{"id":14483,"date":"2026-05-06T20:28:11","date_gmt":"2026-05-06T20:28:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14483\/"},"modified":"2026-05-06T20:28:11","modified_gmt":"2026-05-06T20:28:11","slug":"sudan-seit-1956-ausgrenzung-und-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14483\/","title":{"rendered":"Sudan seit 1956: Ausgrenzung und Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Sudans \u201eStaat von 1956\u201c \u2013 ein Herrschaftssystem, das auf Marginalisierung und Ethnisierung beruht.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Es gibt Kriege, die beginnen mit einem Schuss. Und es gibt Kriege, die beginnen mit einer Ordnung. Der Sudan geh\u00f6rt zur zweiten Kategorie. Der 15. April 2023 \u2013 jener Tag, an dem sich Armee (SAF) und Rapid Support Forces (RSF) in Khartum bek\u00e4mpften \u2013 war kein Anfang, sondern ein Symptom. Wer hier einen pl\u00f6tzlichen Machtkampf zweier Gener\u00e4le sieht, verwechselt Eskalation mit Ursache.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Denn der Sudan ist kein Staat, der im Krieg zerf\u00e4llt. Er ist ein Staat, der im Krieg entstanden ist \u2013 und sich seitdem darin reproduziert.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Ein Staat, der seine Peripherie produziert<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die g\u00e4ngige Erkl\u00e4rung ist schnell erz\u00e4hlt: Zwei Milit\u00e4rf\u00fchrer, einst Verb\u00fcndete, geraten \u00fcber die Integration der RSF in die Armee aneinander. So beschreibt es auch die Emergency Alliance <a href=\"https:\/\/emergencyalliance.org.nz\/emergency-alliance\/posts\/conflict-in-sudan-whats-behind-the-latest-fighting\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">n\u00fcchtern als \u201eMachtkampf\u201c um Struktur und Kontrolle der Sicherheitsapparate<\/a>. Das ist korrekt \u2013 aber analytisch unzureichend.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Denn dieser Konflikt ist kein Unfall innerhalb eines funktionierenden Systems. Er ist die logische Fortsetzung eines Systems, das nie funktioniert hat \u2013 zumindest nicht f\u00fcr alle.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Seit der Unabh\u00e4ngigkeit 1956 wurde Macht entlang einer geografischen und sozialen Achse organisiert: Zentrum gegen Peripherie. Khartum wurde zum politischen, \u00f6konomischen und symbolischen Mittelpunkt; Darfur, die Nuba-Berge oder der Blaue Nil zu R\u00e4umen der Verwaltung, nicht der Teilhabe.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Mahitab Mahgoub beschreibt dieses Muster lakonisch: Ressourcen flie\u00dfen \u201eins Zentrum\u201c, w\u00e4hrend die \u201e<a href=\"https:\/\/qantara.de\/en\/article\/rebuilding-khartoum-same-old-tale-power-and-exclusion\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">marginalisierte, vom Krieg zerr\u00fcttete Peripherie vernachl\u00e4ssigt wird<\/a>\u201c. Das klingt wie eine Fehlentwicklung. Tats\u00e4chlich ist es das Design.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der sogenannte \u201eStaat von 1956\u201c ist weniger ein historisches Datum als ein politisches Arrangement: eine Ordnung, die Ungleichheit nicht nur hervorbringt, sondern stabilisiert. Wer dazugeh\u00f6rt, entscheidet nicht die Staatsb\u00fcrgerschaft, sondern N\u00e4he zur Macht \u2013 ethnisch, geografisch, \u00f6konomisch.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Instabilit\u00e4t als Struktur<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Dass ein solcher Staat instabil ist, w\u00e4re noch kein Skandal. Skandal\u00f6s ist, dass seine Instabilit\u00e4t selbst zur Struktur geworden ist.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Mit bisher <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Coups_d%27%C3%A9tat_in_Sudan\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">20 Milit\u00e4rputschen seit der Unabh\u00e4ngigkeit<\/a> sind keine Abweichung, sondern Ausdruck eines Systems, das Gewalt nicht als Ausnahme kennt, sondern als Methode. B\u00fcrgerkriege \u2013 <a href=\"https:\/\/emergencyalliance.org.nz\/emergency-alliance\/posts\/conflict-in-sudan-whats-behind-the-latest-fighting\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">von 1955 bis 1972, von 1983 bis 2005, in Darfur in Verbindung mit einem Genozid 2003\u20132008<\/a> \u2013 sind nicht Randereignisse, sondern integraler Bestandteil staatlicher Praxis.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der Krieg erscheint so als versp\u00e4tete Korrektur, als \u201eRache der Marginalisierten\u201c.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der Politologe w\u00fcrde hier von einem \u201eSicherheitsstaat\u201c sprechen. Der Sudan zeigt, was das konkret bedeutet: Ein Staat, der seine Peripherie nicht integriert, sondern kontrolliert. Und wenn Kontrolle nicht reicht, dann zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Tsega\u2019ab Amare spricht in diesem Zusammenhang von \u201e<a href=\"https:\/\/hornreview.org\/2025\/11\/20\/terminal-fragility-why-a-unified-sudanese-state-is-beyond-salvage\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">institutionellem Kannibalismus<\/a>\u201c \u2013 einem System, in dem sich der Staat aus seinen eigenen Gewaltapparaten heraus zerlegt. Die <a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/topic\/Rapid-Support-Forces\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">RSF ist das deutlichste Beispiel: hervorgegangen aus den Janjaweed-Milizen<\/a>, formalisiert unter Bashir, eingesetzt zur Niederschlagung von Aufst\u00e4nden \u2013 und nun im Krieg gegen die Armee, die sie einst beauftragte.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der Staat hat sich bewaffnet. Und wundert sich jetzt \u00fcber die Sch\u00fcsse.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Interessant ist jedoch nicht nur die Struktur dieses Staates, sondern seine gegenw\u00e4rtige Deutung. Denn der \u201eStaat von 1956\u201c ist l\u00e4ngst mehr als eine analytische Kategorie \u2013 er ist ein politisches Instrument geworden.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die RSF nutzt ihn als Feindbild. Ihr Narrativ ist einfach und wirkungsvoll: Dieser <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/czx70y0l75wo\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Staat sei ein Projekt der Nil-Eliten, das die Peripherie systematisch unterdr\u00fcckt habe<\/a>. Der Krieg erscheint so als versp\u00e4tete Korrektur, als \u201eRache der Marginalisierten\u201c.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Ganze Regionen werden marginalisiert<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Dass diese Diagnose nicht v\u00f6llig aus der Luft gegriffen ist, macht sie politisch so brauchbar. Die Marginalisierung ganzer Regionen ist dokumentiert, die Konzentration von Macht ebenso. Selbst BBC-Analysen verweisen darauf, dass sich die RSF gezielt als Vertreter \u201e<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/czx70y0l75wo\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">benachteiligter Gebiete jenseits der Hauptstadt<\/a>\u201c inszeniert.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Nur: Diese Erz\u00e4hlung hat einen Haken. Ihre Protagonisten sind selbst Produkte dieses Systems. Hemedti, einst Kommandeur der Janjaweed, verdankt seine Macht genau jener Ordnung, die er nun rhetorisch bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Revolution\u00e4r ist hier vor allem die Verpackung.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die Armee wiederum verteidigt denselben Staat \u2013 allerdings unter umgekehrtem Vorzeichen. F\u00fcr sie steht nicht ein ungerechtes System zur Debatte, sondern die Existenz des Staates selbst. Sie spricht von Souver\u00e4nit\u00e4t, meint aber Kontrolle; sie spricht von Einheit, meint Hierarchie.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Wenn Premierminister Idris erkl\u00e4rt, Khartum verk\u00f6rpere \u201e<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/czx70y0l75wo\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die W\u00fcrde dieses Staates<\/a>\u201c, dann ist das mehr als Symbolpolitik. Es ist die Fortsetzung jener Logik, die den Staat \u00fcberhaupt erst hervorgebracht hat: W\u00fcrde ist zentralisiert.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der Rest ist verhandelbar.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Alltag im Ausnahmezustand<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Wie sich diese abstrakte Ordnung im Alltag anf\u00fchlt, zeigt die Reportage von Shamsaddin Dawalbait. Seine Reise durch den Sudan ist weniger eine Bewegung durch Raum als durch ein System von Gewalt.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">\u201e<a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/khartoum-at-war-a-personal-story-by-shamsaddin-dawalbait-part-1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jeder Kontrollpunkt war ein Beispiel f\u00fcr Chaos und Gesetzlosigkeit<\/a>\u201c, schreibt er . Soldaten, Milizen, Beamte \u2013 alle verlangen Geld, kontrollieren Identit\u00e4ten, entscheiden willk\u00fcrlich \u00fcber Weiterfahrt oder Stillstand.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der Staat erscheint hier nicht als Institution, sondern als Serie von Begegnungen \u2013 jede potenziell gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Im Sudan m\u00fcssen nicht nur Waffen zum Schweigen gebracht werden sondern es brauche eine neue politische Grundlage \u2013 getragen von allen Teilen der Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Gewalt, sondern ihre Routine. Die Kontrolle wird nicht als Ausnahme erlebt, sondern als Normalit\u00e4t. Der Krieg ist nicht das Ende staatlicher Ordnung. Er ist ihre Form.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Selbst Unterschiede zwischen den Konfliktparteien wirken dabei fast nebens\u00e4chlich. Dawalbait beschreibt, dass die <a href=\"https:\/\/www.dabangasudan.org\/en\/all-news\/article\/khartoum-at-war-a-personal-story-by-shamsaddin-dawalbait-part-1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Behandlung an RSF-Kontrollpunkten teils \u201ebesser\u201c sei als an denen der Armee<\/a>. Das mag irritieren \u2013 verweist aber auf etwas Grunds\u00e4tzliches: Beide Seiten operieren innerhalb derselben Logik.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Unterschiedlich sind die Narrative. \u00c4hnlich ist die Praxis.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Krieg Fortsetzung der \u201eOrdnung\u201c unter anderen Vorzeichen\u00a0<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Warum dieser Krieg so schwer zu beenden ist, erkl\u00e4rt sich genau daraus. Er ist kein Bruch mit der bestehenden Ordnung, sondern ihre Fortsetzung unter anderen Vorzeichen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Barbara Plett Usher bringt es auf den Punkt: \u201e<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/czx70y0l75wo\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Beide Seiten haben Gr\u00fcnde, weiterzuk\u00e4mpfen<\/a>\u201c. F\u00fcr die RSF geht es um Macht und Ressourcen, insbesondere Gold. F\u00fcr die Armee um Kontrolle und politische Existenz. F\u00fcr externe Akteure um Einfluss.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Und f\u00fcr viele K\u00e4mpfer? Um Zugang zu etwas, das ihnen lange verwehrt blieb.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der Krieg ist damit nicht nur destruktiv, sondern funktional. Er verteilt Ressourcen neu, schafft Aufstiegschancen, reorganisiert Macht. Ein Waffenstillstand w\u00fcrde nicht nur Gewalt beenden, sondern auch diese Dynamiken infrage stellen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Das erkl\u00e4rt, warum selbst Friedenspl\u00e4ne ins Leere laufen. Sie zielen auf Institutionen \u2013 w\u00e4hrend der Konflikt von Anreizen lebt.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Zwischen diesen beiden Gewaltprojekten existiert eine dritte Position \u2013 und sie wirkt fast anachronistisch.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Es braucht eine neue politische Grundlage<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Huwaida Schabbat spricht von einem \u201e<a href=\"https:\/\/sudanhorizon.com\/sudan-after-the-war-towards-a-new-national-compact\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gesellschaftsvertrag<\/a>\u201c, von Inklusion, Gerechtigkeit, Teilhabe. Sie argumentiert, dass Sudan nicht nur Waffen zum Schweigen bringen m\u00fcsse, sondern eine neue politische Grundlage brauche \u2013 getragen von allen Teilen der Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Das klingt plausibel. Fast zu plausibel.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Denn im Logikraum des Krieges hat diese Position ein strukturelles Problem: Sie setzt auf Verhandlung, wo andere auf Gewalt setzen. Sie setzt auf Legitimit\u00e4t, wo andere auf Kontrolle setzen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der \u201eGesellschaftsvertrag\u201c ist hier weniger Alternative als Gegenentwurf \u2013 einer, der politisch kaum durchsetzbar ist, solange diejenigen dominieren, die vom Gegenteil profitieren.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Was diesen Konflikt besonders macht, ist daher nicht seine Brutalit\u00e4t. Brutal sind viele Kriege. Besonders ist die Verschiebung seiner Logik.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Aus einem Machtkampf ist ein Deutungskampf geworden.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die RSF k\u00e4mpft nicht nur milit\u00e4risch, sondern narrativ \u2013 gegen den \u201eStaat von 1956\u201c.<br \/>Die Armee k\u00e4mpft nicht nur territorial, sondern symbolisch \u2013 f\u00fcr eben diesen Staat.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Beide Seiten mobilisieren entlang existenzieller Erz\u00e4hlungen: Angst auf der einen, Gerechtigkeit auf der anderen. Beide \u00fcbersetzen strukturelle Ungleichheit in politische Legitimation.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Zunehmende Ethnisierung<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Das Ergebnis ist ein Konflikt, der sich zunehmend ethnisiert. BBC-Berichte zeigen, wie historische Spannungen \u2013 etwa zwischen nomadischen Gruppen im Westen und Nil-Eliten im Zentrum \u2013 gezielt politisiert werden (Plett Usher, 2026).<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Was fr\u00fcher strukturelle Ungleichheit war, wird nun identit\u00e4r aufgeladen. Und damit schwerer verhandelbar.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Vielleicht liegt die gr\u00f6\u00dfte Fehlwahrnehmung darin, diesen Krieg als Scheitern zu begreifen. Er ist eher eine Konsequenz.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Ein Staat, der \u00fcber Jahrzehnte hinweg Ungleichheit organisiert, Gewalt institutionalisiert und Teilhabe verhindert, produziert genau die Dynamiken, die ihn irgendwann zerrei\u00dfen. Nicht trotz seiner Struktur, sondern wegen ihr.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Amare geht so weit, von einer \u201e<a href=\"https:\/\/hornreview.org\/2025\/11\/20\/terminal-fragility-why-a-unified-sudanese-state-is-beyond-salvage\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">historischen Unm\u00f6glichkeit<\/a>\u201c der Wiederherstellung dieses Staates zu sprechen. Das mag zugespitzt sein. Aber es verweist auf ein reales Problem: Ein Staat, der seine Legitimit\u00e4t nie breit verankert hat, kann sie schwer zur\u00fcckgewinnen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Und doch bleibt die Alternative unklar. Zerfall bedeutet nicht automatisch Gerechtigkeit. Fragmentierung schafft keine Institutionen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Der Sudan zeigt in zugespitzter Form, was passiert, wenn Staaten Identit\u00e4t verordnen, statt sie zu verhandeln. Wenn Macht konzentriert wird, statt verteilt. Wenn Gewalt nicht Mittel der Politik ist, sondern ihre Sprache.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Dann entsteht ein Staat wie der von 1956: stabil genug, um zu bestehen, instabil genug, um st\u00e4ndig zu brennen.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Die unbequeme Frage lautet daher nicht nur, wie dieser Krieg endet. Sondern was danach \u00fcberhaupt entstehen kann.<\/p>\n<p style=\"line-height:150%;margin-bottom:0.28cm;\">Ein neuer Staat?<br \/>Oder nur eine neue Version desselben Problems?<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sudans \u201eStaat von 1956\u201c \u2013 ein Herrschaftssystem, das auf Marginalisierung und Ethnisierung beruht. 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