{"id":14712,"date":"2026-05-07T12:16:07","date_gmt":"2026-05-07T12:16:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14712\/"},"modified":"2026-05-07T12:16:07","modified_gmt":"2026-05-07T12:16:07","slug":"trauriges-jubilaeum-in-kamerun-10-jahre-homophobes-hass-gesetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/14712\/","title":{"rendered":"Trauriges Jubil\u00e4um in Kamerun &#8211; 10 Jahre homophobes Hass-Gesetz"},"content":{"rendered":"<p>Zehn Jahre nach der Versch\u00e4rfung und Umnummerierung sorgt Artikel 347-1 des Strafgesetzbuches in Kamerun weiter f\u00fcr scharfe Kritik. Menschenrechtsaktivisten sehen in der Vorschrift mehr denn je ein Instrument systematischer Ausgrenzung von homosexuellen Personen und sprechen von gravierenden Folgen f\u00fcr Betroffene.<\/p>\n<p>Versch\u00e4rfung vor zehn Jahren<\/p>\n<p>Die Bestimmung war in den 1970er-Jahren zun\u00e4chst als Artikel 347 eingef\u00fchrt worden und richtete sich damals bereits ausdr\u00fccklich gegen Homosexualit\u00e4t. Sie stellte gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen unter Strafe \u2013 ohne zwischen einvernehmlichen und erzwungenen Handlungen zu unterscheiden. Da das Gesetz sowohl privates als auch \u00f6ffentliches Verhalten erfasst, werden <a href=\"https:\/\/schwulissimo.de\/neuigkeiten\/festnahme-von-jugendlichen-kameruns-kampf-gegen-lgbtiq\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">intime Beziehungen bis heute strafrechtlich verfolgt<\/a>. Im Wortlaut hei\u00dft es: \u201eJede Person, die sexuelle Beziehungen mit einer Person desselben Geschlechts hat, wird mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu f\u00fcnf Jahren bestraft.\u201c Dazu sind Geldstrafen von umgerechnet rund 400 Euro m\u00f6glich, das entspricht etwa einem Monatslohn im Land.\u00a0<\/p>\n<p>Im Zuge einer umfassenden Reform des Strafgesetzbuches im Jahr 2016 wurde die Vorschrift dann in Artikel 347-1 umbenannt und in der Auswertung noch einmal versch\u00e4rft \u2013 seit nunmehr zehn Jahren wird auch ganz real im Alltag von Schwulen und Lesben noch radikaler gegen die Community vorgegangen. Afrika-Beobachter werten diesen Schritt auch als politisches Signal, trotz internationalen Drucks an der Kriminalisierung von Homosexualit\u00e4t weiter festzuhalten.<\/p>\n<p>Angst und Ausgrenzung<\/p>\n<p>Vertreter der Gay-Community berichten seitdem von weitreichenden Folgen f\u00fcr den Alltag von Lesben und Schwulen. \u201eZehn Jahre sp\u00e4ter sehen wir, dass Artikel 347-1 die Gesellschaft nicht gesch\u00fctzt hat, sondern das Leben noch unsicherer gemacht hat. Die jungen Frauen und M\u00e4nner, die wir unterst\u00fctzen, leben in Angst und sind von Gesundheitsversorgung und ihren Rechten abgeschnitten. Unser Kampf besteht darin, daran zu erinnern, dass ein gerechtes Gesetz sch\u00fctzen und niemals ausgrenzen darf\u201c, so Peggy Ngangue, Pr\u00e4sidentin der Elle Cameroon Association.<\/p>\n<p>In den <a href=\"https:\/\/schwulissimo.de\/neuigkeiten\/festnahme-von-jugendlichen-kameruns-kampf-gegen-lgbtiq\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">letzten Monaten wurden dabei immer wieder gerade junge homosexuelle M\u00e4nner oft grundlos inhaftiert<\/a>, w\u00e4hrend<a href=\"https:\/\/schwulissimo.de\/neuigkeiten\/freiheit-kamerun-fuenf-schwule-kommen-frei\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> LGBTIQ+-Organisationen oft \u00fcber Monate hinweg um deren Freilassung k\u00e4mpfen m\u00fcssen<\/a>. Der schwule Aktivist Nickel erkl\u00e4rte so: \u201eDieser Artikel ist zu einem Instrument der Stigmatisierung geworden. Es geht nicht nur um rechtliche Verurteilungen, sondern darum, soziale Gewalt zu legitimieren. Denunziationen, \u00f6ffentliche Dem\u00fctigungen, Zwangsr\u00e4umungen \u2026 all das wird durch die Angst vor dem Gesetz gen\u00e4hrt.\u201c \u00c4hnlich bewertet das auch der ebenso schwule Menschenrechtsverteidiger Joachim: \u201eKamerun ist Unterzeichner internationaler \u00dcbereinkommen, die Nichtdiskriminierung garantieren. Zehn Jahre sp\u00e4ter ist es an der Zeit, die Frage zu stellen: Wollen wir ein Land sein, das seine B\u00fcrger sch\u00fctzt, oder ein Land, das sie spaltet?\u201c<\/p>\n<p>Folgen f\u00fcr Gesundheit<\/p>\n<p>Nach Angaben von Aktivisten meiden immer mehr homosexuelle Kameruner aus Angst vor Denunziation oder Festnahme auch medizinische Einrichtungen. Dies schw\u00e4che unter anderem Programme zur HIV\/Aids-Pr\u00e4vention. Hilfsorganisationen arbeiteten teilweise verst\u00e4rkt im Verborgenen, um \u00fcberhaupt noch Unterst\u00fctzung anbieten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zudem werde die Vorschrift immer st\u00e4rker als Legitimation f\u00fcr allt\u00e4gliche Diskriminierung wahrgenommen \u2013 etwa bei K\u00fcndigungen, Zwangsr\u00e4umungen oder \u00f6ffentlichen Dem\u00fctigungen. <a href=\"https:\/\/schwulissimo.de\/neuigkeiten\/festnahme-von-jugendlichen-kameruns-kampf-gegen-lgbtiq\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Festnahmen erfolgten h\u00e4ufig auf Grundlage von Verdachtsmomenten oder Anzeigen<\/a>, ohne belastbare Beweise. Kritiker sprechen von Rechtsunsicherheit und Verfahrensm\u00e4ngeln. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchre die Strafandrohung zu Isolation und Unsichtbarkeit. Viele Betroffene lebten aus Angst im Verborgenen, Interessenvertretungen st\u00fcnden unter Druck und s\u00e4hen sich administrativen H\u00fcrden ausgesetzt.<\/p>\n<p>Forderungen nach Reform<\/p>\n<p>Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International fordern eine \u00dcberarbeitung oder Aufhebung von Artikel 347-1, um die Gesetzgebung mit internationalen Verpflichtungen in Einklang zu bringen. Zudem pl\u00e4dieren sie f\u00fcr einen breiteren gesellschaftlichen Dialog sowie f\u00fcr die Entkriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, um den Zugang zu Gesundheitsleistungen zu erleichtern. Zehn Jahre nach der Reform bleibt Artikel 347-1 aus Sicht der Kritiker ein Symbol f\u00fcr den Konflikt zwischen nationalem Recht und universellen Menschenrechtsstandards. Kamerun stehe vor der Entscheidung, an der bestehenden Gesetzgebung festzuhalten oder eine Reform einzuleiten, die alle B\u00fcrger gleicherma\u00dfen sch\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zehn Jahre nach der Versch\u00e4rfung und Umnummerierung sorgt Artikel 347-1 des Strafgesetzbuches in Kamerun weiter f\u00fcr scharfe Kritik.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14713,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[6720,222,163,6719],"class_list":{"0":"post-14712","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kamerun","8":"tag-angst-und-stigmata","9":"tag-cameroon","10":"tag-kamerun","11":"tag-strafgesetz-sorgt-verstaerkt-fuer-gewalt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116533250138176391","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14712","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14712"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14712\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14713"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14712"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14712"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14712"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}