{"id":14093,"date":"2026-05-05T19:21:00","date_gmt":"2026-05-05T19:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14093\/"},"modified":"2026-05-05T19:21:00","modified_gmt":"2026-05-05T19:21:00","slug":"in-new-york-versteigert-marsmeteorit-als-internationaler-zankapfel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14093\/","title":{"rendered":"In New York versteigert: Marsmeteorit als internationaler Zankapfel"},"content":{"rendered":"<p>Der US-Wissenschaftler Paul Sereno tat am Samstag gegen\u00fcber der BBC seinen Unmut kund. \u201eUnversch\u00e4mtheit! Es ist unversch\u00e4mt!\u201c, sagte der Pal\u00e4ontologe, der auch in Geologie promovierte und enge Verbindungen nach Niger hat und dort auch geforscht hat, \u00fcber die Versteigerung und den generellen Umgang mit dem Marsgestein. Er sei der Meinung, dass der Meteorit wieder in Niger sein sollte.<\/p>\n<p>Sereno vermutet dabei einen Rechtsbruch. \u201eDas internationale Recht besagt, dass man etwas, das f\u00fcr das Erbe eines Landes wichtig ist \u2013 sei es ein Kulturgut, ein materielles Objekt, ein Naturobjekt oder ein au\u00dferirdisches Objekt \u2013 nicht einfach aus dem Land bringen darf.\u201c Man habe die Kolonialzeit hinter sich gelassen, in der das noch alles in Ordnung war, sagte Sereno der BBC.<\/p>\n<p>   <a href=\"https:\/\/science.orf.at\/stories\/3231132\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>         <img class=\"lazy-loading\"\/><\/p>\n<p>Science<\/p>\n<p>         Marsmeteorit um 4,5 Mio. Euro versteigert<\/p>\n<p>   <\/a><\/p>\n<p>Niger vermutet \u201eillegalen Handel\u201c<\/p>\n<p>Auch die Regierung von Niger selbst \u00e4u\u00dferte zuletzt in einer Erkl\u00e4rung \u201eZweifel an der Rechtsm\u00e4\u00dfigkeit der Ausfuhr\u201c und k\u00fcndigte eine Untersuchung an, wie der Sender africanews online berichtete. In einer Erkl\u00e4rung hie\u00df es, mehrere Minister \u2013 darunter jene f\u00fcr Bergbau und Justiz \u2013 wurden angewiesen, den Fall zu untersuchen, der ihrer Meinung nach \u201ewahrscheinlich die Merkmale des illegalen internationalen Handels aufweist\u201c.<\/p>\n<p>Das Auktionshaus Sotheby\u2019s bestreitet das vehement und meint, &#8222;dass \u201aNWA 16788\u2018 (die Bezeichnung des Marsmeteoriten, Anm.) aus Niger exportiert und unter Einhaltung aller einschl\u00e4gigen internationalen Verfahren transportiert wurde. \u201eWie bei allem, was wir verkaufen, waren alle relevanten Dokumente in jeder Phase des Transports in Ordnung, in \u00dcbereinstimmung mit (\u2026) den Anforderungen der beteiligten L\u00e4nder.\u201c Die von Niger in die Wege geleitete Untersuchung verfolge man, hie\u00df es.<\/p>\n<p>Rechtliche Lage unklar<\/p>\n<p>Eine Reihe globaler Abkommen, unter anderem im Rahmen der UNESCO, haben in der Vergangenheit versucht, den Handel mit solchen kostbaren Artefakten zu regeln. Laut einer Studie des V\u00f6lkerrechtsexperten Max Gounelle aus dem Jahr 2019 ist jedoch nicht klar, ob Meteoriten unter diese Abkommen fallen. Es bleibe den einzelnen Staaten \u00fcberlassen, wie sie es auslegen, hei\u00dft es in der Studie.<\/p>\n<p>Niger verabschiedete 1997 ein eigenes Gesetz zum Schutz seines Kulturerbes. In dem Regelwerk w\u00fcrden zwar unter arch\u00e4ologischen Funden \u201emineralogische Exemplare\u201c erw\u00e4hnt, jedoch Meteoriten nicht ausdr\u00fccklich genannt, meint der Forscher Sereno. Auch das Auktionshaus Sotheby\u2019s wies in seiner Erkl\u00e4rung zur Versteigerung des Meteoriten darauf hin, \u201edass es noch keine spezifischen Rechtsvorschriften f\u00fcr Meteoriten gibt\u201c.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" class=\"lazy-loading\" bad-src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg%20xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg'%20viewBox%3D'0%200%206000%204000'%2F%3E\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2727853_bigpicture_1050627_marsmeteorit_niger_disput_body_r.jpg\"  alt=\"Marsmeteorit NWA 16788 wird bei Sotheby\u2019s ausgestellt\"\/><\/p>\n<p>   Reuters\/Eduardo Munoz<\/p>\n<p>      Die Auktion des rund 25 Kilogramm schweren und bisher gr\u00f6\u00dften Marsgesteins auf der Erde bleibt umstritten<\/p>\n<p>Die nigrische Regierung nahm das zur Kenntnis; jedoch blieb f\u00fcr sie die Frage, wie es jemandem m\u00f6glich war, ein so schweres, auff\u00e4lliges Gestein aus dem Land zu schaffen, ohne dass die Beh\u00f6rden das bemerkten. Denn \u00fcber die Umst\u00e4nde, wie der rund 25 Kilogramm schwere Gesteinsbrocken vom Mars in einem weltbekannten Auktionshaus in den USA gelandet war, ist bisher nur wenig bekannt.<\/p>\n<p>Von Niger nach Italien bis in die USA<\/p>\n<p>\u201eNWA 16788\u201c wurde vor rund zwei Jahren in der Sahara \u2013 in jenem Teil, der im nordwestafrikanischen Niger liegt \u2013 von einem Meteoritenj\u00e4ger, dessen Identit\u00e4t nicht bekannt ist, entdeckt. Einem italienischen Artikel im Fachjournal MDPI zufolge, wurde das Gestein \u201evon der \u00f6rtlichen Gemeinde in Niger an einen internationalen H\u00e4ndler verkauft\u201c und dann in eine private Galerie in der italienischen Stadt Arezzo in der Toskana gebracht.<\/p>\n<p>Die Person wurde als \u201eein wichtiger italienischer Galerist\u201c beschrieben, hie\u00df es von der Universit\u00e4t Florenz. Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter der Leitung von Giovanni Pratesi, einem Professor f\u00fcr Mineralogie an der Universit\u00e4t Florenz, konnte den Meteoriten untersuchen, um mehr \u00fcber seine Struktur und seine Herkunft zu erfahren. Der Meteorit wurde dann im vergangenen Jahr kurzzeitig in Italien ausgestellt, auch in der italienischen Raumfahrtbeh\u00f6rde in Rom. Das letzte Mal wurde er vor rund einem Monat in New York ausgestellt, als er zur Auktion stand.<\/p>\n<p>Kritik an Versteigerung<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Tatsache, wie der Meteorit versteigert wurde, sondern auch dass er \u00fcberhaupt versteigert wurde, sorgt f\u00fcr Aufregung. Auch der international renommierte Meteoritenforscher Christian K\u00f6berl von der Universit\u00e4t Wien kritisierte das zuletzt gegen\u00fcber ORF Wissen. Der Handel mit solch seltenen Objekten sei prinzipiell eher kritisch zu sehen, denn der Forschung entginge damit etwas, so K\u00f6berl \u2013 mehr dazu in <a href=\"https:\/\/science.orf.at\/stories\/3231132\/\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">science.ORF.at<\/a>.<\/p>\n<p>400 solcher Objekte vom Mars konnten bisher auf der Erde identifiziert werden. Was nun mit \u201eNWA 16788\u201c nach der Versteigerung weiter passieren w\u00fcrde, d\u00fcrfte noch nicht entschieden sein \u2013 ob er im Tresor eines Sammlers oder einer Sammlerin verschwindet oder doch der Forschung zur Verf\u00fcgung gestellt oder vielleicht auch als Leihgabe in einem Museum landet.<\/p>\n<p>Sereno sah gegen\u00fcber der BBC trotzdem auch etwas Positives. Er sieht einen Wendepunkt im zuk\u00fcnftigen Umgang mit au\u00dferirdischem Gestein. Denn erstens habe es die nigrischen Beh\u00f6rden zum Handeln motiviert und zweitens, \u201ewenn der Meteorit jemals in einem \u00f6ffentlichen Museum ausgestellt w\u00fcrde, m\u00fcsse sich dieses damit auseinandersetzen, dass Niger den Meteoriten offen f\u00fcr sich beansprucht\u201c, so der US-Wissenschaftler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der US-Wissenschaftler Paul Sereno tat am Samstag gegen\u00fcber der BBC seinen Unmut kund. \u201eUnversch\u00e4mtheit! 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