{"id":14551,"date":"2026-05-07T04:28:32","date_gmt":"2026-05-07T04:28:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14551\/"},"modified":"2026-05-07T04:28:32","modified_gmt":"2026-05-07T04:28:32","slug":"afrika-putsch-in-niger-russland-steigert-einfluss-in-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14551\/","title":{"rendered":"Afrika: Putsch in Niger: Russland steigert Einfluss in Afrika"},"content":{"rendered":"<p>Inmitten der aufgepeitschten Wellen der geopolitischen Neuordnung taucht aus der Tiefsee eine Schrecken erregende Hydra auf, deren viele K\u00f6pfe symbolisch f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/rusi.org\/explore-our-research\/publications\/commentary\/playing-shadows-putins-doppelganger-army\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">wachsenden Einfluss der Gruppe Wagner in Afrika<\/a> stehen. Ebenso wie das mythologische Ungeheuer haben das private Milit\u00e4runternehmen Wagner und sein F\u00f6rderer Russland ein komplexes Verh\u00e4ltnis, bei dem h\u00e4ufig schwer zu unterscheiden ist, wer gerade wen kontrolliert. Alles, was dieses Gebilde auf einem von Moskau weit entfernten Kontinent tut, hat Implikationen, die in den Korridoren des globalen Machtgef\u00fcges nachhallen.<\/p>\n<p>Der Putsch im Niger und der kurz danach abgehaltene Russland-Afrika-Gipfel lassen diesen Nexus \u00fcberaus deutlich werden. Im Chaos des Staatsstreichs blieb nicht unbemerkt, dass die Anh\u00e4nger der <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/niger-coup-mohamed-bazoum-military-junta-sahel-88ccaa2f004db44601e59475199c5fbe\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Putschisten demonstrativ russische Flaggen schwenkten<\/a>. Es gibt zwar keine belastbaren Beweise, dass Wagner oder Russland direkt etwas mit dem Putsch zu tun haben, aber die opportunistischen Untert\u00f6ne sind nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. Der Aufruhr passt scheinbar gut in das Konzept ihrer strategischen Interessen, denn er schafft mehr Instabilit\u00e4t und damit einen fruchtbaren N\u00e4hrboden f\u00fcr Organisationen wie die Gruppe Wagner \u2013 auch die Hydra ist in ihrem Element, wenn es auf der See st\u00fcrmisch zugeht.<\/p>\n<p>Anatomisch sind die Tentakel der Hydra einerseits miteinander verbunden und andererseits eigenst\u00e4ndig. Dasselbe gilt scheinbar prinzipiell auch f\u00fcr die Verflechtungen zwischen Russland und Wagner. Einerseits gilt Wagner als Russlands schattenhafter Arm, der im Verborgenen f\u00fcr Russlands Interessen in L\u00e4ndern wie Mali und der Zentralafrikanischen Republik arbeitet. Andererseits taucht neuerdings das Narrativ auf, Wagner gehe inzwischen vielleicht unabh\u00e4ngig vom Kreml seine eigenen Wege. Das Gipfeltreffen in<a href=\"https:\/\/www.francetvinfo.fr\/monde\/russie\/sommet-russie-afrique-pourquoi-la-liste-des-invites-inquiete-les-occidentaux_5974565.html\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\"> Sankt Petersburg verleiht dieser Hypothese ein gewisses Gewicht<\/a>.<\/p>\n<p>Der Russland-Afrika-Gipfel \u2013 der zweite seit 2019 \u2013 bringt Wladimir Putins politische Taktik auf den Punkt. In einer Welt, in der Afrika oft als Hilfsempf\u00e4nger oder Ausbeutungsobjekt wahrgenommen wird, hebt Putin sich mit seinem Konzept ab: Indem er afrikanische Staats- und Regierungschefs ins Rampenlicht holt, ihnen auf Augenh\u00f6he und als potenziellen Partnern begegnet, s\u00e4gt er am traditionellen westlichen Einfluss auf den Kontinent. Als Teil <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2023\/7\/28\/putin-promises-grains-debt-write-off-as-russia-seeks-africa-allies\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">seiner Strategie<\/a> zur Herbeif\u00fchrung einer multipolaren Weltordnung und zur Bek\u00e4mpfung des \u201eNeokolonialismus\u201c umwirbt Putin die afrikanischen Staats- und Regierungschefs mit einer geschickten Taktik der Soft Power. Schuldenerlasse und kostenlose Getreidelieferungen machen einen mildt\u00e4tigen Eindruck, auch wenn sie nur als strategische Instrumente dienen, um Afrika von seinen traditionellen westlichen Verb\u00fcndeten loszueisen und auf Russlands Seite zu ziehen.<\/p>\n<p>Putins Strategie scheint teilweise aufzugehen, aber der Kampf ist keineswegs zu Ende.<\/p>\n<p>Auf dem erw\u00e4hnten Gipfel sorgte S\u00fcdafrikas Pr\u00e4sident Cyril Ramaphosa mit seinen <a href=\"https:\/\/fr.africanews.com\/2023\/07\/29\/sommet-russie-afrique-ramaphosa-appelle-a-la-paix-en-ukraine\/\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">\u00c4u\u00dferungen <\/a>\u00fcber den Krieg in der Ukraine und seine Auswirkungen auf afrikanische L\u00e4nder eine neue Betrachtungsweise. Vor allem Putins Geste, das Thema mit den betroffenen afrikanischen L\u00e4ndern zu er\u00f6rtern, festigt das Narrativ, dass Entscheidungen einvernehmlich getroffen werden und Putin die Souver\u00e4nit\u00e4t afrikanischer Staaten respektiert. Die Botschaft an die afrikanischen Staatenlenker lautet: Russland ist ein Freund, Russland ist ein Partner, Russland h\u00f6rt euch zu. Ich, Wladimir Putin, h\u00f6re euch, ich h\u00f6re euch besser zu als jeder westliche Staats- oder Regierungschef zuvor.<\/p>\n<p>Putins Strategie scheint teilweise aufzugehen, aber der Kampf ist keineswegs zu Ende. Das Fiasko der gescheiterten Wagner-Revolte in Russland macht deutlich, dass die Hydra vielleicht nicht ganz so geeint ist, wie es den Anschein hat. Die Revolte wirft die entscheidende Frage auf, wie Wagner in Zukunft auf dem Kontinent operieren wird. Ist Putin der Strippenzieher, der die Hydra steuert, oder ist das Ungeheuer so gro\u00df geworden, dass es nicht mehr zu kontrollieren ist? Reitet der russische Pr\u00e4sident lediglich auf den Wellen, die die Hydra erzeugt, und ergreift die sich er\u00f6ffnenden Chancen beim Schopf, oder lenkt er das Monstrum nach einem \u00fcbergreifenden Masterplan?<\/p>\n<p>Die Dynamik zwischen Russland und Wagner in Afrika ist und bleibt so komplex, dass die Grenzen zwischen Souver\u00e4nit\u00e4t, Eigeninteressen und Weltmachtpolitik oft verschwimmen. Die aus Wagner und Russland bestehende Hydra mag in sich selbst verknotet sein, aber sie kann auch mehrere eigenst\u00e4ndige Wesen verk\u00f6rpern. Sie k\u00f6nnte eine zentrale Kreatur mit vielen eigenst\u00e4ndigen K\u00f6pfen sein oder aus mehreren miteinander verbundenen Ungeheuern bestehen, die ihre jeweils eigene Agenda verfolgen. Diese Uneindeutigkeit macht sie umso geheimnisvoller und m\u00e4chtiger.<\/p>\n<p>Jewgenij Prigoschin, Chef der russischen S\u00f6ldnertruppe Wagner, begr\u00fc\u00dfte den Staatsstreich in Niger als gute Nachricht und bot die Dienste seiner K\u00e4mpfer an.<\/p>\n<p>Mit Blick auf das erw\u00e4hnte Narrativ, das sich derzeit entfaltet, sei an den sagenhaften Kampf erinnert, den Herkules mit der Hydra ausgefochten hat. F\u00fcr jeden abgeschlagenen Kopf wuchsen zwei neue nach \u2013 Symbol f\u00fcr die Widerstandsf\u00e4higkeit des Monstrums. Dem Westen und den traditionellen Verb\u00fcndeten Afrikas mag es vielleicht gelingen, dieser modernen Hydra einen oder zwei K\u00f6pfe abzuschlagen, aber sie m\u00fcssen sich damit abfinden, dass sie mehrgleisig agieren und einen langen Atem haben m\u00fcssen, wenn sie das Ungeheuer im Zaum halten wollen. Der Putsch in Niger er\u00f6ffnet ein neues Feld f\u00fcr dieses komplexe russische Spiel. Die Menschen, die zu Tausenden durch die Stra\u00dfen von Niamey zogen, russische Flaggen schwenkten und die ehemalige Kolonialmacht Frankreich schm\u00e4hten, sind ein Echo, das der Gipfel in Sankt Petersburg in diesem fernen Winkel Afrikas ausgel\u00f6st hat. Jewgenij Prigoschin, Chef der russischen S\u00f6ldnertruppe Wagner, <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2023\/07\/29\/africa\/prigozhin-niger-coup-wagner-intl\/index.html\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">begr\u00fc\u00dfte den Staatsstreich als gute Nachricht<\/a>. Er bot die Dienste seiner K\u00e4mpfer an und sandte damit das Signal aus, dass der Hydra ein weiterer Kopf aus dem Leib w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/europe\/kremlin-expresses-concern-over-niger-after-wagner-chief-celebrates-coup-2023-07-31\/\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Kreml \u00e4u\u00dferte sich zwar besorgt<\/a> \u00fcber den Putsch und rief zur raschen Wiederherstellung von Recht und Ordnung auf, aber dass Prigoschin, der vielen als Putins rechte Hand galt, hinter den Putschisten steht, ist nicht zu \u00fcbersehen. Die Anerkennung der Anf\u00fchrer des Staatsstreichs, die Weigerung westlicher Staaten, die neue F\u00fchrung zu akzeptieren, und Prigoschins Sprachnachricht an die Junta zeigen, dass der Hydra gerade ein neuer strategischer Kopf w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Afrika ist in diesem geopolitischen Drama keineswegs nur Zuschauer.<\/p>\n<p>Afrika ist in diesem geopolitischen Drama keineswegs nur Zuschauer. Es ist Kampfplatz und ma\u00dfgeblicher Akteur und bestimmt mit seinen Entscheidungen mit, wie die k\u00fcnftige Ordnung aussehen wird. Die Hydra beeinflusst weiterhin die Gezeiten auf dem afrikanischen Kontinent, und die Welt schaut gespannt zu in dem Bewusstsein, dass die dadurch erzeugten Wellen nicht an den afrikanischen K\u00fcsten Halt machen werden.<\/p>\n<p>So wie die Hydra in der griechischen Mythologie aus dem Chaos Kraft zieht und durch Gegenwehr noch gr\u00f6\u00dfer und st\u00e4rker wird, wird ihr geopolitisches Pendant in Gestalt Russlands anscheinend jedes Mal st\u00e4rker, wenn der Westen versucht, die afrikanischen Staats- und Regierungschefs von Moskaus Einfluss wegzuziehen. Doch mit jedem Kopf, der aus dem Ungeheuer herausw\u00e4chst,\u00a0 w\u00e4chst auch die Chance f\u00fcr Wachsamkeit und tieferes Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Russlands Motive und Man\u00f6ver in Afrika ver\u00e4ndern sich stetig und sind so komplex, dass sich dieses Narrativ nur mit einem umfassenden und kritischen Blick analysieren l\u00e4sst. Jedes Gipfeltreffen, jeder Putsch, jede Unterst\u00fctzung oder Verurteilung ist nur ein Teil des gro\u00dfen geopolitischen Puzzles. Nur wer diese Teile zusammenf\u00fcgt, darf hoffen, das wahre Gesicht der Hydra zu enth\u00fcllen, bevor sie sich wieder in ihren dunklen Schlupfwinkel zur\u00fcckzieht.<\/p>\n<p>Als Beobachter und Akteure in diesem verzwickten geopolitischen Schachspiel m\u00fcssen wir hellwach sein. Auch wenn die Hydra sich vielleicht verkriecht, plant sie mit Sicherheit den n\u00e4chsten Schachzug und wartet auf den n\u00e4chsten g\u00fcnstigen Augenblick. Dass Ganze ist ein sich immer weiter entfaltender Tanz der Macht, der Strategie und des \u00dcberlebens \u2013 eine Kampfansage an den Status quo, die niemand ignorieren kann. Der Blick muss fest auf das Schachbrett gerichtet bleiben, damit man in diesem immer weiter voranschreitenden geopolitischen Spiel auf den n\u00e4chsten Zug der Hydra reagieren kann.<\/p>\n<p>Aus dem Englischen von Andreas Bredenfeld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inmitten der aufgepeitschten Wellen der geopolitischen Neuordnung taucht aus der Tiefsee eine Schrecken erregende Hydra auf, deren viele&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14552,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[243],"tags":[6667,6249,331,6665,309,367,366,6663,6217,381,6666,43,765,2337,6664],"class_list":{"0":"post-14551","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-niger","8":"tag-afrika-russland-gipfel","9":"tag-cyril-ramaphosa","10":"tag-frankreich","11":"tag-jewgenij-prigoschin","12":"tag-mali","13":"tag-niamey","14":"tag-niger","15":"tag-pmc","16":"tag-putin","17":"tag-russland","18":"tag-st-petersburg","19":"tag-suedafrika","20":"tag-ukraine","21":"tag-wagner","22":"tag-zentralafrikanischen-republik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116531409864129650","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14551","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14551"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14551\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14552"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}