{"id":14162,"date":"2026-05-06T02:47:28","date_gmt":"2026-05-06T02:47:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14162\/"},"modified":"2026-05-06T02:47:28","modified_gmt":"2026-05-06T02:47:28","slug":"debatte-um-raubkunst-grosse-augen-in-deutschland-benin-bronzen-gehen-in-privatbesitz-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14162\/","title":{"rendered":"Debatte um Raubkunst &#8211; Grosse Augen in Deutschland: Benin-Bronzen gehen in Privatbesitz &#8211; Kultur"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-lead\" data-news-landmark=\"article-lead\">Deutschland gab 20 Artefakte an Nigeria zur\u00fcck. Nun sind sie im Privatbesitz des K\u00f6nigs. Ein Fiasko, finden die einen. Nachvollziehbar, sagen die anderen.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">In der Schweiz wird die R\u00fcckgabe von Benin-Bronzen noch diskutiert. Im Nachbarland ist man bereits weiter: Nach jahrelangem Tauziehen gab Deutschland Ende letztes Jahres 20 wertvolle Benin-Bronzen an Nigeria zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Jetzt sorgt eine Meldung aus Nigeria f\u00fcr Aufruhr: Der nigerianische Staatspr\u00e4sident Muhammadu Buhari hat die Eigentumsrechte f\u00fcr die Bronzen an den K\u00f6nig Oba \u00fcbertragen.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Eine Ausstellung im privaten K\u00f6nigspalast statt im \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Museum? Die neue Wendung sorgte in Deutschland f\u00fcr Debattenstoff. Ein Skandal, finden die einen. Nigeria d\u00fcrfe mit den eigenen Bronzen anstellen, was es wolle, argumentieren die anderen. <\/p>\n<p>                                                        Der Oba redet mit <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Der Oba herrschte als K\u00f6nig \u00fcber das Reich von Benin, das im heutigen S\u00fcdwesten von Nigeria liegt. Der amtierende Oba, Ewuare II., k\u00e4mpft seit seiner Kr\u00f6nung vor sieben Jahren f\u00fcr die R\u00fcckf\u00fchrung der Bronzen nach Nigeria. So verk\u00fcndete der nigerianische Pr\u00e4sident bereits am 23. M\u00e4rz, dass die r\u00fcckgef\u00fchrten Artefakte an den Oba gingen, den urspr\u00fcnglichen Eigent\u00fcmer und Bewahrer der Kultur von Benin. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Zuk\u00fcnftig werden die St\u00fccke also im Palast oder an anderen Orten in Benin City aufbewahrt. Die Bronzen d\u00fcrfen nur noch mit Genehmigung des Oba etwa als Leihgaben herausgegeben werden. <\/p>\n<p>                                                        Ein nachvollziehbarer Entscheid<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Der Historiker und Afrika-Wissenschaftler J\u00fcrgen Zimmerer <a href=\"https:\/\/m.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/benin-bronzen-werden-privatbesitz-des-oba-war-das-der-sinn-18872272.amp.html\" target=\"_blank\" data-urn=\"\" data-title=\"\" rel=\"nofollow noopener\">hat f\u00fcr die R\u00fcckgabe an den Oba Verst\u00e4ndnis<\/a>. Schliesslich gebe es in Kontexten kolonialer Gewalt immer das Problem, dass die Betroffenen heute gar nicht mehr als souver\u00e4ne Staaten existieren. \u00abIn diesem Fall ist das K\u00f6nigreich in den Bundesstaat Nigeria aufgegangen.\u00bb<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Bild vorne drei M\u00e4nner in rotem Rock, roten langen Zipfelh\u00fcten, in der Mitte h\u00e4lt Mann Holzschwert, tr\u00e4gt Sonnenbrille.\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                Oba Ewuare II. (in der Mitte) ist seit 2016 im Amt und studierte in Wales und in den USA.<\/p>\n<p>                    Imago \/ Majority World \/ Emmanual Osodi<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">So stand von Anfang an die Forderung im Raum, den Oba miteinzubeziehen. \u00abJetzt hat Nigeria entschieden, ihn nicht nur einzubeziehen, sondern ihm das letzte Wort zuzugestehen. Ich halte das f\u00fcr eine sehr nachvollziehbare und richtige Entscheidung.\u00bb <\/p>\n<p>                                                        Wer darf mitreden?<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Es tut sich aber auch die Frage auf, ob Deutschland oder andere europ\u00e4ische L\u00e4nder, die Kunst restituieren, \u00fcberhaupt mitreden sollten, bei wem die Bronzen am Ende ankommen. \u00abDer Ausgangspunkt ist, dass wir anerkennen, dass diese Benin-Objekte widerrechtlich in Europa und in unseren Museen sind\u00bb, sagt Zimmerer. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Man will kein Raubgut gegen den Willen der Beraubten ausstellen. Also gibt man sie zur\u00fcck. Doch dort h\u00f6re der Einfluss des Raub-Nutzniessers bereits auf. \u00abEs w\u00e4re eine koloniale Geste und eine Fortschreibung des kolonialen Habitus, zu bestimmen, was die Bestohlenen bei der R\u00fcckgabe damit machen m\u00fcssen.\u00bb <\/p>\n<p>                                                        Ausstellung noch offen<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Ob diese Benin-Bronzen nun tats\u00e4chlich fern von Nigerias \u00d6ffentlichkeit ausgestellt werden, bezweifelt der Historiker. \u00c4hnlich wie in Grossbritannien sei es auch in Nigeria gut vorstellbar, dass die Werke dennoch f\u00fcrs Volk zu sehen sind \u2013 ob im Museum oder im Palast.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Der Historiker kann der aktuellen Emp\u00f6rung um die R\u00fcckgabe an den Oba nichts abgewinnen. \u00abDiese Aufregung dient dazu, die Restitution von kolonialem Raubgut zu unterminieren, zu attackieren und quasi in Misskredit zu bringen.\u00bb <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Deutschland gab 20 Artefakte an Nigeria zur\u00fcck. 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