{"id":14373,"date":"2026-05-06T14:53:00","date_gmt":"2026-05-06T14:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14373\/"},"modified":"2026-05-06T14:53:00","modified_gmt":"2026-05-06T14:53:00","slug":"assad-sturz-fluchtroute-ueber-libyen-wpas-keine-abstimmung-im-bundestag-steinmeier-reist-nach-afrika-table-briefings","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14373\/","title":{"rendered":"Assad-Sturz: Fluchtroute \u00fcber Libyen + WPAs: Keine Abstimmung im Bundestag + Steinmeier reist nach Afrika \u2022 Table.Briefings"},"content":{"rendered":"<p>    Liebe Leserin, lieber Leser,<\/p>\n<p>in Syrien ist das Regime von Langzeitmachthaber Baschar al-Assad gest\u00fcrzt. W\u00e4hrend sich der Diktator nach Russland absetzte, fl\u00fcchteten Offiziere der syrischen Armee nach Libyen. Das Land ist enger Vertrauter Assads, aber auch Russlands. Unser Nordafrika-Experte Mirco Keilberth erkl\u00e4rt, welche Schl\u00fcsselrolle Libyen f\u00fcr das Assad-Regime in der Vergangenheit gespielt hat und wie es die Regimefreunde auch k\u00fcnftig unterst\u00fctzen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Zudem schauen wir auf einen Streit im Entwicklungsausschuss des Bundestags und die Gr\u00fcnde daf\u00fcr, warum die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit afrikanischen L\u00e4ndern in dieser Legislatur wohl nicht mehr verabschiedet werden d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen eine spannende Lekt\u00fcre!<\/p>\n<p>    Analyse\tAssads Sturz: Wie Regimefreunde \u00fcber Libyen nach Europa fliehen<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/imago783775007-1024x683.jpg\" alt=\"Abu Muhammad al-Dscholani, Anf\u00fchrer der HTS-Miliz.\" class=\"wp-image-2750642\"  \/>Abu Muhammad al-Dscholani, Anf\u00fchrer der HTS-Miliz.<\/p>\n<p>Die Landung der Maschine der privaten syrischen Fluggesellschaft Cham Wings am Samstagnachmittag auf dem Flughafen von Bengasi fand in Libyen nur wenig Beachtung. Dabei waren 200 Offiziere der syrischen Armee an Bord, die mit ihrer Ausreise die unblutige \u00dcbergabe der Hauptstadt an die Rebellen eingel\u00e4utet hatten. Nach Angaben von libyschen Journalisten sind sie nun auf dem Weg nach Deutschland.<\/p>\n<p>M\u00f6glich ist dies durch die enge Kooperation zwischen Khalifa Haftar, dem Milizenf\u00fchrer in Ostlibyen, Baschar al-Assad und russischen Milit\u00e4rs. Haftar hat \u2013 \u00e4hnlich wie Assad \u2013 der russischen Armee die Stationierung von Truppen erlaubt, die im Gegenzug seine Macht garantieren. Der Kreml verlegt gerade einen Gro\u00dfteil seiner in Syrien stationierten Flugzeuge, Luftabwehrsysteme und Soldaten nach Libyen.<\/p>\n<p>Migrationsroute bis nach Deutschland<\/p>\n<p>An der Seite Haftars k\u00e4mpfen schon seit Jahren syrische S\u00f6ldner, die Assad zur Unterst\u00fctzung seines Verb\u00fcndeten geschickt hatte. Diese Dreier-Allianz hat 2023, nachdem sich die syrische Opposition scheinbar geschlagen nach Idlib zur\u00fcckgezogen hatte, eine Migrationsroute von Damaskus \u00fcber Libyen bis nach Nordrhein-Westfalen eingerichtet. Mehrere hundert regimetreue K\u00e4mpfer und ihre Familien wurden seitdem \u00fcber Bengasi, Westlibyen und Sizilien nach Deutschland geschleust, berichten libysche Journalisten, die namentlich nicht genannt werden wollen. Mit dem Ende der Assad-Herrschaft k\u00f6nnte ihre Zahl dramatisch steigen, warnt der Syrien-Experten Lawand Kiki vom Syrian Reporting Center.<\/p>\n<p>Tausende T\u00e4ter werden wegen Kriegsverbrechen gesucht, die sie w\u00e4hrend des 13-j\u00e4hrigen B\u00fcrgerkriegs begangen haben. Nicht nur Menschenrechtsorganisationen, auch die staatlichen Beh\u00f6rden selber haben Folter, willk\u00fcrliche Verurteilungen und Morde in Syrien sorgf\u00e4ltig dokumentiert. \u201cTrotz der nun weiterverbreiteten Vers\u00f6hnungsrhetorik werden viele T\u00e4ter nach Deutschland kommen, um sich der Rache und Strafverfolgung in ihrer Heimat zu entziehen\u201c, so Kiki weiter.<\/p>\n<p>Details zur Schmuggelroute bleiben im Dunkeln<\/p>\n<p>\u00dcber die Schmuggelroute entlang der \u00fcber 2.000 Kilometer langen K\u00fcste ist auch in Libyen wenig bekannt. Ein Gesch\u00e4ftsmann aus Bengasi berichtet Table.Briefings allerdings, wie Offiziere der Tareq bin Ziad-Brigade, einer Sondereinheit der Libyscher National-Armee (LNA) Haftars, Zeugen der regelm\u00e4\u00dfig anreisenden Reisegruppen zum Schweigen verdammen: \u201cIch hatte im Sommer ein Hotel in Bengasi bezogen und wollte mich des Nachts \u00fcber den ungeheuren L\u00e4rm beschweren, den eine angekommene Gruppe machte.\u201d Der Rezeptionist sagte ihm, es seien Syrer auf der Weiterreise nach Westlibyen. \u201cAber die in der Lobby sitzenden Offiziere im Hintergrund warnten uns eindringlich, \u00fcber die G\u00e4ste aus Syrien mit niemandem zu sprechen\u201c, so der Gesch\u00e4ftsmann.<\/p>\n<p>Zweimal die Woche landen seit dem letzten Sommer jeweils bis zu 200 Passagiere aus Damaskus an Bord von Chams-Wings-Maschinen in Bengasi, berichten Gespr\u00e4chspartner Table.Briefings in Libyen. Auf Facebookseiten einiger Reisenden taucht eine alternative Route \u00fcber den von der Hisbollah kontrollierten libanesischen Grenzort Tfail auf. Nach dem heimlichen Grenz\u00fcbertritt werden die syrischen Regimeanh\u00e4nger in Bussen zum Flughafen von Beirut transportiert und fliegen von dort nach Bengasi. Nach der Landung sorgen Angeh\u00f6rige der Tareq bin Ziad Brigade f\u00fcr den Weitertransport ins Stadtzentrum und setzen die Syrer in Busse in Richtung der westlibyschen Hafenstadt Sabratha.<\/p>\n<p>Gefahr radikaler Regimeanh\u00e4nger<\/p>\n<p>Schon am Folgetag legen die Boote mit den aus Deraa oder Damaskus stammenden Regimeanh\u00e4ngern ab. Die libyschen Schmuggler bieten ihnen schnelle Holzboote und nicht die seeunt\u00fcchtigen K\u00e4hne, in die sie Migranten aus West- oder Zentralafrika zwingen. Daher wird die syrische Migrationsroute von Hilfsorganisationen oder italienischen K\u00fcstenwache oft nicht erfasst. \u201cBeunruhigend ist aber auch nicht die Zahl der Regimeanh\u00e4nger, sondern wer kommt. Es wurden in diesen Einheiten auch Radikale angeheuert\u201c, sagt Syrien-Experte Lawand Kiki.<\/p>\n<p>Vor den am letzten Wochenende ankommenden Offiziellen des Assad-Regimes waren es vor allem Kommandeure von Stadtteilmilizen, die in den letzten Monaten demobilisiert worden waren. Seit den letzten Jahren standen sie dem vom Regime gew\u00fcnschten Vers\u00f6hnungsprozess mit der Bev\u00f6lkerung im Weg.<\/p>\n<p>S\u00f6ldner auf russischen Lohnlisten<\/p>\n<p>\u201cDiese Gruppen haben in Deraa und anderen Orten rund um Damaskus mit willk\u00fcrlicher Brutalit\u00e4t geherrscht\u201d, berichtet ein nach Deutschland geflohener syrischer Menschenrechtsaktivist. \u201cIn den letzten Jahren standen die S\u00f6ldner auf den Lohnlisten der russischen Truppen. Doch wegen der vielen Morde st\u00f6rten sie und wurden nach Deutschland geschickt, um die syrische Opposition unter Druck zu setzen.\u201d<\/p>\n<p>Wie viele Regimeanh\u00e4nger nun nach dem Sturz des Regimes tats\u00e4chlich kommen, wird vom Kurs der Rebellen abh\u00e4ngen. Abu Mohamed al-Dscholani, der Anf\u00fchrer der HTS-Allianz, wirbt f\u00fcr Vers\u00f6hnung der politischen Gegner. Doch die Szenen vor dem Saidnaya-Gef\u00e4ngnis vom Sonntag zeigt, wie blutig die Rache an den Regimeanh\u00e4ngern die n\u00e4chsten Monate werden k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Syrer im ganzen Land sind auf der Suche nach vermissten Angeh\u00f6rigen, die von Sicherheitskr\u00e4ften verschleppt worden waren. Wer als Gegner des Regimes in die F\u00e4nge des Moukhabarat, des staatlichen Sicherheitsdienstes geriet, verschwand oft \u00fcber Jahre in Saidnaya, ohne dass Angeh\u00f6rige davon erfuhren. \u201cEs gibt tausende Familien, die bald fordern werden, dass die T\u00e4ter vor einem Gericht landen\u201c, sagt Lawand Kiki. Der Syrer begr\u00fc\u00dft, wie viele seiner Landsleute, den Sturz des Regimes, aber warnt: \u201cWenn der nun neu entstehende Staat sich nicht schnell um die Aufarbeitung der Vergangenheit k\u00fcmmert, wird es zu einem neuen Kreislauf der Gewalt kommen.\u201d<\/p>\n<p>                            B\u00fcrgerkriegLibyenMigrationS\u00f6ldnerSyrien            Translation missing.\tWirtschaftsabkommen mit Afrika: Wohl keine Abstimmung in dieser Legislatur<\/p>\n<p>Die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit afrikanischen L\u00e4ndern werden in dieser Legislatur aller Voraussicht nach nicht vom Bundestag verabschiedet. Die Gr\u00fcnen-Fraktion sieht grundlegenden Reformbedarf bei den Abkommen, die bereits von 20 Jahren ausgehandelt wurden. \u201cIm Zentrum unserer Wirtschaftsbeziehungen mit den Partnerl\u00e4ndern muss die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung aller Beteiligten stehen.\u201d Deshalb brauche es mehr als jahrzehntealte Abkommen. \u201cEs braucht das klare Bekenntnis zu Umwelt- und Arbeitsstandards und Ma\u00dfnahmen, die langfristige Wertsch\u00f6pfung in den Partnerl\u00e4ndern st\u00e4rken\u201d, sagte Karo Otte, Entwicklungspolitikerin der Gr\u00fcnen im Bundestag, Table.Briefings.<\/p>\n<p>Dazu w\u00fcrden unter anderem Spielr\u00e4ume f\u00fcr industrielle Entwicklung, Vernetzung von Unternehmen und Unterst\u00fctzung bei Investitionen in die Infrastruktur geh\u00f6ren. \u201cSchl\u00fcssel hierf\u00fcr sind auch die nachhaltige Ausrichtung und die St\u00e4rkung von Investitionsprogrammen wie Global Gateway und der F\u00f6rderungen des Bundesministeriums f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Dies sind notwendige Zeichen des Engagements gegen\u00fcber unseren Partnerl\u00e4ndern, die es \u00fcber die blo\u00dfe Ratifizierung der EPAs hinaus braucht\u201d, so Otte weiter. Die Gr\u00fcnen beziehen sich dabei auf <a href=\"https:\/\/www.lobbyregister.bundestag.de\/media\/03\/b2\/317649\/Stellungnahme-Gutachten-SG2406250086.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zweifel und Kritik<\/a> aus der afrikanischen Zivilgesellschaft, die ebenfalls eine \u00dcberarbeitung der Abkommen fordert.<\/p>\n<p>WPAs bereits im Mai im Kabinett<\/p>\n<p>Bereits im Mai hatte Entwicklungsministerin Svenja Schulze die Abkommen dem Bundeskabinett vorgelegt. Das Kabinett hatte diesen zugestimmt und zur Beratung im Bundestag gegeben. \u201cWir wollen unsere Handels- und Investitionsbeziehungen vertiefen und diversifizieren, damit Deutschland weniger abh\u00e4ngig von einzelnen Wirtschaftsm\u00e4chten ist. Dazu geh\u00f6rt auch, dass mehr Wertsch\u00f6pfung in unseren Partnerl\u00e4ndern stattfindet\u201d, hatte Schulze damals die Abkommen kommentiert.<\/p>\n<p>Die Verhandlungen zu den Abkommen wurden bereits vor \u00fcber 20 Jahren zwischen der EU und den entsprechenden afrikanischen Abkommenspartnern abgeschlossen. Seit mehreren Jahren sind die Vertr\u00e4ge bereits in vorl\u00e4ufiger Anwendung. Konkret handelt es sich um folgende Abkommen:<\/p>\n<p>Interim-WPAs mit C\u00f4te d\u2019Ivoire,Interim-WPA mit Ghana,EPA mit der Region Zentralafrika mit Kamerun als bisher einzigem Mitgliedstaat undregionales WPA mit der Entwicklungsgemeinschaft des s\u00fcdlichen Afrikas (SADC).Abkommen regeln Zollbestimmungen<\/p>\n<p>Hintergrund der Abkommen war die rechtliche Regelung des Handels zwischen der EU und den afrikanischen Partnerl\u00e4ndern. Angesichts der positiven wirtschaftlichen Entwicklung waren L\u00e4nder wie S\u00fcdafrika, Kamerun, Ghana, aber auch die C\u00f4te d\u2019Ivoire\u00a0nicht mehr unter die Kategorie der Least Developed Countries gefallen. Damit w\u00e4re die von der Welthandelsorganisation festgelegte vollst\u00e4ndige Zollbefreiung f\u00fcr Waren aus diesen L\u00e4ndern ausgelaufen. Die Abkommen gew\u00e4hrleisten nun also \u2013 vorl\u00e4ufig \u2013 weiterhin uneingeschr\u00e4nkten Zugang f\u00fcr Waren aus den Partnerl\u00e4ndern zum EU-Markt. Gleichzeitig senken die afrikanischen L\u00e4nder ihrerseits Z\u00f6lle auf Produkte aus der EU ab.<\/p>\n<p>Ein Sprecher des BMZ best\u00e4tigte auf Table.Briefings-Anfrage, dass die Abkommen tats\u00e4chlich nicht alle aktuellen Standards im Bereich Handel und Nachhaltigkeit \u2013 inklusive Arbeitsschutz \u2013 abdecken. Dennoch k\u00f6nnten die Abkommen bei entsprechenden Verst\u00f6\u00dfen ganz oder teilweise ausgesetzt werden. \u201cIm Rahmen des deutschen Ratifizierungsprozesses k\u00f6nnen keine \u00c4nderungen an den Abkommenstexten selbst mehr vorgenommen werden\u201d, teilte der Sprecher zudem mit. Die Bundesregierung wolle sich jedoch in den Erweiterungsverhandlungen f\u00fcr die St\u00e4rkung der Nachhaltigkeitsbestimmungen einsetzen.<\/p>\n<p>Dass die Gr\u00fcnen nun noch einmal eine \u00dcberarbeitung der Abkommen fordern, sorgt insbesondere bei der FDP f\u00fcr Kritik. \u201cDie Gr\u00fcnen haben durch ihre Blockadehaltung im Ausschuss daf\u00fcr gesorgt, dass die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit den afrikanischen Staaten in dieser Legislaturperiode gegen den Willen der Bundesregierung nicht ratifiziert werden\u201d, sagte FDP-Entwicklungspolitiker Christoph Hoffmann. Er ist \u00fcberzeugt, dass die EPAs die Wirtschaftsentwicklung in den afrikanischen Staaten f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Signalwirkung f\u00fcr afrikanische L\u00e4nder<\/p>\n<p>Dass Deutschland die Abkommen jetzt auf absehbare Zeit wohl nicht ratifizieren wird, hat daher vor allem Signalwirkung. \u201cDeutschlands Reputation in Afrika hat durch das Verhalten der Gr\u00fcnen immensen Schaden genommen. In Zeiten, in denen Russland und China aggressiv auf den afrikanischen Markt dr\u00e4ngen, k\u00f6nnen wir uns unverl\u00e4ssliches Handeln wie in diesem Fall schlicht nicht leisten\u201d, sagte Hoffmann.<\/p>\n<p>Auch die Union zeigte sich irritiert. \u201cSeit Monaten steht das Thema immer wieder auf der Tagesordnung, wird jedoch jedes Mal von den Ampelparteien kurz vor der Ausschussberatung abgesetzt. Dabei sind die Abkommen l\u00e4ngst fertig und sollten sofort ratifiziert werden\u201c, sagte CSU-Entwicklungspolitiker Wolfgang Stefinger.<\/p>\n<p>                            AfrikaBMZEuropaFDPGlobal GatewayGr\u00fcneNachhaltige WirtschaftSADCSPDSvenja SchulzeWirtschaftspolitikWPAWTOZ\u00f6lle            Translation missing.\tZahlungssysteme: In Afrika dominiert noch das Bargeld<\/p>\n<p>Laut einer Studie der Industrievereinigung <a href=\"https:\/\/www.gsma.com\/solutions-and-impact\/connectivity-for-good\/mobile-for-development\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/SOTIR-2024-regional-cuts.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">GSM Association (GSMA)<\/a> entfielen 2024 weltweit 48 Prozent aller mobilen Geldkonten, insgesamt 835 Millionen, auf Subsahara-Afrika. Die Region gilt damit als Vorreiter f\u00fcr digitale Zahlungsmethoden. Regional verteilen sich die mobilen Konten auf 50 Millionen in Ostafrika, 66 Millionen in Westafrika, vierzehn Millionen in Zentralafrika und vier Millionen im s\u00fcdlichen Afrika. Doch es ist noch ein weiter Weg, bis der Zahlungsverkehr vollends digitalisiert ist. Zun\u00e4chst bleibt Bargeld die bevorzugte Zahlungsmethode.<\/p>\n<p>Denn trotz der Fortschritte werden in Afrika immer noch 90 Prozent aller Transaktionen im Einzelhandel in bar abgewickelt. Nur 34 Prozent der Erwachsenen verf\u00fcgen \u00fcber ein traditionelles Bankkonto. Auch in der informellen Wirtschaft ist Bargeld das Finanzmittel der Wahl. Dennoch bringt das digitale Banking wichtige Vorteile, die auch f\u00fcr das Wirtschaftswachstum des Kontinents nicht unerheblich sind. Mit dem Vorsto\u00df zur digitalen finanziellen Inklusion sollen unter anderem Transaktionskosten reduziert werden, um das Wachstum anzukurbeln, hei\u00dft es in einem <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/topic\/financialinclusion\/publication\/digital-financial-inclusion\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bericht der Weltbank<\/a>.<\/p>\n<p>Afrika als Vorreiter innovativer Zahlungstechnologien<\/p>\n<p>Schon h\u00e4ufig war Afrika Vorreiter bei innovativen Zahlungstechnologien, wie etwa Mpesa, welches 2007 von den Mobilfunkbetreibern Vodafone und Safaricom in Kenia eingef\u00fchrt wurde. Nutzern wurde damit das Senden und Empfangen von Geld erm\u00f6glicht. Heute hat Mpesa mehr als 60 Millionen Nutzer und wickelt t\u00e4glich Transaktionen im Wert von \u00fcber einer Milliarde US-Dollar ab. Andere \u00e4hnliche elektronische und sofortige Zahlungssysteme definieren allt\u00e4gliche Transaktionen auf einem Kontinent neu.<\/p>\n<p>Rufaida Hamilton, Leiterin des Zahlungsverkehrs bei der s\u00fcdafrikanischen Standard Bank, sagt, der gr\u00f6\u00dfte Wendepunkt f\u00fcr Afrika sei gewesen, \u201cals man erkannte, dass die blo\u00dfe Bereitstellung eines Bankkontos nicht ausreicht, um die Ziele der finanziellen Inklusion zu erreichen\u201d. Die M\u00f6glichkeit, Geld einfach und sofort zu \u00fcberweisen, wurde mit traditionellen Bankkonten nicht erf\u00fcllt. Mit allgegenw\u00e4rtigen Zahlungssystemen wird zuk\u00fcnftig die Abh\u00e4ngigkeit von Bargeld reduziert. Es geht um eine Zukunft mit einem \u201cNebeneinander einer Vielzahl von Zahlungsoptionen, die miteinander konkurrieren und interagieren\u201d, so Hamilton. Digitale Zahlungssysteme umfassen Produkte von Banken, Fintechs, Einzelh\u00e4ndlern und Mobilfunkbetreibern. 28 Sofortzahldienste gibt es derzeit in Afrika, wobei einige L\u00e4nder mehr als ein System benutzen.\u00a0<\/p>\n<p>Kenia tendiert zu traditionellen Bankdienstleistungen<\/p>\n<p>Der Gesamttransaktionswert auf dem Markt f\u00fcr digitale Zahlungen in Afrika wird bis Ende dieses Jahres voraussichtlich 191 Milliarden US-Dollar erreichen, <a href=\"https:\/\/www.statista.com\/outlook\/fmo\/digital-payments\/africa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">hat die deutsche Online-Plattform Statista ausgerechnet<\/a>. Ein Gro\u00dfteil davon, insgesamt 117 Milliarden US-Dollar, entf\u00e4llt auf Mobile POS-Zahlungen (Mobile point-of-sale), also Zahlungen via Smartphone, Tablet oder \u00e4hnlichen drahtlosen Ger\u00e4ten, die die Funktion einer Registrierkasse oder eines elektronischen POS-Terminals aus\u00fcben k\u00f6nnen. Erwartet wird eine j\u00e4hrliche Zuwachsrate von rund 26 Prozent bis Ende des Jahrzehnts, was zu einem prognostizierten Gesamtbetrag von 611,2 Milliarden US-Dollar allein auf dem afrikanischen Kontinent f\u00fchrt. \u00a0<\/p>\n<p>In Kenia\u00a0allerdings stockt der Digitalisierungstrend. Die Bev\u00f6lkerung fragt wieder vermehrt traditionelle Bankdienstleistungen nach. In den vergangenen drei Jahren ging die Nutzung des mobilen Bankings von 34,4 Prozent 2021 auf 31,2 Prozent im Jahr 2024 zur\u00fcck. Laut der <a href=\"https:\/\/www.sasra.go.ke\/download\/2024-finaccess-household-survey\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">FinAccess-Haushaltsumfrage<\/a> 2024, die von der Zentralbank, dem statistischen Amt und dem Financial Sector Deepening Trust Kenya zusammengestellt wurde, benutzt knapp die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung in den st\u00e4dtischen Regionen mobiles Banking. In den l\u00e4ndlichen Regionen liegt der Anteil lediglich unter einem Viertel. Vor allem \u00e4ltere Menschen (55 Jahre oder \u00e4lter), besonders in den l\u00e4ndlichen Regionen, bevorzugen traditionelles Banking. J\u00fcngere st\u00e4dtische Bewohner hingegen bevorzugen die Nutzung mobiler Banken, so der Bericht.<\/p>\n<p>S\u00fcdafrika will grenz\u00fcberschreitende Zahlungen vereinfachen<\/p>\n<p>Als Gr\u00fcnde f\u00fcr den Trend in Kenia verweist der Bericht unter anderem auf das Bargeldtransferprogramm der kenianischen Regierung, mit dem Bargeldzahlungen an \u00e4rmere B\u00fcrger get\u00e4tigt werden. Au\u00dferdem weisen die Autoren auf die Vorliebe von mehr als der H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr direkte Interaktionen in Bankfilialen, wo man auch nicht von stabilen Internetverbindungen abh\u00e4ngig ist.<\/p>\n<p>Ungeachtet dessen soll der digitale Zahlungsverkehr weiter vereinfacht werden \u2013 auch international. S\u00fcdafrika wird 2025 den Vorsitz der G20-Arbeitsgruppe f\u00fcr zug\u00e4ngliche sofortige grenz\u00fcberschreitende Zahlungen \u00fcbernehmen. Wichtig ist hier die Geschwindigkeit grenz\u00fcberschreitender Zahlungen und die Reduzierung von Transaktionskosten. Zus\u00e4tzlich m\u00fcssen die Standards der Zahlensysteme harmonisiert werden.<\/p>\n<p>                            AfrikaFinanzenGeldpolitikKonsum            News\tSteinmeier bricht zu Reise nach Afrika auf<\/p>\n<p>Am Dienstag beginnt Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier seine sechst\u00e4gige Reise nach Nigeria, S\u00fcdafrika und Lesotho. Am Mittwoch sind in Nigerias Hauptstadt Abuja Gespr\u00e4che mit dem Pr\u00e4sidenten der Ecowas-Kommission Omar Touray sowie mit dem nigerianischen Pr\u00e4sidenten Bola Tinubu geplant. Anschlie\u00dfend wird der Bundespr\u00e4sident in die Wirtschaftsmetropole Lagos fliegen und sich mit Vertretern nigerianischer Unternehmen und Start-ups austauschen. Der Bundespr\u00e4sident wird seinerseits von einer deutschen Wirtschaftsdelegation begleitet. Folgende Unternehmen sind mit dem Bundespr\u00e4sidenten auf seiner Reise nach Afrika dabei:<\/p>\n<p>ICUnet.AG (Personaldienstleister)Enertrag SE (Energiel\u00f6sungen)Siemens AG Subsahara-AfrikaOff-Grid Europe GmbH (dezentrale Energienetze)Dermalog Identification Systems GmbH (Biometrie)Exficon GmbH (Finanzberatung)LiveEO GmbH (Softwareunternehmen)C. Woermann GmbH &amp; Co. KG (Maschinen und Logistik)Neuman &amp; Esser Deutschland GmbH &amp; Co. KG (Kompressoren, u.\u00a0a. Elektrolyseure)<\/p>\n<p>Zudem sind Katja Keul aus dem Ausw\u00e4rtigen Amt sowie Michael Kellner, parlamentarischer Staatssekret\u00e4r im Wirtschaftsministerium, Teil der Delegation des Bundespr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Weitere Stationen in S\u00fcdafrika und Lesotho<\/p>\n<p>In S\u00fcdafrika stehen Gespr\u00e4che mit dem s\u00fcdafrikanischen Pr\u00e4sidenten Cyril Ramaphosa sowie dem Parteivorsitzenden der Democratic Alliance (DA), John Steenhuisen, auf dem Programm. Die DA ist seit Anfang Juli Teil der Koalitionsregierung in S\u00fcdafrika, Steenhuisen ist Landwirtschaftsminister. In Lesotho trifft sich Steinmeier mit dem K\u00f6nig von Lesotho, Letsie III., sowie dem Premierminister Samuel Matekane. Es ist der erste Besuch eines deutschen Bundespr\u00e4sidenten in Lesotho.<\/p>\n<p>Es ist bereits die dritte Reise des Bundespr\u00e4sidenten nach Afrika in diesem Jahr. W\u00e4hrend seiner Reise nach \u00c4gypten im September standen einerseits die Wirtschaftsbeziehungen zu dem nordafrikanischen Land im Fokus, gleichzeitig ging es auch um \u00c4gyptens Rolle als Vermittler im Gaza-Konflikt. Im Februar war der Bundespr\u00e4sident zur Trauerfeier f\u00fcr den verstorbenen namibischen Pr\u00e4sidenten Hage Geingob nach Windhuk gereist. Dabei hatte Steinmeier eine Entschuldigung f\u00fcr die Gewalttaten w\u00e4hrend der deutschen Kolonialzeit in Aussicht gestellt, sobald das Vers\u00f6hnungsabkommen mit Namibia abgeschlossen ist. Daf\u00fcr bekam der Bundespr\u00e4sident Kritik aus Namibia, da die Aussage suggerierte, die Bundesregierung mache eine Entschuldigung von der Unterzeichnung des Abkommens abh\u00e4ngig. dre<\/p>\n<p>                            Bundespr\u00e4sidentDeutsche WirtschaftDiplomatieNigeriaS\u00fcdafrika            \tEU-Kommission: Neuer Afrika-Berater f\u00fcr Kaja Kallas<\/p>\n<p>Salvador Pinto da Fran\u00e7a\u00a0ist neuer Afrika-Berater der EU-Au\u00dfenbeauftragten Kaja Kallas. Der Diplomat hat langj\u00e4hrige Afrika-Erfahrung vorzuweisen. Schlagzeilen machte Da Fran\u00e7a allerdings k\u00fcrzlich, weil er Niger verlassen musste. Dort war er zuletzt als EU-Botschafter t\u00e4tig. Die Milit\u00e4rregierung in Niamey hatte ihm vorgeworfen, EU-Hilfen f\u00fcr Flutopfer ohne Absprachen verteilt zu haben. Br\u00fcssel dementierte dies und teilte mit, die EU habe ihren Botschafter aus Niger zur\u00fcckgerufen.<\/p>\n<p>Da Fran\u00e7a war bereits in einigen afrikanischen L\u00e4ndern t\u00e4tig: Vor Niger arbeitete er von 2018 bis 2022 als stellvertretender Delegationsleiter und Leiter der politischen Abteilung f\u00fcr die EU-Delegation in Mali. Zu Karrierebeginn war Da Fran\u00e7a f\u00fcr die portugiesischen Botschaften in \u00c4gypten und Guinea-Bissau stationiert.<\/p>\n<p>Er besitzt neben der portugiesischen auch die franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrgerschaft und spricht nach eigenen Angaben auch flie\u00dfend Arabisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch. Der neue Sonderbeauftragte der EU f\u00fcr den Sahel, Jo\u00e3o Cravinho, ist ebenfalls Portugiese und ehemaliger Au\u00dfenminister seines Landes. lcw<\/p>\n<p>                            DiplomatieEurop\u00e4ische KommissionEuropapolitikSahel            \tWeltbank: Schuldenumwandlung f\u00fcr C\u00f4te d\u2019Ivoire<\/p>\n<p>C\u00f4te d\u2019Ivoire macht von einem neuen Finanzierungsinstrument der Weltbank zur <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/news\/press-release\/2024\/12\/05\/c-te-d-ivoire-s-debt-for-development-swap-enabled-by-the-world-bank-group-will-free-up-funds-for-education\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schuldenumwandlung <\/a>Gebrauch. Im Rahmen des Programms \u201cDebt for Development\u201d tauscht die C\u00f4te d\u2019Ivoire alte, teure Anleihen ein und bekommt daf\u00fcr von der Weltbank g\u00fcnstigere Kredite. In dem Prozess soll die Bonit\u00e4t von Krediten in H\u00f6he von insgesamt fast 400 Millionen Euro verbessert werden. Diese w\u00e4ren in den kommenden f\u00fcnf Jahren f\u00e4llig geworden. Zu den g\u00fcnstigeren Zinsen gew\u00e4hrt die Weltbank zudem auch l\u00e4ngere Laufzeiten. \u201cDurch diese Ma\u00dfnahme spart C\u00f4te d\u2019Ivoire 60 Millionen Euro ein, die wir f\u00fcr den Bau von Schulen f\u00fcr 30.000 Sch\u00fcler verwenden werden\u201d, erkl\u00e4rte Adama Coulibaly, der ivorische Minister f\u00fcr Finanzen und Haushalt.<\/p>\n<p>Nach Angaben der Weltbank haben lediglich eins von zehn Kindern in C\u00f4te d\u2019Ivoire Zugang zu vorschulischer Bildung. Damit liegt das Land deutlich unter dem Durchschnitt von 28 Prozent in Subsahara-Afrika. Vor allem im l\u00e4ndlichen Raum ist der Zugang zu Bildung erschwert. Dabei gilt seit 2015 in C\u00f4te d\u2019Ivoire eine Schulpflicht f\u00fcr Kinder zwischen sechs und 16 Jahren.<\/p>\n<p>Mit der Umschuldung will die Weltbank die positive Entwicklung in dem westafrikanischen Land weiterhin sicherstellen. Vor der Corona-Pandemie konnte C\u00f4te d\u2019Ivoire ein Wirtschaftswachstum von rund acht Prozent vorweisen. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Human-Capital-Index von 0.30 auf 0.38 Punkte. Nach <a href=\"https:\/\/www.afdb.org\/en\/countries\/west-africa\/cote-d%E2%80%99ivoire\/cote-divoire-economic-outlook\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Angaben<\/a> der afrikanischen Entwicklungsbank lag das Wirtschaftswachstum 2023 immerhin wieder bei 6,5 Prozent \u2013 0,3 Prozent mehr als 2022. dre<\/p>\n<p>                            BildungElfenbeink\u00fcsteSchuldenWeltbankZinsen            Standpunkt\tDie Schuldenkrise als Destabilisator: Ein Weckruf f\u00fcr wirksame L\u00f6sungen<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"598\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Duering-Deborah-4-1024x598.jpg\" alt=\"Deborah D\u00fcring, au\u00dfenpolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen-Fraktion im Bundestag.\" class=\"wp-image-2749437\"  \/>Deborah D\u00fcring, au\u00dfenpolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen-Fraktion im Bundestag.<\/p>\n<p>Die Welt ist mit einer historischen Schuldenkrise konfrontiert. Aktuell sind zw\u00f6lf der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt zahlungsunf\u00e4hig oder stehen kurz davor. Staaten nutzen Schulden, um in Infrastruktur, Wirtschaft und soziale F\u00fcrsorge zu investieren. Problematisch wird es allerdings, wenn die Auslandsverschuldung zu hoch wird. Die Ursachen f\u00fcr die aktuelle Schuldenkrise sind vielf\u00e4ltig: h\u00f6here Kosten f\u00fcr Energie- und Lebensmittelimporte, schwankende Rohstoffpreise, hohe Staatsausgaben durch Naturkatastrophen infolge der Klimakrise und teilweise schlechte Regierungsf\u00fchrung. Zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft wurde diese Krise in den letzten Jahren durch die Erh\u00f6hung der europ\u00e4ischen und US-amerikanischen Leitzinsen. Dadurch stiegen die Zinsen weltweit.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr zahlten die L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens insgesamt 847 Milliarden US-Dollar Zinsen \u2013 ein Anstieg von 26 Prozent in zwei Jahren. Mit gro\u00dfen Folgen f\u00fcr die Staatshaushalte der betreffenden L\u00e4nder. So wendeten 45 L\u00e4nder 15\u202fProzent oder mehr ihrer Staatseinnahmen auf, um Schulden und die damit verbundenen Zinsen zu begleichen. In Sambia waren es sogar 40 Prozent, in Laos und Angola \u00fcber 60 Prozent. F\u00fcr Investitionen und soziale Ausgaben blieb ihnen nur noch wenig Geld. Besonders besorgniserregend ist die hohe Schuldenlast vieler L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens angesichts der menschengemachten Klimakatastrophe, die sie besonders stark trifft. Die \u00fcberschuldeten Staaten k\u00f6nnen dringend notwendige Investitionen in Klimaanpassung und -resilienz nicht t\u00e4tigen, was auf lange Sicht noch teurer wird.<\/p>\n<p>Schuldenkrise als Katalysator f\u00fcr Instabilit\u00e4t<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr den Kampf gegen Armut stellt \u00dcberschuldung ein gro\u00dfes Hemmnis dar: In vielen L\u00e4ndern f\u00fchrt dies n\u00e4mlich zu K\u00fcrzungen bei sozialen Leistungen, der Gesundheitsversorgung und den Bildungsausgaben. Gleichzeitig werden die Steuern f\u00fcr die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung erh\u00f6ht. Statt Armut zu verringern, verschlechtert sich so die Situation vor allem f\u00fcr ohnehin vulnerable Gruppen. Die Auswirkungen der Schuldenkrise werden so zu einem Katalysator f\u00fcr soziale und politische Instabilit\u00e4t, wie beispielsweise die heftigen Proteste der letzten Monate in Kenia zeigen. Dort protestierten Millionen gegen Steuererh\u00f6hungen und staatliche Sparpl\u00e4ne, die vom Internationalen W\u00e4hrungsfonds unterst\u00fctzt wurden. In gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Polizei kamen mindestens 65 Menschen ums Leben. Die Ereignisse in Kenia sollten uns als Weckruf dienen. \u00dcberschuldung f\u00fchrt nicht nur zu wirtschaftlicher, sondern auch zu sozialer und politischer Instabilit\u00e4t, die sich \u00fcber nationale Grenzen hinaus ausbreiten kann.\u00a0<\/p>\n<p>Solange es kein geordnetes Verfahren f\u00fcr die Entschuldung von Staaten gibt, geraten die \u00fcberschuldeten Staaten zunehmend in Abh\u00e4ngigkeit von China. China, das der gr\u00f6\u00dfte einzelstaatliche Kreditgeber f\u00fcr L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens ist, nutzt die Vergabe von Krediten als ein Instrument, um seine geostrategischen Ziele zu erreichen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Wir brauchen ein internationales Staateninsolvenzverfahren\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Um die Schuldenfalle zu durchbrechen, sind Schuldenerlasse unumg\u00e4nglich. Derzeit gibt es aber keinen rechtlichen Rahmen f\u00fcr den Fall, dass ein Staat zahlungsunf\u00e4hig wird. Es kommt also auf den guten Willen der Gl\u00e4ubiger an, ob es einen Schuldenerlass gibt. Die Verhandlungen sind au\u00dferdem komplex und langwierig, weil es kein existierendes Verfahren daf\u00fcr gibt. Das ist ung\u00fcnstig f\u00fcr die Gl\u00e4ubiger \u2013 vor allem aber schmerzlich f\u00fcr den Schuldnerstaat, der w\u00e4hrenddessen finanziell gel\u00e4hmt ist. W\u00e4hrend staatliche Gl\u00e4ubiger eher bereit sind, Schulden zu erlassen, weigern sich gewinnorientierte private Gl\u00e4ubiger oft, ihren Teil beizutragen. <\/p>\n<p>Das Fehlen eines rechtlichen Rahmens f\u00fchrt so zu Blockaden oder unzureichenden Schuldenerlassen, bei denen private Gl\u00e4ubiger weniger beitragen. Nicht selten m\u00fcssen Schuldnerstaaten so das durch staatliche Erlasse freigewordene Geld verwenden, um Schulden mit privaten Gl\u00e4ubigern zu begleichen, anstatt notwendige Investitionen zu t\u00e4tigen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist Sri Lanka, das 2022 zahlungsunf\u00e4hig wurde. W\u00e4hrend andere Gl\u00e4ubiger \u00fcber einen Schuldenerlass verhandelten, versuchte die Hamilton Reserve Bank, die volle R\u00fcckzahlung ihrer Forderungen \u2013 inklusive Strafzinsen \u2013 einzuklagen.<\/p>\n<p>Langfristig braucht es daher ein internationales Staateninsolvenzverfahren, das die Einigung zwischen Schuldnerstaat und den vielen Gl\u00e4ubigern \u2013 darunter staatliche Akteure, private Investoren und multilaterale Institutionen wie die Weltbank \u2013 \u00fcber den erforderlichen Schuldenerlass gerecht und wirksam regelt.<\/p>\n<p>Deutschland kann einen positiven Beitrag leisten<\/p>\n<p>Einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem Staateninsolvenzverfahren k\u00f6nnte Deutschland mit einem sogenannten \u201cSafe-Harbour-Gesetz\u201d machen. Dieses w\u00fcrde es unkooperativen Gl\u00e4ubigern erschweren, Forderungen per Klage durchzusetzen, und w\u00fcrde das Auslandsverm\u00f6gen der Schuldnerstaaten in Deutschland sch\u00fctzen. Vor allem aber h\u00e4tte es eine starke internationale Signalwirkung: Deutschland w\u00fcrde als stabiler und fairer Partner in internationalen Finanzfragen auftreten. Belgien, das Vereinigte K\u00f6nigreich und der US-Bundesstaat New York planen beispielsweise \u00e4hnliche Regeln und k\u00f6nnten von einem Vorsto\u00df Deutschlands ermutigt werden, diese tats\u00e4chlich zu verabschieden.\u00a0<\/p>\n<p>Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir intensiv an der Entwicklung eines Safe-Harbour-Gesetzes gearbeitet. Wir haben dem Finanzministerium Vorschl\u00e4ge unterbreitet, wie Deutschland einen positiven Beitrag leisten k\u00f6nnte, und auf die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfs gedrungen. Aber wie in vielen anderen Politikbereichen auch, hat das damals von der FDP gef\u00fchrte Haus keine konstruktive Rolle eingenommen, sondern unsere und weitere Vorschl\u00e4ge aus der Zivilgesellschaft abgeblockt.<\/p>\n<p>Aber um Armut zu bek\u00e4mpfen, die Klimakatastrophe zu bew\u00e4ltigen und globale Stabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten, m\u00fcssen wir dringend einen Ausweg aus der Schuldenfalle finden. Langfristig ist das nur mit einem internationalen Staateninsolvenzverfahren m\u00f6glich. Als Zwischenschritt muss Deutschland dringend ein Safe-Harbour-Gesetz verabschieden. Denn es ist politisch v\u00f6llig unverantwortlich, Ma\u00dfnahmen zur L\u00f6sung der internationalen Schuldenkrise weiter aufzuschieben.<\/p>\n<p>Deborah D\u00fcring ist seit 2021 Mitglied des Bundestags f\u00fcr die Partei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen. Sie ist die au\u00dfenpolitische Sprecherin ihrer Partei. Zudem ist sie Mitglied des Finanzausschusses.<\/p>\n<p>                            AfrikaGlobaler S\u00fcdenGr\u00fcneIWFKlimaanpassungSchuldenZinsen            Presseschau\t<\/p>\n<p>Tagesspiegel: Mysteri\u00f6se Krankheit. Im Kongo breitet sich eine mysteri\u00f6se Krankheit aus. Laut den Gesundheitsbeh\u00f6rden in der betroffenen Region Panzi in der Provinz Kwango sind bereits \u00fcber 140 Menschen, haupts\u00e4chlich Kinder, gestorben. Die Erreger und \u00dcbertragungswege sind noch unbekannt. (<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/zahl-der-erkrankungen-steigt-weiter-mysteriose-krankheit-x-im-kongo-noch-nicht-identifiziert-12839450.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cZahl der Erkrankungen steigt weiter: Mysteri\u00f6se \u2018Krankheit X\u2019 im Kongo noch nicht identifiziert\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>Jeune Afrique: Journalist wird Premierminister in Burkina Faso. Ibrahim Traor\u00e9, der Anf\u00fchrer der regierenden Junta in Burkina Faso, hat am Samstag Rimtalba Jean Emmanuel Ou\u00e9draogo zum Premierminister ernannt. Ou\u00e9draogo war zuvor Chefredakteur und sp\u00e4ter Direktor des \u00f6ffentlichen Fernsehens in Burkina Faso. (<a href=\"https:\/\/www.jeuneafrique.com\/1638755\/politique\/au-burkina-faso-la-junte-nomme-jean-emmanuel-ouedraogo-premier-ministre\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cIn Burkina Faso ernennt die Junta Jean Emmanuel Ou\u00e9draogo zum Premierminister\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>Nation: Milliardenverluste durch Beamte. Eine Evaluation von 32 Gro\u00dfprojekten in Kenia hat offengelegt, dass kenianische Beamte Sch\u00e4den in Milliardenh\u00f6he zu verantworten haben. Dazu z\u00e4hlen unter anderem auch Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten bei der Finanzierung und verschleppte Bauvorhaben. (<a href=\"https:\/\/nation.africa\/kenya\/news\/audit-reveals-plundered-loans-waste-of-billions-in-mega-projects-4849594#story\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cAudit reveals plundered loans, waste of billions in mega projects\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>The Guardian: Streit unter Gewerkschaften. Das Federal Workers Forum (FWF) \u00fcbte am Sonntag scharfe Kritik an dem Nigeria Labour Congress (NLC) und dem Trade Union Congress (TUC) und erkl\u00e4rte, die beiden wichtigsten Gewerkschaften h\u00e4tten die nigerianischen Arbeiter im Stich gelassen. (<a href=\"https:\/\/guardian.ng\/news\/youve-failed-workers-labour-group-slams-nlc-tuc\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cYou\u2019ve failed workers, labour group slams NLC, TUC\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>Washington Post: Chance f\u00fcr Behinderte. Ein Projekt in S\u00fcdafrika will Menschen mit Behinderung eine Besch\u00e4ftigung im Agrarsektor verschaffen. S\u00fcdafrika k\u00e4mpft mit einer hohen Arbeitslosenquote. (<a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/2024\/12\/08\/south-africa-deaf-farmers-unemployment-agriculture\/04e5ccee-b527-11ef-9d23-e5faa22ad216_story.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cA farming project in South Africa is helping deaf people build skills and find jobs\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>Tagesschau: Hunger durch D\u00fcrre. Der S\u00fcden Afrikas leidet unter einer schweren D\u00fcrre, mit kaum Regen in diesem Jahr. Die Landwirtschaft ist zusammengebrochen, Wasser und Lebensmittel sind knapp. In Malawi hat sich die Zahl der unterern\u00e4hrten Kinder im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, und auch die Gewalt in der Region nimmt zu. (<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/afrika\/duerre-suedliches-afrika-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cD\u00fcrre sorgt f\u00fcr Hunger und viel Gewalt\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>Reuters: Kredit f\u00fcr Marokko. Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) hat am Donnerstag einen Kreditvertrag \u00fcber 350 Millionen Euro (370 Millionen Dollar) mit Marokko unterzeichnet. Au\u00dferdem erw\u00e4gt die Bank, dem Land weitere 650 Millionen Euro zur Finanzierung der Infrastruktur f\u00fcr die Fu\u00dfballweltmeisterschaft 2030 zu leihen. (<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/africa\/african-development-bank-pledges-1-bln-morocco-2024-12-06\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cAfrican Development Bank pledges $1 billion to Morocco\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>BBC: Uranbergbau ohne Frankreich. Die nigerianischen Milit\u00e4rmachthaber sind entschlossen, Frankreich aus allen bedeutenden Sektoren der nigerianischen Wirtschaft zu verdr\u00e4ngen, insbesondere aus dem Uranbergbau. In dieser Woche gab das franz\u00f6sische Atomunternehmen Orano bekannt, dass die Junta, die operative Kontrolle \u00fcber das lokale Bergbauunternehmen Soma\u00efr \u00fcbernommen hat. (<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/czjd70mzge2o\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cHow a uranium mine became a pawn in the row between Niger and France\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>    Heads\tJ\u00fcrgen Zimmerer \u2013 Kolonialhistoriker und Eurozentrismus-Kritiker<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Prof.-Dr.-Juergen-Zimmerer-c-Sebastian-Engels-UHH-3-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2537601\"  \/>Prof. Dr. J\u00fcrgen Zimmerer lehrt an der Universit\u00e4t Hamburg.<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Zimmerer z\u00e4hlt zu den profiliertesten Vertretern der antikolonialen Debatte in Deutschland. Doch seine kritische Haltung hatte der in Hamburg lehrende Historiker keineswegs schon immer, wie er im Gespr\u00e4ch mit Table.Briefings berichtet. \u201cIch habe in der Schule die zweifelhafte Ehre gehabt, einen der letzten waschechten Nazis im bayerischen Schuldienst als Geschichtslehrer zu haben\u201d, erz\u00e4hlt Zimmerer. \u201cVon ihm haben wir gelernt, der deutsche Kolonialismus war eine tolle Sache. Schlimm waren die Briten und die Franzosen.\u201d<\/p>\n<p>Zimmerer fand das als junger Sch\u00fcler plausibel. \u201cDiese ganze koloniale Nostalgie war \u00fcberzeugend. Man f\u00e4llt darauf sehr leicht herein\u201d, sagt er. Erst w\u00e4hrend des Studiums habe er festgestellt, dass sein Geschichtsunterricht von Unwahrheiten gepr\u00e4gt war. Zimmerer studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik, zun\u00e4chst an der Universit\u00e4t Regensburg, dann kam er mit einem Stipendium nach Oxford. Unter dem renommierten Kolonialhistoriker Terence Ranger schrieb Zimmerer 1991 seine Abschlussarbeit \u00fcber die deutsche Kolonialherrschaft in Namibia, das ein Jahr zuvor unabh\u00e4ngig geworden war.<\/p>\n<p>Kontinuit\u00e4ten zwischen Kolonialismus und NS-Verbrechen<\/p>\n<p>\u201cDa habe ich festgestellt, alles, was ich in der Schule gelernt habe, war eine L\u00fcge\u201d, sagt Zimmerer. \u201cDas hat mich sehr ersch\u00fcttert.\u201d Seither habe ihn das Thema nicht mehr losgelassen. So befasste er sich dann auch im Rahmen seiner Promotion an der Universit\u00e4t Freiburg mit der deutschen Kolonialpolitik in Deutsch-S\u00fcdwestafrika (heutiges Namibia). Anschlie\u00dfend begann er B\u00fccher zu schreiben, etwa \u00fcber die Kontinuit\u00e4ten zwischen der deutschen Kolonialpolitik und der Ostpolitik der Nationalsozialisten. \u201cMir fiel auf, dass vieles, was ich \u00fcber den Nationalsozialismus und die Ostbesetzung im Studium lernte, mich sehr daran erinnerte, was ich aus Namibia von den Deutschen kannte\u201d, beschreibt Zimmerer die Entstehungsgeschichte seines Buches \u201cVon Windhuk nach Auschwitz?\u201d.<\/p>\n<p>\u201cWenn man sich die deutsche Geschichte anschaut, dann sieht man im Abstand von 40 Jahren zweimal einen Genozid\u201c, erkl\u00e4rt Zimmerer. \u201cEs gab zweimal den Versuch, einen rassistischen Vernichtungskrieg zu f\u00fchren, und es gab zweimal den Versuch, einen Rassenstaat zu errichten, mit allem, was dazugeh\u00f6rt, etwa Rassentrennungsgesetze. Einmal im Kaiserreich, in S\u00fcdwestafrika, einmal im NS-Regime, in Osteuropa.\u201d Diese seien im Grunde von der gleichen Elite ver\u00fcbt worden, im Abstand von nur einer Generation. \u201cDas ist ein sehr geringer Abstand. Es w\u00e4re schon sehr erstaunlich, wenn es hier keine Beziehung g\u00e4be\u201c, meint Zimmerer. Die drei tragenden S\u00e4ulen dieser Verbrechen, B\u00fcrokratie, Wissenschaft und Milit\u00e4r, seien zudem stark von Lehrer-Sch\u00fcler-Verh\u00e4ltnissen gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Renommierter Genozidforscher<\/p>\n<p>\u201cDer Ostkrieg, damit meine ich die Periode zwischen 1939 und 1945, war also im Grunde ein gigantischer Kolonialkrieg\u201c, so Zimmerer. \u201cHier wurde eigentlich ein zweiter Versuch unternommen, ein deutsches Kolonialreich zu gr\u00fcnden.\u201d Das sei auch durch Zitate von Hitler gut belegt, etwa: \u201cRussland ist unser Indien.\u201d Zimmerer betont aber, er wolle keine kausale Verbindung herstellen. \u201cEs ist eher so, als die Nazis \u201933 den Milit\u00e4rs und den Wissenschaftlern und den B\u00fcrokraten sagten, es gibt keine Bremsen mehr, da entfaltete sich wieder ein Denken, wie man es auch im Kolonialismus hat.\u201d<\/p>\n<p>Zimmerer ist auch Genozidforscher und einer der Mitgr\u00fcnder des International Network of Genocide Scholars. Von 2005 bis 2017 amtierte er als Gr\u00fcndungspr\u00e4sident des Netzwerks. \u201cWir haben den Verband ziemlich genau 100 Jahre nach dem Genozid in Namibia gegr\u00fcndet\u201d, sagt Zimmerer. Damals habe der deutsche Staat von dessen Aufarbeitung noch nichts wissen wollen. \u201cWir haben dann beschlossen, wenn Deutschland kein steinernes Denkmal baut, dann bauen wir quasi ein menschliches Denkmal, einen internationalen Verband, der den Genozid an den Herero und Nama zum Anlass nahm, um die Erforschung von Genozid international zu f\u00f6rdern. Und gleichzeitig damit das Verdr\u00e4ngen des V\u00f6lkermordes in Deutschland zu unterlaufen. Und jetzt hat der Verband weltweit Mitglieder und f\u00fchrt alle zwei Jahre internationale Tagungen durch, ob in San Francisco, Kapstadt oder Jerusalem.\u201d<\/p>\n<p>Europa darf sich nicht einmauern<\/p>\n<p>Doch der Wissenschaftler befasst sich nicht nur mit historischen Debatten. Auch mit Blick auf das aktuelle Verh\u00e4ltnis Europas zu Afrika \u00e4u\u00dfert Zimmerer immer wieder scharfe Kritik. \u201cEuropa ist dabei, sich mental und physisch einzumauern\u201c, sagt er. \u201cDas wird verheerend sein, weil Europa historisch gesprochen ja nur Europa werden konnte, indem es in den Austausch mit der Welt trat. Das war oft gewaltsam, aber zugleich auch kultureller und intellektueller Natur.\u201d Europa sei ein Kontinent, der sich nicht einmauern d\u00fcrfe, ohne sein Wesen zu verraten.<\/p>\n<p>Angesichts der historischen Zeitenwende und der wachsenden Rolle Afrikas kann Zimmerer nicht verstehen, warum Programme des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, das Budget der Goethe-Institute oder Humboldt Fellowships gek\u00fcrzt werden: \u201cDeutschland k\u00fcrzt die Programme, mit denen man in Austausch mit anderen L\u00e4ndern geht. Das ist v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich.\u201d Auch seine eigene Forschungsstelle an der Universit\u00e4t Hamburg soll nicht fortgef\u00fchrt werden. Er verstehe nicht, was die Stadt Hamburg dazu bewogen habe, eine international anerkannte Forschungseinrichtung \u201cgegen alle Zusagen zu zerschlagen\u201d, schrieb er k\u00fcrzlich auf X.<\/p>\n<p>Verweis auf Menschenrechte in Afrika kaum glaubw\u00fcrdig<\/p>\n<p>\u201cIch glaube, dass Europa, und Deutschland ganz besonders, noch nicht gemerkt hat, dass das koloniale Zeitalter vor\u00fcber ist\u201c, so Zimmerer zu Table.Briefings. \u201cWir sind jetzt im \u00dcbergang zur postkolonialen Globalisierung.\u201d Diese zeichne sich durch eine radikale Dezentrierung Europas aus, sowohl milit\u00e4risch und \u00f6konomisch als auch intellektuell. Afrika hingegen sei ein Kontinent der Zukunft. \u201cDas hei\u00dft, wir sind in Europa eigentlich das kleinere Anh\u00e4ngsel eines gigantischen Kontinents mit unglaublichem Potenzial\u201c, meint Zimmerer. \u201cWir m\u00fcssten alles tun, um mit Afrika in eine gleichberechtigte Kooperation zu kommen. Das tun wir nicht. Wir sind arrogant.\u201d<\/p>\n<p>Er verweist etwa auf das europ\u00e4ische Unverst\u00e4ndnis \u00fcber die Haltung afrikanischer Staaten zu Gaza und der Ukraine. \u201cDie sind nicht per se auf der Seite des Westens. Wieso sind sie nicht auf der Seite des Westens? Wir sind doch die Guten, wir verteidigen doch die Menschenrechte.\u201d Aus afrikanischer Perspektive sei das jedoch heuchlerisch. \u201cDie Afrikaner haben die letzten 300 Jahre immer die Europ\u00e4er erlebt, die sagen: Wir verteidigen die Menschenrechte. Und eigentlich waren sie immer der Gelackmeierte dabei. Die Glaubw\u00fcrdigkeit Europas in puncto Menschenrechte ist in weiten Teilen Afrikas also ziemlich gering.\u201d<\/p>\n<p>Afrika, der prodemokratische Kontinent<\/p>\n<p>Deutschland verspiele derzeit die letzten Reste seiner Glaubw\u00fcrdigkeit, findet er. Unabh\u00e4ngig von den deutschen Absichten, der Ukraine zu helfen, oder aber der historischen Verpflichtung aus dem Holocaust nachzukommen, sei die Art und Weise, wie dies geschehe \u2013 die Au\u00dfenwirkung \u2013 verheerend. Man m\u00fcsse auch die Position der Anderen ernst nehmen. \u201cWir m\u00fcssten das, was wir f\u00fcr uns beanspruchen, auch den Anderen zugestehen, etwa aus geschichtlichen Erfahrungen heraus zu agieren, und wir k\u00e4men ins Gespr\u00e4ch\u201d, so Zimmerer.<\/p>\n<p>\u201cJa, in Afrika gibt es autorit\u00e4re Elemente\u201d, r\u00e4umt er ein. Das sei aber nicht \u201ctypisch afrikanisch\u201d, sondern ein globales Ph\u00e4nomen, sagt er mit Verweis auf Donald Trump und Viktor Orb\u00e1n. \u201cZugleich gibt es in Afrika starke prodemokratische Bewegungen, w\u00e4hrend in Deutschland offenbar Teile der Gesellschaft die Demokratie abschaffen wollen.\u201d Arne Sch\u00fctte<\/p>\n<p>                            AfrikaDemokratieDonald TrumpForschungGenozidGeschichteKolonialismusMenschenrechteNamibiaStudiumWissenschaft            Nachtisch\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/imago61556368-1024x768.jpg\" alt=\"Bl\u00fcte des Baobab-Baums.\" class=\"wp-image-2750966\"  \/>Bl\u00fcte des Baobab-Baums.<\/p>\n<p>S\u00fc\u00dflich-blumig, rot-gold-klar und geschmeidig: Honig vom Baobab-Baum ist in jedem Fall eine sehr leckere Sache. Zu finden ist er zum Beispiel in Mali, etwa in der Region von S\u00e9gou, dem Herzen des fr\u00fcheren Bambara-Reiches. Vor Ort verkauft wird das Produkt oft in Plastikflaschen mit selbst gedruckten Etiketten. Im Online-Handel ist malischer Baobab-Honig zurzeit schwer zu bekommen \u2013 aber es gibt Alternativen von anderswo, etwa aus dem Senegal.<\/p>\n<p>Der majest\u00e4tische Baobab gilt als Lebensbaum. Produkte vom Baobab werden inzwischen oft als Superfood bezeichnet. Den Menschen vor Ort ist die gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung schon lange bekannt. Der Honig enth\u00e4lt demnach viel Vitamin C, Kalzium und Ballaststoffe. Damit soll der Baobab-Honig gut sein gegen grippale Infekte, Magen-Darm-Verstimmungen oder Gliederschmerzen. lcw<\/p>\n<p>    Africa.Table Redaktion\t<\/p>\n<p>    Liebe Leserin, lieber Leser,<\/p>\n<p>in Syrien ist das Regime von Langzeitmachthaber Baschar al-Assad gest\u00fcrzt. W\u00e4hrend sich der Diktator nach Russland absetzte, fl\u00fcchteten Offiziere der syrischen Armee nach Libyen. Das Land ist enger Vertrauter Assads, aber auch Russlands. Unser Nordafrika-Experte Mirco Keilberth erkl\u00e4rt, welche Schl\u00fcsselrolle Libyen f\u00fcr das Assad-Regime in der Vergangenheit gespielt hat und wie es die Regimefreunde auch k\u00fcnftig unterst\u00fctzen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Zudem schauen wir auf einen Streit im Entwicklungsausschuss des Bundestags und die Gr\u00fcnde daf\u00fcr, warum die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit afrikanischen L\u00e4ndern in dieser Legislatur wohl nicht mehr verabschiedet werden d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen eine spannende Lekt\u00fcre!<\/p>\n<p>    Analyse\tAssads Sturz: Wie Regimefreunde \u00fcber Libyen nach Europa fliehen<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/imago783775007-1024x683.jpg\" alt=\"Abu Muhammad al-Dscholani, Anf\u00fchrer der HTS-Miliz.\" class=\"wp-image-2750642\"  \/>Abu Muhammad al-Dscholani, Anf\u00fchrer der HTS-Miliz.<\/p>\n<p>Die Landung der Maschine der privaten syrischen Fluggesellschaft Cham Wings am Samstagnachmittag auf dem Flughafen von Bengasi fand in Libyen nur wenig Beachtung. Dabei waren 200 Offiziere der syrischen Armee an Bord, die mit ihrer Ausreise die unblutige \u00dcbergabe der Hauptstadt an die Rebellen eingel\u00e4utet hatten. Nach Angaben von libyschen Journalisten sind sie nun auf dem Weg nach Deutschland.<\/p>\n<p>M\u00f6glich ist dies durch die enge Kooperation zwischen Khalifa Haftar, dem Milizenf\u00fchrer in Ostlibyen, Baschar al-Assad und russischen Milit\u00e4rs. Haftar hat \u2013 \u00e4hnlich wie Assad \u2013 der russischen Armee die Stationierung von Truppen erlaubt, die im Gegenzug seine Macht garantieren. Der Kreml verlegt gerade einen Gro\u00dfteil seiner in Syrien stationierten Flugzeuge, Luftabwehrsysteme und Soldaten nach Libyen.<\/p>\n<p>Migrationsroute bis nach Deutschland<\/p>\n<p>An der Seite Haftars k\u00e4mpfen schon seit Jahren syrische S\u00f6ldner, die Assad zur Unterst\u00fctzung seines Verb\u00fcndeten geschickt hatte. Diese Dreier-Allianz hat 2023, nachdem sich die syrische Opposition scheinbar geschlagen nach Idlib zur\u00fcckgezogen hatte, eine Migrationsroute von Damaskus \u00fcber Libyen bis nach Nordrhein-Westfalen eingerichtet. Mehrere hundert regimetreue K\u00e4mpfer und ihre Familien wurden seitdem \u00fcber Bengasi, Westlibyen und Sizilien nach Deutschland geschleust, berichten libysche Journalisten, die namentlich nicht genannt werden wollen. Mit dem Ende der Assad-Herrschaft k\u00f6nnte ihre Zahl dramatisch steigen, warnt der Syrien-Experten Lawand Kiki vom Syrian Reporting Center.<\/p>\n<p>Tausende T\u00e4ter werden wegen Kriegsverbrechen gesucht, die sie w\u00e4hrend des 13-j\u00e4hrigen B\u00fcrgerkriegs begangen haben. Nicht nur Menschenrechtsorganisationen, auch die staatlichen Beh\u00f6rden selber haben Folter, willk\u00fcrliche Verurteilungen und Morde in Syrien sorgf\u00e4ltig dokumentiert. \u201cTrotz der nun weiterverbreiteten Vers\u00f6hnungsrhetorik werden viele T\u00e4ter nach Deutschland kommen, um sich der Rache und Strafverfolgung in ihrer Heimat zu entziehen\u201c, so Kiki weiter.<\/p>\n<p>Details zur Schmuggelroute bleiben im Dunkeln<\/p>\n<p>\u00dcber die Schmuggelroute entlang der \u00fcber 2.000 Kilometer langen K\u00fcste ist auch in Libyen wenig bekannt. Ein Gesch\u00e4ftsmann aus Bengasi berichtet Table.Briefings allerdings, wie Offiziere der Tareq bin Ziad-Brigade, einer Sondereinheit der Libyscher National-Armee (LNA) Haftars, Zeugen der regelm\u00e4\u00dfig anreisenden Reisegruppen zum Schweigen verdammen: \u201cIch hatte im Sommer ein Hotel in Bengasi bezogen und wollte mich des Nachts \u00fcber den ungeheuren L\u00e4rm beschweren, den eine angekommene Gruppe machte.\u201d Der Rezeptionist sagte ihm, es seien Syrer auf der Weiterreise nach Westlibyen. \u201cAber die in der Lobby sitzenden Offiziere im Hintergrund warnten uns eindringlich, \u00fcber die G\u00e4ste aus Syrien mit niemandem zu sprechen\u201c, so der Gesch\u00e4ftsmann.<\/p>\n<p>Zweimal die Woche landen seit dem letzten Sommer jeweils bis zu 200 Passagiere aus Damaskus an Bord von Chams-Wings-Maschinen in Bengasi, berichten Gespr\u00e4chspartner Table.Briefings in Libyen. Auf Facebookseiten einiger Reisenden taucht eine alternative Route \u00fcber den von der Hisbollah kontrollierten libanesischen Grenzort Tfail auf. Nach dem heimlichen Grenz\u00fcbertritt werden die syrischen Regimeanh\u00e4nger in Bussen zum Flughafen von Beirut transportiert und fliegen von dort nach Bengasi. Nach der Landung sorgen Angeh\u00f6rige der Tareq bin Ziad Brigade f\u00fcr den Weitertransport ins Stadtzentrum und setzen die Syrer in Busse in Richtung der westlibyschen Hafenstadt Sabratha.<\/p>\n<p>Gefahr radikaler Regimeanh\u00e4nger<\/p>\n<p>Schon am Folgetag legen die Boote mit den aus Deraa oder Damaskus stammenden Regimeanh\u00e4ngern ab. Die libyschen Schmuggler bieten ihnen schnelle Holzboote und nicht die seeunt\u00fcchtigen K\u00e4hne, in die sie Migranten aus West- oder Zentralafrika zwingen. Daher wird die syrische Migrationsroute von Hilfsorganisationen oder italienischen K\u00fcstenwache oft nicht erfasst. \u201cBeunruhigend ist aber auch nicht die Zahl der Regimeanh\u00e4nger, sondern wer kommt. Es wurden in diesen Einheiten auch Radikale angeheuert\u201c, sagt Syrien-Experte Lawand Kiki.<\/p>\n<p>Vor den am letzten Wochenende ankommenden Offiziellen des Assad-Regimes waren es vor allem Kommandeure von Stadtteilmilizen, die in den letzten Monaten demobilisiert worden waren. Seit den letzten Jahren standen sie dem vom Regime gew\u00fcnschten Vers\u00f6hnungsprozess mit der Bev\u00f6lkerung im Weg.<\/p>\n<p>S\u00f6ldner auf russischen Lohnlisten<\/p>\n<p>\u201cDiese Gruppen haben in Deraa und anderen Orten rund um Damaskus mit willk\u00fcrlicher Brutalit\u00e4t geherrscht\u201d, berichtet ein nach Deutschland geflohener syrischer Menschenrechtsaktivist. \u201cIn den letzten Jahren standen die S\u00f6ldner auf den Lohnlisten der russischen Truppen. Doch wegen der vielen Morde st\u00f6rten sie und wurden nach Deutschland geschickt, um die syrische Opposition unter Druck zu setzen.\u201d<\/p>\n<p>Wie viele Regimeanh\u00e4nger nun nach dem Sturz des Regimes tats\u00e4chlich kommen, wird vom Kurs der Rebellen abh\u00e4ngen. Abu Mohamed al-Dscholani, der Anf\u00fchrer der HTS-Allianz, wirbt f\u00fcr Vers\u00f6hnung der politischen Gegner. Doch die Szenen vor dem Saidnaya-Gef\u00e4ngnis vom Sonntag zeigt, wie blutig die Rache an den Regimeanh\u00e4ngern die n\u00e4chsten Monate werden k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Syrer im ganzen Land sind auf der Suche nach vermissten Angeh\u00f6rigen, die von Sicherheitskr\u00e4ften verschleppt worden waren. Wer als Gegner des Regimes in die F\u00e4nge des Moukhabarat, des staatlichen Sicherheitsdienstes geriet, verschwand oft \u00fcber Jahre in Saidnaya, ohne dass Angeh\u00f6rige davon erfuhren. \u201cEs gibt tausende Familien, die bald fordern werden, dass die T\u00e4ter vor einem Gericht landen\u201c, sagt Lawand Kiki. Der Syrer begr\u00fc\u00dft, wie viele seiner Landsleute, den Sturz des Regimes, aber warnt: \u201cWenn der nun neu entstehende Staat sich nicht schnell um die Aufarbeitung der Vergangenheit k\u00fcmmert, wird es zu einem neuen Kreislauf der Gewalt kommen.\u201d<\/p>\n<p>                            B\u00fcrgerkriegLibyenMigrationS\u00f6ldnerSyrien            Translation missing.\tWirtschaftsabkommen mit Afrika: Wohl keine Abstimmung in dieser Legislatur<\/p>\n<p>Die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit afrikanischen L\u00e4ndern werden in dieser Legislatur aller Voraussicht nach nicht vom Bundestag verabschiedet. Die Gr\u00fcnen-Fraktion sieht grundlegenden Reformbedarf bei den Abkommen, die bereits von 20 Jahren ausgehandelt wurden. \u201cIm Zentrum unserer Wirtschaftsbeziehungen mit den Partnerl\u00e4ndern muss die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung aller Beteiligten stehen.\u201d Deshalb brauche es mehr als jahrzehntealte Abkommen. \u201cEs braucht das klare Bekenntnis zu Umwelt- und Arbeitsstandards und Ma\u00dfnahmen, die langfristige Wertsch\u00f6pfung in den Partnerl\u00e4ndern st\u00e4rken\u201d, sagte Karo Otte, Entwicklungspolitikerin der Gr\u00fcnen im Bundestag, Table.Briefings.<\/p>\n<p>Dazu w\u00fcrden unter anderem Spielr\u00e4ume f\u00fcr industrielle Entwicklung, Vernetzung von Unternehmen und Unterst\u00fctzung bei Investitionen in die Infrastruktur geh\u00f6ren. \u201cSchl\u00fcssel hierf\u00fcr sind auch die nachhaltige Ausrichtung und die St\u00e4rkung von Investitionsprogrammen wie Global Gateway und der F\u00f6rderungen des Bundesministeriums f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Dies sind notwendige Zeichen des Engagements gegen\u00fcber unseren Partnerl\u00e4ndern, die es \u00fcber die blo\u00dfe Ratifizierung der EPAs hinaus braucht\u201d, so Otte weiter. Die Gr\u00fcnen beziehen sich dabei auf <a href=\"https:\/\/www.lobbyregister.bundestag.de\/media\/03\/b2\/317649\/Stellungnahme-Gutachten-SG2406250086.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zweifel und Kritik<\/a> aus der afrikanischen Zivilgesellschaft, die ebenfalls eine \u00dcberarbeitung der Abkommen fordert.<\/p>\n<p>WPAs bereits im Mai im Kabinett<\/p>\n<p>Bereits im Mai hatte Entwicklungsministerin Svenja Schulze die Abkommen dem Bundeskabinett vorgelegt. Das Kabinett hatte diesen zugestimmt und zur Beratung im Bundestag gegeben. \u201cWir wollen unsere Handels- und Investitionsbeziehungen vertiefen und diversifizieren, damit Deutschland weniger abh\u00e4ngig von einzelnen Wirtschaftsm\u00e4chten ist. Dazu geh\u00f6rt auch, dass mehr Wertsch\u00f6pfung in unseren Partnerl\u00e4ndern stattfindet\u201d, hatte Schulze damals die Abkommen kommentiert.<\/p>\n<p>Die Verhandlungen zu den Abkommen wurden bereits vor \u00fcber 20 Jahren zwischen der EU und den entsprechenden afrikanischen Abkommenspartnern abgeschlossen. Seit mehreren Jahren sind die Vertr\u00e4ge bereits in vorl\u00e4ufiger Anwendung. Konkret handelt es sich um folgende Abkommen:<\/p>\n<p>Interim-WPAs mit C\u00f4te d\u2019Ivoire,Interim-WPA mit Ghana,EPA mit der Region Zentralafrika mit Kamerun als bisher einzigem Mitgliedstaat undregionales WPA mit der Entwicklungsgemeinschaft des s\u00fcdlichen Afrikas (SADC).Abkommen regeln Zollbestimmungen<\/p>\n<p>Hintergrund der Abkommen war die rechtliche Regelung des Handels zwischen der EU und den afrikanischen Partnerl\u00e4ndern. Angesichts der positiven wirtschaftlichen Entwicklung waren L\u00e4nder wie S\u00fcdafrika, Kamerun, Ghana, aber auch die C\u00f4te d\u2019Ivoire\u00a0nicht mehr unter die Kategorie der Least Developed Countries gefallen. Damit w\u00e4re die von der Welthandelsorganisation festgelegte vollst\u00e4ndige Zollbefreiung f\u00fcr Waren aus diesen L\u00e4ndern ausgelaufen. Die Abkommen gew\u00e4hrleisten nun also \u2013 vorl\u00e4ufig \u2013 weiterhin uneingeschr\u00e4nkten Zugang f\u00fcr Waren aus den Partnerl\u00e4ndern zum EU-Markt. Gleichzeitig senken die afrikanischen L\u00e4nder ihrerseits Z\u00f6lle auf Produkte aus der EU ab.<\/p>\n<p>Ein Sprecher des BMZ best\u00e4tigte auf Table.Briefings-Anfrage, dass die Abkommen tats\u00e4chlich nicht alle aktuellen Standards im Bereich Handel und Nachhaltigkeit \u2013 inklusive Arbeitsschutz \u2013 abdecken. Dennoch k\u00f6nnten die Abkommen bei entsprechenden Verst\u00f6\u00dfen ganz oder teilweise ausgesetzt werden. \u201cIm Rahmen des deutschen Ratifizierungsprozesses k\u00f6nnen keine \u00c4nderungen an den Abkommenstexten selbst mehr vorgenommen werden\u201d, teilte der Sprecher zudem mit. Die Bundesregierung wolle sich jedoch in den Erweiterungsverhandlungen f\u00fcr die St\u00e4rkung der Nachhaltigkeitsbestimmungen einsetzen.<\/p>\n<p>Dass die Gr\u00fcnen nun noch einmal eine \u00dcberarbeitung der Abkommen fordern, sorgt insbesondere bei der FDP f\u00fcr Kritik. \u201cDie Gr\u00fcnen haben durch ihre Blockadehaltung im Ausschuss daf\u00fcr gesorgt, dass die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit den afrikanischen Staaten in dieser Legislaturperiode gegen den Willen der Bundesregierung nicht ratifiziert werden\u201d, sagte FDP-Entwicklungspolitiker Christoph Hoffmann. Er ist \u00fcberzeugt, dass die EPAs die Wirtschaftsentwicklung in den afrikanischen Staaten f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Signalwirkung f\u00fcr afrikanische L\u00e4nder<\/p>\n<p>Dass Deutschland die Abkommen jetzt auf absehbare Zeit wohl nicht ratifizieren wird, hat daher vor allem Signalwirkung. \u201cDeutschlands Reputation in Afrika hat durch das Verhalten der Gr\u00fcnen immensen Schaden genommen. In Zeiten, in denen Russland und China aggressiv auf den afrikanischen Markt dr\u00e4ngen, k\u00f6nnen wir uns unverl\u00e4ssliches Handeln wie in diesem Fall schlicht nicht leisten\u201d, sagte Hoffmann.<\/p>\n<p>Auch die Union zeigte sich irritiert. \u201cSeit Monaten steht das Thema immer wieder auf der Tagesordnung, wird jedoch jedes Mal von den Ampelparteien kurz vor der Ausschussberatung abgesetzt. Dabei sind die Abkommen l\u00e4ngst fertig und sollten sofort ratifiziert werden\u201c, sagte CSU-Entwicklungspolitiker Wolfgang Stefinger.<\/p>\n<p>                            AfrikaBMZEuropaFDPGlobal GatewayGr\u00fcneNachhaltige WirtschaftSADCSPDSvenja SchulzeWirtschaftspolitikWPAWTOZ\u00f6lle            Translation missing.\tZahlungssysteme: In Afrika dominiert noch das Bargeld<\/p>\n<p>Laut einer Studie der Industrievereinigung <a href=\"https:\/\/www.gsma.com\/solutions-and-impact\/connectivity-for-good\/mobile-for-development\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/SOTIR-2024-regional-cuts.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">GSM Association (GSMA)<\/a> entfielen 2024 weltweit 48 Prozent aller mobilen Geldkonten, insgesamt 835 Millionen, auf Subsahara-Afrika. Die Region gilt damit als Vorreiter f\u00fcr digitale Zahlungsmethoden. Regional verteilen sich die mobilen Konten auf 50 Millionen in Ostafrika, 66 Millionen in Westafrika, vierzehn Millionen in Zentralafrika und vier Millionen im s\u00fcdlichen Afrika. Doch es ist noch ein weiter Weg, bis der Zahlungsverkehr vollends digitalisiert ist. Zun\u00e4chst bleibt Bargeld die bevorzugte Zahlungsmethode.<\/p>\n<p>Denn trotz der Fortschritte werden in Afrika immer noch 90 Prozent aller Transaktionen im Einzelhandel in bar abgewickelt. Nur 34 Prozent der Erwachsenen verf\u00fcgen \u00fcber ein traditionelles Bankkonto. Auch in der informellen Wirtschaft ist Bargeld das Finanzmittel der Wahl. Dennoch bringt das digitale Banking wichtige Vorteile, die auch f\u00fcr das Wirtschaftswachstum des Kontinents nicht unerheblich sind. Mit dem Vorsto\u00df zur digitalen finanziellen Inklusion sollen unter anderem Transaktionskosten reduziert werden, um das Wachstum anzukurbeln, hei\u00dft es in einem <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/topic\/financialinclusion\/publication\/digital-financial-inclusion\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bericht der Weltbank<\/a>.<\/p>\n<p>Afrika als Vorreiter innovativer Zahlungstechnologien<\/p>\n<p>Schon h\u00e4ufig war Afrika Vorreiter bei innovativen Zahlungstechnologien, wie etwa Mpesa, welches 2007 von den Mobilfunkbetreibern Vodafone und Safaricom in Kenia eingef\u00fchrt wurde. Nutzern wurde damit das Senden und Empfangen von Geld erm\u00f6glicht. Heute hat Mpesa mehr als 60 Millionen Nutzer und wickelt t\u00e4glich Transaktionen im Wert von \u00fcber einer Milliarde US-Dollar ab. Andere \u00e4hnliche elektronische und sofortige Zahlungssysteme definieren allt\u00e4gliche Transaktionen auf einem Kontinent neu.<\/p>\n<p>Rufaida Hamilton, Leiterin des Zahlungsverkehrs bei der s\u00fcdafrikanischen Standard Bank, sagt, der gr\u00f6\u00dfte Wendepunkt f\u00fcr Afrika sei gewesen, \u201cals man erkannte, dass die blo\u00dfe Bereitstellung eines Bankkontos nicht ausreicht, um die Ziele der finanziellen Inklusion zu erreichen\u201d. Die M\u00f6glichkeit, Geld einfach und sofort zu \u00fcberweisen, wurde mit traditionellen Bankkonten nicht erf\u00fcllt. Mit allgegenw\u00e4rtigen Zahlungssystemen wird zuk\u00fcnftig die Abh\u00e4ngigkeit von Bargeld reduziert. Es geht um eine Zukunft mit einem \u201cNebeneinander einer Vielzahl von Zahlungsoptionen, die miteinander konkurrieren und interagieren\u201d, so Hamilton. Digitale Zahlungssysteme umfassen Produkte von Banken, Fintechs, Einzelh\u00e4ndlern und Mobilfunkbetreibern. 28 Sofortzahldienste gibt es derzeit in Afrika, wobei einige L\u00e4nder mehr als ein System benutzen.\u00a0<\/p>\n<p>Kenia tendiert zu traditionellen Bankdienstleistungen<\/p>\n<p>Der Gesamttransaktionswert auf dem Markt f\u00fcr digitale Zahlungen in Afrika wird bis Ende dieses Jahres voraussichtlich 191 Milliarden US-Dollar erreichen, <a href=\"https:\/\/www.statista.com\/outlook\/fmo\/digital-payments\/africa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">hat die deutsche Online-Plattform Statista ausgerechnet<\/a>. Ein Gro\u00dfteil davon, insgesamt 117 Milliarden US-Dollar, entf\u00e4llt auf Mobile POS-Zahlungen (Mobile point-of-sale), also Zahlungen via Smartphone, Tablet oder \u00e4hnlichen drahtlosen Ger\u00e4ten, die die Funktion einer Registrierkasse oder eines elektronischen POS-Terminals aus\u00fcben k\u00f6nnen. Erwartet wird eine j\u00e4hrliche Zuwachsrate von rund 26 Prozent bis Ende des Jahrzehnts, was zu einem prognostizierten Gesamtbetrag von 611,2 Milliarden US-Dollar allein auf dem afrikanischen Kontinent f\u00fchrt. \u00a0<\/p>\n<p>In Kenia\u00a0allerdings stockt der Digitalisierungstrend. Die Bev\u00f6lkerung fragt wieder vermehrt traditionelle Bankdienstleistungen nach. In den vergangenen drei Jahren ging die Nutzung des mobilen Bankings von 34,4 Prozent 2021 auf 31,2 Prozent im Jahr 2024 zur\u00fcck. Laut der <a href=\"https:\/\/www.sasra.go.ke\/download\/2024-finaccess-household-survey\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">FinAccess-Haushaltsumfrage<\/a> 2024, die von der Zentralbank, dem statistischen Amt und dem Financial Sector Deepening Trust Kenya zusammengestellt wurde, benutzt knapp die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung in den st\u00e4dtischen Regionen mobiles Banking. In den l\u00e4ndlichen Regionen liegt der Anteil lediglich unter einem Viertel. Vor allem \u00e4ltere Menschen (55 Jahre oder \u00e4lter), besonders in den l\u00e4ndlichen Regionen, bevorzugen traditionelles Banking. J\u00fcngere st\u00e4dtische Bewohner hingegen bevorzugen die Nutzung mobiler Banken, so der Bericht.<\/p>\n<p>S\u00fcdafrika will grenz\u00fcberschreitende Zahlungen vereinfachen<\/p>\n<p>Als Gr\u00fcnde f\u00fcr den Trend in Kenia verweist der Bericht unter anderem auf das Bargeldtransferprogramm der kenianischen Regierung, mit dem Bargeldzahlungen an \u00e4rmere B\u00fcrger get\u00e4tigt werden. Au\u00dferdem weisen die Autoren auf die Vorliebe von mehr als der H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr direkte Interaktionen in Bankfilialen, wo man auch nicht von stabilen Internetverbindungen abh\u00e4ngig ist.<\/p>\n<p>Ungeachtet dessen soll der digitale Zahlungsverkehr weiter vereinfacht werden \u2013 auch international. S\u00fcdafrika wird 2025 den Vorsitz der G20-Arbeitsgruppe f\u00fcr zug\u00e4ngliche sofortige grenz\u00fcberschreitende Zahlungen \u00fcbernehmen. Wichtig ist hier die Geschwindigkeit grenz\u00fcberschreitender Zahlungen und die Reduzierung von Transaktionskosten. Zus\u00e4tzlich m\u00fcssen die Standards der Zahlensysteme harmonisiert werden.<\/p>\n<p>                            AfrikaFinanzenGeldpolitikKonsum            News\tSteinmeier bricht zu Reise nach Afrika auf<\/p>\n<p>Am Dienstag beginnt Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier seine sechst\u00e4gige Reise nach Nigeria, S\u00fcdafrika und Lesotho. Am Mittwoch sind in Nigerias Hauptstadt Abuja Gespr\u00e4che mit dem Pr\u00e4sidenten der Ecowas-Kommission Omar Touray sowie mit dem nigerianischen Pr\u00e4sidenten Bola Tinubu geplant. Anschlie\u00dfend wird der Bundespr\u00e4sident in die Wirtschaftsmetropole Lagos fliegen und sich mit Vertretern nigerianischer Unternehmen und Start-ups austauschen. Der Bundespr\u00e4sident wird seinerseits von einer deutschen Wirtschaftsdelegation begleitet. Folgende Unternehmen sind mit dem Bundespr\u00e4sidenten auf seiner Reise nach Afrika dabei:<\/p>\n<p>ICUnet.AG (Personaldienstleister)Enertrag SE (Energiel\u00f6sungen)Siemens AG Subsahara-AfrikaOff-Grid Europe GmbH (dezentrale Energienetze)Dermalog Identification Systems GmbH (Biometrie)Exficon GmbH (Finanzberatung)LiveEO GmbH (Softwareunternehmen)C. Woermann GmbH &amp; Co. KG (Maschinen und Logistik)Neuman &amp; Esser Deutschland GmbH &amp; Co. KG (Kompressoren, u.\u00a0a. Elektrolyseure)<\/p>\n<p>Zudem sind Katja Keul aus dem Ausw\u00e4rtigen Amt sowie Michael Kellner, parlamentarischer Staatssekret\u00e4r im Wirtschaftsministerium, Teil der Delegation des Bundespr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Weitere Stationen in S\u00fcdafrika und Lesotho<\/p>\n<p>In S\u00fcdafrika stehen Gespr\u00e4che mit dem s\u00fcdafrikanischen Pr\u00e4sidenten Cyril Ramaphosa sowie dem Parteivorsitzenden der Democratic Alliance (DA), John Steenhuisen, auf dem Programm. Die DA ist seit Anfang Juli Teil der Koalitionsregierung in S\u00fcdafrika, Steenhuisen ist Landwirtschaftsminister. In Lesotho trifft sich Steinmeier mit dem K\u00f6nig von Lesotho, Letsie III., sowie dem Premierminister Samuel Matekane. Es ist der erste Besuch eines deutschen Bundespr\u00e4sidenten in Lesotho.<\/p>\n<p>Es ist bereits die dritte Reise des Bundespr\u00e4sidenten nach Afrika in diesem Jahr. W\u00e4hrend seiner Reise nach \u00c4gypten im September standen einerseits die Wirtschaftsbeziehungen zu dem nordafrikanischen Land im Fokus, gleichzeitig ging es auch um \u00c4gyptens Rolle als Vermittler im Gaza-Konflikt. Im Februar war der Bundespr\u00e4sident zur Trauerfeier f\u00fcr den verstorbenen namibischen Pr\u00e4sidenten Hage Geingob nach Windhuk gereist. Dabei hatte Steinmeier eine Entschuldigung f\u00fcr die Gewalttaten w\u00e4hrend der deutschen Kolonialzeit in Aussicht gestellt, sobald das Vers\u00f6hnungsabkommen mit Namibia abgeschlossen ist. Daf\u00fcr bekam der Bundespr\u00e4sident Kritik aus Namibia, da die Aussage suggerierte, die Bundesregierung mache eine Entschuldigung von der Unterzeichnung des Abkommens abh\u00e4ngig. dre<\/p>\n<p>                            Bundespr\u00e4sidentDeutsche WirtschaftDiplomatieNigeriaS\u00fcdafrika            \tEU-Kommission: Neuer Afrika-Berater f\u00fcr Kaja Kallas<\/p>\n<p>Salvador Pinto da Fran\u00e7a\u00a0ist neuer Afrika-Berater der EU-Au\u00dfenbeauftragten Kaja Kallas. Der Diplomat hat langj\u00e4hrige Afrika-Erfahrung vorzuweisen. Schlagzeilen machte Da Fran\u00e7a allerdings k\u00fcrzlich, weil er Niger verlassen musste. Dort war er zuletzt als EU-Botschafter t\u00e4tig. Die Milit\u00e4rregierung in Niamey hatte ihm vorgeworfen, EU-Hilfen f\u00fcr Flutopfer ohne Absprachen verteilt zu haben. Br\u00fcssel dementierte dies und teilte mit, die EU habe ihren Botschafter aus Niger zur\u00fcckgerufen.<\/p>\n<p>Da Fran\u00e7a war bereits in einigen afrikanischen L\u00e4ndern t\u00e4tig: Vor Niger arbeitete er von 2018 bis 2022 als stellvertretender Delegationsleiter und Leiter der politischen Abteilung f\u00fcr die EU-Delegation in Mali. Zu Karrierebeginn war Da Fran\u00e7a f\u00fcr die portugiesischen Botschaften in \u00c4gypten und Guinea-Bissau stationiert.<\/p>\n<p>Er besitzt neben der portugiesischen auch die franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrgerschaft und spricht nach eigenen Angaben auch flie\u00dfend Arabisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch. Der neue Sonderbeauftragte der EU f\u00fcr den Sahel, Jo\u00e3o Cravinho, ist ebenfalls Portugiese und ehemaliger Au\u00dfenminister seines Landes. lcw<\/p>\n<p>                            DiplomatieEurop\u00e4ische KommissionEuropapolitikSahel            \tWeltbank: Schuldenumwandlung f\u00fcr C\u00f4te d\u2019Ivoire<\/p>\n<p>C\u00f4te d\u2019Ivoire macht von einem neuen Finanzierungsinstrument der Weltbank zur <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/news\/press-release\/2024\/12\/05\/c-te-d-ivoire-s-debt-for-development-swap-enabled-by-the-world-bank-group-will-free-up-funds-for-education\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schuldenumwandlung <\/a>Gebrauch. Im Rahmen des Programms \u201cDebt for Development\u201d tauscht die C\u00f4te d\u2019Ivoire alte, teure Anleihen ein und bekommt daf\u00fcr von der Weltbank g\u00fcnstigere Kredite. In dem Prozess soll die Bonit\u00e4t von Krediten in H\u00f6he von insgesamt fast 400 Millionen Euro verbessert werden. Diese w\u00e4ren in den kommenden f\u00fcnf Jahren f\u00e4llig geworden. Zu den g\u00fcnstigeren Zinsen gew\u00e4hrt die Weltbank zudem auch l\u00e4ngere Laufzeiten. \u201cDurch diese Ma\u00dfnahme spart C\u00f4te d\u2019Ivoire 60 Millionen Euro ein, die wir f\u00fcr den Bau von Schulen f\u00fcr 30.000 Sch\u00fcler verwenden werden\u201d, erkl\u00e4rte Adama Coulibaly, der ivorische Minister f\u00fcr Finanzen und Haushalt.<\/p>\n<p>Nach Angaben der Weltbank haben lediglich eins von zehn Kindern in C\u00f4te d\u2019Ivoire Zugang zu vorschulischer Bildung. Damit liegt das Land deutlich unter dem Durchschnitt von 28 Prozent in Subsahara-Afrika. Vor allem im l\u00e4ndlichen Raum ist der Zugang zu Bildung erschwert. Dabei gilt seit 2015 in C\u00f4te d\u2019Ivoire eine Schulpflicht f\u00fcr Kinder zwischen sechs und 16 Jahren.<\/p>\n<p>Mit der Umschuldung will die Weltbank die positive Entwicklung in dem westafrikanischen Land weiterhin sicherstellen. Vor der Corona-Pandemie konnte C\u00f4te d\u2019Ivoire ein Wirtschaftswachstum von rund acht Prozent vorweisen. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Human-Capital-Index von 0.30 auf 0.38 Punkte. Nach <a href=\"https:\/\/www.afdb.org\/en\/countries\/west-africa\/cote-d%E2%80%99ivoire\/cote-divoire-economic-outlook\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Angaben<\/a> der afrikanischen Entwicklungsbank lag das Wirtschaftswachstum 2023 immerhin wieder bei 6,5 Prozent \u2013 0,3 Prozent mehr als 2022. dre<\/p>\n<p>                            BildungElfenbeink\u00fcsteSchuldenWeltbankZinsen            Standpunkt\tDie Schuldenkrise als Destabilisator: Ein Weckruf f\u00fcr wirksame L\u00f6sungen<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"598\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Duering-Deborah-4-1024x598.jpg\" alt=\"Deborah D\u00fcring, au\u00dfenpolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen-Fraktion im Bundestag.\" class=\"wp-image-2749437\"  \/>Deborah D\u00fcring, au\u00dfenpolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen-Fraktion im Bundestag.<\/p>\n<p>Die Welt ist mit einer historischen Schuldenkrise konfrontiert. Aktuell sind zw\u00f6lf der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt zahlungsunf\u00e4hig oder stehen kurz davor. Staaten nutzen Schulden, um in Infrastruktur, Wirtschaft und soziale F\u00fcrsorge zu investieren. Problematisch wird es allerdings, wenn die Auslandsverschuldung zu hoch wird. Die Ursachen f\u00fcr die aktuelle Schuldenkrise sind vielf\u00e4ltig: h\u00f6here Kosten f\u00fcr Energie- und Lebensmittelimporte, schwankende Rohstoffpreise, hohe Staatsausgaben durch Naturkatastrophen infolge der Klimakrise und teilweise schlechte Regierungsf\u00fchrung. Zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft wurde diese Krise in den letzten Jahren durch die Erh\u00f6hung der europ\u00e4ischen und US-amerikanischen Leitzinsen. Dadurch stiegen die Zinsen weltweit.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr zahlten die L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens insgesamt 847 Milliarden US-Dollar Zinsen \u2013 ein Anstieg von 26 Prozent in zwei Jahren. Mit gro\u00dfen Folgen f\u00fcr die Staatshaushalte der betreffenden L\u00e4nder. So wendeten 45 L\u00e4nder 15\u202fProzent oder mehr ihrer Staatseinnahmen auf, um Schulden und die damit verbundenen Zinsen zu begleichen. In Sambia waren es sogar 40 Prozent, in Laos und Angola \u00fcber 60 Prozent. F\u00fcr Investitionen und soziale Ausgaben blieb ihnen nur noch wenig Geld. Besonders besorgniserregend ist die hohe Schuldenlast vieler L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens angesichts der menschengemachten Klimakatastrophe, die sie besonders stark trifft. Die \u00fcberschuldeten Staaten k\u00f6nnen dringend notwendige Investitionen in Klimaanpassung und -resilienz nicht t\u00e4tigen, was auf lange Sicht noch teurer wird.<\/p>\n<p>Schuldenkrise als Katalysator f\u00fcr Instabilit\u00e4t<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr den Kampf gegen Armut stellt \u00dcberschuldung ein gro\u00dfes Hemmnis dar: In vielen L\u00e4ndern f\u00fchrt dies n\u00e4mlich zu K\u00fcrzungen bei sozialen Leistungen, der Gesundheitsversorgung und den Bildungsausgaben. Gleichzeitig werden die Steuern f\u00fcr die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung erh\u00f6ht. Statt Armut zu verringern, verschlechtert sich so die Situation vor allem f\u00fcr ohnehin vulnerable Gruppen. Die Auswirkungen der Schuldenkrise werden so zu einem Katalysator f\u00fcr soziale und politische Instabilit\u00e4t, wie beispielsweise die heftigen Proteste der letzten Monate in Kenia zeigen. Dort protestierten Millionen gegen Steuererh\u00f6hungen und staatliche Sparpl\u00e4ne, die vom Internationalen W\u00e4hrungsfonds unterst\u00fctzt wurden. In gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Polizei kamen mindestens 65 Menschen ums Leben. Die Ereignisse in Kenia sollten uns als Weckruf dienen. \u00dcberschuldung f\u00fchrt nicht nur zu wirtschaftlicher, sondern auch zu sozialer und politischer Instabilit\u00e4t, die sich \u00fcber nationale Grenzen hinaus ausbreiten kann.\u00a0<\/p>\n<p>Solange es kein geordnetes Verfahren f\u00fcr die Entschuldung von Staaten gibt, geraten die \u00fcberschuldeten Staaten zunehmend in Abh\u00e4ngigkeit von China. China, das der gr\u00f6\u00dfte einzelstaatliche Kreditgeber f\u00fcr L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens ist, nutzt die Vergabe von Krediten als ein Instrument, um seine geostrategischen Ziele zu erreichen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Wir brauchen ein internationales Staateninsolvenzverfahren\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Um die Schuldenfalle zu durchbrechen, sind Schuldenerlasse unumg\u00e4nglich. Derzeit gibt es aber keinen rechtlichen Rahmen f\u00fcr den Fall, dass ein Staat zahlungsunf\u00e4hig wird. Es kommt also auf den guten Willen der Gl\u00e4ubiger an, ob es einen Schuldenerlass gibt. Die Verhandlungen sind au\u00dferdem komplex und langwierig, weil es kein existierendes Verfahren daf\u00fcr gibt. Das ist ung\u00fcnstig f\u00fcr die Gl\u00e4ubiger \u2013 vor allem aber schmerzlich f\u00fcr den Schuldnerstaat, der w\u00e4hrenddessen finanziell gel\u00e4hmt ist. W\u00e4hrend staatliche Gl\u00e4ubiger eher bereit sind, Schulden zu erlassen, weigern sich gewinnorientierte private Gl\u00e4ubiger oft, ihren Teil beizutragen. <\/p>\n<p>Das Fehlen eines rechtlichen Rahmens f\u00fchrt so zu Blockaden oder unzureichenden Schuldenerlassen, bei denen private Gl\u00e4ubiger weniger beitragen. Nicht selten m\u00fcssen Schuldnerstaaten so das durch staatliche Erlasse freigewordene Geld verwenden, um Schulden mit privaten Gl\u00e4ubigern zu begleichen, anstatt notwendige Investitionen zu t\u00e4tigen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist Sri Lanka, das 2022 zahlungsunf\u00e4hig wurde. W\u00e4hrend andere Gl\u00e4ubiger \u00fcber einen Schuldenerlass verhandelten, versuchte die Hamilton Reserve Bank, die volle R\u00fcckzahlung ihrer Forderungen \u2013 inklusive Strafzinsen \u2013 einzuklagen.<\/p>\n<p>Langfristig braucht es daher ein internationales Staateninsolvenzverfahren, das die Einigung zwischen Schuldnerstaat und den vielen Gl\u00e4ubigern \u2013 darunter staatliche Akteure, private Investoren und multilaterale Institutionen wie die Weltbank \u2013 \u00fcber den erforderlichen Schuldenerlass gerecht und wirksam regelt.<\/p>\n<p>Deutschland kann einen positiven Beitrag leisten<\/p>\n<p>Einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem Staateninsolvenzverfahren k\u00f6nnte Deutschland mit einem sogenannten \u201cSafe-Harbour-Gesetz\u201d machen. Dieses w\u00fcrde es unkooperativen Gl\u00e4ubigern erschweren, Forderungen per Klage durchzusetzen, und w\u00fcrde das Auslandsverm\u00f6gen der Schuldnerstaaten in Deutschland sch\u00fctzen. Vor allem aber h\u00e4tte es eine starke internationale Signalwirkung: Deutschland w\u00fcrde als stabiler und fairer Partner in internationalen Finanzfragen auftreten. Belgien, das Vereinigte K\u00f6nigreich und der US-Bundesstaat New York planen beispielsweise \u00e4hnliche Regeln und k\u00f6nnten von einem Vorsto\u00df Deutschlands ermutigt werden, diese tats\u00e4chlich zu verabschieden.\u00a0<\/p>\n<p>Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir intensiv an der Entwicklung eines Safe-Harbour-Gesetzes gearbeitet. Wir haben dem Finanzministerium Vorschl\u00e4ge unterbreitet, wie Deutschland einen positiven Beitrag leisten k\u00f6nnte, und auf die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfs gedrungen. Aber wie in vielen anderen Politikbereichen auch, hat das damals von der FDP gef\u00fchrte Haus keine konstruktive Rolle eingenommen, sondern unsere und weitere Vorschl\u00e4ge aus der Zivilgesellschaft abgeblockt.<\/p>\n<p>Aber um Armut zu bek\u00e4mpfen, die Klimakatastrophe zu bew\u00e4ltigen und globale Stabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten, m\u00fcssen wir dringend einen Ausweg aus der Schuldenfalle finden. Langfristig ist das nur mit einem internationalen Staateninsolvenzverfahren m\u00f6glich. Als Zwischenschritt muss Deutschland dringend ein Safe-Harbour-Gesetz verabschieden. Denn es ist politisch v\u00f6llig unverantwortlich, Ma\u00dfnahmen zur L\u00f6sung der internationalen Schuldenkrise weiter aufzuschieben.<\/p>\n<p>Deborah D\u00fcring ist seit 2021 Mitglied des Bundestags f\u00fcr die Partei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen. Sie ist die au\u00dfenpolitische Sprecherin ihrer Partei. Zudem ist sie Mitglied des Finanzausschusses.<\/p>\n<p>                            AfrikaGlobaler S\u00fcdenGr\u00fcneIWFKlimaanpassungSchuldenZinsen            Presseschau\t<\/p>\n<p>Tagesspiegel: Mysteri\u00f6se Krankheit. Im Kongo breitet sich eine mysteri\u00f6se Krankheit aus. Laut den Gesundheitsbeh\u00f6rden in der betroffenen Region Panzi in der Provinz Kwango sind bereits \u00fcber 140 Menschen, haupts\u00e4chlich Kinder, gestorben. Die Erreger und \u00dcbertragungswege sind noch unbekannt. (<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/zahl-der-erkrankungen-steigt-weiter-mysteriose-krankheit-x-im-kongo-noch-nicht-identifiziert-12839450.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cZahl der Erkrankungen steigt weiter: Mysteri\u00f6se \u2018Krankheit X\u2019 im Kongo noch nicht identifiziert\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>Jeune Afrique: Journalist wird Premierminister in Burkina Faso. Ibrahim Traor\u00e9, der Anf\u00fchrer der regierenden Junta in Burkina Faso, hat am Samstag Rimtalba Jean Emmanuel Ou\u00e9draogo zum Premierminister ernannt. Ou\u00e9draogo war zuvor Chefredakteur und sp\u00e4ter Direktor des \u00f6ffentlichen Fernsehens in Burkina Faso. (<a href=\"https:\/\/www.jeuneafrique.com\/1638755\/politique\/au-burkina-faso-la-junte-nomme-jean-emmanuel-ouedraogo-premier-ministre\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cIn Burkina Faso ernennt die Junta Jean Emmanuel Ou\u00e9draogo zum Premierminister\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>Nation: Milliardenverluste durch Beamte. Eine Evaluation von 32 Gro\u00dfprojekten in Kenia hat offengelegt, dass kenianische Beamte Sch\u00e4den in Milliardenh\u00f6he zu verantworten haben. Dazu z\u00e4hlen unter anderem auch Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten bei der Finanzierung und verschleppte Bauvorhaben. (<a href=\"https:\/\/nation.africa\/kenya\/news\/audit-reveals-plundered-loans-waste-of-billions-in-mega-projects-4849594#story\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cAudit reveals plundered loans, waste of billions in mega projects\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>The Guardian: Streit unter Gewerkschaften. Das Federal Workers Forum (FWF) \u00fcbte am Sonntag scharfe Kritik an dem Nigeria Labour Congress (NLC) und dem Trade Union Congress (TUC) und erkl\u00e4rte, die beiden wichtigsten Gewerkschaften h\u00e4tten die nigerianischen Arbeiter im Stich gelassen. (<a href=\"https:\/\/guardian.ng\/news\/youve-failed-workers-labour-group-slams-nlc-tuc\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cYou\u2019ve failed workers, labour group slams NLC, TUC\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>Washington Post: Chance f\u00fcr Behinderte. Ein Projekt in S\u00fcdafrika will Menschen mit Behinderung eine Besch\u00e4ftigung im Agrarsektor verschaffen. S\u00fcdafrika k\u00e4mpft mit einer hohen Arbeitslosenquote. (<a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/2024\/12\/08\/south-africa-deaf-farmers-unemployment-agriculture\/04e5ccee-b527-11ef-9d23-e5faa22ad216_story.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cA farming project in South Africa is helping deaf people build skills and find jobs\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>Tagesschau: Hunger durch D\u00fcrre. Der S\u00fcden Afrikas leidet unter einer schweren D\u00fcrre, mit kaum Regen in diesem Jahr. Die Landwirtschaft ist zusammengebrochen, Wasser und Lebensmittel sind knapp. In Malawi hat sich die Zahl der unterern\u00e4hrten Kinder im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, und auch die Gewalt in der Region nimmt zu. (<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/afrika\/duerre-suedliches-afrika-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cD\u00fcrre sorgt f\u00fcr Hunger und viel Gewalt\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>Reuters: Kredit f\u00fcr Marokko. Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) hat am Donnerstag einen Kreditvertrag \u00fcber 350 Millionen Euro (370 Millionen Dollar) mit Marokko unterzeichnet. Au\u00dferdem erw\u00e4gt die Bank, dem Land weitere 650 Millionen Euro zur Finanzierung der Infrastruktur f\u00fcr die Fu\u00dfballweltmeisterschaft 2030 zu leihen. (<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/africa\/african-development-bank-pledges-1-bln-morocco-2024-12-06\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cAfrican Development Bank pledges $1 billion to Morocco\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>BBC: Uranbergbau ohne Frankreich. Die nigerianischen Milit\u00e4rmachthaber sind entschlossen, Frankreich aus allen bedeutenden Sektoren der nigerianischen Wirtschaft zu verdr\u00e4ngen, insbesondere aus dem Uranbergbau. In dieser Woche gab das franz\u00f6sische Atomunternehmen Orano bekannt, dass die Junta, die operative Kontrolle \u00fcber das lokale Bergbauunternehmen Soma\u00efr \u00fcbernommen hat. (<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/czjd70mzge2o\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201cHow a uranium mine became a pawn in the row between Niger and France\u201d<\/a>)<\/p>\n<p>    Heads\tJ\u00fcrgen Zimmerer \u2013 Kolonialhistoriker und Eurozentrismus-Kritiker<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Prof.-Dr.-Juergen-Zimmerer-c-Sebastian-Engels-UHH-3-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2537601\"  \/>Prof. Dr. J\u00fcrgen Zimmerer lehrt an der Universit\u00e4t Hamburg.<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Zimmerer z\u00e4hlt zu den profiliertesten Vertretern der antikolonialen Debatte in Deutschland. Doch seine kritische Haltung hatte der in Hamburg lehrende Historiker keineswegs schon immer, wie er im Gespr\u00e4ch mit Table.Briefings berichtet. \u201cIch habe in der Schule die zweifelhafte Ehre gehabt, einen der letzten waschechten Nazis im bayerischen Schuldienst als Geschichtslehrer zu haben\u201d, erz\u00e4hlt Zimmerer. \u201cVon ihm haben wir gelernt, der deutsche Kolonialismus war eine tolle Sache. Schlimm waren die Briten und die Franzosen.\u201d<\/p>\n<p>Zimmerer fand das als junger Sch\u00fcler plausibel. \u201cDiese ganze koloniale Nostalgie war \u00fcberzeugend. Man f\u00e4llt darauf sehr leicht herein\u201d, sagt er. Erst w\u00e4hrend des Studiums habe er festgestellt, dass sein Geschichtsunterricht von Unwahrheiten gepr\u00e4gt war. Zimmerer studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik, zun\u00e4chst an der Universit\u00e4t Regensburg, dann kam er mit einem Stipendium nach Oxford. Unter dem renommierten Kolonialhistoriker Terence Ranger schrieb Zimmerer 1991 seine Abschlussarbeit \u00fcber die deutsche Kolonialherrschaft in Namibia, das ein Jahr zuvor unabh\u00e4ngig geworden war.<\/p>\n<p>Kontinuit\u00e4ten zwischen Kolonialismus und NS-Verbrechen<\/p>\n<p>\u201cDa habe ich festgestellt, alles, was ich in der Schule gelernt habe, war eine L\u00fcge\u201d, sagt Zimmerer. \u201cDas hat mich sehr ersch\u00fcttert.\u201d Seither habe ihn das Thema nicht mehr losgelassen. So befasste er sich dann auch im Rahmen seiner Promotion an der Universit\u00e4t Freiburg mit der deutschen Kolonialpolitik in Deutsch-S\u00fcdwestafrika (heutiges Namibia). Anschlie\u00dfend begann er B\u00fccher zu schreiben, etwa \u00fcber die Kontinuit\u00e4ten zwischen der deutschen Kolonialpolitik und der Ostpolitik der Nationalsozialisten. \u201cMir fiel auf, dass vieles, was ich \u00fcber den Nationalsozialismus und die Ostbesetzung im Studium lernte, mich sehr daran erinnerte, was ich aus Namibia von den Deutschen kannte\u201d, beschreibt Zimmerer die Entstehungsgeschichte seines Buches \u201cVon Windhuk nach Auschwitz?\u201d.<\/p>\n<p>\u201cWenn man sich die deutsche Geschichte anschaut, dann sieht man im Abstand von 40 Jahren zweimal einen Genozid\u201c, erkl\u00e4rt Zimmerer. \u201cEs gab zweimal den Versuch, einen rassistischen Vernichtungskrieg zu f\u00fchren, und es gab zweimal den Versuch, einen Rassenstaat zu errichten, mit allem, was dazugeh\u00f6rt, etwa Rassentrennungsgesetze. Einmal im Kaiserreich, in S\u00fcdwestafrika, einmal im NS-Regime, in Osteuropa.\u201d Diese seien im Grunde von der gleichen Elite ver\u00fcbt worden, im Abstand von nur einer Generation. \u201cDas ist ein sehr geringer Abstand. Es w\u00e4re schon sehr erstaunlich, wenn es hier keine Beziehung g\u00e4be\u201c, meint Zimmerer. Die drei tragenden S\u00e4ulen dieser Verbrechen, B\u00fcrokratie, Wissenschaft und Milit\u00e4r, seien zudem stark von Lehrer-Sch\u00fcler-Verh\u00e4ltnissen gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Renommierter Genozidforscher<\/p>\n<p>\u201cDer Ostkrieg, damit meine ich die Periode zwischen 1939 und 1945, war also im Grunde ein gigantischer Kolonialkrieg\u201c, so Zimmerer. \u201cHier wurde eigentlich ein zweiter Versuch unternommen, ein deutsches Kolonialreich zu gr\u00fcnden.\u201d Das sei auch durch Zitate von Hitler gut belegt, etwa: \u201cRussland ist unser Indien.\u201d Zimmerer betont aber, er wolle keine kausale Verbindung herstellen. \u201cEs ist eher so, als die Nazis \u201933 den Milit\u00e4rs und den Wissenschaftlern und den B\u00fcrokraten sagten, es gibt keine Bremsen mehr, da entfaltete sich wieder ein Denken, wie man es auch im Kolonialismus hat.\u201d<\/p>\n<p>Zimmerer ist auch Genozidforscher und einer der Mitgr\u00fcnder des International Network of Genocide Scholars. Von 2005 bis 2017 amtierte er als Gr\u00fcndungspr\u00e4sident des Netzwerks. \u201cWir haben den Verband ziemlich genau 100 Jahre nach dem Genozid in Namibia gegr\u00fcndet\u201d, sagt Zimmerer. Damals habe der deutsche Staat von dessen Aufarbeitung noch nichts wissen wollen. \u201cWir haben dann beschlossen, wenn Deutschland kein steinernes Denkmal baut, dann bauen wir quasi ein menschliches Denkmal, einen internationalen Verband, der den Genozid an den Herero und Nama zum Anlass nahm, um die Erforschung von Genozid international zu f\u00f6rdern. Und gleichzeitig damit das Verdr\u00e4ngen des V\u00f6lkermordes in Deutschland zu unterlaufen. Und jetzt hat der Verband weltweit Mitglieder und f\u00fchrt alle zwei Jahre internationale Tagungen durch, ob in San Francisco, Kapstadt oder Jerusalem.\u201d<\/p>\n<p>Europa darf sich nicht einmauern<\/p>\n<p>Doch der Wissenschaftler befasst sich nicht nur mit historischen Debatten. Auch mit Blick auf das aktuelle Verh\u00e4ltnis Europas zu Afrika \u00e4u\u00dfert Zimmerer immer wieder scharfe Kritik. \u201cEuropa ist dabei, sich mental und physisch einzumauern\u201c, sagt er. \u201cDas wird verheerend sein, weil Europa historisch gesprochen ja nur Europa werden konnte, indem es in den Austausch mit der Welt trat. Das war oft gewaltsam, aber zugleich auch kultureller und intellektueller Natur.\u201d Europa sei ein Kontinent, der sich nicht einmauern d\u00fcrfe, ohne sein Wesen zu verraten.<\/p>\n<p>Angesichts der historischen Zeitenwende und der wachsenden Rolle Afrikas kann Zimmerer nicht verstehen, warum Programme des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, das Budget der Goethe-Institute oder Humboldt Fellowships gek\u00fcrzt werden: \u201cDeutschland k\u00fcrzt die Programme, mit denen man in Austausch mit anderen L\u00e4ndern geht. Das ist v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich.\u201d Auch seine eigene Forschungsstelle an der Universit\u00e4t Hamburg soll nicht fortgef\u00fchrt werden. Er verstehe nicht, was die Stadt Hamburg dazu bewogen habe, eine international anerkannte Forschungseinrichtung \u201cgegen alle Zusagen zu zerschlagen\u201d, schrieb er k\u00fcrzlich auf X.<\/p>\n<p>Verweis auf Menschenrechte in Afrika kaum glaubw\u00fcrdig<\/p>\n<p>\u201cIch glaube, dass Europa, und Deutschland ganz besonders, noch nicht gemerkt hat, dass das koloniale Zeitalter vor\u00fcber ist\u201c, so Zimmerer zu Table.Briefings. \u201cWir sind jetzt im \u00dcbergang zur postkolonialen Globalisierung.\u201d Diese zeichne sich durch eine radikale Dezentrierung Europas aus, sowohl milit\u00e4risch und \u00f6konomisch als auch intellektuell. Afrika hingegen sei ein Kontinent der Zukunft. \u201cDas hei\u00dft, wir sind in Europa eigentlich das kleinere Anh\u00e4ngsel eines gigantischen Kontinents mit unglaublichem Potenzial\u201c, meint Zimmerer. \u201cWir m\u00fcssten alles tun, um mit Afrika in eine gleichberechtigte Kooperation zu kommen. Das tun wir nicht. Wir sind arrogant.\u201d<\/p>\n<p>Er verweist etwa auf das europ\u00e4ische Unverst\u00e4ndnis \u00fcber die Haltung afrikanischer Staaten zu Gaza und der Ukraine. \u201cDie sind nicht per se auf der Seite des Westens. Wieso sind sie nicht auf der Seite des Westens? Wir sind doch die Guten, wir verteidigen doch die Menschenrechte.\u201d Aus afrikanischer Perspektive sei das jedoch heuchlerisch. \u201cDie Afrikaner haben die letzten 300 Jahre immer die Europ\u00e4er erlebt, die sagen: Wir verteidigen die Menschenrechte. Und eigentlich waren sie immer der Gelackmeierte dabei. Die Glaubw\u00fcrdigkeit Europas in puncto Menschenrechte ist in weiten Teilen Afrikas also ziemlich gering.\u201d<\/p>\n<p>Afrika, der prodemokratische Kontinent<\/p>\n<p>Deutschland verspiele derzeit die letzten Reste seiner Glaubw\u00fcrdigkeit, findet er. Unabh\u00e4ngig von den deutschen Absichten, der Ukraine zu helfen, oder aber der historischen Verpflichtung aus dem Holocaust nachzukommen, sei die Art und Weise, wie dies geschehe \u2013 die Au\u00dfenwirkung \u2013 verheerend. Man m\u00fcsse auch die Position der Anderen ernst nehmen. \u201cWir m\u00fcssten das, was wir f\u00fcr uns beanspruchen, auch den Anderen zugestehen, etwa aus geschichtlichen Erfahrungen heraus zu agieren, und wir k\u00e4men ins Gespr\u00e4ch\u201d, so Zimmerer.<\/p>\n<p>\u201cJa, in Afrika gibt es autorit\u00e4re Elemente\u201d, r\u00e4umt er ein. Das sei aber nicht \u201ctypisch afrikanisch\u201d, sondern ein globales Ph\u00e4nomen, sagt er mit Verweis auf Donald Trump und Viktor Orb\u00e1n. \u201cZugleich gibt es in Afrika starke prodemokratische Bewegungen, w\u00e4hrend in Deutschland offenbar Teile der Gesellschaft die Demokratie abschaffen wollen.\u201d Arne Sch\u00fctte<\/p>\n<p>                            AfrikaDemokratieDonald TrumpForschungGenozidGeschichteKolonialismusMenschenrechteNamibiaStudiumWissenschaft            Nachtisch\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/imago61556368-1024x768.jpg\" alt=\"Bl\u00fcte des Baobab-Baums.\" class=\"wp-image-2750966\"  \/>Bl\u00fcte des Baobab-Baums.<\/p>\n<p>S\u00fc\u00dflich-blumig, rot-gold-klar und geschmeidig: Honig vom Baobab-Baum ist in jedem Fall eine sehr leckere Sache. Zu finden ist er zum Beispiel in Mali, etwa in der Region von S\u00e9gou, dem Herzen des fr\u00fcheren Bambara-Reiches. Vor Ort verkauft wird das Produkt oft in Plastikflaschen mit selbst gedruckten Etiketten. Im Online-Handel ist malischer Baobab-Honig zurzeit schwer zu bekommen \u2013 aber es gibt Alternativen von anderswo, etwa aus dem Senegal.<\/p>\n<p>Der majest\u00e4tische Baobab gilt als Lebensbaum. Produkte vom Baobab werden inzwischen oft als Superfood bezeichnet. Den Menschen vor Ort ist die gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung schon lange bekannt. Der Honig enth\u00e4lt demnach viel Vitamin C, Kalzium und Ballaststoffe. Damit soll der Baobab-Honig gut sein gegen grippale Infekte, Magen-Darm-Verstimmungen oder Gliederschmerzen. lcw<\/p>\n<p>    Africa.Table Redaktion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Liebe Leserin, lieber Leser, in Syrien ist das Regime von Langzeitmachthaber Baschar al-Assad gest\u00fcrzt. 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