{"id":14683,"date":"2026-05-07T10:11:33","date_gmt":"2026-05-07T10:11:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14683\/"},"modified":"2026-05-07T10:11:33","modified_gmt":"2026-05-07T10:11:33","slug":"deutsche-kolonialverbrechen-in-namibia-herero-fordern-entschaedigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14683\/","title":{"rendered":"Deutsche Kolonialverbrechen in Namibia &#8211; Herero fordern Entsch\u00e4digung"},"content":{"rendered":"<p>In einer Siedlung am Stadtrand der namibischen K\u00fcstenstadt Swakopmund s\u00e4umen einfache H\u00e4user die sandigen Stra\u00dfen. Vor einem der H\u00e4user in der W\u00fcstenlandschaft wachsen Pflanzen in K\u00fcbeln aus Autoreifen. An der Fassade des Au\u00dfenraums steht in roten, gemalten Buchstaben: Swakopmund Genocide Museum.<\/p>\n<p>              Zum Verdursten in die W\u00fcste gejagt <\/p>\n<p>Drinnen sitzt Laidlaw Peringanda an seinem Schreibtisch, umgeben von historischen Fotos aus dem fr\u00fchen 20. Jahrhundert, der Zeit des V\u00f6lkermords an den Herero und Nama. Die beiden indigenen Volksgruppen hatten sich gegen die Fremdherrschaft der deutschen Kolonialmacht aufgelehnt. Was folgte, war ein erbarmungsloser Vernichtungsfeldzug der sogenannten Schutztruppe unter Generalleutnant von Trotha. <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Laidlaw Peringanda vor Schwarz-Wei\u00df-Fotos, die vom Genozid zeugen. Er liest in einem Buch mit dem Titel &quot;Kaiser's Holocaust&quot;.\" alt=\"Laidlaw Peringanda vor Schwarz-Wei\u00df-Fotos, die vom Genozid zeugen. Er liest in einem Buch mit dem Titel &quot;Kaiser's Holocaust&quot;.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/swakopmund-namibia-genozid-110-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>Laidlaw Peringanda vor Zeugnissen des erbarmungslosen Vernichtungsfeldzugs der sogenannten Schutztruppe unter Generalleutnant von Trotha gegen die Indigenen.\u00a9 Leonie March<\/p>\n<p>Zehntausende wurden get\u00f6tet, \u00dcberlebende wurden zum Verdursten in die W\u00fcste gejagt oder in Konzentrationslager eingepfercht. Auch hier in Swakopmund, sagt Peringanda.<\/p>\n<p>\u201eAls ich neun Jahre alt war, hat mir meine Urgro\u00dfmutter erz\u00e4hlt, was sie dort durchgemacht haben.\u00a0Wie sie von deutschen Kolonialsoldaten vergewaltigt und sogar gezwungen wurden, die Sch\u00e4del einiger ihrer Familienangeh\u00f6rigen abzukochen. Wie sie als Zwangsarbeiter die Bahnstrecke und einige der Kolonialgeb\u00e4ude hier in der Stadt gebaut haben.\u201c\u00a0\u00a0 <\/p>\n<p>              Schwarz-Wei\u00df-Fotos lassen Horror erahnen<\/p>\n<p>Die Schwarz-Wei\u00df-Fotos an der Wand lassen den Horror erahnen: Ausgemergelte K\u00f6rper, Kinder in Ketten, die an Metall-Halsb\u00e4ndern befestigt sind, zur Schau gestellte, abgetrennte K\u00f6pfe. Viele der Originalsch\u00e4del der Opfer befinden sich bis heute in ethnologischen Museen im Ausland, die Toten wurden in Massengr\u00e4bern verscharrt. <\/p>\n<p>In Swakopmund selbst erinnert vieles an die Kolonialgeschichte, allerdings nicht so, wie es sich Peringanda und andere Nachfahren der Opfer w\u00fcnschen. <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Das Hotel Zum Kaiser in Swakopmund in Namibia.\" alt=\"Das Hotel Zum Kaiser in Swakopmund in Namibia.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/swakopmund-hotel-zum-kaiser-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>Hotel in Swakopmund: Kaiser und Bismarck sind beliebte Namen f\u00fcr Restaurants und Hotels.\u00a9 picture alliance \/ dpa \/ Oliver Berg<\/p>\n<p>Kaiser und Bismarck sind beliebte Namen f\u00fcr Restaurants und Hotels. Auf einem zentralen Platz steht das Marinedenkmal. Es erinnert an die siegreiche deutsche Schutztruppe. Auf einem Felsen steht die Figur eines Soldaten, sein Gewehr im Anschlag.<\/p>\n<p>Auf einer Bronzeplakette sind die Namen der Gefallenen verzeichnet, auf einer anderen die Einsatzorte. Peringanda zeigt mit dem Finger darauf. <\/p>\n<p>\u201eDas hier ist der Name des Dorfs meines Urgro\u00dfvaters, wo die Menschen massakriert wurden, mit Datum. Jedes Jahr gab es hier eine Gedenkveranstaltung von deutschst\u00e4mmigen Namibiern, bis wir sie gestoppt haben. Wir wollten sie hier nicht sehen. Wir wollten dieses Trauma nicht immer wieder erleben. Wir haben rote Farbe auf das Denkmal gespritzt, die das Blut unserer Vorfahren symbolisiert. Der Soldat dort oben richtet sein Gewehr in die Richtung des Konzentrationslagers. Wir wollen auch dieses Denkmal hier nicht mehr sehen. Es geh\u00f6rt in ein Museum, wo es sich die Leute ansehen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Noch aber steht es fest auf seinem Fundament. <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Marinedenkmal in Swakopmund\" alt=\"Marinedenkmal in Swakopmund\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/marinedenkmal-swakopmund-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>Marinedenkmal in Swakopmund: &#8222;Wir haben rote Farbe auf das Denkmal gespritzt, die das Blut unserer Vorfahren symbolisiert&#8220;, sagt Laidlaw Peringanda.\u00a9 Leonie March<\/p>\n<p>              Nicht einmal die Gr\u00e4ber wurden respektiert<\/p>\n<p>Ein anderer Teil der Geschichte wurde dagegen komplett ausgel\u00f6scht: Am Ort des Konzentrationslagers steht heute ein Casino. Nur ein Teil der Gr\u00e4ber existiert noch.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter betritt Peringanda den Friedhof von Swakopmund. Eingerahmt von einer Mauer, die D\u00fcnen der W\u00fcste auf der einen, Wohnh\u00e4user auf der anderen Seite. Der 48-J\u00e4hrige geht an gepflegten Gr\u00e4bern mit Grabsteinen und Blumen vorbei, auf eine weite Sandfl\u00e4che mit unz\u00e4hligen kleinen H\u00fcgeln zu. Das sind die Gr\u00e4ber unserer Vorfahren, sagt er. <\/p>\n<p>\u201eAls ich zum ersten Mal hier war, bin ich zusammengebrochen. Ich erinnerte mich an meine Urgro\u00dfmutter und was sie mir erz\u00e4hlt hat. Viele dieser Menschen wurden aus dem Inland hierher gebracht. Sie mussten sieben Tage die Woche schuften, etliche von ihnen starben an Ersch\u00f6pfung und Unterern\u00e4hrung&#8220;, sagt er. <\/p>\n<p>&#8222;Ihre Gebeine liegen nah unter der Oberfl\u00e4che in diesen namenlosen Gr\u00e4bern. Viermal im Jahr h\u00e4ufen wir diese wieder auf. Das ist jedes Mal traumatisch, weil teils Sch\u00e4del und Skelette aus dem Sand ragen. Vor ein paar Jahren gab es nicht einmal diese Mauer, Leute sind mit allradbetriebenen Fahrzeugen \u00fcber die Gr\u00e4ber gefahren. Einige wurden dadurch zerst\u00f6rt. Auch teure H\u00e4user wurden auf dem Ruheplatz unterer Vorfahren gebaut.\u201c <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Sandh\u00fcgel und Steine zwischen W\u00fcste und Wohnsiedlung: Gr\u00e4ber von Herero auf dem Friedhof in Swakopmund.\" alt=\"Sandh\u00fcgel und Steine zwischen W\u00fcste und Wohnsiedlung: Gr\u00e4ber von Herero auf dem Friedhof in Swakopmund.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/graeber-friedhof-herero-swakopmund-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>Sandh\u00fcgel und Steine zwischen W\u00fcste und Wohnsiedlung: Gr\u00e4ber von Herero auf dem Friedhof in Swakopmund.\u00a9 Leonie March<\/p>\n<p>Die Aufarbeitung des V\u00f6lkermords hat erst sp\u00e4t begonnen. Auf die deutsche Kolonialzeit folgte die Apartheid unter s\u00fcdafrikanischer Verwaltung und schlie\u00dflich der Unabh\u00e4ngigkeitskampf. 1990 wurde Namibia ein selbstst\u00e4ndiger Staat, erz\u00e4hlt Peringanda. <\/p>\n<p>\u201eInfolge des V\u00f6lkermords sind Nama und Herero heute eine ethnische Minderheit. Die Ovambo kontrollieren unser Land. Sie betonen den Unabh\u00e4ngigkeitskampf der heutigen Regierungspartei SWAPO und klammern unsere Geschichte von 1904 bis 1908 aus. Es gibt keinen nationalen Gedenktag, der an den Genozid erinnert. Und von den Verhandlungen mit Deutschland \u00fcber Entsch\u00e4digungen haben sie uns bewusst ausgeschlossen&#8220;, kritisiert er. <\/p>\n<p>&#8222;Regierungsmitglieder werfen mir vor, dass ich zu viel aufdecke, was einigen der deutschen Vertreter nicht gefalle. Ich wei\u00df, dass Deutschland der gr\u00f6\u00dfte Entwicklungshilfe-Geber f\u00fcr unser Land ist. Aber wenn ich nicht f\u00fcr meine Vorfahren spreche, wer tut es dann? Ich f\u00fchle mich dazu verpflichtet.\u201c <\/p>\n<p>              Ein gescheiterter Vers\u00f6hnungsprozess <\/p>\n<p>Das Vers\u00f6hnungsabkommen, das Namibia und Deutschland jahrelang ausgehandelt haben, ist immer noch nicht ratifiziert. Seit Mai 2021 liegt es vor, aber die Kritik daran ist laut. Der Hauptgrund: Die Opfergruppen des Genozids wurden kaum oder gar nicht geh\u00f6rt, Chefunterh\u00e4ndler beider Regierungen haben miteinander diskutiert. <\/p>\n<p>Auch die Entschuldigung von Bundespr\u00e4sident Steinmeier steht noch aus. Die Opferverb\u00e4nde fordern, dass er sich direkt bei ihnen und nicht, wie geplant, vor dem Parlament entschuldigen soll. Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck, Generalsekret\u00e4r des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) in Berlin, unterst\u00fctzt die Forderungen der Opfergruppen.<\/p>\n<p>&#8222;Zun\u00e4chst muss man sagen, dass es der alleinige Verdienst der Betroffenen ist, dass \u00fcber 118 Jahre sp\u00e4ter \u00fcberhaupt noch \u00fcber dieses Thema geredet wird. Umso schmerzhafter ist es, dass genau die Vertreter, die diesen Prozess vorangetrieben haben, in dem einzigartigen Prozess der Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen praktisch nicht konsultiert und nicht beteiligt worden sind. Damit ist der ganze Prozess, der modellhaft h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, leider momentan gescheitert.&#8220;<\/p>\n<p>Deutschland verpflichtet sich in dem vorliegenden Abkommen dazu, &#8222;die notwendigen Mittel f\u00fcr Vers\u00f6hnung und Wiederaufbau bereitzustellen\u201c. Zahlungen von 1,1 Milliarden Euro \u00fcber 30 Jahre sind vorgesehen. Sie sollen in erster Linie der Entwicklung von besonders betroffenen, konkret benannten Gemeinden zu Gute kommen.<\/p>\n<p>Auch das sorgt f\u00fcr Kritik: Denn durch Flucht und Vertreibung leben Nachfahren der Opfer heute auch in der Diaspora oder anderen Teilen des Landes und in den betroffenen Gebieten wohnen heute auch unterschiedliche Bev\u00f6lkerungsgruppen, auch solche, die gar nicht zu den Opfern geh\u00f6ren. <\/p>\n<p>Die Frage, wer dar\u00fcber entscheiden soll, welche Projekt in einer Gemeinde umgesetzt werden, bleibt offen. Das Mitspracherecht der Betroffenen ist nirgendwo verankert und die namibische Regierung, die das Abkommen verhandelt hat, genie\u00dft nicht das Vertrauen der Opfergruppen.<\/p>\n<p>              &#8222;Unser Land wurde gestohlen&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr den Gr\u00fcnder des kleinen Genozid-Museums in Swakopmund, Laidlaw Peringanda, geht es um viel mehr als Geld. <\/p>\n<p>\u201cWir wollen, dass unsere W\u00fcrde wiederhergestellt wird. Wir haben unser Vieh und unseren Reichtum verloren. Nach dem V\u00f6lkermord ging der Besitz der Nama und Herero an deutsche Siedler und Kolonialsoldaten. Sie profitierten vom Wohlstand unserer Vorfahren. Darum geht es, wenn wir von einer Wiederherstellung der W\u00fcrde reden. Viele von uns leben heute in Armut, in informellen Siedlungen \u2013 auch eine Art Konzentrationslager.&#8220;<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Claudia Kavita in Herero-Tracht: ein ausladendes orangefarbenes Kleid mit Sch\u00fcrze und die typische Kopfbedeckung, die Rinderh\u00f6rner und damit den Stolz der traditionellen Viehz\u00fcchter symbolisiert. An der Wand h\u00e4ngen handgefertigte Kleider, auf dem Boden liegen Kissen, Taschen und Puppen ebenfalls in Herero-Tracht.\" alt=\"Claudia Kavita in Herero-Tracht: ein ausladendes orangefarbenes Kleid mit Sch\u00fcrze und die typische Kopfbedeckung, die Rinderh\u00f6rner und damit den Stolz der traditionellen Viehz\u00fcchter symbolisiert. An der Wand h\u00e4ngen handgefertigte Kleider, auf dem Boden liegen Kissen, Taschen und Puppen ebenfalls in Herero-Tracht.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/swakopmund-namibia-genozid-104-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>Claudia Kavita in Herero-Tracht: Sie wohnt in einer informellen Siedlung am Rande von Swakopmund, verkauft ihre N\u00e4harbeiten auf der Strandpromenade und trifft dabei oft auf deutsche Touristen.\u00a9 Leonie March<\/p>\n<p>Am Rand von Swakopmund wachsen solche informellen Siedlungen. Winzige H\u00e4user aus Wellblech, Holzplanken und Plastikplanen dr\u00e4ngen sich aneinander. Es gibt weder Strom noch Wasser und Sanit\u00e4ranlagen. Hier leben die Nachfahren der Opfer des Genozids und warten seit Jahrzehnten auf eine Sozialwohnung. Ihre Vorfahren hatten L\u00e4ndereien und lebten von der Viehzucht, aber ihr Land wurde gestohlen.<\/p>\n<p>In einem der kleinen H\u00e4uschen beugt sich Claudia Kavita \u00fcber ihr N\u00e4hzeug. An der Wand h\u00e4ngen handgefertigte Kleider, auf dem Boden liegen Kissen, Taschen und Puppen in Herero-Tracht. Kavita selbst tr\u00e4gt sie auch: Ein ausladendes orangefarbenes Kleid mit Sch\u00fcrze und die typische Kopfbedeckung, die Rinderh\u00f6rner und damit den Stolz der traditionellen Viehz\u00fcchter symbolisiert. Vor neun Jahren ist Kavita hierhergezogen. Sie verkauft ihre N\u00e4harbeiten auf der Strandpromenade von Swakopmund und trifft dabei oft auf deutsche Touristen. <\/p>\n<p>\u201eEinige von ihnen sagen, dass sie uns gegen\u00fcber Schuld empfinden und bitten sogar um Vergebung f\u00fcr das Leid, das ihre Vorv\u00e4ter verursacht haben. Das ist gut, aber es verbessert meine Lebensbedingungen nicht. Durch den Genozid, bei dem auch mein Urgro\u00dfvater get\u00f6tet wurde, haben wir unsere Viehherden und unser Land verloren. Ich lebe von der Hand in den Mund und spare, was ich kann, f\u00fcr die Bildung meiner beiden S\u00f6hne. Ich hatte diese Chance nicht und ich glaube fest daran, dass Bildung das Fundament f\u00fcr ein besseres Leben ist.\u201c <\/p>\n<p>              Kein deutsches Geld f\u00fcr korrupte Eliten<\/p>\n<p>Entsprechend w\u00fcnscht sie sich vor allem eines: dass die Gelder aus Deutschland in Schulen, Ausbildungsprogramme und Universit\u00e4ten flie\u00dfen, in Stipendien f\u00fcr die Nachfahren der Opfer. Pauschale Zahlungen an Namibia sieht sie kritisch. <\/p>\n<p>\u201cGeld ist irgendwann ausgegeben, daher sind konkrete Leistungen besser. Zum Beispiel ein Gesch\u00e4ft f\u00fcr unsere Handarbeiten. Mein gr\u00f6\u00dfter Traum w\u00e4re ein eigenes St\u00fcck Land, auf dem ich K\u00fche und Ziegen halten und etwas Landwirtschaft betreiben kann. Aber wir wissen aus Erfahrung, dass das Geld, das Deutschland an unsere Regierung zahlt, nicht bei uns ankommt. Es gibt einfach zu viel Korruption und Ungerechtigkeit. Es br\u00e4uchte eine unabh\u00e4ngige Institution, die die Zahlungen \u00fcberwacht. Ansonsten gehen wir Nachfahren der Opfer wieder leer aus, w\u00e4hrend sich andere bereichern.\u201c <\/p>\n<p>Das Misstrauen gegen\u00fcber der eigenen Regierung kommt nicht von ungef\u00e4hr. Im Jahr 2004 sollten im Rahmen einer Sonderinitiative der Bundesregierung 20 Millionen Euro in die Siedlungsgebiete der Herero und Nama flie\u00dfen. Kaum etwas davon ist angekommen. <\/p>\n<p>Korruptionsskandale und die ungel\u00f6ste Landfrage spalten Namibia. \u00dcber die H\u00e4lfte des Farmlandes geh\u00f6rt bis heute der wei\u00dfen Bev\u00f6lkerungsminderheit. <\/p>\n<p>Laidlaw Peringanda, der Initiator des kleinen Museums in Swakopmund, weist darauf hin, dass die Landfrage der eigentliche Ausl\u00f6ser des kolonialen Vernichtungsfeldzugs gewesen ist. <\/p>\n<p>\u201eWir wollen das Land unserer Vorfahren zur\u00fcck. Denn ohne Land sind wir nichts. Noch immer besitzt eine Minderheit den Gro\u00dfteil der landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen: neben deutschst\u00e4mmigen Namibiern mittlerweile auch prominente Mitglieder der Regierungspartei. Sie besitzen nun Farmen, die eigentlich f\u00fcr die landlose Bev\u00f6lkerung gedacht waren. Ich wei\u00df also nicht, wer dar\u00fcber wachen wird, dass das Land gerecht verteilt wird.\u201c <\/p>\n<p>              &#8222;Wir sollten Teil der L\u00f6sung sein&#8220;<\/p>\n<p>Wolfgang Kaleck weist darauf hin, dass sich Deutschland der Tatsache stellen muss, dass die Konsequenzen des Landraubs bis heute anhalten. Deshalb sollte Deutschland auch die Mittel bereitstellen, um die Landfrage sinnvoll zu l\u00f6sen. <\/p>\n<p>&#8222;Das Land von heute ist nicht mehr das Land von damals. Was damals den Herero die M\u00f6glichkeit geboten hat, sich vom Land zu ern\u00e4hren, ist heute nicht mehr so einfach m\u00f6glich. Da muss man sehr viel kreativer damit umgehen. Aber der erste Schritt dazu ist erst mal, dass man anerkennt, dass eben nicht nur massenhaft Menschen umgebracht wurden \u2013 so viele, dass man von einem V\u00f6lkermord an den Herero und Nama sprechen muss \u2013, sondern dass eben auch sexualisierte Gewalt und Landraub begangen wurden&#8220;, sagt er. <\/p>\n<p>&#8222;Auch das schmerzt, wenn ein Prozess begonnen wird, indem so wichtige Dinge fast vollkommen ausgeklammert sind. Die politische L\u00f6sung, wie das Land verteilt wird, die muss nat\u00fcrlich die namibische Bev\u00f6lkerung finden. Aber die Deutschen sollten Teil der L\u00f6sung sein und sollten die Ressourcen daf\u00fcr bereitstellen, dass diese Themen \u00fcberhaupt bearbeitet werden. Stattdessen wird auch dieses Thema komplett ignoriert.&#8220;<\/p>\n<p>Laidlaw Peringanda warnt vor einer Eskalation. Er selbst w\u00fcnscht sich eine friedliche L\u00f6sung und einen Dialog unter den Nachfahren beider Staaten. Immer wieder bekommt er in seinem kleinen Museum Besuch von Studenten, Touristen und Wissenschaftlern aus Deutschland. Einige h\u00e4tten sogar bei der Pflege der Gr\u00e4ber geholfen, erz\u00e4hlt er. <\/p>\n<p>\u201eIch habe viele Freunde in Deutschland. Ich kann keinen Groll gegen die heutige Generation hegen. Es war ja nicht sie, die meine Vorfahren vernichten wollte, sondern von Trotha und die Kolonialtruppen. Ich versuche, auch junge deutschst\u00e4mmige Namibier einzubeziehen. Sie wurden hier geboren, sie sind ein Teil Namibias. Ich w\u00fcnsche mir, dass Schwarze und Deutsche in hundert Jahren hier in Koexistenz leben k\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte die Wunden der Vergangenheit heilen.\u201c<\/p>\n<p class=\"media-content-box-main-text\">Quellen: Leonie March (Feature-Autorin), Wolfgang Kaleck (Interviewpartner), Ellen H\u00e4ring (Weltzeit-Redakteurin)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In einer Siedlung am Stadtrand der namibischen K\u00fcstenstadt Swakopmund s\u00e4umen einfache H\u00e4user die sandigen Stra\u00dfen. 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