{"id":14622,"date":"2026-05-07T07:46:37","date_gmt":"2026-05-07T07:46:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14622\/"},"modified":"2026-05-07T07:46:37","modified_gmt":"2026-05-07T07:46:37","slug":"restitution-an-namibia-rueckgabe-mit-hindernissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14622\/","title":{"rendered":"Restitution an Namibia &#8211; R\u00fcckgabe mit Hindernissen"},"content":{"rendered":"<p>Wer auf den Spuren der deutschen Kolonialzeit in Windhoek unterwegs ist, der wird ziemlich schnell entt\u00e4uscht. Zwar thront im Zentrum am Independence Square immer noch die Lutherische Kirche aus dem 19. Jahrhundert, die aussieht, als sei sie gerade direkt aus Baden-W\u00fcrttemberg hierhergebeamt worden. Doch das bekannteste Wahrzeichen des deutschen Kolonialismus, das Reiterdenkmal, fehlt. <\/p>\n<p>&#8222;Das Reiterdenkmal steht in der Feste eingeschlossen. Es wurde abgenommen, weil die Regierung der Meinung ist, es ist ein Symbol der Kolonialzeit. Die Feste war das Museum und das hat man jetzt zugemacht. Ich glaube, die wollen die Geschichte wegschaffen, obwohl die Geschichte nicht vergessen werden darf&#8220;, erz\u00e4hlt ein Touristenf\u00fchrer.<\/p>\n<p>              Zwiesp\u00e4ltiger Umgang mit der Geschichte<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdig: Fast scheint es, als seien die rund 30 Jahre deutscher Kolonialgeschichte der namibischen Regierung geradezu peinlich. Andererseits beruft sich Namibia nachdr\u00fccklich auf den Genozid an Hereros und Namas, um umfangreiche Reparationen von Deutschland zu fordern.<\/p>\n<p>Dies ist der politisch durchaus heikle Hintergrundton f\u00fcr die aktuelle Museumsinitiative zwischen Berlin und Windhoek, die von der Gerda Henkel Stiftung finanziert wird. 23 Objekte aus dem Ethnologischen Museum in Berlin sind vor Kurzem eingeschwebt. Und nun sitzt Esther Moombolah, die Chefin des National Museum of Namibia, schon morgens um acht in ihrem B\u00fcro und kramt aus den wei\u00df-grauen Kartons einige Artefakte hervor.<\/p>\n<p>\u201eSeit Ende der Kolonialzeit gibt es in den Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und Namibia keine Probleme&#8220;, sagt Moombolah. <\/p>\n<p class=\"media-content-box-main-text\">Wir haben jetzt dieses aktuelle Projekt mit Deutschland. Unsere Expertinnen haben in Berlin Objekte ausgesucht, die aus der Zeit vor, w\u00e4hrend und nach der Kolonialzeit stammen. Drei von ihnen wurden im Kontext des Genozids erworben.<\/p>\n<p>Es handelt sich ausschlie\u00dflich um Objekte, von denen es keine Exemplare in Namibia gibt. Deshalb helfen sie uns, unsere eigene Geschichte zu erforschen. Im \u00dcbrigen sind die 23 Objekte nur ein Anfang, es kann zu vielen weiteren R\u00fcckgaben kommen.<\/p>\n<p class=\"media-content-box-quote-author\">Esther Moombolah<\/p>\n<p>              Wortwahl sorgt f\u00fcr schlechte Stimmung<\/p>\n<p>In Windhoek zeigt sich: die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und Namibia arbeiten hervorragend zusammen. Die Atmosph\u00e4re ist fruchtbar und gerade freundschaftlich. In Workshop wird Wissen weitergegeben und ausgetauscht, dank EU-Geldern sind in Namibia Stellen geschaffen worden, und Studierende interessieren sich leidenschaftlich f\u00fcr die Geschichte der eigenen Kulturg\u00fcter und ihre Bedeutung f\u00fcr das Land.<\/p>\n<p>So gesehen findet in Windhoek ein geradezu ideales Pilotprojekt statt, das Deutschland und Namibia einander n\u00e4herbringt. Und doch gab es einen Eklat.<\/p>\n<p>Auf der Pressekonferenz im Independence Museum, einem bronzefarbenen Geb\u00e4ude in Form einer Kaffeekanne, stie\u00dfen sich mehrere namibischen Journalisten an dem Wort \u201eloans\u201c, als das die Aktion bezeichnet wurde. Was, bitte, fragten sie, hei\u00dft hier Leihgaben? Sollen die Objekte (inzwischen spricht man gern von \u201ebelongings\u201c) etwa wieder nach Deutschland zur\u00fcck?<\/p>\n<p>Hermann Parzinger, der Chef der Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz, sprang in die Bresche und versuchte, die Lage als \u201eMissverst\u00e4ndnis\u201c zu retten. Doch da war die Stimmung bereits zeitweilig entgleist:<\/p>\n<p class=\"media-content-box-main-text\">Zun\u00e4chst mal sind das &#8218;indefinite loans&#8216;, das sagt schon mal eine Menge aus. Aber das ist ein Begriff, den wir beide, die namibische und die deutsche Seite, gew\u00e4hlt haben. Es gibt keine R\u00fcckforderung, sondern die Dinge sollen hierher, damit weitergearbeitet wird. Aber uns allen ist klar aufgrund der essenziellen Bedeutung f\u00fcr Namibia, f\u00fcr die Geschichte des 19. Jahrhunderts, wo es kaum Objekte gibt, dass die Dinge hierbleiben sollen.<\/p>\n<p class=\"media-content-box-quote-author\">Hermann Parzinger<\/p>\n<p>              In Namibia geht der Blick in die Zukunft<\/p>\n<p>Ende Juni, so Parzinger, werde der Stiftungsrat der Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz tagen und eine Entscheidung \u00fcber das Schicksal der Objekte treffen. Dann sei wom\u00f6glich mit einer offiziellen Eigentumsr\u00fcck\u00fcbertragung zu rechnen. In Namibia aber blickt man in die Zukunft. Es gehe jetzt nicht mehr darum, \u00fcber Restitution theoretisch nachzudenken, betont Goodman Gwasira von der University of Namibia, sondern um die Praxis. Die meisten Namibier schauen nicht im Zorn zur\u00fcck. Ihnen geht es nicht um radikale Maximalforderung, sondern die M\u00f6glichkeit, ihr Kulturerbe \u2013 und damit auch sich selbst \u2013 besser kennenzulernen.<\/p>\n<p>Die Namibier, erf\u00e4hrt man in Windhoek, h\u00e4tten bisher gar keine \u00dcbersicht \u00fcber ihre gesamte Kultur. Das zu \u00e4ndern sollen auch die Objekte aus den Berliner Museen helfen. Sie haben eine Bedeutung f\u00fcr die namibische Identit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer auf den Spuren der deutschen Kolonialzeit in Windhoek unterwegs ist, der wird ziemlich schnell entt\u00e4uscht. 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