{"id":14126,"date":"2026-05-05T23:13:11","date_gmt":"2026-05-05T23:13:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14126\/"},"modified":"2026-05-05T23:13:11","modified_gmt":"2026-05-05T23:13:11","slug":"eine-von-paris-indirekt-unterstuetzte-islamistische-offensive-erschuettert-mali","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14126\/","title":{"rendered":"Eine von Paris indirekt unterst\u00fctzte islamistische Offensive ersch\u00fcttert Mali"},"content":{"rendered":"<p>Am 25. April begann ein B\u00fcndnis aus nationalistischen Tuareg-Milizen und Islamisten eine koordinierte Offensive in ganz Mali. Diese Offensive ersch\u00fctterte die herrschende Milit\u00e4rjunta, die 2013 als Reaktion auf die Massendemonstrationen gegen den von Frankreich gef\u00fchrten Krieg in Mali den R\u00fcckzug der franz\u00f6sischen Truppen durchgesetzt und sich mit dem Kreml verb\u00fcndet hatte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/c71de05c-c3af-465c-90b4-1a44c0c37449.png\" style=\"max-height:100%\"\/>Pr\u00e4sident Assimi Go\u00efta beim Begr\u00e4bnis von General Sadio Camara am 30. April 2026   [Photo: @aesalerte]<\/p>\n<p>Die Junta konnte sich zwar an der Macht halten und kontrolliert weiterhin die bev\u00f6lkerungsreicheren St\u00e4dte im S\u00fcden des Landes, doch die Offensive der Tuareg und Islamisten hat sie schwer ersch\u00fcttert. Mopti im Norden geriet unter die Kontrolle von Islamisten- und Tuareg-Kr\u00e4ften, die vom algerischen Milit\u00e4rregime und vor allem von Paris unterst\u00fctzt werden. Im globalen Kontext der imperialistischen Kriege gegen den Iran und Russland tritt der Konflikt zwischen den antiimperialistischen Bestrebungen der malischen Massen und der b\u00fcrgerlichen Politik der Junta immer deutlicher zutage.<\/p>\n<p>Die Offensive begann mit \u00dcberraschungsangriffen im gesamten Land. Ziel der Angriffe waren Kidal und Gao im Norden, S\u00e9var\u00e9 und Mopti in der Mitte und Kati sowie die Hauptstadt Bamako im S\u00fcden. Laut dem X-Account des in Mali stationierten russischen Afrikakorps wurden f\u00fcr die Offensive zwischen 10.000 und 12.000 K\u00e4mpfer mobilisiert. In Kati wurde der stellvertretende Kommandeur der Junta, Verteidigungsminister Sadio Camara, durch einen Autobombenanschlag ermordet. Camara war einer der Hauptinitiatoren des B\u00fcndnisses zwischen der Junta und Moskau.<\/p>\n<p>Ein Einwohner von Bamako erkl\u00e4rte gegen\u00fcber Radio France Internationale (RFI): \u201e[Der Tag des ersten Angriffs] war wirklich furchterregend, wir hatten Angst. (&#8230;) Wir wurden durch Beschuss mit schweren Waffen geweckt, und nach einer Stunde Schusswechseln merkten wir, dass es ein terroristischer Angriff war. Es begann alles gegen 6 Uhr morgens und dauerte bis in den Nachmittag.\u201c<\/p>\n<p>RFI zitierte auch einen Einwohner von Mopti, der erkl\u00e4rte: \u201eDie Bev\u00f6lkerung ist in Panik, es gab keinen Markt, fast alle Familien suchen in ihren Wohnungen und H\u00e4usern Schutz, die H\u00e4user sind verschlossen (&#8230;) Die Gendarmerie und die Polizeiwache wurden von den Angreifern gest\u00fcrmt, die jetzt praktisch alles kontrollieren.\u201c<\/p>\n<p>Das Afrikakorps musste Mopti \u00fcberst\u00fcrzt zu verlassen. Es verhandelte den Abzug seiner Truppen aus Mopti, lie\u00df aber Hunderte von malischen Soldaten als Gefangene der Islamisten zur\u00fcck. Islamisten- und Tuareg-Milizen versuchen jetzt, die Energieversorgung der malischen St\u00e4dte zu blockieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.iysse.de\/events.html\" class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/4da82601-b730-4f81-bb81-d5b29776f1a1.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/bf8e324d-a8c9-45e3-b628-f70a7e2d0831.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Es ist schwierig, die Opferzahlen des ersten Angriffs genau zu ermitteln. Laut dem Afrikakorps wurden bei der Gegenoffensive der russischen und der Regierungstruppen 1.000 K\u00e4mpfer get\u00f6tet und mehr als 100 Fahrzeuge zerst\u00f6rt. Am Abend des 25. April ver\u00f6ffentlichte die Junta eine Erkl\u00e4rung, laut der 16 Zivilisten get\u00f6tet wurden. Die tats\u00e4chliche Zahl der Toten auf beiden Seiten d\u00fcrfte in die Tausende gehen.<\/p>\n<p>An der Offensive beteiligten sich K\u00e4mpfer der al-Qaida nahestehenden Gruppe zur Unterst\u00fctzung des Islam und der Muslime (JNIM) sowie der Befreiungsfront von Azawad, einer nationalistischen Tuareg-Bewegung mit Beziehungen zu Paris, der ehemaligen Kolonialmacht in Mali. Attaye Ag Mohamed, ein f\u00fchrender Tuareg-Nationalist, erkl\u00e4rte gegen\u00fcber RFI, zwischen der FLA und der JNIM bestehe eine \u201ePartnerschaft\u201c und sie w\u00fcrden \u201eihre Aktionen koordinieren\u201c.<\/p>\n<p>Die Koalition der Kr\u00e4fte f\u00fcr die Republik (CFR), die b\u00fcrgerliche Opposition Malis unter F\u00fchrung von Imam Dicko \u2013 der im Exil in Algier lebt, andere f\u00fchrende CFR-Mitglieder leben in Frankreich im Exil \u2013 rief die Junta in einem Kommuniqu\u00e9 auf, mehr Macht an sie abzugeben. Die CFR sprach den \u201eHinterbliebenen der Opfer ihr tiefstes Beileid\u201c aus und verurteilte das \u201eVersagen der Sicherheitskr\u00e4fte des Milit\u00e4rregimes\u201c. Sie betonte: \u201eMali ist in Gefahr: Die Junta muss ihr Versagen eingestehen, ein nationaler Dialog muss beginnen.\u201c<\/p>\n<p>Zahlreiche Berichte, insbesondere, dass die islamistischen Milizen glasfasergesteuerte Drohnen einsetzten, die normalerweise an der russisch-ukrainischen Front zum Einsatz kommen, deuten auf die Rolle des ukrainischen Pro-NATO-Regimes hin. Seit 2024 hat Kiew wiederholt zugesagt, Truppen in Afrika im Kampf gegen das russische Afrikakorps zu unterst\u00fctzen. Am 26. M\u00e4rz 2026, weniger als einen Monat vor der Offensive in Mali, berief die Ukraine eine Regierungssitzung zu ihrer Afrikapolitik ein.<\/p>\n<p>Danach erkl\u00e4rte Kyrylo Budanow, der ehemalige Chef des ukrainischen Milit\u00e4rgeheimdienstes und damalige Leiter des ukrainischen Pr\u00e4sidentenb\u00fcros: \u201eDie Ukraine hat sich zum ersten Mal das Ziel gesetzt, die Situation auf dem afrikanischen Kontinent umfassend zu beeinflussen.\u201c<\/p>\n<p>In Wirklichkeit kann das ukrainische Regime in der Sahelzone nicht unabh\u00e4ngig vom franz\u00f6sischen Imperialismus intervenieren. Es wird vollst\u00e4ndig von der Europ\u00e4ischen Union finanziert, deren Mitgliedsstaaten ihm j\u00e4hrlich zweistellige Milliardenbetr\u00e4ge \u00fcberweisen. Daf\u00fcr handelt es im Auftrag der NATO und f\u00fchrt Krieg gegen Russland \u2013 aber auch in der Sahelzone, wo Paris die Junta st\u00fcrzen will, die den R\u00fcckzug ihrer Truppen gefordert hat.<\/p>\n<p>Paris versucht, durch eine Reihe von Stellvertretern wieder ein neokoloniales Regime an die Macht zu bringen, das die wirtschaftlichen und strategischen Interessen des franz\u00f6sischen Imperialismus besser sch\u00fctzen soll. Seine Strategie ist im Wesentlichen die gleiche wie im Krieg in Libyen 2011, der dem jetzigen Krieg in Mali den Weg geebnet hat.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/north-30-jahre-krieg\/00.html\" class=\"no-underline pointer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/19b71883-5de1-401a-8f7f-7226c4b24a37.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/><\/p>\n<p>David North<\/p>\n<p>30 Jahre Krieg: Amerikas Griff nach der Weltherrschaft 1990\u20132020<\/p>\n<p>Seit dem ersten Golfkrieg 1990\u20131991 f\u00fchren die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg.\u00a0Gest\u00fctzt auf ein marxistisches Verst\u00e4ndnis der Widerspr\u00fcche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Milit\u00e4rinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Im Jahr 2011 reagierten Paris, Washington und London auf die Arbeiteraufst\u00e4nde in \u00c4gypten und Tunesien, indem sie Islamisten- und Stammesmilizen bewaffneten, um das libysche Regime zu st\u00fcrzen. Nach dem Sturz des libyschen Regimes destabilisierte der Zustrom von Waffen und K\u00e4mpfern, die Libyen verlie\u00dfen, die Region. Daraufhin intervenierte Paris in Mali, angeblich um gegen die Islamisten zu k\u00e4mpfen und Bamako zu sch\u00fctzen. Doch seither verhandelte Paris mit der Nationalen Bewegung f\u00fcr die Befreiung von Azawad, dem Vorg\u00e4nger der FLA, um eine neokoloniale Basis im Norden von Mali einzurichten.<\/p>\n<p>Die Demonstrationen in Mali von 2021 bis 2022 brachten innerhalb des malischen Regimes Offiziere an die Macht, welche die franz\u00f6sische Milit\u00e4rpr\u00e4senz ablehnten. Um sich vor dem Zorn Frankreichs zu sch\u00fctzen, gingen sie ein pragmatisches B\u00fcndnis mit dem russischen kapitalistischen Regime ein. Nat\u00fcrlich verfolgten sie keine revolution\u00e4re Politik, appellierten nicht an den Widerstand der Arbeiterklasse in Frankreich gegen das allgemein verhasste Macron-Regime oder versuchten, die Arbeiter und unterdr\u00fcckten Massen in ganz Afrika gegen den Imperialismus zu mobilisieren.<\/p>\n<p>Die aktuelle Offensive offenbart die Grenzen dieser b\u00fcrgerlichen Politik, die, gerade weil sie einen sozialistischen Kampf gegen den Kapitalismus ablehnt, keinen Kampf gegen den Imperialismus f\u00fchren kann. Indem die Junta eine egalit\u00e4rere Politik gegen\u00fcber Kleinbauern und Hirten ablehnt, die den Islamisten und Tuareg-Nationalisten den Boden entziehen w\u00fcrde, hat sie es Paris erlaubt, zusammen mit Kiew, Algier, den Tuareg-Nationalisten und der JNIM zu taktieren. Im M\u00e4rz verhandelte sie sogar mit Nick Checker, dem \u201eSahel-Abgesandten\u201c der Trump-Regierung, w\u00e4hrend Trump den Iran bombardierte.<\/p>\n<p>Die malische Armee diente jahrzehntelang als neokoloniales Instrument Frankreichs. Jetzt mobilisiert Paris seine engsten Unterst\u00fctzer unter den Tuareg-Nationalisten und akzeptiert die Rolle von al-Qaida-nahen Elementen, um einen Regimewechsel herbeizuf\u00fchren. Doch Frankreichs Hauptziel ist nicht das Milit\u00e4r. Es sind die antiimperialistischen Bestrebungen der Arbeiter und unterdr\u00fcckten Massen in der Sahelzone und ganz Afrika.<\/p>\n<p>Ulf Laessing, ein leitender Funktion\u00e4r der Konrad-Adenauer-Stiftung, <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/malis-junta-ringt-nach-beispiellosen-angriffen-um-normalit%C3%A4t\/a-76964732\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">erkl\u00e4rte gegen\u00fcber der Deutschen Welle<\/a>, die Islamisten \u201ehaben nicht die Kapazit\u00e4ten, eine gro\u00dfe Stadt zu verwalten. Sie wollen einen Aufstand ausl\u00f6sen in der Hoffnung, die Regierung zu Verhandlungen zu zwingen oder sogar eine neue Regierung zu bekommen. Aber es gibt keine Anzeichen daf\u00fcr, dass dies geschieht. Die meisten Menschen sind unzufrieden mit der Lage in Mali, aber sie stehen weiterhin hinter der Regierung (&#8230;).\u201c<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Krise in Mali verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, das Hindernis zu \u00fcberwinden, das die Junta f\u00fcr den revolution\u00e4ren Kampf gegen den Imperialismus darstellt. Die entscheidende Aufgabe ist die Vereinigung der Arbeiter in Mali und der gesamten Sahelzone mit den Arbeitern in Frankreich und allen NATO-Staaten in einer sozialistischen Bewegung, um die anhaltenden imperialistischen Kriege und die Herrschaft der imperialistischen Regierungen zu beenden und die Macht den Arbeitern und den unterdr\u00fcckten Massen zu \u00fcbertragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 25. 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