{"id":14607,"date":"2026-05-07T07:13:26","date_gmt":"2026-05-07T07:13:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14607\/"},"modified":"2026-05-07T07:13:26","modified_gmt":"2026-05-07T07:13:26","slug":"malis-militaer-verliert-an-rueckhalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14607\/","title":{"rendered":"Malis Milit\u00e4r verliert an R\u00fcckhalt"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/proteste-mali-102.jpg\" alt=\"Eine Gruppe Demostranten in Bamako (Archiv, Foto: 3.5.2025)\" title=\"Eine Gruppe Demostranten in Bamako (Archiv, Foto: 3.5.2025) | AFP\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 30.05.2025 \u2022 06:38 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Malis Junta konnte sich einige Jahre auf den R\u00fcckhalt der Bev\u00f6lkerung verlassen, die genug hatte von der Korruption der Vorg\u00e4ngerregierung. Doch die Milit\u00e4rs sind fast alles schuldig geblieben. Im Land w\u00e4chst der Unmut.\n    <\/p>\n<p>Von Bettina R\u00fchl, ARD Nairobi\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Master Soumy tr\u00e4gt ein T-Shirt in den Farben der malischen Flagge gelb, gr\u00fcn und rot. Auch im Studio des Rappers zeigt die Farbwahl, dass er sein westafrikanisches Heimatland liebt. Die malische Milit\u00e4rregierung allerdings kritisiert er, sogar auf der B\u00fchne. In seiner westafrikanischen Heimat Mali ist er ein Star &#8211; und traut sich auszusprechen, was andere nur denken.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">W\u00e4hrend eines Konzerts in der malischen Hauptstadt Bamako stellte er fest: &#8222;In Mali muss man seine Stromrechnung bezahlen und kriegt trotzdem keinen Strom.&#8220; Denn das westafrikanische Land leidet seit Monaten unter Stromausf\u00e4llen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und damit war Master Soumy w\u00e4hrend seines B\u00fchnenauftritts noch nicht fertig. &#8222;Wer kann sich einen Generator oder eine Solaranlage leisten?&#8220;, fragte er. &#8222;Die Leute in der Regierung nat\u00fcrlich, die haben fette Geh\u00e4lter. Bezahlt von denen, die ohne Strom jetzt gar nichts mehr verdienen.&#8220;<\/p>\n<p>    Die Milit\u00e4rs bef\u00f6rdern sich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Regiert wird das Binnenland im Sahel von Milit\u00e4rs. 2021 putschte sich Assimi Go\u00efta ins Pr\u00e4sidentenamt. Im vergangenen Herbst bef\u00f6rderte er sich selbst zum f\u00fcnf-Sterne-General, zusammen mit f\u00fcnf weiteren Milit\u00e4rs, die Regierungs\u00e4mter bekleiden. Sie alle verdienen jetzt wahrscheinlich deutlich mehr.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bev\u00f6lkerung dagegen leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise, versch\u00e4rft durch die st\u00e4ndigen Stromausf\u00e4lle. &#8222;Und jetzt wollt ihr sogar, dass wir noch mehr zahlen&#8220;, kritisierte Master Soumy auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein Aufregerthema: Seit M\u00e4rz m\u00fcssen die Menschen eine neue Verbrauchssteuer auf ihre Telefongeb\u00fchren zahlen, und wenn sie Geld von ihrem mobilen Konto abheben. Dabei ist in den vergangenen Jahren ohnehin schon alles teurer geworden, die Bev\u00f6lkerung steht wirtschaftlich mit dem R\u00fccken zur Wand. Auf der B\u00fchne folgt der Refrain: Y\u2019en a marre &#8211; es reicht!<\/p>\n<p>    Anfangs wurden die Milit\u00e4rs begr\u00fc\u00dft<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die offenen Worte des Rappers sind in dieser Sch\u00e4rfe neu. Bisher war Kritik an der Milit\u00e4rregierung in Mali \u00f6ffentlich kaum zu h\u00f6ren. Gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung hatten die beiden Milit\u00e4rputsche 2020 und 2021 begr\u00fc\u00dft, sie warfen der letzten zivilen Regierung Korruption und eine zu gro\u00dfe N\u00e4he zu der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich vor.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Au\u00dferdem litt und leidet die Bev\u00f6lkerung in vielen Landesteilen unter der Gewalt islamistischer Terrorgruppen und krimineller Banden. Die Bev\u00f6lkerung war frustriert, weil die zivile Regierung unter Pr\u00e4sident Ibrahim Boubacar Ke\u00efta die Sicherheitslage trotz internationaler Hilfe nicht in den Griff bekam.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach dem Putsch vollzogen die Milit\u00e4rs vor vier Jahren einen radikalen Kurswechsel: Sie beendeten die UN-Mission MINUSMA, an der auch Deutschland beteiligt war, und \u00fcberwarfen sich mit der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, die unabh\u00e4ngig von der UN eine eigene Anti-Terrormission unterhalten hatte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Stattdessen sind seit Ende 2021 russische Paramilit\u00e4rs im Land, um Mali im Anti-Terrorkampf zu unterst\u00fctzen. Als sie kamen, geh\u00f6rten sie noch zu der ber\u00fcchtigten S\u00f6ldner-Gruppe Wagner, nach dem Tod des Gr\u00fcnders Jewgeni Prigoschin im August 2023 wurde die Gruppe auch offiziell der Regierung unterstellt und in Afrika-Korps umbenannt.<\/p>\n<p>    &#8222;Ich sehe keine Fortschritte&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bev\u00f6lkerung begr\u00fc\u00dfte 2021 den neuen anti-westlichen Kurs der Milit\u00e4rregierung in Bamako. Auch eine Journalistin, die bis zum Rausschmiss der Vereinten Nationen f\u00fcr MINUSMA gearbeitet hatte. Als MINUSMA abziehen musste habe sie zun\u00e4chst gedacht: &#8222;Ich habe zwar meinen Job verloren, aber vielleicht ist es das wert.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie habe gehofft, dass die Milit\u00e4rs wirklich neue Ideen h\u00e4tten und die &#8222;jahrzehntelange Misere&#8220; der Bev\u00f6lkerung beenden w\u00fcrden. &#8222;Aber je mehr Zeit vergeht, desto st\u00e4rker zweifle ich daran, weil ich keine Fortschritte sehe&#8220;, sagt sie heute. &#8222;Ich frage mich immer \u00f6fter, worauf die Milit\u00e4rregierung ihre Entscheidungen gr\u00fcndet.&#8220;<\/p>\n<p>    &#8222;Die Malier fangen an, zu verzweifeln&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Damit meint sie vor allem den Konfrontationskurs gegen\u00fcber den ehemaligen westlichen Partnern. Einige Unternehmen \u00fcberlegen, Mali zu verlassen. Franz\u00f6sische Hilfsorganisationen d\u00fcrfen seit Ende 2022 nicht mehr im Land t\u00e4tig sein, malische Organisationen d\u00fcrfen franz\u00f6sische Gelder nicht annehmen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch der R\u00fcckzug von USAID trifft viele Menschen hart. Laut der Weltbank leben mehr als 40 Prozent der Bev\u00f6lkerung in Armut, mehr als 20 Prozent in extremer Armut. Und Anfang des Jahres ist Mali dann auch noch aus der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas ausgetreten, zusammen mit den Nachbarstaaten Burkina Faso und Niger, die ebenfalls von Milit\u00e4rs regiert werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Austritt hat die Krise weiter versch\u00e4rft. Nicht nur ihre Stimmung habe sich gedreht, sagt die Journalistin, die aus Sicherheitsgr\u00fcnden anonym bleiben soll &#8211; bei vielen Menschen sei die Begeisterung f\u00fcr die Milit\u00e4rregierung verflogen. &#8222;Viele Malier haben ihre Stelle verloren&#8220;, erz\u00e4hlt sie. Sie reihten sich in &#8222;das Heer der arbeitslosen Hochschulabsolventinnen und- absolventen ein, jedes Jahr kommen neue dazu, weil es in Mali keine Arbeitspl\u00e4tze gibt&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ihr Resum\u00e9e ist bitter: &#8222;Wenn Du kein Einkommen hast und nicht wei\u00dft, wovon du leben sollst, bist du nicht frei. Deshalb fangen die Malier an, zu verzweifeln.&#8220;<\/p>\n<p>    Meinungsfreiheit stark eingeschr\u00e4nkt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Freiheit ist unter den Milit\u00e4rs sowieso ein rares Gut geworden, die Meinungsfreiheit ist stark eingeschr\u00e4nkt, viele Kritiker der Regierung wurden bereits verhaftet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Anfang Mai hat die Regierung dann auch noch alle politischen Parteien und Vereinigungen verboten. Am Wochenende darauf gingen nach Angaben des franz\u00f6sischen Senders RFI Hunderte Malierinnen und Malier in der Hauptstadt Bamako gegen die Machthaber auf die Stra\u00dfe &#8211; es war seit Jahren die erste prodemokratische Demonstration.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und Master Soumy stellte einen neuen Titel online. Er hei\u00dft &#8222;Fanga&#8220;, zu deutsch &#8222;Die M\u00e4chtigen&#8220;. &#8222;An der Macht zu sein, ist eine sch\u00f6ne Sache&#8220;, rappt Master Soumy, &#8222;aber fr\u00fcher oder sp\u00e4ter hat alles ein Ende&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine Hoffnung, die immer mehr Malierinnen und Malier teilen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 30.05.2025 \u2022 06:38 Uhr Malis Junta konnte sich einige Jahre auf den R\u00fcckhalt der Bev\u00f6lkerung verlassen, die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14608,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[237],"tags":[309],"class_list":{"0":"post-14607","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-mali","8":"tag-mali"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116532058724198402","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14607","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14607"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14607\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14608"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}