\u00e4sslich belegen. Au\u00dfenminister Lawrow lie\u00df sich mit den Worten zitieren, es sei \u201cn\u00f6tig, die verfassungsgem\u00e4\u00dfe Ordnung in Niger wiederherzustellen\u201d.Die Afrikanische Union hat sich bisher nicht zu dem Umsturz positioniert.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Vermittlungsl\u00f6sung richtet sich der Blick auf Nigeria, das bedeutendste Land in der Region. Doch der Spielraum Nigerias ist eingeschr\u00e4nkt, weil viele Regierungen in der Region bef\u00fcrchten, dass sich Nigeria als Ordnungsmacht in Westafrika etablieren will.<\/p>\n<p>Als positiv wurde jedoch gewertet, dass sich der Sultan von Sokoto, Muhammad Sa\u2019ad Abubakar, der von Nigeria angef\u00fchrten Ecowas-Delegation anschloss. Er ist der geistliche F\u00fchrer von 70 Millionen Muslimen in Nigeria, besitzt aber auch gro\u00dfen Einfluss im Nachbarland Niger.<\/p>\n<p>Bundesregierung beharrt auf Entwicklungspolitik<\/p>\n<p>Dr\u00e4ngt die Frage nach einer kurzfristigen L\u00f6sung, so steht aber auch die nach einer langfristigen Perspektive im Raum. Die Bundesregierung baut offenbar darauf, mit Entwicklungsprojekten Perspektiven f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung zu schaffen. \u201cWir bleiben vor allem mit zivilen Mitteln weiterhin in der Region engagiert und wollen damit vor allem die Ursachen von Terrorismus und organisierter Kriminalit\u00e4t angehen\u201d, sagte die Staatsministerin im Ausw\u00e4rtigen Amt, Katja Keul, im <a href=\"https:\/\/table.media\/berlin\/analyse\/katja-keul-zum-niger-es-liegt-im-interesse-der-putschisten-proteste-anzustacheln\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gespr\u00e4ch mit Table.Media<\/a>.<\/p>\n<p>Wie Projekte der Entwicklungszusammenarbeit angesichts der hohen Unsicherheit in der Region verwirklicht werden sollen, ist unklar. Den L\u00e4ndern im Sahel machen sowohl die gr\u00f6\u00dfer werdende innere Instabilit\u00e4t, wie auch der islamistische Terror zu schaffen. Entwicklungspolitik in der Region l\u00e4sst sich nicht durchhalten, wenn die Sicherheit der Kr\u00e4fte vor Ort nicht gew\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n<p>Die wachsende Instabilit\u00e4t d\u00fcrfte auch die Wirtschaft abhalten, sich in der Sahelzone zu engagieren. \u201cBisher hat die politische Instabilit\u00e4t nicht zu einem R\u00fcckzug franz\u00f6sischer Unternehmen gef\u00fchrt\u201d, sagte Etienne Giros, Pr\u00e4sident des Verbands der franz\u00f6sischen Unternehmen in Afrika (CIAN). Doch wird das so bleiben? Etwa 200 franz\u00f6sische Unternehmen sind aktuell in Mali aktiv, 45 in Burkina Faso, 30 in Niger und etwa zehn in der Zentralafrikanischen Republik. F\u00fcr Deutschland liegen keine Zahlen vor. Sie d\u00fcrften deutlich geringer sein.<\/p>\n<p>Allein die Fremdenlegion ist einsatzf\u00e4hig<\/p>\n<p>Unter den westlichen Truppen ist noch die franz\u00f6sische Armee die schlagkr\u00e4ftigste. Das 2e REP der Fremdenlegion ist einer der wenigen Verb\u00e4nde, der auch unter den klimatischen Bedingungen der Sahelzone operieren kann. Zu ihm geh\u00f6rt das Groupement des commandos parachutistes (GCP), eine Einheit, die wochenlang ohne logistische Unterst\u00fctzung in der W\u00fcste kampff\u00e4hig bleibt. Sie ist auf Terrorbek\u00e4mpfung und die Befreiung von Geiseln spezialisiert.<\/p>\n<p>Allerdings ist auch das Milit\u00e4rengagement Frankreichs gescheitert. Nachdem Niger die Milit\u00e4rkooperation mit Frankreich aufgek\u00fcndigt hat, ist fraglich, von wo aus die franz\u00f6sischen Einheiten operieren k\u00f6nnen. Damit ist die Zukunft der franz\u00f6sischen Milit\u00e4rpr\u00e4senz in der Region ist ungewiss. \u201cIch denke, Frankreich steht vor einem echten Wendepunkt\u201d, sagte General Christophe Gomart, der ehemalige Leiter des franz\u00f6sischen Milit\u00e4rgeheimdienstes, dem Radiosender France Info.<\/p>\n<p>Bei einem Abzug der ausl\u00e4ndischen Truppen droht ein sicherheitspolitisches Vakuum, das die ungehinderte Ausbreitung islamistischer Terrorgruppen beg\u00fcnstigt und gar zur Macht\u00fcbernahme politisch geschw\u00e4chter Staaten durch islamistische Terroristen f\u00fchren kann. Eine Verschlechterung der Sicherheitslage kommt auch den Wagner-Truppen zugute. \u201cEs g\u00e4be ihnen eine weitere Gelegenheit, einzugreifen und f\u00fcr ihre Dienste bezahlt zu werden und sich wieder relevant zu machen\u201d, sagte Aneliese Bernard, Direktorin bei Strategic Stabilization Advisors.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen wirkungsvollen Kampf gegen den Islamismus fehlen die milit\u00e4rischen Mittel. Und damit geh\u00f6rt wohl auch eine Befriedung der Region durch die Schaffung wirtschaftlicher Perspektiven f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung bis auf Weiteres in den Bereich des Wunschdenkens.<\/p>\n<p>                            EcowasEntwicklungsarbeitInvestitionenNigerNigeriaSahelSicherheitspolitik            \tDeutsche Diplomatie: Leiden mit einem Musterbeispiel der Demokratie<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"171\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Von-1-1024x171.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2113997\"  \/><\/p>\n<p>Sie haben es vielleicht leise geahnt und noch leiser bef\u00fcrchtet. Und doch hat der Putsch im Niger die Bundesregierung ziemlich kalt erwischt. Auch weil die Demokratie dort so herausstach in der politisch heiklen Sahel-Region. Die schmerzhaften Erfahrungen mit den Milit\u00e4rs in Mali, dazu die als massives Problem identifizierte Pr\u00e4senz russischer Soldaten in Westafrika \u2013 all das ist seit langem eine gro\u00dfe Baustelle f\u00fcr Berlin. Umso mehr Hoffnungen setzte man im Ausw\u00e4rtigen Amt in die Regierung in Niger. Und dann das: ein Putsch.<\/p>\n<p>Dabei hatten sie viel investiert. Schon Angela Merkel war zweimal im Niger. Kaum eine Hauptstadt der Erde flog die Flugbereitschaft der Bundeswehr in den vergangenen 18 Monaten so h\u00e4ufig an wie Niamey: Der Kanzler war dort, die Au\u00dfen-, die Entwicklungsministerin, der Verteidigungsminister. Wegen des Bundeswehrabzugs in Mali, aber nat\u00fcrlich auch, um die Regierung zu st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Hoffen auf ein Scheitern des Putsches<\/p>\n<p>Nimmt man die Vorgeschichte, dann ist sehr verst\u00e4ndlich, dass das Ausw\u00e4rtige Amt einerseits alle Hilfen ausgesetzt hat, zugleich aber hofft, dass die internationalen Bem\u00fchungen doch noch f\u00fcr ein Umdenken sorgen. Katja Keul, f\u00fcr Afrika zust\u00e4ndige Staatsministerin im Ausw\u00e4rtigen Amt, <a href=\"https:\/\/table.media\/berlin\/analyse\/katja-keul-zum-niger-es-liegt-im-interesse-der-putschisten-proteste-anzustacheln\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sagte Table.Media<\/a>: \u201cDer Putsch ist noch nicht in Stein gemei\u00dfelt.\u201d Da schwingt Hoffnung mit \u2013 und die Erwartung, dass die Bem\u00fchungen des bisherigen Pr\u00e4sidenten, das Land wirtschaftlich und sozial voranzubringen, doch noch zu friedlichen, aber wirkungsvollen Protesten f\u00fchren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Dabei wei\u00df man im Ausw\u00e4rtigen Amt, wie schmal der Grat ist bei solchen Protesten. Keul sagte, die Putschisten w\u00fcrden nat\u00fcrlich versuchen, Demonstrationen f\u00fcr sich zu nutzen. Was wohl vor allem hei\u00dfen soll: sie im Zweifel zu eskalieren, um mit den Bildern von gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen die milit\u00e4rische Macht\u00fcbernahme zu rechtfertigen. Zumal auch die Russen offenkundig l\u00e4ngst vor Ort sind. Woher, so fragen sich kundige Beobachter, kamen in der K\u00fcrze der Zeit die vielen russischen F\u00e4hnchen in der Hauptstadt Niamey?<\/p>\n<p>Aus Sicht Berlins ist das besonders bitter, weil Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock im vergangenen Jahr und im Fr\u00fchjahr auch Keul noch einmal vor Ort studieren konnten, mit welcher Entschlossenheit die Regierung begonnen hatte, mehr Bildung f\u00fcr M\u00e4dchen durchzusetzen (was automatisch das Heiratsalter erh\u00f6ht), sich um die Nahrungsmittelversorgung in D\u00fcrrezeiten zu k\u00fcmmern \u2013 und sich auch darum zu bem\u00fchen, gerade jungen M\u00e4nnern Alternativen zu erm\u00f6glichen, damit sie nicht in Kriminalit\u00e4t oder Terrorismus abrutschen. Laut Keul hatte das sogar dazu gef\u00fchrt, dass in j\u00fcngsten Umfragen das Sicherheitsgef\u00fchl insbesondere bei der Landbev\u00f6lkerung stark zugenommen hatte. Nun kann Berlin nur hoffen, dass dieser Weg eines Tages fortgesetzt wird.<\/p>\n<p>Botschaftspersonal ist in Botschaft zur\u00fcckgekehrt<\/p>\n<p>Trotzdem verfolgt man den Lauf der Dinge im Ausw\u00e4rtigen Amt aktuell mit n\u00fcchterner Gelassenheit. Das Personal der Botschaft in Niamey ist achtsam in der Stadt unterwegs, aber wieder vom Camp am Flughafen an den Schreibtisch zur\u00fcckgekehrt.\u00a0<\/p>\n<p>An eine schnelle milit\u00e4rische Eskalation, hervorgerufen durch eine Intervention der Ecowas-Truppen im Niger, glaubt derzeit im Krisenstab des Amtes niemand. Auch wenn die Ecowas-Verteidigungsminister am Mittwoch einen \u201cchirurgischen Eingriff\u201d demonstrativ in den Raum gestellt hatten. Also einen Angriff auf das Hauptquartier der Putschisten in Niamey. Doch wer h\u00e4tte die Kapazit\u00e4ten dazu?\u00a0<\/p>\n<p>Zumal der Niger ganz \u00fcberwiegend umgeben ist von Nicht-Ecowas L\u00e4ndern wie Algerien, dem Tschad oder Libyen. Und von Mali und Burkina Faso, deren Milit\u00e4rregierungen sich bereits mit den Putschisten solidarisiert haben.\u00a0<\/p>\n<p>Ohnehin orientiert sich Baerbocks Haus seit einiger Zeit am Leitprinzip \u201cAfrican Ownership\u201d, das auf eine zunehmende Eigenverantwortung der Afrikaner f\u00fcr Sicherheit und Stabilit\u00e4t setzt. Im Klartext: Regionale Konflikte sollten auch regional gel\u00f6st werden.\u00a0<\/p>\n<p>Ausbau der Kontakte in der Region<\/p>\n<p>So hat sich die Bundesregierung \u2013 in Abstimmung mit der EU \u2013 auf eine Warteposition zur\u00fcckgezogen und beobachtet zwei Dinge besonders genau: Was bringen die Sanktionen, die die Staatengemeinschaft in den Raum gestellt hatte?\u00a0Und h\u00e4lt sich das neue Regime \u00fcberhaupt?\u00a0<\/p>\n<p>Eine besondere Rolle d\u00fcrfte in dieser Position des Wartestands BMZ-Ressortchefin Svenja Schulze einnehmen. Nicht nur weil ihr Haus im Fr\u00fchjahr erst mit der Sahel-Plus-Initiative ganz bewusst die ganze Region in den Blick genommen hatte, darunter\u00a0 auch Sahel-Anrainer wie Senegal, die Elfenbeink\u00fcste, Togo oder Benin. Zudem hatte Schulze gerade erst vor vier Wochen den Vorsitz der Sahel-Allianz \u00fcbernommen, eine Gemeinschaft von 18 Geberl\u00e4ndern und Entwicklungsbanken, die die Region in den n\u00e4chsten Jahren mit 28 Milliarden Euro unterst\u00fctzen will. Ein Plus: In ihrer gut eineinhalbj\u00e4hrigen Amtszeit war sie bereits in Niger, Mali, Mauretanien, Ghana und der Elfenbeink\u00fcste. Die Kontakte sind also vorhanden.<\/p>\n<p>Eine ganz besondere Rolle wird aus Sicht der Deutschen dabei den K\u00fcstenstaaten Senegal und Mauretanien und ihren Regierungen zukommen, beide auf Hilfe von au\u00dfen angewiesen, beide demokratisch gew\u00e4hlt und mit beiden ist die Bundesregierung im engen Austausch zu Energiefragen.<\/p>\n<p>                            Au\u00dfenpolitikEntwicklungsarbeitNigerSicherheitspolitik            Interview\t\u201cIn der Sahel-Zone droht ein neuer Kalter Krieg\u201d<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"987\" height=\"555\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/imago0071796546h-edited.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2113895\"  \/>Bakary Sambe, Direktor beim Thinktank Timbuktu Institute in Dakar.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"171\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Gabriel-Bub-Christian-von-Hiller-1024x171.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2114027\"  \/><\/p>\n<p>Zeigen der Putsch in Niger und der davor in Mali, dass die europ\u00e4ische Politik in der Sahelzone versagt hat?<\/p>\n<p>Der rein sicherheitspolitische Ansatz im Kampf gegen den Terrorismus war zum Scheitern verurteilt. Der europ\u00e4ische Ansatz konzentrierte sich bisher auf die Zusammenarbeit mit den Staaten, ohne die gestiegene Bedeutung der Zivilgesellschaft und der Jugend ausreichend zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Glauben Sie, dass die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas), wenn sie in Niger eingreifen w\u00fcrde, das allein oder mit westlichen Soldaten tun w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Wenn die <a href=\"https:\/\/ecowas.int\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ecowas<\/a> das Risiko eingeht, eine so kurze Frist von einer Woche zu setzen, ist sie sich der Unterst\u00fctzung der internationalen Gemeinschaft sicher. Da <a href=\"http:\/\/table.media\/africa\/#niger2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niger<\/a> ein Binnenstaat ist, wird die Milit\u00e4rjunta diesem Druck nicht lange standhalten k\u00f6nnen. Nigeria kann milit\u00e4risch und mit der Stromversorgung, die 41 Prozent des nigrischen Bedarfs darstellt, Druck aus\u00fcben, und \u00fcber Benin l\u00e4uft der Au\u00dfenhandel. Ich gehe davon aus, dass die Ecowas auch die diplomatische Unterst\u00fctzung des UN-Sicherheitsrats hat, weil Russland nicht das Risiko eingehen wird, ein Veto einzulegen, um die Unterst\u00fctzung der Ecowas-L\u00e4nder nicht zu verlieren, die seine Partner in der Region sind.<\/p>\n<p>Welche Rolle kann der Westen bei einer milit\u00e4rischen Intervention spielen?<\/p>\n<p>Es wird sicherlich Bedarf an logistischer und milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung von den westlichen L\u00e4ndern geben. Der Fehler, den man hier nicht machen darf, ist, dass die westlichen Kr\u00e4fte die F\u00fchrung \u00fcbernehmen. Sie sollten sich im Hintergrund halten und der Ecowas und den afrikanischen L\u00e4ndern Freir\u00e4ume lassen.<\/p>\n<p>F\u00fcr wie glaubw\u00fcrdig halten Sie die Ank\u00fcndigungen aus Mali und Burkina Faso, die Putschregierung milit\u00e4risch zu unterst\u00fctzen, sollte die Ecowas eingreifen?<\/p>\n<p>Burkina Faso kontrolliert nicht einmal 40 Prozent seines Territoriums. Mali hat Krisenherde im Zentrum und im Norden. Sie haben nicht die milit\u00e4rischen Mittel, um einzugreifen. In der Ank\u00fcndigung steckt politisches Kalk\u00fcl. Mali und Burkina Faso wollen um jeden Preis der \u00d6ffentlichkeit und vor allem der protestierenden afrikanischen Jugend zeigen, dass es westliche M\u00e4chte sind, die hinter der Ecowas-Intervention stecken, um noch populistischer sprechen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sie haben die Jugend angesprochen. Inwieweit ist sie ein politischer Faktor?<\/p>\n<p>Die EU vernachl\u00e4ssigt den Aufstieg einer zunehmend informierten Jugend, die in sozialen Netzwerken immer pr\u00e4senter ist und ihre eigene Lesart politischer Nachrichten hat. Die Jugend hat verstanden, dass Afrika einen neuen Status hat und es zu einer geostrategischen Verschiebung kommt. Neue M\u00e4chte sind hinzugekommen, Russland, Indien, China oder die T\u00fcrkei. Klassische Kr\u00e4fte wie Frankreich werden schw\u00e4cher. Daneben gibt es Staaten, die Mittelm\u00e4chte sein wollen, wie Marokko. Europa und die Westm\u00e4chte verharren in der Logik der Zeit nach dem Kalten Krieg, in der Afrika sich f\u00fcr die eine oder andere Seite entscheiden musste.<\/p>\n<p>Wie wird es weitergehen? Rechnen Sie mit einer l\u00e4ngerfristigen Destabilisierung der Region?<\/p>\n<p>Ich glaube, dass die Sahel-Region vor\u00fcbergehend in eine turbulente Phase geraten ist. Neben internen Gr\u00fcnden \u2013 eine rebellierende Jugend und die Schw\u00e4che demokratischer Regime \u2013 gibt es \u00e4u\u00dfere Gr\u00fcnde, eine Form eines neuen Kalten Krieges, der leider vor allem in unserer Region droht. Wir sehen m\u00f6glicherweise den Beginn einer Stellvertreterkonfrontation zwischen einerseits dem Westen, also den Nato-Staaten, und andererseits Russland, aber auch zwischen den USA und China. Und wenn neue Gas- und \u00d6ll\u00e4nder wie Senegal und die Elfenbeink\u00fcste es schaffen, Russland Energie als Druckmittel auf Europa zu nehmen, wird Russland sie anders betrachten.<\/p>\n<p>Wird die Allianz f\u00fcr die Sahelzone, deren Vorsitz Deutschland k\u00fcrzlich \u00fcbernommen hat, in der Region noch eine Rolle spielen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Die Allianz f\u00fcr die Sahelzone entstand in einem Kontext, in dem es darum ging, Strategien zu erg\u00e4nzen, die ausschlie\u00dflich auf Sicherheit beruhten. Deutschland hat begonnen, den Sicherheitsansatz und den Entwicklungsansatz zu kombinieren. Damit k\u00f6nnte Deutschland der Rolle Europas in der Region Glaubw\u00fcrdigkeit verleihen und zu einem weitaus st\u00e4rkeren Gespr\u00e4chspartner werden, mit dem die afrikanischen Staaten viel einfacher agieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Kommen wir auf die Ecowas zur\u00fcck. Kann diese langfristig zur Befriedung der Region beitragen?<\/p>\n<p>Die Ecowas kehrt auf die diplomatische B\u00fchne zur\u00fcck. Von 2014 bis zum Beginn der Sahel-Krise hatten die europ\u00e4ischen Partner der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G5_Sahel\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">G5 Sahel<\/a> (Mauretanien, Mali, Niger, Burkina Faso, Tschad, Anm. d. Red.) Priorit\u00e4t einger\u00e4umt. Das hatte zwei Konsequenzen. Erstens hat die Konzentration auf die G5-Sahelstaaten zu einer Art Trennung zwischen der zentralen Sahelzone und dem Rest Westafrikas gef\u00fchrt. Man hat vergessen, dass der Rest Westafrikas mit der zentralen Sahelzone verbunden ist. Zweitens haben Europa und die internationalen Partner die Ecowas in Sicherheitsfragen hintangestellt. Jetzt sehen wir nach dieser Krise in Niger eine sehr wichtige Rolle f\u00fcr sie. Auch Nigeria kehrt zunehmend in die Region zur\u00fcck. Ein starkes Nigeria hat immer f\u00fcr eine starke Ecowas gesorgt.<\/p>\n<p>Dr. Bakary Sambe ist Direktor am Timbuktu Institute African Center for Peace Studies in Dakar. Au\u00dferdem ist er Professor und Forscher am Centre for the Study of Religions (CER) der Gaston Berger University in Saint-Louis-UFR CRAC (Senegal). Er besitzt einen Doktortitel der Universit\u00e4t Lumi\u00e8re Lyon 2 (IEP) in Politikwissenschaften (Internationale Beziehungen).<\/p>\n<p>                            Burkina FasoEcowasMaliNigerNigeriaSahelSicherheitspolitik            News\tBundeswehr wartet ab unter Zeitdruck<\/p>\n<p>Die Bundeswehr ist in Niger vor allem pr\u00e4sent, um den Abzug der deutschen Soldatinnen und Soldaten aus der UN-Mission im benachbarten Mali zu unterst\u00fctzen. Der Lufttransportst\u00fctzpunkt mit gut 100 Luftwaffensoldaten auf dem Flughafen der Hauptstadt Niamey ist die Drehscheibe f\u00fcr das Material, das vom Stationierungsort Gao in Mali ausgeflogen wird. <\/p>\n<p>Mit dem Putsch und der Sperrung des Luftraums durch die neuen Machthaber kam diese Drehscheibe zum Erliegen \u2013 und inzwischen zeichnet sich ab, dass die Sperrung noch weiter andauern wird: Die Anweisung f\u00fcr die Luftfahrt, mit der internationale Fl\u00fcge gestoppt wurden und die am Freitag auslaufen sollte, wurde um eine Woche bis zum 11. August verl\u00e4ngert.<\/p>\n<p>Das setzt die deutschen Streitkr\u00e4fte unter Zeitdruck. Der Abzug aus der UN-Mission Minusma soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein, und die geplanten \u2013 und von der Milit\u00e4rregierung Malis genehmigten \u2013 Fl\u00fcge aus Gao sind ohnehin knapp f\u00fcr das Material, das sich in dem zehn Jahre dauernden deutschen Einsatz angesammelt hat. <\/p>\n<p>EU-Partnerschaftsmission vom Tisch<\/p>\n<p>Zwar sucht das Verteidigungsministerium in Berlin unter Hochdruck nach einer Ausweichm\u00f6glichkeit \u2013 aber selbst wenn ein Nachbarland in der Region z\u00fcgig der Errichtung eines neuen deutschen St\u00fctzpunkts zustimmen sollte, w\u00fcrde es nach den Berechnungen der Bundeswehr-Planer mindestens einen Monat dauern, einen neuen \u201cHub\u201d an anderer Stelle aufzubauen.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es auch Hoffnungen auf einzelne Fl\u00fcge, die in jedem Einzelfall eine Sondergenehmigung der nigrischen Beh\u00f6rden brauchen. So durfte die Bundeswehr am Donnerstag eines ihrer Transportflugzeuge vom Typ A400M starten lassen, das vor dem Staatsstreich in der vergangenen Woche in Niamey gelandet war und seitdem dort festsa\u00df. An Bord der Maschine waren neben sieben Soldaten aus dem UN-Einsatz in Mali, die planm\u00e4\u00dfig nach Deutschland zur\u00fcckkehren sollten, auch 23 Zivilisten aus mehreren europ\u00e4ischen Nationen. <\/p>\n<p>Zur\u00fcck nach Deutschland flogen auch zwei deutsche Offiziere, die einen Einsatz vorbereiten sollten, der sich vorerst erledigt hat: Die neu gestartete EU-Partnerschaftsmission in Niger zu Unterst\u00fctzung und Ausbildung der Streitkr\u00e4fte des Landes ist nun kein Thema mehr. tw<\/p>\n<p>                            BundeswehrNigerSahelSicherheitspolitik            \tUS-Drohnen-Basis au\u00dfer Gefecht<\/p>\n<p>Durch die Sperrung des Luftraums bis mindestens 11. August k\u00f6nnen die USA momentan keine Drohnen mehr von Niger aus steuern. Die Niger Air Base 201 nahe der Stadt Agadez ist einer der wichtigsten St\u00fctzpunkte f\u00fcr amerikanische \u00dcberwachungs- und Geheimdienstoperationen in der Region. \u201cBis vergangene Woche war Niger einer der wichtigsten milit\u00e4rischen Partner, vor allem im Bereich der Terrorismusbek\u00e4mpfung\u201d, erkl\u00e4rt Bill Roggio, Milit\u00e4rexperte von der Foundation for Defense of Democracies in Washington, gegen\u00fcber Table.Media. Diese Zusammenarbeit sei durch den Putsch nun gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Seit 2019 unterh\u00e4lt das US-Milit\u00e4r die Drohnen-Basis in Niger. Der Flugplatz geh\u00f6rt dem nigrischen Milit\u00e4r, ist aber von den USA mit rund 110 Millionen Dollar ausgebaut worden. Unter anderem mit einer rund zwei Kilometer langen Start- und Landebahn f\u00fcr die MQ-9 Reaper, eine der wichtigsten unbemannten Aufkl\u00e4rungs- und Angriffsdrohnen der amerikanischen Luftwaffe. Sie ist in der Lage, Ziele in bis zu 1850 Kilometern Entfernung zu erreichen. Der Betrieb der Niger Air Base 201 kostet die USA j\u00e4hrlich zirka 30 Millionen Dollar.<\/p>\n<p>Letzter verl\u00e4sslicher Partner der USA<\/p>\n<p>Nach der Macht\u00fcbernahme in Mali und Burkina Faso durch das Milit\u00e4r galt Niger als letzter verl\u00e4sslicher St\u00fctzpunkt f\u00fcr das US-Milit\u00e4r in der Sahelzone. \u201cDie Bedrohung sowohl durch Al-Qaida als auch durch den Islamischen Staat hat sich in der Region ausgebreitet. Und die F\u00e4higkeit der USA, diese Gruppen zu beobachten und auf sie zu reagieren, ist schon mit dem Putsch in Mali deutlich zur\u00fcckgegangen\u201d, sagt Roggio.<\/p>\n<p>Da die Pr\u00e4senz der US-Streitkr\u00e4fte in Niger auf dem Spiel stehe, vermuten Experten in Washington, dass US-Pr\u00e4sident Joe Biden den Putsch in Niger noch nicht offiziell als Umsturz deklariert hat. Im Falle eines anerkannten Putsches m\u00fcssten die USA eventuell ihre Truppen abziehen.<\/p>\n<p>Nach Angaben des Sprechers des amerikanischen Verteidigungsministeriums, General Patrick Ryder befinden sich derzeit rund 1100 US-Truppen in Niger. Sie werden vorerst bleiben: \u201cW\u00e4hrend des vom US-Au\u00dfenministerium angeordneten Abzugs (des Botschaftspersonals, Anm. der Redaktion) gibt es keine \u00c4nderungen an der Haltung der US-Streitkr\u00e4fte in Niger\u201d, sagte Ryder am Donnerstag. nana<\/p>\n<p>                            NigerSahelSicherheitspolitikUSA            Analyse\tEntwicklungszusammenarbeit ausgesetzt<\/p>\n<p>Nach dem Milit\u00e4rputsch in Niger haben europ\u00e4ische Partner ihre finanzielle Unterst\u00fctzung des Landes auf Eis gelegt. Auch die USA, die zwei Milit\u00e4rbasen in Niger unterhalten, haben die Aussetzung von Hilfszahlungen angedroht. Am Dienstag hatte das Pentagon bereits die milit\u00e4rische Kooperation beendet. Niger ist eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt und war mit knapp zwei Milliarden Dollar bisher einer der gr\u00f6\u00dften Empf\u00e4nger von Entwicklungshilfe.\u00a0<\/p>\n<p>Nun hat die Europ\u00e4ische Union ihre finanziellen Hilfen von mehr als 550 Millionen Dollar suspendiert. Weitere 70 Millionen Dollar, die im Rahmen der European Peace Facility zur Unterst\u00fctzung der nigrischen Armee aufgebracht wurden, sind ebenfalls betroffen. Erst Anfang Juni hatte die EU aus diesem Topf knapp <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2023\/06\/08\/european-peace-facility-council-adopts-two-assistance-measures-to-support-the-nigerien-armed-forces\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">f\u00fcnf Millionen Dollar f\u00fcr Waffen f\u00fcr die nigrische Armee autorisiert<\/a>. \u201cNeben der sofortigen Einstellung der Budgethilfe werden auch alle Kooperationsma\u00dfnahmen im Bereich der Sicherheit mit sofortiger Wirkung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt\u201d, hie\u00df es <a href=\"https:\/\/www.eeas.europa.eu\/eeas\/niger-statement-high-representative-josep-borrell-latest-developments_en\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in einer Erkl\u00e4rung<\/a> des EU-Au\u00dfenpolitikchefs Josep Borrell.<\/p>\n<p>Niger ist auf Hilfsgelder angewiesen<\/p>\n<p>Nach den Haushaltsprognosen f\u00fcr 2023 sollten etwa 40 Prozent des nigrischen Staatsbudgets von externen Partnern stammen. \u201cAuf diese Unterst\u00fctzung zu verzichten, bedeutet, Harakiri zu begehen\u201d, sagte Nigers abgesetzter Premierminister Ouhoumoudou Mahamadou am Sonntag dem Fernsehsender France24 und bezog sich dabei auf den japanischen Begriff f\u00fcr rituellen Selbstmord.\u00a0<\/p>\n<p>Die britische Regierung <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2023\/jul\/30\/niger-coup-west-african-states-reinstatement-president-mohamed-bazoum\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">teilte mit<\/a>, dass London die \u201ckritische\u201d humanit\u00e4re Hilfe aufrechterhalten, seine langfristige Entwicklungshilfe jedoch aussetzen werde. Belgien hingegen f\u00fchrt seine Entwicklungszusammenarbeit mit Niger fort, die <a href=\"https:\/\/www.vrt.be\/vrtnws\/de\/2023\/07\/31\/weiter-belgische-entwicklungshilfe-fuer-niger-wir-helfen-der-b\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">milit\u00e4rische Kooperation wird jedoch eingestellt<\/a>. Und auch Frankreich und Deutschland haben ihre bilaterale Unterst\u00fctzung Nigers beendet.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr beliefen sich franz\u00f6sische Entwicklungsmittel und Budgethilfen f\u00fcr den Sahelstaat auf rund 120 Millionen Euro. F\u00fcr dieses Jahr war eine leicht h\u00f6here Summe erwartet worden. Deutschland hatte 2021 bei Regierungsverhandlungen 120 Millionen Euro \u00fcber zwei Jahre hinweg zugesagt, so eine Sprecherin des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) auf Anfrage von Table.Media. So seien im vergangenen Jahr von der Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau (KfW) rund 50 Millionen Euro ausgezahlt worden. Im laufenden Jahr seien bereits knapp 16 Millionen ausgezahlt worden. Weitere knapp 24 Millionen Euro standen zur Auszahlung bereit und wurden nun gestoppt. F\u00fcr den Herbst waren neue Regierungsverhandlungen geplant, die nun ebenfalls vorerst ausgesetzt sind. Vorgesehen waren Zusagen von knapp 70 Millionen Euro, beispielsweise zum Neubau einer Universit\u00e4tsfrauenklinik in Niamey, sagte die Sprecherin des BMZ.\u00a0<\/p>\n<p>Vereinte Nationen leisten humanit\u00e4re Hilfe<\/p>\n<p>Bisher hat Deutschland in Niger \u00fcber KfW und die bundeseigene Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) 16 bilaterale Projekte in den Bereichen Dezentralisierung, kommunale Infrastruktur, Ern\u00e4hrungssicherung, Landwirtschaft und Bew\u00e4sserung, sowie Mutter-Kind-Gesundheit, Besch\u00e4ftigungsf\u00f6rderung, Grundbildung und Migration finanziert, so die BMZ-Sprecherin weiter. Alle 16 bilateralen Projekte sind nun vorerst eingestellt worden.<\/p>\n<p>Weitere neun \u201cVorhaben des Kriseninstruments der strukturbildenden \u00dcbergangshilfe\u201d im Umfang von 338 Millionen Euro w\u00fcrden jedoch fortgef\u00fchrt, ebenso wie die Vorhaben mit privaten Tr\u00e4gern sowie \u201cweitere regionale und globale Vorhaben\u201d. Dabei handelt es sich etwa um Projekte des Weltern\u00e4hrungsprogramms der Vereinten Nationen und des Kinderhilfswerks Unicef. Vom Ende der deutschen Projekte sind elf deutsche, acht internationale sowie 250 lokale Mitarbeiter betroffen.\u00a0Die f\u00fcr den 14. August geplante Reise von Entwicklungsministerin Svenja Schulze nach Mauretanien und Burkina Faso soll laut BMZ-Sprecherin hingegen wie geplant stattfinden.<\/p>\n<p>Die Vereinten Nationen leisten weiterhin humanit\u00e4re Hilfe in Niger. Alle etwa 1600 UN-Mitarbeiter seien in Sicherheit, sagte Nicole Kouassi vom UN-Entwicklungsprogramm in Niger. Nach Angaben der Vereinten Nationen ben\u00f6tigen rund 4,3 Millionen Menschen in Niger humanit\u00e4re Hilfe. Mehr als 370.000 Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben worden. Hinzu kommen mehr als 250.000 ausl\u00e4ndische Gefl\u00fcchtete\u00a0-haupts\u00e4chlich aus Nigeria, Mali und Burkina Faso.\u00a0<\/p>\n<p>Gemischte Gef\u00fchle in Nigers Bev\u00f6lkerung<\/p>\n<p>\u201cNiger steckt seit Jahren in einer Dauerkrise. Das Leben ist teuer, die Sicherheitslage schlecht\u201d, sagt Moctar Dan Yay\u00e9, Sprecher des Aktivisten-Netzwerkes Alarmphone Sahara im Gespr\u00e4ch mit Table.Media. \u201cMan kann also nicht sagen, dass der Coup aus dem Nichts kam.\u201d Die Aussetzung eines Gro\u00dfteils der Entwicklungszusammenarbeit bedeute f\u00fcr seine Arbeit erstmal einen Stopp und Abwarten, wie es weitergehe. Am meisten betroffen seien aber diejenigen, die ohnehin wenig h\u00e4tten. \u201cDie Sanktionen werden vor allem die Bev\u00f6lkerung treffen, die sowieso schon leidet.\u201d<\/p>\n<p>Der Westen k\u00f6nnte sich laut Yay\u00e9 mit der prompten Einstellung finanzieller Hilfen ins eigene Fleisch schneiden: \u201cDas hilft weder dem Innen noch dem Au\u00dfen. Das wird die ganze Region betreffen und auch den ganzen Kontinent. Seit 2015 hat die EU Niger als strategisches Land gew\u00e4hlt, um die Migration besser kontrollieren zu k\u00f6nnen. Das steht auf dem Spiel\u201d, so Yay\u00e9. Viele seiner Landsleute seien dennoch euphorisch \u2013 nicht weil sie per se Fans einer Milit\u00e4rregierung seien, sondern weil sie auf eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen hofften.<\/p>\n<p>Ein junger Nigrer, der Kommunikations- und Politikwissenschaften studiert hat, gibt sich im Gespr\u00e4ch mit Table.Media besorgt. Aus Sorge vor Repressalien m\u00f6chte er anonym bleiben. \u201cIch bin schon demoralisiert. Die n\u00e4chsten Tage werden schwierig mit Blick auf die Sanktionen, die gegen Niger verh\u00e4ngt worden sind. Die Leute haben auch Angst vor einer Milit\u00e4rintervention der Ecowas.\u201d Die Fake News \u00fcber einen angeblich geplanten Milit\u00e4rschlag Frankreichs zur Befreiung Bazoums h\u00e4tten ebenfalls f\u00fcr Wirbel gesorgt.<\/p>\n<p>Der 30-J\u00e4hrige engagiert sich politisch in einer Oppositionspartei und arbeitet als Freiwilliger f\u00fcr eine Nichtregierungsorganisation, die Nigrer \u00fcber die Risiken illegaler Migration vor allem nach Europa aufkl\u00e4rt. Auch wenn er gegen den undemokratischen Machtwechsel sei, glaube er, dass die Milit\u00e4rjunta etwas Positives beitragen k\u00f6nne. \u201cIch denke, dass sie beim Kampf gegen die Korruption und beim Missbrauch \u00f6ffentlicher Gelder etwas tun k\u00f6nnen. In Wirklichkeit ist Niger kein armes Land, sondern ein schlecht verwaltetes.\u201d<\/p>\n<p>Es gebe viele Ressourcen und Potential f\u00fcr gr\u00fcne Energie, mit reichlich Sonne und Wind im Binnenland Niger, so der Nachwuchsakademiker.<\/p>\n<p>Deutschland \u2013 das auch in Afrika nach erneuerbaren Energien f\u00fcr den eigenen Bedarf sucht \u2013 beteiligte sich bisher an einem Master-Studiengang f\u00fcr Gr\u00fcnen Wasserstoff, der auch an der Universit\u00e4t in Niamey angesiedelt ist. Das Bildungsministerium wollte daf\u00fcr nach eigenen Angaben 16 Millionen Euro bis 2025 bereitstellen. Mitarbeit: Lucia Wei\u00df<\/p>\n<p>                            DeutschlandEntwicklungsarbeitEUEU-Au\u00dfenpolitikFrankreichKfWNigerSicherheitspolitikVereinte Nationen            Interview\t\u201cDie Ern\u00e4hrungslage wird sich verschlimmern\u201d\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"665\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Jameson-Gadzirai-1024x665.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2114099\"  \/>Jameson Gadzirai ist Programmdirektor der Welthungerhilfe in Niger.<\/p>\n<p>Wie gef\u00e4hrlich ist die Lage in Niger f\u00fcr Ihre Arbeit?<\/p>\n<p>Die Lage ist sehr unsicher. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten derzeit von Zuhause und fahren nicht in die D\u00f6rfer. Aufgrund der unklaren Sicherheitslage k\u00f6nnen wir im Moment diejenigen nicht erreichen, denen wir normalerweise helfen.<\/p>\n<p>Welche Hilfen unterbleiben jetzt, die die Welthungerhilfe normalerweise dort leistet?<\/p>\n<p>Wir leisten humanit\u00e4re Hilfe und Entwicklungshilfe. Durch die Lieferung von Nahrungsmitteln wie auch durch  Bargeldtransfers helfen wir, die Ern\u00e4hrung der Bewohner zu sichern. Dazu geh\u00f6ren auch Gem\u00fcseg\u00e4rten und Baumschulen. Wir legen dabei den Fokus auf Schwangere, junge M\u00fctter und Kinder unter f\u00fcnf Jahren, f\u00fcr die eine einigerma\u00dfen ausgewogene Ern\u00e4hrung besonders wichtig ist.<\/p>\n<p>Wie vielen Menschen k\u00f6nnen Sie helfen?<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr haben wir mindestens 206.000 Menschen versorgt, in drei Regionen: Tillab\u00e9ri, Tahoua und Diffa. Das sind Regionen mit sehr starken Bev\u00f6lkerungsbewegungen. Einerseits fliehen Menschen dahin  vor dem Terror, andererseits suchen Menschen aus den Nachbarl\u00e4ndern, aus Nigeria oder Mali, dort Schutz. Andere kehren von dort zur\u00fcck. Die Gegenden um die Regionalst\u00e4dte waren n\u00e4mlich bisher einigerma\u00dfen sicher. Deshalb w\u00e4chst hier nun aber auch der Bedarf an Nahrungsmitteln und Unterst\u00fctzung. Die Menschen, die wir an diesen Orten bisher versorgt haben, waren schon bisher vulnerabel. Jetzt werden sie durch den Konflikt nochmal stark geschw\u00e4cht, zumal wir sie derzeit nicht unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Erreichen Sie Hilferufe von den Menschen vor Ort?<\/p>\n<p>Die Not war schon vor der aktuellen Krise da. Wir sind in der sogenannten \u201cmageren Periode\u201d. Die Vorr\u00e4te aus dem vergangenen Jahr gehen zu Ende, und die n\u00e4chste Ernte Ende August wird bereits sehnlichst erwartet. Leider rechnen wir mit einer schlechten Ernte. Zum einen hat der Regen dieses Jahr erst Ende Mai statt im April eingesetzt. Nun gibt es Starkregen, der die Ernten vernichtet. Das Schlimme ist: Im vergangenen Jahr war die Ernte im September auch schon au\u00dfergew\u00f6hnlich schlecht, so dass sie nicht f\u00fcr das ganze Jahr gereicht hat.<\/p>\n<p>Sind die Preise auf den lokalen M\u00e4rkten aufgrund des Ukrainekriegs gestiegen?<\/p>\n<p>Und wie! Der Preis f\u00fcr Getreide, insbesondere f\u00fcr Reis, war nach unseren Analysen vor der Ukrainekrise halb so hoch wie heute. Derzeit ziehen die Preise wieder an. Und weil die Grenzen jetzt geschlossen sind, wird sich die Lage verschlimmern. F\u00fcr immer mehr Menschen geht es jetzt um das nackte \u00dcberleben, wenn wir sie nicht versorgen \u2013 insbesondere f\u00fcr Kinder und stillende M\u00fctter. 3,3 Millionen Menschen sind im Niger nach unseren Sch\u00e4tzungen in akuter Gefahr. Und es kommen t\u00e4glich mehr hinzu.<\/p>\n<p>Wieso trauen Sie sich \u00fcberhaupt, in Niger zu bleiben? Andere Organisationen haben das Land nach dem Putsch verlassen.<\/p>\n<p>Die Welthungerhilfe ist in 37 L\u00e4ndern der Welt aktiv und hat sich in noch schlimmeren Kriegssituationen entschieden, zu bleiben. Im Niger sind wir seit 2012, wir kennen das Land gut und sehen soviel Hilfsbedarf, dass wir alles versuchen werden, um wieder zu arbeiten, sobald sich die Lage stabilisiert. Wir hatten hier auch 2020 eine Corona-Krise und haben damals entschieden, unsere B\u00fcros nicht zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Was brauchen die Menschen jetzt am meisten? Nigeria liefert ja wegen des Putschs keinen Strom mehr an Niger \u2013 versch\u00e4rft das die Lage?<\/p>\n<p>Die Menschen brauchen vor allem Lebensmittel, das ist oberste Priorit\u00e4t. Die erwartbar schlechte Erntesaison betrifft nat\u00fcrlich diejenigen gleich doppelt, die von der Landwirtschaft leben. Auch ihre Erl\u00f6se werden schlecht ausfallen. Hinzu kommt, dass es Regionen gibt mit schlechter Sicherheitslage wegen der islamistischen Terroristen. Dort werden sich die Menschen kaum trauen, ihre Felder zu bestellen. Sie haben nat\u00fcrlich Angst vor Entf\u00fchrung und \u00e4hnlichem. Das war schon vor dem Putsch so. Ebenso gab es schon vor dem Putsch Regionen mit Fl\u00fcchtlingen, die selbst wir aufgrund der prek\u00e4ren Sicherheitslage nicht unterst\u00fctzen konnten. Wir stehen hier wirklich vor einem schlimmen Dilemma: Der Klimawandel beutelt die gesamte Sahelregion und bringt immer neue Katastrophenlagen, zugleich versch\u00e4rfen sich die Konflikte.<\/p>\n<p>Wieviel Leute arbeiten in Niger f\u00fcr Ihre Organisation?<\/p>\n<p>Wir haben 96 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, acht sind internationale Helfer, die anderen stammen von hier. Die Zentrale unserer vier B\u00fcros ist hier in Niamey. Sobald wie m\u00f6glich wollen wir unsere Verteilungen wieder aufnehmen.<\/p>\n<p>Wie steht es um die Sahell\u00e4nder Mali and Burkina Faso? Auch dort sind Milit\u00e4rs an der Macht.<\/p>\n<p>In Mali ist unser \u00e4ltestes B\u00fcro, dort sind wir seit 15 Jahren und haben von dort aus mit der Arbeit in Niger begonnen. Zur Zeit k\u00f6nnen wir in beiden L\u00e4ndern unsere Arbeit noch aufrecht erhalten \u2013 das gibt uns Hoffnung. Wir analysieren st\u00e4ndig die Sicherheitslage zur Fortsetzung unserer humanit\u00e4ren Hilfe im Niger und stehen dabei im permanenten Kontakt mit den Vereinten Nationen.<\/p>\n<p>                            EntwicklungsarbeitLebensmittelNigerSahel            Analyse\tAuch Tschad in prek\u00e4rer Situation<\/p>\n<p>Der Putsch in Niger verstellt offenbar den Blick auf den Tschad. Das von einer Milit\u00e4rjunta regierte Land befindet sich in einer dramatischen Lage und droht, ins Chaos zu kippen. Das w\u00e4re besonders f\u00fcr das humanit\u00e4re Engagement in der Region eine Katastrophe.<\/p>\n<p>Vor allem eine Reduzierung der franz\u00f6sischen Milit\u00e4rpr\u00e4senz in der Sahelzone w\u00fcrde die Sicherheitslage in der gesamten Region verschlechtern. Bisher hat die franz\u00f6sische Armee in Niger ihren wichtigsten St\u00fctzpunkt in der Sahelzone unterhalten. Diesen hatte Frankreich ausgebaut, nachdem sich die Armee aus Mali zur\u00fcckziehen musste. Allerdings hat die neue Milit\u00e4rjunta in Niger am Freitag die Milit\u00e4rkooperation mit Frankreich aufgek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Rund 1500 Soldaten sind nach letzten Informationen in Niger stationiert, davon etwa 1000 am Flughafen der Hauptstadt Niamey. Die franz\u00f6sische Armee f\u00fchrte in Niger bisher Eins\u00e4tze gegen islamistische Terrorgruppen durch, besonders mithilfe von Drohnen und Jagdflugzeugen. Ohnehin h\u00e4tte die franz\u00f6sische Armee ihre Standorte in Niger kaum halten k\u00f6nnen, sind sie doch formal dem Kommando der nigrischen Armee unterstellt.<\/p>\n<p>Keine Unterstellung unter das Kommando der Putschisten<\/p>\n<p>Sollten sich die Putschisten in Niamey an der Macht festsetzen, h\u00e4tte Frankreich seine Milit\u00e4rpr\u00e4senz in Niger ohnehin beenden m\u00fcssen. Es ist undenkbar, dass sich franz\u00f6sische Truppen einer Regierung unterstellt h\u00e4tten, die sich gewaltsam an die Macht geputscht hat. Nach dem Abzug aus Niger bleiben Frankreich nur wenige M\u00f6glichkeiten, will es nicht vollst\u00e4ndig aus dem Sahel abr\u00fccken: Es m\u00fcsste dann die Truppen in Niger zumindest teilweise in den Tschad verlegen.<\/p>\n<p>Im \u00f6stlichen Nachbarland Nigers unterh\u00e4lt Frankreich bisher einen St\u00fctzpunkt f\u00fcr die Luftwaffe in der Hauptstadt N\u2019Djamena und zwei weitere Luftst\u00fctzpunkte in der Oasenstadt Faya im Zentrum und in Ab\u00e9ch\u00e9 im Osten des Landes.<\/p>\n<p>Doch auch die Beziehungen zwischen der Milit\u00e4rregierung im Tschad und Europa sind konfliktreich, wie Deutschland vor kurzem erfahren hat. Im April hat das Milit\u00e4rregime den deutschen Botschafter Gordon Kricke unter dem Vorwurf ausgewiesen, \u201cdiplomatische Gepflogenheiten\u201d missachtet zu haben. Darauf reagierte die Bundesregierung mit der Ausweisung der tschadischen Botschafterin Mariam Ali Moussa. Kricke ist ein in der Region erfahrener Diplomat. So leitete er schon die Botschaft in Niger und war vor seiner Entsendung nach N\u2019Djamena im Juli 2021 Sonderbeauftragter im Ausw\u00e4rtigen Amt f\u00fcr die Sahelzone.<\/p>\n<p>Sohn des alten Machthabers an der Macht<\/p>\n<p>Im April 2021 kam der Langzeitherrscher des Tschad, Idriss D\u00e9by, ums Leben. Offiziell ist er im Gefecht mit Aufst\u00e4ndischen gefallen, als er Truppen im Norden des Landes besuchte. Die T\u00e4ter geh\u00f6rten angeblich der Front pour l\u2019Alternance et la Concorde au Tchad (FATC) an, die von Libyen aus im Tschad aktiv ist. Diese Version ist nie durch unabh\u00e4ngige Untersuchungen best\u00e4tigt worden.<\/p>\n<p>Nach Idriss D\u00e9bys Tod wurde sein Adoptivsohn Mahamat Idriss D\u00e9by Itno an die Spitze einer milit\u00e4rischen \u00dcbergangsregierung ernannt. Obwohl erst 39 Jahre alt, kommandierte er seit 2012 zuletzt im Rang eines Vier-Sterne-Generals die Pr\u00e4sidentengarde. Entgegen seines Versprechens, binnen 18 Monaten Wahlen auszurichten, lie\u00df sich Idriss D\u00e9by Junior seine Amtszeit im Oktober 2022 um 24 Monate verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Dies rechtfertigte er mit der Lage im Land. Nicht nur ist der Tschad regelm\u00e4\u00dfig islamistischem Terror ausgesetzt. Das Land muss auch einen Zustrom an Fl\u00fcchtlingen verkraften. Seit Mitte April herrscht in Sudan ein neuer blutiger Krieg. Dieses Mal stehen sich zwei rivalisierende Gener\u00e4le gegen\u00fcber: der faktische Staatschef Abdel Fattah Burhan mit den staatlichen Sudanesischen Streitkr\u00e4ften (SAF) und sein ehemaliger Waffenbruder Mohammad Hamdan Daglo mit seiner Miliz Rapid Support Forces (RSF).<\/p>\n<p>Fl\u00fcchtlingswelle in den Tschad<\/p>\n<p>Mehr als 350.000 Menschen hat dieser Krieg schon in die Flucht aus dem Sudan gezwungen, sch\u00e4tzt das UNHCR. Viele von ihnen retten sich in den Tschad \u2013 es ist eines der wenigen Nachbarl\u00e4nder, das die Grenze offenh\u00e4lt. Das mag auch daran liegen, dass die Familie Idriss D\u00e9by wie \u00fcberhaupt die politische F\u00fchrung im Tschad, den Zaghawa angeh\u00f6ren, einer teilweise arabisierten Ethnie, die sowohl im Osten Tschads wie auch im Westen Sudans, in der Region Darfur, nomadisch lebt.<\/p>\n<p>Angesichts der Instabilit\u00e4t in Sudan hat die UN im Tschad elf Fl\u00fcchtlingslager eingerichtet, die rund 200.000 Fl\u00fcchtlingen ein Obdach bieten sollen. Trotz der internationalen Hilfe sind diese Lager eine zus\u00e4tzliche Belastung f\u00fcr den Tschad, eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt.<\/p>\n<p>Auch innerlich ist das Land zerrissen. Im Norden leben arabisierte und islamisierte V\u00f6lker, die rund 12 Prozent der Bev\u00f6lkerung stellen, im S\u00fcden christliche Volksgruppen. Unter den fast 200 Ethnien im Tschad stellen die Sara mit etwas mehr als einem Viertel der Bev\u00f6lkerung die gr\u00f6\u00dfte Gruppe. Die bisherigen Machthaber im Tschad haben diese internen Konflikte mit zum Teil brutaler Gewalt einged\u00e4mmt.<\/p>\n<p>Heimat historischer Gro\u00dfreiche<\/p>\n<p>Auch wenn der Tschad heute eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt ist, so brachte die Region gro\u00dfe pr\u00e4koloniale Reiche hervor, etwa vor mehr als 1000 Jahren Kanem-Bornu oder im 16. Jahrhundert das Reich der Wadai. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs l\u00f6ste sich Franz\u00f6sisch-\u00c4quatorialafrika, zu dem damals der Tschad geh\u00f6rte, schon im August 1940 von Vichy-Frankreich und wechselte in das Lager des Freien Frankreich von General de Gaulle.<\/p>\n<p>Unterdessen will Idriss D\u00e9by die Krise in Niger nutzen, um au\u00dfenpolitisches Gewicht zu gewinnen. In dieser Woche reiste er f\u00fcr Vermittlungsgespr\u00e4che nach Niamey. Anders als die Ecowas, die den Putschisten ein Ultimatum bis Sonntag gesetzt hat, vertraut Idriss D\u00e9by offenbar auf einen pers\u00f6nlichen Einfluss. Tschad z\u00e4hlt nicht zu den 15 Mitgliedern der Ecowas. Das macht es f\u00fcr ihn leichter, abseits der afrikanischen Staatengemeinschaft eigene Initiativen zu entfalten.<\/p>\n<p>                            EntwicklungsarbeitNigerSahelSicherheitspolitikTschad            Africa.Table Redaktion\t<\/p>\n<p>    Liebe Leserin, lieber Leser,<\/p>\n<p>die Spannung w\u00e4chst rund um den Putsch in Niger. Am Sonntag l\u00e4uft ein Ultimatum der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas aus. Was danach geschehen wird, ist v\u00f6llig ungewiss.<\/p>\n<p>Doch eines zeichnet sich ab: Es geht bei diesem Staatsstreich nicht allein um ein bitterarmes Land in der Sahelzone, das zwar mehr als drei Mal so gro\u00df wie Deutschland ist, aber nur ein Drittel so viele Einwohner z\u00e4hlt. Es geht auch darum, dass die Region der Schauplatz einer neuen Stellvertreter-Auseinandersetzung fremder Interessen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die alten M\u00e4chte \u2013 Frankreich, aber auch Deutschland \u2013 auf dem R\u00fcckzug sind, versucht besonders Russland Kapital aus der neuen Situation zu schlagen. Aber auch andere, afrikanische L\u00e4nder bringen sich in Position.<\/p>\n<p>Grund genug f\u00fcr uns bei Table.Media, Sie ausf\u00fchrlich und in die Tiefe gehend \u00fcber die Geschehnisse in Niger und der Region zu informieren. F\u00fcr dieses Table.Media Spezial haben wir f\u00fcr Sie Analysen, Interviews, Nachrichten und Erfahrungsberichte zusammengetragen und dabei das Expertenwissen in der gesamten Redaktion von Table.Media genutzt.<\/p>\n<p>Wenn Ihnen diese Ausgabe gef\u00e4llt, leiten Sie uns bitte weiter. Und falls Ihnen diese Mail selbst weitergeleitet wurde:\u00a0<a href=\"https:\/\/deu01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fr.table.media%2FCL0%2Fhttps%3A%252F%252Fdeu01.safelinks.protection.outlook.com%252F%253Furl%3Dhttps%25253A%25252F%25252Fr.table.media%25252FCL0%25252Fhttps%25253A%2525252F%2525252Fdeu01.safelinks.protection.outlook.com%2525252F%2525253Furl%25253Dhttps%252525253A%252525252F%252525252Fr.table.media%252525252FCL0%252525252Fhttps%252525253A%25252525252F%25252525252Fr.table.media%25252525252FCL0%25252525252Fhttps%252525253A%2525252525252F%2525252525252Fr.table.media%2525252525252FCL0%2525252525252Fhttps%252525253A%252525252525252F%252525252525252Fr.table.media%252525252525252FCL0%252525252525252Fhttps%252525253A%25252525252525252F%25252525252525252Ftable.media%25252525252525252F%25252525252525253Futm_source%252525253Demail%252525252525252526utm_medium%252525253Dnewsletter%252525252525252526utm_campaign%252525253Dshare_edi_a22%252525252525252F1%252525252525252F010701867258fe77-5b8f5eae-5658-41e3-ba96-2d7b5b8fa367-000000%252525252525252FOeEVmrKwSHvYDdV-36qim4I_B3mYXr6p27Sy4VQnIEo%252525253D90%2525252525252F1%2525252525252F010701869e7a4075-4af3f92e-8a42-44e2-b887-4bd53656dc19-000000%2525252525252FwrZ7MxIDU5ZQ2UbJTf83c7EHMIcF9871aJFXAAqnD_s%252525253D92%25252525252F1%25252525252F01070186ba746476-cb90caf1-9734-40e8-89b4-47e43215619b-000000%25252525252Fd0TybzvjU_VVa4C4_cWNRCH1E0BOA9KYzLfC1NeCaEk%252525253D92%252525252F1%252525252F01070187b6929bf9-e33509ed-ad48-43bb-aa77-34f1e90d1987-000000%252525252FMumjJz_KOscvW04G-G9Df1bXiCHIV_428_Eem8Gsvxw%252525253D99%25252526data%25253D05%252525257C01%252525257Cchristian.hiller%2525252540extern.table.media%252525257C76375aafa3da45df66b708db4541b72a%252525257C934010eadf0947b799a15200352bf1c2%252525257C0%252525257C0%252525257C638179920773095706%252525257CUnknown%252525257CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%252525253D%252525257C3000%252525257C%252525257C%252525257C%25252526sdata%25253DSHIoi8PihvotMg%252525252BaduO5X5HKVUsUDwWSp%252525252F%252525252FEf0TD6DA%252525253D%25252526reserved%25253D0%25252F1%25252F01070187feab8264-5ca9db04-fcba-428e-9af4-bda0c3b3e848-000000%25252FO0h6vzh0rzItRXAYQgcdf-0USp0Ya0C_qQs2nYaq6LQ%25253D101%2526data%3D05%25257C01%25257Cchristian.hiller%252540extern.table.media%25257C58b3c1c6d4e248dff3d908db50785169%25257C934010eadf0947b799a15200352bf1c2%25257C0%25257C0%25257C638192249974985667%25257CUnknown%25257CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%25253D%25257C3000%25257C%25257C%25257C%2526sdata%3DNlgQtH8AyIEmmLhvFDTI%25252FAac%25252Fj%25252BS9aqpAGAOwaIiTW4%25253D%2526reserved%3D0%2F1%2F01070189af44cc41-1c579aea-5ec4-4606-b267-6a89d343d3cb-000000%2FdfiLrLc83qtGuUHKOv-8SM7icOTxxsWLROmjvjpT3Tw%3D113&amp;data=05%7C01%7Cchristian.hiller%40extern.table.media%7Cdc8b324b0d8d4ceab6f508db924467c2%7C934010eadf0947b799a15200352bf1c2%7C0%7C0%7C638264594716831229%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C3000%7C%7C%7C&amp;sdata=CWeptwW%2FDlU%2BLzdXsaNVh6LgG%2FnIphQ%2BwFLEU6QNKsE%3D&amp;reserved=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Hier<\/a>\u00a0k\u00f6nnen Sie sich f\u00fcr den Africa.Table, Security.Table, Berlin.Table und weitere Themen anmelden.<\/p>\n<p>    Analyse\tGespannte Lage in Niger vor dem Ablauf des Ultimatums<\/p>\n<p>Es kommt offenbar zum Showdown in Niger. Die westafrikanische Staatengemeinschaft <a href=\"https:\/\/ecowas.int\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ecowas<\/a> hatte Anfang der Woche den Putschisten ein Ultimatum gestellt, bis zum Sonntag, 6. August die legitim gew\u00e4hlte Regierung wiedereinzusetzen. Bisher haben die Milit\u00e4rs rund um General Tchiani nicht zu erkennen gegeben, diesem Ultimatum zu folgen. Gleichzeitig hatte die Ecowas, deren Pr\u00e4sident aktuell Nigerias Pr\u00e4sident Tinubu ist, Niger mit bisher beispiellosen Wirtschaftssanktionen belegt. Unter anderem wurden s\u00e4mtliche Finanztransaktionen gestoppt und nationale Verm\u00f6genswerte eingefroren.<\/p>\n<p>Seit Tagen fragt sich die Welt, was nach Ablauf der Frist geschehen kann. Die Ecowas mit Sitz in Abuja ist eine Gemeinschaft von 15 westafrikanischen Staaten, die in j\u00fcngster Vergangenheit eine Nebenrolle in der Sahelzone gespielt hat. Die Ecowas kann das Ultimatum nicht folgenlos auslaufen lassen. Damit steht eine Milit\u00e4rintervention im Raum.<\/p>\n<p>Allein Nigeria ist in der Lage, eine Milit\u00e4roperation gegen die Putschisten zu f\u00fchren. Nigeria unterh\u00e4lt mit 230.000 Soldaten eine der gr\u00f6\u00dften Armeen in der Region. Doch eine Intervention in Niger birgt unw\u00e4gbare Risiken. Die Milit\u00e4rregierungen von Burkina Faso und Mali haben schon vor einem Eingreifen der Ecowas mit einer Ausdehnung des Konflikts auf die gesamte Region gedroht.<\/p>\n<p>Zahlreiche ausl\u00e4ndische St\u00fctzpunkte in Niger<\/p>\n<p>Am Mittwochvormittag war Salifou Mody zu Beratungen nach Bamako und Ouagadougou geflogen. Mody war Milit\u00e4rattach\u00e9 in Berlin und galt bis zum Putsch als Gew\u00e4hrsmann der Bundesregierung in der nigrischen Armee. Heute ist er hinter Abdourahamane Tchiani die Nummer zwei in der Milit\u00e4rjunta.<\/p>\n<p>In Niger haben verschiedenste L\u00e4nder Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte:<\/p>\n<p>Frankreich ist mit rund 1500 Soldaten aktiv, davon etwa 1000 am Flughafen Niamey. Die Milit\u00e4rjunta hat jedoch am Freitag die Milit\u00e4rkooperation mit Frankreich aufgek\u00fcndigt.Die USA haben rund 1100 Soldaten, die auf zwei Camps verteilt sind.Italien hat etwa 300 Soldaten in Niger stationiert.Die Bundeswehr hat am Flughafen Niamey etwa 100 Soldaten, die den R\u00fcckzug der Truppen aus Mali unterst\u00fctzen.Die Europ\u00e4ische Union betreibt eine Ausbildungsmission f\u00fcr die nigrische Armee, an der sich die Bundeswehr mit etwa 60 Soldaten beteiligt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"590\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/TM_Africa_Ecowas-und_Sahel02-1024x590.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2114003\"  \/>Komplexe Lage in der Region<\/p>\n<p>Das Vorgehen der Ecowas gegen die Putschisten geschieht vor einer komplexen Interessenslage:<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r in Niger stellt seit der Unabh\u00e4ngigkeit 1960 die Einheit des Staates sicher und ver\u00fcbte wiederholt Staatsstreiche.Der gest\u00fcrzte Pr\u00e4sident Mohamed Bazoum ist zwar in seiner Residenz festgesetzt, steht aber in Kontakt mit afrikanischen und nicht-afrikanischen Regierungen.Die Bev\u00f6lkerung hat zwischen Bazoum und den Putschisten keine klare Pr\u00e4ferenz erkennen lassen. Es fanden sowohl Demonstrationen f\u00fcr die legitime Regierung statt wie auch f\u00fcr die Milit\u00e4rjunta.Die Bewegung M62 unterst\u00fctzt den Putsch. Sie kritisiert seit 2022 die franz\u00f6sische Milit\u00e4rpr\u00e4senz im Land. M62 organisierte verschiedene Demonstrationen, auf denen auch russische Fahnen geschwenkt worden sind.Die Milit\u00e4rregierungen in Mali und Burkina Faso unterst\u00fctzen den Staatsstreich. Auch die Milit\u00e4rjunta in Guinea zeigte Sympathie f\u00fcr den Umsturz.F\u00fcr Frankreich und Deutschland bedeutet der Putsch einen schweren R\u00fcckschlag. Die Bundesregierung hatte Niger zu einem demokratischen Vorzeigestaat erkl\u00e4rt, was durch die tats\u00e4chliche Lage, besonders bei der Einhaltung von Menschenrechten, nicht gerechtfertigt war.Russland spielt eine unklare Rolle. Ob der Kreml den Putsch unterst\u00fctzt, l\u00e4sst sich nicht verl\u00e4sslich belegen. Au\u00dfenminister Lawrow lie\u00df sich mit den Worten zitieren, es sei \u201cn\u00f6tig, die verfassungsgem\u00e4\u00dfe Ordnung in Niger wiederherzustellen\u201d.Die Afrikanische Union hat sich bisher nicht zu dem Umsturz positioniert.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Vermittlungsl\u00f6sung richtet sich der Blick auf Nigeria, das bedeutendste Land in der Region. Doch der Spielraum Nigerias ist eingeschr\u00e4nkt, weil viele Regierungen in der Region bef\u00fcrchten, dass sich Nigeria als Ordnungsmacht in Westafrika etablieren will.<\/p>\n<p>Als positiv wurde jedoch gewertet, dass sich der Sultan von Sokoto, Muhammad Sa\u2019ad Abubakar, der von Nigeria angef\u00fchrten Ecowas-Delegation anschloss. Er ist der geistliche F\u00fchrer von 70 Millionen Muslimen in Nigeria, besitzt aber auch gro\u00dfen Einfluss im Nachbarland Niger.<\/p>\n<p>Bundesregierung beharrt auf Entwicklungspolitik<\/p>\n<p>Dr\u00e4ngt die Frage nach einer kurzfristigen L\u00f6sung, so steht aber auch die nach einer langfristigen Perspektive im Raum. Die Bundesregierung baut offenbar darauf, mit Entwicklungsprojekten Perspektiven f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung zu schaffen. \u201cWir bleiben vor allem mit zivilen Mitteln weiterhin in der Region engagiert und wollen damit vor allem die Ursachen von Terrorismus und organisierter Kriminalit\u00e4t angehen\u201d, sagte die Staatsministerin im Ausw\u00e4rtigen Amt, Katja Keul, im <a href=\"https:\/\/table.media\/berlin\/analyse\/katja-keul-zum-niger-es-liegt-im-interesse-der-putschisten-proteste-anzustacheln\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gespr\u00e4ch mit Table.Media<\/a>.<\/p>\n<p>Wie Projekte der Entwicklungszusammenarbeit angesichts der hohen Unsicherheit in der Region verwirklicht werden sollen, ist unklar. Den L\u00e4ndern im Sahel machen sowohl die gr\u00f6\u00dfer werdende innere Instabilit\u00e4t, wie auch der islamistische Terror zu schaffen. Entwicklungspolitik in der Region l\u00e4sst sich nicht durchhalten, wenn die Sicherheit der Kr\u00e4fte vor Ort nicht gew\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n<p>Die wachsende Instabilit\u00e4t d\u00fcrfte auch die Wirtschaft abhalten, sich in der Sahelzone zu engagieren. \u201cBisher hat die politische Instabilit\u00e4t nicht zu einem R\u00fcckzug franz\u00f6sischer Unternehmen gef\u00fchrt\u201d, sagte Etienne Giros, Pr\u00e4sident des Verbands der franz\u00f6sischen Unternehmen in Afrika (CIAN). Doch wird das so bleiben? Etwa 200 franz\u00f6sische Unternehmen sind aktuell in Mali aktiv, 45 in Burkina Faso, 30 in Niger und etwa zehn in der Zentralafrikanischen Republik. F\u00fcr Deutschland liegen keine Zahlen vor. Sie d\u00fcrften deutlich geringer sein.<\/p>\n<p>Allein die Fremdenlegion ist einsatzf\u00e4hig<\/p>\n<p>Unter den westlichen Truppen ist noch die franz\u00f6sische Armee die schlagkr\u00e4ftigste. Das 2e REP der Fremdenlegion ist einer der wenigen Verb\u00e4nde, der auch unter den klimatischen Bedingungen der Sahelzone operieren kann. Zu ihm geh\u00f6rt das Groupement des commandos parachutistes (GCP), eine Einheit, die wochenlang ohne logistische Unterst\u00fctzung in der W\u00fcste kampff\u00e4hig bleibt. Sie ist auf Terrorbek\u00e4mpfung und die Befreiung von Geiseln spezialisiert.<\/p>\n<p>Allerdings ist auch das Milit\u00e4rengagement Frankreichs gescheitert. Nachdem Niger die Milit\u00e4rkooperation mit Frankreich aufgek\u00fcndigt hat, ist fraglich, von wo aus die franz\u00f6sischen Einheiten operieren k\u00f6nnen. Damit ist die Zukunft der franz\u00f6sischen Milit\u00e4rpr\u00e4senz in der Region ist ungewiss. \u201cIch denke, Frankreich steht vor einem echten Wendepunkt\u201d, sagte General Christophe Gomart, der ehemalige Leiter des franz\u00f6sischen Milit\u00e4rgeheimdienstes, dem Radiosender France Info.<\/p>\n<p>Bei einem Abzug der ausl\u00e4ndischen Truppen droht ein sicherheitspolitisches Vakuum, das die ungehinderte Ausbreitung islamistischer Terrorgruppen beg\u00fcnstigt und gar zur Macht\u00fcbernahme politisch geschw\u00e4chter Staaten durch islamistische Terroristen f\u00fchren kann. Eine Verschlechterung der Sicherheitslage kommt auch den Wagner-Truppen zugute. \u201cEs g\u00e4be ihnen eine weitere Gelegenheit, einzugreifen und f\u00fcr ihre Dienste bezahlt zu werden und sich wieder relevant zu machen\u201d, sagte Aneliese Bernard, Direktorin bei Strategic Stabilization Advisors.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen wirkungsvollen Kampf gegen den Islamismus fehlen die milit\u00e4rischen Mittel. Und damit geh\u00f6rt wohl auch eine Befriedung der Region durch die Schaffung wirtschaftlicher Perspektiven f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung bis auf Weiteres in den Bereich des Wunschdenkens.<\/p>\n<p>                            EcowasEntwicklungsarbeitInvestitionenNigerNigeriaSahelSicherheitspolitik            \tDeutsche Diplomatie: Leiden mit einem Musterbeispiel der Demokratie<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"171\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Von-1-1024x171.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2113997\"  \/><\/p>\n<p>Sie haben es vielleicht leise geahnt und noch leiser bef\u00fcrchtet. Und doch hat der Putsch im Niger die Bundesregierung ziemlich kalt erwischt. Auch weil die Demokratie dort so herausstach in der politisch heiklen Sahel-Region. Die schmerzhaften Erfahrungen mit den Milit\u00e4rs in Mali, dazu die als massives Problem identifizierte Pr\u00e4senz russischer Soldaten in Westafrika \u2013 all das ist seit langem eine gro\u00dfe Baustelle f\u00fcr Berlin. Umso mehr Hoffnungen setzte man im Ausw\u00e4rtigen Amt in die Regierung in Niger. Und dann das: ein Putsch.<\/p>\n<p>Dabei hatten sie viel investiert. Schon Angela Merkel war zweimal im Niger. Kaum eine Hauptstadt der Erde flog die Flugbereitschaft der Bundeswehr in den vergangenen 18 Monaten so h\u00e4ufig an wie Niamey: Der Kanzler war dort, die Au\u00dfen-, die Entwicklungsministerin, der Verteidigungsminister. Wegen des Bundeswehrabzugs in Mali, aber nat\u00fcrlich auch, um die Regierung zu st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Hoffen auf ein Scheitern des Putsches<\/p>\n<p>Nimmt man die Vorgeschichte, dann ist sehr verst\u00e4ndlich, dass das Ausw\u00e4rtige Amt einerseits alle Hilfen ausgesetzt hat, zugleich aber hofft, dass die internationalen Bem\u00fchungen doch noch f\u00fcr ein Umdenken sorgen. Katja Keul, f\u00fcr Afrika zust\u00e4ndige Staatsministerin im Ausw\u00e4rtigen Amt, <a href=\"https:\/\/table.media\/berlin\/analyse\/katja-keul-zum-niger-es-liegt-im-interesse-der-putschisten-proteste-anzustacheln\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sagte Table.Media<\/a>: \u201cDer Putsch ist noch nicht in Stein gemei\u00dfelt.\u201d Da schwingt Hoffnung mit \u2013 und die Erwartung, dass die Bem\u00fchungen des bisherigen Pr\u00e4sidenten, das Land wirtschaftlich und sozial voranzubringen, doch noch zu friedlichen, aber wirkungsvollen Protesten f\u00fchren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Dabei wei\u00df man im Ausw\u00e4rtigen Amt, wie schmal der Grat ist bei solchen Protesten. Keul sagte, die Putschisten w\u00fcrden nat\u00fcrlich versuchen, Demonstrationen f\u00fcr sich zu nutzen. Was wohl vor allem hei\u00dfen soll: sie im Zweifel zu eskalieren, um mit den Bildern von gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen die milit\u00e4rische Macht\u00fcbernahme zu rechtfertigen. Zumal auch die Russen offenkundig l\u00e4ngst vor Ort sind. Woher, so fragen sich kundige Beobachter, kamen in der K\u00fcrze der Zeit die vielen russischen F\u00e4hnchen in der Hauptstadt Niamey?<\/p>\n<p>Aus Sicht Berlins ist das besonders bitter, weil Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock im vergangenen Jahr und im Fr\u00fchjahr auch Keul noch einmal vor Ort studieren konnten, mit welcher Entschlossenheit die Regierung begonnen hatte, mehr Bildung f\u00fcr M\u00e4dchen durchzusetzen (was automatisch das Heiratsalter erh\u00f6ht), sich um die Nahrungsmittelversorgung in D\u00fcrrezeiten zu k\u00fcmmern \u2013 und sich auch darum zu bem\u00fchen, gerade jungen M\u00e4nnern Alternativen zu erm\u00f6glichen, damit sie nicht in Kriminalit\u00e4t oder Terrorismus abrutschen. Laut Keul hatte das sogar dazu gef\u00fchrt, dass in j\u00fcngsten Umfragen das Sicherheitsgef\u00fchl insbesondere bei der Landbev\u00f6lkerung stark zugenommen hatte. Nun kann Berlin nur hoffen, dass dieser Weg eines Tages fortgesetzt wird.<\/p>\n<p>Botschaftspersonal ist in Botschaft zur\u00fcckgekehrt<\/p>\n<p>Trotzdem verfolgt man den Lauf der Dinge im Ausw\u00e4rtigen Amt aktuell mit n\u00fcchterner Gelassenheit. Das Personal der Botschaft in Niamey ist achtsam in der Stadt unterwegs, aber wieder vom Camp am Flughafen an den Schreibtisch zur\u00fcckgekehrt.\u00a0<\/p>\n<p>An eine schnelle milit\u00e4rische Eskalation, hervorgerufen durch eine Intervention der Ecowas-Truppen im Niger, glaubt derzeit im Krisenstab des Amtes niemand. Auch wenn die Ecowas-Verteidigungsminister am Mittwoch einen \u201cchirurgischen Eingriff\u201d demonstrativ in den Raum gestellt hatten. Also einen Angriff auf das Hauptquartier der Putschisten in Niamey. Doch wer h\u00e4tte die Kapazit\u00e4ten dazu?\u00a0<\/p>\n<p>Zumal der Niger ganz \u00fcberwiegend umgeben ist von Nicht-Ecowas L\u00e4ndern wie Algerien, dem Tschad oder Libyen. Und von Mali und Burkina Faso, deren Milit\u00e4rregierungen sich bereits mit den Putschisten solidarisiert haben.\u00a0<\/p>\n<p>Ohnehin orientiert sich Baerbocks Haus seit einiger Zeit am Leitprinzip \u201cAfrican Ownership\u201d, das auf eine zunehmende Eigenverantwortung der Afrikaner f\u00fcr Sicherheit und Stabilit\u00e4t setzt. Im Klartext: Regionale Konflikte sollten auch regional gel\u00f6st werden.\u00a0<\/p>\n<p>Ausbau der Kontakte in der Region<\/p>\n<p>So hat sich die Bundesregierung \u2013 in Abstimmung mit der EU \u2013 auf eine Warteposition zur\u00fcckgezogen und beobachtet zwei Dinge besonders genau: Was bringen die Sanktionen, die die Staatengemeinschaft in den Raum gestellt hatte?\u00a0Und h\u00e4lt sich das neue Regime \u00fcberhaupt?\u00a0<\/p>\n<p>Eine besondere Rolle d\u00fcrfte in dieser Position des Wartestands BMZ-Ressortchefin Svenja Schulze einnehmen. Nicht nur weil ihr Haus im Fr\u00fchjahr erst mit der Sahel-Plus-Initiative ganz bewusst die ganze Region in den Blick genommen hatte, darunter\u00a0 auch Sahel-Anrainer wie Senegal, die Elfenbeink\u00fcste, Togo oder Benin. Zudem hatte Schulze gerade erst vor vier Wochen den Vorsitz der Sahel-Allianz \u00fcbernommen, eine Gemeinschaft von 18 Geberl\u00e4ndern und Entwicklungsbanken, die die Region in den n\u00e4chsten Jahren mit 28 Milliarden Euro unterst\u00fctzen will. Ein Plus: In ihrer gut eineinhalbj\u00e4hrigen Amtszeit war sie bereits in Niger, Mali, Mauretanien, Ghana und der Elfenbeink\u00fcste. Die Kontakte sind also vorhanden.<\/p>\n<p>Eine ganz besondere Rolle wird aus Sicht der Deutschen dabei den K\u00fcstenstaaten Senegal und Mauretanien und ihren Regierungen zukommen, beide auf Hilfe von au\u00dfen angewiesen, beide demokratisch gew\u00e4hlt und mit beiden ist die Bundesregierung im engen Austausch zu Energiefragen.<\/p>\n<p>                            Au\u00dfenpolitikEntwicklungsarbeitNigerSicherheitspolitik            Interview\t\u201cIn der Sahel-Zone droht ein neuer Kalter Krieg\u201d<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"987\" height=\"555\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/imago0071796546h-edited.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2113895\"  \/>Bakary Sambe, Direktor beim Thinktank Timbuktu Institute in Dakar.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"171\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Gabriel-Bub-Christian-von-Hiller-1024x171.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2114027\"  \/><\/p>\n<p>Zeigen der Putsch in Niger und der davor in Mali, dass die europ\u00e4ische Politik in der Sahelzone versagt hat?<\/p>\n<p>Der rein sicherheitspolitische Ansatz im Kampf gegen den Terrorismus war zum Scheitern verurteilt. Der europ\u00e4ische Ansatz konzentrierte sich bisher auf die Zusammenarbeit mit den Staaten, ohne die gestiegene Bedeutung der Zivilgesellschaft und der Jugend ausreichend zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Glauben Sie, dass die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas), wenn sie in Niger eingreifen w\u00fcrde, das allein oder mit westlichen Soldaten tun w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Wenn die <a href=\"https:\/\/ecowas.int\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ecowas<\/a> das Risiko eingeht, eine so kurze Frist von einer Woche zu setzen, ist sie sich der Unterst\u00fctzung der internationalen Gemeinschaft sicher. Da <a href=\"http:\/\/table.media\/africa\/#niger2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niger<\/a> ein Binnenstaat ist, wird die Milit\u00e4rjunta diesem Druck nicht lange standhalten k\u00f6nnen. Nigeria kann milit\u00e4risch und mit der Stromversorgung, die 41 Prozent des nigrischen Bedarfs darstellt, Druck aus\u00fcben, und \u00fcber Benin l\u00e4uft der Au\u00dfenhandel. Ich gehe davon aus, dass die Ecowas auch die diplomatische Unterst\u00fctzung des UN-Sicherheitsrats hat, weil Russland nicht das Risiko eingehen wird, ein Veto einzulegen, um die Unterst\u00fctzung der Ecowas-L\u00e4nder nicht zu verlieren, die seine Partner in der Region sind.<\/p>\n<p>Welche Rolle kann der Westen bei einer milit\u00e4rischen Intervention spielen?<\/p>\n<p>Es wird sicherlich Bedarf an logistischer und milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung von den westlichen L\u00e4ndern geben. Der Fehler, den man hier nicht machen darf, ist, dass die westlichen Kr\u00e4fte die F\u00fchrung \u00fcbernehmen. Sie sollten sich im Hintergrund halten und der Ecowas und den afrikanischen L\u00e4ndern Freir\u00e4ume lassen.<\/p>\n<p>F\u00fcr wie glaubw\u00fcrdig halten Sie die Ank\u00fcndigungen aus Mali und Burkina Faso, die Putschregierung milit\u00e4risch zu unterst\u00fctzen, sollte die Ecowas eingreifen?<\/p>\n<p>Burkina Faso kontrolliert nicht einmal 40 Prozent seines Territoriums. Mali hat Krisenherde im Zentrum und im Norden. Sie haben nicht die milit\u00e4rischen Mittel, um einzugreifen. In der Ank\u00fcndigung steckt politisches Kalk\u00fcl. Mali und Burkina Faso wollen um jeden Preis der \u00d6ffentlichkeit und vor allem der protestierenden afrikanischen Jugend zeigen, dass es westliche M\u00e4chte sind, die hinter der Ecowas-Intervention stecken, um noch populistischer sprechen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sie haben die Jugend angesprochen. Inwieweit ist sie ein politischer Faktor?<\/p>\n<p>Die EU vernachl\u00e4ssigt den Aufstieg einer zunehmend informierten Jugend, die in sozialen Netzwerken immer pr\u00e4senter ist und ihre eigene Lesart politischer Nachrichten hat. Die Jugend hat verstanden, dass Afrika einen neuen Status hat und es zu einer geostrategischen Verschiebung kommt. Neue M\u00e4chte sind hinzugekommen, Russland, Indien, China oder die T\u00fcrkei. Klassische Kr\u00e4fte wie Frankreich werden schw\u00e4cher. Daneben gibt es Staaten, die Mittelm\u00e4chte sein wollen, wie Marokko. Europa und die Westm\u00e4chte verharren in der Logik der Zeit nach dem Kalten Krieg, in der Afrika sich f\u00fcr die eine oder andere Seite entscheiden musste.<\/p>\n<p>Wie wird es weitergehen? Rechnen Sie mit einer l\u00e4ngerfristigen Destabilisierung der Region?<\/p>\n<p>Ich glaube, dass die Sahel-Region vor\u00fcbergehend in eine turbulente Phase geraten ist. Neben internen Gr\u00fcnden \u2013 eine rebellierende Jugend und die Schw\u00e4che demokratischer Regime \u2013 gibt es \u00e4u\u00dfere Gr\u00fcnde, eine Form eines neuen Kalten Krieges, der leider vor allem in unserer Region droht. Wir sehen m\u00f6glicherweise den Beginn einer Stellvertreterkonfrontation zwischen einerseits dem Westen, also den Nato-Staaten, und andererseits Russland, aber auch zwischen den USA und China. Und wenn neue Gas- und \u00d6ll\u00e4nder wie Senegal und die Elfenbeink\u00fcste es schaffen, Russland Energie als Druckmittel auf Europa zu nehmen, wird Russland sie anders betrachten.<\/p>\n<p>Wird die Allianz f\u00fcr die Sahelzone, deren Vorsitz Deutschland k\u00fcrzlich \u00fcbernommen hat, in der Region noch eine Rolle spielen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Die Allianz f\u00fcr die Sahelzone entstand in einem Kontext, in dem es darum ging, Strategien zu erg\u00e4nzen, die ausschlie\u00dflich auf Sicherheit beruhten. Deutschland hat begonnen, den Sicherheitsansatz und den Entwicklungsansatz zu kombinieren. Damit k\u00f6nnte Deutschland der Rolle Europas in der Region Glaubw\u00fcrdigkeit verleihen und zu einem weitaus st\u00e4rkeren Gespr\u00e4chspartner werden, mit dem die afrikanischen Staaten viel einfacher agieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Kommen wir auf die Ecowas zur\u00fcck. Kann diese langfristig zur Befriedung der Region beitragen?<\/p>\n<p>Die Ecowas kehrt auf die diplomatische B\u00fchne zur\u00fcck. Von 2014 bis zum Beginn der Sahel-Krise hatten die europ\u00e4ischen Partner der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G5_Sahel\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">G5 Sahel<\/a> (Mauretanien, Mali, Niger, Burkina Faso, Tschad, Anm. d. Red.) Priorit\u00e4t einger\u00e4umt. Das hatte zwei Konsequenzen. Erstens hat die Konzentration auf die G5-Sahelstaaten zu einer Art Trennung zwischen der zentralen Sahelzone und dem Rest Westafrikas gef\u00fchrt. Man hat vergessen, dass der Rest Westafrikas mit der zentralen Sahelzone verbunden ist. Zweitens haben Europa und die internationalen Partner die Ecowas in Sicherheitsfragen hintangestellt. Jetzt sehen wir nach dieser Krise in Niger eine sehr wichtige Rolle f\u00fcr sie. Auch Nigeria kehrt zunehmend in die Region zur\u00fcck. Ein starkes Nigeria hat immer f\u00fcr eine starke Ecowas gesorgt.<\/p>\n<p>Dr. Bakary Sambe ist Direktor am Timbuktu Institute African Center for Peace Studies in Dakar. Au\u00dferdem ist er Professor und Forscher am Centre for the Study of Religions (CER) der Gaston Berger University in Saint-Louis-UFR CRAC (Senegal). Er besitzt einen Doktortitel der Universit\u00e4t Lumi\u00e8re Lyon 2 (IEP) in Politikwissenschaften (Internationale Beziehungen).<\/p>\n<p>                            Burkina FasoEcowasMaliNigerNigeriaSahelSicherheitspolitik            News\tBundeswehr wartet ab unter Zeitdruck<\/p>\n<p>Die Bundeswehr ist in Niger vor allem pr\u00e4sent, um den Abzug der deutschen Soldatinnen und Soldaten aus der UN-Mission im benachbarten Mali zu unterst\u00fctzen. Der Lufttransportst\u00fctzpunkt mit gut 100 Luftwaffensoldaten auf dem Flughafen der Hauptstadt Niamey ist die Drehscheibe f\u00fcr das Material, das vom Stationierungsort Gao in Mali ausgeflogen wird. <\/p>\n<p>Mit dem Putsch und der Sperrung des Luftraums durch die neuen Machthaber kam diese Drehscheibe zum Erliegen \u2013 und inzwischen zeichnet sich ab, dass die Sperrung noch weiter andauern wird: Die Anweisung f\u00fcr die Luftfahrt, mit der internationale Fl\u00fcge gestoppt wurden und die am Freitag auslaufen sollte, wurde um eine Woche bis zum 11. August verl\u00e4ngert.<\/p>\n<p>Das setzt die deutschen Streitkr\u00e4fte unter Zeitdruck. Der Abzug aus der UN-Mission Minusma soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein, und die geplanten \u2013 und von der Milit\u00e4rregierung Malis genehmigten \u2013 Fl\u00fcge aus Gao sind ohnehin knapp f\u00fcr das Material, das sich in dem zehn Jahre dauernden deutschen Einsatz angesammelt hat. <\/p>\n<p>EU-Partnerschaftsmission vom Tisch<\/p>\n<p>Zwar sucht das Verteidigungsministerium in Berlin unter Hochdruck nach einer Ausweichm\u00f6glichkeit \u2013 aber selbst wenn ein Nachbarland in der Region z\u00fcgig der Errichtung eines neuen deutschen St\u00fctzpunkts zustimmen sollte, w\u00fcrde es nach den Berechnungen der Bundeswehr-Planer mindestens einen Monat dauern, einen neuen \u201cHub\u201d an anderer Stelle aufzubauen.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es auch Hoffnungen auf einzelne Fl\u00fcge, die in jedem Einzelfall eine Sondergenehmigung der nigrischen Beh\u00f6rden brauchen. So durfte die Bundeswehr am Donnerstag eines ihrer Transportflugzeuge vom Typ A400M starten lassen, das vor dem Staatsstreich in der vergangenen Woche in Niamey gelandet war und seitdem dort festsa\u00df. An Bord der Maschine waren neben sieben Soldaten aus dem UN-Einsatz in Mali, die planm\u00e4\u00dfig nach Deutschland zur\u00fcckkehren sollten, auch 23 Zivilisten aus mehreren europ\u00e4ischen Nationen. <\/p>\n<p>Zur\u00fcck nach Deutschland flogen auch zwei deutsche Offiziere, die einen Einsatz vorbereiten sollten, der sich vorerst erledigt hat: Die neu gestartete EU-Partnerschaftsmission in Niger zu Unterst\u00fctzung und Ausbildung der Streitkr\u00e4fte des Landes ist nun kein Thema mehr. tw<\/p>\n<p>                            BundeswehrNigerSahelSicherheitspolitik            \tUS-Drohnen-Basis au\u00dfer Gefecht<\/p>\n<p>Durch die Sperrung des Luftraums bis mindestens 11. August k\u00f6nnen die USA momentan keine Drohnen mehr von Niger aus steuern. Die Niger Air Base 201 nahe der Stadt Agadez ist einer der wichtigsten St\u00fctzpunkte f\u00fcr amerikanische \u00dcberwachungs- und Geheimdienstoperationen in der Region. \u201cBis vergangene Woche war Niger einer der wichtigsten milit\u00e4rischen Partner, vor allem im Bereich der Terrorismusbek\u00e4mpfung\u201d, erkl\u00e4rt Bill Roggio, Milit\u00e4rexperte von der Foundation for Defense of Democracies in Washington, gegen\u00fcber Table.Media. Diese Zusammenarbeit sei durch den Putsch nun gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Seit 2019 unterh\u00e4lt das US-Milit\u00e4r die Drohnen-Basis in Niger. Der Flugplatz geh\u00f6rt dem nigrischen Milit\u00e4r, ist aber von den USA mit rund 110 Millionen Dollar ausgebaut worden. Unter anderem mit einer rund zwei Kilometer langen Start- und Landebahn f\u00fcr die MQ-9 Reaper, eine der wichtigsten unbemannten Aufkl\u00e4rungs- und Angriffsdrohnen der amerikanischen Luftwaffe. Sie ist in der Lage, Ziele in bis zu 1850 Kilometern Entfernung zu erreichen. Der Betrieb der Niger Air Base 201 kostet die USA j\u00e4hrlich zirka 30 Millionen Dollar.<\/p>\n<p>Letzter verl\u00e4sslicher Partner der USA<\/p>\n<p>Nach der Macht\u00fcbernahme in Mali und Burkina Faso durch das Milit\u00e4r galt Niger als letzter verl\u00e4sslicher St\u00fctzpunkt f\u00fcr das US-Milit\u00e4r in der Sahelzone. \u201cDie Bedrohung sowohl durch Al-Qaida als auch durch den Islamischen Staat hat sich in der Region ausgebreitet. Und die F\u00e4higkeit der USA, diese Gruppen zu beobachten und auf sie zu reagieren, ist schon mit dem Putsch in Mali deutlich zur\u00fcckgegangen\u201d, sagt Roggio.<\/p>\n<p>Da die Pr\u00e4senz der US-Streitkr\u00e4fte in Niger auf dem Spiel stehe, vermuten Experten in Washington, dass US-Pr\u00e4sident Joe Biden den Putsch in Niger noch nicht offiziell als Umsturz deklariert hat. Im Falle eines anerkannten Putsches m\u00fcssten die USA eventuell ihre Truppen abziehen.<\/p>\n<p>Nach Angaben des Sprechers des amerikanischen Verteidigungsministeriums, General Patrick Ryder befinden sich derzeit rund 1100 US-Truppen in Niger. Sie werden vorerst bleiben: \u201cW\u00e4hrend des vom US-Au\u00dfenministerium angeordneten Abzugs (des Botschaftspersonals, Anm. der Redaktion) gibt es keine \u00c4nderungen an der Haltung der US-Streitkr\u00e4fte in Niger\u201d, sagte Ryder am Donnerstag. nana<\/p>\n<p>                            NigerSahelSicherheitspolitikUSA            Analyse\tEntwicklungszusammenarbeit ausgesetzt<\/p>\n<p>Nach dem Milit\u00e4rputsch in Niger haben europ\u00e4ische Partner ihre finanzielle Unterst\u00fctzung des Landes auf Eis gelegt. Auch die USA, die zwei Milit\u00e4rbasen in Niger unterhalten, haben die Aussetzung von Hilfszahlungen angedroht. Am Dienstag hatte das Pentagon bereits die milit\u00e4rische Kooperation beendet. Niger ist eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt und war mit knapp zwei Milliarden Dollar bisher einer der gr\u00f6\u00dften Empf\u00e4nger von Entwicklungshilfe.\u00a0<\/p>\n<p>Nun hat die Europ\u00e4ische Union ihre finanziellen Hilfen von mehr als 550 Millionen Dollar suspendiert. Weitere 70 Millionen Dollar, die im Rahmen der European Peace Facility zur Unterst\u00fctzung der nigrischen Armee aufgebracht wurden, sind ebenfalls betroffen. Erst Anfang Juni hatte die EU aus diesem Topf knapp <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2023\/06\/08\/european-peace-facility-council-adopts-two-assistance-measures-to-support-the-nigerien-armed-forces\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">f\u00fcnf Millionen Dollar f\u00fcr Waffen f\u00fcr die nigrische Armee autorisiert<\/a>. \u201cNeben der sofortigen Einstellung der Budgethilfe werden auch alle Kooperationsma\u00dfnahmen im Bereich der Sicherheit mit sofortiger Wirkung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt\u201d, hie\u00df es <a href=\"https:\/\/www.eeas.europa.eu\/eeas\/niger-statement-high-representative-josep-borrell-latest-developments_en\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in einer Erkl\u00e4rung<\/a> des EU-Au\u00dfenpolitikchefs Josep Borrell.<\/p>\n<p>Niger ist auf Hilfsgelder angewiesen<\/p>\n<p>Nach den Haushaltsprognosen f\u00fcr 2023 sollten etwa 40 Prozent des nigrischen Staatsbudgets von externen Partnern stammen. \u201cAuf diese Unterst\u00fctzung zu verzichten, bedeutet, Harakiri zu begehen\u201d, sagte Nigers abgesetzter Premierminister Ouhoumoudou Mahamadou am Sonntag dem Fernsehsender France24 und bezog sich dabei auf den japanischen Begriff f\u00fcr rituellen Selbstmord.\u00a0<\/p>\n<p>Die britische Regierung <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2023\/jul\/30\/niger-coup-west-african-states-reinstatement-president-mohamed-bazoum\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">teilte mit<\/a>, dass London die \u201ckritische\u201d humanit\u00e4re Hilfe aufrechterhalten, seine langfristige Entwicklungshilfe jedoch aussetzen werde. Belgien hingegen f\u00fchrt seine Entwicklungszusammenarbeit mit Niger fort, die <a href=\"https:\/\/www.vrt.be\/vrtnws\/de\/2023\/07\/31\/weiter-belgische-entwicklungshilfe-fuer-niger-wir-helfen-der-b\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">milit\u00e4rische Kooperation wird jedoch eingestellt<\/a>. Und auch Frankreich und Deutschland haben ihre bilaterale Unterst\u00fctzung Nigers beendet.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr beliefen sich franz\u00f6sische Entwicklungsmittel und Budgethilfen f\u00fcr den Sahelstaat auf rund 120 Millionen Euro. F\u00fcr dieses Jahr war eine leicht h\u00f6here Summe erwartet worden. Deutschland hatte 2021 bei Regierungsverhandlungen 120 Millionen Euro \u00fcber zwei Jahre hinweg zugesagt, so eine Sprecherin des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) auf Anfrage von Table.Media. So seien im vergangenen Jahr von der Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau (KfW) rund 50 Millionen Euro ausgezahlt worden. Im laufenden Jahr seien bereits knapp 16 Millionen ausgezahlt worden. Weitere knapp 24 Millionen Euro standen zur Auszahlung bereit und wurden nun gestoppt. F\u00fcr den Herbst waren neue Regierungsverhandlungen geplant, die nun ebenfalls vorerst ausgesetzt sind. Vorgesehen waren Zusagen von knapp 70 Millionen Euro, beispielsweise zum Neubau einer Universit\u00e4tsfrauenklinik in Niamey, sagte die Sprecherin des BMZ.\u00a0<\/p>\n<p>Vereinte Nationen leisten humanit\u00e4re Hilfe<\/p>\n<p>Bisher hat Deutschland in Niger \u00fcber KfW und die bundeseigene Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) 16 bilaterale Projekte in den Bereichen Dezentralisierung, kommunale Infrastruktur, Ern\u00e4hrungssicherung, Landwirtschaft und Bew\u00e4sserung, sowie Mutter-Kind-Gesundheit, Besch\u00e4ftigungsf\u00f6rderung, Grundbildung und Migration finanziert, so die BMZ-Sprecherin weiter. Alle 16 bilateralen Projekte sind nun vorerst eingestellt worden.<\/p>\n<p>Weitere neun \u201cVorhaben des Kriseninstruments der strukturbildenden \u00dcbergangshilfe\u201d im Umfang von 338 Millionen Euro w\u00fcrden jedoch fortgef\u00fchrt, ebenso wie die Vorhaben mit privaten Tr\u00e4gern sowie \u201cweitere regionale und globale Vorhaben\u201d. Dabei handelt es sich etwa um Projekte des Weltern\u00e4hrungsprogramms der Vereinten Nationen und des Kinderhilfswerks Unicef. Vom Ende der deutschen Projekte sind elf deutsche, acht internationale sowie 250 lokale Mitarbeiter betroffen.\u00a0Die f\u00fcr den 14. August geplante Reise von Entwicklungsministerin Svenja Schulze nach Mauretanien und Burkina Faso soll laut BMZ-Sprecherin hingegen wie geplant stattfinden.<\/p>\n<p>Die Vereinten Nationen leisten weiterhin humanit\u00e4re Hilfe in Niger. Alle etwa 1600 UN-Mitarbeiter seien in Sicherheit, sagte Nicole Kouassi vom UN-Entwicklungsprogramm in Niger. Nach Angaben der Vereinten Nationen ben\u00f6tigen rund 4,3 Millionen Menschen in Niger humanit\u00e4re Hilfe. Mehr als 370.000 Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben worden. Hinzu kommen mehr als 250.000 ausl\u00e4ndische Gefl\u00fcchtete\u00a0-haupts\u00e4chlich aus Nigeria, Mali und Burkina Faso.\u00a0<\/p>\n<p>Gemischte Gef\u00fchle in Nigers Bev\u00f6lkerung<\/p>\n<p>\u201cNiger steckt seit Jahren in einer Dauerkrise. Das Leben ist teuer, die Sicherheitslage schlecht\u201d, sagt Moctar Dan Yay\u00e9, Sprecher des Aktivisten-Netzwerkes Alarmphone Sahara im Gespr\u00e4ch mit Table.Media. \u201cMan kann also nicht sagen, dass der Coup aus dem Nichts kam.\u201d Die Aussetzung eines Gro\u00dfteils der Entwicklungszusammenarbeit bedeute f\u00fcr seine Arbeit erstmal einen Stopp und Abwarten, wie es weitergehe. Am meisten betroffen seien aber diejenigen, die ohnehin wenig h\u00e4tten. \u201cDie Sanktionen werden vor allem die Bev\u00f6lkerung treffen, die sowieso schon leidet.\u201d<\/p>\n<p>Der Westen k\u00f6nnte sich laut Yay\u00e9 mit der prompten Einstellung finanzieller Hilfen ins eigene Fleisch schneiden: \u201cDas hilft weder dem Innen noch dem Au\u00dfen. Das wird die ganze Region betreffen und auch den ganzen Kontinent. Seit 2015 hat die EU Niger als strategisches Land gew\u00e4hlt, um die Migration besser kontrollieren zu k\u00f6nnen. Das steht auf dem Spiel\u201d, so Yay\u00e9. Viele seiner Landsleute seien dennoch euphorisch \u2013 nicht weil sie per se Fans einer Milit\u00e4rregierung seien, sondern weil sie auf eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen hofften.<\/p>\n<p>Ein junger Nigrer, der Kommunikations- und Politikwissenschaften studiert hat, gibt sich im Gespr\u00e4ch mit Table.Media besorgt. Aus Sorge vor Repressalien m\u00f6chte er anonym bleiben. \u201cIch bin schon demoralisiert. Die n\u00e4chsten Tage werden schwierig mit Blick auf die Sanktionen, die gegen Niger verh\u00e4ngt worden sind. Die Leute haben auch Angst vor einer Milit\u00e4rintervention der Ecowas.\u201d Die Fake News \u00fcber einen angeblich geplanten Milit\u00e4rschlag Frankreichs zur Befreiung Bazoums h\u00e4tten ebenfalls f\u00fcr Wirbel gesorgt.<\/p>\n<p>Der 30-J\u00e4hrige engagiert sich politisch in einer Oppositionspartei und arbeitet als Freiwilliger f\u00fcr eine Nichtregierungsorganisation, die Nigrer \u00fcber die Risiken illegaler Migration vor allem nach Europa aufkl\u00e4rt. Auch wenn er gegen den undemokratischen Machtwechsel sei, glaube er, dass die Milit\u00e4rjunta etwas Positives beitragen k\u00f6nne. \u201cIch denke, dass sie beim Kampf gegen die Korruption und beim Missbrauch \u00f6ffentlicher Gelder etwas tun k\u00f6nnen. In Wirklichkeit ist Niger kein armes Land, sondern ein schlecht verwaltetes.\u201d<\/p>\n<p>Es gebe viele Ressourcen und Potential f\u00fcr gr\u00fcne Energie, mit reichlich Sonne und Wind im Binnenland Niger, so der Nachwuchsakademiker.<\/p>\n<p>Deutschland \u2013 das auch in Afrika nach erneuerbaren Energien f\u00fcr den eigenen Bedarf sucht \u2013 beteiligte sich bisher an einem Master-Studiengang f\u00fcr Gr\u00fcnen Wasserstoff, der auch an der Universit\u00e4t in Niamey angesiedelt ist. Das Bildungsministerium wollte daf\u00fcr nach eigenen Angaben 16 Millionen Euro bis 2025 bereitstellen. Mitarbeit: Lucia Wei\u00df<\/p>\n<p>                            DeutschlandEntwicklungsarbeitEUEU-Au\u00dfenpolitikFrankreichKfWNigerSicherheitspolitikVereinte Nationen            Interview\t\u201cDie Ern\u00e4hrungslage wird sich verschlimmern\u201d\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"665\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Jameson-Gadzirai-1024x665.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2114099\"  \/>Jameson Gadzirai ist Programmdirektor der Welthungerhilfe in Niger.<\/p>\n<p>Wie gef\u00e4hrlich ist die Lage in Niger f\u00fcr Ihre Arbeit?<\/p>\n<p>Die Lage ist sehr unsicher. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten derzeit von Zuhause und fahren nicht in die D\u00f6rfer. Aufgrund der unklaren Sicherheitslage k\u00f6nnen wir im Moment diejenigen nicht erreichen, denen wir normalerweise helfen.<\/p>\n<p>Welche Hilfen unterbleiben jetzt, die die Welthungerhilfe normalerweise dort leistet?<\/p>\n<p>Wir leisten humanit\u00e4re Hilfe und Entwicklungshilfe. Durch die Lieferung von Nahrungsmitteln wie auch durch  Bargeldtransfers helfen wir, die Ern\u00e4hrung der Bewohner zu sichern. Dazu geh\u00f6ren auch Gem\u00fcseg\u00e4rten und Baumschulen. Wir legen dabei den Fokus auf Schwangere, junge M\u00fctter und Kinder unter f\u00fcnf Jahren, f\u00fcr die eine einigerma\u00dfen ausgewogene Ern\u00e4hrung besonders wichtig ist.<\/p>\n<p>Wie vielen Menschen k\u00f6nnen Sie helfen?<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr haben wir mindestens 206.000 Menschen versorgt, in drei Regionen: Tillab\u00e9ri, Tahoua und Diffa. Das sind Regionen mit sehr starken Bev\u00f6lkerungsbewegungen. Einerseits fliehen Menschen dahin  vor dem Terror, andererseits suchen Menschen aus den Nachbarl\u00e4ndern, aus Nigeria oder Mali, dort Schutz. Andere kehren von dort zur\u00fcck. Die Gegenden um die Regionalst\u00e4dte waren n\u00e4mlich bisher einigerma\u00dfen sicher. Deshalb w\u00e4chst hier nun aber auch der Bedarf an Nahrungsmitteln und Unterst\u00fctzung. Die Menschen, die wir an diesen Orten bisher versorgt haben, waren schon bisher vulnerabel. Jetzt werden sie durch den Konflikt nochmal stark geschw\u00e4cht, zumal wir sie derzeit nicht unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Erreichen Sie Hilferufe von den Menschen vor Ort?<\/p>\n<p>Die Not war schon vor der aktuellen Krise da. Wir sind in der sogenannten \u201cmageren Periode\u201d. Die Vorr\u00e4te aus dem vergangenen Jahr gehen zu Ende, und die n\u00e4chste Ernte Ende August wird bereits sehnlichst erwartet. Leider rechnen wir mit einer schlechten Ernte. Zum einen hat der Regen dieses Jahr erst Ende Mai statt im April eingesetzt. Nun gibt es Starkregen, der die Ernten vernichtet. Das Schlimme ist: Im vergangenen Jahr war die Ernte im September auch schon au\u00dfergew\u00f6hnlich schlecht, so dass sie nicht f\u00fcr das ganze Jahr gereicht hat.<\/p>\n<p>Sind die Preise auf den lokalen M\u00e4rkten aufgrund des Ukrainekriegs gestiegen?<\/p>\n<p>Und wie! Der Preis f\u00fcr Getreide, insbesondere f\u00fcr Reis, war nach unseren Analysen vor der Ukrainekrise halb so hoch wie heute. Derzeit ziehen die Preise wieder an. Und weil die Grenzen jetzt geschlossen sind, wird sich die Lage verschlimmern. F\u00fcr immer mehr Menschen geht es jetzt um das nackte \u00dcberleben, wenn wir sie nicht versorgen \u2013 insbesondere f\u00fcr Kinder und stillende M\u00fctter. 3,3 Millionen Menschen sind im Niger nach unseren Sch\u00e4tzungen in akuter Gefahr. Und es kommen t\u00e4glich mehr hinzu.<\/p>\n<p>Wieso trauen Sie sich \u00fcberhaupt, in Niger zu bleiben? Andere Organisationen haben das Land nach dem Putsch verlassen.<\/p>\n<p>Die Welthungerhilfe ist in 37 L\u00e4ndern der Welt aktiv und hat sich in noch schlimmeren Kriegssituationen entschieden, zu bleiben. Im Niger sind wir seit 2012, wir kennen das Land gut und sehen soviel Hilfsbedarf, dass wir alles versuchen werden, um wieder zu arbeiten, sobald sich die Lage stabilisiert. Wir hatten hier auch 2020 eine Corona-Krise und haben damals entschieden, unsere B\u00fcros nicht zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Was brauchen die Menschen jetzt am meisten? Nigeria liefert ja wegen des Putschs keinen Strom mehr an Niger \u2013 versch\u00e4rft das die Lage?<\/p>\n<p>Die Menschen brauchen vor allem Lebensmittel, das ist oberste Priorit\u00e4t. Die erwartbar schlechte Erntesaison betrifft nat\u00fcrlich diejenigen gleich doppelt, die von der Landwirtschaft leben. Auch ihre Erl\u00f6se werden schlecht ausfallen. Hinzu kommt, dass es Regionen gibt mit schlechter Sicherheitslage wegen der islamistischen Terroristen. Dort werden sich die Menschen kaum trauen, ihre Felder zu bestellen. Sie haben nat\u00fcrlich Angst vor Entf\u00fchrung und \u00e4hnlichem. Das war schon vor dem Putsch so. Ebenso gab es schon vor dem Putsch Regionen mit Fl\u00fcchtlingen, die selbst wir aufgrund der prek\u00e4ren Sicherheitslage nicht unterst\u00fctzen konnten. Wir stehen hier wirklich vor einem schlimmen Dilemma: Der Klimawandel beutelt die gesamte Sahelregion und bringt immer neue Katastrophenlagen, zugleich versch\u00e4rfen sich die Konflikte.<\/p>\n<p>Wieviel Leute arbeiten in Niger f\u00fcr Ihre Organisation?<\/p>\n<p>Wir haben 96 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, acht sind internationale Helfer, die anderen stammen von hier. Die Zentrale unserer vier B\u00fcros ist hier in Niamey. Sobald wie m\u00f6glich wollen wir unsere Verteilungen wieder aufnehmen.<\/p>\n<p>Wie steht es um die Sahell\u00e4nder Mali and Burkina Faso? Auch dort sind Milit\u00e4rs an der Macht.<\/p>\n<p>In Mali ist unser \u00e4ltestes B\u00fcro, dort sind wir seit 15 Jahren und haben von dort aus mit der Arbeit in Niger begonnen. Zur Zeit k\u00f6nnen wir in beiden L\u00e4ndern unsere Arbeit noch aufrecht erhalten \u2013 das gibt uns Hoffnung. Wir analysieren st\u00e4ndig die Sicherheitslage zur Fortsetzung unserer humanit\u00e4ren Hilfe im Niger und stehen dabei im permanenten Kontakt mit den Vereinten Nationen.<\/p>\n<p>                            EntwicklungsarbeitLebensmittelNigerSahel            Analyse\tAuch Tschad in prek\u00e4rer Situation<\/p>\n<p>Der Putsch in Niger verstellt offenbar den Blick auf den Tschad. Das von einer Milit\u00e4rjunta regierte Land befindet sich in einer dramatischen Lage und droht, ins Chaos zu kippen. Das w\u00e4re besonders f\u00fcr das humanit\u00e4re Engagement in der Region eine Katastrophe.<\/p>\n<p>Vor allem eine Reduzierung der franz\u00f6sischen Milit\u00e4rpr\u00e4senz in der Sahelzone w\u00fcrde die Sicherheitslage in der gesamten Region verschlechtern. Bisher hat die franz\u00f6sische Armee in Niger ihren wichtigsten St\u00fctzpunkt in der Sahelzone unterhalten. Diesen hatte Frankreich ausgebaut, nachdem sich die Armee aus Mali zur\u00fcckziehen musste. Allerdings hat die neue Milit\u00e4rjunta in Niger am Freitag die Milit\u00e4rkooperation mit Frankreich aufgek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Rund 1500 Soldaten sind nach letzten Informationen in Niger stationiert, davon etwa 1000 am Flughafen der Hauptstadt Niamey. Die franz\u00f6sische Armee f\u00fchrte in Niger bisher Eins\u00e4tze gegen islamistische Terrorgruppen durch, besonders mithilfe von Drohnen und Jagdflugzeugen. Ohnehin h\u00e4tte die franz\u00f6sische Armee ihre Standorte in Niger kaum halten k\u00f6nnen, sind sie doch formal dem Kommando der nigrischen Armee unterstellt.<\/p>\n<p>Keine Unterstellung unter das Kommando der Putschisten<\/p>\n<p>Sollten sich die Putschisten in Niamey an der Macht festsetzen, h\u00e4tte Frankreich seine Milit\u00e4rpr\u00e4senz in Niger ohnehin beenden m\u00fcssen. Es ist undenkbar, dass sich franz\u00f6sische Truppen einer Regierung unterstellt h\u00e4tten, die sich gewaltsam an die Macht geputscht hat. Nach dem Abzug aus Niger bleiben Frankreich nur wenige M\u00f6glichkeiten, will es nicht vollst\u00e4ndig aus dem Sahel abr\u00fccken: Es m\u00fcsste dann die Truppen in Niger zumindest teilweise in den Tschad verlegen.<\/p>\n<p>Im \u00f6stlichen Nachbarland Nigers unterh\u00e4lt Frankreich bisher einen St\u00fctzpunkt f\u00fcr die Luftwaffe in der Hauptstadt N\u2019Djamena und zwei weitere Luftst\u00fctzpunkte in der Oasenstadt Faya im Zentrum und in Ab\u00e9ch\u00e9 im Osten des Landes.<\/p>\n<p>Doch auch die Beziehungen zwischen der Milit\u00e4rregierung im Tschad und Europa sind konfliktreich, wie Deutschland vor kurzem erfahren hat. Im April hat das Milit\u00e4rregime den deutschen Botschafter Gordon Kricke unter dem Vorwurf ausgewiesen, \u201cdiplomatische Gepflogenheiten\u201d missachtet zu haben. Darauf reagierte die Bundesregierung mit der Ausweisung der tschadischen Botschafterin Mariam Ali Moussa. Kricke ist ein in der Region erfahrener Diplomat. So leitete er schon die Botschaft in Niger und war vor seiner Entsendung nach N\u2019Djamena im Juli 2021 Sonderbeauftragter im Ausw\u00e4rtigen Amt f\u00fcr die Sahelzone.<\/p>\n<p>Sohn des alten Machthabers an der Macht<\/p>\n<p>Im April 2021 kam der Langzeitherrscher des Tschad, Idriss D\u00e9by, ums Leben. Offiziell ist er im Gefecht mit Aufst\u00e4ndischen gefallen, als er Truppen im Norden des Landes besuchte. Die T\u00e4ter geh\u00f6rten angeblich der Front pour l\u2019Alternance et la Concorde au Tchad (FATC) an, die von Libyen aus im Tschad aktiv ist. Diese Version ist nie durch unabh\u00e4ngige Untersuchungen best\u00e4tigt worden.<\/p>\n<p>Nach Idriss D\u00e9bys Tod wurde sein Adoptivsohn Mahamat Idriss D\u00e9by Itno an die Spitze einer milit\u00e4rischen \u00dcbergangsregierung ernannt. Obwohl erst 39 Jahre alt, kommandierte er seit 2012 zuletzt im Rang eines Vier-Sterne-Generals die Pr\u00e4sidentengarde. Entgegen seines Versprechens, binnen 18 Monaten Wahlen auszurichten, lie\u00df sich Idriss D\u00e9by Junior seine Amtszeit im Oktober 2022 um 24 Monate verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Dies rechtfertigte er mit der Lage im Land. Nicht nur ist der Tschad regelm\u00e4\u00dfig islamistischem Terror ausgesetzt. Das Land muss auch einen Zustrom an Fl\u00fcchtlingen verkraften. Seit Mitte April herrscht in Sudan ein neuer blutiger Krieg. Dieses Mal stehen sich zwei rivalisierende Gener\u00e4le gegen\u00fcber: der faktische Staatschef Abdel Fattah Burhan mit den staatlichen Sudanesischen Streitkr\u00e4ften (SAF) und sein ehemaliger Waffenbruder Mohammad Hamdan Daglo mit seiner Miliz Rapid Support Forces (RSF).<\/p>\n<p>Fl\u00fcchtlingswelle in den Tschad<\/p>\n<p>Mehr als 350.000 Menschen hat dieser Krieg schon in die Flucht aus dem Sudan gezwungen, sch\u00e4tzt das UNHCR. Viele von ihnen retten sich in den Tschad \u2013 es ist eines der wenigen Nachbarl\u00e4nder, das die Grenze offenh\u00e4lt. Das mag auch daran liegen, dass die Familie Idriss D\u00e9by wie \u00fcberhaupt die politische F\u00fchrung im Tschad, den Zaghawa angeh\u00f6ren, einer teilweise arabisierten Ethnie, die sowohl im Osten Tschads wie auch im Westen Sudans, in der Region Darfur, nomadisch lebt.<\/p>\n<p>Angesichts der Instabilit\u00e4t in Sudan hat die UN im Tschad elf Fl\u00fcchtlingslager eingerichtet, die rund 200.000 Fl\u00fcchtlingen ein Obdach bieten sollen. Trotz der internationalen Hilfe sind diese Lager eine zus\u00e4tzliche Belastung f\u00fcr den Tschad, eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt.<\/p>\n<p>Auch innerlich ist das Land zerrissen. Im Norden leben arabisierte und islamisierte V\u00f6lker, die rund 12 Prozent der Bev\u00f6lkerung stellen, im S\u00fcden christliche Volksgruppen. Unter den fast 200 Ethnien im Tschad stellen die Sara mit etwas mehr als einem Viertel der Bev\u00f6lkerung die gr\u00f6\u00dfte Gruppe. Die bisherigen Machthaber im Tschad haben diese internen Konflikte mit zum Teil brutaler Gewalt einged\u00e4mmt.<\/p>\n<p>Heimat historischer Gro\u00dfreiche<\/p>\n<p>Auch wenn der Tschad heute eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt ist, so brachte die Region gro\u00dfe pr\u00e4koloniale Reiche hervor, etwa vor mehr als 1000 Jahren Kanem-Bornu oder im 16. Jahrhundert das Reich der Wadai. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs l\u00f6ste sich Franz\u00f6sisch-\u00c4quatorialafrika, zu dem damals der Tschad geh\u00f6rte, schon im August 1940 von Vichy-Frankreich und wechselte in das Lager des Freien Frankreich von General de Gaulle.<\/p>\n<p>Unterdessen will Idriss D\u00e9by die Krise in Niger nutzen, um au\u00dfenpolitisches Gewicht zu gewinnen. In dieser Woche reiste er f\u00fcr Vermittlungsgespr\u00e4che nach Niamey. Anders als die Ecowas, die den Putschisten ein Ultimatum bis Sonntag gesetzt hat, vertraut Idriss D\u00e9by offenbar auf einen pers\u00f6nlichen Einfluss. Tschad z\u00e4hlt nicht zu den 15 Mitgliedern der Ecowas. Das macht es f\u00fcr ihn leichter, abseits der afrikanischen Staatengemeinschaft eigene Initiativen zu entfalten.<\/p>\n<p>                            EntwicklungsarbeitNigerSahelSicherheitspolitikTschad            Africa.Table Redaktion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Liebe Leserin, lieber Leser, die Spannung w\u00e4chst rund um den Putsch in Niger. Am Sonntag l\u00e4uft ein Ultimatum&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2777,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[243],"tags":[366],"class_list":{"0":"post-13996","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-niger","8":"tag-niger"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116522444540600553","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13996","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13996"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13996\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13996"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}