{"id":14114,"date":"2026-05-05T21:03:22","date_gmt":"2026-05-05T21:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14114\/"},"modified":"2026-05-05T21:03:22","modified_gmt":"2026-05-05T21:03:22","slug":"meinung-tiertoetungen-in-zoos-folgen-einer-zerstoererischen-logik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14114\/","title":{"rendered":"Meinung: Tiert\u00f6tungen in Zoos folgen einer zerst\u00f6rerischen Logik"},"content":{"rendered":"<p>        Meinung<br \/>\n      Tiert\u00f6tungen in Zoos folgen einer zerst\u00f6rerischen Logik<\/p>\n<p>            Kopiere den aktuellen Link<\/p>\n<p>          Zur Merkliste hinzuf\u00fcgen<\/p>\n<p>Im N\u00fcrnberger Zoo wurden jetzt ausgerechnet zw\u00f6lf Guinea-Paviane, Angeh\u00f6rige einer bedrohten Art, get\u00f6tet. Aus Platzmangel. Das ist m\u00f6glicherweise strafbar. Unethisch ist es allemal<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg is-initial\">Muss man Tiere einer bestimmten Spezies t\u00f6ten, damit die Spezies \u00fcberlebt? Ja, sagen Zoos. In N\u00fcrnberg zum Beispiel hat nun der Direktor zw\u00f6lf seiner Guinea-Paviane t\u00f6ten lassen. Als Grund f\u00fchrt er den Artenschutz an. Ohne Nachzuchten in Gefangenschaft, so die Argumentation, st\u00fcrben seltene Spezies aus. Und da in Gefangenschaft nat\u00fcrliche Feinde fehlen, muss eben der Mensch ran. Unbestritten ist: Der Lebensraum der Guinea-Paviane in Westafrika schrumpft, die Art gilt mittlerweile als bedroht. (Lesen Sie <a data-target-type=\"article\" href=\"https:\/\/www.geo.de\/wissen\/muessen-zoos-fuer-den-artenschutz-tiere-toeten--34733036.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">hier<\/a> mehr \u00fcber die Argumentation der Zoos.)<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Doch die Zoo-Logik stoppt nicht das weltweite Artensterben. Und sie steht im Konflikt mit dem deutschen Tierschutzgesetz. Demzufolge braucht, wer ein Tier t\u00f6tet, einen &#8222;vern\u00fcnftigen Grund&#8220;. Was &#8222;vern\u00fcnftig&#8220; ist, l\u00e4sst das Gesetz offen. Es ist eine Frage der Abw\u00e4gung. Wenn das Tier unheilbar krank ist, wenn man ihm absehbare Leiden ersparen will, kann ein Grund zum T\u00f6ten vorliegen. Doch was, wenn, wie in N\u00fcrnberg, das Gehege einfach nur zu klein geworden ist? Weil Auswilderungen <a class=\"link--external\" href=\"https:\/\/tiergarten.nuernberg.de\/zoowissen-co\/hintergrundinformationen\/zahlen-und-fakten-aus-dem-tiergarten\/populationsmanagement-haeufige-fragen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_self\">gar nicht geplant sind<\/a>, weil der Zoo es vermasselt hat, die Gruppe zum Beispiel durch Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung oder Abgabe von einzelnen Tieren, zum Beispiel an geeignete Auffangstationen, klein zu halten? Keine vern\u00fcnftigen Gr\u00fcnde im Sinne des Gesetzes, <a class=\"link--external\" href=\"https:\/\/djgt.de\/2021\/11\/03\/der-vernuenftige-grund-des-tierschutzgesetzes-und-die-toetung-von-tieren-in-zoos-aufsatz-in-der-natur-und-recht\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_self\">argumentieren<\/a> Juristen.<\/p>\n<p>    04. Juni 2024,16:48<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/451637944.jpg\"   loading=\"lazy\" fetchpriority=\"auto\" alt=\"Aktivisten halten ein Banner mit der Aufschrift &quot;Artgerecht ist nur die Freiheit&quot; hoch\" title=\" Aktivisten halten ein Banner mit der Aufschrift &quot;Artgerecht ist nur die Freiheit&quot; hoch\"\/><\/p>\n<p>      <a class=\"teaser__link\" href=\"https:\/\/www.geo.de\/wissen\/muessen-zoos-fuer-den-artenschutz-tiere-toeten--34733036.html\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>            Kontroverse<\/p>\n<p>          Wenn Zoos gesunde Tiere t\u00f6ten: Sind Arten wichtiger als Individuen?<\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>Der N\u00fcrnberger Zoo erw\u00e4gt, Guinea-Paviane zu t\u00f6ten \u2013 als Ma\u00dfnahme f\u00fcr den Erhalt der Spezies. Und wieder gibt es Streit mit Tiersch\u00fctzenden. Passt das zusammen, Tiere t\u00f6ten und Arten sch\u00fctzen?\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Die Mitarbeitenden des N\u00fcrnberger Zoos haben sich m\u00f6glicherweise strafbar gemacht, indem sie Tiere im Rahmen des &#8222;Populationsmanagements&#8220;, wie es verharmlosend in der Fachsprache hei\u00dft, &#8222;entnommen&#8220;, also get\u00f6tet haben.<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Sie w\u00e4ren nicht die Ersten. Im Jahr 2010 hatte das Oberlandesgericht Naumburg einen Zoodirektor, einen Zootierarzt und zwei Mitarbeiter verurteilt \u2013 wegen der T\u00f6tung dreier Tigerbabys. Dass die nicht reinrassig waren, wollten die Richter nicht als &#8222;vern\u00fcnftigen Grund&#8220; akzeptieren. Die T\u00f6tung sei weder erforderlich noch angemessen gewesen. Die Angeklagten h\u00e4tten entgegen der Rechtsordnung den Arten- \u00fcber den Tierschutz gestellt.<\/p>\n<p>  Von der Not zur Tugend<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Aus dieser rechtlichen und moralischen Grauzone versuchen Zoos \u2013 in denen europaweit jedes Jahr Tausende gesunde Tiere get\u00f6tet werden \u2013 auszubrechen. Und treten die Flucht nach vorn an, indem sie das T\u00f6ten von Tieren in ihrer eigenen Obhut zu einer Art Tugend erkl\u00e4ren. &#8222;Finden wir auch nicht sch\u00f6n, muss aber sein&#8220;, so die Botschaft an die \u00d6ffentlichkeit. Der Kopenhagener Zoo zeigte sich hier als streitbarer Vorreiter, indem er 2014 eine gesunde, aber &#8222;\u00fcberz\u00e4hlige&#8220; Giraffe t\u00f6ten und vor Schaulustigen an L\u00f6wen verf\u00fcttern lie\u00df. Der Protest war kalkuliert \u2013 und gewaltig.<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">In einem <a class=\"link--external\" href=\"https:\/\/www.pnas.org\/doi\/10.1073\/pnas.2414565121\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_self\">Meinungsbeitrag<\/a> im Wissenschaftsmagazin &#8222;PNAS&#8220; beklagt unter anderen Dag Encke, der N\u00fcrnberger Zoodirektor: &#8222;\u00d6ffentlicher Druck&#8220; und die Rechtsprechung st\u00fcnden den Tiert\u00f6tungen entgegen. Dabei sei so etwas f\u00fcr das &#8222;langfristige \u00dcberleben der Arten unerl\u00e4sslich&#8220;. Man solle aber \u2013 das ist wohl die Lehre aus Kopenhagen \u2013 mit dem T\u00f6ten bei Tierarten anfangen, die ohnehin als &#8222;Beutetierarten&#8220; wahrgenommen w\u00fcrden. Sozusagen, um die \u00f6ffentliche Meinung an das Prinzip zu gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Unerl\u00e4sslich oder rechtswidrig? Das m\u00fcssen am Ende Gerichte entscheiden.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Aber es gibt noch eine dritte Perspektive auf das Thema, die in der \u00f6ffentlichen Debatte \u00fcber Zoot\u00f6tungen noch viel zu wenig Beachtung findet: In den vergangenen Jahrzehnten hat eine Bewegung Fahrt aufgenommen, die uns nahestehenden Tieren individuelle Pers\u00f6nlichkeitsrechte zuerkennen will. Ein Recht auf Leben, Freiheit, k\u00f6rperliche und geistige Unversehrtheit. Etwas, das f\u00fcr alle Angeh\u00f6rigen der Spezies Homo sapiens selbstverst\u00e4ndlich ist oder sein sollte. Die Populationsmanager in den Zoos arbeiten in der umgekehrten Richtung: Sie pochen auf das menschliche Recht, \u00fcber Leben und Tod von Angeh\u00f6rigen anderer Spezies zu entscheiden. Und folgen damit jenem anthropozentrischen Denken und Handeln, das Arten wie den Guinea-Pavian erst in Bedr\u00e4ngnis gebracht hat.<\/p>\n<p class=\"typo-body-md typo-body-lg@lg\">Aktualisiert am 29.7.2025, 17:20 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Meinung Tiert\u00f6tungen in Zoos folgen einer zerst\u00f6rerischen Logik Kopiere den aktuellen Link Zur Merkliste hinzuf\u00fcgen Im N\u00fcrnberger Zoo&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14115,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[238],"tags":[328],"class_list":{"0":"post-14114","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-guinea","8":"tag-guinea"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116523997782693649","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14114","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14114"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14114\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14115"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14114"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}