{"id":14498,"date":"2026-05-06T21:13:36","date_gmt":"2026-05-06T21:13:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14498\/"},"modified":"2026-05-06T21:13:36","modified_gmt":"2026-05-06T21:13:36","slug":"sudan-taeter-mit-der-waffe-in-der-hand-tageszeitung-junge-welt-17-04-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14498\/","title":{"rendered":"Sudan: T\u00e4ter mit der Waffe in der Hand, Tageszeitung junge Welt, 17.04.2026"},"content":{"rendered":"<p>Diese Vorsichtsma\u00dfnahme sudanesischer Frauen illustriert einen notwendigen Pragmatismus, der schwer ertr\u00e4glich ist: Um nach einer Vergewaltigung zumindest nicht schwanger zu werden, bitten sie die Helfer von \u00bb\u00c4rzte ohne Grenzen\u00ab (franz. abgek\u00fcrzt MSF) um empf\u00e4ngnisverh\u00fctende Mittel, bevor sie einen Fu\u00dfmarsch antreten \u2013 etwa um Habseligkeiten von dort zu holen, woher sie durch den nunmehr drei Jahre lang andauernden Krieg vertrieben wurden. Wissend darum, \u00bbdass sexualisierte Gewalt auf den von RSF und ihnen nahestehenden Gruppen kontrollierten Stra\u00dfen unvermeidbar sei\u00ab, wie der Ende M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichte MSF-Bericht \u00bb\u203aEs gibt etwas, das ich dir sagen m\u00f6chte \u2026\u2039: Die Krise der sexualisierten Gewalt in Darfur \u00fcberleben\u00ab festh\u00e4lt \u2013 24 Seiten, die Betroffenen eine Stimme geben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Fokus in diesem Bericht auf den Verbrechen der von den Paramilit\u00e4rs der RSF und mit ihnen verb\u00fcndeten bewaffneten Gruppen liegt, wird eingangs klargemacht, dass \u00bbsexualisierte Gewalt von allen am Konflikt beteiligten Parteien ver\u00fcbt wurde\u00ab. In der Region Darfur im Westen des Sudan, gegenw\u00e4rtig mehrheitlich unter Kontrolle der RSF, habe die anhaltende Verbreitung jedoch \u00bbihre Wurzeln in jahrzehntelangen Konflikten und dem wiederholten Versagen, die Zivilbev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen und die T\u00e4ter zur Rechenschaft zu ziehen\u00ab. Schon w\u00e4hrend des von den Vorg\u00e4ngertruppen der RSF im Einvernehmen mit der damals herrschenden Regierung unter Omar Al-Baschir begangenen V\u00f6lkermords Anfang der 2000er Jahre dokumentierte MSF, \u00bbwie Vergewaltigungen weit verbreitet waren und systematisch als Teil der von bewaffneten Milizen begangenen Massengreuel eingesetzt wurden\u00ab. Heute sei dies erneut zu einem \u00bbwesentlichen Merkmal des brutalen Konflikts in Darfur\u00ab geworden.<\/p>\n<p>\u00bbSie brachten uns auf eine freie Fl\u00e4che. (\u2026) Der erste Mann vergewaltigte mich zweimal, der zweite einmal, der dritte viermal und der vierte einmal. Abgesehen von den Vergewaltigungen schlugen sie uns mit St\u00f6cken und richteten Waffen auf meinen Kopf. Ein anderes M\u00e4dchen, das 15 war (\u2026), wurde von drei M\u00e4nnern vergewaltigt. Wir wurden die ganze Nacht \u00fcber vergewaltigt.\u00ab 95 Prozent der \u00dcberlebenden in Norddarfur berichteten, von bewaffneten Personen angegriffen worden zu sein, 68 Prozent in S\u00fcddarfur, von denen wiederum fast 60 Prozent von mehreren Angreifern w\u00e4hrend einer Tat sprachen. Viele der \u00dcbergriffe geschahen bei allt\u00e4glichen Verrichtungen wie Feuerholzsammeln oder bei der Feldarbeit. Insgesamt suchten zwischen Januar 2024 und November 2025 mehr als 3.300 \u00dcberlebende Hilfe bei Gesundheitseinrichtungen in Nord- und S\u00fcddarfur, die von MSF unterst\u00fctzt werden. Davon waren 97 Prozent Frauen und M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>In Norddarfur erlebten viele sexualisierte Gewalt \u2013 wie eingangs geschildert \u2013 auf der Flucht vor den mordenden Milizen rund um die Einnahme der Hauptstadt Al-Fascher im Oktober 2025. \u00bbZwei der Frauen in unserer Gruppe wurden vor unseren Augen von der RSF-Miliz vergewaltigt. Es waren vier bis f\u00fcnf M\u00e4nner, die das gemeinsam taten. Ein M\u00e4dchen war 22 Jahre alt und starb noch vor Ort.\u00ab Insgesamt wurden innerhalb von drei Tagen mindestens 6.000 Menschen get\u00f6tet. Die tats\u00e4chliche Zahl \u00dcberlebender sexualisierter Gewalt d\u00fcrfte um ein Vielfaches h\u00f6her liegen als die in diesem Bericht von MSF dokumentierten F\u00e4lle. Auch ihnen wird damit eine Stimme gegeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Diese Vorsichtsma\u00dfnahme sudanesischer Frauen illustriert einen notwendigen Pragmatismus, der schwer ertr\u00e4glich ist: Um nach einer Vergewaltigung zumindest nicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14499,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[235],"tags":[267],"class_list":{"0":"post-14498","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-sudan","8":"tag-sudan"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116529699297273560","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14498","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14498"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14498\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14499"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14498"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14498"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14498"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}