{"id":14396,"date":"2026-05-06T15:46:58","date_gmt":"2026-05-06T15:46:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14396\/"},"modified":"2026-05-06T15:46:58","modified_gmt":"2026-05-06T15:46:58","slug":"trumps-tauschgeschaeft-im-kongo-jungle-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14396\/","title":{"rendered":"Trumps Tauschgesch\u00e4ft im Kongo | jungle.world"},"content":{"rendered":"<p>In den vergangenen drei Jahrzehnten haben die Provinzen im Osten der Demokratischen Republik Kongo zahlreiche international vermittelte Friedensinitiativen erlebt. Dabei wurden auch Vertr\u00e4ge unterzeichnet, von denen die meisten jedoch nur wenige konkrete Folgen hatten. Manche strukturierten die bewaffneten Konflikte ein wenig um. Mitunter erhielten Anf\u00fchrer bewaffneter Gruppen prestigetr\u00e4chtige und lukrative politische Positionen, andere verschwanden zeitweise ins Exil oder ins Gef\u00e4ngnis. Mediationsprojekte und Entwaffnungsprogramme, internationale Stabilisierungstruppen, der Wiederaufbau staatlicher Strukturen sowie humanit\u00e4re Hilfe verschafften der Bev\u00f6lkerung zumindest Verschnaufpausen.<\/p>\n<p>Letztlich f\u00fchrten jedoch sowohl die Regierungsarmee FARDC als auch von Nachbarstaaten unterst\u00fctzte Rebellengruppen und lokale Milizen ihre Auseinandersetzungen immer wieder mit Waffengewalt fort. Obwohl keine Konfliktpartei je eine realistische Chance hatte, sich milit\u00e4risch dauerhaft durchzusetzen, erschienen taktische Gel\u00e4ndegewinne wohl attraktiver als die vagen und kaum abgesicherten Zusagen der Friedensabkommen. Immer wieder erwiesen sich die lokalen Auseinandersetzungen als st\u00e4rker als die internationalen diplomatischen Bem\u00fchungen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund wird sich auch der von der US-Regierung stolz pr\u00e4sentierte \u00bbWashington Accord\u00ab\u00a0\u2013 ein am 27.\u2009Juni in Washington, D.C., von den Au\u00dfenministern Kongos und Ruandas, Th\u00e9r\u00e8se Kayikwamba Wagner und Olivier Nduhungirehe, sowie US-Pr\u00e4sident Donald Trump unterzeichnetes Abkommen, das den Weg zu einem Friedensvertrag ebnen sollte\u00a0\u2013 vermutlich als ein diplomatisches Strohfeuer erweisen, das am Konfliktgeschehen wenig \u00e4ndert. Wie die Taz berichtete, hat sich die von Ruanda gest\u00fctzte Rebellengruppe Bewegung 23.\u2009M\u00e4rz (M23) tats\u00e4chlich schon kurz darauf f\u00fcr eine neue Runde der K\u00e4mpfe mit der kongolesischen Armee und lokalen sogenannten Wazalendo-Milizen bereit gemacht.<\/p>\n<p>Bislang wollen nur wenige westliche Bergbaufirmen gro\u00dfe Summen im Kongo investieren. Ob das derzeitige Engagement der Regierung Trump daran etwas \u00e4ndern wird, ist kaum absehbar.<\/p>\n<p>Viele Beobachter vermuten ohnehin, dass es bei der US-Initiative nicht um einen dauerhaften Frieden geht, sondern um den Zugriff auf Bodensch\u00e4tze in der Region. Aus kongolesischer Sicht stellt sich das Abkommen demnach als eine Schutzgeldzahlung dar, die mit ungedeckten Schecks beglichen werden kann. <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2025\/08\/trump-ukraine-dealen-mit-putin\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nach ukrainischem Vorbild<\/a> bot Kongos Pr\u00e4sident F\u00e9lix Tshisekedi im Fr\u00fchjahr der US-Regierung an, amerikanischen Firmen Zugang zu Bodensch\u00e4tzen wie Kobalt, Lithium, Kupfer und Tantal zu gew\u00e4hren. Im Gegenzug hofft Tshisekedi auf diplomatischen Druck auf Ruanda, Unterst\u00fctzung gegen die M23 sowie milit\u00e4rische Hilfe. Bei der US-Regierung kam diese Offerte gut an.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Katar\u00a0\u2013 der \u00d6lstaat am Persischen Golf arbeitet seit Jahren an einer Einflusssph\u00e4re im \u00f6stlichen Afrika\u00a0\u2013 hatten US-Au\u00dfenminister Marco Rubio und Trumps Sonderberater f\u00fcr Afrika, Massad Boulos, bereits im M\u00e4rz Gespr\u00e4che zwischen Tshisekedi und dem ruandischen Pr\u00e4sidenten Paul Kagame vermittelt. Neben den milit\u00e4risch-politischen Elementen, die aus fr\u00fcheren Friedensvertr\u00e4gen zwischen den beiden L\u00e4ndern kopiert scheinen, sieht das Abkommen vom Juni eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ruanda und dem Kongo vor, basierend auf US-amerikanischem Investorengeld.<\/p>\n<p>Zu den im Hintergrund verhandelten Deals geh\u00f6rt offenbar die Beteiligung der US-Firma Anzana Electric am seit langem geplanten Wasserkraftwerk Ruzizi III am gleichnamigen Grenzfluss zwischen dem Kongo und Ruanda sowie Burundi. Es gilt eigentlich als klassisches Projekt multilateraler Entwicklungszusammenarbeit, an dem neben der Schweizer Stiftung Aga Khan Fund for Economic Development sowie dem franz\u00f6sischen Energiekonzern Total Energies auch europ\u00e4ische und internationale Organisationen und Banken beteiligt sind. Sollte das Kraftwerk tats\u00e4chlich jemals gebaut werden, k\u00f6nnte es dringend ben\u00f6tigten Strom in die drei am Fluss gelegenen L\u00e4nder liefern.<\/p>\n<p>Coltanminen \u00fcbernehmen?<\/p>\n<p>Ebenfalls angeboten hat der <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2025\/06\/ruanda-tutsi-miliz-m23-goma-ostkongo-die-grenzen-des-kongo\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kongo offenbar, dass US-Firmen die Coltanminen beim Bergarbeiterst\u00e4dtchen Rubaya in der Provinz Nord-Kivu \u00fcbernehmen<\/a> k\u00f6nnen. Das Material aus dem Kongo soll demnach in Ruanda raffiniert und von dort reexportiert werden\u00a0\u2013 was de facto bereits heute geschieht.<\/p>\n<p>Tshisekedi hat also Einnahmem\u00f6glichkeiten versprochen, \u00fcber die er bislang gar keine Kontrolle hat: Sowohl gro\u00dfe Teile des Flusses Ruzizi als auch Rubaya stehen unter Kontrolle der M23. Ob die Rebellen sich an das Abkommen halten und sich aus den Gebieten zur\u00fcckziehen, ist fraglich. Zwar verf\u00fcgt Ruanda \u00fcber erheblichen Einfluss auf die Gruppe, verweist bei Bedarf jedoch darauf, dass es sich um eine eigenst\u00e4ndige kongolesische Kraft handle. Eigene Friedensgespr\u00e4che zwischen der kongolesischen Regierung und der M23\u00a0\u2013 vermittelt von Katar mit US-Unterst\u00fctzung\u00a0\u2013 blieben bislang ergebnislos, obwohl am 18.\u2009August eine selbstgesetzte Frist ablief.<\/p>\n<p>Daneben wird dar\u00fcber spekuliert, ob die kongolesische Regierung das Interesse der Regierung Trump an weiteren Rohstoff-Deals geweckt hat. Die betreffenden Vorkommen liegen zwar au\u00dferhalb des M23-Gebiets und teils sogar fernab von den Kriegszonen, doch die Abbaulizenzen hat der Kongo l\u00e4ngst an andere ausl\u00e4ndische Firmen verkauft. Zwar ist die Regierung in Kinshasa ge\u00fcbt darin, solche Vertr\u00e4ge bei Bedarf f\u00fcr ung\u00fcltig zu erkl\u00e4ren und neu auszuhandeln, doch genau dieses unzuverl\u00e4ssige Gesch\u00e4ftsgebaren macht das Land, zus\u00e4tzlich zu den Gesetzen der EU und der USA zu Lieferketten und Korruptionsbek\u00e4mpfung, f\u00fcr viele gro\u00dfe westliche Bergbauunternehmen bislang wenig attraktiv.<\/p>\n<p>Gro\u00dfteil in chinesischer Hand<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist ein Gro\u00dfteil des Abbaus und Exports kongolesischer Bodensch\u00e4tze in chinesischer Hand. Damit US-Firmen wieder mehr Bodensch\u00e4tze im Kongo und in anderen L\u00e4ndern f\u00f6rdern, hatten die USA bereits unter Pr\u00e4sident Joe Biden gemeinsam mit der EU Millionen US-Dollar in die Sanierung der Benguelabahn investiert, die den kongolesisch-sambischen Kupferg\u00fcrtel mit der Atlantikk\u00fcste in Angola verbindet. Doch bislang wollen nur wenige westliche Bergbaufirmen gro\u00dfe Summen im Kongo investieren. Ob das derzeitige Engagement der Regierung Trump daran etwas \u00e4ndern wird, ist kaum absehbar.<\/p>\n<p>F\u00fcr die schwache Regierung des Kongo ist das US-Engagement zun\u00e4chst ein Erfolg. Tshisekedi versucht seit Jahren, andere Staaten in die L\u00f6sung der inl\u00e4ndischen Konflikte einzubinden. Bislang konzentrierte er sich dabei auf afrikanische B\u00fcndnisse, doch inzwischen hat er es sich sowohl mit den Mitgliedstaaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) als auch der Entwicklungsgemeinschaft des s\u00fcdlichen Afrikas (SADC) verscherzt. Beide Regionalorganisationen hatten zeitweilig Truppen in die Konfliktregion entsandt und versuchten sich an Vermittlungen, blieben aber erfolglos. Dass nun nicht mehr in Luanda oder Nairobi, sondern in Doha und Washington \u00fcber den Kongo verhandelt wird, setzt die bisherigen Unterst\u00fctzer noch weiter zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Von den USA kann Tshisekedi sich zwar etwas Waffenhilfe und Ausbilder f\u00fcr die eigene schlecht aufgestellte Armee erhoffen, doch anders als die bisherigen Partner vom eigenen Kontinent werden ihm die USA und Katar keine Interventionstruppen zu Hilfe schicken. Auch von Paramilit\u00e4rs ist bislang nicht die Rede; Anfang des Jahres war eine rum\u00e4nische S\u00f6ldnertruppe vor der M23 geflohen.<\/p>\n<p>\u00dcber 300 Zivilisten get\u00f6tet<\/p>\n<p>Ruandas Pr\u00e4sident Paul Kagame geht aus der Episode einmal mehr als Sieger hervor. Anfang des Jahres hatte Trumps neue US-Regierung Ruandas Unterst\u00fctzung f\u00fcr die M23 noch ungew\u00f6hnlich deutlich kritisiert und auch die v\u00f6lkerrechtswidrige Pr\u00e4senz ruandischer Truppen im Kongo kritisiert. Die M23 hatte damals einen Blitzvorsto\u00df unternommen, bei dem Tausende Menschen ums Leben kamen. Mit dem Washington Accord konnte Kagame sich gegen\u00fcber den USA rehabilitieren, ohne daf\u00fcr nennenswerte Zugest\u00e4ndnisse machen zu m\u00fcssen. Die Bodensch\u00e4tze aus dem bislang von der M23 kontrollierten Gebiet werden \u00fcber ruandische Raffinerien gehandelt werden, ob legal exportiert oder geschmuggelt. Kagames Ziel, in den Grenzgebieten des Nachbarlands eine milit\u00e4risch stabile und eintr\u00e4gliche Einflusszone zu errichten, bleibt unangetastet. Letztlich hat die Regierung Trump in dem Abkommen die Verletzung kongolesischer Souver\u00e4nit\u00e4t durch Ruanda hingenommen.<\/p>\n<p>Wie ernst es die Beteiligten mit einem Friedensabkommen meinen, d\u00fcrfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Kongos Au\u00dfenministerin Kayikwamba Wagner bat Trump bei der Unterzeichnung eindringlich, \u00bbengagiert\u00ab und \u00bban Bord zu bleiben\u00ab. Ihr ruandischer Amtskollege Nduhungirehe zeigte sich skeptischer: \u00bbIn der Vergangenheit haben wir so viele Vereinbarungen unterzeichnet, die nicht verwirklicht wurden.\u00ab<\/p>\n<p>Volker T\u00fcrk, dem UN-Hochkommissar f\u00fcr Menschenrechte, zufolge hat die M23 im Juli \u00fcber 300 Zivilisten get\u00f6tet, die Gewalt in der Provinz Nord-Kivu habe \u00bbeine der h\u00f6chsten dokumentierten Opferzahlen bei solchen Angriffen\u00ab seit dem Jahr 2022 verursacht. Eigentlich h\u00e4tten Kagame und Tshisekedi l\u00e4ngst in Washington zu einem Folgetreffen erscheinen sollen. Nun scheinen die USA auf Fortschritte bis sp\u00e4testens zur 80.\u2009UN-Generalversammlung zu dr\u00e4ngen, die am 9.September in New York City beginnt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den vergangenen drei Jahrzehnten haben die Provinzen im Osten der Demokratischen Republik Kongo zahlreiche international vermittelte Friedensinitiativen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14397,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[4388,493,192,194,190,188,193,191,462,461,189,403,287],"class_list":{"0":"post-14396","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-demokratische-republik-kongo","8":"tag-bodenschaetze","9":"tag-china","10":"tag-dem-rep-kongo","11":"tag-democratic-republic-of-the-congo","12":"tag-demokratische-republik","13":"tag-demokratische-republik-kongo","14":"tag-dr-congo","15":"tag-dr-kongo","16":"tag-drc","17":"tag-drk","18":"tag-kongo","19":"tag-ruanda","20":"tag-usa"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116528417718423386","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14396","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14396"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14396\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14397"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}