{"id":14289,"date":"2026-05-06T10:52:34","date_gmt":"2026-05-06T10:52:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14289\/"},"modified":"2026-05-06T10:52:34","modified_gmt":"2026-05-06T10:52:34","slug":"kenia-duerre-in-turkana-gefaehrdet-schule-und-maedchenrechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14289\/","title":{"rendered":"Kenia: D\u00fcrre in Turkana gef\u00e4hrdet Schule und M\u00e4dchenrechte"},"content":{"rendered":"<p>In Kenia entscheidet der Regen nicht nur \u00fcber Ernten und Herden, sondern auch \u00fcber Bildung. Wenn D\u00fcrre Familien in Not treibt, geraten vor allem M\u00e4dchen unter Druck: durch Schulabbruch, Wasserholen und das Risiko fr\u00fcher Verheiratung.<\/p>\n<p> Von <a href=\"https:\/\/www.migazin.de\/author\/eva-krafczyk\/\" title=\"Artikel von Eva Krafczyk\" class=\"author url fn\" rel=\"author nofollow noopener\" target=\"_blank\">Eva Krafczyk<\/a> Dienstag, 31.03.2026, 16:42 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 31.03.2026, 16:42 Uhr  Lesedauer: 3 Minuten\u00a0 | \u00a0   <\/p>\n<p>Joseph Edukon blickt von seinem Schreibtisch aus stirnrunzelnd auf die Tabelle an der gegen\u00fcberliegenden Wand. Sie zeigt die aktuellen Sch\u00fclerzahlen der Kakuma Primary and Junior School in Kakuma in der Turkana-Region in Nordkenia. Zurzeit besuchen mehr als 1.100 Jungen und knapp 900 M\u00e4dchen den Unterricht. Edukon, Schulleiter der staatlichen Schule, will daf\u00fcr sorgen, dass das auch so bleibt.<\/p>\n<p>Denn in Turkana herrscht, wie in den anderen halbw\u00fcstenartigen Regionen im Norden des ostafrikanischen Landes, <a href=\"https:\/\/www.migazin.de\/2022\/10\/18\/duerre-kenia-wir-folgen-klimawandels\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">seit Monaten D\u00fcrre<\/a>. Jetzt hat es zwar zu regnen begonnen, doch ob der Niederschlag ausreicht f\u00fcr die Bauern und viehz\u00fcchtenden Nomaden, ist weiterhin offen. Zu oft versiegte der Regen in der Vergangenheit bereits nach kurzer Zeit, zu oft verdorrte das Gras. In den traditionellen Weidegebieten reicht das Futter f\u00fcr die Herden nicht mehr aus.<\/p>\n<p>Wenn die Ziegen und Schafe wegen Mangels an Futter und Wasser sterben, zerst\u00f6rt das nicht nur die Lebensgrundlage der Nomaden, sondern auch die Zukunftstr\u00e4ume der Kinder und Jugendlichen, allen voran der M\u00e4dchen. Ihr <a href=\"https:\/\/www.migazin.de\/2022\/11\/03\/studie-bildungschancen-von-millionen-von-kindern-gefaehrdet\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schulbesuch endet oft fr\u00fchzeitig<\/a>, wenn sie Wasser und Feuerholz in immer weiterer Entfernung suchen m\u00fcssen und ihre Eltern sie nicht mehr in die Schule schicken. Ein gro\u00dfes Risiko nicht nur in der Turkana-Region, sondern auch in anderen Hirtenv\u00f6lkern ist zudem, dass junge M\u00e4dchen <a href=\"https:\/\/www.migazin.de\/2021\/12\/02\/chief-silvia-kampf-maedchenheirat-beschneidung\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in eine Ehe gezwungen<\/a> werden, um ihre Familie zu entlasten.<\/p>\n<p>Schulmahlzeiten gegen Schulabbruch<\/p>\n<p>\u201eViele Eltern sind mit den Herden weit weg gezogen, um noch Weidegr\u00fcnde zu finden\u201c, sagt Edukon. Das stellt die Schule vor Herausforderungen, wenn im April die einmonatigen Ferien beginnen. Kinder, die als Internatssch\u00fcler in der Schule leben, sollen dann nicht alleine auf der Stra\u00dfe landen, vor allem, wenn sie keine sesshaften Angeh\u00f6rigen in der Stadt haben. \u201eEs ist nicht einfach, vor allem, da \u00fcberall die Gelder knapp sind\u201c, r\u00e4umt Edukon ein. \u201eAber bisher mussten wir noch kein Kind auf die Stra\u00dfe schicken.\u201c Eine Reihe von Kindern kann so auch in den Ferien in der Schule bleiben und versorgt werden.<\/p>\n<p>Kostenlose Schulmahlzeiten sind ein Argument, das viele Familien \u00fcberzeugt, ihre Kinder in schlechten Zeiten nicht aus der Schule zu nehmen \u2013 denn dadurch belastet ein Esser weniger den Familienhaushalt. Dank <a href=\"https:\/\/www.malteser-international.org\/en\/our-work\/africa\/kenya\/how-school-meals-change-lives.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Unterst\u00fctzung der Malteser<\/a> teilt die Schule t\u00e4glich 2.300 Mahlzeiten aus \u2013 nicht nur f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, sondern auch f\u00fcr mehrere Hundert Stra\u00dfenkinder, f\u00fcr die der fl\u00fcssige Haferbrei oft die einzige verl\u00e4ssliche Mahlzeit des Tages ist.<\/p>\n<p>200 Ziegen als Brautpreis f\u00fcr ein M\u00e4dchen<\/p>\n<p>In anderen F\u00e4llen stellt die Schule einen sicheren Hafen und Schutz f\u00fcr Sch\u00fclerinnen vor einer Zwangsehe dar. \u201eWenn wir Signale bekommen, entweder von den M\u00e4dchen selbst oder die Eltern das M\u00e4dchen aus der Schule nehmen wollen, versuchen wir, sie die ganze Zeit hier zu halten, auch in den Ferien\u201c, erl\u00e4utert der Schulleiter. Denn wenn die Herde aufgrund der D\u00fcrre schrumpft oder gar zu gro\u00dfen Teilen verloren ist, werden die 14- bis 16-j\u00e4hrigen T\u00f6chter oft als Ausweg aus der wirtschaftlichen Notlage gesehen: Der Brautpreis betr\u00e4gt in der Regel etwa 200 Ziegen \u2013 und die Familie spart die Ausgaben f\u00fcr das Schulgeld, denn in Kenia ist nur die achtj\u00e4hrige Grundschule kostenlos.<\/p>\n<p>\u201eFamilien, die unter extremem Druck stehen, greifen h\u00e4ufig auf Fr\u00fchverheiratung als Bew\u00e4ltigungsmechanismus zur\u00fcck, weil sie hoffen, dass die Ehe ihren T\u00f6chtern Schutz bietet oder den <a href=\"https:\/\/www.unicef.org\/kenya\/stories\/drought-and-soaring-food-prices-force-more-girls-early-marriage\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wirtschaftlichen Druck<\/a> mindert\u201c, sagt Rahinatu Adamu Hassaini, Expertin f\u00fcr Pr\u00e4vention und Bek\u00e4mpfung geschlechtsspezifischer Gewalt bei der Kinderschutzorganisation Save the Children. \u201eIn einigen Hirtengemeinschaften in Kenia beispielsweise ist die Heirat zu einer \u00dcberlebensstrategie geworden, vor allem dort, wo Klimaschocks den Viehbestand und das Einkommen vernichtet haben\u201c, best\u00e4tigt sie die Angaben des Schulleiters.<\/p>\n<p>Jedes Jahr zw\u00f6lf Millionen Fr\u00fchehen weltweit<\/p>\n<p>Mit vier von zehn Kinderehen ist Subsahara-Afrika weltweit am st\u00e4rksten betroffen. Jedes Jahr werden nach Angaben von Save the Children zw\u00f6lf <a href=\"https:\/\/www.savethechildren.org\/us\/charity-stories\/child-marriage-a-violation-of-child-rights\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Millionen M\u00e4dchen in jungen Jahren verheiratet<\/a>. \u201eDadurch entsteht ein gef\u00e4hrlicher Kreislauf\u201c, sagt Hussaini. \u201eFr\u00fchverheiratung kann zu fr\u00fcher Schwangerschaft, Gesundheitsrisiken, einer Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Gewalt und zum Verlust von Bildung f\u00fchren.\u201c (dpa\/mig)  Aktuell Ausland <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Kenia entscheidet der Regen nicht nur \u00fcber Ernten und Herden, sondern auch \u00fcber Bildung. 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